Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 26.08.12, 23:34   #2
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.521
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Ein anderes Kleinod fränkischer Baukunst ist das Tucherschloss im Norden der Nürnberger Altstadt gelegen. In den letzten Jahren wurde das Patrizierwohnhaus wieder rekonstruiert und liebevoll ausgestattet. Von der Straße wirkt das Gebäude schon etwas zurückhaltend. Man rast in der Hetze der heutigen Zeit fast daran vorbei.



Die Pracht der Reichsstädtsichen Bürgerhäuser hat sich erst im Innern offenbart:





Ganz besonders beeindruckend sind die Holzkassettendecken:



..auch im Rittersaal:




Durchs Treppenhaus wieder hinaus.



Der Garten ist eine Oase in der an sonsten kargen Nordöstlichen Altstadt, in der man die Traditionen der frankischen Baukunst seit 1960 völlig vergessen hat und entsprechend unwirtliche Stadträume schuf. Aber das soll hier nicht Thema sein, sondern das Schöne. Aus der Gartensicht wirkt die Anlage dann schon wie ein Schloss. Ganz raffiniert haben die Architekten hier den Spagat geschafft. Vom öffentlichen Raume aus sichtbar durfte der Hausherr nicht höher und prächtiger bauen als die Stadt selbst, die wiederum als Reichsstatt repräsentative öffentliche Bauten vorweisen musste. Vom Garten aus ist es trotzdem gelungen:






Ein kleiner Kreuzgang im Hof:



Vor dem Gartenhaus" des Schlosses, dem Hirsvogelsaal stehend mit Blick auf den Schlossgarten:



Im Hof des Tucherschlosses hat man - äußerlich vereinfacht aber immerhin - den Hirsvogelsaal wieder aufgebaut.



Das Innere ist letztlich auch das Interessantere, da der kleine Saalbau gespickt ist mit architektonischen Details aus der Renaissance. Allerdings ist davon kaum noch etwas original. Trotzdem begeistert es vollauf:





Unweit davon wurde noch im 19. Jahrhundert durch den "Nürnberger Stil" eine einzigartige Ausdrucksform des Historismus geschaffen, den es so nur hier gibt. Wer in so einem Gebäude eine für sich passende Wohnung gefunden hat lebt etwas vom Hauch des Patriziertums. Penzstraße in St. Johannis:



Oder in der Bielingstraße:



Oder auch in Gostenhof. Hier das Hansahaus:




In der Gostenhofer Hauptstraße:



Genauso in der Petzoltstraße:





Natürlich gibt es auch die Varianten des Historismus, wie sie verbreiteter waren. Aber immerhin aus lokalen Baustoffen erstellt:




Eine etwas einfachere Form davon, aber trotzdem zweifelsfrei zuordenbar findet sich der Nürnberger Stil auch in den Nördlichen Vorstädten wieder. Hier in der Berckhauserstraße:



Und in der Geuderstraße:



Schade dass sich heutige Architekten keinerlei Mühe mehr geben, diese lokalen Vorgaben zu respektieren um Unverwechselbares zu erschaffen. Diese Baukasten aus Formsprache, Materialwahl und Stilelementen enthält schließlich eine schier unendliche Anzahl an Bausteinen, die man mehr oder weniger deutlich nutzen kann um einem Bauwerk eine lokale Identität einzuhauchen.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist gerade online   Mit Zitat antworten