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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Altstadt-Salon


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Schmittchen
07.07.09, 08:50
Um Raum für Belange zu schaffen, die zum Verständnis der Hintergründe beitragen können, gibt es nun den Altstadt-Salon. Beachtet bitte auch hier unsere Richtlinien (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=7219) und stellt Politisches nicht allzu sehr in den Vordergrund.

Bitte nutzt den Altstadt-Salon künftig um über die weniger konkreten Dinge mit Bezug zur Altstadt in historischer und aktueller Gestalt zu berichten und zu diskutieren. Konkret Projektbezogenes zum Teilgebiet des Dom-Römer-Areals und die Diskussion darüber bitte in den Thread (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=8628) "Neugestaltung Dom-Römer-Areal - Planungs- und Bau-Thread", so soll dieser Strang möglichst lesbar und informativ gehalten werden. Um den Abriss des Technischen Rathauses geht es in diesem Thread (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=8980).

RobertKWF
08.07.09, 00:38
In einem rundum schlüssigen Plädoyer, am Montag 06.06.2009 auf dem Podium des Altstadt-Forum in Frankfurt hinter dem Technischen Rathaus, machte Martin Mosebach vor den versammelten Zuhörern, unter ihnen auch zwei Stadtverordnete, seine Sicht der Altstadtsituation anschaulich «Um den Dom wieder erleben zu können, muss die Bebauung um ihn herum kleinteilig sein.».

Im Artikel der fnp-online vom 07.07.2009 sind davon nur einige Passagen skizziert:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6198160.de.htm

Leider ist der Komplette Text der Rede hier nicht wiedergegeben, obwohl sie das Potential für ein größeres Publikum hat.

RobertKWF
08.07.09, 23:56
Die Ausschreibung für den "Archäologischen Garten", mit ihren auslegbaren Rahmenbedingungen und ihrer Jury-Besetzung, zeigt unter anderem schon bestimmte, zwar noch diffuse, Zielsetzungen und damit auch bestimmte Mängel. So verbaut sie ganz offensichtlich eine wünschenswerte ganzheitliche Rekonstruktion auf dem in Frage stehenden Areal.

Auch die Presse rätselt und natürlich auch der BDA macht sich so seine Gedanken.
Nachzulesen in der der faz.net vom 08.07.2009:
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E1F6FC1D3AE9840D799999D9870456E 8C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Wie problematisch diese "Auseinandersetzung" und "Anpassungen" an vorhandene moderne Gebäude werden kann, sieht man heute am Beispiel der Rückseitenbebauung der Römerberg-Ostzeile, an die die neuen Rekonstruktionen anschließen müssen, an der Schirn-Kunsthalle mit ihrem Tisch und den "Anpassungen" an den Schwarzen Stern. Jede Art von Übergangsarchitektur, ob von Rekonstruktionen oder von erhaltenen historischen Bauten aus an vorhandene moderne Konstruktionen, generiert nach einiger Zeit große Probleme.

RobertKWF
10.07.09, 02:47
"Lehrbeispiel der gegenwärtigen Architektur-Misere: Unter dem verschmockten Titel „Fünf Jetztzeithäuser für Frankfurt“ werden Musterhäuser vorgestellt, die sich mit historischen Bauten verbinden sollen. Das Areal, um das es dabei geht, ist die Mitte Frankfurts, zurzeit das wohl am schlimmsten verunstaltete Zentrum einer deutschen Großstadt."

Den Feuilletonisten, wie auch Dieter Bartetzko, muss man zugestehen, dass sie die Dinge aus anderer Sicht sehen und beschreiben, wie etwa andere berufs- und fachbezogene Disziplinen, mit ihrer jeweiligen eingegrenzten Sichtweise und ihren zugegebenermaßen mitunter fachlichen Spezialkenntnissen.

Gerade aber deswegen sind Beiträge von Personenkreisen wie die Erstgenannten, die viel näher am Menschen und seinen Bedürfnissen angesiedelt sind, von unverzichtbarer Bedeutung, auch wenn man nicht immer und in allen Punkten der Meinung des Autors folgen muss.

Dieter Bartetzko in der faz.net vom 09.07.2009 über Architekten und Stadtplanung aus Anlass der Neugestaltung in der Frankfurter Altstadt:
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E3AA5D772C7214E15AE944F5236B4F9 7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

RobertKWF
14.08.09, 03:38
Werner Pfaff will also mitbestimmen was gebaut wird.
Wie Günter Murr in der fnp-online vom 12.08.2009
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6373286.de.htm
berichtet, verkündet Werner Pfaff, dass nichts gebaut wird, was nicht vermarktbar ist.

Diese Aussage wirkt auf mich so, als würde er tatsächlich darüber mitbestimmen können, was auf dem in Frage kommenden Areal der Altstadt gebaut werden wird und dass er nicht "nur" die bisher bekannten Vorgaben der Stadtverordneten und des Magistrats umsetzen wird oder soll, sondern auch Einfluss auf das Wie und Was nehmen will. Dies ist ein weiterer negativer Faktor in Bezug auf möglichst viele gute Rekonstruktionen und ein Gebäude-Ensemble, das einen Teil der früheren Altstadt auch wirklich erlebbar macht. Vieles ist also noch unscharf mit Überraschungspotential.

Weiter ist In diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass Werner Pfaff sich wohl bereits mit dem Altstadtfreund Jürgen Aha vom Altstadt-Forum streitet und diesen auch schon aus seinem Büro geworfen hat, wie in diesem fnp-Artikel nachzulesen ist, er einem Konflikt mit den Altstadtfreunden also nicht ausweicht. Anstatt also integrierend und ausgleichend zu wirken, wird er scheinbar energisch vorgehen wollen, alles aus dem Wege räumend was "sein Projekt" zeitlich aufhalten könnte.

Aus der CDU-Ecke kommen erste skeptische Kommentare "Wir wissen nicht, in welche Richtung das gehen wird»" und "Wir werden darauf achten, dass unsere Beschlüsse umgesetzt werden", wie zu lesen ist. Die Frage ist aber, ob sich diese zaghaften Stimmen gegen einen Macher wie Werner Pfaff noch durchsetzen können.

Auf jeden Fall ist auch Jürgen Aha nicht entspannt und wird die Flinte längst nicht ins Korn werfen.

RMA
14.08.09, 14:45
^

Unter der Hand ist auch zu hören, dass Pfaff sich angemaßt habe zu behaupten, der Beschluss zu den sechs bis sieben Originalrekos (M112) wäre null und nichtig. Auch käme es nicht zu dem vorgesehenen Bauherrenverfahren, bei dem interessierte Privatpersonen die laut Beschluss bevorzugten Privatrekos machen können. Auf welcher rechtlichen Grundlage sich Herr Pfaff über die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung hinwegsetzen will, bleibt derweil schleierhaft.

RobertKWF
02.10.09, 03:04
Ihm soll vorgeworfen worden sein, einen Manager der Deutschen Bank mit 200000 Euro bestochen zu haben, es soll aber kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestanden haben?? Natürlich fragt man sich unwillkürlich, warum die SPD-Fraktion im Römer jetzt diesen Fall, dessen Verfahren vor vier Jahren eingestellt wurde, zum Thema macht.

Die fr-online fragt: " Hat die SPD die alten Ermittlungen gegen den heutigen Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-Gesellschaft politisch instrumentalisiert?"
Für die Stadt sei es entscheidend, dass Werner Pfaff "nicht vorbestraft" sei, sagte der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz, Mark Gellert.

Hier nachzulesen in der fr-online vom 01.10.2009.
Ermittlungen gegen Stadt-Manager eingestellt
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1986548_Pfaff-bestreitet-Bestechung-Ermittlungen-gegen-Stadt-Manager-eingestellt.html

Claus-Jürgen Göpfert von der fr-online interveniert sofort und energisch:
"Nein, so geht das nicht. Seit bald 30 Jahren ist Werner Pfaff einer der bekanntesten Projektentwickler in Frankfurt und über die Stadt hinaus. Der Verdacht, er habe versucht, einen potenziellen Auftraggeber zu bestechen, gefährdet seine wirtschaftliche Existenz." und es gebe derzeit keine Beweise, schreibt er in der fr-online vom 01.10.2009:
Aufklärung tut Not
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/meinung/1986314_Kommentar-Aufklaerung-tut-not.html

Aber, ist es nicht gerade die Aufgabe einer politischen Opposition, derartiges zu hinterfragen, wie es die SPD-Opposition jetzt in einer Anfrage an die Stadtregierung kleidete?

In der fnp-online vom 02.10.2009 erfährt man allerdings auch, dass die SPD schon vor seiner Bestellung zum Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH im Juli, in einer nichtöffentlichen Sitzung nach den Hintergründen fragte.
Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH zahlte Schmiergeld – SPD zweifelt an Eignung
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6627693.de.htm
Werner Pfaff ist fotogen vor einer schönen Simulation der neuen Altstadt abgebildet (mit Schirn-Kunsthalle, links und im Hintergrund), wie sie von ihm selbst so wohl nicht gedacht ist!?

Unter anderem steht in der fnp-online vom 02.10.2009, dass Werner Pfaff selbst tatsächlich aber eingeräumt hat, rund 200 000 Euro Schmiergeld an den damaligen Geschäftsführer der genossenschaftlichen DG-Anlage-Gesellschaft, Hans Günter Seckerdieck gezahlt zu haben. Das Verfahren gegen Werner Pfaff 2005 wurde dann «wegen geringer Schuld» (?) und gegen Zahlung von 75 000 Euro eingestellt, wie zu lesen ist.
Die Schuld Pfaffs könne so gering nicht gewesen sein, meint SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling, angesichts der bekannt gewordenen Summen.


- Für diejenigen, die sich auf den baldigen Beginn der Bauarbeiten für die "neue Altstadt" freuen und diesem Projekt eine möglichst historische Gestalt wünschen, sind das keine guten Nachrichten aus der Stadtplanung.

Fachwerkhaus
02.10.09, 12:41
Pfaff hat sich in der Vergangenheit nicht wirklich für eine historisch gestaltete Altstadt ausgesprochen... Wenn er wegen dieser Affäre wirklich seines Amtes enthoben oder zurückgetreten wird, kann es (vorbehaltlich man gräbt keinen eingefleischten Modernisten als Ersatz aus) eigentlich nur besser werden...

Eine rekonstruierte Altstadt ist ein Projekt für die Ewigkeit, besser man macht es in 10 Jahren richtig als in 5 Jahren nur halbherzig...

RobertKWF
05.10.09, 21:52
Sehr schade, dass Politisches und Personalprobleme nun wieder zum Problem werden, wo doch die baulichen Aufgaben reichlich genug Arbeit machen sollten. Vermutlich aber wird uns der Fall "Werner Pfaff" doch noch eine weile beschäftigen. Leider nicht sehr positiv für das Projekt der neuen Frankfurter Altstadt. Wieso aber die Planung nicht verhinderte, dass es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte, bleibt derzeit noch im Dunkeln.

Der Magistrat hält unabhängig vom Ergebnis der Akteneinsicht an dem Geschäftsführer Werner Pfaff fest, wie in der fnp-online vom 05.10.2009 nachzulesen ist:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6641867.de.htm

Etwas bedenklich erscheint allerdings jetzt schon diese definierte Haltung in der Stadtplanung. Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz habe bekundet, «Für uns ist entscheidend, dass Herr Pfaff nicht vorbestraft ist.» und weiter, "Es sei unerheblich, ob es im Zuge der Ermittlungen ein Schuldeingeständnis Pfaffs gegeben habe."

Auch in der fr-online vom 05.10.2009 noch mal ein kurzer Artikel dazu. Die CDU habe bei der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsakten angefordert:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1992090_Frankfurter-Korruptionsaffaere-Stadt-fordert-Akten-an.html

Der von der Staatsanwaltschaft genannte Paragraph 153a der Strafprozessordnung, sei aber in dieser Hinsicht differenzierter formuliert, schreibt die fnp-online ausführlicher. Von einer Klage kann bei Auflagen abgesehen werden, «wenn diese geeignet sind, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht» (!?).

Ein praktisches Detail ist auch, dass Werner Pfaff bei seiner Berufung zum Geschäftsführer, gleich das Personal für die Dom-Römer GmbH mitgebracht haben soll, ausgeliehen von seiner früheren Firma WPV-Baubetreuung, wie in der fnp-online weiter nachzulesen ist.
Das angebliche Stirnrunzeln im Römer über die in der «Leihgebühr» enthaltene ordentliche Pauschale für die Dienstwagennutzung kann ich allerdings nicht nachvollziehen, dies muss ja im Römer bekannt gewesen sein? Zumal Dienstwagen ja heutzutage wohl zum Standard in solchen Positionen gehören.

Bei seiner ersten Sitzung der Dom-Römer GmbH am vergangenen Donnerstag, bei der sich der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), zum ersten Mal traf, sollen die Vorwürfe gegen Werner Pfaff nicht einmal erwähnt worden sein.


Im Sinne der erfolgreichen Neubebauung des wichtigen Frankfurter Altstadt-Areals bleibt zurzeit nur die Hoffnung, dass aus diesem Missklang keine bleibenden Schäden für das Projekt entstehen. Hier ist jetzt ganz besonders der schnelle Einsatz unserer kreativen Politiker, mit besonnenem und professionellem Handeln, gefordert.

mahlzeit
06.10.09, 09:58
@RobertKWF: Nicht uninteressant, Deine Hintergrundberichte. Doch meiner Meinung nach gehören Sie nicht an diese Stelle.

Wahrscheinlich bin ich in Sachen "Altstadt" genau so wenig neutral wie Du, aber ich verkneife es mir (weitgehend), dieses Forum zu politisieren. Zumal der Informationsgehalt und die Lesbarkeit dieses spannenden Threads dadurch deutlich leiden.

beschubene
06.10.09, 12:15
Die "politischen Hintergrundinformationen" sind meiner Meinung nach, maßgebend in der Frage der Altstadtbebauung, und dürfen daher auch nicht fehlen.
Die Frage, was dort wie gebaut wird, ist eine rein politische Frage (seit dem die Eigentümer der Grundstücke enteignet wurden).
Jedes Projekt in diesem Bereich (ob Reko, "Straßenbahndepot" oder "Stadthaus") steht und fällt mit dem politischen Willen.

RobertKWF
07.10.09, 00:53
@mahlzeit #9
Das kann man so sehen, aber dieses Projekt ist derzeit wieder in einer politisch geprägten Phase (wie es @beschubene schon beschreibt), es beruht auf einer politischen Initiative und wird weiterhin von der Politik beeinflusst werden. Was jetzt passiert, hat und wird auf das Ergebnis Auswirkungen haben. Zurzeit werden wieder entscheidende Weichen gestellt. Das geht alle an, die sich für Planung und Bau auf diesem Areal interessieren. Ich wünsche mir viel mehr Aufmerksamkeit aus der Frankfurter Bevölkerung. Daneben verstehe ich aber durchaus, wenn hier Interesse und Schwergewicht überwiegend auf den reinen Architekten- oder Bau-Bereich gerichtet sind.

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Wenn ein Bauvorhaben, gerade im Entstehen oder Fertig, jemandem nicht gefällt, dann beurteilt er es kritisch und dann so, dass die kritisierten Punkte deutlich werden. Nicht alle sind gleicher Meinung und gerade die Unterschiede machen eine eventuelle Debatte aus. Natürlich kann man Bauvorhaben auch einfach nur beschreiben, was aber vermutlich auch niemand will.

Nur, ein fertiges Bauwerk zu kritisieren ändert nichts mehr am Zustand. Dies kann für beide Seiten ein wenig frustrierend sein. Auch setzt man sich dem Vorwurf der "bequemen Kritik im Nachhinein" aus, obwohl es nicht so gemeint war und man nur sein Urteil abgeben wollte. Das ist nun mal so.

Bei Planungs- Entwurfs- und Projektentwicklungsphasen sieht das eben anders aus. Das Projekt kann sich noch ändern. Aus diesem Grund kann gerade die Beschäftigung mit einem Projekt in der Entstehungsphase sinnvoll sein, auch wenn es mal ausufern sollte. Dies hat ja Tradition im Forum. Ich denke dabei auch an das Thema "Stadtschloss" in Berlin.

Alleine der Beschluss, dass ein Teil der Altstadt auf dem Dom-Römer-Areal wieder aufgebaut werden soll, bedeutet noch lange nicht, dass es zu einem guten Ergebnis kommt, erst recht nicht, dass möglichst viele Häuser rekonstruiert werden.

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Hier noch aktuelle Pressemeldungen zum Thema Werner Pfaff.

fnp-online vom 06.10 2009-10-06
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6647581.de.htm
Akteneinsicht im Fall Pfaff wird der Stadt verwehrt, da der Nachweis eines berechtigten Interesses nicht vorliegt und Werner Pfaff kein städtischer Bediensteter sei.

fr-online vom 06.10.2009:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1994497_Frankfurter-Immobilienaffaere-SPD-fordert-Entlassung-des-Managers-Pfaff.html
Die Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wird vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Klaus Oesterling aufgefordert, Werner Pfaff fristlos als Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH zu entlassen. Diese derzeit überspitzte Forderung kann sie vermutlich auch rein formell nicht in die Tat umsetzen.

Und noch mal die fr-online (vom 07.10.2009):
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1998651_Korruptionsvorwuerfe-Pfaff-kaempft-um-seinen-Ruf.html
Demnach gab es eine stundenlange Sitzung, bei der die Oberbürgermeisterin Petra Roth und Spitzen der schwarz-grünen Regierungsfraktionen anwesend waren. Und natürlich Werner Pfaff begleitet von seinem Rechtsanwalt. Pfaff gelte als Freund von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU), enthüllt der fr-Bericht. Ein Ergebnis werde aber erst heute am Donnerstag zu verkünden sein. Das ganze bekommt offensichtlich so langsam Züge einer deftigen Schlammschlacht.

Schmittchen
08.10.09, 19:14
Werner Pfaff ist heute als Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH zurückgetreten (Quelle (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2000641_Bestechnungsaffaere-Manager-Paff-gibt-auf.html)).

Laut FR schätzt die schwarz-grüne Koalition im Römer, dass dadurch mindestens zwei Jahre bei dem Altstadt-Projekt verloren gehen.

Fachwerkhaus
08.10.09, 19:55
Ich kann meine Aussage nur wiederholen: Besser in 10 Jahren alles richtig machen als in 5 Jahren irgendwelche faulen Kompromisse durchdrücken. Bei all den ungeklärten Fragen die noch im Raum stehen (Archäologischer Garten vs. Goldene Waage, Tiefgaragenzufahrt, U-Bahn-Eingang etc.) kann ich mir eh nicht vorstellen, dass es bei dem verkündeten Zeitplan geblieben wäre. Pfaff war mit seinen an der politischen Beschlusslage vorbeigehenden Äußerungen bezüglich seiner Vorstellung der Neubebauung ohnehin ein fragwürdiger Kandidat für das Amt. Aber erst einmal abwarten, wer der Nachfolger wird...

Immobilienmogul
08.10.09, 20:29
Entscheidend ist hier eher das Signal der Hygiene, das nun doch noch ausgesendet wird.

Die Spielregeln haben sich für alte und junge Hasen in den letzten Jahren geändert und sind für alle transparent.

Verstöße werden nun in Firmen und von der Justiz konsequent geahndet und führen in der Branche und gesellschaftlich zur Ächtung!

Gedopte Sportler haben keinen Marktwert und das Karriereende. Bitte gleiches in Politik und Wirtschaft.

RobertKWF
09.10.09, 02:31
^^
Ja, dies ist ein wichtiger, zusätzlicher Aspekt. Dazu kommt, dass bei einem Verbleib die Position nicht vor weiteren Angriffen in der Zukunft, dass heißt Behinderungen in der Funktion, geschützt ist.

Noch zum Rücktritt von Werner Pfaff:
Die fr-online orakelt, dies sei ein schwerer Rückschlag für das schwarz-grüne Renommierprojekt der Altstadt-Bebauung. Eine "Genugtuung" irgendwelcher Art, wie sie von der SPD im Römer geäußert wird, kann ich nicht teilen. Das Projekt wurde aber im Hinblick auf einen zügigen Fortgang, durchaus fahrlässig beschädigt. Wer ist für die entstandene Situation verantwortlich?

Noch mal der Link zum Bericht der fr-online vom 08.10.2009:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2000641_Bestechungsaffaere-Manager-Paff-gibt-auf.html

Die kolportierte Verzögerung von 2 Jahren, müsste auch erst mal mit Fakten unterlegt werden. Nun könnte sich durchaus die Chance ergeben, einen wirklich an der Altstadt interessierten Geschäftsführer zu finden, der auch eine breit gefächerte Zustimmung mitbringt. Der eventuelle Zeitverlust für das Projekt (?), könnte jedoch noch durch eine modifizierte Zielrichtung und bessere Ergebnis-Qualität positiv kompensiert werden.

Interessant auch noch die Ausführungen in der fnp-online vom 08.10.2009:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6658908.de.htm (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6658908.de.htm)
Die Berichte über die Umstände einer Akteneinsicht kann jeder für sich interpretieren.

RobertKWF
09.10.09, 02:51
Der Gestaltungsbeirat für das Dom-Römer-Areal wurde vom Magistrat am Freitag 02.10.09 beschlossen. Was ist nun von dieser Zusammensetzung zu erwarten?

Die fnp-online berichtete am 05.10.2009 über den Beschluss:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6641823.de.htm

Ebenso die fr-online am 06.10.2009:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1994184_Frankfurts-Altstadt-Maeckler-Lederer-und-Neumeyer-als-Berater.html

Stimmberechtigte Mitglieder
- Prof. Christoph Mäckler, Architekt Frankfurt
- Prof. Arno Lederer, Architekt Stuttgart (Lederer+Ragnarsdóttir+Oei)
- Prof. Dr.-Ing. Fritz Neumeyer (Architekturtherorie und Autor in Berlin)

Nicht stimmberechtigte Mitglieder:
- Dieter Bartetzko, Seit Juli 1994 Architekturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
- Björn Wissenbach, Frankfurter Stadthistoriker
- Petra Kahlfeldt, Architektin Berlin

Dieser Gestaltungsbeirat tagt nichtöffentlich, ganz im Gegensatz wohl zur sonst üblichen Praxis in anderen Städten. (Man will unter sich bleiben, Topfgucker als Störenfriede unerwünscht.)

Also zumindest keine extremen Modernisten dabei. Die Fachkompetenz war aber wohl vorrangig nicht maßgeblich bei der Auswahl, sondern eher eine "Mischung" mit einem unabhängigen Blick von außen und dennoch mit den lokalen Verhältnissen vertraut, so sind Äußerungen von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) zu interpretieren. Mangelnde allgemeine "Fachkompetenz" wird man den Mitgliedern aber sicher nicht nachsagen. Die Frage ist eher, wie sie zu Rekonstruktionen auf dem Areal eingestellt sind. Natürlich gibt der BDA dann auch noch seinen bekannten Senf dazu.

Bei Björn Wissenbach und auch Dieter Bartetzko (mit mehr Einschränkungen) sehe ich gewisse positive Elemente für die Gestaltung der Altstadt.
Professor Christoph Mäckler wird wohl allzu modernes verhindern können, aber er neigt doch sehr zu Bauwerken mit "nur" leicht angedeuteten historischen Bezügen.
Professor Arno Lederer sollte bei Rekonstruktionsvorhaben ganz außen vor bleiben auch wenn er schon mal im Altbestand irgendwo gebaut hat, er baut modern. Für den Neubau des Historischen Museums auf dem Areal der Altstadt hat er ja bereits einen Entwurf abgeliefert, der deutlich zeigt, dass er mit einem Umfeld von Altbestand und Rekonstruktionen nicht sehr einfühlsam umgeht.
Was können dann noch Professor Fritz Neumeyer und Architektin Petra Kahlfeldt aus Berlin zur originalgetreuen Gestaltung der Frankfurter Altstadt beitragen, was andere nicht können?

Warum können nicht die Frankfurter selbst über die Gestaltung ihrer Altstadt wachen? Traut der Magistrat den Frankfurtern das nicht zu? Andere, auch solche die nachweislich noch nicht mal positiv zu Rekonstruktionen stehen, sollen also mitgestalten was für Frankfurt, die Altstadt und die Frankfurter gut und richtig ist. Offensichtlich hat man im Magistrat keine geradlinige Meinung und kein Zutrauen zu einer Eigenen selbstsicheren Planung.


Es wäre ja viel zu einfach, wenn man nur die alten Häuser von vor 1944 rekonstruieren würde, so wie sie waren und wie es in wesentlichen Teilen bei der Rekonstruktion der Römerberg-Ostzeile gemacht wurde.

RobertKWF
11.10.09, 02:29
Suche nach einem neuen Geschäftsführer (Erste Namen werden schon ins Spiel gebracht)

Versuche mich hier, soweit ich es noch für sinnvoll halte, im so genannten "politischen" zurückzuhalten, auch wenn es vielleicht nicht immer so erscheinen mag. Mir geht es in keiner Weise um Politik im speziellen, sondern hier um das Projekt für die Altstadt. Wie bekannt, ist auch dieses Projekt, wie einige andere auch, von der Römer-Politik nicht zu trennen. Erst recht nicht vom Magistrat und auch nicht vom Oberbürgermeisteramt, das Gegenteil ist der Fall.
Wann werden endlich mal die Praxisthemen in der Öffentlichkeit weiterentwickelt?

Jüngste Äußerungen, in der fnp-online vom 10.10.2009 nachzulesen, lassen zwangsläufig wieder aufhorchen. Wie ist jetzt zu bewerten, dass das Planungsdezernat nun die OB in der Pflicht sieht einen neuen Geschäftsführer zu suchen (?), wie Mark Gellert, der Sprecher des Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU), am 09.10.2009 gesagt haben soll. Und weiter in diesem Zusammenhang; Edwin Schwarz soll Werner Pfaff seit langem kennen und mit ihm befreundet sein, wie früher auch schon mal geschrieben wurde.
Wie so oft kann man sich nun fragen, wer oder was schafft Probleme, bzw. wer oder was ist Teil des Problems und wer löst Probleme?

fnp-online vom 10.10.2009 "OB soll Paffs Nachfolger suchen":
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6670944.de.htm

Natürlich wird jetzt schon überall, im Römer, in den Fraktionen und in der Presse spekuliert, wie sich die Situation auf eine eventuelle Verzögerung auswirken könnte. Da warte ich erst mal ab bis kompetente, kühle und besonnene Köpfe nach angemessener Zeit ihre glaubhaften und auch mit Fakten unterlegten Statements abgeben.

jo.ker
13.10.09, 19:15
Einen kleinen Zwischenbericht von der Räumung des Technischen Rathauses (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6685757.de.htm) gibt die FNP heute. Am Wochenende des 5. - 8.11. werden sechs Ämter (Bauaufsicht, Stadtvermessungsamt, Stadtplanungsamt, Denkmalamt, Teile des Rechtsamts und das Planungsdezernat) in das Stadtwerkehaus an der Kurt-Schumacher-Straße 10, quasi das neue Rathaus, verlagert. Lediglich das Liegenschaftsamt zieht erst eine Woche später in die Berliner Straße.

Desweiteren wird darauf hingewiesen, dass am 02.11. der letzte Öffnungstag des Technischen Rathauses ist und Anfang Dezember mit der Entkernung begonnen werden soll. Dann wird von der "70er-Jahre-Romantik", wie es im Artikel heißt, nichts mehr bleiben.

Mit einem aus gänzlich anderem Zusammenhang stammenden Zitat möchte ich meine persönliche Meinung einfließen lassen:

"...und das ist auch gut so!"

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Beitrag kopiert und Folgebeiträge aus Thread zum Altstadt-Projekt hierher verschoben.

thomasfra
14.10.09, 00:36
Ich glaube es nicht! Vor ca. 12-14 Jahren habe ich erste Gerüchte gehört, dass das Gebäude abgerissen werden soll, damals noch von vielen Menschen stark dementiert. Und jetzt . . . es wird wahr! Einer der schlimmsten Bausünden Frankfurts, ein riesiger Klotz Waschbeton, geht dahin und alles was danach kommt kann nur besser werden. Ich kann meine Freude kaum in Worte fassen und hoffe das es mir keiner Übel nimmt hier einen Kommentar zu setzen, der keine neuen Erkenntnisse enthält. :banana:

RobertKWF
14.10.09, 01:47
darunter sogar ein steinerner Sarkophag (!?) und das große Stadtmodell. Die Bürger sollen so wenig wie möglich von dem Umzug merken.

In vier Wochen dann, "gehen im technischen Tathaus die Lichter" aus. Etwa Anfang Dezember werden die Bauarbeiter damit beginnen, das Gebäude innen zu entkernen.

Im neuen "Rathaus", gleich im Erdgeschoss sollen dann das große Stadtmodell und die Bebauungsplan-Auskunft zu finden sein.

Das Archiv der Bauaufsicht mit seinen 16.000 Regalmeter Akten kommt in das Untergeschoss des Stadtwerkehauses, wo extra ein Teil der Tiefgarage umfunktioniert wurde und wird im ersten Stock seine Leseräume haben.

Die fnp-online berichtete am 13.10.2009:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6685757.de.htm

Aus gleichem Anlass schreibt die fnp-online noch in diesem Beitrag, ebenfalls vom 13.10.2009:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6685715.de.htm

Die Stadt steht womöglich beim Altstadt-Projekt vor einem Scherbenhaufen, meint die fnp-online orakelhaft. Doch davon will das Planungsdezernat nichts wissen und hält am bisherigen Zeitplan optimistisch fest.

RMA
14.10.09, 14:16
^

Keinesfalls. Wenn es allerdings nach gewissen Kreisen geht, so wird nun, wie man es selbst in den letzten Jahren noch auf den Veranstaltungen mit einem hohem Anteil an Architekten vernehmen konnte, hier ein "preisgekröntes Meisterwerk" der 1970er Jahre abgerissen, das "die Bevölkerung damals so wollte" (beides so gehörte Originalzitate).

Ich frage mich, ob das wirklich die Meinung von einem überwiegenden Anteil der "Professionellen" ist, oder ob hier nur der Grundsatz des Nicht-ans-Bein-Pinkelns gegenüber den Kollegen von damals gilt. Sowas ist ja bei anderen ähnlich elitären Berufen (Juristen, Mediziner etc.) auch weit verbreitet.

Auch dass der Abriss dieses Gebäudes die Vernichtung von Kulturgut der 1970er Jahre darstellt, den man in einigen Jahrzehnten bedauern würde (Aussage eines Denkmalpflegers) halte ich für gelinde gesagt zweifelhaft.

headz
14.10.09, 15:04
^@RMA
Hallo, jemand zu Hause? Kannst du mal dein ständiges, grundsätzliches und absurd verallgemeinerndes Architekten-dissen sein lassen??? Du wirst es kaum glauben, aber es gibt nicht DIE Architekten, sondern wie in allen anderen Bereichen unterschiedliche Menschen mit z.T. weit auseinander liegenden Geschmäckern. Deine lästigen Hinweise das DIE (Finger-zeig) eh keine Ahnung haben und nur dein Geschmack der einzig wahre ist nervt schon länger gewaltig.
Damit habe ich jetzt nicht - obwohl Architekt - das Technische Rathaus verteidigt!

Wikos
14.10.09, 15:19
@headz: Ich kann beim besten Wissen kein "absurd verallgemeinerndes Architekten-dissen" bei RMA feststellen. Mir fällt RMA eher durch brilliant geschriebene Artikel zur Frankfurter Stadtbau-Geschichte auf.

Es ist im Zusammenhang mit dem Technischen Rathaus sehr auffallend, wie sich immer wieder ansonsten selbstständig denkende Architekten hinter ihrem Verband stellen, auch wenn dieser abstruse Meinungen vertritt. Fest steht: Die breite Bevölkerung kann das Betonmonstrum Technisches Rathaus nicht mehr sehen. Die Abrissbagger mögen bald kommen.

DerFrankfurter
14.10.09, 15:26
@Headz
wenn du in den letzten Jahren auf den Veranstaltungen betreffs des TR-Areals gewesen wärst,würdest du auch zu keinem anderen Schluss mehr kommen.Sicher gibt es in der Architekten-Gilde eine gewisse Varianz hinsichtlich der Geschmäcker,diese kam nur leider nie zu Wort oder wurde vermittels Sanktionen zur Räson gerufen.Im Vergleich zu dem,was auf diesen Veranstaltungen an grotesk bis peinlichem von einem Teil dieses Berufsstandes geboten wird,äussert sich RMA noch ausgesprochen moderat.
Deswegen: Einfach mal bei der nächsten Präsentation reinschauen und staunen

Wahnfried
14.10.09, 15:31
Ohne jetzt den Anspruch auf Allwissen zu beanspruchen, aber man muss wohl keine Studie oder Volksbefragung beauftragen um annehmen zu können, dass die überwiegende Mehrheit der Bürger in Frankfurt dem Technischen Rathaus keine Träne nachweinen werden.
Den meißten Bürger mag die Architektur in dem Winkel der Stadt wohl nicht wichtig sein, da sich kaum einer in diese Ecke der Stadt verirrt. Und das ist doch wohl schon Zeichen genug, dass die Ecke unattraktiv ist.
Sollte nach dem Abriss des TR, das Areal ähnlich dem Römerberg mit Rekonstruktionen bebaut werden, dann muss kein Prophet sein um vorrauszusagen, dass sich wesentlich mehr Leute in diese Ecke der Innenstadt verirren werden.
Wie schon gesagt den meißten Passanten fällt es gar nicht auf wie die Architektur auf sie wirkt, aber wenn man ihnen Bilder von der vorher (TR) und nachher (reko historische Altstadt) vorlegt kann man sich auch denken wie sich die Bürger entscheiden. So, gesehen stimme ich mit RMA überein. Allerdings muss man das ja auch nicht ständig wiederholen. An diesen Ratschlag habe ich mich mit diesem Post, ja auch mal wieder nicht gehalten.:rolleyes:

RMA
15.10.09, 22:03
@ headz: Das war eine ernst gemeinte Frage. Es tut mir Leid, wenn du das, wie offenbar geschehen, in den falschen Hals gekriegt haben solltest. Auch wenn ich in meinem Beitrag nichtmal implizit die Vorwürfe höre, die du darin gesehen haben willst. Gerade wenn du Architekt bist, hätte mich mal deine ehrliche Meinung zu dem Gebäude interessiert.

Unabhängig davon ist es nunmal Tatsache, dass zumindest die Mehrzahl derer, die auch den deinigen Beruf ausüben *und* sich in die Altstadtdebatte einmischen, genau soviel Ahnung von der diffizilen Materie haben wie Politiker – also so gut wie gar keine. Das ist für mich eine der wesentlichen Essenzen, nachdem ich die Debatte nun mehr als fünf Jahre auch durchaus aktiv durch den Besuch zahlloser Veranstaltungen, dem Schreiben von Leserbriefen und dem Fragenstellen in irgendwelchen Ausschüssen beigewohnt habe.

Letzteres hat DerFrankfurter in seinem Beitrag ansonsten schon recht erschöpfend dargestellt.

RobertKWF
21.10.09, 03:36
Der Verein «Pro Altstadt» ist auch nicht glücklich mit der Zusammensetzung des Gestaltungsbeirats für das Dom-Römer-Areal.

Speziell mit Prof. Christoph Mäckler als Vorsitzender haben sie Probleme, da seine Entwürfe «unverkennbar modernistische Handschrift» trügen.

Die fnp-online berichtet am 20.10.2009:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6717672.de.htm

Weiter kritisieren sie, dass der Gestaltungsbeirat hinter verschlossenen Türen tagen soll.


PS: Der Stil der Polemik des Gast-Kommentators kommt mir bekannt vor!?

Xalinai
22.10.09, 08:05
@RobertKWF: Für einen Beitrag von mir ist der Gastkommentar zu kurz. Der hat höchstens hier abgeschrieben.

MainSurfer
23.10.09, 11:53
abseits der gerade laufenden Diskussion ein sicher interessanter Link für die, die wie ich nicht so im Thema drinstecken:

Frankfurt virtuell vor 1944
http://www.stadtbild-deutschland.de/rubriken/staedte_und_orte/10/index.html

-----------------
Verschoben. Dazu auch der Hinweis auf unseren Thread "Virtuelle Altstadtmodelle (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=5562)" in dem Jörg Ott seine Arbeiten präsentierte.

RobertKWF
29.10.09, 03:04
Wenn davon auszugehen ist, dass die etwa 6 Altstadthäuser, die originalgetreu rekonstruiert werden sollen, also dann auch auf dem Originalraster, sprich genau am gleichen Standort stehend, dann wird sich die "restliche Bebauung" wohl logischerweise an diesen "Eckpunkten" orientieren müssen und dementsprechend auch die Straßenverläufe (!?).

Nach bisherigen Verlautbarungen und "Nicht-Verlautbarungen" sieht es aber wohl so aus, dass diese "restlichen Gebäude" nicht streng auf dem Originalraster stehen müssen und noch nicht einmal der jeweiligen original Gebäude-Ausrichtung, Gebäude-Form und Fassaden-Form entsprechen müssen. Sie müssen eben "nur" die entsprechende kleinteilige Charakteristik und altstadttypische Dichte aufweisen.

Zunächst mal nur aus materieller Sicht, ergeben sich aus diesem Sachverhalt - sofern er denn tatsächlich zutreffen sollte - fatale Probleme und Hinderungen. Sowohl in der Planungs- und Bauphase als auch für eventuell spätere Bauvorhaben.

Öffentlich sind derzeit nur vereinzelt "private" Rekonstruktionsvorhaben für das Areal bekannt geworden. Möglicherweise hat man im Planungsamt oder der Dom-Römer GmbH mehr Informationen. Wie aber soll ein Bauherr, der zusätzlich rekonstruieren will, einen Entschluss fassen, wenn in der Umgebung seines geplanten Vorhabens unbekannte Grundrisse und Gebäudeformen entstehen werden, die er natürlich noch nicht kennen kann und bei denen überhaupt nicht abzusehen ist, wie sie an "seine" Rekonstruktion" anlehnen, bzw. wie sie mit "seiner Rekonstruktion" harmonieren werden.

Sind also die so genannten "restlichen Gebäude" noch nicht einmal original maßstäblich parzelliert, getrennt und unterteilt, so lässt sich auch nachträglich keine Rekonstruktion mehr einfügen, sofern dies später einmal von einem potentiellen Bauherren geplant sein sollte.

RobertKWF
05.11.09, 03:16
Neugestaltung Dom-Römer-Areal

Die fr-online berichtet über die frühkindlichen Einkäufe von Ingenieur und Architekt Michael F. Guntersdorf mit seiner Mutter im Spielwarenladen nahe des "Sandhaufens" Römerberg und seine schon lange gehegten Wünsche für ein gutes Gelingen der Stadt auf diesem Areal. Auch bekomme er eine "Gänsehaut" (in welcher Hinsicht?) bei dem Gedanken daran wer alles schon über den Krönungsweg geschritten sei (hört, hört!).

Wenn auch die fr hier schon bewusst provozierend die Äußerungen des designierten Geschäftsführers der stadteigenen Dom-Römer-GmbH herausgreift und gleich darauf Jürgen Aha als Traditions-Hardliner tituliert, der verbrannte Häuser rekonstruieren will, geben diese doch erste Hinweise darauf wie Michael Guntersdorf seine künftige Aufgabe ausrichten will. Obwohl er ganz leidenschaftslos herangehen will, bezeichnet er quasi eine überwiegende Rekonstruktion als kurzsichtiges drüber kippen eines Kübel Fachwerkhäuser (!?). Über den Bau der Schirn-Kunsthalle habe er sich damals gefreut und will daran auch, wie am sonstigen Bestand, nicht rütteln. Wie kommt er jetzt dazu sich so zu äußern, wer hat ihn jetzt danach gefragt, kann er darüber entscheiden?

Die fr-online berichtet am 31.10.2009:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2049641_Dom-Roemer-GmbH-Kein-Fachwerk-drueber-kuebeln.html

RobertKWF
10.11.09, 03:02
Auch wenn man die Gestaltungssatzung – inkl. Begründung- für das Dom-Römer-Areal auf den Bereich des geplanten Neubau des Historischen Museum anwenden würde, müsste nicht zwangsläufig ein besseres Ergebnis dabei herauskommen, da sich die Gestaltung gemäß "Begründung" nach "prägenden Gestaltelementen und Materialien der bestehenden Bebauung zu richten" hat, dabei ist die Schirn-Kunsthalle auch in der Begründung aufgelistet. Die steht nun mal in unmittelbarer Nähe sowohl des geplanten Historischen Museums als auch neben dem so genannten Dom-Römer-Areal. Obwohl in dieser Gestaltungssatzung ein merkwürdiger, noch unerklärlicher Widerspruch besteht zwischen der Schirn-Kunsthalle und einer geforderten "kleinteilig strukturierten und altstadttypischen Dichte".

Mit der vieldeutigen Äußerung wiederum von Felix Semmelroth zum geplanten Neubau des Historischen Museum jüngst in der FR, "Es lässt sich Neues schaffen im Bewusstsein dessen, was dort historisch angelegt ist." könnte gemeint sein, dass sich der Entwurf des neuen HM von LRO an dem historischen Bild orientieren soll oder ein moderner Neubau mit nur verschwommenen Gedanken daran was einmal war, geschaffen werden soll? Welche Qualifikation für Planungen in der Altstadt? Aber immerhin, wegen seiner Bedeutung sieht auch er die Altstadt-Debatte als nicht abgeschlossen an!

Die fr-online vom 03.11.2009 berichtet:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=2055820&em_loc=1706

___________________________________ ___________________________________ ____________________________
Anmerkung da verschoben
Postet von RKWF am 10.11.2009 im DAF Strang "Neubau Historisches Museum – Info und Wettbewerbs-Thread"

RobertKWF
15.11.09, 02:21
In letzter Zeit fällt auf dass sich Kulturdezernent Felix Semmelroth verstärkt mit Äußerungen zur Gestaltung der Altstadt und wie jetzt wieder zu Rekonstruktionen bemerkbar macht. Ob dieser Themenkomplex auch seine Zuständigkeitsbereiche tangiert, ist mir jetzt nicht bekannt. Als Frankfurter Amtsträger darf er natürlich auch mal seine Meinung dazu äußern. Ob diese Äußerungen eine Art Schützenhilfe für die Stadtplanung sind, eigene Amtsinteressen verfolgen oder seine ehrliche Privatmeinung abbilden, bleibt unklar.

Seine bisherigen, mir bekannten Aussagen zur Altstadtbebauung wirken zwar noch vorsichtig verschwommen und mehrdeutig, zeigen aber doch die ablehnende Tendenz für weitere Rekonstruktionen, insbesondere natürlich beim geplanten Neubau des Historischen Museums, wo er sich wohl schon eindeutig positioniert hat.

Warum er jüngst nun aber die "Altstadt-Debatte" und die "Rekonstruktion der Altstadt" auch in der Presse wiederholt ins Spiel bringt, gibt schon Anlass zum Nachdenken, da diese Themen ja wohl amtlich vom Gestaltungsbeirat, vom Planungsdezernat, von der Dom-Römer GmbH und vom Dom-Römer Ausschuss bzw. vom Souverän, sprich der Stadtverordnetenversammlung besetzt sind.

RMA
15.11.09, 21:42
Ich frage mich eher, wieviel Deutungshoheit man einem Politiker beimessen muss, der die Parteien wechselt, um ein bestimmtes Amt zu erlangen. Darüber hinaus sind Semmelroths "Anmerkungen zur Altstadt" vor allem von einem geprägt, von wenig Sachkenntnis und dem Nachplappern längst bekannter Positionen. Von einem Kulturdezernenten erwarte ich persönlich etwas mehr.

mahlzeit
16.11.09, 15:09
Mäckler stellte im Südbahnhof den Gestaltungsbeirat für die Neubebauung des Altstadtareals vor und die FNP berichtet begeistert: Die Besten für die Altstadt (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6837659.de.htm).

Ohne Bewertung und Kommentierung des Inhaltes, da ich dieses Minenfeld lieber den üblichen Verdächtigen ^ überlasse.

RMA
16.11.09, 18:22
^

Ich als üblicher Verdächtiger halte den Gestaltungsbeirat übrigens für sehr gelungen besetzt. Wieviel Einfluss er besitzen wird, wenn es denn dann tatsächlich einmal losgeht, steht auf einem anderen Blatt, aber hier sind weitestgehend tatsächlich Leute versammelt, denen ich zutraue, etwas zur Gestaltung in Altstadtfragen beitragen zu können. Zu Herrn Lederer äußere ich mich nicht, da meine Meinung bekannt sein dürfte.

Rohne
24.11.09, 22:01
Ich hab gestern abend nochmal drüber gebrütet:
Von den 49 in der Dreysse-Studie enthaltenen Gebäuden die auf diesem Areal standen, stammte die Mehrheit aus der Gotik, und zwar 18 Gebäude. Aus der Renaissance waren 6, Barock 11, Klassizismus 5, und 1 aus der Spätromanik (zudem 3 Gebäude am Tuchgaden die in Renaissance oder Gotik einzuordnen sind, und die restlichen 5 waren Neubauten aus dem 19./20. Jahrhundert).
Von den 7 feststehenden Rekonstruktionen sind dabei 3 aus der Renaissance (Goldene Waage, Ginslinger, Klein Nürnberg), 3 Barock (Rebstock, Goldenes Lämmchen, Esslinger) und gerade mal ein einziges aus der Gotik (Rotes Haus).

Insgesamt sehe ich neben den 7 feststehenden noch 12 weitere Rekonstruktionen als so ziemlich unverzichtbar an.
Das wären aus der Gotik:

Vorderer Schildknecht (Markt 12) - quasi der Prototyp Frankfurter Gotik
Flechte (Markt 20) - neben dem Haus Esslinger wichtigster Bestandteil der Hühnermarkt-Nordseite
Weißer Bock (Markt 7) - ist im Verbund mit der Goldenen Waage und ihrem Hinterhaus zu sehen aber auch schon aus Ensemblegründen wichtig
Neues Rotes Haus (Markt 15) und Knoblock (Lange Schirn 12) - unverzichtbar für das Rote Haus, nicht nur aufgrund der Ensemblewirkung sondern auch konstruktiv und aus statischen Gründen

Letzteres trifft zudem auch auf den spätromanischen Bau am Tuchgaden 9 zu.

Aus der Renaissance fehlt noch das Haus Schildknecht (Markt 18), nicht nur zur Komplettierung der Hühnermarkt-Nordseite.
Außerdem die barocken stadtbildprägenden Gebäude Grüne Linde (Markt 13, Binding war glaub daran interessiert) und Zu den drei Römern (Markt 40), sowie die drei klassizistischen Gebäude an der Hühnermarkt-Westseite: Goldene Schere (Markt 22), Eichhorn (Markt 24), Schlegel (Markt 26).

Zusammen mit dem Haus Würzgarten (Markt 28, Gotik, Drogerie Albrecht), dem Alten Kaufhaus (Markt 30, Gotik, Pro-Altstadt) für die man schon Rekonstruktions-Absichten gehört hatte, sähe die Verteilung der Baustile dann wie folgt aus:
Gotik 8, Renaissance 4, Barock 5, Klassizismus 3. Damit kann man sich dann schon eher zufrieden geben.

Neubauten im Block zwischen Hinter dem Lämmchen und Markt sollten an die Formensprache ihrer gotischen Vorgänger erinnern (das sind insbesondere die hohe Anzahl an Fensterachsen und die Sichtbarkeit der Schwellen in den Obergeschossen, die typischen 2 Überhänge, in der Regel verschieferte Giebel, sowie ab und an eine Frankfurter Nase) und prägende Details aufnehmen (zB das Erdgeschoss des Hinterhauses des Goldenen Haupts mit Bowellage und dem Lämmchen-Brunnen, oder die mächtigen Konsolsteine am Haus Stadt Mailand).

Zudem hoffe ich nach wie vor auf die Reko des Haus Mohrenkopf dessen denkmalgeschützte Keller noch erhalten sind aber auf dessen Grundstück aktuell der (insbesondere in Zukunft) absolut unpassende 50er-Jahre-Neubau des Kunstvereins steht... ;)

Wahnfried
02.12.09, 15:21
Im der neuen Ausgabe von Planen und Bauen (Herbst 2009) ist ein Schwerpunkt-Thema das Technische Rathaus und der Umzug der Planungs-Ämter an den neuen Standort Kurt Schumacher Straße 10.
Auf der Seite 6 und 7 wird in einem interessanten Artikel die Geschichte des Technischen Rathaus wiedergegeben. Für mich war es interessant zu lesen, dass das TR schon zu seiner Entstehung höchst umstritten war.
Auf der ersten Seite im Vorwort von Planen und Bauen wirft der derzeitige Planungsdezernent Edwin Schwarz die Frage auf ob es nicht besser gewesen wäre wenn man vor 40 Jahre nicht gleich, wie es damals auch schon angedacht gewesen war, in die Kurt Schumacher Straße gezogen wäre.

http://www.planen-und-bauen-ffm.de/pdf/pb_herbst09.pdf

RobertKWF
03.12.09, 00:11
zum Gestaltungsbeirat für das Dom-Römer-Areal

1.) Wie ist die Zusammensetzung dieses Gestaltungsbeirates noch zu bewerten?

2.) Wie und in welche Richtung kann oder soll dieser Gestaltungsbeirat in der Praxis wirken können und welchen Einfluss wird er tatsächlich auf die Gestaltung haben?

3.) Und wer werden eigentlich die Architekten und Bauherren sein die beraten werden sollen oder steht die Dom-Römer GmbH dann noch dazwischen? Und welche Rolle spielt im weiteren Verlauf noch das Planungsdezernat, der Dom-Römer Ausschuss und das Stadtparlament?

In dem Moment, und diese Entscheidung ist schon vor Jahren gefallen und im Vortrag vom 16.12.2004 und M 112 vom 20.06.2007 manifestiert, als beschlossen wurde nur sieben Altstadthäuser rekonstruieren zu wollen und für den "Rest" der Altstadt Wettbewerbe, Zufall und die spätere Dom-Römer GmbH walten zu lassen, sollte ganz bewusst eine ganzheitliche historische Rekonstruktion des Areals verhindert werden. Nur eben diese sieben, gerade noch für würdig erachteten Altstadthäuser, sollten entstehen und um Gotteswillen nicht wieder solche originalen Ensembles wie sie vor dem Krieg vorhanden waren. Über die tieferen und tief sitzenden Gründe, die wahrlich gegeben sind, soll einmal anderswo nachgedacht oder berichtet werden.

Es geht also bei der weiteren Planung nur noch um das "geschmeidige Ausfüllen" der Zwischenräume im nicht zu rekonstruierenden Bereich mit "altstadt-typischer und kleinteiliger" moderner Architektur und darum, dieses Konzept während der Bauphase und nach Fertigstellung gegen Kritiken abzuschirmen und zu verteidigen. So ist diese spezielle Personenzusammensetzung des Gestaltungsbeirates ein beinahe genialer Schachzug. Es wurden allseits anerkannte Persönlichkeiten ausgewählt, an deren Kompetenz, Ehrenhaftigkeit und Engagementwillen kaum gezweifelt wird. Mangelnde Fachkompetenz wird diesen Persönlichkeiten schon mal niemand nachsagen können.

● Professor Christoph Mäkler soll dafür sorgen, dass "Altstadttypisch" gebaut wird und seine kritische Frankfurter Autorität als Professor und großer Architekt und Praktiker einbringen.

● Professor Arno Lederer soll seine internationale Sicht von "Außen" beisteuern und sozusagen die verwirklichte "Moderne im Altbestand" repräsentieren.

● Professor Dr. Ing. Fritz Neumeyer aus Berlin, soll eher den wissenschaftlich theoretischen Part übernehmen und somit das Projekt gegen ideologisch intellektuelle Angriffe abschirmen.

● Petra Kahlfeld aus Berlin, bringt als Architektin auch für öffentliche Projekte das etwas jugendlichere, modern-innovative aber öffentlich anerkannte, zusätzliche auswärtige Element ein.

● Björn Wissenbach aus Frankfurt, muss als Puffer für die historisch gefärbten Zweifler oder zukünftigen Kritiker dienen und das historische Gewissen der Stadt versinnbildlichen.

● Dieter Bartetzko Frankfurt, von Seiten der intellektuellen Architektur-Kritiker soll im Zweifelsfall die notwendigen allgemein ästhetischen Bedenken einbringen und damit im Vorfeld schon mal abfedern.

Allesamt dienen sie als Instrumente der Rechtfertigung durch Einbindung in die Entwürfe und die Planung für die modernen Füllbauten. Jeder aus diesem Personenkreis wird spätestens nach Ende des Projekts seine individuell/persönlichen Probleme mit seiner Funktion in dem Projekt feststellen. Professor Christoph Mäckler als Kopf der Truppe wird als Kritiker neutralisiert sein und seinen Kopf für alles hinhalten müssen, auch dann wenn nicht so richtig nach seinen Vorstellungen gebaut wurde. Professor Arno Lederer wird seine bevorzugte Architektur auch nicht entstehen sehen aber diese dann tunlichst nach Außen zu vertreten haben. Professor Fritz Neumeyer und Petra Kahlfeld werden feststellen, dass sie eigentlich überflüssig waren und demgemäß nur als Alibifiguren aufgetreten sind. Björn Wissenbach ebenso, wobei er sich aber damit trösten kann mitverhindert zu haben, dass schlimmeres entstehen konnte. Von allen am ärmsten dran wird leider der auch neutralisierte Dieter Bartetzko sein, um den es mir am meisten leid tut. Das was er am Ende eigentlich stilistisch perfekt kritisieren sollte, weil er es am besten kann, muss er dann mitvertreten oder sogar verteidigen, ein böses Dilemma.

RobertKWF
03.12.09, 01:14
^^
Konsequent oder wieder Kompromisse auf dem Dom-Römer-Areal?

Für diese Perspektiven und die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind zuvorderst und umgehend drei Beschlüsse bzw. Planänderungen, von der Stadtverordnetenversammlung ausgehend zu diskutieren, auszuarbeiten und den Ausführenden Stellen und Ämtern anzuweisen:

1. Alle neu zu errichtenden Gebäude auf dem gesamten Altstadt-Areal bis heran an die derzeit noch bestehenden Nachkriegsgebäude, müssen, sofern sie nicht sowieso als Rekonstruktion ausgeführt werden können, zumindest in der äußeren Formgebung strikt dem historischen Vorbild (unmittelbar vor der Kriegszerstörung) entsprechen. Anhaltspunkte für ein Minimum-Konzept bietet durchaus auch schon das Virtuelle-Altstadtmodell.

2. Damit einhergehend müssen die neu zu errichtenden Gebäude, hier zunächst auf dem Dom-Römer-Areal, allesamt auf dem Original-Raster stehen und in der Originalunterteilung errichtet werden.

3. Das schließt alle Bereiche ein, auch z. B. die Überbauung des Archäologischen Gartens. Geplante, so genannte Übergangsbauten z. B. zur Überbrückung von Altstadt-Häusern zur Schirn-Kunsthalle, oder Altstadt-Häusern zum Kunstverein etc., also generell von Altstadt-Häusern zu Nachkriegsbauten sind unbedingt zu vermeiden und unzulässig. Erforderlichenfalls ist ein baldiger Rückbau der betreffenden, störenden Nachkriegsgebäude zu beschließen.

___________________________________ ___________________________________ __

Anmerkung von mir zum etwas besseren Verständnis der Zusammenhänge:
Dieses Posting war ursprünglich im Strang "Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread" hinter dem Posting von @Rohne - jetzt hier im Strang als #38 - gepostet und war als Reaktion darauf gedacht. Wurde wie dieses dann hierher verschoben.

Xalinai
03.12.09, 21:28
Irgendwie höre ich da gerade Yul Bunner in "Der König und Ich": "So wird es geschrieben, so soll es geschehen!" Zu der Rolle hat der Tonfall gut gepasst...

Du bist dir sicher im Klaren darüber, dass dein Bezug auf das Altstadtmodell kein "Minimalkonzept" sondern eine Maximalforderung ist.

Den Part 2 sehe ich noch ein - allerdings wird das an einigen Stellen recht eng werden - das Haus am Dom steht ja beispielsweise einige Meter auf dem alten Straßenverlauf.

Welchen Nutzen soll der dritte Punkt haben, außer dass die ganze Gegend so richtig zahnlückig aussieht? Sieben Rekonstruktionen und dazwischen bloß nix aufstellen, was irgendwie eine Brücke zwischen den Epochen schaffen könnte, damit der schäbige Anblick dann alsbald als Argument für den dann "dringend notwendigen" Bau weiterer Rekonstruktionen dienen kann.

BEKU
04.12.09, 06:53
das Haus am Dom steht ja beispielsweise einige Meter auf dem alten Straßenverlauf.

Wie bitte? Dann müßte es sich aber vergrößert haben. Es handelt sich bei diesem Gebäude um einen Vorkriegsbau. Oder hat man etwa die Grundabmessungen bei der letzten Sanierung verändert? Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Fachwerkhaus
04.12.09, 08:23
Hat man. Es wurde ein paar Meter nach Süden verlängert, es steht nun mit diesem Ende mitten auf dem Könungsweg. Hat man natürlich nicht im geringsten kommen sehen, dass es schon ein Jahr nach Fertigstellung um den Wiederaufbau ebendessen gehen würde...

Reiner03
04.12.09, 09:23
Inwieweit ermöglicht denn der derzeitige Rahmenplan zusätzliche Rekonstruktionen durch private Bauherren? Haben z.B. die ausgewiesenen Parzellen am Markt (zumindest z.T.) die Originalmaße? Und hat sich die Stadt denn schon endgültig von der Idee einer Rekonstruktion des Hauses Rebstock verabschiedet oder ist das immer noch eine Option?

Rohne
04.12.09, 20:38
http://img264.imagevenue.com/loc145/th_50161_archgarten_122_145lo.jpeg (http://img264.imagevenue.com/img.php?image=50161_archgarten_122_ 145lo.jpeg) (Luftbildquelle: www.frankfurt.de)

Beim Wettbewerb für das "Stadthaus am Markt" geht es um den Bereich zwischen Markt und Schirn-Kunsthalle, Lange Schirn und Höllgasse. Auf dem Bild ist die Dachgestaltung zu erkennen wie sie vor der Zerstörung 1944 war. Nur 6 Parzellen hab ich ausgelassen: 3 an Hühnermarkt-Ostseite bzw Markt-Nordseite, da diese Gebäude schon damals als Fremdkörper empfunden wurden und eine Rekonstruktion nicht wirklich sinnvoll wäre. Sowie 3 Parzellen im den Wettbewerb betreffenden Gebiet, nämlich die wo eine Rekonstruktion wohl ebenfalls ziemlich unrealistisch ist.
Blau hinterlegt sind die römischen Reste. Hellorange die Reste der Kaiserpfalz. Sehr gut erkennbar die 25*12m große Halle. Im Westen befanden sich jeweils an der Nord- und Südseite quadratische Annexbauten, auch diese deutlich sichtbar. Zusätzlich im Westen die Reste eines weiteren Baukörper über dessen Aussehen aber nur gemutmaßt werden kann. Einen sehr guten Überblick über das (vermutete) Aussehen der Pfalz gibt es im FR-Artikel Die Paläste von Franconofurd (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1621006_Die-Palaeste-von-Franconofurd.html), mit Fotostrecke und 25minütigem sehr sehenswerten Video.
Während bei den anderen Resten nur das eingezeichnet ist, was auch wirklich noch da ist, hab ich die Halle und Annexbauten in ihren vollständigen Umrissen eingezeichnet. Vom nördlichen Annexbau ist in der Realität nur ein winziger Rest erhalten, der sich zudem außerhalb des Grundstücks der Grünen Linde befindet, so dass ein Erhalten seiner Reste einer Rekonstruktion der Grünen Linde, an der Binding interessiert sein soll (waren auch schon vor der Zerstörung in dem Gebäude) in keiner Weise entgegensteht. Sonstige Mauerreste im Archäologischen Garten sind Kellerwände eben der Gebäude die bis 1944 dort standen (insbesondere Haus Mildenburg und Langenhaus, auf die ich gleich noch mit eingehen werde).
Die konstruktiv mit dem Roten Haus verbundenen Gebäude (die aber auch schon aus städtebaulichen Gründen unverzichtbar sind und glaub auch alle ebenfalls den Namen "Rotes Haus" trugen) sind rot umrandet (links), ebenso der "Komplex" der Goldenen Waage (rechts; Goldene Waage selbst, Hinterhaus "Alte Hölle" mit dem Belvederchen, und am Markt die Gebäude Weißer Bock, Karpfen und Kleiner Vogelsang).


Damit kann sich jetzt jeder wohl seine eigene Meinung bilden. Meine will ich euch aber nicht vorenthalten:
Da ich nichts davon halte die römischen und karolingischen Mauerreste mit einer Halle zu umgeben um sie dann unmotiviert museumsmäßig zu präsentieren, gibt es sinnvolle Möglichkeiten für die Gestaltung des Areals in meinen Augen nur zwei: Wiederherstellung der kleinteiligen Bebauung oder Errichtung eines Baukörpers in der groben Kubatur der alten Pfalz (idealerweise eingebettet in eine sonst kleinteilige Bebauung auf dem Straßenraster von 1944) um den Raumeindruck eben dieser zu vermitteln. Entscheidet man sich für Letzteres, sind es gerade mal zwei Gebäude die definitiv nicht rekonstruiert werden könnten:
Die gestrichelten Parzellen Höllgasse 11 (Zur Hölle) und 9 (Haus Mildenburg). Um die beiden Barockbauten wäre es schon schade, grade auch wegen ihrer Ensemblewirkung mit der Goldenen Waage. Da die dortige Außenwand der Pfalz aber relativ identisch mit der Außenwand eben dieser Gebäude war, sollte sich sicherlich eine Gestaltung finden lassen die der Goldenen Waage ein ähnlich attraktives Ensemble wie vor der Zerstörung beschert.
Fraglich ist zudem das Langenhaus (Tuchgaden 4), das wie auf dem Luftbild zu erkennen über dem westlichen Anbau der Pfalz stand. Wobei die dortige Situation aber auch einen sehr großen Gestaltungsspielraum hergibt.

Anzusprechen wäre auch noch die Goldene Waage: wie man erkennt, ragt das Hinterhaus Alte Hölle etwas in die Pfalz hinein. Damit ließen sich zumindest die unteren Geschosse nicht auf dem alten Grundriss wiederherstellen. Da die Pfalz so extrem hoch aber nicht war, und auch ein Neubau nicht wesentlich höher ausfallen sollte, sollte es keine Probleme geben das Belvederchen inklusive der Laube originalgetreu wiederherzustellen. Statisch muss man sich da vielleicht was einfallen lassen, aber dafür sind Architekten ja da...
Beim Tisch hingegen kenn ich keine Kompromisse: der Tisch muss weg! Sonst ist der Wiederaufbau des Roten Hauses ein Witz. Und auch der Kunstverein gehört abgerissen.
Zudem sollten die Parzellen der Häuser Gadeneck (Tuchgaden 2) und Wolkenburg (Krautmarkt 7) (die eingezeichneten Dächer südlich an die Pfalz angrenzend, die in die Kunsthalle Schirn hineinragen) freigehalten werden, um bei einem Abriss der Schirn in 20 oder 30 Jahren oder wann auch immer den alten Grundriss wiederherstellen zu können und eine Rekonstruktion dieser Gebäude nicht schon verunmöglicht zu haben. Der Tuchgaden ist in seinem Verlauf fast komplett wiederherstellbar, und dies sollte auch gemacht werden, auch wenn er wohl vorerst an der Schirn enden oder entlang ihrer Nordseite Richtung Dom weitergeführt werden muss.


@Reiner03: Ich gehe doch davon aus dass das Haus Rebstock rekonstruiert wird. Das einzige Hindernis ist ja angeblich die Tiefgarangenzufahrt, und für Die gibts so unendlich viele Ideen, wie man sie verlegen könnte, da muss es doch mit dem Teufel zu gehen wenns daran noch scheitert... es sei denn der Wiederaufbau ist dann politisch doch nicht mehr gewollt.

RMA
04.12.09, 20:51
^

Danke für diesen besten Beitrag hier seit langem, Rohne. Zum Haus Rebstock ist anzumerken, dass es der Magistrat bisher vermieden hat, sich dazu klar zu äußern. Wie man in PARLIS nachlesen kann, finden sich bisher nur Erläuterungen des für und wider einer Rekonstruktion bzw. der damit verbundenen Probleme, Stichwort Tiefgarageneinfahrt, nicht jedoch klare Aussagen. Ein bisschen mehr dazu hier in dem Wikipedia-Artikel zum Rebstock, an dem ich gegenwärtig arbeite (der Teil zur Architektur ist noch unvollständig):

http://de.wikipedia.org/wiki/Hof_Rebstock_am_Markt

Zu den Privatrekos ist zu sagen, dass diese mit dem Stadtverordnetenbeschluss von 2007 festgezurrt wurden. Laut meinen Informationen konnten Interessierte bereits beim Ex-Geschäftsführer der Dom Römer GmbH, dem mittlerweile ja ersetzten Herrn Pfaff, vor- und entsprechende Wünsche aussprechen.

RobertKWF
04.12.09, 23:24
#38 und #46:
Danke auch von mir als Architektur-Laie und Dilettant für diese endlich mal wieder detaillierte Beschäftigung mit diesem wichtigen Thema. Großes Lob. Die oft unterschätzte Bedeutung dieses Projektes wird ja zeitweise eher selten sichtbar. Hier bedauere ich sehr, dass ich nicht Architektur oder Bauingenieur studiert habe.

Wenn sogar mir als Laie extrem augenfällig ist, dass die derzeitige einmalige Chance unbedingt optimal genutzt werden muss um das Areal bis in die "Ecken" hinein originalgetreu zu bebauen, so ist mir die Projektplanung zwar kein Rätsel, aber nicht wirklich optimal zu Ende gedacht. Die ins Auge springenden Argumente für eine "große" Rekonstruktion kann man nicht oft genug wiederholen. Bin immer noch auf der Suche nach den stichhaltigen Argumenten für die geplanten modernen und geschmeidigen Füllbauten.



Postet von RKWF am 04.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" hinter #47 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243599&postcount=47)

RobertKWF
05.12.09, 02:21
Ausschreibung Besucherzentrum

Das projektierte "Besucherzentrum" für den Bereich der Überbauung des AG wird ja nicht wirklich benötigt. Dies ist nur eine Alibinutzungsalternative für ein neues öffentliches Gebäude welches nur wieder laufende Kosten verursachen wird. Bis dato ist ja noch nicht mal ein solcher Bedarf bekannt geworden.

Die bisherigen städtischen Ansätze, die meist leerstehenden eigenen Räume zu vermarkten wirkten schon wegen ihrer kargen Resonanz sehr bemüht und wie Deckmäntelchen-Aktivitäten vor den Bürgern. Alleine im Römer und Rathaus selbst gibt es schon genügend, derzeit nur schwach genutzte Räume in denen so etwas stattfinden kann. Auch in der näheren Umgebung gibt es noch genug Räumlichkeiten in öffentlichen Gebäuden. Hier seien beispielsweise nur mal die Museen genannt mit ihren jeweils wieder eigenen, meist leerstehenden Veranstaltungsräumen.

Modernistische Füllbauten jedoch, zwischen den spärlichen Rekonstruktionen, würden diese in ihrer Wirkung und Bedeutung erheblich herabmindern und den sowieso schon überdominanten Nachkriegsbauten, im ästhetischen und künstlerisch-fantasievollen, organisch gewachsen Sinne, eine noch mal überhöhte Dominanz und Bedeutung zukommen lassen, der sich dann wieder die neuen Altstadt-Häuser optisch unterzuordnen hätten. Dabei sei noch nicht berücksichtigt, wie die Füll- und Anpassungsbauten einmal wirken werden, wenn die Verfallzeit für die Nachkriegsbauten noch weiter überschritten sein wird.

Jetzt wird leider wieder sehr erstarrt abgewartet was bei dem ausgeschriebenen Wettbewerb herauskommen wird. So hofft man auf eine ultimative Lösung des scheinbaren bzw. kolportierten Problems. Dabei sind die Ergebnisse in bestimmter Hinsicht schon weitgehend vorprogrammiert. Es wird verschiedene, auch elegante, fantasievolle Entwürfe geben, mal sensibel, mal weniger sensibel mit den Rekonstruktionen umgehend, aber immer modern und zumindest einseitig sehr stark an der Schirn-Kunsthalle orientiert. Weil die nun mal übermächtig dasteht und wie gefordert, berücksichtigt werden "soll/muss". Kein Entwurf wird irgendwie noch eigene Altstadt-Rekonstruktionen beinhalten. Dies kann einer dieser Architekten auch gar nicht tun, sonst würde er ja hier nicht benötigt.

Mit den Vorgaben für die Ausschreibung und der Ausschreibung selbst war dies schon entschieden.

Danach also, wenn die Entwürfe dann vorliegen, haben wir wieder ein neues Problem.



Postet von RKWF am 05.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" hinter #48 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243609&postcount=48)

Fizgig
05.12.09, 11:30
Danke Rohne für die gute Zusammenfassung und den kleinen Plan dazu.

Für mich ist immer noch nicht richtig beantwortet, was das Ziel der Neubebauung sein soll. Und zwar dahingehend, was nachher die Wirkung sein soll. Der Spagat geht ja von Komplettreko bis der reinen Widerherstellung der alten Strassenverläufe mit den 7 rekonstruierten Alstadthäusern.
Ich glaube, beides sind die beiden Extreme, die wohl so nicht entstehen werden. Meiner Meinung nach sollte aber das Ziel sein, die Ensemblewirkung wieder zu bekommen. Dazu gehört die richtige Strassengestaltung, eine möglichst höhe Rekonstruktionszahl, aber es passen bestimmt auch moderne Interpretationen hinein. Ich freue mich über jede Konstruktion, aber wichtiger finde ich, das die Wirkung der Alstadt sich wieder einstellt.

Ein Problem ist da ja zum Beispiel, das der Neuanbau in den Krönungsweg hineinragt. Ist jetzt die Blickbeziehung vom Römer zum Dom gestört?

Was die Bebauung des AG angeht, da bin ich noch unschlüssig. Eine Halle wie Rohne vorschlägt, ich weiss nicht. An der Nordseite schließt sie direkt an die Altstadtbebauung an, aber müsste die Alte Pfalz nicht frei stehen? Aber vielleicht könnte ein geschickter Nordabschluss funnktionieren und zur Schirn hin würde man eine mögliche Variante zeigen, wie die Pfalz mal ausgesehn hat. Das ganze liegt dann aber auch schon im Schatten des Schirn-Riegels.

Bleibt zu hoffen, das nach dem Abriss des TR es schnell weitergeht mit der Entwicklung des Gebiets und nicht zu lange die abgeschnittenen Elefantenfüsse in der Stadt zu sehen sind.

RMA
05.12.09, 11:58
^

Eine Blickpunktbeziehung vom Dom zum Römer gab es nie, was aber auch eines der häufigsten Missverständnisse ist. Da der Alte Markt die Form eines gewölbten Bogens hat, dessen Scheitel etwa beim Roten Haus liegt, war ein Durchblick erst ab etwa Höhe des ersten Drittels des Blocks der Nordbebauung zwischen Alter Markt und Hinter dem Lämmchen möglich.

Aber ja, das Haus am Dom stellt natürlich ein Ärgernis da. Wenn jetzt jemand das direkt angrenzende Haus Großer Rebstock privat rekonstruieren will, so muss das natürlich am Originalstandort erfolgen. Dieses Haus ist insofern wichtig, als es den Zugang zum Haus Rebstock, das ja eine optionale städtische Rekonstruktion ist, gesichert hat. Dann würde jedoch die Flucht des Marktes an dieser Stelle grausam verspringen.

Städtebaulich angenehmer wäre es wohl, die Häuserfluchten der zwei bis drei westlich des Hauses am Dom anschließenden Häuser abzuwinkeln und die Straßenflucht bis zum Hühnermarkt hin staffelweise wieder an den historischen Bestand anzugleichen. Dann stellt sich allerdings mal wieder die Frage nach der Authentizität des Ganzen, oder andersrum, wieso man als interessierter Bürger aufgrund der Unfähigkeit gewisser Leute (ich vermeide jetzt mal ganz absichtlich direkte Beschuldigungen) auf originalgetreue Rekonstruktionen an dieser Stelle verzichten muss.

Eine Halle halte ich für nahezu ausgeschlossen. Mal abgesehen von den riesigen statischen Problemen, die sie im nördlichen Bereich haben dürfte, wo man sie schon wegen der Goldenen Waage (u. U. auch anderer Häuser, wie von Rohne ausgeführt) bestenfalls auf Stelzen stellen müsste, so ist es doch irgendwie ein Schildbürgerstreich bzw. der Traum von der eierlegenden Wollmichsau, wenn wir ganz ehrlich sind. Das eine war ein Werk der frühmittelalterlichen Bebauung Frankfurts, das andere des spätmittelalterlichen Frankfurts. Was hier eigentlich nötig ist, wäre ein klares Bekenntnis der Politik zum einen oder anderen. Die Pfalzruinen könnten auch transloziert und woanders ausgestellt werden, da sie eh nicht mehr in situ stehen. Stattdessen sollen nun Architekten die unlösbare Aufgabe richten, denen man dann später wieder den schwarzen Peter zuschieben kann. Das halte ich für unfair.

DerFrankfurter
05.12.09, 13:31
Mir schwebt seit einiger Zeit etwas anderes vor: Die Herstellung eines kleinen Platzes.
Da die Nordwand der Kaiserpfalz Teil der zu rekonstruierenden Häuserzeile Alter Markt 5-17 ist,wäre es ein kaum zu bewältigender Spagat hier ein "Stadthaus" zu integrieren.Es wäre schwierig bis unmöglich in die Südseite Fenster zu integrieren,was sich in meinen Augen als unnötiges Vermietungsrisiko darstellt.Ich würde es besser finden,den Platz zuzuschütten und die ja immernoch vorhandenen Pfalzreste in ein kleinteilig zu verlegendes Pflaster durchzuspiegeln.Dasselbe hat man auf dem Römer mit dem niemals fertiggebauten Turmfundament auch gemacht.Dazu an die jeweiligen Stellen Hinweistafeln mit Fotodokumentation.So blieben mehrere Optionen offen,die man später noch ziehen könnte.Man hat bei der Altstadtsanierung in den zwanziger Jahren das Handwerkerplätzchen geschaffen,so etwas könnte ich mir hier auch vorstellen.

RobertKWF
06.12.09, 03:42
Aus den berechtigten und immer drängender werdenden Detailfragen ergeben sich automatisch auch immer wieder die prinzipiellen Fragestellungen, die ja irgendwo schon mal aufgekommen und behandelt worden sein müssten, die ich aber derzeit noch vergeblich in der Vergangenheit suche.

● Warum sollen oder können nicht zwischen den fest eingeplanten Rekonstruktionen die "restlichen Altstadthäuser", zumindest in ihrer äußeren Formgebung, den originalen Altstadt-Häuser von vor 1944 entsprechen und auf dem Originalraster errichtet werden?

● Was spricht ernsthaft dagegen, die Originalraster auf keinen Fall zu verlassen und die Altstadt-Häuser soweit an die störenden Nachkriegsbauten heranzuführen wie es eben noch geht und dann eben abzuwarten, was mit den störenden Nachkriegsbauten später geschehen kann?

Ich sehe keinen zwingenden Hinderungsgrund. Das Kopfzerbrechen über diesen Teil des Projektes könnte sich auf die innere Gestaltung und die technischen Details beschränken. Weitere Rekonstruktionen könnten nach belieben eingefügt werden und das Gesamtensemble würde zumindest nach Außen dem Original entsprechen. Je nach Geldbeutel könnten dann die Fassaden mehr oder weniger detailgetreu ausfallen. Sofortige oder auch spätere und tiefer gehende Rekonstruktionen wären jederzeit möglich. Frankfurter und Besucher wären vom Ergebnis nicht enttäuscht, weil sie eben den Stadtteil so erleben könnten wie er zumindest in seiner äußeren Gestalt ausgesehen hat. Sonst sehen sie halt nur irgendetwas neues, vielleicht ähnliches, zu dem sie dann aber keine wirkliche Altstadt-Beziehung aufbauen können.

● Wenn es einen rein wirtschaftlicher Grund für die geplanten Füllbauten geben sollte, so könnte dieser im Verhältnis zur Bedeutung des Projektes keinesfalls ausschlaggebend sein. Auch eine Bebauung mit nur äußerer Form der ursprünglichen Altstadt würde sich gut vermarkten lassen. In der inneren Innenstadt lässt sich praktisch "alles" vermarkten. Jede Wohnung egal mit welchem Niveau und jede Art von Geschäftsraum im Erdgeschoßbereich. Was also ist es genau?

● Um wie viel teuerer wären denn mehr Rekonstruktionen und/oder Häuser in Originalform wirklich gegenüber neu zu planende Füllbauten? Dieser Betrag und sei er im zweistelligen Millionenbereich, kann doch nicht wirklich als Begründung herangezogen werden?!

● Welche optischen, oder sonstigen Vorteile oder welcher Mehrwert sollen sich denn also ergeben, wenn das gesamte Areal nicht zumindest äußerlich originalgetreu rekonstruiert wird, sondern nur sieben Objekte und der "Rest" nur kleinteilig und altstadt-typisch bebaut wird?



Postet von RKWF am 06.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #52 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243667&postcount=52)

mik
06.12.09, 08:56
Robert, du tendierst dazu dich zu wiederholen. Trotzdem natürlich Respekt für die Mühe, welche du dir mit deinen Ausführungen machst!

Als Antwort auf deine Frage, weshalb Fassadenrekos oder komplettes Originalraster nicht möglich sein sollen:
Weil sie nicht gewollt sind. Man möchte weder eine perfekte Harmonie auf dem Areal, noch möchte man später sämtliche Nachkriegsbauten abreißen.

Eine Stadt besteht aus mehr, als aus touristischer Attraktivität und Optik. Es gibt da etwas was sich Geschichte nennet. Und da gibt es nun 64 Jahre dieser Geschichte, die man eben nicht so einfach ausradieren kann. Vielleicht findest du diese 64 Jahre architektonisch hässlich. Vielleicht symbolisieren sie auch einen einzigen argumentativen Krampf. Aber dennoch ist das so typisch deutsch, so symbolträchtig in seiner Entstehungsgeschichte, dass da vielleicht für den ein oder anderen doch etwas Identifikation dranhängt.

Viele der Anhänger modernerer Architektur haben ja mittlerweile weniger Lust in den Altstadtbereichen zu posten. Das verschiebt etwas den Eindruck, dass die Mehrheit für Rekonstruktion ist.
Ganz im Gegenteil gibt es auch hier aber auch außerhab des Forums eine ganz große schweigende Masse, die das ganze eher kopfschüttelnd betrachtet. Und diese Masse kann sich mit dem Nachkriegsdeutschland problemlos identifizieren. Ganz im Gegenteil zu einer befremdlichen und exotischen Fachwerkhausbebauung.
Und daraus ableitend könnte man auch feststellen, dass für die Deutschen Altstadt nichts mit Identifikation zu tun hat (diese Rolle übernimmt neben einigen Gründerzeitquartieren die nüchterne Mietskaserne und vor allem die typisch deutsche Ausprägung der Vorstadt), sondern eher mit dem Gegenteil. Mit einer kleinen Flucht aus dem grauen Alltag. Und dafür lohnt es sich nicht so viel Nachkriegsgeschichte aufzugeben. Es lohnt sich noch nicht mal, ein an sich rentables Haus dafür abzureißen.

RMA
06.12.09, 15:56
^

Also aus einem Desinteresse Identifikation abzuleiten, halte ich gelinde gesagt für abenteuerlich. Der Mehrzahl der Leute ist Architektur schlicht egal, das halte ich für richtig. Wenn du aber Leute auf der Zeil oder auf der Schildergasse in Köln fragst, ob sie diese Straße für hübsch halten, wirst du wohl kaum von der überwiegenden Zahl der Leute eine begeisterte Antwort ernten.

Und wenn du sie fragst, was sie für "deutsche Architektur" halten, dann wird wohl ebenso kaum als Antwort Nordweststadt oder Chorweiler kommen. Oder auch irgendeine weniger bausündentypische Vorstadt der 50er Jahre. Wahrscheinlich noch nicht mal Römerstadt, obwohl die noch sehr originell ist.

Die überwiegende Zahl der Leute identifiziert sich mit Architektur auch deswegen nicht mehr, weil sie durch den Funktionalismus der Moderne zu einem Wegwerfprodukt geworden ist wie der Toaster oder das Paar Schuhe – nach der projektierten Ablaufzeit von 50 Jahren wird sie ja eh wieder weggerissen. Das Gebäude hat zu funktionieren, dass es auch mal einen ästhetischen Anspruch hatte, ist den Leuten dank den Auswüchsen der Moderne (ihre Vordenker hatten diesen ja durchaus noch!), dem Zweiten Weltkrieg und dem ebenso missratenen Wiederaufbau unseres Landes schlicht aus dem Gedächtnis gewaschen worden.

Es hat schon seine Gründe, warum die Leute nach Rothenburg oder Venedig in den Urlaub fahren, und nicht nach Stuttgart oder Pforzheim. Sie suchen das, was es hier nicht mehr gibt. Klar gibt es auch Leute, die mit ihrem Plattenbau und der Trinkhalle daneben zufrieden sind, und Urlaub im Ballermann machen. Aber für die gab es, wie du ja so schön ausgeführt hast, auch schon vor 100 Jahren die "Mietskaserne" in der Vorstadt.

Ich verstehe auch nicht, wieso ausgerechnet du dieses Fass wieder aufmachst, das hier schon hundertmal ausdiskutiert worden ist. Schon die Akzeptanz der Ostzeilen-Reko, die zu einem der Wahrzeichen Frankfurts geworden ist, führt doch jedes Argument von "Exotik" ad absurdum. Polemisch könnte ich dagegenhalten: exotisch finde ich all das, was sich da zwischen den historischen Kirchen unserer Innenstadt versammelt hat.

Rohne
06.12.09, 16:47
Also damit dass es nicht gewollt ist, hat mik aber recht. Es ist tatsächlich politisch(!) nicht gewollt. Würde die CDU mit der SPD oder BFF koalieren, wäre das Bekenntnis zu Rekonstruktionen wohl viel eindeutiger. Dummerweise sind aber die Grünen der Koalitionspartner. In anderen Städten gehören sie mitunter auch zu den Reko-Befürwortern, in Frankfurt hingegen sind sie eindeutig das große Hindernis.
Dass es gesellschaftlich aber nicht gewollt sei, ist eine sehr mutige Behauptung. Die große schweigende Masse interessiert sich überhaupt nicht großartig für Architektur, u.a. aus den von RMA genannten Gründen. Ich kann mich aber auch noch an Umfragen erinnern wo 70% der Deutschen eine historische Altstadt zu den wichtigsten Stadtqualitäten zählen. Auch bei der Frage ob dieses Areal rekonstruiert oder modern bebaut werden soll entschieden sich 66% der teilnehmenden Frankfurter für die Reko. Man sollte zwar nicht allzuviel auf die ganzen Zahlen geben, aber die Tendenz ist doch ziemlich eindeutig.
Und vergiss nicht, dass das Areal nicht mal halb so groß ist wie Frankfurt Hoch Vier äh Palais Quartier. Allein das Einkaufszentrum nimmt mehr Grundfläche ein. Vom UEC äh SkylinePlaza, den meisten Baufeldern im Europaviertel und wo auch immer mal ganz zu schweigen. Auf etlichen Quadratkilometern haben die Architekten Platz zur freien Entfaltung (und selbst da kommt gar nicht mal zu selten nur Schund bei rum, siehe Riedbergallee), selbst in Gründerzeitgegenden werden nach wie vor völlig unpassende möchtegernmoderne Neubauten gezwängt (schlimmstes Beispiel die Freiherr von Stein Schule), aber auf diesem winzigen Areal das derzeit nur aus einem Loch im Boden, einem funktionslosen Tisch und einem im Abriss befindlichen 70er-Jahre-Bauwerk besteht, soll es nicht möglich sein mal anders, und zwar historisch zu bauen? Sorry, aber das glaubst du doch selbst nicht...

RobertKWF
07.12.09, 01:10
@mik #54
Ja, dass mik mit seiner politischen Einschätzung recht haben könnte ist auch für mich plausibel. Weis aber wirklich nicht was ich sonst von dem Posting halten soll. Wie schon mehrfach, ist mir auch diesmal nicht wirklich klar ob das alles so ernst gemeint ist, oder mal wieder ein Ausschwenken in verschiedene, auch etwas widersprüchliche Richtungen um die Debatten zu beleben? Dies hatte mitunter schon einen gewissen positiven Wert im Forum, ganz ernsthaft gemeint. So waren für mich in früheren Beiträgen durchaus auch mal interessante Anregungen zu finden.

Also dann doch noch eine zusätzliche Anmerkung zur Ablesbarkeit der Nachkriegsgeschichte, weil dieses Thema bei mik wiederholt auftauchte:

Diese stilistisch schlichte deutsche Nachkriegsgeschichte im architektonischen Bereich – die heutige Architekten-Gemeinde wird auf das meiste nicht sonderlich Stolz sein - kann man leider an so vielen Orten ablesen, dass ich denke, wer dies unbedingt auf dem Dom-Römer Areal sehen möchte, der muss schon ein ganz spezielles Verhältnis zum Frankfurter Altstadt-Bereich haben.
Mir jedenfalls wäre es lieber wenn die bauliche Nachkriegsgeschichte der Frankfurter Innenstadt ins Museum käme, zumal es sich hier eh fast nur um einfach gestaltete Museumsbauten, Kulturschauhäuser und Wohnhäuser in primitiver Architektursprache handelt, wie sie überall da wo es nur geht schon lange wieder abgerissen werden, als wenn stattdessen die im Krieg zerstörte Frankfurter Altstadt von vor 1944 für immer, bis auf einige spärliche Fragmente, nur noch im Museum zu sehen wäre.

Die 64 Jahre sind wirklich schon eine ziemlich lange Zeit des Nichtstuns, längst ist es überfällig dass jetzt etwas richtig gemacht wird, was schon viel früher hätte geschehen können.


Postet von RKWF am 07.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #56 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243776&postcount=56)

itchedSky
07.12.09, 09:31
@Rohne. Viele hier im Forum mögen es ja nicht hören. Aber die Frankfurter Grünen und Ihre Vorläufer gehörten lange Jahre sogar zu den EINZIGSTEN Bewahrern des klassischen Häuser-Bestands in Frankfurt - wenn auch aus Gründen der Politik und nicht der Architektur. Es gerät leider immer mehr in Vergessenheit, dass ohne die Hausbesetzer kaum noch eine der hübschen, schmucken Westend-Villen existieren würde, die eine ganze Generation von CDU/SPD und vor allem FDP Politikern ausradieren wollten. Was man dann alles hätte rekonstruieren müssen...

mik
07.12.09, 10:21
Ich hab leider keine Zeit meine Einwürfe ausführlich zu erläutern. Deshalb nur mal zwei Beispiele:

1. Der Wiederaufbau der Paulskirche auf http://www.aufbau-ffm.de/ unter "Serie" zu finden. Ist durch diese Geschichte ein nationales Symbol der BRD und vereint 1848 und den Neubeginn nach dem 3. Reich perfekt. Sollte auf keinen Fall in der Vorkriegszusatnd zurückversetzt werden. Die historische Bedeutung der Wiederaufbaus ist mir hier wirklich heilig.

2. Gehrys Haus in Prag. Eines der haupt Fotomotive. Findet man sofort bei der Google Bildersuche, wenn man nur "Prag" eingibt. Würde mit einer Altstadt noch besser harmonieren, als mit Gründerzeit. Solche Architektur könnte man im Rahmen einer IBA organisieren. Fände ich besser, als die jetzige Gestaltungssatzung. Wäre auch mehr als ein "Lückenfüller".
Beim betrachten von alten Bildern hier im Forum sind mir Zweifel gekommen, ob wirklich jedes Altstadthaus wirklich wert ist rekonstruiert zu werden. Vielleicht könnte man mit etwas modernem und harmonischem eben die Altstadt noch besser machen. Außerdem finde ich, dass dann einige Rekos in ihrer Wertigkeit noch mehr herausstechen würden, als wenn man jeden Schuppen wiedererichtet. - Und das nur, weil man einen touristischen Idealzustand aus den 20ern wiederherstellen will, der mit dem historischen Leben, bzw. der eigentlichen Dichte so ja auch nichts zu tun hat.
Was ich damit meine: Ich bezweifle die Ensemblewirkung in ihrer Qualität. Also wenn man nach jeglichen anderen Prinzipien beurteilt, die hinter die Definition "historisch = Zustand vor 1944 = bestmöglich" gehen.

Wahnfried
07.12.09, 11:06
^Mik, die Diskussion für und wieder Rekos ist ja nichts neues mehr und alle Argumente sind bestimmt schon mehrfach diskutiert worden.
Was aber auf jeden Fall ein Ensemble stört ist meiner Meinung nach ein Mix aus alt und neu. Jedenfalls wenn der Neubau mit modernen Formen und Materialien gebaut wird. Kann man gerade in Frankfurt recht häufig sehen. Zum Beispiel entlang der Kaiserstraße. Dort wo eine Strecke oder ein Block nur aus Gründerzeitler besteht sieht es harmonisch aus. Sobald ein Neubau dazwischen ist stört er.
Noch schlimmer dürfte es bei einer mittelalterlichen Bebauung wirken. Stell dir ein Neubau zwischen den Häuser auf der Samstagsberg-Ostzeile vor..... Würde meiner Meinung nach übel aussehen.
Von daher wäre ich sehr dafür entweder 100% Reko oder zumindest Fassaden-Reko oder eine moderne Bebauung. Bitte, kein Stil-Mix!

Schmittchen
07.12.09, 11:18
Das kann man so pauschal doch nicht sagen. Bei dem Kaiserstraßen-Beispiel übersiehst Du, dass sämtliche Nachkriegsbauten - in dem Abschnitt den Du wohl im Sinn hast - zwischen 1950 und 1975 entstanden sein dürften. Wesentlicher noch: Alle mir einfallenden Bauten aus dieser Zeit sind mittelschwer bis schwer (ehemalige Kaufhalle) vernachlässigt.

itchedSky: Eine verwegene These angesichts der Gründung der Grünen im Jahr 1980. Ebenso die Gleichsetzung von Parteipolitik und Hausbesetzer-Szene. Letztere wirst Du in diesem Zusammenhang ja wohl hauptsächlich mit Vorläufer der Frankfurter Grünen meinen.

itchedSky
07.12.09, 11:41
^^steht ja in meinem Post auch so drin. Joschka Fischer (der Mustergrüne schelchthin) war bekanntlich auch dabei, nur hatte er zu seinen Hausbesetzerzeiten wohl noch keine Ahnung, dass er mal ein Grüner sein würde.

mik
07.12.09, 12:29
@ Wahnfried
Die Ostzeile ist ein schlüssiges Ensemble. Die 50er Bauten am Römer selbst hingegen stören nicht. Und gerade sie haben einen hohen ästhetischen, wie auch kulturellen Wert. Weitaus mehr, als die 50er Gebäude an der Nordseite.
(Wie man das gegen eine Reko des Salzhauses aufwiegt, soll jetzt nicht erneut angeschnitten werden)

Es gibt vielfältige Beispiele, wie moderne Elemente mit historischen harmonieren können. Das Risiko bei modernen Gebäuden etwas zu verschlechtern mag natürlich ein größeres sein, wenn es eine funktionierende historische Alternative gibt.
Dennoch war nicht jedes Haus in der Altstadt wie das Salzhaus. Die meisten Gebäude bedienten sich nicht einmal eines Sichtfachwerks. Die vielbeschworene "Ensemblewirkung" sehe ich nur in Fassadentypus, städtebaulicher Situation und Kleinteiligkeit. Die Architektur selbst ist von fragwürdiger Qualität. In vielen Stellen wären auch moderne Gebäude denkbar.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sich so ziemlich jedes Gebäude, welches die kleinteiligkeit in Parzellengröße und Fassade bewahrt dort einfügen kann, mit der kleinen Ausnahme reiner Metall/Glas Fassaden oder ausschließlich liegenden Fensterformaten.

Edit: Mit dem gesagten hier wiederhole ich mich bestimmt. Im Endeffekt wurden wirklich schon fast alle Argumente gebracht. Ich möchte auch jedem seine Meinung lassen. Ich kenne auch viele Menschen die sich über Rekonstruktionen ausschließlich freuen.
Was micht eben immer wieder antreibt hier zu schreiben ist teilweise der pauschlae Ruf nach Rekonstruktionen bei geichzeitigem polemischen diskreditieren der Moderne. Ich möchte da eben an einen gewissen Respekt vor der Geschichte appelieren. Dazu noch mal ein Beispiel:

Im östlichen und südlichen Teil der Altstadt stehen ja fast auschließlich diese 50er Jahre Mietshäuser. Im bekannten "Frankfurt ist Bielefeld am Main" Städteveriss auch mit den "Hundeklovorgärten" erwähnt.
Diese Struktur ist heute nicht mehr Zeitgemäß (und hier könnte mit einem Bruchteil des Geldes, was jetzt auf dem TR Areal investiert wird, wohl ein wesentlich großflächigerer Nutzen für die Stadt erzielt werden. ;) )
Jedoch hat auch diese Struktur eine Geschichte. Das städtebauliche Ideal dieser aufgelockerten Stadt wurde nicht nur vom CIAM propagiert sondern entwickelte sich bereits im 3. Reich als Antwort auf den Bombenterror. So sollte es Feuersbrünsten schwer gemacht werden von einem Gebäude auf das nächste überzugreifen. Die Struktur lehnt also nicht nur eine historisch-politische Interretation von Architektur ab, welche fälschlicherweise historiserende Strömungen in Bezug zum Driten Reich setzt ( "Nazi Argument", leider von einigen Reko-Gegnern in der Öffentlichkeit immer wieder verwednet, obwohl eben die Nazis eigentlich antiurban eingestellt waren), sondern hat auch eine funktionale Begründung, welche den unmittelbaren Erfahrungen der Erbauer selbst entspricht. Mit dem Aufkommen der Atomwaffen ist nun diese Begründung obsolet geworden.
Ich würde hier nicht für Denkmalschutz plädieren. Aber ich erkenne diese Architektur für ihre Zeit respektvoll an. Und die Tatsache der Kurzlebigkeit ist hier kein Negativargument gegen die Moderne sondern eben historisch begründetes, nicht anders mögliches Ergebnis.

Wahnfried
07.12.09, 12:57
^Pauschal sagen kann man im Prinzip gar nichts. In der Regel wirkt ein Neubau in einer ansonsten historischen Bebauung als störend, oder zumindest als Einbuse. Wenn wir beim Beispiel Kaiserstraße bleiben wüßte ich jetzt kein Nachkriegsgebäude das den Nachbarbau aus der Gründerzeit an Anmut übertrifft.
Ein eher gelungenes Beispiel ist der Fürstenhof von Schneider.

http://www.immo-news.net/photo/982949-1226923.jpg

Wobei aber auch hier gesagt werden muß, dass der orginalgetreue linke Flügel wesentlich mehr Augenfutter liefert als der einfachere "moderne" Flügel.

Auch wenn es off topic ist, würde ich schon auch behaupten, das es den linken Hausbesetzer wohl weniger um die historische Bebauung im Westend ging, sondern eher als Widerstand gegen "reiche" Investoren.
Allerdings waren damals nicht nur die Sponti Szene Teil des Widerstands sondern auch die Einwohner der Westends und viele andere Gruppen.
Das könnte man schon als Abstimmung der Bevölkerung gegen den Abriss von historisch /ästhetisch wertvollen Gebäuden werten.

Ffm486
07.12.09, 13:33
Na, dann hoffen wir mal, dass der Mustergrüne nicht zurückkommt und nun Nachkriegsbunker besetzt ;) Spass beiseite: ich finde, man sollte hier im Forum von pauschaler Parteienkritik Abstand nehmen; egal ob positiv oder negativ.

Zurück zum Thema: ich denke, wenn sich die "Füllbauten" zwischen den Rekonstruktionen diesen unterordnen und mit ihnen harmonieren, so kann man damit sicher auch gut leben. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass es keine nicht-Rekonstruktionen gibt, die auch gut mit den Rekos harmonieren.

Wichtig wäre, dass es ein "Primat der Rekos" gibt: an Problemstellen muss sich der Lückenschluss an den Rekonstruktionen orientieren, auch wenn dann der Übergang zu angrenzenden modernen Bauten nicht ganz stimmig ist. Denn eins steht fast sicher fest: die Rekos werden länger stehen bleiben als der bereits vorhandene moderne Nachkriegsbestand.

Wahnfried
07.12.09, 15:15
Sorry für den Doppelpost aber der erste Posts bezog sich auf Schmittchens Einwurf. Dieser Bezieht sich nun auf den Beitrag von Mik.

Sicherlich sollte es kein Problem sein in der Altstadt auch moderne Gebäude zu errichten wenn sie sich in die Kubatur und Materialwahl einfügen. Jedoch ist die Gefahr doch sehr groß dass dabei etwas herauskommt was am Ende des Tages störend wirkt. Siehe als Beispiel der Neumarkt in Dresden, dort stechen die modern gehaltenen Fassaden auch unpassend und störend heraus.
Was nun die Bebauung der Häuser am Mainufer angeht, da stimme ich zu. Hier wäre vermutlich mit wenig Geld viel zu verbessern. Wobei man sich auch da bitte an die historisch klassizistische weise Fassadengestalltung halten sollte. Solche Solitäre ala Westhafen und Deutschernufer würden da nicht passen.

RMA
07.12.09, 20:00
Mich würde mal interessieren, wieso man die Ostzeile, die ja durchaus als Musterbeispiel für das dienen kann, was man nun in größerem Maßstab beabsichtigt, eigentlich als harmonisches Ensemble wahrnimmt, obwohl sie eigentlich ein wildes Architektursammelsurium ist?

Zunächst mal ein Gesamtblick (August 2009, nach dem Abschluss der Renovierung des Kleinen Dachsberg / Schlüssel):

http://rma2k2.servepix.com/uxdAFhqpq9ps/VB5L8964_thumb.jpg (http://rma2k2.servepix.com/uxdAFhqpq9ps/VB5L8964.jpg)
(Klicken zum Vergrößern)

Von links nach rechts:


Großer und Kleiner Engel (1562),
Goldener Greif (im Kern 1562, Umbau im 18. Jahrhundert),
Wilder Mann (klassizistischer Neubau um 1800),
Kleiner Dachsberg / Schlüssel (ursprünglich zwei Häuser, im Kern wohl noch vor 1500, vermutlich um 1541 vereinigt, Umbau der linken Hälfte im 18. Jahrhundert),
Großer Laubenberg (im Kern wohl um 1450, Umbau im 18. Jahrhundert),
Kleiner Laubenberg (1541, wohl im 17. Jahrhundert verändert).


Wir haben hier insgesamt vier gotische Häuser, wenngleich auch für Frankfurt relativ untypisch später stark verändert, da die Krönungsfeierlichkeiten, die ab 1561 auf dem Römerberg stattfanden, das Bedürfnis erhöhten, Fenster zwecks Vermietung von Aussichtsplätzen in die Gebäude zu brechen. Dann ein barockisiertes Haus, dessen riesiges Zwerchaus trotz traufständigem Dach noch giebelständig wirkt (ganz typisch für die Frankfurter Barockarchitektur!) sowie einen klassizistischen Kasten.

Letzterer mal im Detail (Oktober 2009):

http://rma2k2.servepix.com/uxdAFhqpq9ps/VB5L9169_thumb.jpg (http://rma2k2.servepix.com/uxdAFhqpq9ps/VB5L9169.jpg)
(Klicken zum Vergrößern)

Eigentlich passt hier gar nichts - die klassizistischen Fenster sind größer als alles, was man sonst in der Gruppe findet, das Raster über drei Stockwerke verteilt und im Gegensatz zu Barock und Gotik völlig regelmäßig, eine Überkragung sucht man vergebens und das Dach ist geradezu schamlos auf eine Wohnnutzung ausgerichtet. Trotzdem empfindet man das Gebäude nicht als "Bausünde" - wieso? Sind es die ortsbezogenen Materialien oder schlicht nur die Tatsache, dass es nur eines von sechsen ist und darin untergeht? Oder doch etwas ganz anderes?

Die Antwort auf diese Frage ist meines Erachtens essentiell dafür, wie mit der Gestaltung der Füllbauten in der "neuen Altstadt" umgegangen werden sollte.

Wahnfried
07.12.09, 20:55
Ich wuerde sagen die Kleinteiligkeit duerfte einer der Gruende sein. Es gibt keine grossen "leere" Flaechen. Selbst die Fenster haben ein Fensterkreuz.

Fizgig
07.12.09, 22:57
Danke RMA für diese Analyse, den sie zeigt ja perfekt die Problematik auf, die auf den zu bebauenden Bereich besteht. Wie können moderne Häuser mit Rekos harmonieren?

Ich würde mich auch ober eine Komplettreko freuen, bin aber realistisch genug, nicht daran zu glauben. Ganz wichtig ist wohl hier, das bei 'moderne' Bauten darauf geachtet wird, das sie sich einfügen und trotzdem für sich stehen können. Was sind da die wichtigsten Parameter? Wohl die Parzellengröße als auch Geschosshöhe, Fenstergestaltung und Giebelform. Keine Glassfassden, Fensterraster, die typisch für diesen Bereich sind, keine Staffelgeschosse als Abschluss. Das muß erreicht werden. Aber innerhalb dieser Parameter ist es doch wohl möglich, ansprechende Gebäude zu bauen.

Aber bitte nicht so ein Gehry Gebäude, so sehr ich die auch gut finde. Hier soll so ein kleiner Teil der Alstadt wiederentstehen, das ist meiner Meinung nach kein Platz für Experimente.

RobertKWF
07.12.09, 23:09
@RMA #67:
Danke RMA für diesen Beitrag der weiterführt. Es ist wirklich nicht sehr einfach die Gründe für die Ensemble-Wirkung der Frankfurter Altstadt gegenüber Gegnern und Zweiflern zu beschreiben und die entscheidenden Unterschiede gegenüber der Wirkung neuer "Füllbauten" zu definieren, obwohl das immer wieder gemacht wird. Die Antworten sind wie mit Händen greifbar und müssen umfassend formuliert werden. Daneben gibt es allerdings auch noch handfeste praktische Gründe auf "Füllbauten" zu verzichten.
Solche Beispiele wie hier führen uns näher an die essenziellen Fragen heran. Mit den Erkenntnissen aus diesen Fragen und dann der Einsicht oder Nicht-Einsicht der Entscheider, steht und fällt das ganze Projekt.

@Fizgig #69
...realistisch genug, nicht daran zu glauben.
Was könnten denn die stichhaltigen Gründe sein, die dagegen sprechen? Warum soll es nicht gehen? Oder ist es "nur" die derzeitige Beschlusslage die uns das sagen lässt?


Postet von RKWF am 07.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #69 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243941&postcount=69)

RobertKWF
08.12.09, 01:23
@mik #63 (Wiederholungen können durchaus mal gewollt vorkommen)

mik hat hier sehr gut einen vermutlich wichtigen Problempunkt, den ich auch schon immer sehe angeschnitten, der wegen seiner Tragweite im Römer unbedingt noch offener, öffentlicher und selbstkritischer zu thematisieren ist:
..... Dennoch war nicht jedes Haus in der Altstadt wie das Salzhaus....... Die Architektur selbst ist von fragwürdiger Qualität ....

Genau das ist eines der wirklichen Kernprobleme in der älteren und neueren Stadtplanung im Bezug auf die Frankfurter-Altstadt. Schon sehr lange ist ersichtlich, dass man diese Thematik im Römer - zumindest unterschwellig - ähnlich sieht und darum auch in den Projekten die Weichen entsprechend stellt. Eine schon historische Fehleinschätzung.

Die Einsicht, das es mit der Rekonstruktion einiger weniger, vielleicht architektonisch oder altstadttypisch bedeutender Häuser nicht getan ist, fehlt im Römer offenbar vollkommen. Über die Gründe, warum das so ist wird eben noch zu debattieren sein s. o.

Ohne jetzt Fachmann sein zu wollen, denke ich mal sagen zu dürfen, dass auch einzelne der zur Rekonstruktion vorgesehenen Altstadthäuser, gesamtdeutsch gesehen keine übermäßige herausragende architektonische Rolle spielen, mal abgesehen von dem Faktor der durchaus typischen mittelalterlichen und späteren Frankfurter Architekturelemente.

Das pittoreske Gesamtensemble, zumindest jetzt als Gesamtensemble auf dem Dom-Römer Areal, in seiner einmaligen, für die Frankfurter Altstadt typischen Art und Vielfalt, mit den Raritäten der eben dann noch sehr schönen, wertvollen alten Häusern erst, gibt dem Projekt seinen wirklichen Sinn. Dies lässt sich eben nur realisieren, wenn alle Häuser zumindest in der äußeren Gestalt originalgetreu aufgebaut werden, aber nicht durch irgendeine Kleinteiligkeit.



Postet von RKWF am 08.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #70 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243942&postcount=70)

RobertKWF
08.12.09, 02:01
@mik #63 zum zweiten Teil nach Edit:

Es mag durchaus sein das diese Art 50er Jahre Mietshäuser so betrachtet werden können, sind aber in dieser Form wirklich keine Seltenheit um gerade diese dort in der Altstadt erhalten zu müssen. Die Argumente treffen eben heute hier nicht mehr zu. Wenn diese Bauten und Ensembles funktionieren und sich die Menschen darin wohl fühlen, warum also prinzipiell nicht. Kann Beispiele nennen, wo sich diese Wohnform mittlerweile ganz ordentlich erhalten hat. Die Häuser müssen dann eben auch entsprechend gepflegt und renoviert werden, wenn sie sich denn rechnen. Ich hätte an einem anderen Standort überhaupt nichts dagegen.

Aber gerade auf diesen genannten Arealen, mit der ganz anderen historischen und wirtschaftlichen Bedeutung sind sie mehr als ein Fremdkörper geworden. Wie man manchmal erkennen kann, denkt die "Stadt" wohl selbst schon seit längerem an eine Neubebauung dieser Areale. Vor einiger Zeit bei einer Sitzung des Dom-Römer Ausschusses im Historischen Museum, hat Arno Lederer Entwürfe an die Wand gepinnt, auf denen seine Vorschläge für die Wohn-Bereiche südlich des Doms gezeigt wurden. Das hat er sicherlich nicht ohne Anstoß aus dem Römer getan. Merkwürdig nur dass man nichts darüber in der Öffentlichkeit vernehmen konnte.


Postet von RKWF am 08.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #71 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243965&postcount=71)

Fizgig
08.12.09, 11:57
@RobertKWF: Mein Realismus gründet sich auf die bisherigen Aussagen der Stadt, nur eben die 7 Häuser selbst rekonstruieren zu wollen und das es zwar genug Interesse aus der Privatwirtschaft gibt, aber davon bestimmt einige gerne dort bauen wollen, aber nicht sich unbedingt zusehr einschränken wollen, was Bauvorschriften und Ausführung angeht.
Wenn es gelingt, das die Fassaden dem alten entsprechen, wäre das schon sehr gut. Du hast Recht, die Ensemblewirkung ist hier entscheidet. Aber ich kann mir durchaus auch hier und dort eine modernere Variante vorstellen.

Zu dem Südlichen Alststadt Bereich: Es ist wirklich Schade, wie sehr dieser Bereich doch wie ein reines Wohnviertel wirkt, das in jeder anderen Ecke der Stadt stehen könnte. Dabei gehört dieser Bereich mit zur Keimzelle der Stadt und das merkt man nun wirklich nicht. Gerade die Fahrgasse, einst die wichtigste Nord-Süd Verbindung in der Stadt wirkt so abgehängt. Da wünsch ich mir schon, das es da neue Entwicklungsmöglichkeiten gäbe. Aber das kann auch nach und nach geschehen.

Rohne
08.12.09, 23:46
Wie ich mir das Gebiet das aktuell in der Diskussion steht vorstelle hab ich in Beitrag #38 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=242723&postcount=38) schon ausreichend erläutert. Davon rücke ich auch nicht ab, vor allem nicht von den dringend notwendigen zusätzlichen Rekos (welche Gebäude das wären siehe erwähnten Beitrag). Größeren Gestaltungsspielraum gibts in meinen Augen nur an der Hühnermarkt-Ostseite und beim direkt ans Haus am Dom angrenzenden Grundstück, da dort der jeweilige Vorgängerbau kein Vorbild für die Neubebauung sein kann. Das Erscheinungsbild als Frankfurter Altstadt muss auf jeden Fall wieder hergestellt werden. RMAs Fragestellung kann da schon mal sehr gut als Orientierung dienen. Geht allerdings auch noch nicht weit genug: Man stelle sich nur mal vor, es wäre nicht nur der Wilde Mann sondern der Großteil der Gebäude am Samstagsberg käme in einer ähnlichen eher frankfurt-altstadt-untypischen Gestalt daher - das Erscheinungsbild wäre ein völlig anderes und überhaupt nicht mehr so leicht als Teil ausgerechnet der Frankfurter Altstadt zu identifizieren, und derartiges gilt es auch für den Dom-Römer-Bereich zu verhindern. Von daher sind Merkmale wie ich sie im erwähnten Beitrag schon aufgezählt hab, gerade auf den Parzellen ehemals gotischer Häuser essentiell. Auch wenn das allermeiste Fachwerk verputzt war, hat man der Altstadt doch immer angesehen dass es sich vor allem um Fachwerkgebäude gehandelt hat, und diesen Eindruck gilt es natürlich wiederzuerlangen.

Für modernere Versionen von Altstadtgebäuden, so wie mik sie sich vorstellt, gibt es auch noch in anderen Ecken der Altstadt mehr als genug Platz. Für die katastrophalen Gebäude an der Berliner Straße und die absolut unurbanen Vorstadt-Zeilenbauten rund um den Dom, östlich des Karmeliterklosters und entlang der Fahrgasse, die in einem Stadtzentrum so einfach nichts verloren haben, sehe ich mittel- bis langfristig nämlich keine andere Alternative als den Abriss.
Dass der historische Grundriss dann zumindest grob wiederherzustellen ist wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, sollte selbstverständlich sein. Rekos würde ich außerhalb des Dom-Römer-Bereichs auf bedeutende Einzelgebäude oder Ensembles beschränken. Das Roseneck, Fürsteneck und das Haus Lichtenstein kämen mir da in den Sinn. Bei einem Abriss der Schirn (und wenn er erst in 50 Jahren stattfindet) auch die Scharnhäuser am Saalgassenplatz, das Fünffingerplätzchen (Pesthaus, Haus zum Hasen, Haus zum Widder und Haus zur wilden Frau), sowie ein paar der Häuser am dann noch unbebauten Teil der Markt-Südseite. Ansonsten angepasste Neubauten, die, wenn sie nicht gerade an Rekos angrenzen, halt durchaus auch etwas moderner ausfallen können. Südlich der Berliner Straße sind dabei aber Kleinteiligkeit und schiefergedeckte Satteldächer Pflicht und allzuharte Kontraste möglichst zu vermeiden.

RMA
09.12.09, 00:05
Die Erkenntnis, dass eine Rückkehr zum alten Stadtgrundriss – selbst ohne irgendwelche Reko-Absichten – schon alleine die Aufenthaltsqualität von Innenstädten erheblich aufwerten kann, setzt sich ja langsam glücklicherweise deutschlandweit durch. Wie von Rohne bereits ausgeführt, könnte ich glücklich ins Grab steigen, wenn das zumindest für den Bereich zwischen Römerberg, Braubachstraße und Fahrgasse bis Mitte dieses Jahrhunderts erreicht ist.

Durch einen Verzicht auf die Wiedererrichtung der ohnehin total bedeutungslosen Hinterhofbebauung, was ja auch schon vor dem Krieg Ziel der meisten behutsameren Sanierungsmaßnahmen war (Handwerkerhöfchen, Kirschgarten), könnten dabei selbst in extrem eng bebauten Gegenden wie dem ehemaligen Fischerviertel (ungefähr zwischen Fahrgasse und dem Leinwandhaus) durchaus Quartiere wiedererstehen, die auch den Anforderungen einer Charta von Athen (Sinn und Unsinn dieser mal dahingestellt) genügen.

Da eine Totalreko des vorgenannten Gebietes zwar wünschenswert, aber zugegeben völlig illusorisch und vor allem unbezahlbar ist, wäre hier wohl ein Modell wie am Friedrichswerder in Berlin am ehesten denkbar, also moderne Townhouses auf den alten Parzellen in ungefähr der alten Kubatur, wobei man über die Gestaltungsleitlinien noch trefflich streiten könnte (im Gegensatz zu Berlin geht es hier ja nicht um Gründerzeitler, sondern verputzte, meist schlichteste Fachwerkbauten). Dazu noch einige Leitbauten (siehe Liste Rohne), wobei, wie zuvor schon angemerkt, es der als Einzelbauwerk herausragenden Baudenkmäler in Frankfurt ohnehin nur sehr wenige gab.

Die Bebauung des Technischen Rathaus-Areals kann meines Erachtens nur ein Testlauf für derartige Pläne sein, denn seien wir ehrlich, ob man sich nun als "Traditionalist" oder "Modernist" sieht, die sogenannte gegenwärtige "Altstadt", wie wir sie rund um den Dom sehen, spottet jeder Beschreibung und lässt selbst eine Radilostraße in Rödelheim im Vergleich dazu urban wirken. Von der Außenwirkung noch ganz zu schweigen.

RobertKWF
09.12.09, 01:27
@RMA #67 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=243927&postcount=67):
Mich würde mal interessieren, wieso man die Ostzeile ..... eigentlich als harmonisches Ensemble wahrnimmt, obwohl sie eigentlich ein wildes Architektursammelsurium ist.

Diese Frage wird einer wie RMA sicher selbst besser beantworten können als ich.
Eine simple, vielleicht auch laienhafte Antwort könnte z. B. sein, "es sind eben die Originale", hätte ich beinahe gesagt, also "es sind eben die weitestgehend original rekonstruierten Häuser" wie sie über jahrhunderte im räumlich und zeitlich engen Zusammenwirken entstanden sind. Beeinflusst oder eingeengt noch durch die beschränkten technischen Möglichkeiten und die strengen Auflagen (Gestaltungssatzungen) der Stadtoberen sowie das drängende Bedürfnis und Streben nach schmückenden, gefälligen Äußerlichkeiten bis ins Detail um den Nachbarn zu imponieren? Und natürlich der extreme Platzmangel. Man kann beinahe körperlich spüren, wie sich die Häuser gegenseitig bedrängen, um jeden Zentimeter Raum kämpfen und sich nicht vielleicht nur schützend anlehnen um nicht umzufallen.

In den hunderten von Jahren hat sich dort im Bauwesen ja nur sehr langsam, ohne sehr große Sprünge etwas verändert, wodurch eben diese scheinbar organisch gewachsenen Strukturen entstanden sind, trotz gewisser unterschiedlicher "Baustile".
Der zeitliche Abstand zu heutigen Baumöglichkeiten ist für diese Ecke einfach zu groß geworden, als dass heutige Architektur mit ihren völlig anderen Grundlagen, mit ihrer von der Moderne beeinflussten Hinwendung zur rationalen Sachlichkeit, hineinpassen könnten.
Bei den deutlich jüngeren Gründerzeitler-Vierteln sollte das eigentlich weniger gravierend sein, wenn diese nicht noch aufwändiger und umfassender mit plastischen Ornamenten geschmückt worden wären als selbst die Altstadthäuser im Kernbereich.

Aber nein, das ist noch nicht alles. Wie haben die das früher nur hinbekommen? :headscratch:


Postet von RKWF am 09.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter RMA #75 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=244142&postcount=75)

Xalinai
10.12.09, 12:16
@RobertKWF: Erstmal haben "die" damals überhaupt nichts "hinbekommen" - das Ganze ist organisch gewachsen, ein Haus nach dem anderen entstanden, jedes hat zu seiner Zeit einen Vorgänger verdrängt und jedes einzelne wurde zu seiner Zeit ohne Rücksicht auf die Gestaltung der benachbarten Gebäude erbaut. Maß der Gestaltung war der Wunsch des Erbauers nach optimaler Nutzung seiner Parzelle und die sich aus den Materialien und der Bautechnik seiner Zeit ergebenden Restriktionen bezüglich der Größe der einzelnen Bauelemente wie Wandflächen und Fenstergrößen.

Der Reiz der Fachwerkkonstruktion besteht ja nicht zuletzt darin, dass die grundsätzliche statische Notwendigkeit der Verstrebungen in ihrer regelmäßigen Wiederholung schon ornahmenthaft wirkt, so dass schon sparsam verwendete zusätzliche Schmuckgestaltungen eine sehr dekorative Gestaltung ergeben.
Auch das ist eine Ausprägung von Form Follows Function.
Nur - das Interesse an der sichtbaren Präsentation dieser Konstruktion ist ja erst neueren Datums. Diejenigen, die diese Gebäude in ihrer Vorkriegsvariante nutzten, hatten die Gebäude ab dem zweiten Stock verschiefert, oder, wie die "Samenhandlung Kahl" vollständig verputzt und den Giebel verschiefet. Darüberhinaus waren die Gebäude in einem Umfang, den die neue Gestaltungssatzung nicht hergibt, mit Werbung unter den Fensterbänden von zwei oder drei Etagen zugemalt.
Der hier so gerne eingeforderte "Respekt von der geschichtlichen Bedeutung" dieser Ansicht, ist eine reine Kopfgeburt derer, die ohne in der Verantwortung für Nutzung und Erhalt zu stehen, ihre Träume von einer heilen Welt von Anderen umsetzen lassen wollen.
Nicht ohne Grund befanden sich die "Altstadtfreunde" immer wieder im Konflikt mit den Eigentümern und Nutzern.

Die Ostzeile ist ein Stilmix. Er wirkt harmonisch, im Wortsinne, denn Harmonie ist die Zusammenfügung von Gegensätzen zu einem Ganzen. Und für den Nicht-Fachmann sind alle Häuser so alt, dass er die unterschiedlichen Epochen nicht mehr bewusst wahrnimmt.
Insofern sind die neuen Anforderungen, besonders der geforderte individuelle Charakter jedes einzelnen Hauses innerhalb eines nicht zu engen Rahmens sicherlich ein Ansporn für eine wirklich interessante neue Altstadt.

Nur muss es eben auch erlaubt sein, mit allen 12 Tönen zu spielen und nicht immer nur C-Dur. Oder meinst Du, wenn der Eine oder Andere aus diesem Forum hätte mitreden dürfen, dass der "klassizistische Kasten" dort jemals gebaut worden wäre - viel zu Modern, nicht angepasste Fenstergröße, Mansarddach zur Vergrößerung des Wohnraums - nein, sowas an dieser Stelle, das darf man nicht bauen.

Auch ohne die komplette Zerstörung der Altstadt wäre das Bild heute ein anderes als von siebzig Jahren. Vermutlich wäre die ausdünnende Sanierung fortgesetzt worden und sicher hätte man das eine oder andere Haus - wie es auch in den Jahrhunderten zuvor geschehen ist - durch einen Neubau mit den Mitteln und dem Stil der jeweiligen Zeit ersetzt.

RMA
10.12.09, 13:24
Erstmal haben "die" damals überhaupt nichts "hinbekommen" - das Ganze ist organisch gewachsen, ein Haus nach dem anderen entstanden, jedes hat zu seiner Zeit einen Vorgänger verdrängt und jedes einzelne wurde zu seiner Zeit ohne Rücksicht auf die Gestaltung der benachbarten Gebäude erbaut.

Das ist schonmal falsch, bereits aus dem 15. Jahrhundert sind verbindliche Bauordnungen überliert, seit der gleichen Zeit auch Nachbarschaftstreitigkeiten, die ein gewisses natürliches Regulativ aus dem Kreise der Bürgerschaft heraus belegen. Das bekannteste Beispiel ist ja die Goldene Waage, die eigentlich ein Stockwerk höher werden sollte, aufgrund der Proteste der Nachbarn jedoch dann so errichtet wurde, wie sie bis 1944 stand (und somit die übrigen Häuser nicht überragte).

Nur - das Interesse an der sichtbaren Präsentation dieser Konstruktion ist ja erst neueren Datums. Diejenigen, die diese Gebäude in ihrer Vorkriegsvariante nutzten, hatten die Gebäude ab dem zweiten Stock verschiefert, oder, wie die "Samenhandlung Kahl" vollständig verputzt und den Giebel verschiefet. Darüberhinaus waren die Gebäude in einem Umfang, den die neue Gestaltungssatzung nicht hergibt, mit Werbung unter den Fensterbänden von zwei oder drei Etagen zugemalt.

Auch dies ist falsch herum aufgezäumt – das Interesse, die Fachwerkkonstruktion zu verbergen, währte für einen kurzen Zeitraum, etwa 1725 bis 1850. Danach kam es zunehmend zu Fachwerkfreilegungen (auch schon im Kaiserreich). Alleine die Tatsache, dass man auf zahlreiche verputzte Fachwerkbauten idealisierende historistische Fachwerke aufmalte, belegt das schon. Man hatte im Kaiserreich (im Gegensatz zu den 1930ern) nur noch nicht die Kenntnisse über die Entwicklung des Fachwerks in Deutschland, um einen unter dem Verputz oder Schiefer meist durch größere Fenster verstümmelten Fachwerkbau denkmalgerecht wiederherzustellen. Dass die Zahl der Freilegungen auch in den 1930ern (und erst recht davor) so niedrig war, lag auch schlicht daran, dass die Hausbesitzer selber der Freilegung zustimmen mussten, und dafür aufgrund der geringen Kaufkraft in der Altstadt das Geld dafür nicht vorhanden war. Bei einer Enteignung durch die NS-Stadtregierung hätte das freilich ganz anders ausgesehen, darauf wurde jedoch verzichtet (das hat man dann in den 1950ern für die Trümmergrundstücke nachgeholt).

Nur muss es eben auch erlaubt sein, mit allen 12 Tönen zu spielen und nicht immer nur C-Dur. Oder meinst Du, wenn der Eine oder Andere aus diesem Forum hätte mitreden dürfen, dass der "klassizistische Kasten" dort jemals gebaut worden wäre - viel zu Modern, nicht angepasste Fenstergröße, Mansarddach zur Vergrößerung des Wohnraums - nein, sowas an dieser Stelle, das darf man nicht bauen.

Der klassizistische Kasten wurde nach städtischer Verordnung gebaut. Das Baustatut von Johann Georg Christian Hess legte 1809 den Klassizismus als verbindlichen Baustil fest und regelte dies bis ins kleinste Detail. Wohl weniger die Bürger denn die Architekten wären heute über derartige Bauvorschriften schlichtweg empört. Nichtsdestotrotz brachte der Klassiszismus in Frankfurt innerhalb dieses engen Korsetts herausragende Leistungen hervor.

Auch ohne die komplette Zerstörung der Altstadt wäre das Bild heute ein anderes als von siebzig Jahren. Vermutlich wäre die ausdünnende Sanierung fortgesetzt worden und sicher hätte man das eine oder andere Haus - wie es auch in den Jahrhunderten zuvor geschehen ist - durch einen Neubau mit den Mitteln und dem Stil der jeweiligen Zeit ersetzt.

Auch das habe ich sogar dir persönlich schonmal widerlegt, aber du willst es, warum auch immer, offenbar weiter in den Raum stellen – selbst unter den abbruchsanierenden Nazis war der Bereich, über den wir reden, unter Ensembleschutz gestellt worden. Abbrüche zwischen Neuer Kräme, Schnur- und Fahrgasse und Main gab es nicht und hätte es auch nicht gegeben.

Querido
10.12.09, 16:29
Danke auch, RMA, für deine Fragestellung in Beitrag # 67. Diese Frage ist außerordentlich wichtig, auch, aber nicht nur für unsere Problematik beim (Teil-) Wiederaufbau des Dom-Römer-Bereichs. Wenn man aus dieser Fragestellung die richtige Antwort zieht, kann man eigentlich bei jedwedem Bauen in historischer Umgebung ein vernünftiges Ergebnis erzielen – sei es jetzt in einer gotischen (Fachwerk-) Altstadt oder in einem Gründerzeitviertel.

Für mich sind folgende Gründe dafür entscheidend, dass sich auch ein „klassizistischer Kasten“ in die gotische Umgebung einfügt:



Die Architektur muss sich dem Städtebau unterordnen! D. h., wichtig ist beim Bau eines Gebäudes, dass man den öffentlichen Raum im Blick behält, ihn optisch begrenzt und ihm auf diese Weise Halt und Behaglichkeit bietet. Konkret bedeutet das vor allem, dass die Baulinie, die von der Nachbarbebauung vorgegeben wird, eingehalten und fortgeschrieben wird. Auch die Höhe und Breite des Gebäudes sollte sich an der Nachbarbebauung orientieren. Kleine Unterschiede wirken hier zwar belebend, doch sollte die Maßstäblichkeit nicht gesprengt werden.


Ein ganz wesentliches Merkmal jedes Gebäudes bis in die 1920er Jahre hinein war ein Dach, das diesen Namen verdient (auch, wenn der Klassizismus, wenn er die antike Grundform des Tempels zitierte, hier manchmal etwas zurückhaltender war). Man sollte dabei vor allem bedenken, welche Gestaltungsmöglichkeiten ein Dach bietet – angefangen von der Firstrichtung über die Grundform (Mansard-, Sattel-, Zeltdach etc.) bis hin zu "Anbauten" wie Gauben und Zwerchhäusern.


Für die Fassade sollten nur „natürliche“ Materialien verwendet werden, was in erster Linie bedeutet, dass ausnahmslos bzw. überwiegend Materialien mit einer matten Oberfläche zu nutzen sind wie Putz, Sandstein, Holz, Schiefer und Ziegel etc. Tödlich sind meiner Meinung nach „unnatürliche“ Materialien wie Metall- oder Kunststoffverkleidungen, geschliffener Granit, Sichtbeton etc. Bei Verwendung von Glas sollte man beachten, dass es nicht zu dominierend wird und es nicht zu großflächig eingesetzt, sondern ggf. unterbrochen werden sollte.


Das bestimmende Element sollte, gerade in einer kleinteiligeren Bebauung, die Vertikale sein. Dies vielleicht deswegen, weil ein Betrachter i. d. R. steht und nicht liegt. Die vertikale Ausrichtung erreicht man vor allem durch stehende Fensterformate. Eine horizontale Richtung, wie sie eine langgestreckte Gebäudeform, horizontale Gesimse u. dgl., liegende Fensterformate und vor allem Fensterbänder bewirken, sollte unbedingt vermieden werden.


Sind die vorgenannten Punkte eingehalten, kommt es „nur noch“ auf gestalterische Phantasie und einen Sinn für Proportionen an. Dem Auge sollte etwas geboten werden - sei es durch ein originelles Detail, eine interessante Farbgebung oder auch durch Ornamente - ohne das es kitschig wirkt. Die Erkenntnis, dass man gerade durch Farbe doch viel bewirken kann, scheint sich ja mittlerweile auch in Deutschland, in dem man jahrzehntelang nur das langweilige Weiß kannte, durchzusetzen.


Die uns bekannte geplante Satzung für den Dom-Römer-Bereich enthält eigentlich alle oben angesprochenen Elemente, weshalb man eigentlich ganz guten Mutes sein sollte.

Xalinai
11.12.09, 00:22
^
Nun denn, wenn nach der kurzen Zeit des Verputzens und der Veschieferung von nur 125 Jahren die lange Zeit von 94 Jahren nicht ausreichte, den Eigentümern der Ostzeile bewusst zu machen, dass man ihre Häuser doch freilegen muss, weil das besser aussieht, dann darf ich wohl auch noch ein wenig brauchen.

Ich finde es halt immer wieder irritierend, wenn einerseits der Vorkriegszustand als Maßstab genommen und Ensembleschutz proklamiert wird und andererseits jedes einzelne Gebäude eben nicht in der Form präsentiert wird, wie es sich nach seiner Nutzung tatsächlich darstellte sondern poliert, lackiert und mit Zuckerguss überzogen.

Klassisches Beispiel ist der Römer selbst - der historisch korrekte Zustand wäre eben ohne den Balkon und den damals gleichzeitig angebrachten Zierrat.

Im Übrigen hat man noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts Fachwerkhäuser auf dem Land mit Asbestzementplatten vernagelt und selbst in Fachwerkmusterstädten wie z.B. Seligenstadt wurden Häuser mit Baujahr um 1300 erst vor ca. 15 Jahren freigelegt - Originale allerdings.

Mit ausdünnender Sanierung meine ich in diesem Bereich (inzwischen) wirklich nur Anbauten und zugestellte Innenhöfe - allerdings würde es mich wirklich interessieren, was wohl in den Siebzigern passiert wäre, wenn die Bewohner einer noch existierenden Altstadt den Wunsch nach Küchen, Toiletten und Bädern in ihren Wohnungen bekommen hätten, was außerhalb ja allmählich zum Standard wurde.

Die Lösungen, die sich in anderen Städten dafür gefunden haben (meistens Anbauten auf früheren Hofflächen, die die Ansicht nicht oder wenig beeinträchtigen) wären in der zugebauten Frankfurter Altstadt ja nicht möglich gewesen.

Zusammenlegung mehrerer Gebäude um den Mehrbedarf an Fläche je Wohneinheit zusammenzubekommen wäre mit den unterschiedlichen Stockwerksebenen ja auch nicht gegangen.

Wie wurde das in den Häusern der Ostzeile gelöst? Da sind ja auch Wohnungen drin - hat jemand Vergleiche der Grundrisse Vorkriegszustand und heutige Nutzung?

mik
14.12.09, 20:35
Sehr interessante Debatte. Ich finde nur, dass "historisch" ein sehr dehnbarer Begriff ist. Persönlich verwende ich ihn ja ganz gerne für Gebäude älter als 30 Jahre und Originalsubstanz. Andere eher für alles, was irgendwie alt aussieht. Es ist deshalb ziemlich müßig, miteinender zu debattieren, wenn man ganz andere Auffassungen der Bedeutungen verschiedener Begrifflichkeiten hat.

Sicherlich ist klar, dass die Altstadt, die hier gebaut wird in keinster Weise irgendwas mit "historisch" in einem eng interpretierten Sinn zu tun haben wird. Es geht viel mehr um die Ereiterung eines, in seiner Funktion äußerst modernen Postkartenmotivs, um eben die Heimeligkeit, welche die Ostzeile Frankfurtern und Touristen verspricht, auch in ein paar Straßenzügen erlebbar zu machen.
Dieses Phänomen ist definitiv eines des 20. und 21. Jahrhunderts. In seiner Form Zeitgeschichte live.
Und auch wenn dieser Post polemisch wirken mag, ironisch ist es nicht gemeint.
Das Problem ist eben nur, dass den Rekobefürwortern ein wichtiges Argument verloren geht, wenn man mal klarstellt was denn eigentlich historisch "heißt".


Mal allgemein zu der ganzen Diskussion:

Die Debatte sollte nicht um die ideale Form geführt werden, sondern um die ideale Funktion für den Ort. Ein "Freileichtmuseum" würde Verschieferung bedeuten und Bauzustand von 1800 vielleicht. Für das Touri- und Identifikationsland langt die Tourilandversion aus den späten 20ern. Für die intellektuelle Hochkultur, die bedeutungsschwangere Ernsthaftigkeit, bedürfte es hingegen äußerst ehrlichen Sichtbetons. Ich plädiere ja eher für den Mix aus allem. Dann ereicht man glaub ich den besten Schnitt durch die Gesellschaft und hat was ehrlich gewachsenes, ausgekämpftes. Wäre nur qualitativ als Städtebau schwierig qualitätsvoll durchzuplanen. Eben die eierlegende Wollmilchsau. Aber meine Meinung ist ja bekannt :D

Irgendwie müsste man sich erstmal einig sein, was man im "Herzen" der Stadt will, bevor man sich darüber streitet, was die ideale Form dafür ist.

Xalinai
14.12.09, 22:09
@mik: Du sprichst mir aus dem Herzen - aber wenn man erst darüber nachdenkt, wie man diese Fläche nutzen will und dann entscheidet, in welcher Form von Bauwerk das geschieht, dann kommt meiner Meinung nach höchstens eine Fassadenrekonstruktion heraus, und dass wollen weder die Reko-Fans noch ich.

Dieses Stück Stadt hat einen hohen Wert - selbst rein materiell betrachtet. Wenn dort etwas gebaut wird, was kommerziell genutzt wird, dann müssen die Kosten für Herstellung und Unterhaltung erwirtschaftet werden. Das wird mit einer reinen Touristengastronomie plus Wohnungen obendrüber wohl schwer werden.

Für mit öffentlichen Mitteln gebaute Gebäude ist die Frage nach iher Nutzung noch wichtiger - schließlich wird hier das Geld nicht nur der Befürworter sondern das aller Bürger ausgegeben. Die Annahme, der Reko-Befürworter, sie seien in der Mehrheit, weil jeder, der nicht laut Nein ruft ja zustimme darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit der Frage "Würden Sie jetzt 10€ spenden, um diese Gebäude wieder aufzubauen?" ein völlig anderes Votum bekommen würde. Noch besser die Variante "Wenn sie jetzt nicht Nein sagen müssen sie nächstes Jahr 10€ zahlen".

beschubene
14.12.09, 22:29
Soweit ich richtig verstanden habe möchte man eine Mischung aus Gastronomie, Einzelhandel, Wohnungen und Büros. Also nichts was sich zwingend mit einer Rekonstruktion beißt.

Nur dieses "Begegnungshaus" ist problematisch, wobei ich mich frage, ob dessen geplante Funktion nicht bereits durch das Haus am Dom erfüllt wird.

RobertKWF
15.12.09, 01:39
@mik #81 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=244760&postcount=81) :
Wieder mal ein bunter "Mix" von Meinungsfragmenten mit dem wieder mal die bekannten Themen mit "sollte" und "müsste" erneut aufgerührt werden sollen, um dann noch die Kritikpunkte wie z. B. "darüber streiten" auch selbst wieder reißerisch anzuheizen, indem er seine Äußerungen auch wieder mit den üblichen, billigen, altbekannten und ausgeleierten Phrasen der Reko-Gegner unterlegt. Eine allgemeine Einigung über "die ideale Form" z. B. wird es ja wohl niemals geben können. So wundert es nicht, dass er sich auch für die neue Altstadt einen eher verschwommenen "Mix" wünscht.

Obwohl er es für müßig hält, debattiert er doch aber selbst gerne weiter und reißt die Gräben mit der Verschärfung verschiedener Begrifflichkeiten weiter auf. Welche Seite soll sich denn beispielsweise bei der scheinbaren Bedeutung verschiedener Begrifflichkeiten anpassen?

Historische Form und Funktion in der Altstadtbebauung sind übrigens beide von Bedeutung und sollten sich nicht ausschließen, das wäre ein Fehler. Eher noch ergibt es in diesem Projekt einen Sinn, die Funktion der Form unterzuordnen, sonst könnte man es ja gleich sein lassen.

Postet von RKWF am 14.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter beschubene #83 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=244780&postcount=83)

Neugestaltung Dom-Römer-Areal

Es ist nun mal so, dass ausnahmslos alle maßgeblichen planenden und ausführenden Personen keine ausgewiesenen Freunde der historischen Frankfurter Altstadt sind, im Gegensatz zu den Personenkreisen, die sich früher schon als Kämpfer und Freunde der Altstadt engagiert haben und ohne die auch die um 1930 vorgenommenen Sanierungsmaßnamen niemals erfolgt wären.

So zeigt auch Michael F. Gunterdorf, der nur zu 40 Prozent seiner Arbeitszeit involviert ist und bisher noch nicht mal einen eigenen Schreibtisch für diese Funktion hat, in seinem Gespräch mit der fnp-online vom 14.12.2009, keine Ansätze, die auf eine rekonstruktionsfreundliche Vorgehensweise schließen lassen könnten:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.6991277.de.htm

Mit den beschlossenen sieben Rekonstruktionen muss er sich nun mal in technischer Hinsicht und in Bezug auf die Ausführung befassen. Seine eigentliche Herausforderung sieht er demnach wohl in den restlichen Füllbauten und deren sachgerechten Ausführung und Vermarktung. Eigentlich viel Arbeit für den Gestaltungsbeirat, der aber eigentlich auch nicht ernsthaft an weiteren Rekonstruktionen interessiert ist.
Guntersdorf meint schon mal das es keinen Grund geben wird die Gestaltungssatzung grundsätzlich in Frage zu stellen.

Schon bei dem Wunsch nach zusätzliche Rekonstruktionen stellt sich für ihn die Frage ob es da sinnvoll ist, wo sie möglicherweise Parzellen zusammenfassen müssen (?), prinzipiell aber möglich!?
Als nächste Einschränkung kommt schon, dass an der Fassade "immer die Nutzung" abgebildet wird.

Er sieht auch eine Menge technischer Probleme beispielsweise bei der Müllentsorgung und der Feuerwehrzufahrt. Da kann man schon erkennen, dass er wohl eher bauliche Kompromisse sieht, als beispielsweise eine besondere Feuerwehr- und Brandschutz-Ausrüstung für die Altstadtbedingungen und eben eine spezielle Müllentsorgung für die Altstadt zu entwickeln.
Diese Dinge müssen nun mal den besonderen Umständen der Altstadt angepasst werden und nicht umgekehrt!

Weiter meint er, dass einige Rekonstruktionen nicht möglich sind weil keine normgerechten Treppenhäuser eingebaut werden können. So etwas kann ja nicht sein, dafür gibt es technische Lösungen, findige Architekten und Ingenieure sowie Sondergenehmigungen.



Postet von RKWF am 15.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter RobertKWF #84 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=244787&postcount=84)

Fachwerkhaus
15.12.09, 03:32
Es ist schon lange bekannt, dass alle Straßen des Areals für heutige Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge erreichbar sind, und sich die einzige Abweichung davon nur durch den Kunstverein-Kubus ergibt, der in den historischen Straßenraum hereinragt. Auch in Neubaugebieten kann man nicht immer direkt vor die Haustür fahren, ganz zu schweigen von mehrstöckigen Wohnhäusern. Ob man nun 50 Meter durch eine enge Gasse läuft und dann in den zweiten Stock oder gleich von der Haustür in den 6. Stock macht da für Rettungskräfte auch keinen Unterschied in der Entfernung.

Abgesehen davon ist dem Artikel nichts grundlegend negatives zu entnehmen, außer der Frage, wieso denn unbedingt horizontal zusammengelegt werden muss. Ein kleines drei- bis vierstöckiges Haus in dem Bereich sollte doch für 1-2 Haushalte ausreichen. Bequemlichkeit sollte dabei keine Rolle spielen, wer nicht Treppen laufen will/kann sollte nicht in eine Altstadt ziehen, egal ob "echt" oder rekonstruiert. Aber ganz abgesehen davon, historisch war es gängige Praxis, zwei oder mehr Häuser ohne Fassadenumbau für eine gemeinsame Nutzung zu vereinen - eines der besten Beispiele steht direkt am Römerberg...

Wahnfried
15.12.09, 08:49
Für mit öffentlichen Mitteln gebaute Gebäude ist die Frage nach iher Nutzung noch wichtiger - schließlich wird hier das Geld nicht nur der Befürworter sondern das aller Bürger ausgegeben. Die Annahme, der Reko-Befürworter, sie seien in der Mehrheit, weil jeder, der nicht laut Nein ruft ja zustimme darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit der Frage "Würden Sie jetzt 10€ spenden, um diese Gebäude wieder aufzubauen?" ein völlig anderes Votum bekommen würde. Noch besser die Variante "Wenn sie jetzt nicht Nein sagen müssen sie nächstes Jahr 10€ zahlen".

@Xalinai, das Argument das Gegner von Rekos oder von Architektur wenig interessierte Bürger die geplanten Rekos auch finanzieren wenn diese mit Steuergeldern bezahlt werden ist ein schwaches. Schließlich werden Schichtbeton Gebäude auch von Bürgern gezahlt die diese Fassaden entsetzlich finden. Außerdem wenn wir schon dabei sind, sollte man da nicht auch die Zuschüsse für Theater streichen. Schließlich nutzten diese Einrichtung auch nur eine Minderheit der Bevölkerung. Diese Beispiele kann man beliebig fortführen.

Xalinai
15.12.09, 14:57
@Wahnfried: Ich möcht' fast RobertKWFs ersten Satz zitieren.
Die Alternative zur Rekonstruktion ist ja nicht Sichtbeton (damit können die wenigsten so umgehen, dass es nach irgendwas aussieht).

Zu den beschlossenen Rekonstruktionen gibt es auch keine Alternative mehr -bleibt eben die Frage, ob es denn die vollständige Rekonstruktion sein muss.
Und da könnte man fast glauben, ich hätt' dem Herrn Gunterdorf den Text geschrieben:

Wenn rekonstruierte Gebäude heute als Wohnraum genutzt werden sollen, dann kommt man um die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht herum. Wenn man Gastronomie denkt, dann heißt das "viele Menschen auf eingem Raum" und damit sind aktuelle Brandschutzanforderungen unumgänglich (im Zweifelsfall mal nach Perm Disco Brand googeln) insbesondere dann, wenn über der Gastronomie gewohnt wird.

Wahnfried
15.12.09, 15:46
^Das würde ich auch nicht so eng sehen. Denke mal kaum ein Bürger möchte in einem Haus wohnen bei dem der Abort auf dem Hof ist. Solange die Fassaden rekonstruiert werden sollte die Ensembel-Wirkung erhalten bleiben.

headz
16.12.09, 15:33
Ist schon lustig, auf was für Ideen die Reko-Fans hier kommen und welche Kompromisse sie bereit sind einzugehen solange ihr geliebtes Fachwerk-Fassaden Idyll nicht angetastet wird.
Wir machen einfach überall Ausnahmen von Bau- Brandschutz- und sonstigen Verordnungen, wem's nicht passt der muss ja nicht in die Altstadt gehen.
Die Feuerwehr kann ruhig mal ein Stück laufen, die Müllmänner eh', wer keine steilen, engen Treppen steigen kann bleibt halt zu Hause.
Noch besser: Den Müll zaubern wir einfach weg und den Gebäuden wird von den Altstadtfreunden aus verboten zu brennen!
Also auf der einen Seite über die äußere Gestalt der zukünftigen Bebauung bis auf den letzten Dachziegel zu streiten und auf der anderen Seite nötige Maßnahmen zur sicheren und allgemeinen Nutzung der Gebäude mit dem Ruf nach Sondergenehmigungen wegzuwischen ist haarsträubend.

Um den ganzen Sachverhalt mal bildlich darzustellen und da es gerade so zur Jahreszeit passt ein kleines Märchen:
Es war einmal, in einer nicht allzu fernen Zukunft. Kurz vor Weihnachten. Der Club der Reko-Fans trifft sich in seinem Clubraum im Obergeschoss eines beliebigen Altstadthauses und feiert die abgeschlossenen Wiederherstellung der gesamten Frankfurter Altstadt unter 100% Berücksichtigung aller seiner Forderungen.

Zeitgleich bricht im Andenken-Lädchen im Erdgeschoss aus unbekannter Ursache ein Feuer aus. Durch den herumliegenden Verpackungsmüll der eben aus China eingetroffenen Bembel-Rekonstruktionen breitet sich das Feuer unerwartet schnell aus. Durch den aufmerksamen Nachbarn alarmiert ist die Feuerwehr sofort vor Ort, allerdings können nicht schnell genügend Wassereimer und Steckleitern an den Brandherd getragen werden um dem Feuer Einhalt zu gebieten.

Unterdessen bricht im Obergeschoss Panik aus, weil es auf der engen Stiege zum Sturz mehrerer Personen gekommen ist und eine Evakuierung unmöglich scheint. Dabei gab es dafür doch Sondergenehmigungen!
Einige Tage später, auf den noch rauchenden verkohlten Resten der ehemaligen neuen Altstadt, trifft sich eine Gruppe Menschen, betrachtet sichtlich geschockt das Trümmerfeld, sieht aber auch ihre Zeit gekommen. Sie gründen an Ort und Stelle den Club der "Freunde des Technischen Rathauses" und treten zukünftig für die originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudes vehement ein.

Kritikern ihrer Idee werfen sie historische Unkenntnis und totale Geschmacksverirrung vor. Vorgestellte Vorschläge für den Bau eines zeitgemässen Gebäudes mit Anklängen an die Materialität und Kubatur des Originales werden mit "intellektuelle Kopfgeburten" und "linkes Pack" aus der Stadt gejagt. Die zunehmende Macht der vom Club initiierten und kontrollierten Geschmackspolizei zeigt sich nun in ganz Frankfurt. Alle Neubauten in der Stadt werden mit der Fassade des Technischen Rathauses ausgestattet, Altbauten werden bei der Sanierung gemäß dem gesetzlichen Fassadenmodul angepasst.

Nun sind alle glücklich und zufrieden. Nun ja, alle die in Frankfurt geblieben sind. Denn nach den Banken sind auch die meisten Bewohner Frankfurts (vulgo Frankfurter) aus ihrer geliebten Heimatstadt geflüchtet, weil sie sich, durch die Geschmackspolizei drangsaliert, gezwungen sahen einen Lebensraum zu finden an dem sie ihre liberale Weltanschauung leben dürfen. In einer modernen, weltoffenen, diskussionsfähigen Stadt. Wo immer sie die gefunden haben mögen.

Frohes Fest

RobertKWF
17.12.09, 03:17
@headz #89: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245061&postcount=89)
Ja ein Märchen und damit unrealistisch, aber auch nur der Versuch einer Art von Märchen, von einer Märchenfigur erzählt die in einem Märchenhaus sitzt. ;) Ohne wirklichen Bezug zum Fest, auch nicht originell und nicht wirklich abschreckend für die Kinder wegen der fehlenden Beschreibung der armen Toten. Nicht mal unterhaltsam weil auch nicht den tatsächlichen Umständen und Gegebenheiten gegenüber gestellt.

Neugestaltung Dom-Römer-Areal

In dem Artikel der fnp-online vom 16.12.2009 werden vom Altstadtforum erste Kostenberechnungen für den Wiederaufbau einzelner Altstadt-Häuser genannt:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7003054.de.htm

Damit es noch einmal ganz deutlich wird, dass nicht die Kostenfrage einem ganzheitlichen Wiederaufbau entgegensteht, sondern "nur" der politische Wille im Stadtparlament, sowie das verwaltungstechnische Denken im Magistrat und den Ämtern.

Wenn man einfach mal den Betrag von 1,15 Millionen € für das teuerste der genannten Beispiele nimmt, dann würden hochgerechnet die Kosten für den Wiederaufbau aller 50 in Frage kommenden Häuser etwa 57,5 Millionen € betragen. Einige Häuser werden wohl mehr als 1,15 Millionen € kosten, dafür andere wieder weniger.

An diesem einfachen Annäherungs-Beispiel ist ersichtlich, dass die Kostenfrage keinesfalls ein Grund dafür sein kann, nicht das ganze Areal originalgetreu wieder aufzubauen, auch dann nicht, wenn die Häuser insgesamt und unter dem Strich das doppelte kosten würden.

Zudem wäre es für mich ein ausgewachsener Skandal, wenn es tatsächlich auch noch Widerstand gegen weitere Rekonstruktionsvorhaben gäbe.


Postet von RKWF am 17.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter headz #89 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245061&postcount=89)

Torben
17.12.09, 08:37
Zum Thema Brandschutz: Silvester-Feuerwerk in der Marburger Oberstadt verboten (http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Silvester-Feuerwerk-in-der-Marburger-Oberstadt-verboten). ;)

Ich habe keine Informationen gefunden inwieweit das bundesweit geltende Gesetz in Frankfurt umgesetzt wird.

Fachwerkhaus
17.12.09, 17:47
Im Radio war zu hören, in Frankfurt könne das Verbot aufgrund der Größe der Stadt nicht durchgesetzt werden... Naja, informieren könnte man wenigstens, damit die wenigen dörflichen Ortskerne mit Fachwerkbebauung vom Gröbsten verschont bleiben.

mahlzeit
17.12.09, 17:56
Mal wieder in der Höhle der Löwen.

Warum ist diese Diskussion so vergiftet und mit so vielen Aggressionen aufgeladen? Warum ist es nicht ernsthaft möglich, sich in diesem Thread zu äußern, wenn man sich nicht über viele Stunden täglich mit der seit über 60 Jahren vergangener Baukunst in Frankfurt auseinander setzt?

Nachdem ich mich heute erdreistet habe, im Zusammenhang mit dem EBZ-Neubau den Begriff „Disneyland“ zu nutzen und das zu erwartende Echo erntete, ergreife ich nun die fantastische Gelegenheit, mir an dieser eigens dafür geschaffenen Stelle ein wenig Luft zu machen: Ich finde die ganze Rekonstruktionsdebatte albern und wehre mich dagegen, den Befürwortern hier die Deutungshoheit zu überlassen. Sicher, ich finde die Arbeit, die sich manch einer hier und anderswo macht über die Maßen beeindruckend (meine Frau würde mir den Krieg erklären), aber diese Leistung führt nicht automatisch dazu, dass Argumente gewichtiger werden.

Nein, ganz sicher werde ich mich jetzt nicht auf eine argumentative Debatte einlassen, diese kann man nicht gewinnen. Ich möchte einfach nur mit diesem Beitrag der Forumsöffentlichkeit zeigen: Es gibt auch andere Meinung; dieses Forum ist nicht reaktionär. Sicher eher konservativ, aber nicht reaktionär.

In diesem Thread äußern sich wohl deswegen nicht mehr viele Stimmen, die sich eine Bebauung des fraglichen Areals nach den Erkenntnissen der vergangenen 80 Jahre wünschen, weil "man" seinen Fokus auf andere, wichtigere und symbolträchtigere Projekte in unserer Stadt gelenkt hat. Man (damit meine ich eigentlich nur mich) schaut lieber weg und lässt sich überraschen, in welche Richtung es letztendlich geht.

Natürlich werde ich mich eines Tages an den hübschen "alten" Häuschen erfreuen, der Glühwein wird in den engen Gassen an Weihnachten sicher gut schmecken. Aber was ich mir trotzdem wünsche, ist etwas „Heutiges“ - eine Bebauung die der Bedeutung Frankfurts als lebendige Stadt, die immer völlig selbstverständlich ein gestaltender Teil der jeweilige Epoche war, gerecht wird. Fachwerk aus der Retorte steht in meinen Augen für einen völlig anderen Geist.

Rohne
17.12.09, 18:09
Was ist daran bitte reaktionär wenn man nicht wirklich an absolut jeder Stelle das Rad neu erfinden will sondern dafür eintritt dass an gewissen Stellen eine Rekonstruktion der ohne Not abgeräumten Vorgängerstrukturen durchaus auch mal Sinn macht?

Was halt häufig auffällt ist, dass von Seiten der Gegner dann gleich das ganze herabgewürdigt wird ("Disneyland", "Retorte", etc pp). Dass man die Diskussion auch anders führen kann, zeigt mik. Er gehört ja auch eher zu den Gegnern, hat aber einen deutlich besseren Diskussionsstil als manch Anderer hier und dementsprechend sind die Diskussionen mit ihm auch weniger vergiftet!

mahlzeit
17.12.09, 18:47
Auch ich schätze die Beiträge von mik, mir ist leider keine solche Engelsgeduld gegeben. Dennoch danke, Rohne, dass Du Deine Kritik direkt adressierst. Auch das hat etwas mit Diskussionskultur zu tun.

Ich bin der Meinung, dass Architektur (Und darum geht es hier doch) etwas schaffen soll. Natürlich ist es ein Jammer, dass Strukturen zerstört wurden - tatsächlich ohne Not. Doch muss dies gleich bedeutet, dass man sich zurückwendet zu einem idealisierten Altstadtbild der 1920er Jahre? Frankfurt will eine Stadt mit Weltgeltung sein, dazu taugen die Symbole der Finanzindustrie, Kunst und Museen - aber doch kein Heimatmuseum im Stil einer nordhessischen Kleinstadt.

Anheimelnde Strukturen können durchaus auch mit den Mitteln unserer Zeit geschaffen werden. Die Beispiele sind verhältnismäßig rar, doch der Ansporn sollte umso höher sein.

Reaktionär finde ich den Ansatz der Komplettrekonstruktion, der die Vergangenheit unreflektiert auf einen Sockel hebt und die Uhren zurück drehen will. Vernünftig finde ich hingegen einen Kompromiss, der in der Lage ist, zerstörte Strukturen zu heilen und dazu noch „etwas fürs Herz“ bietet – auch wenn ich mir etwas anderes wünsche. Auch die Seite derer, die am liebsten die gesamte Altstadt auferstehen sehen will, sollte akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich an zivilisatorischen Errungenschaften erfreuen, die über das 19. Jahrhundert hinausgehen.

Vielleicht bin ich ja der Einzige, aber wenn ich Forderungen z.B. nach dem Abriss der Schirn höre (ja, die gab es schon, und ähnliche Ideen ebenfalls), dann ist es mit meiner Diskussionskultur nicht mehr weit her.

Abschließend (zumindest von meiner Seite): „Disneyland“ und „Retorte“ waren ganz klar Provokationen - ebenso wie ich es als Provokation erlebe, bei beinahe jedem Neu- oder Umbauprojekt den Ruf nach einem „ordentlichen“ Dach, angepassten Traufenhöhen oder ominösen Satzungen zu lesen.

Wahnfried
17.12.09, 19:26
^Und was ist jetzt das Problem wenn auf dem Gelaende des Techn. Rathaus ein Stueck der Altstadt rekonstruiert werden soll? Wer moderne Architektur mag findet die in Frankfurt zuhauf. Jetzt wird ja die EZB gebaut. Eine Riesenstueck moderner Architektur das 1 Mrd locker kosten wird. Was sind dagegen ein paar Fachwerk-Haeuser?
Ich bin uebrigens sehr fuer den EZB-Bau. Einfach mal locker durch die Hose atmen und keine Minderwertigkeitskomplexe gegenueber den alten Meistern.

Golden Age
17.12.09, 20:20
@mahlzeit:
Wer die "progressive" Flachdach Architektur aus Riedberg/City-West/Europaviertel/Rebstockviertel mit der Architektur im Nordend/Sachsenhausen vergleicht, oder den Alte Oper Platz mit dem Roßmarkt, erkennt schnell warum die moderne Architektur eben keinen Persilschein oder blinden Vertrauensvorschuß verdient hat. Ist es zuviel verlangt eine freundlichere, menschennahere Architektur zu verlangen als wie sie sich beispielsweise in der abweisenden "Frankfurter Welle" präsentiert? Weniger Austauschbarkeit und mehr Charakter ist gefragt.

Am besten funktioniert die Architektur, die sich auch zurück nehmen kann, so wie es der Opernturm erfolgreich schafft oder der neue Westend Uni-Campus (ein echtes Juwel). Ebenso wären der neue unterirdische Städel-Anbau oder das farblich angepasste KfW-Gebäude am Palmengarten zu nennen. Diese "modernen" Architekten haben erkannt, dass Architektur auch harmonieren und nicht immer zwanghaft Kontraste heraus kitzeln muss.

Zudem waren Komplett-Reko und Schirn-Abriss doch nie ernsthaft ein Thema, entscheidend sind der historische Grundriss, eine "angepasste" Gegenwartsarchitektur und eine Handvoll historisch wertvoller (d.h."echter") Fachwerkhäuser. Es wird schon ein für fast alle Seiten annehmbarer Kompromiß heraus kommen, daran dürfte es wohl keine Zweifel mehr geben.

RMA
17.12.09, 20:34
Dann also hier weiter. Was du als "Heimatmuseum im Stil einer nordhessischen Kleinstadt" bezeichnest waren die bedeutendsten Zeugnisse des Bauens, die Frankfurt in Gotik, Renaissance und Barock hervorgebracht hat. Ist dir das überhaupt bekannt? Es ist geradezu ein Glücksfall, dass sie sich auf diesem winzigen Areal versammelt finden. Es geht nicht darum, etwas "fürs Herz" zu schaffen oder "Geschichte wegzulügen". Für mich sprechend geht es darum – dies war übrigens auch die Argumentation z.B. für den Wiederaufbau der totalzerstörten Würzburger Residenz – diese Architektur wieder erlebbar zu machen.

Übrigens ist eine Rekonstruktion das beste Mittel gegen das, was du scheinbar am meisten fürchtest – falsche Nostalgie. Dass die Bauten in einer Art rekonstruiert werden, wie sie sich nach einer ohnehin stattgefundenen Generalsanierung heute präsentieren würden, kann man wohl kaum als illegitim bezeichnen.

Abschließend (zumindest von meiner Seite): „Disneyland“ und „Retorte“ waren ganz klar Provokationen - ebenso wie ich es als Provokation erlebe, bei beinahe jedem Neu- oder Umbauprojekt den Ruf nach einem „ordentlichen“ Dach, angepassten Traufenhöhen oder ominösen Satzungen zu lesen.

Diese Rufe hörst du (zumindest von mir) nur da, wo im Bestand gebaut wird. Es steht dir frei, das als Provokation zu empfinden, doch eigentlich ist ja ganz klar, was das ist, oder? Ein Appell an einen zusammenhängenden Städtebau, den die letzten Jahrzehnte radikal vernachlässigt und einfach funktionale und singulär für sich durchaus funktionierende Strukturen in einen Stadtraum gestellt haben, der kein großes Ganzes mehr ergibt.

RobertKWF
18.12.09, 01:20
Wäre ein umfänglicher, originalgetreuer Wiederaufbau teuer?

Obwohl ich die Kunstausstellungen am Museumsufer insgesamt sehr schätze und auch häufig nutze, sehe ich doch ein enormes Missverhältnis in dem finanziellen Engagement der Stadt und des Landes Hessen und zwar zwischen dem für Kunstobjekte in den Museen und der Vielzahl der Museumsbauten selbst und andererseits in dem finanziellen Engagement der Stadt für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Altstadt. Auch sonst geben die Stadt und das Land noch laufend erhebliche Summen im oberen zweistelligen Millionenbereich für einzelne öffentliche Bauwerke aus, wie Beispielsweise für das neue Ordnungsamt in Frankfurt, die verschiedenen Universitätsobjekte oder für das nicht mehr ganz so neue Polizeipräsidium usw. usw. Leider aber nicht für die dringend erforderliche Rekonstruktion beispielsweise des Rathausdaches, der Rathaustürme und der übrigen am Römer anschließenden Gebäude um den Römerberg herum.

Bericht der fr-online vom 03.12.2009, zum geplanten Ankauf der Holbein-Mariendarstellung für angedachte 40 Millionen Euro. In den Gesprächen sei man weit gekommen, berichtet Kulturdezernent Felix Semmelroth:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2119737_Staedel-Trauer-um-die-Madonna.html

Dass diese oben genannten Einrichtungen notwendig sind, ordentlich ausgestattet sein müssen und dafür entsprechende Mittel aufzuwenden sind halte ich für absolut angemessen. Die 40 Millionen für das Holbein-Gemälde sind aber schon heftig wenn die öffentliche Hand dazu beitragen soll.

Was mich stört ist aber eben dieses Missverhältnis und die damit sichtbar werdende Geringschätzung der deshalb auch halbherzigen Rekonstruktionen in der Altstadt mit gerade mal 7 fest eingeplanten originalen Altstadthäusern, mit einem derzeit geschätzten Ausgabenvolumen von lächerlichen 100 Millionen für das Gesamte Vorhaben, verteilt über mehrere Jahre, für so ein großes und durchaus auch kulturell wichtiges "Jahrhundert-Projekt".
Dabei muss man sich vor Augen halten, dass ein Großteil dieser Ausgaben durch Veräußerungen und Mieten sowie Erbpachtzinsen wieder zurückfließen werden, von neuen Steuereinnahmen mal nicht geredet. Die erstgenannten Objekte sind dagegen überwiegend hoch defizitäre und im langfristigen finanziellen Ertrag nicht annähernd messbar.

Und noch etwas, reichlich viel Geld für Museen und andere, für das Altstadt-Areal jedoch deplazierte, öffentliche und damit laufend zu bezuschussende Gebäude (neues HM, Überbauung des AG mit Stadthaus/Besucherzentrum), wurden ohne viel Umstände auch schon mal eingeplant.

Wenn man weiter berücksichtigt, dass z. B. derzeit in Frankfurt vier Milliarden € Bruttoumsatz im Jahr aus touristischer Nachfrage generiert werden, dies aber noch nicht die Oberliga ist und die Fördermittel für die Tourismusgesellschaft deswegen nochmals erhöht werden sollen, dann wird am Ende diese Bilanz bei einem umfassenden, originalgetreuen Wiederaufbau der Altstadt nochmal besser dastehen.
faz.net vom 17.12.2009 "Reisender, kommst Du nach Frankfurt":
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EEE890640A58347AE98FE15D3DE0B6F CD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Denn wer will sich schon eine "Altstadt" ansehen, die überwiegend aus neuzeitlichen Architekten-Häusern besteht, die gerade mal nach einer wachsweichen Gestaltungssatzung entstanden sind.


Postet von RKWF am 18.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter RMA #98 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245270&postcount=98)

mik
18.12.09, 08:47
...mal rein finanziell betrachtet

Dass eine rekonstruierte Altstadt ein finanzieller Erfolg wäre steht außer Frage. Wobei ich bei der Frage nach maximalem Gewinn wiederum einer Komplettrekonstruktion widersprechen würde. Gerade im internationalen Vergleich wäre das Areal zu klein um mit Altstädten von Brüssel, Straßburg oder auch mit (von außereuropäischen Touristenaugen als altstadterlebten) historischen Städten wie Amsterdam zu konkurrieren. Selbst verglichen mit Heidelberg oder Rothenburg o.d.T. wird das ganze für eine Touristenattraktion recht mickrig aussehen. Außerdem sieht das Auge des Laien wirklich in erster Linie eine "nordhessische Kleinstadt" ohne die künstlerische Qualität irgendwelcher gotischer Fügungen und Schnitzereien wahrnehmen zu können.

Deshalb:
So wie der provokante Gehry-Bau in Prag zu einer Touristtraktion geworden ist, so könnte aber das Zusammenspiel aus Moderne und Rekonstruktion die einzige ernsthafte Chance auf internationale Bekanntheit sein. Sicherlich währe die Atmosphäre in den Straßen eine ganz andere. Ebbelwoigemütlichkeit würde sich wohl kaum einstellen. Rein finanziell betrachtet ist hier aber die größere Chance.
Natürlich wäre in dem Fall die Gestaltungssatzung obsolet. Diese wird ja maximal vornehm zurückhaltende Kisten zwischen den Rekos generieren. Wobei in der letzen Überarbeitung wirklich sehr positive Verbesserungen gemacht wurden.

Fizgig
18.12.09, 11:23
Nunja, die Forderung nach einem "extrem" modernen Ankerbau a la Gehry kann ich schon verstehen, nur passt er meiner Meinungs nach nicht auf dieses nun wirklich überschaubare Rekonstruktionsgebiet. Zumal nebenan schon mit der Schirn und dem MMK zwei architektonisch anspruchsvolle Gebäude stehen.
Es sollte doch hier mehr der Focus auf eine gute Ensemblewirkung zwischen Dom und Römer gelegt werden. Dazu gehören definitv die Rekos, aber ich kann mich auch mit modernenen Varianten dazwischen anfreunden, solange die Gestaltungssatzung eingehalten wird.
Wenn es dann noch Bedarf für einen Architektonischen Leuchtturm gibt, wird ich eher in den Bereich hinterm Dom oder zum Main hin schauen, also Gebieten, die teilweise, wie schon besprochen, garkeine Anziehungskraft haben.
Beispielsweise war ja mal in der Diskussion, am Anfang der Fahrgasse das Musuem für Weltkulturen unterzubringen. Das hat sich zwar zerschlagen, trotzdem ist das doch eher der Ort für solche Architektur.

Was die Kosten angeht, finde ich es schwierig, Kultur gegen Alstadt aufzurechnen. So könnte man durch den Haushalt gehen und genug Posten finden, die für einen persönlich weniger wichtig sind und das Geld neu verteilen. Aber gerade was Dächerrekos angeht, sagt sich die Stadt wohl, hey, die sind noch dicht, also ist was anderes wichtiger. Und kulturelle Attraktionen sind auch für Lebensqualität in der Stadt verantwortlich.

Xalinai
18.12.09, 11:56
@mik: Den finanziellen Erfolg sehe ich noch nicht so ganz.

Nehmen wir mal das Haus "Hinter dem Lämmchen 9" - nach den Angaben der FNP 179m², nach der Altstadtdokumentation des Stadtplanungsamtes EG+3+Mansarddach - also teilen wir durch 5 und kommen so auf eine Grundfläche von 36m².

Aktuelle Grundstückspreise liegen in Sachsenhausen/Mörfelder Landstraße bei knapp 1500€/m², im Ostend bei 1300€/m² - für die Filetlage in der Altstadt nehme ich mal 2000€/m² an.

Damit kommen wir auf Kosten für das Haus von 595000€ plus Grundstück 72000€, insgesamt also 667000€.

Zu finanzieren mit 6% + 1% Tilgung ergibt 46690€ im Jahr oder monatlich 3891€ oder 21,62€ monatlich pro Quadratmeter.

Die Fläche teilt sich, wie erwähnt auf fünf Etagen auf, wobei das Dachgeschoss als Mansarddach senkrechte Wände hat, also voll eingerechnet wird.
Damit muss von der nutzbaren Fläche je Etage ein durchgehendes Treppenhaus abgezogen werden. Nehmen wir eine Treppe von einem Meter Breite und Normstufen (es muss ja vielleicht einmal eine Krankentrage oder ein Sarg herunter getragen werden), dann kommen wir auf eine Lauflänge von zwei Mal 2,8 Meter plus 1 Meter für ein Podest, also knapp 7m².

Wie der Zugang zu dem Gebäude gestaltet war lässt sich nicht mehr erschließen, da auf den vorliegenden Fotos und Plänen die ehemalige Tür im Erdgeschoss vermauert ist und die Räume von der Gatstätte im Nachbarhaus mit genutzt wurden.
Ich nehme also einfach einmal an, dass der von der Straße gesehen linke Zugang zu diesem Nachbarhaus auch den Weg (über einen Hof?) in einen hinten gelegenen Hauseingang ermöglichte.

Bei Einrichtung eines Ladens im EG und Zugang zum Haus von der Straße her, hätte dier Laden nur eine Fläche von etwa 25m², was wohl auch die Zusammenlegung mit dem Nachbargebäude erklärt.

Wir haben jetzt also ein Gebäude, das auf vier Etagen über dem EG jeweils 29m² Nutzfläche mit einer maximalen Breite von weniger als 4 Metern bietet.
Bei Nutzung als eine Wohnung (Küche, Esszimmer im 1. OG, Wohnzimmer und Gäste-WC im 2. OG, Schlafzimmer, Bad im 3. OG, Kinderzimmer im Dach) sicher sehr großzügig - jedoch durch die Aufteilung auf vier Etagen nicht sehr komfortabel. Und monatliche Kosten von fast 3900€ wollen auch erst ein Mal bezahlt sein.

Der Anteil eines Ladens im EG - selbst wenn man mal 30€ pro m² rechnet - ist ja doch eher bescheiden.

RobertKWF
19.12.09, 00:58
@mik #100: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245317&postcount=100) @Fizgig #101: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245334&postcount=101) @Xalinai #102: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245344&postcount=102)
Ohne jetzt in allen Punkten Zustimmung zu signalisieren, so ähnlich habe ich mir als Nicht-Architekt, Beiträge aus den Reihen von angehenden Architekten hier immer vorgestellt. Gerade der Beitrag von @Xalinai hier gefällt mir gut.
Will aber niemanden zu nahe treten, vielleicht ist ja auch schon ein fertiger Architekt darunter. :daumen:

Einwände:

@mik #100: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245317&postcount=100)
Ein Vergleich mit anderen Städten ist natürlich nicht angebracht und auch überhaupt nicht vorgesehen oder notwendig, es geht um vollständigen Wiederaufbau v. s. Füllbauten. Auch muss doch jedem, der sich etwas damit beschäftigt hat, klar sein, dass die frühere Frankfurter Altstadt nichts, aber auch rar nichts mit einer "nordhessische Kleinstadt" zu tun hat. Das ist wieder der alte mik mit seinen provozierenden Statements der hier auch noch die Durchschnittsbesucher als ahnungslose Trottel hinstellen will.
Welcher internationale Besucher soll denn aber nach Frankfurt kommen wollen, nur um zu sehen wie hier Rekonstruktionen und Moderne zusammenstehen? Das ist doch nichts Besonderes. Es sei denn das Arrangement ist extrem spektakulär geworden und man will eben dieses als Kuriosum studieren.

@Fizgig #101: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245334&postcount=101)
Das mit den Kosten sehe ich auch so. Einen gewissen Kostenbeitrag muss und kann die Stadt unter dem Strich leisten.
Ja, keine weiteren Ankerbauten natürlich. Aber ist das mit der Schirn-Kunsthalle wirklich ernst gemeint, dass diese ein "architektonisch anspruchsvolles Gebäude" sei? Eventuell war man zu der Zeit als sie errichtet wurde noch dieser Meinung. Aus heutiger Sicht glaube ich nicht dass man das noch sagen kann, zumal sie viel zu wuchtig auftritt, ihre Umgebung nicht respektiert und nicht mit ihr harmoniert. Das MMK sehe ich mit seiner Masse auch etwas deplaziert im Altstadtbereich.

@Xalinai #102: (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245344&postcount=102)
Finde ich sehr gut, diese Beschäftigung mit den offenen Fragen und Details, so sollte man Haus für Haus durchgehen, wird ja wohl auch gemacht werden müssen.
Ohne jetzt auf Einzelheiten eingehen zu können, so sind aber heutige Alternativen für z. B. Treppen, Zugänge, Haustechnik, Bäder etc. bereits schon vorgeschlagen worden, auch zusätzlich z. B. zu originalgetreuen Treppen. In diesen Details und diesen Fragen stecken dann die Aufgaben und Herausforderungen, die nach meiner Einschätzung sehr innovativ gelöst werden können. Es gibt dazu auch schon Vorschläge und Ideen von anderer Seite. Als Beispiel kann ich mir vorstellen, dass in hinteren Bereichen gemeinsam zu nutzende Treppenaufgänge und Aufzüge installiert werden, bestimmt nichts Neues. Auch andere Einrichtungen sind denkbar die von mehreren Häusern gemeinsam genutzt werden. Solche Dinge sind im Focus.


Postet von RKWF am 19.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter Xalinai #102 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245344&postcount=102)

RobertKWF
22.12.09, 01:57
Wer sind die Verhinderer des Wiederaufbaus?

Dankwart Guratzsch beleuchtet in einem Artikel in der WELT vom 09.12.2009 anschaulich, mit welchen Methoden und Strategien die Frankfurter Verwaltungs-Macht bisher und weiterhin einen umfänglichen Wiederaufbau der Altstadt gegen den Bürgerwillen verhindert:
http://www.welt.de/die-welt/kultur/article5471482/Dem-Fachwerk-eine-Gasse.html

Als vor Jahren der originale Wiederaufbau von sieben Altstadthäusern zähneknirschend zugestanden, beschlossen und verkündet wurde, war das zunächst ein gewisser Erfolg für diejenigen, die diese unmöglichen ersten Entwürfe verhindern wollten, weil damit schon wieder das Altstadt-Areal um den Dom herum in seiner historischen Bedeutung missachtet wurde. Die Erwartung, dass weitere Rekonstruktionen möglich sind und entstehen werden, wurde lange durch nebelhafte Kommunikation offen gehalten.
Im Hintergrund des Verwaltungsapparates wurde der damals gefasste, strikte Plan, wie er heute konkreter sichtbar wird, von Amts wegen aber, so wie in Frankfurt üblich, gradlinig und konsequent weiterverfolgt. Die Entfremdung zwischen Bauverwaltung und Bürgerschaft setzte sich weiter fort.

Öffentlicher Diskurs und Debatten waren längst Scheingefechte abseits der Vorgänge im Planungs- und Bauamt, die also mit der konkreten Planung im Amt schon lange nichts mehr zu tun hatten. Verlautbarungen aus dem Magistrat, sowie die für die Öffentlichkeit zugänglichen Informationen und Veranstaltungen zum Projektfortgang, waren als systematische Missachtung des Bürgerwillens, nur noch Moderation und Mediation zur Dämpfung und Ruhigstellung der Bürgerproteste.

Zur Strategie gegen zu viel "Altstadt" gehörte es, das flugs mit einem Architektenwettbewerb für das so genannte "Stadthaus" vollendete Tatsachen im Sinne einer modernen Kompromissarchitektur geschaffen wurden. Diese Strategie wird sich bei der Planung für die "restlichen Füllbauten" fortsetzen. Damit und mit der vermeintlichen "Privatisierung" des gesamten Projekts durch die Etablierung der Dom-Römer GmbH, will man den potenziellen Investoren und Bürgerinitiativen einen Einfluss auf die Ausführung entwinden.



Postet von RKWF am 22.12.2009 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter RobertKWF #103 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=245429&postcount=103)

Kardinal
23.12.09, 17:07
@xalinai #102 (und vielleicht auch grundsätzlich):

Hinter dem Lämmchen 9, um Dein Beispiel mal aufzunehmen, hat eine Grundfläche, ohne den Hof, von 42,1 m². Nutzfläche EG von 33,6 m².
Kragte aber sehr stark aus, stärker als in den Baustatuten von 1410 zugelassen.

Dieses Gebäude ist leider nicht im Bereich, welchen das Stadtplanungsamt ausgewiesen hat, da hier ein unnatürlicher Platz entstehen soll. Das H.d.L. 11 aufgrund des Kunstvereins-Anbaus nicht wieder aufgebaut werden kann, ist klar, H.d.L. 9 jedoch ist aus, sagen wir mal, stadtplanerischer Willkür rausgelassen worden.

Dieses Gebäude war gotisch (wohl 15. Jhdt., eventuell früher aufgrund der großen Auskragungen, was aber nicht sicher ist -> Umbau; mit einem im 18. Jhdt. veränderten Dach und EG) und hatte wohl zur Zeit des Umbaus im 18 Jhdt. den Lämmchenbrunnen zwischen die zwei Öffungen des EGs gesetzt bekommen.
Die Kosten, diesen Brunnen wieder herzustellen, sind sehr schwer zu schätzen, da hier Kunsthandwerk gefragt ist.

Darüber hinaus gibt es folgende weitere Grundlagen:
Die Fachwerkbauweise, gotisch (=relativ schmucklos, zumindest keine Schnitzereien) wird einen gewissen 5-stelligen Betrag kosten, der in Relation zu der Kosteneinsparung bei den Deckenkonstruktionen in aktuell herkömmlicher Art zu setzen wäre. Also eine Balkendecke mit Füllelementen (Gefachabschluss nach unten, eventuell bereits Installationsebene, Füllung, darüber Dielung, Trittschalldämmung und weitere Bodenaufbau) statt Betondecke mit Kosten für Ein- und Ausschalen, neben den Material- und Herstellungskosten (Bewehrung etc.).
Die Ausfachung mit Lehmsteinen ist Kostenmäßig vergleichbar mit herkömmlicher Mauerwerkstechnik, die Wärmedämmung über Innendämmung mit Schilfrohrdämmplatten auf Lehm und mit Lehmoberputz.

Bei den großen Balkenquerschnitten der Frankfurter Großstadt-Gotik ist der KfW-Standard nach EnEV 2009 durchaus erreichbar (Kreditfinanzierung mit z.Zt. 2,1 % Zinsen bei 30 Jahren Laufzeit).

Der Grundstückspreis muß umgelegt werden, da hier nur in Erbpacht vergeben wird. Eine entsprechende Ersatzgröße war in dem von der FNP veröffentlichten Preis bereits mit eingerechnet (hier hat Jürgen Aha leider was falsch verstanden).

Die Preise, die dort genannt wurden sind also mit sehr großen Sicherheiten gerechnet. Anteilig käme allerdings die genannte Erschließung hinzu, da hier nur zentrale Treppenhäuser in den alten Innenhöfen, auch mit Aufzügen möglich, Sinn machen würden. Ich gehe davon aus, daß die Preise demnach insgesamt deutlich geringer ausfallen können. Natürlich ist immer persönlicher Luxus entscheidend, in wie weit man einen Bau kostenmäßig in die Höhe treiben kann. Aber objektiv hat das nichts mit der Frage zu tun, ob oder wieviel teurer die Rekonstruktion wird.

Was die Innengestaltung angeht, ist es meiner Meinung nach nur sinnvoll, etwas zu rekonstruieren, wofür man hinreichend Quellen besitzt. Eine alte Phantasie-Holztreppe wäre wieder in den Bereich Fassadenschau. Z.B. ist die Konstruktion der Brandwand zwischen Markt 28 und 30 sehr weit belegt (mit Fensteröffnungen und eine große Öffnung im EG, sowie eine Konsole mit der Darstellung Luthers, die einen Unterzug getragen hat. Alles darüber hinaus würde ich neutral in der Konstruktion verträglichen Art und Weise herstellen. Also Lehminnenputz, an den Außenwänden wie beschrieben und einfach an den Brandwänden, damit, wie in einem sanierten Haus, eine zeitgemäße Nutzung ohne Abstriche möglich ist.
Man bekommt sogar noch ein hervorragendes Klima, für das richtig sanierte Fachwerkhäuser unter Eingeweihten sogar berühmt sind, und welches bei modernen, oder "zeitgenössischen Gebäuden" gar nicht mehr möglich ist, oder wie bei Passivhäusern mit enormen energetischen Aufwand künstlich hergestellt werden muß.

Das heißt, daß man hier eigentlich sogar einen hervorragenden Gebäudetyp erwirbt, dessen qualitative Eigenschaften bei anderen Typen über "Extras" noch genauso teuer bezahlt werden muß.

Und das unabhängig von der philosphischen Diskussion über Rekonstruktionen!

Wenn man dann noch die Nachhaltigkeit der Konstruktion berücksichtigt (kein Abriss und Neubau nach ein paar Jahrzehnten, falls aus irgendwelchen Gründen doch notwendig, sogar vollständige Wiederverwendbarkeit fast aller Baumaterialien), ist es eigentlich viel kostengünstiger hier zu rekonstruieren.
Für bestimmten Bedarf gibt es nun mal passende Bauweisen. Deshalb kann es keinen Fachwerkbankenturm geben. Aber für die kleinteilige Bebauung ist es sogar nach modernsten Anforderungen ideal. Es gibt eigentlich keine ökonomischere und ökologischere Bauweise für den gefragten Gebäudetyp.

Fachwerkhaus
03.01.10, 21:15
Die FAZ hat einen sehr gelungenen Artikel veröffentlicht, der die Probleme der Warschauer Altstadt darstellt und diesbezüglich wichtige Ratschläge für die Frankfurter Planung gibt:

Frankfurt und Warschau: Warnung vor der „McDonaldisierung“ (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E0CF4D561C3A5435D9420FBB97425DC 54~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Der Schwerpunkt liegt auf dem Kontrast zwischen der Wohnnutzung und den Bedürfnissen des Tourismus - Einwohner benötigen eine andere Infrastruktur als Touristen, es entsteht ein Widerspruch, weil sich beide Standpunkte gegenüber stehen. Lebensmittelläden z.b. wurden durch teure Restaurants und Bars verdrängt, die sich die Einwohner nicht leisten könnten. In Warschau wurde eine bewusste Steuerung versäumt, weil die Rolle der Altstadt als Touristenattraktion nicht rechtzeitig erkannt wurde. Man ermahnt Frankfurt, die Kontrolle über die Entwicklung des Areals unbedingt in der Hand zu behalten, um solche Entwicklungen zu vermeiden bzw. besser steuern zu können. Gleichzeitig bemühe man sich aber auch um eine "gehobene" Atmosphäre, verbannt Fastfood-Ketten aus der Altstadt und erlaubt im Schloss nur Klassikkonzerte und Opernaufführungen.

Ein anderer Schwerpunkt liegt im Charakter der Bebauung, es wird die Notwendigkeit authentischer und hochwertiger Materialien betont, weil sonst ein billiger, künstlicher Eindruck entstünde. Ebenso wird, wie auch hier schon oft zu lesen war, die Unterordnung des Einzelbauwerks unter das Ensemble gefordert, Architekten-Egozentrik sei absolut fehl am Platze: „Architektur muss Kultur haben und geschmackvoll und ausgezeichnet komponiert sein.“

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Mein Kommentar: Es sind durchaus berechtigte Forderungen an die Stadt Frankfurt, wo man zuweilen ja schon den Eindruck erhalten kann, dass die Verantwortlichen außer dem Plan von sieben Rekonstruktionen + Füllbauten nicht wirklich viele Vorstellungen haben, was mit dem Areal dereinst genau anzufangen ist. Der Kontrast von Wohnnutzung und Tourismus ist ein ernsthaftes Problem, was durch die geringe Größe des Areals noch gesteigert wird, weil sich die Besucherströme nicht wie in erhaltenen Altstädten verteilen können und die zur Verfügung stehende Ladenfläche nur schwer alle Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen kann.

Was die Anmerkungen zur Bauweise betrifft, ich denke, dass hierzu von den üblichen Verdächtigen schon alles gesagt wurde. Es liegt dann an den Architekten und Bauherren, mit ihren Bauten diese Kriterien auch zu erfüllen, sowohl bei Rekonstruktionen als auch Neubauten. Mit der Saalgasse haben wir eine schöne Reihe von Negativbeispielen, die nach nur 20 Jahren in ihrer stilistischen Ausprägung schon überaltert wirken. Ziel muss es sein, einen Stil zu finden, der auch in 20, 40, 100 Jahren noch akzeptabel ist.

Immobilienmogul
03.01.10, 22:16
Gerade weil es in den alten Städten kaum eine Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten gab und alles sehr dicht ineinander floß, ist es doch jetzt lächerlich davon zu träumen, daß es in einer wiederaufgebauten Altstadt für eine paar wenige ruhiges und gehaltvolles Wohnen geben soll (und dies am besten noch weitestgehend aus dem Steuersäckel bezahlt). Also bitte nicht zu viel Mitleid mit denen, die dort wohnen dürfen.

Wer ab und zu in Warschau übernachten muß, ist froh, daß in dem Viertel etwas Leben ist, daß man sich dort die Füße vertreten und auch hier und dort ganz gut einkehren kann. Gut, viele Touri-Läden braucht kein Mensch (anscheinend brummen aber doch die Umsätze), man muß auch mal wegschauen können.

Da das Viertel mittlerweile durch bessere Wegeverbindungen an die internationalen Hotels und die Büros angebunden ist, dürfte sich das nun besser mischen und im Sommer trifft sich dort sowieso die internationale Jugend. Aber alles viel maßvoller als in Prag, da gibt es echt Überlaufsituationen.

Ähnliche Viertel/ Blöcke mit Aufenthaltsqualität in Warschau kenne ich nur zwei, auch dort ist noch nichts von echter McDonaldisierung zu spüren. Der Warschauer Gralshüter möge sich entspannen, daß bisschen Leben tut Warschau gut.

RobertKWF
04.01.10, 00:13
Immobilienmogul möge sich auch entspannen. Kann mich nicht erinnern hier irgendwo konkrete Wünsche nach ruhigem gehaltvollem Wohnen in der neuen Altstadt gelesen zu haben.

Worum es allerdings bei einer Steuerung dessen was dort passiert geht und was ich auch sehr begrüßen würde, ist eben die Niveausteuerung (Achtung McDonalds), aber auch in allen Bereichen der Nutzung. Touristenströme in dem Umfang wie in Warschau sehe ich jedoch hier zwischen Dom und Römer nicht. Bei entsprechender Grundeinstellung der Käufer oder Mieter, sollten Wohnmöglichkeiten hier durchaus angenommen werden. Die Wohnqualität könnte sogar besser sein, als die der sehr begehrten Wohnungen rund um den Platz des Römerbergs.

Davon abgesehen, sehe ich eine vorrangige Nutzung des Areals durch Firmensitze, Gastronomie, Boutiquen, andere Läden und Geschäfte im Erdgeschoßbereich und 1. OG. als unabdingbar an. Deren Niveau gilt es dann unbedingt zu steuern. Noch mehr Touristen Shops als jetzt schon am Römerberg halte ich z. B. für unangemessen.



Postet von RKWF am 04.01.2010 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter Immobilienmogul #107 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=246784&postcount=107)

markus1234
04.01.10, 03:37
Hier so als Überblick. Die Warschauer Altstadt von oben....

http://farm3.static.flickr.com/2250/2541316244_e3dac4c1d4_b.jpg

http://farm3.static.flickr.com/2006/2540486103_2d101ed353_b.jpg

http://farm4.static.flickr.com/3229/2541313390_9f94cb25ac_b.jpg

mahlzeit
04.01.10, 12:01
Warschau ist als Stadt tatsächlich recht gut vergleichbar mit Frankfurt - nicht nur wegen der Hochhäuser, sondern auch, weil man seit Jahren versucht, diverse Bausünden los zu werden.

Nun ist uns Wahrschau in einigen Punkten (Altstadt) um viele Jahre voraus - in Sachen "Bausünden" halte ich aber Frankfurt im Vergleich für beispielhaft - selbst in den besten Lagen gibt es noch sehr viel zu tun in Polens Hauptstadt.

Vor allem aber, das kann man auf markus1234s Luftbildern erkennen - eine rekonstruierte Altstadt in Frankfurt wird kein Fremdkörper sein, sonden sich in die Stadt einfügen, von daher halte ich das Risiko eines "Touri-ghettos" für recht gering. Der "Disneyland-Vorwurf" greift für das Warschauer Viertel meiner Meinung nach durchaus.

@falschparker: Du zählst schon acht touristische Sehenswürdigkeiten auf. Auch wenn dies meiner Meinung nach lange nicht alles ist - Wahrschau ist von der touristischen Attratktivität her eher schlechter aufgestellt.

Trotzdem halte ich den FAZ-Artikel für tatsächlich sehr gelungen und man sollte ihn zur Pflichtlektüre für alle Altstadt-Entscheider machen :-)

markus1234
04.01.10, 15:21
Wenn es um Bausünden geht, dann müßte man in Warschau quasi die halbe Stadt abreißen... :)

Leider ist es nicht möglich, weil bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist. Von Zuständen wie in Ostdeutschland, wo man Plattenbauten reihenweise abreißt, kann Warschau und Polen vorerst leider nur träumen. Soetwas

http://www.polskieszlaki.pl/zdjecia/planer_galeria1/10635_t_1226401809.jpg

wird noch einige Jahrzehnte das Warschauer Stadtbild prägen... :Nieder:

beschubene
04.01.10, 15:27
^
hehe, der Vergleich Warschu-Frankfurt scheint tatsächlich sehr passend.
Die Situation auf dem Bild erinnert mich sehr stark an das Schwesternwohnheim hinterm Portikus...

mahlzeit
08.01.10, 11:03
Ich glaube, diesen FR-Artikel hatten wir noch nicht: Das Ende eines Vorbilds (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2182733_Altstadt-im-Wandel-Das-Ende-eines-Vorbilds.html)

Besonders hübsch und übersichtlich ist die Grafik, die den Grundriss des Technischen Rathauses und der Schirn im Vergleich zur Vorkriegsaltstadt zeigt.

RobertKWF
19.01.10, 01:33
Am Sonntag konnte man einen abgesperrten kleinen Krater auf dem "Markt" sehen, nahe dem kleinen Engel, darin waren nur knapp unter dem Pflaster verlegte, offene Kabel mit Reparaturstellen zu sehen.

Am Montag konnte man jetzt die offizielle Erklärung (Kurzschluss) in der Zeitung lesen.
Die fnp-online berichtete am 18.01.2010:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7161377.de.htm

Offensichtlich beginnen nun die Substanzen sich schon mal vorab selbst zu demontieren. Ein Gastkommentator sieht darin aber nur eine Reaktion der Unterwelt gegen die historische Bebauung.


Postet von RKWF am 19.01.2010 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon"

Schmittchen
28.01.10, 10:45
Im Regionalteil Frankfurt berichtet (http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/01/28/altstadt/so-schoen-soll-sie-werden.html) bild.de von einem Peter Knott, geboren in Sachsenhausen, der ein Modell der Markt-Südseite im Maßstab 1:50 gebaut und dafür 3.000 Arbeitsstunden aufgewendet hat. Zu sehen ist auch ein Foto des Modells (http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/01/28/altstadt/mfbq,templateId=renderScaled,proper ty=Bild,height=349.jpg).

Die Ziffern bedeuten:

1 Goldene Waage (Markt 5)
2 Weisser Bock (Markt 7), erbaut im 16. Jahrhundert
3 Karpfen (Markt 9), ebenfalls im 16. Jahrhundert erbaut
4 Kleiner Vogelsang (Markt 11)
5 Grüne Linde (Markt 13), erbaut um 1780
6/7 Rotes Haus (Markt 15 und 17)

RobertKWF
28.01.10, 22:57
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und seine Partnerverbände verfügen insgesamt über mehr als 150 000 mittelständische Mitglieder. Unter den Mitgliedern im Rhein-Main-Gebiet will Jörg von Netzer, als Verantwortlicher für dieses Gebiet, nun aktiv für die Altstadt-Rekonstruktion werben.

Die fnp-online berichtete am 27.01.2010 in der Rubrik Lokales/Frankfurt:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7202477.de.htm

Da der Artikel wohl derzeit nur sporadisch aufrufbar ist (Zugriff war am 28.01.2010, 19:07 Uhr möglich) gehe ich hier etwas ausführlicher darauf ein.

Der Unternehmerverband stand auch zu Beginn der Woche als Veranstalter auf der Liste eines Informationsabends der Initiative «Pro Altstadt». Es waren jetzt eher wohlhabende Leute, mögliche Investoren, im Publikum zu sehen so heißt es.

Der BVMW sieht sich als Mittler, um auf das Projekt aufmerksam zu machen, "Investoren finden und Überzeugen". Jörg von Netzer ist nicht der Meinung, dass eine Rekonstruktion der Altstadt zu altbacken sei für eine so moderne Stadt. Er hält es für eine lobenswerte Initiative, einen geschlossenen Kern zu unterhalten. Man engagiere sich ja auch für Kunst und Umwelt, warum nicht dafür?

Offenbar ist es das Ziel, Investoren für mehr als nur die sechs zu Rekonstruktion frei gegebenen Häuser zu finden, bevor wieder ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben wird. Erste Erfolge will man schon ausgemacht haben. Von Frankfurter Firmen soll auch schon konkretes Interesse geäußert worden sein. Preise für die Häuser dürften zwischen 0,5 und 1,5 Millionen Euro liegen, wird geäußert.

Noch sieht man ein Problem darin, einen geeigneten Fachmann für die Qualitätskontrolle in der Bauausführung zu finden.


Posted von RKWF am 28.01.2010 im DAF Strang "Neugestaltung Dom-Römer-Areal - Planungs- und Bau-Thread"

RobertKWF
31.01.10, 03:43
Immer wieder wird auch an kleinen Nebensätzen die aus dem Römer kommen, die dortige grundsätzliche Einstellung zu dem Projekt deutlich. Darauf kann man nicht oft genug hinweisen. Natürlich haben die Akteure im Römer ein Recht auf ihre eigenen Vorstellungen zu dem Areal. Diese eigenen Vorstellungen sollten aber ohne Verschleierungen publiziert werden. Den realistischen Befürwortern eines originalgetreuen Wiederaufbaus wird das wohl bewusst sein.

Im folgenden Satz spiegelt sich wieder sehr markant die Kommunikationspolitik zu diesem Projekt.

"Das geplante «Stadthaus am Markt» eröffnet die Chance, die historische Keimzelle Frankfurts mit einem öffentlichen Gebäude zu bebauen".

fnp-online vom 30.01.2010:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7217660.de.htm

Hier wird der Begriff der "historische Keimzelle Frankfurts" schamlos als Motivierungsversuch missbraucht, um den Bürgern diesen modernen Neubau eines "Stadthauses" an diesem Standort schmackhaft oder erträglich zu machen, indem man es noch als unerwartete Chance darstellt.

Wer in Frankfurt und anderswo wüsste nicht ganz genau, dass seit dem zweiten Weltkrieg bereits mehrere moderne "öffentliche Gebäude" auf und direkt neben dieser historische Keimzelle Frankfurts errichtet wurden und mit dem geplanten "Stadthaus" diese Tradition nur fortgesetzt werden soll?

Ich nenne hier noch mal die öffentlichen Gebäude Technisches Rathaus, Haus am Dom, Schirn-Kunsthalle, Kubus des Kunstvereins und Historisches Museum, bei denen diese bewusste Chance genutzt wurde.

Manchmal sind wir ja einfältig, aber nicht immer.


© Posted von RKWF am 31.01.2010 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter #118 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=249544&postcount=118)

christianfd
18.02.10, 16:05
Ergänzend zu den Häuser-Rekonstruktionen, stellt sich für mich die Frage: In welcher Gestalt werden die historischen Gassen und Plätze wiederentstehen?

Als kleine Einführung folgender Sachverhalt:

http://www.ld-host.de/uploads/images/a8967fe64e638cd74c80dad829782da4.jp g
Ausschnitt einer Postkarte (http://www.ld-host.de/uploads/images/b8b0a84a6669b989bf378d28ac89eec0.jp g). Urheberrechte dürften aufgrund des Alters abgelaufen sein

Bis 1944 war der Alte Markt (bis zum Römerberg) mit grau-blauem rechteckigen Basaltpflaster ausgelegt. Es gab charakteristische Bürgersteige. Nur die wenigsten wissen, dass der 'Bürgersteig' aus dem Mittelalter stammt, den er sollte die Passanten trockenen Fußes zu ihrem Ziel bringen. Der damals üblichen Methode, seinen 'Nachttopf' einfach auf der Straße zu entleeren wurde alsbald mit dem erhöhten Bordstein entgangen.. Soviel zum Geschichtlichen..
Heutzutage findet sich um den Samstagberg eine glatte, absatzfreie Fläche mit grau-braunem Kopfsteinpflaster aus Sandstein. Dem historischen Bodenbelag gegenüber ist diese Ausführung nur bedingt gerecht.

Um auf das aktuelle Projekt umzuschlagen: Hier (http://www.ld-host.de/uploads/images/8a5b1cdd415033ebb90910feea6afcb9.jp g) kann der Alte Markt in seiner Gestalt der Vorkriegszeit begutachtet werden. Dazu meine Frage: Gibt es Hinweise, die bezeugen dass der Markt, sowie der Hühnermarkt in ihrem alten Gefüge mit Bodenbelag, Absätzen & Strassenlaternen wiederentstehen? Und vielleicht noch wichtiger: Wandert das Friedrich Stoltze Denkmal (Hier (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a9/Frankfurt_Altstadt-Huehnermarkt-1900.jpg) hier unten rechts im Bild) vom Platz südlich der Katharinenkirche in die Mitte des Hühnermarkts zurück?

mfg

Fizgig
18.02.10, 18:06
Meiner Meinung nach muss der Strassenbelag nicht so wieder hergerichtet werden wie vor 1944. Ein durchgehender Strassenbelag und eine passende Beleuchtung sollten gewählt werden, aber da durch die Gassen eh kein Verkehr geführt wird, muss da auch kein Bürgersteig sein. Zumal die ja teilweise so schmal waren, das man als Erwachsener eh nicht drauf laufen könnte.
Die Wahl des Materials für den Bodenbelag ist da schon kniffeliger, aber ich denke, man kann ruhig ein kleineres Pflaster wählen als früher, eben auch weil die Belastung eine andere ist und hauptsächlich Fußgängerverkehr herrschen wird. Es sollten daher ein unruhiger Belag vermieden werden.
Warum nicht eine Fortführung vom Römerbelag in die Gassen?

OllaPeta
23.02.10, 17:21
Beitrag aus dem Planungs- und Bau-Thread hierher kopiert und folgender Beitrag hierher verschoben.
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Die Offenbach Post berichtet in einem Artikel über die jüngste Sitzung des Dom-Römer-Ausschusses (http://www.op-online.de/nachrichten/frankfurt-rhein-main/plaene-altstadt-643255.html). Demnach sei durch die Lösung des Problems mit der Tiefgarage, der Weg frei für eine Rekonstruktion des Haus Rebstock. Es solle sogar schon ein Investor gefunden sein. Weiter wird berichtet, auch im Ausschuss rege sich Kritik in Bezug auf den Siegerentwurf zum Stadthaus. So sei moniert worden, dass die Traufhöhe des geplanten Stadthauses die der „Goldenen Waage“ überschreite, die genau nebenan rekonstruiert werden solle und das historische Gebäude durch die wuchtigen Dimensionen zudecke. Daneben liesse der recht klein entworfene Eingangsbereich oder die Belichtung des Gebäudes Wünsche offen.

Im Übrigen sendet heute der HR abendfüllend zum Thema Altstadt. Besonders interessant das Stadtgespräch (http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/programm_popup.jsp?key=hr-fernsehen_2010-02-23&row=40) mit namhaften Gästen.

OllaPeta
24.02.10, 09:39
Die im vorigen Post von mir angesprochene Sendung im HR ist nun online verfügbar unter "Aktuelle Videos": Stadtgespräch vom 23.02.2010 (http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp)

Wie zu erwarten war, gab es nichts bahbrechend neues, das in der kurzen Diskussionszeit erörtert werden konnte. Man blieb eher an der Oberfläche und die Teilnehmer tauschten mehr oder weniger bekannte Meinungen aus. Sinngemäß:


Christoph Mäckler bekannte sich zu den Plänen der Stadt und ist für eine Teilrekonstruktion zusammen mit qualitativ hochwertigen modernen Bauten, die aber die Geschichte des Ortes und dessen Bedeutung erkennen lassen sollen
Günter Possmann von den Freunden Frankfurts ist erwartungsgemäß für eine Komplettrekonstruktion eingetreten.
Gerhard Vinken, Stadtplaner der TU Da, wandte sich komplett gegen irgendeine Rekonstruktion; statt dessen solle unter Berücksichtigung des Ortes, der Geschichte und der vorhanden, erhaltenswerten Bauten eine komplett moderne Bauweise zur Anwendung kommen.
Eine Anwohnerin der Seligenstädter Altstadt sollte ein wenig dazu beitragen, was denn eine Altstadt überhaupt lebenswert macht; da aber Seligenstadt eben wirklich noch eine "echte" Altstadt hat, ist dieser Vergeich nicht so wirklich hilfreich gewesen.

Überhaupt empfand ich die häufig genannte Kritik gegen eine Rekonstruktion, es sei eben früher in der Altstadt nicht nur schön gewesen und man werde auch dieses Flair der Altstadt nicht rekonstruieren können, einwenig am Thema vorbei. Es geht ja nicht darum die schlechten Hygienischen Verhältnisse oder die schlechte soziale Lage der Bewohner dort auch wieder zu rekonstruieren. Es geht doch in Hauptsache um Architektur und nicht um den damals natürlich schlechten Zustand des Viertels. Und auch in keiner erhaltenen Altstadt hat man genau das Flair, dass diese vor dem Krieg hatte, das möchte doch dort auch sicher niemand haben.

Danke Schmittchen für die Einfügung des Direktlinks, das habe ich irgendwie nicht hinbekommen. Und auch danke für den Hinweis, dass es noch eine anschließende Diskussion im Stream gibt. Hatte gestern nur die Live-Sendung gesehen. vv

Schmittchen
24.02.10, 09:55
Mit diesem Link (http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=2798&key=standard_kolumne_38754817&mediakey=fs/stadtgespraech/20100223_stadtgespraech_230210&type=v) kommt man direkt zum Stream.

An die 45-minütige Aufzeichnung der gestrigen TV-Sendung schließt sich im Video die halbstündige Diskussion an, an der sich das Publikum beteiligen konnte. Auch Michael Guntersdorf kam mehr zu Wort. Macht einen ganz vernünftigen Eindruck, der neue Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH. Insgesamt trotz mancher Längen eine sehenswerte Sendung, wobei die anschließende Diskussion meines Erachtens deutlich interessanter ist als die doch bisweilen verschwurbelte TV-Sendung.



P. S.: Dieser zwischen Lieselotte Körber und Heidrun Christensen sitzende Tüpp kommt mir irgendwie bekannt vor.

RobertKWF
02.03.10, 00:37
#124: P. S.: Dieser zwischen .......... (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=252183&postcount=124)
Ja, dieser pfiffig dreinblickende Herr ist mir bisweilen auch schon in der Innenstadt aufgefallen. Könnte auch so ein umtriebiger Rentner mit viel Freizeit sein der auch als Kind in der Altstadt aufgewachsen ist, etwa so wie das "klaa Rölfche".


Was übrigens die Aktion "Spolien" betrifft, so ist dieses Thema wohl erwartungsgemäß für den Wiederaufbau des Dom-Römer-Areals überwiegend abgeschlossen. Neben dem Nutzen, dass man an einigen Funden eventuell ein wenig von den originalen Formen ablesen kann, wird man diese ja an den Häusern nicht wieder anbringen wollen, mal abgesehen vielleicht von einigen schmiedeeisernen Elementen.



© Posted von RKWF am 02.03.2010 im DAF Strang "Der Altstadt-Salon" direkt hinter Schmittchen #124 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=252183&postcount=124)

Fachwerkhaus
08.03.10, 00:37
Eine Umfrage der Frankfurter Rundschau über das Für und Wider einer Altstadtrekonstruktion, abgedruckt in der Printausgabe vom Samstag, hat interessante Ergebnisse gebracht: 68% der Befragten befürworten sie, 21,3% lehnen sie ab, unentschlossen sind lediglich 8,2%.

Die Ablehnenden, nach Alter aufgeschlüsselt:
18-29J.: 5,4%
30-39J.: 16,8%
40-49J.: 30,8%
50-59J.: 21,0%
60+J.: 29,2%

Für ein derart kontroverses Projekt sind diese Zahlen erstaunlich eindeutig... Interessant auch die starke Polarisierung mit wenig Unentschlossenen, ein deutliches Zeichen, auf welch starke öffentliche Resonanz das Unterfangen stößt.

Xalinai
08.03.10, 07:02
Das klingt wieder typisch nach FR. Die Summe aus Ablehnung, Zustimmung und Egal kommt auf 97,5%, der Rest der Befragten hat die Frage nicht verstanden??

Wieviel Befragtre gab es denn insgesamt und wie sah da das Altersprofil aus?

Fachwerkhaus
08.03.10, 12:58
Der Rest fällt unter "Keine Angabe", das ist bei den Umfragewerten mit aufgeführt. Nicht so die Menge der Befragten, man kann aber vermutlich von einem halbwegs repräsentativen Querschnitt ausgehen.

Project
22.03.10, 09:37
Von heute Abend an sind Pläne und Baupreise für die Rekonstruktionen im Internet abrufbar (www.altstadtforum-frankfurt.de). Die Angaben sind selbstverständlich unverbindlich, denn die Bebauung des Areals organisiert die städtische Dom-Römer GmbH.

Doch nach Angaben des Altstadt-Forums sollen die Fachwerkhäuser bereits für rund 500.000 Euro zu rekonstruieren sein. Die Goldene Schere am Markt soll rund 1,5 Millionen Euro kosten. Man sei deswegen optimistsch, dass mehr als die vom Stadtparlament beschlossenen sieben Gebäude möglichst originalgetreu nachgebaut werden können.

Quelle: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7452206.de.htm

PornoPuma
22.03.10, 21:51
Es ist nun kurz vor zehn Uhr abends und wenn man den Link zum Altstadtforum aus dem Vorbeitrag anklickt, landet man in der Opelstadt (http://www.entdecke-ruesselsheim.de/)!

Entweder fährt man im Altstadtforum gerne Opel oder es ist ein makaberer Beitrag zum Thema "alternative Architektur!" :lach:

Schmittchen
23.03.10, 14:28
Die neue Website (http://www.altstadtforum-frankfurt.de/) des Altstadtforums ist jetzt online.

Solide Arbeit, besonders die Datenblätter (http://www.altstadtforum-frankfurt.de/objekte.html) zu den einzelnen Rekonstruktionsprojekten.

RMA
23.03.10, 19:49
Kleiner Bericht zum gestrigen Altstadtforum, dem Programm folgend. Ansonsten sei noch auf den Bericht von Weingeist (http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?p=106994#p106994) im APH verwiesen.

Premiere 1: Die neue Altstadt- Animation
Eine spannende, neue Altstadtvisualisierung, präsentiert von Dipl.- Geograph Jörg Ott unter Mitwirkung von Rolf Schmitz

Dafür hat sich der Besuch alleine gelohnt - anstatt statischer Bilder gab es, nach ein paar technischen Schwierigkeiten, erstmals einen fast vierminütigen Film aus Jörgs Modell zu sehen. Er beginnt auf der Sachsenhäuser Seite der Alten Brücke, man läuft dann in die Fahrgasse, biegt nach Westen ab in die Kannengiessergasse, über Domplatz und Garküchenplatz zum Roseneck. Schmitz, einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen mit einem für einen Mann seines Alters wirklich noch verblüffend gutem Gedächnis hat das Ganze kommentiert und konnte fast zu jedem Haus etwas sagen.

Anschließend gab es noch sechs kürzere, jeweils etwa einminütige Filme, von denen fünf auf dem Belvederchen der Goldenen Waage spielen und der sechste schließlich den Gang vom Domplatz zum Hühnermarkt als Animation zeigt und schon einen recht konkreten Vorgeschmack auf das gibt, was demnächst weitgehend wiedererstehen könnte. Da Jörg ja schon seit etwa einem Jahr ein realistisches Lichtmodell verwendet, konnten die Bilder problemlos mit Visualisierungen, wie man sie sonst aus der Architekturbranche gewohnt ist, mithalten.

Anschließend gab es noch einen Vortrag von Jörg, in dem er einiges über die Entstehung des Modells, seine Möglichkeiten, den Fortschritt, und auch exemplarisch einige Häuser, an denen er gerade arbeitet (Block zwischen Neuer Kräme und Kleiner Sandgasse v.a. mit dem Großen Braunfels) erzählt hat. Weiterhin gab es noch ein paar brandaktuelle, sehr weitwinklige Renderings zu sehen, die beeindruckend den Umfang dessen vor Augen führen, was Jörg mittlerweile geschaffen hat. Im Prinzip ist die Altstadt innerhalb der Grabenstraßen praktisch geschlossen, man kann nun z.B. vom Goethehaus bis zur Alten Brücke gehen, ohne irgendwelche Lücken zu haben – damit ist Jörgs Modell jetzt schon vollkommener als das der Gebrüder Treuner.

Schließlich trat noch ein Mann des NZVP-Kalenderverlages auf (bekannt vor allem durch die 360°-Panorama-Kalender), die einen eben solchen mit 360°-Alt-Frankfurt-Ansichten (80x30 cm) aus Jörgs Modell für 2011 auflegen wollen, einen Link gibt es auch schon:

https://www.nzpublications.com/onlineshop/product_info.php?info=p701_Historis ches-Frankfurt-360----Historical-Frankfurt-360--2011.html

Premiere 2: www.altstadtforum-frankfurt.de geht ans Netz
Günter Possmann, Frank Albrecht und Jürgen E. Aha präsentieren die Kampagne „30 Frankfurter“

Podiumsdiskussion: „Projektieren und Investieren: die neuen Player in der Altstadt“
• Michael F. Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH
• Marc Rohde, Sparda-Bank, Frankfurt am Main
• Altstadtinvestorin Cornelia Einsiedel, Immobilienkauffrau, Hoffmann & Einsiedel
• Altstadtinvestorin Kirsten Fries, Metzgerei Dey, Kleinmarkthalle
• Altstadtinvestor Horst Vatter, Frankfurter Verleger und Gründer des BLITZ TIP

Bezüglich der Webseite kann ich im Wesentlichen auf den Beitrag von Schmittchen verweisen.

Was die anschließende Diskussionsrunde angeht – die eher als Präsentation ausfiel – war zunächst etwas antiklimatisch, dass sich Herr Guntersdorf aufgrund schwerer Krankheit entschuldigen liess. Dennoch fielen nur wohlwollende Worte über ihn, da er sowohl den verschiedenen Vereinen (Freunde Frankfurts, PRO Altstadt) als auch privaten Investoren, die, wie im Stadtverordnetenbeschluss von 2007 ja explizit vorgesehen, auf eigene Kosten rekonstruieren können, im Gegensatz zu seinem Vorgänger wohl sehr offen gegenübersteht.

Danach wurde es dann wirklich interessant. Hinter der Kampagne „30 Frankfurter“ verbirgt sich, wie unschwer zu erraten, das Projekt, wenigstens dreißig Frankfurter für die bedeutendsten Gebäude des (originär) knapp 50 Parzellen großen Areals gewinnen zu wollen. Der erweiterte Interessenkreis beläuft sich laut Jürgen Aha gegenwärtig auf etwa 15 Personen.

Neben Marc Rohde von der Sparda-Bank, die das Projekt wohl vor allem durch außerordentliche günstige Finanzierungsmodelle unterstützen will, handelte es sich bei den genannten drei Privatpersonen klar um die Idealisten, von denen ja so oft gesagt würde, dass es sie gar nicht gäbe, denn sie waren bezüglich ihrer Pläne, rekonstruieren wollen, schon sehr konkret.

Sie haben kurz ihre persönliche Verbindung zu Frankfurt, die meist in frühere Generationen zurückreichte, sowie ihre Vorstellungen von der Nutzung der von ihnen zu errichtenden Altstadthäuser zum Besten gegeben, schön vor allem, dass mit der Metzgerei Dey, wenn alles gut geht, die seit dem 13. Jahrhundert ununterbrochen bestehende Tradition einer Fleischerei am Alten Markt (Neues Rotes Haus / Altes Rotes Haus -> Schirn!) nach etwa siebzigjähriger Zwangspause wieder aufleben wird.

Andere konnten sich auch durchaus vorstellen, ein gotisches Haus als Wohnhaus für die Familie zu nutzen, von wegen, weil ja oft behauptet wird, darin wolle keiner wohnen. In dem Zusammenhang wurde auch auf die durchaus "modernen" Deckhöhen und Nettonutzflächen in den Datenblättern auf der neuen Webseite verwiesen. Dafür übrigens fetten Respekt an Dominik Mangelmann (Kardinal hier im Forum), der das Ganze analog Jörg, nur halt als Bauingenieur, im Wesentlichen in Alleinarbeit ausgearbeitet hat und dabei selbst kleinste Details wie Längsbalkenlagen bei hochgotischen Bauten etc. berücksichtigt hat, um die heute vielleicht noch eine Handvoll Leute in ganz Deutschland wissen.

Nach gestern abend halte ich zusammen mit den städtischen Wiederaufbauten momentan einen Anteil an Totalrekos auf dem Areal von wenigstens 40 Prozent für realistisch.

Premiere 3: Buchpräsentation „Frankfurter Stückchen“
Buchautor Johannes Hucke präsentiert seinen neuen, originellen Altstadtroman aus dem Info-Verlag. Anschließend Signierstunde

http://www.amazon.de/Frankfurter-St%C3%BCckchen-M%C3%A4rchen-neuen-Altstadt/dp/3881905766/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1269369962&sr=8-1

Hucke hat ein Kapitel aus seinem "Märchen" vorgelesen, man merkt am Stil doch sehr, dass er eigentlich Theaterautor ist. Spitzen sowohl auf das Lager der "Traditionalisten" als auch das der "Modernisten" im Zusammenhang mit dem Projekt sind spürbar, mir persönlich klang es ein wenig zu sehr nach Kunst denn Belletristik, aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

RobertKWF
24.03.10, 01:15
#132 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=255432&postcount=132)
Danke für diesen gelungenen und anschaulichen Bericht. Hinzuzufügen ist noch, dass von den derzeit schon ca. 15 ernsthaften Interessenten einige auch anwesend waren, aber zurzeit wohl nicht öffentlich genannt werden wollen.

Die drei anwesenden, von RMA genannten Altstadtinvestoren werden in diesem Artikel der fnp-online vom 23.03.2010 vorgestellt:

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7456982.de.htm

Hier noch die direkten Links zu den Konzepten der drei Frankfurter Investoren:
Cornelia Einsiedel, Volkswirtin

http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/rmn01.c.7456965.de.htm

Horst Vatter, Verleger

http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/rmn01.c.7456966.de.htm

Kirsten Fries, Metzgermeisterin

http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/rmn01.c.7456967.de.htm

Allein diese Drei wirkten sehr positiv und zielgerichtet mit ganz konkreten Vorstellungen. Die freuen sich auf das Projekt. Allerdings war auch zu vernehmen, dass das Investment wirklich nur Sinn macht, wenn die ganze Umgebung auch überwiegend rekonstruiert werden wird.

Freeeak
29.03.10, 18:53
Beiträge aus dem Planungs- und Bau-Thread hierher verschoben.
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Kleines Malör beim Abriss des Technischen Rathauses:

Beim Rathausabriss Heizung lahm gelegt (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7484262.de.htm)

Rohne
30.03.10, 00:15
Würzgarten braucht man eigentlich nicht festzuschreiben, das Haus ist ja quasi schon reserviert für Frank Albrecht. Und wichtiger als die klassizistischen Gebäude an der Hühnermarkt-Westseite finde ich eigentlich die Nordseite, also Flechte und Schildknecht, sowie die Südseite mit der Grünen Linde und vor allem halt sämtliche ans Rote Haus angrenzende Gebäude, wobei für diejenigen am Metzgerhöfchen natürlich der Tisch beseitigt werden muss, was aber sowieso unverzichtbar ist.

Mich würde halt interessieren mit welchem Unterton Michael Guntersdorf "Sonst stehen am Krönungsweg ja nur moderne Häuser" gesagt hat. Er kann ja eigentlich noch gar nicht wissen, wieviele der Gebäude am Markt rekonstruiert werden und wieviele Neuschöpfungen werden.
Ich fände es auf jeden Fall sehr fatal die Bemühungen des Altstadtforums und auch die Arbeit von Jörg Ott und Dominik Mangelmann ohne Not zu konterkarieren. Vor allem auch die symbolische Wirkung gegenüber Engagement aus der Bürgerschaft, was ja traditionell eine Stärke Frankfurts ist, wäre katastrophal.

RMA
30.03.10, 00:39
Wenn wir mal genau lesen...

--- Editiert. Nach unseren Richtlinien bitte keine Pressezitate. ---

...ist das meines Erachtens eine reine Feststellung, die sich auf den Beschluss von 2007 bezieht, keine Stellungnahme Guntersdorfs. Dass er nun weitere Rekos festklopfen lassen will, ist dagegen eine sehr klare Stellungnahme – in die richtige Richtung. Denn seien wir ehrlich: der Hühnermarkt ist ein Ensemble, das vor allem aufgrund seiner sehr beschränkten Räumlichkeit äußerst empfindlich auf Kontraste reagieren würde. Wir haben hier ja bei weitem nicht derartige Fassadenflächen zu "bespielen" wie beispielsweise in Dresden am Neumarkt, wo einzelne Bausünden oder auch angepasste Bauten sich dem Ensemble unterordnen. Dazu kommt noch, dass der architektonische Unterschied zwischen den Dredsner Barockbauten und modernen Neubauten viel geringer ist als zwischen solchen und den gotischen, giebelständigen Frankfurter Fachwerkhäusern.

Meines Erachtens hat die stets rekofeindliche FR hier Herrn Guntersdorf etwas sehr geschickt in den Mund gelegt, was er wohl gar nicht gesagt oder gemeint hat. Dies stände nämlich völlig entgegen dem, was Jürgen Aha auf dem Altstadtforum über ihn berichtet hat. Insbesondere, was das Begrüßen bürgerschaftlichen Engagements angeht.

RobertKWF
14.04.10, 02:21
Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread

In der FAZ.NET vom 13.04.2010 gibt es noch einen Kommentar dazu von Matthias Alexander:
Kommt Zeit, kommt Rat
http://www.faz.net/s/Rub3DFC0DABC5664C30AC70700DD10A965D/Doc~EF2A693A8A1D043FB8E3B2BF8F4E9F8 3A~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub3DFC0DABC5664C30AC70700DD10A965D/Doc%7EEF2A693A8A1D043FB8E3B2BF8F4E9 F83A%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.ht ml)

Matthias Alexander meint, man solle sich bei diesem Projekt auf jeden Fall Zeit lassen und für die entscheidende Qualität der Bebauung und ein nachhaltiges Nutzungskonzept sorgen.

Beim geplanten so genannten Stadthaus sei das bisherige Ergebnis ernüchternd. Noch nicht plausibel ist geklärt, wofür das Gebäude mit seinem Verlegenheits-Titel eigentlich benötigt wird.

Michael Guntersdorf spricht im weiter oben genannten FAZ-Artikel (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc%7EE8243811AFFC1436CA2E25251F316 99A9%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.ht ml), zunächst noch sehr verhalten und unkonkret, das immer mehr hervortretende Problem einer Mischbebauung mit Rekonstruktionen und Füllbauten an, indem er z. B. beim Roten Haus nur vom Kopfzerbrechen der Planer spricht.

thomasfra
17.04.10, 23:17
2 Informationsdisplays am Bauzaun in Richtung Schirn

http://img153.imageshack.us/img153/272/77749140.jpg
By thomasfra (http://profile.imageshack.us/user/thomasfra) at 2010-04-17

http://img697.imageshack.us/img697/5661/45645771.jpg
By thomasfra (http://profile.imageshack.us/user/thomasfra), shot with Canon PowerShot A710 IS (http://profile.imageshack.us/camerabuy.php?model=Canon+PowerShot +A710+IS&make=Canon) at 2010-04-17

RMA
18.04.10, 13:04
Dass sich der Text größtenteils wörtlich mit dem Wikipedia-Artikel zum Neuen Roten Haus deckt, ist sicher nur Zufall. :lach:

Project
27.04.10, 09:15
Großes Interesse an neuer Altstadt

Die Dom-Römer GmbH verzeichnet ein starkes Interesse an den vorgesehenen Altstadt-Rekonstruktionen. Rund 40 potentielle Käufer hätten sich bereits gemeldet. Sechs oder sieben Anfragen bezögen sich auf die Original-Rekonstruktion eines Altstadt-Hauses. Für die acht Gebäude, deren Wiederaufbau bereits beschlossen ist, gebe es insgesamt drei Interessenten.

Für weitere Interessenten gebe es eine "letzte" Chance: In einigen Wochen möchte die Dom-Römer GmbH einen letzten Aufruf starten. Potenzielle Investoren haben dann noch fünf bis sechs Wochen Zeit, sich zu melden. Über die Höhe des Erbpachtzinses, der für das Grundstück an die Stadt zu zahlen ist, soll bis Ende Mai entschieden werden. Spätestens im Juli soll es dann auch detaillierte Kalkulationen der Baukosten geben.

Quelle: http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/altstadt-40-wollen-bauen_rmn01.c.7609753.de.html

RobertKWF
28.04.10, 01:03
Der Altstadt-Salon

In der 19. Sitzung des Sonderausschuss "Dom-Römer" am Montag den 26. hat Prof. Christoph Mäckler sinngemäß darauf hingewiesen, dass vor dem Wettbewerb klar sein sollte, was rekonstruiert wird und was nicht. Die Ausschreibung für den Teil der neuen Altstadt, der nicht rekonstruiert werden soll, könnte wohl nur dann erfolgen, wenn eben genau feststeht um welche Bereiche es sich handelt, damit die Ausschreibung nicht evtl. wieder ungültig wird wenn nachträgliche Änderungen vorgenommen werden sollten.

Dies könnte nach Meinung eines Fragestellers dazu führen, dass sich auch die Reko-Interessenten bis zu einem bestimmten Termin entscheiden müssten und danach weitere Reko-Wünsche nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Jochem Heumann (CDU) trug vor, dass das ganze Areal auf einmal zügig bebaut werden muss, damit es keine Baustelle von 10 Jahren wird und fordert eine Deadline für Bewerbungen zur Altstadt.

Edwin Schwarz teilte mit, dass ein achtes Gebäude (Braubachstraße 21) rekonstruiert werden kann.

Michael Guntersdorf meinte noch, dass nicht alles rekonstruiert werden könne. Der Sitz der Dom-Römer-GmbH sei nun am Liebfrauenberg 39 und habe derzeit vier Mitarbeiter.

Zum Abriss des TR erwähnte Edwin Schwarz, dass auch Asbest entsorgt werden muss. Ob dass nicht auch mit ein Grund für den allseits befürworteten Abriss sein könnte? Und, der Abriss sei im Zeitplan. Beim Thema "Stadthaus" freute er sich erkennbar über den Ideenwettbewerb für eine schöne neue Namensgebung. Vermutlich erhofft er sich dadurch eine besserer Identifizierung und Akzeptanz der Bürger.

Wie im fnp-Artikel oben angeschnitten, gab es einen längeren Disput über das geplante "Stadthaus", speziell über dessen Nutzung. Fast schon peinlich die mehrfach unterschiedlich und sehr bemüht vorgetragenen Nutzungsmöglichkeiten und Ablehnungen. Speziell deswegen wohl hatte man die Kulturamtsleiterin Carolina Romahn eingeladen, die ausführlich einen bunten Strauß von Nutzungsmöglichkeiten aufzählte, so dass selbst Edwin Schwarz mäßigend die Nutzung auf wenige, seiner Meinung nach notwendige Forderungen zurückschrauben musste.

Professor Christoph Mäckler gab dieser Debatte dann als Gestaltungsbeirat im Vorgriff noch eine besondere Note. Zunächst für die Stadtverordneten sehr rätselhaft, nach Rückfrage aber dann konkreter warnte er vor dem nahen Heranrücken des Stadthauses an die Rekonstruktionen mit ihrer ganz anderen Nutzung und empfiehlt eher den Bau von Wohnungen dort. Allgemeines Schweigen und Ende dieser Debatte (zunächst wohl).
Mäckler hatte natürlich sein allseits bekanntes Notizbüchlein dabei (sind auch einige bereits im Museum ausgestellt, Karmeliterkloster - Alte Brücke) und machte so nebenbei noch Entwurfsskizzen für Gebäude.

Dazu noch ein Beitrag der fr-online vom 27.04.2010, die auch diese kuriose Auseinandersetzung zum geplanten "Stadthaus" beleuchtet.
Ein zweiter Römer
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2586131_Altstadt-Bebauung-Ein-zweiter-Roemer.html

epizentrum
18.05.10, 22:57
Meines Wissens nach hier noch nicht erwähnt ist die Webseite (http://www.stadtbild-deutschland.de) des rührigen Vereins Stadtbild Deutschland. Davon abgesehen, dass sie eine ganze Reihe Artikel rund um deutsche (Alt-) Städte bietet, enthält sie auch einen gut aufbereiteten Vergleich historischer Aufnahmen der Vorkriegsbebauung der Frankfurter Altstadt mit den heutigen Gebäuden. Insgesamt sind 38 Stellen mit Schwerpunkt zwischen Dom und Römer zu sehen. Die Seite: http://www.stadtbild-deutschland.de/rubriken/staedte_und_orte/8/index.html

RobertKWF
13.06.10, 01:30
Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread

Ja, offenbar ist mit Michael Guntersdorf ein deutlich positiver Faktor in das Projekt gekommen, der auch der Allgemeinheit dient. Könnte sein, dass am Ende Petra Roth für ihr gutes Händchen noch Lob ernten wird. Mal sehen.

Der "Ensemble-Gedanke" führt ja geradezu dahin, auch die "Lücken" mit Rekonstruktionen zu schließen bzw. die Rekonstruktionen auch mit solchen zu verbinden. Es bleiben aber weiterhin einige Ungereimtheiten als Altlasten der Beschlüsse von Stadtparlament und Magistrat offen.

Dass Seitens der Stadt (Magistrat, Dom-Römer GmbH, Sonderauschuss, Stadtverordnetenversammlung, wer auch immer) hin und wieder vermittelt wird, dass (überall?) rekonstruiert werden kann, wenn sich ein Investor findet, signalisiert ja einerseits dass man mehr Rekonstruktionen zulassen will, andererseits ordnet man den möglichen Umfang der Rekonstruktionen der Finanzkraft, der Risikobereitschaft und dem Engagement potentieller Bürger und Investoren zu, bzw. macht ihn von den Interessenten abhängig!?

Daraus ergeben sich wieder Fragen, die für die potentiellen Interessenten von Bedeutung und für die Bürger von Interesse sind:

● Wer legt fest welche Häuser letztendlich noch rekonstruiert werden dürfen und was könnten die Gründe sein?

● Darf ein Interessent ein Haus rekonstruieren (oder evtl. nur mit einer rekonstruktionsnahen Fassade versehen) welches die Dom-Römer GmbH nicht für rekonstruktionswürdig hält?

● Was ist, wenn das vom Interessenten anvisierte Objekt nicht dem so genannten "Ensemble-Gedanken" Rechnung trägt, will heißen, links und/oder recht würden keine Rekonstruktionen entstehen? Beim ursprünglichen Rekonstruktionsumfang wären ja auch kaum rekonstruierte Ensembles entstanden!?

● Warum sorgt "die Stadt" schlussendlich nicht selbst dafür, dass zumindest all die Häuser noch rekonstruiert werden, die sie mittlerweile selbst für machbar hält, indem sie z. B. den Wiederaufbau zumindest vorfinanziert.

● Warum sorgt "die Stadt" nicht dafür, dass alle restlichen, angeblich nicht zu rekonstruierenden Häuser, zumindest auf dem originalen Raster und in der originalen äußerlichen Form (wenn selbst Fassadenrekonstruktion nicht möglich sein sollte) errichtet werden?

PS: Im letzten Satz des FNP Artikel (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/die-altstadt-wird-groesser_rmn01.c.7819754.de.html) hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen? Da fehlt doch das zweite nicht vor weiterhin?

Xalinai
13.06.10, 20:30
Dass Seitens der Stadt (Magistrat, Dom-Römer GmbH, Sonderauschuss, Stadtverordnetenversammlung, wer auch immer) hin und wieder vermittelt wird, dass (überall?) rekonstruiert werden kann, wenn sich ein Investor findet, signalisiert ja einerseits dass man mehr Rekonstruktionen zulassen will, andererseits ordnet man den möglichen Umfang der Rekonstruktionen der Finanzkraft, der Risikobereitschaft und dem Engagement potentieller Bürger und Investoren zu, bzw. macht ihn von den Interessenten abhängig!?


Das ist der Gedanke, den ich immer wieder betont habe: Wenn jemand rekonstruieren will, dann soll er es doch - auf eigene Rechnung - tun.
Dabei ist natürlich darauf zu achten, dass eine Rekonstruktion auch eine solche ist und man eben nicht nur Fassadenspielereien betreibt, die den "Disneyland"-Vorwurf hervorrufen.

Die Abhängigkeit vom Rekonstruktionsinteressenten ist auch logisch, da am Interessenten sowohl die Nutzungsform, als auch die Chancen für die tatsächliche Umsetzung des Vorhabens festgemacht werden.


Daraus ergeben sich wieder Fragen, die für die potentiellen Interessenten von Bedeutung und für die Bürger von Interesse sind:

● Wer legt fest welche Häuser letztendlich noch rekonstruiert werden dürfen und was könnten die Gründe sein?

Da tippe ich, ohne es wirklich zu wissen, mal auf die Projektentwicklungsgesellschaft.


● Darf ein Interessent ein Haus rekonstruieren (oder evtl. nur mit einer rekonstruktionsnahen Fassade versehen) welches die Dom-Römer GmbH nicht für rekonstruktionswürdig hält?

Plausibel wäre, eine Rekonstruktion dann zuzulassen, wenn bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Bewerbung vorliegt die Fläche noch nicht anderweitig vergeben wurde und der Bewerber eine nachhaltige Nutzung des Hauses glaubwürdig darstellen kann.


● Was ist, wenn das vom Interessenten anvisierte Objekt nicht dem so genannten "Ensemble-Gedanken" Rechnung trägt, will heißen, links und/oder recht würden keine Rekonstruktionen entstehen? Beim ursprünglichen Rekonstruktionsumfang wären ja auch kaum rekonstruierte Ensembles entstanden!?
Wenn das Gebäude nicht offensichtlich als "Verhinderungreko" für einen moderneren Komplex aufgestellt wird, dessen Grundriss dann nicht mehr sinnvoll nutzbar wäre (z.B. Reko nur der Nr. 16) - was sollte dagegen sprechen?

● Warum sorgt "die Stadt" schlussendlich nicht selbst dafür, dass zumindest all die Häuser noch rekonstruiert werden, die sie mittlerweile selbst für machbar hält, indem sie z. B. den Wiederaufbau zumindest vorfinanziert.

Weil die Stadt danach handelt, was ich oben geschrieben habe: Wenn es Menschen in dieser Stadt gibt, die eine Rekonstruktion wünschen, dann sollen diese Menschen es mit ihrem eigenen Geld machen und nicht mit dem Geld aller anderen. Der Beitrag der Anderen liegt in den Opportunitätskosten, also darin, dass die Stadt auf einen Mehrerlös aus einer modernen kommerziellen Nutzung des Geländes zugunsten der Rekonstruktionsoption verzichtet.


[FONT=Verdana]● Warum sorgt "die Stadt" nicht dafür, dass alle restlichen, angeblich nicht zu rekonstruierenden Häuser, zumindest auf dem originalen Raster und in der originalen äußerlichen Form (wenn selbst Fassadenrekonstruktion nicht möglich sein sollte) errichtet werden?

Weil "die Stadt" offensichtlich nicht so im Gestern verhaftet ist, dass sie die historischen Grundrisse und Volumenmodelle als alleinseligmachend betrachtet.
Hier empfehle ich, wegen der schönen Analogie zur Denke der Rekonstruierer, bei Hans Hattenhauer, "Die geistesgeschichtlichen Grundlagen des deutschen Rechts", (C. F. Müller, Heidelberg, 3. Auflage, 1983) den Abschnitt 194 zur Restauration in Kurhessen.

RobertKWF
15.06.10, 02:46
Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread

@Xalinai #111 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=264347&postcount=111) Es bleibt Deine Entscheidung Dich wieder mit Deiner bereits bekannten Einstellung zu outen.
Auch wenn Du offenbar stellvertretend für die Stadt antwortest, bezweifle ich doch sehr, dass etwa das Planungsdezernat oder die Dom-Römer GmbH so und in dieser Manier auf diese Fragen antworten würden.

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Soweit ich es beurteilen kann, kommt der Termindruck, den man jetzt mit der Festlegung der Meldefrist 31. Juli 2010 aufbaut, überwiegend von den Stadtverordneten selbst. Jochem Heumann z. B. hat ja im Ausschuss vehement einen schnellen Gesamt-Aufbau gefordert. Wie schon berichtet muss/soll vor dem Wettbewerb für die "Füllbauten" feststehen welche Häuser rekonstruiert werden und welche nicht, damit der Wettbewerb nicht evtl. bei nachträglichen Veränderungen für Ungültig erklärt werden kann (Mäckler-Hinweis im Sonderausschuss).
Frage mich aber ob dass so sein muss oder ob man dass nicht auch bei gutem Willen umgehen kann, indem man z. B. jede Parzelle einzeln ausschreibt, so dass bei einer nachträglichen Änderung nicht die Ausschreibung für das ganze Areal gefährdet ist?

Was wiederum bedeuten würde, dass man den Bereich der "Füllbauten" jetzt schon in definierte Parzellen, sprich einzelne Objekte, für Einzelwettbewerbe aufteilt, nach dem Originalraster eben. Parzellen zusammenfassen kann man dann nachträglich immer noch.

RMA
15.06.10, 13:07
Es ist in der Tat müßig, sich hier zum hundertsten Male den selben dogmatischen Standpunkt anhören zu müssen – aber gut, Herr von Mende gibt das Ganze ja in jedem Dom-Römer-Ausschuss gebetsmühlenartig zum Besten, und das noch in meist cholerischer Form, insofern ist man es schon gewohnt.

Aber zum Thema: es hat schon seinen Grund, dass für die Bewerbung eine Frist besteht, ebenso für den Baubeginn. Zum einen will keiner 50 kleine Baustellen auf dem Gebiet haben, zum anderen sind es die statischen Erfordernisse – wenn auch verbrochen von unseren technikgläubigen Vorfahren der 1960er in Form der Tiefgarage – die es schlicht unumgänglich machen, den Aufbau zügig und in einem Stück durchzuführen. In diesem singulären Aspekt kann man niemanden einen Vorwurf machen.

Jede Parzelle einzeln auszuschreiben wäre zudem aus europäisch-wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen. Dazu gab es ja zahlreiche Gutachten, und genau deswegen wurde die Dom-Römer GmbH begründet.

Xalinai
16.06.10, 07:01
^Ich antworte zwar nicht stellvertretend für die Stadt, bin aber mir sicher, dass "die Stadt" dir diese Antworten auf deine Fragen in einer wortreicheren, verklausulierten und weniger eindeutigen Form auch geben würde. Genaugenommen gibt sie sie schon durch ihr Handeln, aus dem man, so man mit offenen Augen und Ohren unterwegs ist, die dahinterstehende Denkweise erkennt.

Was Dogmen angeht, so ist nicht zuletzt der Anspruch auf vollständige Wiederherstellung des Stands vom März Anno '44 ein solches, insbesondere wenn man dabei einen Zustand der Unveränderlichkeit dieses Gebiets bei Ausbleiben der Kriegsfolgen annimmt.

Aber es heißt ja nicht ohne Grund "Du siehst den Splitter im Auge des Anderen und nicht den (Fachwerk-)Balken im eigenen..."

RobertKWF
17.06.10, 00:56
Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread

An den anonymen, kritischen Bewerter meines obigen Beitrags #112 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=264460&postcount=112) :
Deine merkwürdig und giftig wirkende Begründung sagt mir überhaupt nichts, zumal ich nicht einschätzen kann was für eine Art Typ Du hier darstellst. Wenn Du hier öffentlich erläuterst was Du meinst, könnte ich evtl. darauf reagieren.

@Xalinai: Wie war das noch mit dem "Verschwörungstheoretiker"? ;)


@RMA #113 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=264491&postcount=113) : Danke für die Erläuterung. Schade, wenn das zwingend so erforderlich ist, was ich nicht professionell bewerten kann. Hätte mir dennoch ein wenig mehr Flexibilität gewünscht.
Dieser Artikel (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/die-altstadt-wird-groesser_rmn01.c.7819754.de.html) in der fnp-online vom 12.06.2010, letzter Absatz, in dem evtl. ein nicht vor weiter fehlt, wenn es denn ein Schreibfehler ist, weist aber noch auf gewisse Möglichkeiten hin. Mal sehen was geschieht, wenn sich später doch noch ein Reko-Interessent entschließt. Könnte ja auch sein, dass ein Wettbewerber mit Zuschlag für Füllbauten, danach noch irgendwo auf seinem Los rekonstruieren möchte?

Gut, warten wirs ab, Michael Guntersdorf wird's schon richten.

Project
22.06.10, 09:53
Altstadtforum möchte Anbau am Steinernen Haus abreißen / Kürschnerlaube und Mohrenkopf im Gespräch

Das Altstadtforum möchte den Anbau am Steinernen Haus abreißen. Der 1962 errichtete Anbau an das gotische Steinerne Haus, welches derzeit vom Kunstverein genutzt wird, sei ein Hemmschuh für die Entwicklung des Areals zwischen Dom und Römerberg. Auch planerisch sei der in die Jahre gekommene Nachkriegsbau eine Zumutung. Da der Kunstverein ohnehin einen Umbau plane, könne man das Gebäude gleich ersetzen, so das Altstadtforum.

Selbiges schlägt vor, nach dem Abriss zwei weitere Gebäude auf dem entsprechendem Grundstück zu rekonstruieren. Präziser handelt es sich dabei um die Häuser "Kürschnerlaube" und "Mohrenkopf". Auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse "Hinter dem Lämmchen" könnten drei weitere Gebäude inklusive des Hauses "Zu den drei Römern" wiedererrichtet werden. Nach Darstellung des Altstadtforums würde die Stadt durch die "optisch sehr reizvolle Verdichtung" etwa EUR 4,5 Millionen zusätzlich einnehmen. Über eine Finanzierung per Stiftung führe das Altstadtforum bereits Gespräche (Quelle (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/noch-mehr-fachwerk-gefordert_rmn01.c.7814879.de.html)) .

Fachwerkhaus
22.06.10, 13:58
Erfreuliche Nachrichten! Das Haus Mohrenkopf wurde kurz vor Kriegsbeginn noch saniert und dabei umfassend dokumentiert, so dass ein Wiederaufbau aus rein technischer Sicht kein Problem darstellen sollte. Auch sollen die Fundamente noch erhalten sein... Ob die städtische Planung aber so kurzfristig noch in der Lage ist, die Parzellen für die gegenüberliegende Straßenseite dem historischen Grundriss anzupassen?

Rohne
22.06.10, 17:17
Sollte eigentlich kein großartiges Problem sein. Der Plan ist ja nach wie vor eher ein Anhalt, da sich ja bei zusätzlichen Rekonstruktionen auch an anderen Stellen noch einige Parzellenzuschnitte ändern würden. Da sollte die größere BGF für die vom Kunstverein-Abriss betroffenen Gebäude kein Problem darstellen, zumindest solange die Stadt es schafft, sich zu diesem unumgänglichen Abriss zu entschließen, noch bevor für jene Parzellen konkrete Architektur-Entwürfe entwickelt werden.

Schmittchen
29.06.10, 09:36
Die Podiumsdiskussion der IHK gestern Abend (Veranstaltungshinweis (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=264503&postcount=87)) soll ergeben haben, dass die Mehrheit der Interessenten Neubauten ohne historisches Vorbild errichten möchte. Nur eine Minderheit will rekonstruieren. Mitte bis Ende nächsten Jahres könnte laut Michael Guntersdorf mit dem Bau der ersten Häuser begonnen werden. Das schreibt (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/modernisten-sind-in-der-mehrheit_rmn01.c.7886150.de.html) die FNP heute.

OllaPeta
29.06.10, 13:39
Ich habe gestern teilgenommen und empfand es als eine interessante Veranstaltung. In Zusammenhang mit dem konkreten Projekt gab es zwar für diejenigen, die sich mit dem Thema schon länger beschäftigen nicht viel neues, aber es wurden durch die Vorträge doch auch neue bisher in meiner Wahrnehmung nicht viel beachtete Aspekte angesprochen. Gerade die Beispiele anderer Städte fand ich interessant, wobei diese natürlich unmittelbar nachdem Krieg aufgebaut wurden und uns so sicher nicht übermäßig weiter bringen. Bemerkenswert (sage ich mal bewusst wertungsfrei) war auch der im Artikel der FNP angesprochene Vorschlag von Frau Prof. Scheiblauer, den Bereich des Archeologischen Gartens garnicht zu bebauen sondern in Tradition eines Domplatzes zwar die Ausgrabung zu schließen, aber dort einen Platz für, wie sie sagte, beispielsweise die Römerbergfestspiele zu schaffen. Begründet hat sie das hauptsächlich damit, dass die Häuserzeile, die an das zu bauende Stadthaus ausschließlich nur Nordfenster haben könne und so für eine Wohnnutzung nicht zu gebrauchen sei. Überhaupt wurde immer wieder kritisch angemerkt, dass die Parzellengrößen nicht für eine heutige Nutzung geeignet seien und auch bei Rekonstruktionen die baurechtlichen Vorschriften eines Neubaus gelten würden. Außerdem seien Konflikte vorprogrammiert bei den unterschiedlichen Interessenlagen der künftigen Nutzer: Bewohner, Gastronomie, Gewerbe... So sei die Nutzung das entscheidende Kriterium dafür, wie das Viertel später aussehen solle.

Größter Diskussionsstoff war trotz ja schon bestehender Tatsachen immernoch der Sinn und Unsinn einer Gestaltungssatzung in der jetzigen Form und, durch Wortmeldungen der Altstadtfreunde befeuert, ob nicht doch eine Komplettreko möglich sei. Aber alles in allem fand ich vor allem die Resonanz der Veranstaltung positiv. Es waren bestimmt 350 Personen anwesend und mit Eifer bei der Sache. Unter den Teilnehmern ist übrigens auch Prof. Mäckler gesichtet worden....

Kardinal
29.06.10, 18:13
Mehrheit/Minderheit bedeutet, daß es gerade gekippt ist zu Gunsten der modernen Bauweise (wörtlich Guntersdorf). Also ist das Verhältnis in etwa gleichauf.
Hinzu kommen weitere Interessenten, die sich auf eine Immobilienscout-Anzeige hin bei Frau Christensen gemeldet haben. Wenn sie, wie angekündit, diese Herrn Guntersdorf weiterleitet, sieht das verhältnis eben wieder anders aus.

skyliner
29.06.10, 19:21
Im Videotext des hessen Fernsehens steht heute, daß der Domturm im August (2010) wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Es stehen aktuell noch Restarbeiten i. H. v. ca. 190.000 € aus.

Das wird ein Spaß im August. Ich sehe schon ca. 100 DAF-ler vor dem DOM Schlange stehen...;)

Nun auch der entspr. FR-online Link dazu:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2799400_Hoch-hinauf-Domturm-ab-August-wieder-offen.html

Interessant hierzu noch, daß der Domturm nun satte 13 Jahre gesperrt war. Unfassbar lange Zeit und doppelt Grund zu Freude!!

RobertKWF
30.06.10, 01:29
Der Altstadt-Salon

Diese Diskussionen und Interpretationen haben ja teilweise schon etwas Bizarres. fnp-Artikel vom 29. Juni 2010, 09.15 Uhr, mit einem Bild von Michael Guntersdorf:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/modernisten-sind-in-der-mehrheit_rmn01.c.7887136.de.html

In dem fnp-Bericht wird nichts wirklich Neues verkündet und die Protagonisten geben das von Ihnen erwartete entsprechend von sich.
Jochem Jourdan z. B. ist noch nicht mal informiert, dass bereits eine Gestaltungsatzung existiert. Eine Gestaltungssatzung für die Rekonstruktionen hat meines Wissens auch noch niemand gefordert. Dass die potentiellen Neubauer für Füllbauten lieber keine Gestaltungssatzung hätten, ist auch klar und schon seit sehr sehr langer Zeit bekannt.

Der eigentliche Sinn dieser Veranstaltung bleibt weitgehend im Dunkeln. Was verspricht sich Michael Guntersdorf davon?
Warum dieser spezielle Hinweis von Michal Gunterdorf, dass diejenigen, die alte Häuser rekonstruieren wollen, inzwischen in der Minderheit seien?

Es wird ja Niemand ernsthaft auf die Idee kommen, Rekonstruktionen zugunsten von Neubauten zurückzustellen, nur weil sich eben eine gewisse Anzahl von Interessenten für "Neubauten" meldet. Dann könnte man das ganze Areal auch gleich z. B. dem BDA übergeben.

Und, wie hoch sind den nun die Subventionen (?), wobei ich davon ausgehe, das Neu- Füllbauten ganz bestimmt nicht subventioniert werden.
Ursprünglich sollten es vollmundig mal spärliche 100 Millionen sein, jetzt wird, zwischen 30 und 110 Millionen kolportiert. Was sollen diese Zahlenverwirrspiele bewirken?

Nachtrag:
Bericht der fr-online vom 30.06.2010 in gewohntem Stil zum gleichen Thema:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2800245_Diskussion-um-Frankfurter-Altstadt-Viele-Fragen-offen.html

Edwin Schwarz vermeldete auf der Veranstaltung "Tag für Tag größere Freude" beim Anblick, wie das Technische Rathaus allmählich verschwindet und verweist auf das Angebot, von etwa 30 Häusern auf 7000 Quadratmetern.
Jochem Jourdan rüttle am Fundament des Altstadt-Traums, schreibt die fr.

Kardinal
30.06.10, 08:29
Das Problem ist immer dasselbe. Die meisten Aussagen sind aus zumindest einem gewissen Zusammenhang herausgerissen.
Der Hinweis von Guntersdorf, daß es inzwischen mehr "Neubau"-Interessenten gibt, liegt einfach daran, daß er in der Diskussion danach gefragt wurde. Es wurde in dem Artikel ja auch nicht gesagt, daß die Aufteilung gerade gekippt ist, sondern man könnte auch den Eindruck haben, es sei eine deutliche Mehrheit. Ist aber nicht.

Zu den Berechnungen ist zu sagen, daß die Frage: "Ich will eine Altstadt, was kostet das denn?" einfach etwas ungenau ist (7000 m² Altstadt? geschnitten oder am Stück? Darf ich es Ihnen einpacken? Kommt noch was dazu?).
Bei der Zahl 30 Mio ist auch berücksichtigt, was man für eine notwendige Sanierung des Technischen Rathauses hätte ausgeben müssen und das gegen gerechnet.
Eigentlich sogar sinnvoll. Besonders bei den Stimmen, die immer wieder sagen, man soll doch lieber die bestehenden Denkmäler von dem Geld retten.
Nochmal: Von DEM Geld wird kein einziges Denkmal gerettet, selbst wenn komplett modern gebaut wird, denn das gibt es auch nicht umsonst, im Gegenteil. Und es soll keiner glauben, daß der Engel-Entwurf mit dieser exponierten Stelle nicht auch ausreichend Luxus-Schnickschnack begründet hätte, der die Kosten ebenso in die Höhe getrieben hätte.
Doch nun gibt es statt Sumpfeiche-Türen und großen automatisch öffnende Glaswände mit speziell teurem UV-Schutz eben einfache, manchmal aber auch an Konsolen und Profilen verzierte Holzrahmenhäuser, die ihre Klimatechnologie schon materialbedingt mitbringen und nicht auch noch kostenmäßig in Gewicht fallen (mit Begründung CO2-Reduzierung). Und wir verzichten außerdem auf eine 20 cm dicke, mit sinnlos viel Energie erstellte PUR-Dämmung, deren äußeren 10 cm nicht mal technisch sinn machen.

Guntersdorf hat mal an anderer Stelle gesagt, eigentlich hat schon aus wirtschaftlicher Sicht Frankfurt gar keine Alternative, als die Altstadt Kleinteilig mit Rekonstruktionen (wie viel auch immer) zu bauen.

jo.ker
10.07.10, 13:29
An dieser Stelle ein Hinweis der FNP (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/altstadt-ist-ein-sonntagsthema_rmn01.c.7932436.de.ht ml) auf den Debattierclub "SonntagsSalon", welcher am 01. August die Umgestaltung des Dom/Römer - Areals zum Thema hat. Außerdem wird die Frage beleuchtet, "ob der Abriss des Technischen Rathauses und die geplante Rekonstruktion von 15 historischen Altstadthäusern tatsächlich eine Perspektive oder eher ein Rückschritt für die Stadtentwicklung bedeutet."

Die Veranstaltung findet um 11:30 Uhr im Haus am Dom statt und richtet sich an alle Interessierten.

RobertKWF
14.07.10, 03:44
Der Altstadt-Salon

Der allseits ob seiner Museums und Ausstellungsleitung gelobte und geschätzte Max Hollein bekundet zwar im Artikel (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2841300_Atem-fuer-die-Schirn-Direktor-Hollein-aeussert-Bedenken.html) der fr-online vom 12.07.2010, dass er sich nicht in die Debatte um eine Rekonstruktion der Altstadt reinhängen werde, tut dies aber dessen ungeachtet gleich doch wieder. Allerdings im Artikel sehr unpräzise, was ja auch nicht anders geht, sonst müsst er ja einen Vorschlag unterbreiten und damit seine obige Aussage ganz unglaubwürdig machen.

Also beschränkt er sich zunächst nur auf die zu dichte Nähe von 3,50 Meter und ansonsten auf Zustimmung oder Ablehnung der Planungen.

Dabei bemüht er zuforderst die äußere Form der Schirn-Kusthalle ausgiebig, was ich in diesem Falle für äußerst unangebracht halte, auch wenn er dadurch unter Umständen den Bau des Stadthauses in dieser Form verhindern würde.

Warum:

● Die Schirn ist zunächst mal kein Museum mit einem bestimmten Thema, sondern "nur" eine so genannte "Kunsthalle" für wechselnde Ausstellungen und Events. Diese müssen sich nun mal den Gegebenheiten anpassen und nicht umgekehrt, was naturgemäß hier auch überhaupt nicht anders möglich ist.

● Eine Anpassung neu zu errichtender Gebäude in der Innenstadt/Altstadt an die Schirn-Kunsthalle halte ich für verfehlt. Alleine schon nach dem Geiste des Innenstadtkonzeptes ist die Zeit dieses unseligen Querriegels abgelaufen. Und, wer würde noch Geld für einen äußerlich schon lange sichtbaren Sanierungsstau bewilligen wollen? Wenn nicht schon diese Generation dazu in der Lage ist, dann wird spätestens die nächste Generation dieses städtebauliche Ärgerniss niederlegen.

● Über die Begriffe und Aussagen, "ästhetischen Reiz der Schirn", "ästhetische Dimension der Schirn", "der Schirn Luft zum Atmen lassen", "Der Entwurf beeinträchtige auch die Glasfassade des Ausstellungshauses", "man nehme der Schirn etwas von ihrer Transparenz", lässt sich trefflich streiten.
Mit diesen Meinungen gehört Max Hollein sicher nicht zu einer Mehrheit, eher wirkt das provozierend.

● Ein Verlust von Außenflächen erweise sich als Problem für ungewöhnliche Kunstaktionen, meint er, da z. B. die Performance-Aktionen bei "Playing the City" im vorigen Jahr auch direkt ins Freie gegangen wären.
Damit erscheinen die Argumente nun gänzlich als sehr bemüht zusammengesucht, zumal immer noch Freiflächen vorhanden sein werden.

Die Ausstellungsräume sind ja von Innen gesehen weitgehend Fensterlos. Was also sind die Beweggründe und Ziele von Max Hollein wirklich? Er sollte sich tatsächlich heraushalten, zumal die äußere Form und Gestaltung "seiner" Schirn-Kunsthalle nicht auch noch in sein Kompetenzfeld fallen sollte. Bei aller Wertschätzung zur Person, die Schirn-Kunsthalle als "Anrainer" ist nun mal die Stadt Frankfurt und nicht Max Hollein mit seinem Amt auf Zeit.

RobertKWF
14.07.10, 03:50
Neugestaltung Dom-Römer-Areal – Planungs- und Bau-Thread

Max Hollein, seit 12. Juli 2010 auch Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/max-hollein-traegt-jetzt-das-oesterreichische-ehrenkreuz_rmn01.c.7942107.de.html) , sieht den ästhetischen Reiz der Schirn-Kunsthalle durch das geplante Stadthaus gefährdet.

In seiner Eigenschaft als Direktor der Schirn gibt er zu bedenken, dass geplante Stadthaus könnte die Schirn-Kunsthalle beengen. Er geht davon aus, dass allein der Entwurf des Architekturbüros Kleihues + Kleihues in Frage komme, dass sei nicht gut für die Schirn. Seine Einwände habe er in einem Schreiben an den Aufsichtsrat der Schirn deutlich gemacht.

Artikel in der fr-online vom 12.07.2010:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/2841300_Atem-fuer-die-Schirn-Direktor-Hollein-aeussert-Bedenken.html

Zum ästhetischen Reiz der Schirn gehöre schließlich ihre Langgestrecktheit. Die Schirn würde durch den Verlust ihrer ästhetischen Dimension sicherlich an Bedeutung verlieren. Der Schirn-Kunsthalle müsse man Luft zum atmen lassen und er mahnt Sensibilität an.


Mehr dazu im Altstadt-Salon (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=267146&postcount=157)

Schmittchen
14.07.10, 20:36
Die Website (http://domroemer.de/) zum DomRömer-Projekt hat nun Inhalte bekommen. Nichts Neues offenbar, verschafft aber einen recht guten Überblick.

RobertKWF
22.07.10, 01:22
Der Altstadt-Salon

Was für ein merkwürdiges Konzept für die neue Altstadt, wenn das so gehandhabt würde wie im Artikel der fnp vom 21.07.2010 (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/altstadt-21-rekonstruktionen-moeglich_rmn01.c.7974727.de.html) angedroht. Ich halte es schlicht für skandalös, wenn man die möglichen Rekonstruktionen gegen die so genannten modernen Füllbauten quasi im Investorenwettbewerb antreten lassen würde.

Wenn die Wünsch überwiegender Interessenten für Füllbauten bevorzugt zu berücksichtigen wären, dann wäre es demnach wohl besser, überhaupt nicht zu rekonstruieren und insgesamt überhaupt nur Füllbauten zu errichten, anstatt sich über jedes neu hinzugekommene Altstadt-Haus zu freuen, dass rekonstruiert werden kann.

Dieses in der Presse dargestellte Gezerre wird langsam unerträglich und würde, wenn diese Darstellungen in dieser Art von der Dom-Römer GmbH rüberkämen, das Außenbild von Michael Gunterdorfs GmbH in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Wenn nun zumindest 21 Häuser originalgetreu wieder aufgebaut werden können, dann sollte man dies auch tunlichst bewerkstelligen und nur den "Rest" für Füllbauten freigeben. Wer legt eigentlich die genauen Kriterien, die eine Rekonstruktion gemäß Dom Römer GmbH ermöglichen, fest? Und warum können die Füllbauten nicht zumindest in der äußeren Form dem Vorkriegszustand entsprechen?

Käufer und Mieter für die neuen Ladengeschäfte und Wohnungen in dieser Lage werden sich so oder so auf jeden Fall einfinden.

Xalinai
22.07.10, 07:05
Die Realität hat das Projekt eingeholt nachdem Altstadt-Fundamentalisten und Träumer es erfolgreich auf den Weg gebracht haben.

Was erwartest Du denn, was ein investierender Unternehmer baut, der die Wahl hat, eine Rekonstruktion zu basteln, die bei geringerem Nutzwert höhere Bau- und Unterhaltskosten ergibt oder einen Neubau nach den Richtlinien der Gestaltungssatzung, der zumindest was den Grundriss angeht, freie Planung erlaubt?

Dass viele Leute, die dort jetzt bauen wollen, die Rekonstruktionen toll finden ist ja verständlich, aber die meisten wollen doch lieber von außen draufgucken, als drinnen leben und arbeiten zu müssen. So ein rekonstruiertes Nachbarhaus ist doch fein. Besonders dann, wenn es aufgrund seiner Konstruktion keinen wirtschaftlichen Betrieb eines Wettbewerbers erlaubt und mir trotzdem Kunden anlockt.

Und die Alternative, in einem nicht Reko-Bau zwischen zwei oder neben einer Rekonstruktion die Räume unterzubringen, die letztere überhaupt erst bewohnbar machen, (Fluchtwege, brandsichere Treppenhäuser, Aufzüge sowie die Voraussetzungen für Bäder, Toiletten und Küchen auf jeder Etage) erfordert auch einen Anteil nicht historischer Bauten. Und wenn es nur sichtbar macht, wo die Rekonstruktion aufhört und die Anforderungen der Gegenwart anfangen.

BTW: Mit der "äußeren Form des Vorkriegszustands" meinst Du hoffentlich nicht Beton-/Ziegel-/KS-Bauten mit falschem Fachwerk oder Schieferverkleidungen? Oder etwa doch Disneyland als Verzweiflungstat des Fundamentalisten?

RobertKWF
23.07.10, 03:13
Der Altstadt-Salon

^^
Deine üblichen Erläuterungen, was Investoren und Unternehmer wollen sind überflüssig und sogar mir schon bekannt. Dass es auf diesem Areal im Grunde darum auch nicht geht solltest Du mittlerweile schon bemerkt haben.
Genauso daneben, wie Deine weiteren unzutreffenden Behauptungen und Spekulationen, etwa in Bezug auf die Bewohnbarkeit, für die Füllbauten nun keineswegs erforderlich sind.
Verzweifelt wirken hier doch eher Deine Tiraden gegen den Wiederaufbau. Überlege mal selbstkritisch, wer hier tatsächlich den Fundamentalisten gibt!

Xalinai
23.07.10, 08:54
Deine Annahme, es ginge irgendwo nicht darum, dass sich eingesetztes Geld wieder rechnet ist die Basis aller weiteren falschen Erwartungen bezüglich dessen, was in Frankfurt (gerade in Frankfurt!) passiert.
Eine Rekonstruktion (mit) zu finanzieren ist eine Imageleistung der Beteiligten.

Ich habe von Dir noch keinen Vorschlag gesehen oder gehört, wie sich gegenwärtige Ansprüche an Wohnqualität, Sicherheit und Hygiene mit einer Vollrekonstruktion unter Einhaltung der originalen Grundrisse (zumindest zur Straßenseite) realisieren lassen.

Wenn wieder die Atmosphäre eines bewohnten Stadtteils dort aufkommen soll, dann müssen diese Häuser bewohnt werden können und das nicht nur von denen, die aus sentimentalen Gründen jedes Fleckchen "Altstadt" umarmen würden.

Rohne
23.07.10, 18:56
Du tust gerade so, als ob Rekonstruktionen nicht oder nur unter erheblichen Einschränkungen bewohnt werden könnten. Dann frag ich mich aber wie in den Städten deren Altstadt noch erhalten ist (zB in Limburg, um mal eine mit einer der Frankfurter Altstadt vergleichbare heranzuziehen) gewohnt werden kann...
Natürlich hat man bei völliger Neuplanung der Gebäude größere Freiheiten, aber dafür geht auch enorm viel Atmosphäre (auch im Innenraum, vom Stadtbild mal ganz zu schweigen) verloren.

RobertKWF
24.07.10, 02:14
Der Altstadt-Salon

@Xalinai #162 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=267881&postcount=162)
Die bisherigen Antworten sollten eigentlich ausreichen. Für Dich ganz persönlich bringe ich aber (aus dem Gedächtnis, ohne Haftung und ohne Anspruch auf Vollständigkeit) noch mal einige Dinge beispielhaft zur Erinnerung. Das werde ich nicht immer für Dich tun. Alle anderen werden diesen Beitrag ignorieren können.

Offenbar verfolgst Du noch nicht einmal die Beiträge in den entsprechenden Strängen, was ich auch nicht verlangen kann, ignorierst damit aber wieder mit Deinen Einwürfen das alleine hier im DAF schon zum wiederholten male Geschriebene und Dokumentierte und gleitest so nebenbei noch ins polemische ab.

● Die potentiellen Investorenwünsche für Neubauten wurden ja bereits vom BDA massiv vertreten, sind aber hier in der Kern-Altstadt so nicht gewünscht. Im Übrigen gibt es im Stadtgebiet für diese ausreichend Möglichkeiten modern und mit "zeitgemäßem Komfort" zu bauen. Dass muss nicht ausgerechnet auf diesem Areal sein. Für Leute mit Deinen Ansprüchen gibt es zum Beispiel am östlichen und westlichen Mainufer schöne moderne Wohnungen, dann im neuen Westviertel und am Rebstock sowie beispielsweise noch am Riedberg prominente neue Baugebiete. So wie ich es sehe, wird es selbst in der Innenstadt demnächst wieder neue Möglichkeiten für Wohnungsbau geben. Hier und da gibt es ja manchmal Wohnungsbau in der Innenstadt, aber das wird ohne Sozialzuschlag kaum billiger werden als in den Rekonstruktionen. Natürlich sind wegen der zu erzielenden hohen Kauf- und Mietpreise die Investoren und der BDA so scharf auf die Innenstadtlagen.

● Auf dem Altstadt-Areal sollen so viele Häuser originalgetreu wiederaufgebaut werden wie möglich. Dafür waren ursprünglich ca. 100 Millionen (Subventionen) angesetzt. Unter diesem Aspekt war das Projekt nicht mehr vorrangig als Investorenprojekt zu sehen, sondern in erster Linie zur Wiedererrichtung einer kleinteiligen Altstadt. Zum Ausgleich kommen ja immerhin Investorengelder, Mieten und Erbpacht dazu.
Auch wenn sich das eingesetzte Geld zunächst nicht rechnen würde, so geht es hier ja zuvorderst um einen Gewinn für die Stadt durch eine attraktive Altstadt im Allgemeinen mit all seinen positiven Folgewirkungen.

● Das mit der "Imageleistung" ist wieder mal eine Deiner zu kurz gedachten und üblichen Pauschalisierungen ohne annähernde Kenntnisse über die Reko-Interessenten und deren Motive. Die verschiedenen Gründe sind viel differenzierter. Im Übrigen kommt es darauf an, an welcher Stelle, zu welcher Zeit und mit welchem Ziel man im Altstadtprojekt mit dem Rechnen ansetzt und abschließt.

● Wie zu rekonstruierende Altstadthäuser für heutige Ansprüche gebaut werden können, wurde zum Beispiel im Altstadt-Forum mit Dominik Mangelmann aufgezeigt. Als Nichtarchitekt muss ich mich damit nicht hervortun. Im Übrigen gibt es in Frankfurt auch noch die Römerberg-Ostzeile zur Anschauung, gerade um die Ecke. In Deutschland werden das auch nicht die einzigen Rekonstruktionen sein, die gerne bewohnt werden. Die bereits vorgesehenen Rekonstruktionen werden schon dementsprechend ausgestattet, verlass Dich drauf. Ich bin zwar kein Architekt, sehe aber die Möglichkeiten aus meiner Erfahrung heraus. Du aber mit Deinem Anspruch müsstest allerdings besser wissen als hier dargestellt, wie man solche Wohnungen komfortabel und bewohnbar baut. Im jeweils rückwärtigen Teil gibt es ja auch noch Möglichkeiten für Anbauten. Füllbauten an der Straßenflucht sind dafür nicht erforderlich. Die Bauherren der Füllbauten werden keine Treppenhäuser oder Aufzüge für die Rekos in ihren Häusern zur Verfügung stellen müssen.

Nun steht es Dir natürlich weiterhin frei, die gegebenen Möglichkeiten zu ignorieren und mit Deinen behaupteten Fakten dagegen zu argumentieren

Xalinai
24.07.10, 20:04
@RobertKWF: Merkst Du eigentlich noch, dass ich hier schon lange nichts mehr "fordere" sondern mühsam versuche Dir zu erklären, warum das geschieht, was Du beobachtest und beklagst?

Du bist es doch, der sich darüber wundert, dass das was im Altstadt-Bereich tatsächlich gebaut werden wird wohl etwas anderes wird, als Du und andere es sich erträumt haben. Ich schreibe hier doch nur ein "Das passiert weil..."

Der Gewinn der Stadt durch die attraktive Altstadt ist einerseits auch ein Wunschtraum, andererseits ist es immer wieder eine Frage, wie man beim Bau das Optimum zwischen Nutzwert, Subventionsmaximum und historischem Anspruch finden wird - auch da wette ich, dass das Ergebnis Dir nicht gefallen wird.

@Rohne:
Es mag ja sein, dass man vieles bauen kann - ich kenne Mangelmanns Vortrag - und es ist auch so, dass für Bestandsbauten in echten historischen Altstädten wie Limburg, Seligenstadt oder Aschaffenburg andere Regeln gelten als für Neubauten. Aber hier handelt es sich um Neubauten - wie viel man da der historischen Anmutung opfert wird sich zeigen, sobald die Pläne konkreter werden.

Ich kenne leider auch die Einschränkungen, die man bei erhaltenen Altbauten (Seligenstädter Altstadt) in Kauf nehmen muss und die gewöhnlich mit Mietpreisen einher gehen, bei denen nicht selbstnutzende Erbauer von Rekonstruktionen in der Frankfurter Altstadt die Baupläne zum Anheizen des Kamins verwenden würden.

RobertKWF
25.07.10, 02:22
Der Altstadt-Salon

Man sollte bitteschön nicht so tun, als sei es eine Art Tierquälerei, in Altbauten oder wie hier in originalgetreu Wiederaufgebauten Altstadthäusern (Rekos) zu wohnen.

In Altbauten auf Frankfurter Stadtgebiet z. B. wohnen mittlerweile in den allermeisten Fällen (freiwillig) neu eingezogene Menschen die nicht den Erbauern, ursprünglichen Besitzern oder deren Nachkommenschaft zuzurechnen sind, also nicht aus Traditionsgründen da wohnen.

Zwar sind die Gründe auch unterschiedlich, aber gewiss wurde von einem Teil bewusst ein Altbau auch aus Sympathie-Gründen gewählt.

Mittlerweile wurden diese Wohnungen, wo nicht vorhanden, mit Toiletten und Bädern im Wohnungsbereich ausgestattet, Aufzüge hier und da, Etagen- oder Zentralheizungen, Komfort in allen Abstufungen und Preislagen. Abweichungen davon gibt es allerdings auch noch.

Persönlich kenne ich Verhältnisse, wo z. B. Personen weit über 70 Jahre alt, oben in vier oder fünfstöckigen Abbau-Wohnungen ohne Aufzug leben und diese Wohnungen auch gar nicht aufgeben wollen.

Das bedeutet, es gibt genügend Interessenten für solche Häuser um diese nicht abreißen zu müssen. Im Gegenteil, sie werden geschützt, saniert und restauriert, teils auch subventioniert oder unter Denkmalschutz gestellt.

Ähnliches gilt für rekonstruierte Häuser, die sogar technisch noch zeitgemäßer ausgestattet werden können, was einige bevorzugen und anderen schon wieder zu weit geht. Auch ist es keineswegs so - was auch auf die allermeisten modernen Wohnungen zutrifft - dass die neuen Altstadt-Wohnungen die Ansprüche von Jedem und Jedermann gleichermaßen erfüllen müssten. Für die verhältnismäßig wenigen Wohnungen in rekonstruierten Häusern die es gibt/geben wird, zumal in Innenstadtlage, wird es also weiterhin und auf Dauer mehr als genug Nachfrage geben, auch wenn es vielleicht in einer Momentaufnahme einmal nicht übermäßig erscheinen mag. Die Kauf- und Mietpreise werden sich wie üblich nach Angebot und Nachfrage einpendeln.

Aus diesen und ähnlichen Gründen ist eine Debatte über die Möglichkeiten von zeitgemäßem Wohnwert, Nutzwert, Ausstattung etc. von rekonstruierten Altstadt-Häusern ein rein theoretisches Ding, ohne wirklich entscheidende praktische Bedeutung für das Vorhaben.

OllaPeta
27.07.10, 22:35
Ein bemerkenswerter Artikel der FAZ (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~ED155692359964B90B77F7AE2FDA996 A4~ATpl~Ecommon~Scontent.html) über das Viertel am Goethehaus. Die Straßen "Am Salzhaus", "Hirschgraben" und "Weißadlergasse" werden als beispielhaft genannt für eine künftige Altstadtbebauung. Wie der Verfasser sinngemäß schreibt, hätten zynischerweise in diesem Bereich gerade die Häuser der NS-Zeit, denen im Zuge der "Altstadtgesundung" dort die alte Bebauung zum Opfer fiel, den Krieg nahezu unversehrt überstanden und seien aber gerade heute dafür verantwortlich, dass ein wenig Altstadtflair übrig geblieben sei. Die Dort kürzlich getätigten Sanierungen, beispielsweise des Parkhauses und des ehemaligen westlichen Eckhauses der Eckermannstraße seien positiv hervorzuheben.

RobertKWF
30.07.10, 02:15
Der Altstadt-Salon

Auch Dieter Bartetzko, in seiner derzeitigen temporären Funktion als Mitglied des Gestaltungsbeirates ohne Stimmrecht, mit Nachhall für viele Jahre, wird nicht daran vorbeikommen, am Ende der Bauzeit als kritisch betrachtete Figur im Täterszenario abgebildet zu bleiben.

Nun hat er wieder einen seiner bemerkenswerten Artikel in der FAZ.NET vom 27. Juli 2010 (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc%7EED155692359964B90B77F7AE2FDA9 96A4%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.ht ml) veröffentlicht, der deutlich seine Problemstellung erkennen lässt und mit was er im Einverständnis beim Dom-Römer Projekt leben muss.

Oberflächlich gut gesehen und skizziert hat er ein baulich kurioses Stadtviertel in der Innenstadt, dass erst durch seine recht junge Kneipen- und Restaurant-Szene ins Blickfeld gekommen ist, abgesehen mal vom Goethehaus und dem Volkstheater. Zwar gab es dort immer schon Lokale, aber der richtige Boom ist relativ neu und wird sich noch etwas weiter entwickeln. Allerdings sind die Möglichkeiten noch begrenzt.

Baulich ist das ganze ein Desaster aus spärlichen Vorkriegsresten, Nachkriegssünden und krampfhaften Versuchen zur Aufhübschung neueren Datums sowie der frühen Hinwendung zur autogerechten Innenstadt.

Ausgehend von der Entwicklung um das Parkhaus Hauptwache herum (liegt überhaupt nicht an der Hauptwache), hat sich die Gastronomie dort wuchernd nach Südwesten hin zwischen spärlich schon vorhanden Lokalen ausgedehnt. So hat sich quasi über Nacht in einem Nonsensviertel der beliebteste und belebteste Gastronomiebereich der Innenstadt mit Szenecharakter entwickelt, ganz anders geartet als z. B. an der Fressgass.

Eingerahmt oder begrenzt wird das Areal von den nordöstlichen Ausläufer-Gastro's am Friedrich-Stoltze-Platz um das Parkhaus herum mit dem alten Helium, dessen Zeiten als Original schon vergangen sind. Dann runter zum Kleiner Hirschgraben, Großer Hirschgraben und dazwischen Weissadlergasse bis östlich zum Kornmarkt, südlich bis zur Berliner Straße wo das Gebiet brutal begrenzt wird. Die mutigen Versuche, auch dort mit Gastronomie zu Punkten, werden vorerst noch scheitern müssen.

Ursprünglich begünstigt wurde der Trennt dadurch, dass am und um das Parkhaus Hauptwache und am alten unteren Parkhaus über dem Kleinen Hirschgraben kaum Wohnungen lagen so dass die Außengastro ungestört toben konnte. So spielt sich das Ganze auch überwiegend außen in der warmen Jahreszeit ab. Im Winter wird's da wieder wesentlich beschaulicher. Dann tritt auch das unschöne Gebäudeszenario wieder deutlicher hervor.

Einzig durch die kleinteilige Struktur der Erdgeschosse ohne Wohnungen konnte sich hier die "Intimität" und lebendige Urbanität für Einzelhandel und Gastronomie durchsetzen.

Anders als Dieter Bartetzko, sehe ich die Parkhausarchitektur dort als die prägenden, stilbildenden Elemente, wobei mir das Parkhaus Hauptwache mit seiner ruhigen, roten Backsteinfassade in dieser Lage und Umgebung heute durchaus nicht mehr krass missfällt.

Für dieses Viertel und Umbauten im Bestand können die Ausführungen von Dieter Bartetzko als einigermaßen zutreffend, wegweisend und hilfreich angesehen werden. Die Abrisskolonnen müssen hier nicht morgen schon anrücken, es sei denn für die Parkhäuser. Als Alibibeispiel aber für die geplanten unseligen Füllbauten auf dem Dom-Römer-Areal etwa, kann dieses Gebiet nicht gelten.

Wikos
30.07.10, 10:05
So richtig die Kurve zum Altstadtquartier bekommt Bartetzko in seinem Artikel nicht. Auf dem Altstadtareal ist auch eine völlig andere Struktur. Hier gibt es keine Bauten aus der Nachkriegsepoche (außer der Schirn), die sich mit Altstadtbauten zu einem harmonischen Ganzen mischen könnten.

Xalinai
02.08.10, 07:28
Die FAZ schreibt am Samstag zur Altstadtbebauung und zu den Motiven der Interessenten, die dort eine Nicht-Rekonstruktion bauen wollen.
Grundtenor ist, dass diesen Interessenten das Verhältnis zwischen den Kosten des rekonstruierten Gebäudes (mit bis zu 5000€/m² anderthalb mal so hoch wie für das moderne Gebäude) zum Nutzen (hier insbesondere begrenzte Wohnungsgrößen) nicht gefällt.
Offensichtlich sei, dass man lieber auf malerische Rekonstruktionen schaue als darin zu sitzen - das kommt mir irgendwie bekannt vor.

RMA
02.08.10, 13:02
Nö, das ist genau das, was hier immer gesagt wird, du aber nicht glauben willst. Qualitatives, traditionelles Bauen ist eben doch möglich (genau das hast du ja wiederholt als Unmöglichkeit dargestellt), aber hat halt seinen Preis. Es ist eher entlarvend, dass die modernen, schamlos auf Funktionalität reduzierten Bauten billiger daherkommen – wen wundert das?

Schmittchen
02.08.10, 13:23
Noch sind Anmeldungen für Rekonstruktionen möglich. Handeln statt Gegreine!

Xalinai
02.08.10, 22:08
Nö, das ist genau das, was hier immer gesagt wird, du aber nicht glauben willst. Qualitatives, traditionelles Bauen ist eben doch möglich (genau das hast du ja wiederholt als Unmöglichkeit dargestellt), aber hat halt seinen Preis. Es ist eher entlarvend, dass die modernen, schamlos auf Funktionalität reduzierten Bauten billiger daherkommen – wen wundert das?

Ok, wenn eine Rekonstruktion, die, nach Aussagen der Reko-Befürworter, hier in Frankfurt "extrem günstig" gebaut werden kann - für nur noch 600T€ für sechs Etagen auf einem 40m² Grundstück, einem potentiellen Bauherrn zu teuer ist, und sich dann herausstellt, dass man nicht nur mit 3333€/m² sondern bis zu 5000€/m" rechnen muss, dann bin ich halt widerlegt. Komische Mathematik.

Und wenn man dann - im Rahmen der geltenden Gestaltungssatzung, bitteschön! - ein Gebäude bauen kann, das nicht nur besser nutzbar ist, geringere Unterhaltskosten hat, sich, durch unauffällige Gestaltung, zwischen die Rekonstruktionen einpasst und dazu nur zwei Drittel kostet, dann ist das ein "schamlos auf Funktionalität reduzierter Bau"?

Schamlos wohl nur, weil man sich dafür nicht zu schämen braucht - im Gegensatz zu denen, die gerne mit dem Geld Anderer Voll- und Zwangsrekonstuktionen dort hin stellen würden, die keiner (ge-)brauchen kann. Schmittchens Vorschlag ist echt gut - bewirb dich. Das ist zwar eine langfristige Bindung, aber über die nächsten dreißig Jahre sicher gut abzuzahlen. Baukredite sind gerade günstig, bei Vollfinanzierung der 600T€ bist Du mit unter 3000€ monatlicher Belastung bei 170m² Wohnfläche auf sechs Etagen dabei. Die Treppenbenutzung wird Dich fit halten, denn anders als in der Hunzinger-Hütte wird die Rekonstruktion keinen Aufzug haben. Und dazu das gute Gefühl, endlich einmal "Das Richtige" gemacht zu haben.

Miguel
03.08.10, 18:35
Ich würde Rekonstruktionen in der Altstadt als meritorische Güter (http://de.wikipedia.org/wiki/Meritorisches_Gut) ansehen (--> siehe Abschnitt "Externe Effekte" mit dem Beispiel von denkmalgeschützten Fassaden), weil offensichtlich die große Mehrheit der Bevölkerung sich solche originalen Rekonstruktionen an diesem Ort wünscht. Da aber die höheren Kosten von rekonstruierten Fachwerkhäusern im Vergleich zu modernen Gebäuden für einzelne Bauherrn laut dem FAZ-Bericht der Grund waren, lieber doch "neu" bauen zu wollen, liegt mit einem rekonstruierten Gebäude wohl ein Gut vor, bei dem das gesellschaftlich gewünschte Ausmaß der Nachfrage (also ein möglichst vollständig rekonstruiertes Altstadtquartier, sprich hohe Nachfrage nach diesen Gebäuden durch einzelne Investoren) größer ist als die tatsächliche Nachfrage (also der Wille zur Investition) von Einzelnen.

Das rechtfertigt den Einsatz von Staatsgeld, obwohl ich kein Freund von Subventionen bin. In diesem Fall würde aber das einmal investierte Steuergeld aller in Form einer höheren Attraktivität der gesamten Stadt durch zusätzliche und/oder längere Aufenthalte von Touristen über Jahrzehnte hinweg langfristig wieder in den Staatssäckel zurückfließen. Insofern wäre es kein Sündenfall gewesen, wenn man hier auf eine bessere Nutzbarkeit von modernen Gebäuden verzichtet hätte und Investitionen in zusätzliche Rekonstruktionen unterstützt hätte.

Aber es ist doch schön, dass jetzt auch so viel mehr Rekonstruktionen geplant sind als ursprünglich gedacht, was der Ensemblewirkung sicher zugute kommen wird. Ich bin auf die ersten Entwürfe der Neubauten gespannt!

RobertKWF
04.08.10, 02:23
Der Altstadt-Salon

Das habe ich von einem Stadtverordneten in einer Sitzung des Dom-Römer-Ausschusses auch schon gehört. Ein kritischer Bürger und Befürworter des Wiederaufbaus wurde flapsig aufgefordert sich doch bitteschön bei Herrn Guntersdorf als Bewerber einzuschreiben.

Grundsätzlich bin ich auch für mehr Werbung, damit sich mehr potentielle Interessenten für wieder aufzubauende Altstadthäuser einschreiben lassen. Unseriös finde ich aber den Wettbewerbsdruck, wenn man das Angebot der Füllbauten gegen die möglichen Rekonstruktionen auszuspielen versucht.

Ich rufe in Erinnerung, das nach längerem Gezerre gesagt wurde, auf dem Areal so viele Altstadthäuser wie möglich wieder aufzubauen und dass es nicht mehr vorrangig darum geht nur ein Stadtviertel für Wohnungsbau einzurichten. Vor diesem Hintergrund sind die Subventionen gedacht und zu verstehen.

Die Stadt selbst (inkl. Politik natürlich) hat sich möglicherweise (und unverständlicherweise) schon festgelegt, welche Häuser in Stadt-Regie rekonstruiert werden sollen und welche nur, wenn sich Investoren finden. Mittlerweile wurden insgesamt 21 Häuser als rekonstruierbar ausgemacht. Nun ist es die verdammte Schuldigkeit der Stadt dafür zu sorgen, dass auch diese 21 Häuser originalgetreu wieder aufgebaut werden, wenn nötig weiter in Eigenregie, sonst würde dem Sinn dieses Vorhabens und der Stadt leichtfertig und dauerhaft schwerer Schaden zugefügt. Einer angemessenen Vermarktung auch nach dem Wiederaufbau noch steht ja überhaupt nichts im Wege.

Miguel hat es mit seinem Hinweis bezüglich "dem Geld Anderer" sicher ausreichend beleuchtet. So schämt man sich nicht damit schamlos gegen die Rekonstruktionen zu argumentieren. Wenn man sich auf dem betreffenden Areal umschaut, so findet man einige Gebäude, die mit "dem Geld Anderer" bereits schon errichtet wurden und teils schon wieder mit "dem Geld Anderer" abgerissen werden müssen. Ein weiterer geplanter Neubau (Stadthaus) soll ebenfalls wieder mit "dem Geld Anderer" errichtet werden. Das wird von den Gegnern natürlich nicht erwähnt oder gar moniert.

Wenn ich es richtig verstanden habe, so wird auch das Gelände zum Bau der Füllbauten von "dem Geld Anderer" für das Projekt hergerichtet, eventuell wird sogar für die Füllbauten der Erbbauzins noch günstig ausfallen (wegen der Einschränkungen durch die Gestaltungssatzung vielleicht). Gegen Subventionen für die Füllbauten hatte ich mich ja schon ausgesprochen. Ob das in der Realität und unter dem Strich dann auch so sein wird, steht wahrlich auf einem anderen Blatt.

Schmittchen
04.08.10, 09:48
Für welches Haus hast du dich denn bei der Dom-Römer-Gesellschaft registrieren lassen, Robert? Doch nicht auch für eines der Gebäude an der Westseite des Hühnermarkts, hoffe ich. Die offenbar alle wollen, wahrscheinlich deswegen, weil es Steinhäuser mit vergleichsweise großer Grundfläche und auskömmlichen Geschosshöhen sind.

Gerade bei dir, Robert, kann ich es mir nun gar nicht vorstellen, dass du die Initiative anderen überlässt. Der Frau Christensen und den Herren Possmann und Albrecht beispielsweise. Und dich auf das Formulieren von länglichen Schwadronagen beschränkst, ständig auf der Suche nach einem Komplott der "Modernisten". Oder gar mit der billigsten aller billigen Ausflüchte daherkommst, das müsse "der Staat" dann eben alles machen. Das wäre doch auch allzu einfach, bequem hinter der Tastatur die alles durchschauende Koryphäe zu geben, statt von Termin zu Termin zwischen Bank und Dom-Römer-Gesellschaft zu eilen. Sollte ich mich etwa getäuscht haben?

RobertKWF
06.08.10, 03:26
Der Altstadt-Salon

Im Internetauftritt zum DomRömer Projekt werden schöne und informative Pressebilder (in den Dateigrößen von ca. 200-300 KB und ca. 2-4 MB) zu drei Ereignissen gezeigt:
http://domroemer.de/yeager/v3.php/page/9/61/

Baggerbiss - 02.05.2010
Mit Petra Roth, M. Gunterdorf, U. Becker und auch dem Klaa Rölfche.

Technisches Rathaus (vor dem Abbruch)
Gezeigt werden melancholische Bilder auch aus dem (leeren) Inneren des Gebäudes.

Frankfurter Altstadt – Veranstaltung IHK - 28.06.2010
Atmosphärische Bilder der Teilnehmer der Podiumsdiskussion,

Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main,
Stadtrat Edwin Schwarz,
Prof. Dr. Dr. h.c. Durth, Architekturhistoriker der TU Darmstadt,
Prof. A. C. Scheiblauer, Städtebauprofessorin an der FH Frankfurt,
Prof. Jochem Jourdan, Geschäftsführer Jourdan & Müller PAS,
Dierk Hausmann, stv. Leiter Stadtplanungsamt Frankfurt,
Michael Guntersdorf, Geschäftsführer DomRömer GmbH

sowie diverser Fragesteller aus dem Publikum in der Frage- und Diskussionsrunde. Einige erkennen hier sicher auch noch das eine oder andere bekannte Gesicht im Publikum.

Rohne
06.08.10, 19:59
Was mich halt ziemlich stört ist, dass das Ganze ziemlich undurchsichtig geworden ist.
Ursprünglich wurde der Eindruck erweckt dass für jede Parzelle einzeln mindestens zwei Entwürfe vorzulegen wären, wenn dabei die Rekonstruktion mit dabei ist, erhält diese per se den Vorzug. Nach den letzten Zeitungsartikeln erhält man dagegen den Eindruck dass einigen Investoren (die Zahl an Rekonstruktionen Interessierter war mal bedeutend größer) der Reko-Wunsch regelrecht ausgeredet wurde. Wenn Guntersdorf meint, dass einige sich umentschieden haben, nachdem sie gehört haben dass die Neubauten ja "auch ganz ansehnlich werden" schrillen bei mir die Alarmglocken. Es steht doch überhaupt noch nicht fest was für Entwürfe für die Neubauten kommen werden.
Zudem sieht das ja nicht so aus, als ob die Investoren dabei selbst noch großartiges Mitbestimmungsrecht hätten, sondern dass die Architekten wie bei normalen öffentlichen Ausschreibungen sich selbst was ausdenken sollen. Der Beirat entscheidet dann welcher Entwurf umgesetzt wird und die Investoren müssen das dann so umsetzen. Da wird so mancher wohl noch arg enttäuscht werden, wenn dann Entwürfe umgesetzt werden sollen, die zwar die atzung einhalten, ansonsten aber keineswegs das sind was so mancher ursprünglich rekonstruktionswillige Investor sich vorgestellt hat...
Ebenfalls stößt sehr sauer auf, dass wegen der unklaren Zukunft der Überbauung des Archäologischen Gartens ganz offensichtlich die Nachfrage für Rekonstruktionen an der Südseite des Markts künstlich nach unten gedrückt wurde. Im Gegenzug sollte der gewinnende Stadthaus-Entwurf dann aber auch mindestens die Fassadenrekonstruktion der gesamten Häuserzeile vorsehen, so wie es beim zweiten oder dritten Platz der ersten Wettbewerbsphase bereits der Fall war.

Die 21 von Guntersdorf vorgeschlagenen Rekonstruktionen sollten allesamt auch umgesetzt werden. Allerhöchstens auf die Rekonstruktion der beiden Gebäude an der Braubachstraße könnte zur Not verzichtet werden. Der Rest ist mindestens als Fassaden- besser aber als Komplettrekonstruktion so ziemlich das Minimum das gebraucht wird, wobei die Gotik, die dort eigentlich der vorherrschende Baustil war, auch dann immer noch deutlich unterrepräsentiert wäre. Zusätzlich nötig sind noch die Häuser zu den 3 Römern und Mohrenkopf anstelle des Kunstvereins und anstelle des Schirn-Tisches die beiden südlichen Nachbarn des Roten Hauses.

RobertKWF
09.09.10, 02:52
Der Altstadt-Salon

Unter dem Titel "Entkrampfung für die Altstadtdebatte", berichtet Matthias Alexander in einem lesenswerten Artikel in der faz.net vom 08. September 2010, von einer Ausstellung in München, die sich mit der Geschichte von Rekonstruktionen beschäftigt:
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EBC1B5BFE60D54052BBDC4EBB6D2A23 8E~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc%7EEBC1B5BFE60D54052BBDC4EBB6D2A 238E%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.ht ml)

Eine materialreiche Schau in der Pinakothek der Moderne, heißt es.

Vielfältige Beispiele und Gesichtspunkte werden präsentiert und wieder in Erinnerung gerufen, mit Beispielen aus Jahrtausenden, deren Konsum auch den eingeschliffenen Gegnern zu mehr Gelassenheit verhelfen könnte.

Die Zahl der Beispiele für Rekonstruktionen sei überwältigend. Zu allen Zeiten wurde Zerstörtes und Zerfallenes wiederhergestellt. Bereits in der Antike wurden Tempel wieder aufgebaut. Ausgestellt sind viele Beispiele die zu denken geben. Der Abscheu, mit dem Einzelne auf Rekonstruktionsideen reagieren, könnte beim Blick auf die Ausstellungsvielfalt durchaus einem gesunden Pragmatismus weichen.

Ein weiteres Thema dort ist, wie genau müssen z. B. detaillierte und zuverlässige Pläne überhaupt vorliegen und inwieweit sind Anpassungen an moderne Komfortbedürfnisse zulässig, bis hin zu Veränderungen bei der Fassadengestaltung, oder auch das Thema der Nutzungsart etwa.

Zum Schluss hin kommt er zu den Fragen und Antworten die sich aus der Schau ergeben und die für das Projekt der Frankfurter Altstadt von Nutzen sein könnten. Frankfurt wird aber seine eigene Debatte weiterführen müssen, so sein Resümee und er empfiehlt die Reise nach München, eben als Beitrag zur Entkrampfung.

Matthias Alexander ist hier wieder Berichterstatter, Kommentator und Moderator zum Wiederaufbau der Altstadt, ersetzt aber nicht ganz den vermissten Dieter Bartetzko, der ja zur Zeit im Gestaltungsbeirat befangen ist, mit seinen eher architekturkritischen Ansätzen und Beschreibungen.

___________________________________ ___________________________________ __________________
Als Bonus noch ein alter, dazu passender faz-Artikel vom 09. April 2007, "Vergisst Frankfurt seine Geschichte":
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EE276E6EDE061474DB5A25CA395711B D7~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc%7EEE276E6EDE061474DB5A25CA39571 1BD7%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.ht ml)
.

merlinammain
09.09.10, 19:12
Zu der Auffassung, dass rekonstruierte Häuser nicht wirtschaftlich wären bzw. keine ausreichende Nachfrage hierfür bestehen würde:

Dem muss ich ganz klar widersprechen. Es gibt viele Städte mit Altstädten, die vorwiegend aus Fachwerkhäusern bestehen und wo diese Häuser mit am begehrtesten und deshalb teuer (sowohl Kauf, als auch Vermietung) sind.

z.B. sind in der Tübinger Altstadt die Mietwohnungen stadtweit mit am teuersten. Das liegt auch daran, dass auch im Umland Tübingens es viele Interessenten für derartige Immobilien gibt, diese Immobilien aber dort nicht ausreichend vorhanden sind!
Übrigens sind die Mietpreise in Tübingen vergleichbar mit denen Frankfurts (im Schnitt glaube ich sogar höher) und das, obwohl sie in erster Linie eine Uni-/Studentenstadt ist und nicht so viele (auch in relativer Hinsicht) Gutverdiener hat wie Frankfurt. Weshalb man wiederum darauf schließen kann, dass solche Häuser aufgrund ihrer Eigenart beliebter sind als andere.

Und zu mangelndem Komfort: Das ist Quatsch, auch Fachwerkhäuser sind sehr beliebt, gerade aufgrund ihrer Eigenart (Schnitt, Deckenhöhe etc), die von vielen nicht als Komfortmangel gesehen werden.

Nun könnte man einwenden, dass solche Städte nicht mit FFM verglichen werden können, weil die Frankfurter Altstadt momentan eher als ein Witz im Vergleich zu diesen Altstädten erscheint. Das trifft mMn zwar für den Ist-Zustand zu, aber nach Beendigung des Altstadtprojekts (mit einem hohen Anteil an Rekos) wohl nicht mehr, denn dann könnte man wirklich von einer Altstadt in FFM sprechen, denn dann hätte man eine kritische Masse erreicht, die auch zu einer erhöhten Nachfrage führen würde (zudem ist der Standort von Vorteil: mitten in der Stadt und trotzdem ruhig gelegen, wenn man mal von Großverantsaltungen absieht).
Von einer mangelnden Nachfrage nach Beendigung (!!!) des Projekts sollte & kann man deshalb nicht ausgehen.

Ausserdem: Frankfurt ist eine Stadt der Zugezogenen (sicherlich kommt die/der eine oder andere aus einer Fachwerkstadt) und groß genug um eine entsprechende Nachfrage zu generieren.

jo.ker
10.09.10, 00:32
^ Ich denke, dass Du mit Deinen Ausführungen weitgehend richtig liegst, merlinammain. Selbst wenn man alle Häuser des hier betrachteten Altstadt-Areals rekonstruieren würde, mit im Vergleich zu einem nicht rekonstruierten Haus natürlich höheren Kosten und eingeschränkter Nutzbarkeit: Das "kriegt man vermietet", um es mal so zu formulieren. Was sind die drei wichtigsten Kriterien bei jeder Immobilie? 1. die Lage, 2. die Lage und natürlich 3. die Lage. Und die wäre im Falle eines rekonstruierten Altstadthauses eben 1a. In einer Stadt wie Frankfurt am Main würde das bestimmt angenommen, und zwar in ausreichender Zahl, zumindest nach meinem Dafürhalten.

Nach nochmaligem Durchlesen insbes. einiger der letzten Beiträge dieses Stranges möchte ich übrigens doch anmerken, dass man sehr wohl für eine komplette Rekonstruktion sämtlicher Gebäude eintreten kann, ohne sich dem Vorwurf/der Frage aussetzen zu müssen, warum man denn selbst kein Haus original rekonstruiert. Wenn man bedenkt, wie universell sich eine Replik dieser Art einsetzen ließe ("An dieser Stelle wäre für die Ensemble-Wirkung ein höheres Gebäude besser gewesen." - "Warum kaufst Du dann nicht das Grundstück und baust selbst ein Hochhaus?" oder "Langweilige Kistenarchitektur, der Neubau." - "Warum kaufst Du ihn nicht und setzt ein Giebeldach drauf?"), sollten wir uns diese Art der Diskussionsführung besser nicht zu eigen machen.

Schmittchen
10.09.10, 00:41
Ungeachtet eurer blumigen Prognosen wollen dem Vernehmen nach aber nur wenige der Interessenten rekonstruieren. Und nun?

merlinammain
10.09.10, 01:09
Ja, das ist ein Problem, kaum zu überwinden und schade :(

Aber das ist ein Forum hier und deshalb habe ich zu diesem Punkt mal Stellung genommen ... auch wenn meine & die Wünsche vieler anderer wohl nicht in zufriedenstellender Weise erfüllt werden. So realistisch bin ich.

Also ich hoffe sehr, dass es dennoch dazu kommen wird, dass eine stattliche Zahl originalgetreu (wenn's nicht anders geht, dann doch zumindest fassadengetreu/äusserlich) wieder aufgebaut wird.
Ich habe ausserdem die - zugegeben unrealistische - Hoffnung, dass es für einige Rekos reicht, und dass diese Häuser dann so gut von der Bürgern und Touris angenommen werden, dass die benachbarten modernen Neubauten, die statt der Rekos gebaut werden, später (viell. schon in 25 Jahren ... dann wäre ich 55, das ist noch ok :) ) - wie heute das Technische Rathaus - wieder abgerissen werden und durch Rekos ersetzt werden.

Wer weiß, was die Zukunft bringen wird?

jo.ker
10.09.10, 01:41
Die Altstadt hält uns wach, zweifelsohne... Ich kann mich auch in diesem Fall merlinammain nur anschließen. Ich nehme als gebürtiger Frankfurter hier im Forum an den Diskussionen teil, die mich interessieren, und manche der Beiträge enthalten natürlich Wünsche, Vorstellungen, Hoffnungen usw., welche nicht jedes Mal von einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation unterfüttert sein können. Ob es Träumereien sind oder die Wünsche einst Realität werden, bleibt abzuwarten, aber mangels (finanzieller) Möglichkeiten der direkten städtebaulichen Einflussnahme - und hier schlage ich den Bogen zu einer Replik wie "Rekonstruiere doch selbst ein Haus in der Altstadt" - nehme ich eben auf diese Weise an der Diskussion teil.

@merlinammain: Du bringst ein gutes Beispiel; der Abriss des von Dir genannten Technischen Rathauses war auch mal ein Traum. Und? Er wurde Realität. Auch die Tage der Wolfsschanze II (Hist. Museum) sind schon gezählt. Was Frankfurt entstellte (und "entstellt" bedeutet bekanntlich, dass man das Antlitz nicht mehr erkennt), verschwindet.

Fizgig
10.09.10, 09:22
Ich wünsche mir ja auch die TotalReko, aber die wird leider nicht kommen. Wenn nun aber der Mix aus Reko und Neubauten so entsteht, das die Ensemblewirkung entsteht, das also alte Fassaden wiederentstehen oder zumindest an sie erinnert werden, kann ich damit gut leben. In die meisten der Häuser werde ich wohl nie reinkönnen und ist es dann für die Wirkung als Stadtviertel egal, ob hinter einer 'alten' Fassade eine neue Geböudestruktur steckt.
Da ja eh alle Häuse auf der Tiefgarage stehen, fehlen ihnen eh die originalen Keller.

Wichtig ist das Ensemble und das ein lebendiges Quartier entsteht.

RobertKWF
16.10.10, 08:37
Der Altstadt-Salon

Der Vorstoß von Stadtkämmerer Uwe Becker, den Bau des Stadthauses über dem AG aufzugeben, kann durchaus aus der Überzeugung gekommen sein, dort keine neuen städtischen Bauten mit unendlichen Folgekosten, unmaßstäblich neben die wiederaufzubauenden Altstadthäuser zu stellen. Schließlich ist er von Anfang an schon in anderer Funktion für den Wiederaufbau eingetreten, im Gegensatz zum Planungsdezernenten Edwin Schwarz. Dabei geht es ihm ganz offensichtlich nicht einmal vorrangig um die Finanzierung, sondern eben um das stimmige Gesamt-Ensemble des Wiederaufbaues.

Dazu ein kleiner Rückblick der fnp-online vom 15. Oktober 2010, der aber die Motive von Uwe Becker sicher zu einseitig darstellt. Einen Schaden für die CDU sehe ich auch nicht, eher das Gegenteil könnte der Fall sein:
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/von-einem-der-gern-fuehren-wuerde_rmn01.c.8331566.de.html

Wie verschoben die Perspektiven mancher projektbeteiligten Stadtverordneten sind, sieht man z. B. bei Jochem Heumann (CDU, Planungspolitischer Sprecher im Ausschuss), der den Gegnern des Stadthauses mit dem Argument begegnet, "Wir bauen hier die Altstadt auf!". Heike Hambrock (Grüne, Ausschussvorsitzende) gar ist erst gar nicht an einem Wiederaufbau interessiert, "Wir können eine sehr schöne moderne Architektur bekommen......".

Es war absehbar, dass die problematische Strategie scheitern könnte, beim Wiederaufbau auch noch dieses Stadthaus für das Hauptamt unterzuschieben, oder zumindest Verwunderung und Widerstände hervorrufen würde. Einen Rückzug vom Stadthaus halte ich grundsätzlich überhaupt nicht für blamabel. Ganz im Gegenteil, dieser Vorstoß zeugt von der elementarpolitischen Denkungsweise, auch einmal eine festgefahrene und strittige Position revidieren zu können. Dass der politische Gegner versucht dies auszuschlachten, kann man als Ritual abtun und vernachlässigen.


Noch wagt es aber niemand im Römer die eigentlich logischen Konsequenzen aus dem Verzicht auf das Stadthaus öffentlich zu denken oder auszusprechen. Uwe Becker hat die Richtung bereits angedeutet, indem er dafür ein weiteres Altstadthaus wiederaufbauen möchte, womit er nun aber unlogischerweise (und ungewollt) die allgemeine Finanzierungsfrage für Rekonstruktionen wieder in den Vordergrund schiebt.

Selbstverständlich kann man die eigentlich unansehnlichen spärlichen Reste der ausgegrabenen Frankfurter Vorgeschichte heutzutage überbauen, überdachen oder auch offen lassen, das ist kein wirklich technisches Problem. Alle diesbezüglichen Aussagen, was gehen sollte und was nicht sind reine Täuschungsmanöver der jeweiligen Interessenseite. Öffentlich zugänglich sollten einige Mauerreste aber schon sein, damit die paar interessierten Leute sich mit Augenschein davon überzeugen können.
Eine Überbauung geht genauso auch mit Wohnhäusern, die im betreffenden Kernbereich der zugänglich bleibenden Altertumsreste eben keine Geschäfte oder Wohnungen in den unteren Geschossen haben werden. Selbst der BDA wird sich nicht die Blöße geben und behaupten, dass die Architekten und Bauingenieure so etwas nicht leisten können.

Neben dem wieder herzustellenden Krönungsweg gibt es für die Bebauung der "Neue Altstadt" auch noch einen Königsweg. Genau das ist der weitgehend originalgetreue Wiederaufbau auf diesem Areal und zwar ohne Gebäude zur Anpassung an die Umgebung, ohne Füllbauten und ohne Neuentwürfe wie z. B. so ein Stadthaus. Zu bauen so nahe heran an die Umgebung wie möglich. Diese Verschattung muss dann z. B. auch die monumentale Schirn-Kunsthalle aushalten können, die letztlich sowieso wieder umbenannt werden muss, wenn die eigentlichen Schirnen wieder entstanden sein werden.
.

Robbi
27.10.10, 10:09
Nachdem für mich etwas überraschend die Pläne zum Stadthaus gekippt wurden (RobertKWF berichtete), gibt es nun wieder eine Kehrtwende: das Stadthaus über den Archäologischen Garten soll doch kommen. Allerdings soll der Siegerentwurf von Meurer dafür stark abgespeckt werden. Kämmerer Uwe Becker konnte sich mit seiner Position, auf das Stadthaus zu verzichten, innerhalb der CDU also nicht durchsetzen. Die Überzeugungsarbeit bei den CDU-Politikern wurde von Gestaltungsbeirat Christoph Mäckler und dem Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH Michael Guntersdorf geleistet. Überzeugt werden müssen nun noch die Grünen, die zu den Plänen aber Zustimmung signalisiert haben.

Es sollen folgende Änderungen am Siegerentwurf vorgenommen werden: Der Abstand zum Dom wird vergrößert, auch wenn der Bau dann nachwievor weiter als die Goldene Waage in die ehemalige Höllgasse ragen wird. Zudem soll das Stadthaus so hinter das Rote Haus gebaut werden, dass dieses als Eingangsbereich dienen kann, der ehemalige Tuchgaden soll so in seiner Form angedeutet wieder entstehen. Und, was sicher nicht nur mich freut: der Schirn-„Tisch“ steht weiter zur Disposition. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass man sein Ende schon definitiv beschließt, ist das doch wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.
Quelle: FNP (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/das-stadthaus-wird-doch-gebaut_rmn01.c.8370339.de.html) (+Kommentar (http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/kommentar-die-luftnummer-des-hoffnungstraegers_rmn01.c.8370343.d e.html))

Im Grunde würde auch ich eine Bebauung des Archäologischen Gartens begrüßen. Zum einen weil ich ihn als Raum mitten in der Stadt nie als besonders attraktiv empfand, zum anderen weil es vermutlich nicht besonders elegant aussähe, wenn Goldene Waage, Rotes Haus und ggf. die Häuser dazwischen gebaut würden und man unten vom Domturm aus ihre Rückseiten bewundern könnte. Dass die Schirn verschattet wird halte ich für verschmerzbar, zumal die Ausstellungsräume doch eh im 2. (?) OG liegen und das Stadthaus an der Schirn-Nordseite entsteht, soviel Lichtenzug würde es doch sicher eh nicht geben. Positiv finde ich, dass der Entwurf überarbeitet wird. Es ist schon notwendig, sich genau zu überlegen, in welchen Dimensionen man dort ein Gebäude errichtet, um nicht etwas zu schaffen, was man sich in wenigen Jahren wieder wegwünscht. Aber wer weiß welche Überraschungen uns beim Altstadt-Areal noch bevorstehen… :)

mahlzeit
27.10.10, 12:37
Ich nehme an, dass alle, die sich nicht regelmäßig mit der Materie beschäftigen, dieses Hin-und Her nur noch mit Kopfschütteln beobachten.

Dennoch umso erfreulicher, dass sich am Ende Vernunft durchsetzt. Eine Verkleinerung des Stadthauses kann durchaus sinnvoll sein, der Entwurf gibt es wahrscheinlich auch problemlos her. Ehrlich gesagt, ist mir dort aber alles lieber als der Archäologische Garten.

Die Schirn wird in Ihrer Funktion nicht durch die geplante Bebauung beeinträchtigt, da hat Robbi vollkommen recht.

Fizgig
27.10.10, 15:03
Ich finde diesen Prozess vollkommen normal. Es ist doch gut, das unterschiedliche Meinungen gehört und diskutiert werden. Am Ende gibt es dann einen Konsens, der hoffentlich alle zufriedenstellt. So soll doch ein demokratischer Meinungsbildungsprozess sein und keiner kann sagen, andere Meinungen werden nicht gehört.

Ich bin auch für eine Überbauung und vor allem einen ordentlichen Abschluss am Roten Haus. Auch das der Platz vor dem Dom größer wird und näher am originalen Verlauf der Gasse liegt ist oke. Wobei ich es dort schon okay finde, wenn das neue Stadthaus über die Strassenflucht von der Goldenen Waage hinausragt. Diese Fläche ist perfekt für einen kleinen Platz direkt vor dem Dom und bekommt damit einen besseren Abschluss nach Süden. Ja, das ist nicht historisch, aber an der Stelle kann ich gut mit einer neuen Raumeinfassung leben.

Hoffentlich geht nun aber der Entscheidungsprozeß so zügig, das das Stadthaus auch als erstes gebaut werden kann und somit die Logistik der Bautstelle funktioniert.

Schmittchen
03.11.10, 11:35
Die erste Ausgabe der DomRömer-Zeitung ist erschienen. Für aufmerksame Leser des Deutschen Architektur-Forums kaum Neues, doch allemal interessant zu lesen.

Download als PDF (1,5 MB) (http://www.domroemer.de/yeager/v3.php/download/541)

RMA
03.11.10, 12:55
Interessante Lektüre, danke. Allerdings hätte man ruhig angeben können, dass der Artikel zur Goldenen Waage inklusive des Bildmaterials praktisch 1:1 von Wikipedia übernommen ist. Macht micht ja andererseits auch ein bisschen stolz. ;)

Apfel
12.11.10, 14:33
Bin gerade beim surfen über ein

"screen grabbed video from the 3D realtime interactive Player
made for Planning Department of Frankfurt City, Germany."

gestoßen.

Dort sieht man sehr schön in 3D Fahrten/Flügen :daumen: welch ein Gewinn, die Umgestaltung sein wird.

Leider klickt der Einsteller (Hersteller des Programms) etwas hektisch,
aber man gewinnt einen recht gutes Gefühl, wie es sein wird dort durch die neuen alten Gassen zu laufen.

http://www.youtube.com/watch?v=hM_ZvHjIfjE

Schmittchen
12.11.10, 14:47
Das ist offenbar das von der Darmstädter Firma Maila-Push erstellte virtuelle Stadtmodell, von dem hier (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?p=260497#post260497) schon berichtet wurde. Für das die städtische Wirtschaftsförderung 200.000 Euro alleine für eine erste Phase ausgibt, das die OB aber für unbrauchbar hielt (http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:blZNl_Ii9IsJ:www.fnp .de/fnp/region/lokales/frankfurts-altstadt-in-muenchen_rmn01.c.8232490.de.html+ma ila+push+stadtmodell+frankfurt&cd=27&hl=de&ct=clnk&gl=de).

Einen Film zur Präsentation des virtuellen Stadtmodells gibt es hier (http://de.maila-push.com/?public&page=81).

Bionic
11.02.11, 01:24
Vielleicht verfolge ich den Thread noch nicht lange genug.. aber weiß jemand, aus welchen Beweggründen überhaupt eine Maximalzahl an Rekonstruktionen vorgesehen ist bzw. welche Interessen dahinter stehen könnten? :hmmm:

Irrlicht
15.02.11, 18:05
Ich fand heute die "DomRömer Zeitung - Informationen zum Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt" in meinem Briefkasten: 6 Seiten Informationen rund um das Projekt. Die für mich interessanteste Neuigkeit rund um die Nicht-Rekonstruktionen war:

Insgesamt sollen sieben Lose neu beplant werden. Diese setzen sich aus 27 Gebäuden zusammen. Um ein buntes Kaleidoskop an Entwürfen und Ideen zu erhalten, werden die Gebäude von jeweils acht verschiedenen Planern neu entworfen. Das Preisgericht muss im März 2011 somit aus 2016 Entwürfen die jeweiligen Gewinner ermitteln.

Wenn jede Nicht-Reko 8fach entworfen wird, dann wird es auf dem gesamten Dom-Römer-Areal mithin 2016/8=252 Neubauten geben?! Wo liegt hier mein Verständnisfehler? :confused:

Schmittchen
15.02.11, 18:36
Nein. Sechs Lose umfassen je vier Parzellen, das siebte Los deren drei. Für jedes Los (und damit für jedes einzelne Haus) sollen bis zu acht Entwürfe erarbeitet werden. Aus der Wettbewerbsbekanntmachung, verlinkt (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=279375&postcount=140) im Projektstrang:

In den Wettbewerb werden 27 Parzellen für Neubauten einbezogen (darüber hinaus werden acht ehemalige Altstadthäuser rekonstruiert). [...] Das Areal wird in sieben etwa gleich große Lose mit jeweils im Durchschnitt vier Grundstücken mit einer Größe von 44 bis 291 qm gegliedert, die in der Regel nicht aneinander angrenzen. [...] Jedes Los soll von bis zu 8 Wettbewerbsteilnehmern bearbeitet werden.

Irrlicht
15.02.11, 21:54
Verstehe: 27 Neubauten * je 8 Entwürfe = 216 Entwürfe für Neubauten. Nicht 2016. Da hat sich im Artikel der DomRömer Zeitung eine 0 dazwischengemogelt. Sorry für die Verwirrung. :nono:

frank353
17.02.11, 14:39
Nach dem Durchsehen der einzelnen Bauprojekte und Rekonstruktionen in www.domroemer.de und nach Lektüre des heutigen FAZ-Artikels im Regionalteil (17.2.2011) neige ich immer mehr zu der Ansicht, dass man versuchen sollte alle Häuser zu rekonstruieren und nur wo das nicht möglich ist, weil Tiefgarage, U-Bahn oder Archäologischer Garten (den ich übrigens wenig bedeutsam oder aussagekräftig finde; in Köln müsste man dann die ganze Altstadt ausgraben) im Wege stehen. Das Ensemble ist ja gerade mit seinen Höfen und Verschachtelungen so interessant. Es darf danach nur nicht zu einem Altsachsenhausen oder Rüdesheim mit Andenkenläden verramscht werden. Es sollte gezielt versucht werden, kleine Geschäfte, Apfelweinkneipen, Bäcker, Metzger etc. mit günstigen Mieten anzusiedeln.

Lucas 2011
17.02.11, 15:42
Folgender Bericht ist heute in der FNP:

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wie-viel-fachwerk-geht_rmn01.c.8684024.de.html

Anscheinend wird mit übertriebenen Auflagen versucht, Rekonstruktionen zu verhindern. Angeblich sind einige Häuser nicht ausreichend dokumentiert. Vorher hiess es allerdings, alle Häuser im Planungsgebiet wären besser dokumentiert als damals die Ostzeile. Aber da ging es doch auch, und das damals noch gegen grossen Widerstand. Ein endgültiges Urteil kann man wohl erst nach der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse abgeben. Wenn modern bedeutet, technisch auf dem neuesten Stand von Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz etc., aber in altstadtgerechter Gestaltung, dann wäre das sicher in Ordnung. Ich sehe allerdings die Gefahr, dass z.B. die Goldene Waage, eigentlich das Aushängschild des ganzen Projekts, mit dem Stadthaus auf der einen Seite und einem weiteren Neubau auf der anderen fast wie ein Fremdkörper wirken könnte. Wenn dann noch Investoren wie Herr Albrecht von der Rekonstruktion Abstand nehmen, dann haben wir am Schluss ein Neubauviertel mit 8 historischen Gebäuden.

RMA
17.02.11, 19:29
Es trifft in der Tat zu, dass die Ostzeile ziemlich schlecht dokumentiert war. Bis auf den Großen Engel handelte es sich nämlich um – in Relation zur übrigen Altstadt – relativ unbedeutende Bauten. Gut, der Kleine Laubenberg gehörte zu den stattlicheren Altstadthäusern, aber von der Sorte gab es in der Fahr-, Schnur- oder Saalgasse noch dutzende, wenn nicht hunderte.

Dennoch kann die Rekonstruktion der Ostzeile, die auf "reverse engineering" basiert, also einer retrograden Betrachtung historischer Abbildungen, um die verschiedenen Umbauphasen zu extrapolieren, als gelungen bezeichnet werden. Dem schließt sich übrigens auch die maßgebliche Literatur an.

Man braucht sich bei einem Projekt dieser Größe nun wahrlich nicht der Illusion hinzugeben, dass hier politische Standpunkte keine Rolle spielen würden. Der der Grünen zu dem Thema ist ja hinreichend bekannt, der der CDU auch, und anbetrachts der gegenwärtigen "tail wags the dog"-Situation im Römer wundern mich dann auch diese Tendenzen nicht, offenbar moderne Architektur erzwingen zu wollen.

Hancock
17.02.11, 19:52
Brummermann von der städtischen GmbH (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/wie-viel-fachwerk-geht_rmn01.c.8684024.de.html):

Sonst müssten wir Fassaden erfinden

Und selbst wenn? Man nimmt ein paar überlieferte Fassaden, passt sie an die Situation an und schon entsteht ein glaubwürdiger Entwurf.

@RMA: Die Grünen können nicht meinen, in Frankfurt wären moderne Entwürfe Mangelware. Welche städtebauliche Vorteile sollten sie sich durch die Verhinderung des Wiederaufbaus an diesem einen Ort versprechen?

Cowboy
17.02.11, 20:34
Auch die Altstadtfreunde wettern gegen die Dom-Römer GmbH und vermuten in ihr eine gezielte Intention gegen das Rekovorhaben. Michael Guntersdorf, Vorsitzender der Dom-Römer GmbH, wiederum kritisiert, dass die 51 Interessenten, die ein Altstadthaus wiederaufbauen möchten, keinen Kostenrahmen nennen können und erklärt ihr Vorhaben für wirtschaftlich nicht tragbar. Viel Zündstoff also weiterhin.

Bretter, die die Welt bedeuten, oder: Altstadtfreunde aus dem (Fachwerk-)häuschen (http://www.journal-frankfurt.de/?src=journal_news_einzel&rubrik=10&id=12552&newsletter_id=360)

RMA
17.02.11, 20:48
[...]

@RMA: Die Grünen können nicht meinen, in Frankfurt wären moderne Entwürfe Mangelware. Welche städtebauliche Vorteile sollten sie sich durch die Verhinderung des Wiederaufbaus an diesem einen Ort versprechen?

Ich habe ja nicht gesagt, dass die Grünen gegen einen Wiederaufbau sind. Sie plädieren nur für einen starken Mix. Ich bin der persönlichen Meinung, dass man diesen eben nicht vorgeben sollte, sondern entsprechend dem Magistratsbeschluss aus Interessenten für und Möglichkeiten der Rekonstruktion ableiten sollte.

Und dieser Tage hat man eben vielfach den Eindruck, dass es manchem Politiker zuviel der Interessenten pro Reko wird. Anders kann ich mir die immer wieder aufkommenden hanebüchenen Argumente bezüglich vermeintlicher Unmöglichkeiten einer Rekonstruktion jedenfalls nicht erklären. Erinnert an die Phrase "war nicht zu erhalten", die ähnlich inhaltsleer ist. Aber wie gesagt, dass mag auch nur ein Eindruck sein.

P.S. noch zu Herrn Brummermann: Streng genommen sind fast alle Fassaden der Ostzeile erfunden. Die Rekonstruktion verputzter, nie dokumentierter Fachwerkbauten ist ein bisschen wie Quantenphysik, sprich, der größten anzunehmenden Wahrscheinlichkeit, die sich aus wenigen Details wie Fenstergrößen und etwaiger hervortretender Elemente der Konstruktion wie Balkenköpfe, Bügen oder Knaggen ableiten lässt. Selbst Luftaufnahmen können dabei nützlich sein, kann man aus Dachfenstern und Gauben doch photogrammetrisch meist die Sparrenlage extrapolieren.

Lucas 2011
17.02.11, 21:38
Die zynische Art, in der das Frankfurt Journal versucht, die Altstadtrekonstruktion ins Lächerliche zu ziehen (siehe Link in Beitrag 203 von Cowboy), ist wirklich zum Kotzen. Herr Possmann ist der Apfelweinkelterer, also der Baulaie, über die „Altstadthäuschen“ schreibt man in einem Ton, als wären es Glühweinstände auf dem Weihnachtsmarkt, und die Disneyland-Leier hatten ja vorher schon.

Es deutet sich eigentlich genau das, was ich befürchtet hatte. Obwohl es nie so direkt gesagt wurde, hatte ich schon immer den Eindruck, dass die Messlatte für die Genauigkeit der Rekonstruktionen so hoch gelegt würde, dass enorme Kosten entstehen, und dass damit potentielle Käufer abgeschreckt werden, auch wenn sie eigentlich bereit wären realistische Mehrkosten zu tragen. Obwohl es sich hier um einfache Wohn- und Geschäftshäuser handelt, wird hier ein Genauigkeitsgrad verlangt, der wahrscheinlich nicht einmal bei der Dresdner Frauenkirche verlangt wurde. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Häuser in all den Jahren, oder sogar Jahrhunderten ihres Bestehens mehrmals umgebaut wurden. Welchen Bautenstand will man eigentlich rekonstruieren? Das konnte bisher keiner so genau beantworten. Jetzt kommt der Spruch, wenn wir nicht bis ins kleinste Detail rekonstruieren können, dann lassen wir es sein und bauen etwas ganz neues.

Obwohl ich selbst Architekt bin, kann ich mir den Mix zwischen Rekonstruktionen und Neubauten ehrlich gesagt schlecht vorstellen. Ein Mix aus Ostzeile und Saalgasse wäre ein ziemlicher Horror, wobei ich nichts gegen die postmodernen Häuser in der Saalgasse sagen will. Aber es wäre so, als wenn man einem Frankfurter Apfelwein mit Coca Cola serviert.

Die Frage ist natürlich auch, ob die Interessenten der Neubauten nicht auch einen Rückzieher machen, wenn anstatt einer Altstadtrekonstruktion ein Neubauviertel entsteht. Dann sind Westend oder Sachsenhausen sicher bessere Wohnviertel als der Römerberg.

Noisy
17.02.11, 22:25
als wenn man einem Frankfurter Apfelwein mit Coca Cola serviert.
Das wird tatsächlich gemacht, Possmann vertreibt das sogar ganz offiziell als Mischgetränk :nono:

Ich stimme dir allerdings vollkommen zu.
Mir wäre die Rekonstruktion viel wichtiger, als ein komisches Gemisch, auch wenn man dabei keine Fassaden rekonstruiert, sonder bsp. neu "erfinden" muss. Es geht dabei doch vorwiegend darum der Gegend neues Leben einzuhauchen, es soll eben was her machen und das doch bitte möglichst so, wie es mal war, wenn das nicht vollständig möglich ist, dann muss man sich eben den übrigen Teil ausdenken und anpassen.
Dabei kann man ja von mir aus auch nur den Anschein von außen erwecken, dass es sich um eine Reko handelt, was hinter der Fassade passiert bleibt den meisten ohnehin verborgen.
Kann man nicht auf das geplante Stadthaus mit einer solchen Fassade ausstatten. Das Extrembeispiel British Museum in London macht es doch vor. Der Innenhof ist fantastisch, wenn man darin steht. Mit viel Geschickt kann man den Archäologische Garten sicher ebenso unter einem solchen Dach einbringen. Dann umbaut man ihn eben mit Reko Häusern, die sich nach hinten hin zu eine Gebäude öffnen mit einem überdachten Innengarten.
Sicher auch nicht jedermanns Geschmack, aber meinen würde es treffen :D

RMA
17.02.11, 23:24
Was ihr propagiert, muss man doch noch nichtmal machen, also sprich Fassadenbetrug. Ich erinnere mal nur daran, dass Dominik Mangelmann bereits für einen Großteil der zumindest wertvollen Objekte Rekonstruktionszeichnungen angefertigt hat (auf der Webseite natürlich nur schematisch repräsentiert, aber ich weiß von ihm, dass er bereits schon Statiknachweise geführt hat):

http://www.30frankfurter.de/objekte.html

Hancock
18.02.11, 01:27
Sie plädieren nur für einen starken Mix.

Rekonstruierte Fachwerkfassaden und moderne Fachwerkfassaden würden einen Mix ergeben. Wie wollen die Grünen sonst mischen, zwei Fassaden aus Fachwerk, eine aus Glas und eine aus Sichtbeton? Das ist kein Mix, das ist ein Verzicht auf architektonische Harmonie.

Jede Fassade, die nicht in der Fachwerk-Optik entworfen wäre, wäre genauso erfunden wie eine Fassade in dieser Optik. Warum sollte die fachwerkbezogene erfundene Optik schlechter sein nur weil sie einem großen Teil der Bevölkerung ein heimeliges Gefühl gibt? Den Grünen sollte daran gelegen sein, dass die Menschen sich im Zentrum der dicht bebauten, kompakten Stadt heimelig fühlen. Ich würde das nicht als "Fassadenbetrug" bezeichnen, dafür gibt es keine Echtheitszertifikate.

Mit viel Geschickt kann man den Archäologische Garten sicher ebenso unter einem solchen Dach einbringen. Dann umbaut man ihn eben mit Reko Häusern

Das ist eine gute Idee. Es wäre nur schwer, die zwangsläufig mächtigen Stützen der Glasüberdachung zwischen den Fachwerkhäusern zu verstecken. Wozu überhaupt die Überdachung wenn es heute keine gibt? Die Ausgrabung im Hof zwischen Fachwerkhäusern würde gut genug wirken.

mahlzeit
18.02.11, 10:33
Ich respektiere es, dass die Reko-Freunde alle Wege nutzen, um ihre Interessen und ästhetischen Vorlieben zu vertreten. Da aber die Lautstärke der Befürworter des Altstadt-Wiederaufbaus doch deutlich die aller anderen Meinung übersteigt (auch und besonders in diesem Thread des DAF), möchte ich die Gelegenheit ergreifen und ebenfalls etwas zum Thema beitragen: Ich war sehr angetan von den ersten Skizzen, die nach Bekanntwerden der Abrisspläne für das Technische Rathaus veröffentlich wurden. Zeitgemäß, harmonisch und sowohl dem Dom als auch dem Römer gegenüber respektvoll.

Da es aber offenbar eine große Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" gibt, die nicht mit Ausflügen nach Rothenburg, Rüdesheim oder Michelstadt gestillt werden kann, beuge auch ich mich der Mehrheit und ärgere mich nicht länger über einen in meinen Augen unsinningen "Wiederaufbau" von wundervollen Gebäuden, die vor vielen Jahrzehnten verbrannten. Natürlich werde auch ich das Ergebnis mögen, wer nicht?

Daher bin ich der Ansicht, dass auch die Anhänger des totalen Wiederaufbaus mit dem Kompromiss zu leben lernen sollten. Die Meinungen haben sich in der Mitte getroffen. Hört Euch doch bitte mal im Kreise von Freunden, Bekannten, Kollegen um: Die große Mehrheit ist mit dem aktuellen Vorgehen im großen und ganzen zufrieden. Daher ist es in meinen Augen unsportlich, nach jedem weiteren Schritt Richtung Vollreko (Aktuell: Abriss des Tisches, meinen ehrlichen Glückwunsch!) gleich mit der nächsten Forderung zu kommen.

Hier wurde schon ernsthaft der Abriss der Schirn Kunsthalle diskutiert. Ich persönlich glaube, genau das ist der Zeitpunkt, an dem die öffentliche Meinung klar umschlagen wird.


o.T.: Herr Aha outet sich in den Journal-Kommentaren als echter Troll: „Einfach mal sich besser informieren.“ – damit gibt es eigentlich keine Basis für eine weitere Diskussion mit ihm, schade.

Schmittchen
18.02.11, 11:43
Die CDU-Fraktion positioniert sich in dieser Frage mit dieser Pressemitteilung (http://www.cdu-fraktion-ffm.de/pressemit.php?&id=2000):

Helmut Heuser: Rekonstruktionen müssen originalgetreu sein

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion Frankfurt am Main, Helmut Heuser, hat Presseverlautbarungen widersprochen nach denen es möglich sei, die Altstadt zwischen Dom und Römer wieder vollständig aufzubauen und dabei bis zu 35 Altstadthäuser zu rekonstruieren. „Die Kriterien, die durch den Gestaltungsbeirat im Benehmen mit dem Aufsichtsrat der Dom-Römer GmbH festgelegt wurden, erlauben nach heutigem Stand nur für insgesamt 17 Häuser eine einwandfreie Rekonstruktion. Das sind die acht bekannten Gebäude, deren Wiederaufbau durch die Stadt beschlossene Sache ist. Hinzu kommen neun weitere, sofern sich für diese Investoren finden“.

Bei allen anderen Häusern, die jetzt in Rede stünden, seien diese Kriterien Heuser zufolge nicht erfüllt. Gegen eine Rekonstruktion dieser Häuser spräche neben der unzureichenden Dokumentation der Vorgängerbauten auch der Parzellenzuschnitt. „Wir wollen der Altstadt ihr Gesicht wiedergeben. Das heißt aber auch, dass wir nur dann rekonstruieren, wenn wir in der Lage sind, die früheren Gebäude auch möglichst originalgetreu und an Ort und Stelle wiederherzustellen. Schon die Abweichung vom historischen Stadtgrundriss mit der Folge einer Fassadenverschiebung stellt deshalb einen nicht zulässigen Eingriff in die Authentizität des Bauvorhabens dar. Auch bauliche Beschränkungen, zum Beispiel durch die Tiefgarage, stehen einer guten Rekonstruktion im Wege“, so der Fraktionsvorsitzende.

Darüber hinaus müssten die wiederherzustellenden Gebäude nach den festgelegten Kriterien auch dem „Ensemble-Gedanken“ Rechnung tragen und über eine raumgebende Funktion verfügen. „Mit den rekonstruktionsfähigen Häusern am Hühnermarkt, ‚Hinter dem Lämmchen’, am Rebstock-Hof sowie mit dem ‚Neuen Roten Haus’ und der ‚Grünen Linde’ zwischen dem ‚Roten Haus’ und der ‚Goldenen Waage’ am ‚Markt’ ist dies mustergültig gegeben. Wir wollen keine Fachwerk-Solitäre zwischen einer modernen Bebauung. Die rekonstruierten Altstadthäuser sollen nicht für sich alleine stehen, sondern in Verbindung miteinander wirken. Im harmonischen Verbund mit den angrenzenden Häuser-Ensembles, die in einer an der historischen Substanz orientierten modernen Bauweise realisiert werden, wird ein hochattraktives kleinteiliges Quartier entstehen“, so Heuser.

Der Fraktionsvorsitzende nannte das Haus Markt 40 als anschauliches Beispiel für ein Gebäude, dessen Errichtung aufgrund der genannten Kriterien für eine Rekonstruktion nicht in Frage komme. Diesem Vorhaben stünden eindeutig der „Neubau“ des Kunstvereines und die heute erforderlichen Feuerwehrumfahrten im Wege. Dagegen befinde sich zum Beispiel des Haus „Würzgarten“ am Markt 28 inmitten eines Ensembles, das an der Westseite des Hühnermarktes vollständig rekonstruiert werden könne. Die nunmehr möglichen Rekonstruktionen bildeten zudem alle Epochen und Baustile ab, die in der Altstadt vorhanden waren, ein Querschnitt durch Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus.

„Auf den 34 Parzellen des Areals sind es am Ende jetzt 17 Häuser, die insgesamt rekonstruiert werden können. Das ist eine sehr gute Quote und ein gewaltiger Schritt in Richtung der Altstadt-Freunde“, sagte Heuser, der darauf verwies, dass die CDU-Fraktion in der Diskussion zu Beginn der Altstadt-Planungen vor fünf Jahren zunächst von lediglich vier rekonstruktionsfähigen Gebäuden in vier Ensembles ausgehen musste. „Mit diesen vernünftigen Grundsätzen, die der Gestaltungsbeirat mit dem Aufsichtsrat erörtert hat, vermeiden wir eine kulissenhafte Rekonstruktion, die das Projekt in Verruf bringen würde. Disneyland in der Frankfurter Altstadt wollen wir nicht. Wir wollen eine qualitätvolle Rekonstruktion, auch aus Respekt vor der Geschichte unserer Stadt. Diese Maßstäbe geben auch den zukünftigen Investoren die nötige und zu Recht verlangte Planungssicherheit“, so Heuser abschließend.

Rohne
19.02.11, 15:15
Es hieß immer, so und soviele Gebäude werden von der Stadt rekonstruiert, der Rest steht allen potentiellen Investoren völlig offen - ohne jegliche Begrenzung der Anzahl der Rekonstruktionen nach oben, so dass praktisch mit Ende der Planungswerkstatt die Möglichkeit der Voll-Reko gegeben (wenn auch anfangs vielleicht nicht sehr realistisch) war.
Nun kommen tatsächlich die Interessenten für die Rekos, und es sind offenbar mehr als man "befürchtet" hat, so dass man jetzt entgegen aller früheren Äußerungen mit allen möglichen Tricks versucht die Anzahl der Rekonstruktionen möglichst klein zu halten.
Am Anfang, als darauf hingewiesen wurde dass der Plan beim Grundriss ohne Not diverse willkürliche Abweichungen vom historischen Grundriss enthält, hieß es "wird noch überarbeitet".
Als nix geschah und weiterhin die Hinweise kamen, hieß es "wenn es Rekonstruktionsinteressenten gibt, wird an den betreffenden Parzellen der Grundriss noch angepasst".
Heute heißt es "Rekonstruktionen müssen auf dem Orirignal-Grundriss möglich sein" - und der Plan wird eindeutig als unverrückbares Dogma vorgeschoben um weitere Rekonstruktionen zu verhindern! Das ist Verarschung hoch drei! (Sorry, für die Wortwahl)
Genauso wie man die schlimme Situation am westlichen Ende zementiert, in dem man ein Erhalten des entsetzlichen Kunstvereins mit dem Denkmalschutz begründet (komisch, dass bei unzähligen Gründerzeitlern oder dem Rundschauhaus der Denkmalstatus keinen Abriss verhindern kann/konnte). Mindestens bis 2008 war dieser dabei noch nicht einmal unter Denkmalschutz, unter Schutz standen damals nur das Steinerne Haus und die erhaltenen Keller der mittelalterlichen Vorgängerbauten die man hier sonst rekonstruieren könnte.
Oder wenn ich schon höre, dass jetzt auf einmal wieder U-Bahn-Ausgänge als Gründe für die Beschränkung auf 17 herhalten müssen. Wo bitte schön ist denn ein U-Bahn-Ausgang oder angeblich mangelnde Belichtung im Fall beispielsweise des Baublocks zwischen Hinter dem Lämmchen und Markt?
Oder die Quellenlage: die meisten der Gebäude an der Braubachstraße sind bei weitem besser dokumentiert als beispielsweise das Haus Klein-Nürnberg, das zu den 8 von der Stadt zu rekonstruierenden Gebäuden gehört. U-Bahn-Ausgänge oder schlechten Lichteinfall kann ich dort ebenfalls nicht erkennen. Gleiches gilt für Markt 10 und 12, die die Freunde Frankfurts rekonstruieren würden, wenn sie denn dürften. Und was spricht einer Rekonstruktion des Weißen Bocks entgegen? ...
Ist doch schon mehr als offensichtlich was für ein Spiel hier gespielt wird...

Lucas 2011
20.02.11, 15:54
Diesen Artikel habe ich in der FNP gefunden:

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/cd ... 90.de.html

Bestätigt eigentlich nur das, was die letzten Tage geschrieben wurde. Also wenig Hoffnung auf weitere Rekonstruktionen.

Ich habe einmal den neuen Rahmenplan der Dom Römer GmbH mit der Dreysse-Studie verglichen. Die Veränderungen im Stadtgrundriss sind nur zum Teil nachvollziehbar. Feuerwehrzufahrten, Notausgänge für die Tiefgarage und Zugang zur U-Bahn-Station müssen sein, das ist jedem klar. Das Argument, die Häuser seien nicht ausreichend dokumentiert für eine Rekonstruktion, kann man nicht gelten lassen. Z.B. beim Weissen Bock (neben der Goldenen Waage), sind meiner Meinung nach selbst die Unterlagen, die im Internet jedem frei zugänglich sind, schon ausreichend, um einen "schöpferischen Neubau" (ofizielle Bezeichnung der Dom-Römer GmbH für das, was bisher Rekonstruktion genannt wurde) zu erstellen. Sogar lt. Dreysse-Studie gut bis sehr gut dokumentierte Häuser in der Braubachstrasse können angeblich, aus für mich nicht ersichtlichen Gründen, nicht rekonstruiert werden.

Kardinal
22.02.11, 11:16
DONNERstag-Demo auf dem Paulsplatz*, 24.Februar 2011, 17 Uhr

für reinen Wiederaufbau der Altstadt Frankfurt auf dem
Gelände des ehem. techn. Rathauses.

Bitte kommt! Jetzt zählt jede Stimme.



Frankfurt im Herzen tragen,
wir woll´n Altstadt wiederhaben.


C. Bensinger
Pro-Altstadt e.V.

*verlegt vom ursprünglich angedachten Römerberg

Schmittchen
23.02.11, 12:01
31 potentielle Investoren haben einen offenen Brief an Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) verfasst. Die Oberbürgermeisterin solle dafür sorgen, dass mehr als 17 Häuser auf dem Altstadt-Areal rekonstruiert werden dürfen. Moderne, aber auch angepasste Architektur mindere den Wert des Gesamtensembles. Sprecher der Gruppe ist Parfümeriebesitzer Frank Albrecht. Das berichtet (http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E9A400054075E41229C116458D13838 DE~ATpl~Ecommon~Scontent.html) die FAZ heute.

Einer Sprecherin der städtischen Dom-Römer-GmbH gab an, dass sich inzwischen 206 mögliche Investoren für das Altstadtprojekt gemeldet haben. Etwa 40 davon interessieren sich für eine Rekonstruktion. Zur Zeit werde geklärt wie teuer der Bau der einzelnen Häuser werde.

Golden Age
23.02.11, 12:28
Es ist herzerwärmend und ermutigend, dass sich solvente Privatpersonen für dieses wichtige Bauvorhaben engagieren. Gerade in Frankfurt ist eine bürgerliche Bereitschaft aktiv an der Zukunft teilzuhaben und sogar zu investieren ein echter "Vermögenswert" geworden (siehe Spenden für Städel Anbau oder Planungswerkstatt in Höchst oder Bockenheim). Leider kommt solches Engagement zwar in manchen Fällen 50 Jahre zu spät (Stichwort Erhalt des Schuman-Theaters, Neue Börse oder Altes Schauspielhaus), aber wenigstens hat man mittlerweile gelernt sich nicht mehr passiv dem Schicksal zu fügen. Jetzt muss man hoffen, dass die Stadt auch dazu gelernt hat und sich solchen Anregungen nicht verschliesst. Eine "von oben herab" Altstadt wäre auch mit Blick auf die Kommunalwahl jedenfalls kein schlauer Schachzug.

Wikos
24.02.11, 11:21
Den Investoren sollten keine weiteren Steine in den Weg gelegt werden. Eine künstliche Begrenzung der Rekonstruktionen ist nicht hinzunehmen. Man kann nicht sagen, es gäbe keine ausreichenden Reko-Interessenten und die Dokumentationen wären nicht ausreichend, wenn beides offensichtlich nicht stimmt.

garcia
24.02.11, 13:56
Ich halte mich bei der ganzen Altstadtdiskussion ja stark zurück, aber diese Entwicklung finde ich doch sehr "erstaunlich". Unabhängig davon, wie stark die Bereitschaft für private Rekonstruktionen schlussendlich tatsächlich ist, so erstaunen mich doch die Argumente mit welchen diese abgelehnt werden.

1.) Weshalb soll es nicht möglich sein, ein Haus ein paar Meter versetzt zu rekonstruieren? Die Rekonstruktion ist schließlich noch genauso authentisch, nur eben um ein paar Meter verschoben.

2.) Und weshalb soll es nicht erlaubt sein aufgrund ggf. mangelnder Dokumentation einen Bau auf Grundlage von Bildern soweit wie möglich zu rekonstruieren? Kein Mensch kann und wird den Unterschied feststellen können, denn sonst könnte man diese Information ja direkt in den Bau einfließen lassen. Mithin ist es also defacto eine "echte" Rekonstruktion.

3.) Zu guter letzt ist mir nicht eingängig, worin sich "historisierende" Fassaden an Neubauten (also nicht 1:1 rekonstruierten Gebäude) zu "modernen" Fassaden unterscheiden. Beides sind Fassaden, beide oftmals nur "vorgehängt". Zumal viele Bauten in der Altstadt wohl Putzfassaden hatten, die sich leicht auf moderne Betonbauten auftragen liessen. Das ist doch schlussendlich eine reine Geschmacksfrage. Retro ist ja auch in anderen (Einrichtungs-)Bereichen in Mode, weshalb also nicht partiell auch bei Gebäuden?

Man kann ja bspw. grundsätzlich gegen historische, historisierende oder rekonstruierte Bauten sein, aber das Argument dass nur "echte" Rekonstuktionen in alter, traditioneller Bauweise möglich seien, weil alles andere wie Disneyland aussehen würde, ist offensichtlich vorgeschoben. So lange es gefällt, hat es genauso seine Berechtigung wie "moderne" Architektur. Dies soll kein Plaidoyer in die eine oder andere Richtung sein, aber man sollte doch bitte sauber argumentieren und nicht irgendwelche scheinbaren Totschlagargumente vorschieben.

BEKU
24.02.11, 14:30
Vielleicht sollte man die Herren mal darauf aufmerksam machen, dass selbst die Hauptwache auch nicht an ihrer historisch korrekten Stelle wieder aufgebaut wurde. Da hat es zumindest niemanden gestört.

Schmittchen
24.02.11, 14:45
Die aktuelle Ausgabe der DomRömer-Zeitung ist da. Download durch Klick hier (http://www.domroemer.de/yeager/v3.php/download/771) (beginnt sofort).

Man erfährt unter anderem, dass im Wettbewerb für die Neubauten das Preisgericht am 21. und 22. März 2011 zusammen tritt. Im April ist dann eine öffentliche Veranstaltung zu den Ergebnissen des Wettbewerbes geplant.

Höhepunkt ist sicher der sehr lesenswerte Artikel von Björn Wissenbach zum Roten Haus am Markt.

thomasfra
24.02.11, 15:39
Wenn ein Investor unbedingt eine Rekonstruktion bauen möchte, für Ihn aber keine Objekte mehr verfügbar sind, was spricht dann dagegen, dass er seinen „Neubau“ wie eine Rekonstruktion baut? Oder ist das grundsätzlich verboten, muss er also abweichend vom ursprünglichen Haus bauen?

Schmittchen
24.02.11, 15:41
Der Investor kann nicht seinem Gusto bauen (das ist auch gut so). Er muss das nehmen, was sich aus dem geraden laufenden Wettbewerb als Siegerentwurf für eine bestimmte Parzelle ergibt. Oder es sein lassen. Er erwirbt also die Planung und auch die Realisierung mit, sozusagen.

Hancock
24.02.11, 20:12
^^^^ Auf diese Weise hängt alles von den Wettbewerbsteilnehmern und Juroren ab. Wenn sie Wert auf das Schaffen eines harmonischen und schlüssigen Ensembles legen, werden sie neue Fassaden entwerfen und wählen, die die Wirkung anderer nicht stören. Andernfalls werden die "modernen" Akzente in ein paar Jahrzehnten mit ähnlich viel Erleichterung entsorgt, wie kürzlich das einmal "moderne" Technische Rathaus, das unter vergleichbaren Vorwänden in die Altstadt eingepflanzt wurde.

Irrlicht
24.02.11, 21:38
Oder der Investor realisiert billigstmöglich den aus dem Wettbewerb verordneten Entwurf, reißt dann ab und rekonstruiert :lach:

Cowboy
24.02.11, 21:55
...was auch nicht so einfach ginge, da er sich nach dem Abriss wieder einem Wettbewerb unterziehen muss, non?

Irrlicht
24.02.11, 23:18
^

Glaub ich nicht. Die Neubebauung des Dom-Römer-Areals gemäß Wettbewerb wurde ja errichtet, wenn auch nur für einen Tag. Danach müsste sich der Investor sich nur noch an die Gestaltungssatzung halten, die eine originalgetreue Rekonstruktion vermutlich nicht verbieten könnte. Die ganze Aktion wäre zwar teuer, meiner Meinung nach aber erlaubt ... :daumen:
... und irgendwie sogar spaßig :D

Lucas 2011
25.02.11, 10:26
Stadtplanungsamt und Dom Römer GmbH könnten sicher unnötige Diskussionen vermeiden, wenn sie konkrete Gründe nennen würden, warum bestimmte Häuser nicht rekonstruiert werden können. Im vorherigen Rahmenplan waren z.B. Braubachstr. 25 und 29, Neugasse 7, Altes Kaufhaus (Markt 29 / Hinter dem Lämmchen 3) und Markt 7 (Weisser Bock) als rekonstruierbar angegeben. Warum sich da jetzt etwas geändert haben soll, versteht niemand. Bei der Braubachstr. 29 könnte das Problem eventuell die Tiefgarageneinfahrt sein. Dann ist mir aber rätselhaft, wo bei der Braubachstr. 23 das Problem liegen soll. Ebenfalls bei den Häusern Goldene Schachtel (Markt 32 / Hinter dem Lämmchen 5), Alter Burggraf (Markt 34 / Hinter dem Lämmchen 7), Karpfen (Markt 9) und Kleiner Vogelsang (Markt 11) würde mich interessieren, warum Rekonstruktionen nicht möglich sein sollen.

Obwohl Herr Heuser betont hat, dass grosser Wert auf die Ensemble-Wirkung gelegt wird, gibt es immer mehr Leute, die daran zweifeln, ob das von den Wettbewerbsteilnehmern auch so umgesetzt wird, oder ob wir mit „Jetztzeithäusern“ (hierzu ein Artikel aus der FAZ vom 25.09.2009 http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E3AA5D772C7214E15AE944F5236B4F9 7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html ) rechnen müssen. Schon beim Stadthaus-Wettbewerb waren teilweise haarsträubende Beispiele zu sehnen. Aber zu diesem Thema wissen wir erst nach dem 22. März mehr.

Schmittchen
25.02.11, 10:44
Die Braubachstraße wird in der Tat gerne vergessen. Haus Nummer 23, erst 1940 erbaut, war nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Nummer 27 aber schon. Ganz besonders wünschenswert wäre die Rekonstruktion des Jugendstilhauses Nummer 29, Zum Glauburger Hof. Nicht zuletzt weil zusammen mit dem erhaltenen Nachbarhaus Braubachstraße 31 die Baugruppe "Am Nürnberger Hof" wiederhergestellt wäre. Die Rekonstruktion zumindest aller Bauten westlich der Neugasse wäre eine enorme Aufwertung der Braubachstraße. Ein guter Neubau auf dem Grundstück Braubachstraße 23 könnte ergänzend dazukommen.

Ein schlechter Dokumentationsstand kann bei sämtlichen Braubachstraßen-Bauten kein Hindernis sein. Schlechte Nutzbarkeit schon gar nicht angesichts der vergleichsweise großzügigen Flächen und Geschosshöhen. Auch die Einfahrt zur Tiefgarage nicht, denn die bleibt wo sie heute ist, sie wird nur in der Durchfahrt im Haus am Dom bereits ins Untergeschoss geführt.

Infoblatt Braubachstraße 23 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/dreyssestudie_seite38.pdf)
Infoblatt Braubachstraße 25 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/dreyssestudie_seite39.pdf)
Infoblatt Braubachstraße 27 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/dreyssestudie_seite40.pdf)
Infoblatt Braubachstraße 29 (http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/dreyssestudie_seite41.pdf)

Lucas 2011
08.03.11, 20:49
Ich habe gerade auf der Homepage des Dom Römer Projekts eine Veröffentlichung vom 17.07.2010 entdeckt.

http://www.domroemer.de/web/site/aktuelles-details/?newsId=138

Hier ist noch von mehr als 20 möglichen Rekonstruktionen die Rede. Braubachstr. 25 und 29, Weisser Bock, Altes Kaufhaus incl. Hinterhaus tauchen hier noch in der Liste auf. Bis jetzt ist weder vom Stadtplanungsamt noch von der Dom Römer GmbH eine Erklärung abgegeben worden, warum sich da jetzt etwas geändert haben soll. Es wird immer nur allgemein von Problemen mit U-Bahn, Tiefgarage, Lüftungsschächten etc. gesprochen, aber nie von konkreten Gründen, warum bestimmte Häuser nicht rekonstruierbar sein sollen. Da gäbe es sicher technische Lösungen - wenn man will.

Schmittchen
14.03.11, 17:10
Von übermorgen an wird ein Modell des Stadthauses am Markt im Planungsdezernat ausgestellt. Die heutige Pressemitteilung (http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=7890691) der Stadt:

Mit großer Mehrheit hatte die Stadtverordnetenversammlung am 24. Februar entschieden, den Stadthaus-Entwurf der Arbeitsgemeinschaft "Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure" mit "cba architectes, Frankfurt/Luxemburg" verwirklichen zu lassen.

Wer möchte, kann das Modell des "Stadthauses am Markt" jetzt im Atrium des Planungsdezernates, Kurt-Schumacher-Str. 10, besichtigen. Von Mittwoch, 16., bis Donnerstag, 31. März, ist es montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr zugänglich. Zum Modell werden außerdem umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt.

Noisy
15.03.11, 15:05
Danke für die Grafik.
Weiß man schon genaueres über die Häuser, die keine Rekonstruktionen werden? Ich versteh einfach nicht, wie man weitere Investoren so sehr abwimmeln konnte, Potential scheint ja genügend vorhanden. Ich hoffe, dass dort dem Stile entsprechend gebaut wird, nicht, dass die Hälfte in 30 Jahren wieder abgerissen wird,weil es dem Zeitgeist nicht mehr entspricht. Der spätere Zustand ist auch nochmal zusehen im Video von rheinmaintv (http://vimeo.com/19967615), eine Grafik gibt es im Thread dazu auch. 0:85 zeigt den aktuellen Zustand, 1:39 das Rendering (von oben). Ich kann mir zudem vorstellen, dass die Räume im 1. OG deutlich an Qualität verlieren durch Verschattung, dort sind Teile der Musikschule untergebracht.

Zudem finde ich die Lösung von (Stadthaus) Überbauung des Archäologischen Gartens suboptimal. Dadurch wird der Säulengang bei der Schirn doch total verschattet, wer will den da noch lang laufen, das wird ja beängstigend eng und dunkel. Ich hoffe dafür gibt es ein Konzept, sonst entsteht da alles was man dort nicht haben will.

Wäre natürlich gut, wenn mir hier jemand sagt, dass es anders kommt, aber aktuell sehe ich das etwas kritisch.


http://vimeo.com/20780820 <- Zeigt eine 3D Visualisierung inklusive "Rundgang" des späteren Areals bzw. der Rekonstruktionen. Da steht der Tisch auch noch, ich dachte eigentlich der soll weg :confused:

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Mod: Verschoben aus dem Projekt-Thread.

Octavius
15.03.11, 16:16
Interessante 3-D Visualisierung. Kannte ich so auch noch nicht. Der Tisch steht in der Visualisierung noch, da zum Zeitpunkt ihrer Erstellung (Oktober 2010) noch nicht entschieden war, ob er fallen wird oder nicht.

Fizgig
16.03.11, 09:42
In der FNP (http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/mauerreste-werden-in-szene-gesetzt_rmn01.c.8757648.de.html) steht, das der Tisch wohl nun definitiv abgerissen wird. Was für mich neu war: Es soll auch das Fluchttreppenhaus der Schirn wesentlich verkleinert werden um so die Lange Schirn besser andeuten zu können. Desweiteren beschäftigen sich wohl die Architekten des Stadthauses mit der Detailplanung der Gebäude zur Schirn hin. Da bin ich ja mal gespannt, wie dort die Lösung aussehen soll. Aber diese Gasse wird wohl am deutlichsten die alten, dunklen Gassen Frankfurts auf moderene Weise interpretieren ;-) .

Midas
16.03.11, 18:58
Ich entschuldige mich im Voraus fuer diese Anmerkung, denn wahrscheinlich wurde in diesem Thread schon X-mal dargestellt warum es NICHT moeglich ist, aber dennoch fragt man sich als Aussenstehender (nicht-Frankfurter) eigentlich staendig nur das eine:

Warum kann nicht diese furchtbare(!) und unmasstaebliche Schirn abgerissen und das Areal mit in die Neugestaltung einbezogen werden?

Die Neugestaltung der Altstadt ist ein tolles Projekt, aber dennoch bleibt der fade Beigeschmack, dass das Ganze immer Stueckwerk bleiben wird solange die Schrin einer wirklich befriedigenden Gesamtloesung im Wege steht. Schade eigentlich...

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Mod: Verschoben aus dem Projekt-Thread.

merlinammain
16.03.11, 19:23
@ Midas: Wohl zum einen, weil es eben für nicht wenig Geld vor nicht allzu langer Zeit gebaut wurde. Und zum anderen, weil die Schirn in Frankfurt sehr viele Anhänger hat.

Ich selbst finde dieses Gebäude ebenso schlimm wie du! Selbst wenn es woanders stehen würde und einem Abriss zum Opfer fallen würde, würde es mich nicht stören.

RMA
16.03.11, 20:02
Ich denke, man muss vor allem mal abwarten, wie sich die neue Altstadt entwickelt bzw. angenommen wird. Was heute passiert, wäre vor 25 Jahren noch undenkbar gewesen.

Wenn man die Schirn weiter vergammeln lässt, wie sie es heute bei genauerer Betrachtung an vielen Stellen schon ist, hat man vielleicht in 25 Jahren nur noch ebenso wenige Hemmungen, sie abzureissen, wie man es in der Gegenwart beim Technischen Rathaus hatte.

Einmal davon abgesehen, dass die Schirn für die Architektur der 1980er Jahre in Frankfurt am Main nun wirklich nicht ein Glanzstück darstellt. Mir fallen auf Anhieb ein gutes Dutzend andere Gebäude aus dieser Zeit ein, die wohl eher in den kommenden Jahrzehnten den Denkmalschutzstatus erhalten. Schon beim Grundriss und der Innenaufteilung frage ich mich immer, was man sich dabei gedacht hat, von der riesigen Fläche wird so wenig genutzt respektive steht so viel ständig leer, es erinnert eher an so gruselige Behördenkisten der 1960er denn ein Museum.

Lucas 2011
16.03.11, 22:27
Die Schirn ist bestimmt nicht das hässlichste Gebäude im Bereich der früheren Altstadt. Ein viel grösserer Dorn im Auge ist mir die 50-er Jahre-Bebauung in der östlichen Altstadt, die an Armselikeit nur noch von den Bundeswehrkasernen in Lich oder Homberg-Efze übertroffen wird. So etwas im historischen Zentrum einer deutschen Groβstadt ist absolut unwürdig und wahrscheinlich auch einmalig in Deutschland. Ich hoffe, dass ich die Beseitigung dieses Schandflecks noch erleben darf. Aber ich bin überzeugt, dass das Dom-Römer-Projekt trotz aller Meinungverschiedenheiten und trotz aller Schwierigkeiten alle Erwartungen übertreffen wird und die Maβstäbe für eine Neubebauung im gesamten Bereich der früheren Altstadt setzen wird. Das ist alles nur eine Frage der Zeit. Es wäre interessant zu wissen, wie es dort mit den Eigentumsverhältnissen aussieht, und ob eine grossflächige Lösung möglich ist.

Wikos
17.03.11, 12:05
An der 50-iger Jahre Bebauung in der östlichen Altstadt wird sich n.m.E. in den nächsten Jahren nichts verändern. Die dort wohnen, dürften sehr zufrieden sein, denn die Lage und dazu die relative Ruhe ist hervorragend. Außer relativer Verdichtung wird die Stadt dort vermutlich keine weiteren Aktivitäten initiieren. Zur Schirn: Ein erträgliches Relikt der Postmoderne. Zwar verstellt der Bau jetzt etwas die Altstadt-Pläne, aber ich bin mir sicher, dass dieser Bau bald saniert und unter Denkmalschutz gestellt wird und mit Sicherheit nicht wie das Technische Rathaus verschwindet. Das mag man bedauern, aber es gibt wahrlich größere bauliche Probleme in der Stadt.

Golden Age
17.03.11, 16:42
Die Maximallösungen wie Schirn-Abriss oder Planierung der 50-er Jahre-Bebauung in der östlichen Altstadt wären sicherlich ein Quantensprung, aber mittelfristig sind die Besitzverhältnisse, Finanzierbarkeit und politische Konsensfindung grosse Hürden. Auch der Abriss des Frankfurter Kunstverein-Anbaus fällt unter diese Kategorie, auch wenn sich hierbei um ein viel kleineres Gelände handelt und somit weniger kontrovers sein dürfte. Auf lange Sicht ist die Stadt aber solvent genug mit Hilfe von privaten Geldgebern solche Projekte wieder anzugehen.

Bis es dazu kommt, sollte man sich aber über kurzfristig umsetzbare und konsensfähige Schritte zur Belebung der Altstadt Gedanken machen. Im Zuge der neuen Areale Technisches Rathaus, Archäeologischer Garten, Historisches Museum und Alte Brücke ist nämlich ein günstiges Zeitfenster entstanden auch andere Fehlentwicklungen in der Altstadt zu beheben. Mir fallen folgende Punkte ein:

1) Belebung und bessere Durchwegung der Saalgasse als Verbindung zwischen Historischem Museum, Dom und Altstadt. Diese Strasse wird momentan hauptsächlich von den (schnell) abfahrenden Autos aus der Tiefgarage benutzt und ist somit eine reine Verkehrsstrasse in der alle anderen Verkehrsteilnehmer ein Schattendasein fristen. In Köln, Freiburg, Heidelberg oder Düsseldorf wäre eine wichtige Strasse in der Altstadt ganz sicher hauptsächlich für Fußgänger zugänglich. Der Erfolg gibt ihnen recht, denn in ihren Altstädten sind viele interessante Lokale, Hotels und inhabergegührte Geschäfte zu erleben, während es hier in Frankfurt abends vor allem düster und totenstill ist. Die Saalgasse wurde ganz sicher nicht nur für schnell fahrende Autos konzipiert, daher sollte man über eine Verlegung der Parkhaus-Abfahrt an die Domstrasse nachdenken. Dieser Schritt ist sicherlich teuer, aber nicht unbezahlbar angesichts der deutlich verbesserten Nutzung dieser schönen Strasse.

2) Begrünung der Fahrgasse um die kahlen 50er Jahre Bauten nicht so kühl wirken zu lassen. Die Fahrgasse sollte ein Cluster für Antiquitätenläden und Kunst-Studios werden, aber leider kommt eher "Siedlungs-Feeling" auf. Man versuchte die Gebäude mit Pastell-Farben etwas netter wirken zu lassen, aber es ist weiterhin eine Beleidigung, dass diese Gegend als "Altstadt" bezeichnet werden darf. Wie es besser geht, zeigt die nicht weit weg gelegene Töngesgasse in der Parkbuchten, sattes grün und Strassencafés zum Verweilen einladen. Eine Umrüstung auf Parkbuchten statt platzraubende Parallel-Stellen und die Pflanzung von 20 Bäumen sollten nicht die Welt kosten, aber die Strasse lebendiger und menschenfreundlicher machen.

3) Weg mit der "Barriere" Berliner Strasse: Die viel zu breite und schnelle Berliner Strasse muss das Mainufer, Altstadt und Hauptwache wieder miteinander verbinden anstatt sie zu trennen. Hieran arbeitet die Stadt bereits, aber eine Hängepartie würde zu einer Lähmung führen. Hier muss ein Signal gesetzt werden, dass man sich eine nachhaltige Altstadt-Belebung wünscht und die Stadt hierfür die nötigen Voraussetzungen schaffen will.

Lucas 2011
17.03.11, 17:02
Ein Facelifting für die Fahrgasse würde nur ein Argument gegen den Abriss liefern. Lieber vergammeln lassen und hoffen, dass sich das Problem irgendwann von selbst löst.

Noch einmal zum Thema Eigentumsverhältnisse:
Durch das Dom Römer Projekt und den Neu- und Umbau des historischen Museums wird die ganze Altstadt bedeutend aufgewertet. Es wäre sicher ein rentabeles Geschäft für einen Investor minderwertige Gebäude in der östlichen Altstadt abzureissen und durch hochwertige zu ersetzen, die dem Standort angemessen sind. Dabei kommt es natürlich darauf an, ob die Häuser z.B. einer Wohnungsbaugesellschaft gehören oder ob es sich hier um Eigentumswohnungen handelt, wo man mit hunderten von Eigentümern, Erbengemeinschaften etc. verhandeln muss.

BEKU
17.03.11, 17:11
Sicher sind die Wohnkisten in der Altstadt optisch gesehen eine Katastrophe. Aber - und das möchte ich doch mal zu bedenken geben - es ist bezahlbarer Wohnraum in guter Lage.

Was wäre die Folge eines Abrisses und Wiederbebauung mit hochwertigen Gebäuden? Es würde alles ganz toll und mit Sicherheit supermodern aussehen und hätte genauso wenig Altstadtcharakter wie zuvor. Zusätzlich wäre wieder einmal ein neues Quartier für Reiche geschaffen, wie am Beispiel neben der Leonardskirche zu sehen ist. Letzten Endes trägt das auch nicht gerade zur Belebung bei und die Leidtragenden wären mal wieder die kleinen Leute.

Dann doch lieber den - zugegebenermaßen - unbefriedigenden Altbestand erhalten und das Beste daraus machen.

Golden Age
17.03.11, 17:19
Eine mehr oder weniger absichtliche Vergammlung in der Altstadt existiert aber bereits bei dem ehemaligen Bundesrechnungshof-Areal, dass seit 2002 vor sich hin rottet. Diese hat aber eher eine abschreckende als verlockende Wirkung auf Investoren und schwächt das gesamte Gebiet. Auch das Degussa-Areal wäre leichter zu vermitteln, wenn dieses abgeschriebene "Geisterhaus" nicht nebenan für Hinterhof-Atmosphäre sorgen würde.

Die Aufwertung von Saalgasse und Fahrgasse sind Sofortmaßnahmen, die zeitgleich zu den anderen Bautätigkeiten verwirklicht werden könnten. Der bezahlbare Wohnraum sollte aber dabei erhalten bleiben, alleine damit eine leidige "Verdrängungs-Debatte" vermieden werden kann. Fest steht, die politische Aufmerksamkeit ist jetzt auf die Altstadt gerichtet, daher sollte man die zeitlich sehr begrenzte Chance auch nutzen. "Angst vor der eigenen Courage" wäre hier ein schlechter Ratgeber.

Lucas 2011
17.03.11, 19:57
Herr Guntersdorf spricht beim Dom-Römer-Projekt von Nordend-Preisen, also von bezahlbarem Wohnraum. Das sollte dann auch bei einer möglichen Neubebauung der östlichen Altstadt ungefähr das Preisniveau sein. Sicher muss auch das untere Preissegment irgendwo abgedeckt werden, aber dann ohne Anspruch auf den Luxus einer zentrale Innenstadt-Lage und Blick auf Dom, Main und Skyline. Ausserdem sind die Wohnungen in der Kannegiesergasse und in der Fahrgasse bestimmt nicht so billig wie man beim Anblick der bescheidenen Architektur meinen sollte.

Sorry, wenn ich mich in meinem vorherigen Beitrag falsch ausgedrückt habe. Falls hier doch irgendwann die Abrissbirne anrücken sollte, dann ist das Ziel selbstverständlich die Wiederherstellung des alten Stadtgrundrisses, der Bau von Wohn- und Geschäftshäusern gemäss Gestaltungssatzung und im Idealfall auch Rekonstruktionen. Das ist eigentlich das, was ich mit hochwertger Bebauung gemeint hatte. Nicht supermodern und superteuer.

BEKU
17.03.11, 20:07
Ich befürchte jedoch, dass aufgrund der zu erwartenden Grundstückspreise und der Lage das alles andere als "Nordendpreis" werden wird. Eine Umsetzung der alten Grundrisse dürfte noch ferner sein, wenn man schon auf dem Römerberg ernste Probleme damit hat. Und wenn meine Informationen nicht gänzlich falsch sind, dann sind die aktuellen Mieten in der Tat äußerst günstig und deutlich unter dem Nordend. Zumindest für die Mieter, die dort schon lange wohnen. Wie das bei Neuvermietungen aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Golden Age
17.03.11, 20:49
Die Fahrgasse ist nicht schön, aber sie wäre mit einfachen Mitteln schnell zu verbessern. Die Töngesgasse hat eine sehr ähnliche Bebauung, aber dort kommt sogar ein bisschen "Berger Strassen Feeling" auf, weil sie bunt, lebendig, schattenspendend (im Sommer ein wichtiges Argument) und, vor allem, einspurig ist. Daher wäre die Töngesgasse durchaus eine gute Schablone oder Leitbild für andere Strassen in der Altstadt. Es wäre durchaus einen Versuch wert, es erstmal so zu probieren, da die sehr teure Kahlschlag-Lösung die Ultima Ratio bleiben sollte.

Zu Wohnungspreisen: Es wäre mir neu, wenn Nordend-Preise für bezahlbaren Wohnraum stünden. Besonders der westliche Teil dieses Viertels erzielt mittlerweile deutschlandweite Spitzenmieten. Wer die Yuppiefizierung des Nordends nicht wahrhaben will, sollte sich mal freitags am Wochenmarkt des Friedberger Platzes aufhalten.

Notiz: Jetzt regnet es schon rote Ampeln, wenn man sagt, dass es Yuppies im Nordend gibt. Das ist weder negativ noch abwertend gemeint. Wo sind wir hier eigentlich??? Yuppies sind im Nordend hoch geschätzt, aber führen eben zu einer Verteuerung bei Mieten, Restaurantpreisen usw. Das ist im Prenzlauer Berg (in B), Schanzenviertel (in HH) oder Glockenbachviertel (in M) ganz genauso zu erleben.

Lucas 2011
17.03.11, 21:19
Wenn ich von der östlichen Altstadt spreche, meine ich nur den Teil südlich der Berliner. Die Kahlschlag-Lösung würde ich also auch nur hier vorschlagen (mit einer sozial verträglichen Lösung für die Mieter preisgünstiger Wohnungen). Für den nördichen Teil der Fahrgasse und die Töngesgasse kann man sicher eine andere Lösung finden. Aber mit ein paar Bäumen und "e bissi Fabb" ist das auch nicht getan.

OllaPeta
18.03.11, 10:17
Die Feststellung, dass die "Altstadt" abseits des Touristenzentrums Römerberg und mit Abstrichen Braubachstraße abends relativ tot ist, ist ja nicht neu. Das war aber leider beim damaligen Wiederaufbau nach dem Krieg billigend in Kauf genommen worden, wenn nicht sogar politisch gewollt. Die Blocks im Bereich Saalgasse, Fahrgasse oder auch zwischen Römer und Degussa-Areal sind ja mit voller Absicht als ruhige, grüne, lichte aber gleichzeitig innenstadtnahe Wohngebiete geplant worden, ohne dass dort Kneipen, Geschäfte oder sonstiges Amüsierpotenzial geschaffen wurden. Das sich diejenigen, die dort wohnen nun daran gewöhnt haben und ihnen eine Nachverdichtung oder auch wie auch immer geartete "Belebung" nicht schmecken wird, ist auch klar. So leicht wird sich diese Entwicklung nicht umkehren lassen ohne auf Widerstand zu stoßen. Sicherlich wäre das aus stadtplanerischer Sicht wünschenswert und der nun neu zu bebauende Altstadtkern ist ja ein Schritt in die richtige Richtung. Möglicherweise strahlt dies ja auf die erweiterte Altstadt aus. Was mir in den letzten Jahren jedenfalls auffiel ist, dass gerade in der Fahrgasse schon mächtig renoviert wurde, was leider nicht immer ästhetischer Gewinn war.

Fizgig
18.03.11, 10:23
Ich finde nicht, das der Altstadt-Bereich unbedingt komplett belebt werden muss. Die Wohngebiete sind nun mal eben zum wohnen gebaut worden und das wird sich nicht mehr ändern lassen. Aber durch den Wideraufbau des Altstadt-Zentrums kann sich dort eine neue Mitte entwickeln, die auch Abends einlädt, dort zu flanieren.
Wichtiger sind wohl die Ideen, die im Entwicklungsplan genannt worden sind: Umbau/Rückbau der Berliner Straße Zweispurig, bessere Nord-Süd Verbindungen von der Zeil an den Main. Und für mich gehört dazu auch die Fahrgasse, die hat, wie schon erwähnt, das Potential, eine zweite Töngesgasse zu werden. Von der Fahrgasse über die Saalgasse in den Altstadt Bereich. Entwickeln kann sich dann auch noch der nördliche Dom-Bereich bis zur Braubachstraße und dann hat man ein Viertel, das genug Leben tragen kann. Da braucht man dann die Wohnbereiche garnicht stark zu verändern.

thomasfra
20.03.11, 00:30
Dieses Blättchen findet sich zurzeit an mehreren Stellen zwischen Dom und Römer. (hier der Link (http://www.sos-dompanorama.de/))

http://img824.imageshack.us/img824/8529/22136198.jpg
By thomasfra (http://profile.imageshack.us/user/thomasfra) at 2011-03-19

gratte-ciel89
24.03.11, 10:37
Wettbewerb "DomRömer Bebauung"

Auch die FAZ berichtet heute über den Ausgang des Wettbewerbs:
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EA8411D9E42D948038BCF5187ACD223 C3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Traurig: Mäckler hofft, dass bisherige Interessenten für die neun optionalen Rekonstruktionen
- dank der tollen Entwürfe - von diesen Plänen Abstand nehmen und sich für
Neubauten entscheiden.

Schließlich würden die Neubauten auch in Bezug auf Belichtung und Deckenhöhe
dem Komfort entsprechen der heute von Wohngebäuden verlangt werde.

bhilgenstock
24.03.11, 18:27
Die FAZ berichtet natürlich heute auch über die gestrige Entscheidung:
http://www.faz.net/-01qaih

Interessanterweise ist dabei von einem Baustart 2013 die Rede. Wenn ich mich recht erinnere, war doch vor kurzem noch 2012 anvisiert worden. Fehler der FAZ oder tatsächliche Verzögerung?

Im Übrigen kann ich den Kauf der Printausgabe (mit Regionalteil) nur empfehlen, da auf einer Doppelseite die meisten Entwürfe abgedruckt sind, was deutlich übersichtlicher ist als die Bildergalerie in dem hier schon verlinkten FNP-Artikel.