Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bonn: Haus der Bildung
Zentralbibliothek, Volkshochschule und Stadtmuseum sollen aus verschiedenen Liegenschaften in der Bonner Innenstadt in einen neuen Bau hinter dem Hauptbahnhof zusammengezogen werden. Dieses `Haus der Bildung´ soll 30 Mio. Euro kosten, von einem Investor errichtet und von der Stadt angemietet werden. Dies sei wirtschaftlicher als die Sanierung der bestehenden Einrichtungen, deren Renovierung 3,5 Mio. Euro erfordern würde.
`Ganz nebenbei´ würden durch den Umzug im Zentrum neue Flächen für den Einzelhandel frei. Während es noch keine öffentliche Stellungnahme zur Nachnutzng des Stadtmuseums gibt, soll in das Alte Stadthaus, welches heute die Bibliothek beherbergt, der Elektrofachmarkt `Saturn´ einziehen.
Vielleicht ist dieses Projekt also auch eine Reaktion auf die gescheiterte Bebauung auf dem Bahnhofsvorplatz, die den dringend benötigten Raum für großflächigen Einzelhandel schaffen sollte.
Ob das Alte Stadthaus einen so großen öffentlichen Wert hat, daß eine solche Nutzung ausgeschlossen werden sollte, kann ich nicht beurteilen, ist anscheinend auch kein Thema.
Nicht zuletzt erhofft man sich eine grandiose Aufwertung der rückwärtigen Bahnhofsumgebung und die Entstehung einer neuen `Kulturachse´ zwischen Haus der Bildung und dem unlängst renovierten Rheinischen Landesmuseum.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/artikel.php?id=165061
Man mag es kaum glauben, doch der Hauptbahnhof zieht Klötze magisch an:
http://www.bonn.de/php/modules/service/index.html?lang=&bildtitel=&titletext=Bild&alttext=Bild+72+%26copy%3B+Stadt+Bo nn©right=+%26copy%3B+Stadt+Bonn&bild_gross=/imperia/md/images/familie-gesell-bild-soziales/haus_der_bildung_3.jpeg
http://www.bonn.de/php/modules/service/index.html?lang=&bildtitel=&titletext=Bild&alttext=Bild+48+%26copy%3B+Stadt+Bo nn©right=+%26copy%3B+Stadt+Bonn&bild_gross=/imperia/md/images/familie-gesell-bild-soziales/haus_der_bildung_1.jpeg
`Die Stadt´ zum Thema:
http://www.bonn.de/familie_gesellschaft_bildung_sozial es/topthemen/03740/index.html?lang=de
Grundsätzlich stehe ich dem Vorhaben positiv gegenüber, aber
- warum muss jedes noch so kleine Fleckchen in der Innenstadt zugebaut werden?
- warum wird es wieder ein Klotz/ Riegel, der in Proportion und Stil nun gar nicht auf seine Umgebung eingeht?
- warum gibt es wieder keinen Architekturwettbewerb?
- was passiert mit dem denkmalgeschützten Alten Stadthaus, dass für großflächige Einzelhandelsnutzung ohne Eingriffe in Bausubstanz und Erscheinungsbild nicht nutzbar ist?
tut mir leid, dass ich wieder meckern muss.
mischakr
06.05.2006, 20:56
Sicher soll dass zugebaut werden-ist doch keine schöne Ecke, nur Fahrradabstellplatz und nen paar alte Baracken. Je enger desto urbaner, finde ich. Gerado grosse, nicht gestaltete Arreale, planloses durcheinander oder Baulücken machen Städte hässlich, siehe Bahnhofsvorplatz
Grundsätzlich stehe ich dem Vorhaben positiv gegenüber, aber
- warum muss jedes noch so kleine Fleckchen in der Innenstadt zugebaut werden?
Um diesen finde ich es nicht schade. Eine Bebauung an dieser Stelle kann für mehr Geschlossenheit und damit mehr Urbanität sorgen. Vor allem, wenn die überwiegende Wohnnutzung durch eine kulturelle ergänzt wird.
- warum wird es wieder ein Klotz/ Riegel, der in Proportion und Stil nun gar nicht auf seine Umgebung eingeht?
Das ist der eigentliche Hammer.
- warum gibt es wieder keinen Architekturwettbewerb?
METRO steht auf der Matte. Ein Wettbewerb birgt die Gefahr, daß die Öffentlichkeit etwas von dem Projekt bemerkt - mit den gewohnten Konsequenzen. Saturn möchte aber u.U. nicht mehr warten.
Der beste Grund gegen den Wettbewerb ist jedoch, daß dann der Klotz nicht hätte gebaut werden können.
- was passiert mit dem denkmalgeschützten Alten Stadthaus, dass für großflächige Einzelhandelsnutzung ohne Eingriffe in Bausubstanz und Erscheinungsbild nicht nutzbar ist?
Mal gucken. Man muß den Leuten nur in Erinnerung bringen, daß es ein unerträgliches Symbol der Fremdherrschaft ist. Um diese schmachvolle Zeit und nicht zuletzt die Besatzer selbst auch geistig zu überwinden, muß das Alte Stadthaus durchgreifend demokratisiert werden. Der Exorzist greift hier i.d.R. zu Glas und Stahl.
tut mir leid, dass ich wieder meckern muss.
Als Meckern würde ich das nicht bezeichnen.
Sicher soll dass zugebaut werden-ist doch keine schöne Ecke, nur Fahrradabstellplatz und nen paar alte Baracken. Je enger desto urbaner, finde ich.
Im Prinzip richtig.
Gerado grosse, nicht gestaltete Arreale, planloses durcheinander oder Baulücken machen Städte hässlich, siehe Bahnhofsvorplatz
Auch richtig. Stellt sich nur die Frage, ob dem `Haus der Bildung´ ein größerer Plan zugrunde liegt.
Echnaton
09.05.2006, 09:57
Je enger desto urbaner, finde ich. Würde ich nicht unterschreiben. Offene Plätze gehören auch zu einer Stadt - Bonn ist insgesamt recht eng - gerade auf der Rückseite des Hbf fehlt Raum.
Würde ich nicht unterschreiben. Offene Plätze gehören auch zu einer Stadt - Bonn ist insgesamt recht eng - gerade auf der Rückseite des Hbf fehlt Raum.
Zu einer wahren Stadt gehören geschlossene Plätze. Da die Anlage eines solchen hinter dem Hauptbahnhof nicht möglich ist, bin ich für eine Bebauung.
Bevor man dort etwas baut, sollte es ein Gesamtkonzept für den gesamten Bahnhofsbereich geben. Im Moment sind noch soviele Fragen ungeklärt, dass man m.E. jetzt nicht mit einer Bebauung Fakten schaffen sollte.
Vielleicht wäre es möglich, unter der Prämisse, dass künftig deutlich weniger Buslinien den Hauptbahnhof anfahren, einen kleinen Busbahnhof anzulegen, evtl. auch für die Fernbusse, die derzeit am Alten Friedhof abfahren. Insgesamt könnte die Bahnhofsrückseite stärker für die verkehrliche Erschließung genutzt werden, um zur Innenstadt hin einen verkehrsberuhigten Bereich ermöglichen zu können.
Der Fußweg vom Busbahnhof in die Innenstadt würde sich ziemlich verlängern.
Und solange das Straßenbahnnetz nicht ausgebaut wird - und danach sieht es im Moment leider aus -, sollte man auch nicht die Anzahl der Buslinien zum Hauptbahnhof reduzieren.
Gegen den Plan, das Haus der Bildung hinter dem Hauptbahnhof zu errichten, hat sich eine Bürgerinitiative gebildet. Ziel ist die Unterbringung im denkmalgeschützten alten Stadthaus am Bottlerplatz (Fußgängerzone).
http://www.bottlerplatz-bonn.de/
Unterstützt wird die Initiative von den Grünen, bei der CDU hat man sich noch kein abschließendes Urteil gebildet (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10490&detailid=245560).
27.11.2006, 21:53 Es wurde nun bestätigt, daß `Saturn´ in das Alte Stadthaus ziehen möchte.
Es ist u.a. geplant, die Fenster im Erdgeschoß bis zum Boden herunterzuziehen.
So soll es aussehen: Klick! (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10490&mode=bild&detailid=247249&bid=175461)
27.11.2006, 23:21 Nun ja, wenn die Fassade in Ordnung bleibt-sicher würde ein Saturn die etwas tote Ecke in der Stadt beleben.
Und sicherlich ist ein Elektronikgroßmarkt kulturell relevanter für die heutige Gesellschaft als eine Bücherei...könnte quasi der neue soziale Treffpunkt in der Stadt werden-endlich ein Grund, für alle in der Peripherie oder Unterzentren verstreuten Bonner, Samstags doch in die Innenstadt zu fahren. Vielleicht wird so die Innenstadt zum gefühlten Zentrum der jungen Bonner...
Schade nur dass das Haus der Bildung so mittelmäßig aussieht und an so einen zweitrangigen Platz gelegt wird.
Die innere Weststadt wird jedoch sehr profitieren, an der Strassenecke ein sehr netter Ort entstehen-vielleicht gibts dann auch mehr Leben im Viertel, die eine oder andere Bar dazu und mehr Menschen auf der Strasse. Schöne Fassaden gibts genug!
Ein Architekturwettbewerb hätte wohl auch nichts gebracht, da ihn sicherlich einer der hoch renommierten Bonner Architekten gewonnen hätte- da kann man Geld und Zeit sparen
Oder doch nicht? Wo das Haus d.B. doch beschlossenen Sache der großen Koalition zu sein scheint, sollte man möglichst früh auf einen Wettbewerb drängen
Kann mir jemand sagen wie man einen solchen Wettbewerb fordern kann? hat jemand Lust, gemeinsam einen Bürgerantrag einzubringen? dann müsste sich die Politik wenigstens damit beschäftigen.
Gibt es Gesetze in NRW, welche eine Wettbewerb fordern? Was sagt der BDA dazu? Erinnere mich, daß der BDA damals die Bebauung des Bahnhofsvorplatzes kritisiert hat wegen eines fehlenden Wettbewerbes
Meiner Meinung nach gibt es nur eine Möglichkeit: Der Einzelhandel braucht offensichtlich große Verkaufsflächen, Bonn ist keine Kleinsatdt mehr. Bonns Innenstadt sollte wachsen, und dies wäre bestens möglich über den B.v. Sutnerplatz hinaus Richtung Beethovenhalle.
Da kann man gerne abreißen und neumachen, historisches gibts nicht mehr in dieser Region, der Status quo ist traurig, die Büros oft leer, die Infrastruktur gut. Der B.v.Suttnerplatz wäre der optimale Ort für einen großen Elektronikfachmarkt
30.11.2006, 22:21 Bonn hat diese Flächenknappheit selbst verursacht, indem es die nördliche Innenstadt mit dem Durchbruch der Oxfordstraße und des Suttnerplatzes vom Rest abgetrennt hat. Das Gebiet jenseits dieser Schneise ist für hochwertigen Einzelhandel damit verloren.
Am Suttnerplatz selbst wird leider auch nichts in diese Richtung passieren, weil alles in privater Hand ist und Parzellen für den Bau eines Großkaufhauses dort nur unter größten Schwierigkeiten zusammengelegt werden können.
Außerdem müßte man da Geld investieren, während das Stadthaus, das die Stadt `Saturn´ ja regelrecht hinterherträgt, vergleichsweise günstig umzubauen wäre.
1.12.2006, 2:11 Auch Einzelhandelsverband und City-Marketing fordern neue Magneten für die Innenstadt (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10002&detailid=244837). Meines Erachtens wurde ein Saturn o.Ä. der Innenstadt sehr gut tun, allerdings bitte nicht im Alten Stadthaus. Es ist Augenwischerei so zu tun, als müssten dafür nur die Fenster im EG leicht verändert werden. Auch im Innern des Gebäudes müsste wohl Einiges verändert werden.
Für das Haus der Bildung wäre das Gebäude dagegen prädestiniert: zentral, repräsentativ, historisch, städtisch. Kurzfristige finanzielle Überlegungen dürfen die wichtige Entscheidung über seinen Standort nicht bestimmen.
Großflächiger Einzelhandel ist m.E. an folgenden Orten möglich (und würde hier zu einer enormen Aufwertung führen):
*Bahnhof: optimaler Standort, wenn die Stadt endlich begreifen würde, dass man eine vernünftige Lösung nicht zum Nulltarif bekommt...
*(Neues) Stadthaus: Sockel abreißen, Tiefgarage bauen und man bekommt ein riesiges Areal in Toplage. Unterm Stadthaus kann ich mir ein Einkaufspassage und Büros vorstellen, entlang der Max- und Weiherstraße überwiegend Wohnnutzung mit Blockrandbebauung. Städtebaulich ein riesiger Fortschritt und das Areal müsste eigentlich relativ schnell verfügbar sein.
*Viktoriabad: für Einzelhandel vielleicht etwas zu abgelegen, obwohl nur rund 150m vom Markt entfernt. Ein Saturn o.Ä. könnte hier jedoch ebenfalls eine große Aufwertung darstellen.
Fazit: drei Schandflecken, wo man mit der Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel einen höheren städtebaulichen Mehrwert erzielen könnte, als dies am Bottlerplatz der Fall wäre.
Das Haus der Bildung wird nun doch nicht in einen angemieteten Neubau hinter dem Bahnhof, sondern ins Alte Stadthaus am Bottlerplatz ziehen. Eine vernünftige Entscheidung.
Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10490&detailid=272219
Mit der Entscheidung für das Alte Stadthaus als Standort für das Haus der Bildung kündigt sich eine, wie ich finde, interessante Entwicklung an. Das seit einer halben Ewigkeit vor sich hindämmernde Areal des Windeck-Hochbunkers (klick mich!) (http://www.general-anzeiger-bonn.de/ticker/show_bild.php?id=195889) könnte bebaut werden, um entweder den zusätzlichen Flächenbedarf für das Haus der Bildung oder auch großflächigen Einzelhandel unterzubringen.
Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10490&detailid=271668&page=0
Kommentar: Wäre schön, wenn die Innenstadt in diesem Bereich belebt und erweitert werden, und die Lücke zur Thomas-Mann-Str. geschlossen werden könnte. Ich könnte mir allerdings auch Wohnungen dort gut vorstellen.
http://img353.imageshack.us/img353/5642/bottlerplatz1ix8.jpg
Das Alte Stadthaus vom Mülheimer Platz. Eines der wenigen historischen Großbauten in der Innenstadt, entstanden während der französischen Besatzungszeit um 1920.
© rec
Schlimm, daß die Stadt erst nach dem Scheitern ihrer undurchdachten Schnellschüsse auf das Windeckgebiet aufmerksam wird.
Die Bändigung der Tiefgaragenrampe wird allerdings einiges an Kreativität einfordern, wenn das ein gefälliger Straßenzug werden soll. Daran wird es wohl scheitern.
Der Projektbeirat Haus der Bildung hat einstimmig beschlossen, einen EU-weiten, begrenzten Architektenwettbewerb auszuschreiben. Dieser soll nicht nur die Planung zum Umbau des alten Verwaltungsgebäudes vorsehen, sondern auch Vorschläge unterbreiten, „die spätere Erweiterungen und Ergänzungen für das Stadtmuseum und die Gedenkstätte in Richtung Pavillon und Windeck-Bunker" ermöglichen.
Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1195834760185.shtml
Rhinefire
10.12.2007, 12:50
Die Kölnische Rundschau schreibt in ihrer heutigen Ausgabe (siehe nachstehender Link http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1195834762189) dass die Ten-Brinke-Gruppe im Alten Stadthaus einen Elektronikmarkt unterbringen möchte.
Hat jemand weitere Infos?
Gruß
Rhinefire
^
Daraus wird nichts werden. Es gibt einen Ratsbeschluss, dort das Haus der Bildung unterzubringen und, wenn man dem Artikel glauben darf, ist es politischer Konsens, dass es dabei bleibt.
mischakr
20.10.2008, 18:44
Der Wettbewerb ist entschieden:
http://www.bonn.de/familie_gesellschaft_bildung_sozial es/topthemen/07424/index.html?lang=de
Ein Entwurf für den Windeckbunker ist gleich mitgeliefert worden.
Über das Ergebnis wird sicherlich eine Diskussion entbrennen, zumal auch historische Subtsanz angetastet wird.
Rhinefire
21.10.2008, 12:48
Das ist ja schon wieder so ein grottenhässlicher Betonklotz!
Das Preisgericht leidet an hochgradiger Geschmacksverirrung!!!
Hoffentlich überträgt sich das nicht noch auf alle entscheidene Gremium. Beim Anblick des Entwurfes dreht sich ja einem der Magen um.
Warum hat sich das Architekturbüro nicht an der vorhandenen Bebauung orientiert?
Schmittchen
21.10.2008, 14:15
Weil es dann den Wettbewerb nicht gewonnen hätte.
Dieser unsägliche Entwurf eines ortsfremden Büros zeigt das ganze Elend solcher Veranstaltungen.
Grausam. Hier (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=510684) der entsprechende Presseartikel mit Bildchen.
Der Siemens-Bau ist ein Beispiel für hervorragende Architektur der 50er Jahre. Unaufdringlich, dennoch mit eigenen Qualitäten wie dem Arkadengang passt er sich wunderbar zwischen neobarockes Altes Stadthaus und die Gründerzeitbebauung der Münsterstraße ein. Er sollte unbedingt erhalten bleiben!
Was wundern sich zeitgenössische Architekten über Kritik an ihrer Arbeit, wenn es ihnen nur darauf ankommt sich selbst zu verwirklichen? Städtebauliches Feingefühl sucht man hier wieder einmal vergebens.
Ich hoffe hier wirklich auf das kleinere Übel, die Präferenz der Verwaltung wenigstens scheint bei dem zweitplatzierten Entwurf zu liegen.
Echnaton
22.10.2008, 00:15
^^Wenn der Architekt damit sich selbst verwirklicht hat, dann ist das eine sehr kümmerliche Selbst. Diese ideenlose Kargheit ist weder dem Orte angepasst, noch originell. Ein funktionaler Hintergrund für diese Fassade ist nicht zu erahnen.
mischakr
22.10.2008, 18:57
nach anfänglichem Schrecken habe ich mir den Entwurf mehrmals angesehen und kann ihm inzwischen positive Seiten abgewinnen.
Für eine sachliche Diskussion sollte man die Bewertung des Abrisses historischer Substanz von der Bewertung neuer Entwürfe trenne, auch wenn das noch so schwierig ist.
Oder ist ein Gebäude automatisch schlimm, wenn dafür etwas älteres abgerissen wird? Würde der Entwurf nicht automatisch gefeiert, wenn ihm eine Bausündeplatz machen müsste?
1) Das Siemenshaus ist sicherlich ein netter Bau der 50er, auch wenn er wie ein konservativer Bau der 30er aussieht. Problem ist aber, dass der Mülheimer Platz nicht als solcher wargenommen wird. Die Freifläche wird ausschliesslich durch die Rampe zur Tiefgarage dominiert. Cassiusbastei und Karstadt (für die vor einigen Jahrzehnten Gründerzeitbauten weichen mussten, wenn ich mich nicht irre), stehen mit dem Rücken zum Platz und geben ihm keinen Wert. Die Altbauten am Platz aber auch nicht. Sie wirken verschlossen und langweilig.
Der Mülheimer Platz ist somit seit Jahrzehnten verwüstet. Ob er früher einmal besser war, weiss ich nicht. In der Innenstadt scheint er jedenfall keine große Rolle gespielt zu haben.
Wenn der Siemensbau weicht, dann geht ein konservativ-historisiernder, bis auf die Loggia langweiliger Bau der 50er verloren. Kein Bau der Gründerzeit oder früherer Epochen. Und auch kein Bau, welcher eine emotional wichtige Rolle im Stadtbild spielt. Natürlich kann man prinzipiell beklagen, dass wieder mal ein Stück historische Innenstadt verlorengeht (falls man einen Nachkrigesbau überhaupt als solchen bezeichen kann)
2) Ich finde den neuen Bau relativ interesant und offen. Er respektiert Höhen und Blockrand. Und er steht für einen neuen Trend: skupltural-minimalistische Bauten in den Innenstädten, ohne strenges Raster und oft aus hochwertigen Materialien wie Sandstein und Ziegeln. Kolumba in Köln ist wohl ein gewisser Leitbau für diese Klasse. Auch das jüdische Museum Köln und diverse Synagogen würde ich dazu zählen.
Ich schätze diesen Trend ausserordentlich. Denn bis vor wenigen Jahren gab es doch nur folgende Optionen (ich erinnere mich noch an die Diskussionen vor nicht allzulanger Zeit hier im Forum):
-Rekonstruktion historischer Bauten (teuer, selten, rückwärtsgewand)
-kritische Rekonstruktion wie in Berlin (oft aber nur mittelmäßige, austauschbare Investorenarchitektur mit Natursteinverplattung)
-Stahl/Glaskisten ("transparent", langweilig, ohne Bezug zum Ort, austaschbar, sind zum Glück aus der Mode gekommen)
-weisse Moderne im Bauhaus-Stil (wenig Innenstadtkompaktibel, etwas worüber sicht ältere Architekten gerne freuen aber sonst niemand).
die drei letztgenannten sind langweilige Stile, die nicht substanziell zur Aufwertung unserer oft zerstörten Innenstädte beitragen.
-im krassen Gegensatz dazu gab es effekthaschende, spektakuläre Architektur (Organische Bauten, Zickzack a la Liebeskind, Blasen aus neuartigen Materialen, Bauten, die erst durch spektakuläre Beleuchtungskonzepte zu etwas werden). Diese Option ist zwar keinesfalls langweilig, integriert sich allerdings nicht in die historische Stadt und ist mit Vorsicht zu geniessen.
Die skulptural-minimalistischen Bauten sind für mich eine wichtige Möglichkeit für die Zukunft, modern, interessant, individuell und doch gut integriert in den historischen Innenstädten zu bauen. Stellen sie am Ende sogar den oft gesuchten 3. Weg da, die zerstörten Innenstädte zu retten?
Eventuell könnten sie die tragende Alternative werden für den, der keine Lust hat, sich in den Zweikampf kompromissloser Bauhausmodernität und konservativ-historisierenden Bauens zu begeben. Den dieser Zweikampf hat leider in den letzten Jahrzehnten die architektonischen Diskussionen dominiert und leider oft blockiert.
Skulpural-minimalistische Bauten wie Kolumba könnte somit ein Kompromiss werden zwischen Tradition und Moderne und gleichzeitig die erste wirkliche Innovation seit langer Zeit darstellen.
Für die mittelalterlich-verwinkelten Innenstädte wären sie eine große Chanche. Denn die bisherigen Beiträge zum Wiederaufbau der Städte funktionieren meist nur gut in der strengen Blockstruktur der Großstädte, siehe Berlin.
Fazit: sicherlich wäre der Abriss des Siemenshauses ein Verlust. Aber wahrscheinlich wäre der Neubau ein großer Gewinn, eine hochwertige Fassadenoberfläche vorrausgesetzt. Es würde ein Zeichen setzen und den Mülheimer Platz wieder zu einem Ort machen. Der 2. Entwurf erhält zwar den Siemensbau, kann aber die Probleme des Mühlheimer Platzes nicht lösen. Und zudem sieht der 2. Entwurf einen teilweise aggresiven Eingriff in die Fassade des neobarocken Baus vor. (vielleicht wäre für alle Freunde des historischen Stils ein Saturn-Lösung die bessere gewesen).
Die Bonner Innenstadt hat genügend schöne historische Bauten und mehr als genügend langweilige Wiederaufbauarchitektur. Was bisher völlig fehlt, ist ein moderner Bau hoher architektonischer Qualität. Die Bonner Innenstadt ist zwar harmonsiche und relativ schön, einen Leuchtturm wie in Köln gibt es nicht. Warum ich den 1. Platz für interessant und hochwertig halte, habe ich oben ausführlich erklärt. Ich würde lieber zweimal nachdenken, bevor ich auf die Chanchen, die er mit sich bringt, verzichte.
hier eine Visualisierung des 1. Platzes, vor und nach der Überarbeitung:
vorher:
http://img529.imageshack.us/img529/8057/hausderbildungaltdl7.jpg
nachher:
http://img516.imageshack.us/img516/9462/hausderbildungdm6.jpg
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Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddateien wurde in Links geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=5682) achten! Vielen Dank.
Rhinefire
26.01.2009, 13:23
Gibt es auch eine Ansicht von der Münsterstrasse her?
mischakr
12.02.2009, 18:32
wie ich gestern im Bonner Leitmedieum "Schaufenster" lesen konnte, hat der Rat einstimmig der Realisierung des 1. Entwurfes zugestimmt.
hier auch, für dich Rhinefire, die Ansicht von der Münsterstraße: http://img149.imageshack.us/img149/641/hausderbildung2gu3.jpg
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Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddateien wurde in Links geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=5682) achten! Vielen Dank.
Auf Seiten der Bonner-Grünen befindet sich ein auskunftsreiches PDF-File zum erstplatzierten Entwurf für das kommende Haus der Bildung im alten Stadthaus:
http://gruene-bonn.de/fileadmin/user_upload/gruene_kvfr_bonn/Fraktion/Themen/1_Preis_Haus_der_Bildung.pdf
Entgegen der ersten Befürchtungen kann man ganz und garnicht von Betonfassade sprechen. Sowohl Sockel als auch Obergeschosse bestehen vollständig aus kleinteiligem Mauerwerk (siehe S.10).
Obwohl das alte Stadthaus oben kein Mauerwerk zu bieten hat, gefällt mir der Entwurf auch im Bezug zur Fassade von Karstadt. Und an die Cassius Bastei kann und sollte man sich eh nicht anpassen.
Zudem finde ich es eine gute Idee eine spürbare Verbindung zwischen Münster- und Mülheimer-Platz zu schaffen. Die VHS wird schon für einige Besucherströme sorgen. Und der große Vortragssaal sollte sich transparent an den großen Fenstern des Neubaus präsentieren.
Weiterhin die auf den ersten Blick unpassend anmutende Dachkonstruktion, hier ist ähnlich wie bei Schmitzens Entwurf für den Bahnhofs-Vorplatz eine durchsichtige Variante geplant. Meinem Empfinden nach sehr richtig, da es mir hinter Karstadt immer vom Lichtverhältnis sehr dunkel vorkommt.
Beim zweitplatzierten Etnwurf gefällt mir die Integration eines Cafés.
Allerdings würde bei dieser Variante auch das ältere Mauerwerk des Stadthauses angegriffen, dazu der Innenausbau der denkmalgeschützten Bausubstanz - passiert beim Siegerentwurf nicht!
Seh ich es richtig, dass der Haupteingang gegenüber der Ausfahrt der Tiefgrarage Münsterplatz liegt?
Keine besonders befriedigende Situation. Wurde das schon einmal irgendwo thematisiert?
Rhinefire
11.12.2009, 10:02
Der General-Anzeiger schreibt in seiner heutigen Ausgabe, dass das Siemenshaus leersteht und demnächst abgerissen wird.
Es gibt aber auch Stimmen die fordern, das besagte Haus unter DENKMALSCHUTZ zu stellen.
Ausserdem berichtet der GA über eine Baukostensteigerung, da die technische Ausrüstung bisher nicht mit einkalkuliert wurde.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=674588
Im Moment sieht es wohl so aus, als ob die Pläne zum Haus der Bildung Sparmaßnahmen zum Opfer fallen könnten. Es wäre ziemlich dumm, das Siemenshaus abzureißen und dann kein Geld für den Neubau zu haben.
Mir wäre das recht. Das Siemenshaus ist ein schönes Gebäude, dessen Fassade zumindest meiner Ansicht nach allemal denkmalwürdig ist. Der Neubau wird ein typischer 2000er-Jahre-Klotz mit keiner Verbindung zum Rest der Bebauung. Optisch kein Gewinn!
Rhinefire
27.01.2010, 21:23
Auf www.bonn.de wurde der Abriss des Siemenshauses öffentlich ausgeschrieben.
Heute gab es einen großen Bericht über das Haus der Bildung, siehe Link. In dem Artikel wird übrigens das Grundstück an der Quantiusstraße wieder in die Diskussion gebracht.
Es ist dasselbe Gelände auf dem eigentlich das Intercity-Hotel gebaut werden soll!
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=691926
Nun wird tatsächlich das Siemenshaus am Mühlheimer Platz abgerissen - bis Ende September soll der Abriss vollzogen sein.
Damit laufen die Vorbereitungen für das Haus der Bildung endlich an.
Quelle (http://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/presseportal/pressemitteilungen/12648/index.html)
metropolitan
09.07.2010, 21:15
Ich finde das etwas schade.. das Siemenshaus war ein Beispiel für die zaghaften Versuche in der Nachkriegszeit, den zerbombten Innenstädten neue Identitäten zu stiften. Als solches hatte es, trotz oder gerade wegen seiner historisierenden Formen, durchaus einen Denkmalwert. Auch städtebaulich hat es einen gewissen Akzent gesetzt, indem es mit seinem Säulenportikus eine Art "point-de-vue" am Ende der Sichtachse vom Münsterportal aus geschaffen hat. Der Neubau wird dies wohl nicht leisten. Nun ja, aber der Zweck heiligt die Mittel. Auf diese Weise kann wenigstens das Alte Stadthaus als öffentliches Gebäude erhalten bleiben und wird nicht zur Saturn- Filiale degradiert...
Das Haus der Bildung hätte auch unter Erhaltung des Siemenshauses eingerichtet werden können. Es gab ja laut GA Überlegungen, das Siemenshaus unter Denkmalschutz zu stellen, was meiner Meinung nach auch berechtigt wäre. Kennt jemand irgendwo in der Region einen ähnlichen Bau? Ich nicht.
Die Frage ist nur, warum wurde das nicht gemacht? Vielleicht, weil das Haus der Stadt gehört und man sich selbst nicht zumuten will, was man privaten Eigentümern zumutet? Vielleicht, weil man geschlafen hat? Bonn und Denkmäler, das ist eine traurige Geschichte. Jedenfalls ist der Klotz, den sie anstelle des Siemenshauses geplant haben, kein Gewinn.
Es ist natürlich schade um das Siemenshaus. Selbst der Architekt, der für die Umbaupläne verantwortlich zeichnet, war voll des Lobes über das Stück gelungene Architektur seiner Zeit.
Leider war der jetzt beschrittene Weg die einzige Möglichkeit einen akzeptablen, barrierefreien Zugang zum Haus der Bildung zu schaffen. Andernfalls wären massive Eingriffe in die Fassade des Alten Stadthauses nötig gewesen und eine lange Rampe anstelle der heutigen Eingangstreppe. Die hätte bis weit in den Bottlerplatz hereingereicht.. Die Vorschriften, welche Neigungswinkel noch behindertengerecht sind, sind sehr streng.
^
Dass die Notwendigkeit zur Schaffung eines barrierefreien Zugangs keine andere Option als den Abriss des Siemenshauses offen ließ, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ohne die Details zu kennen behaupte ich, dass dieser Grund nur vorgeschoben wurde, um die Kritik am Abriss verstummen zu lassen. Der Eingang zum Siemenshaus ist ohne Stufe möglich und im Inneren sollte sich eine barrierefreie Erschließung aller Teilbereiche durch Rampen oder Aufzüge doch bewerkstelligen lassen.
Für mich ist der Abriss ein wirkliches Ärgernis. Das Siemenshaus gehört sicher zu den wertvollsten Nachkriegsbauten in der Innenstadt. Es passt sich elegant und angenehm zurückhaltend an dieser städtebaulich nicht unkritischen Stelle wunderbar ein.
Rhinefire
01.09.2010, 20:43
Das Haus der Bildung ist hinter Gerüstplanen verdeckt und bald wird ein Bagger dafür sorgen, dass es ganz verschwindet.
http://img812.imageshack.us/img812/5161/bonn01092010020.jpg
Aufnahmedatum: 01.09.2010
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