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Alt 17.09.13, 13:02   #1803
Klarenbach
Goldenes Mitglied

 
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Klarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz sein
Jetzt komme ich zu den Rathauspassagen. Sie wurden von 1967 bis 1972 nach Entwürfen von Heinz Graffunder errichtet. Der Komplex besteht aus drei aufgeständerten Plattenbaublöcken des Typs P 2 mit insgesamt 360 Wohnungen. Die unteren beiden Geschosse wurden in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtet und boten Platz für Geschäfte, Gaststätten, Arztpraxen, eine Post und Büros. Auf dem Dach dieses Gewerbetraktes wurde zudem eine Kinderkrippe errichtet. In den Rathauspassagen gab es diverse Gaststätten, wie das Cafe "Rendezvous", das Grillrestaurant "Zum Goldbroiler" oder das tschechoslowakische Spezialitätenrestaurant "Morava". Weiterhin waren hier zahlreiche Geschäfte untergebracht, die oft ein relativ exklusives Angebot führten. Zu ihnen zählten das "Haus der Mode", den Pelzsalon, den Schmuckladen "Ostseeschmuck", den Kosmetiksalon "Helena", den Musikinstrumenteladen "Takt und Ton", das Schuhhaus "Hans Sachs", eine Weinhandlung und vieles andere mehr. Im Keller war zudem eine Bowlinggaststätte untergebracht.

Die Konzeption der Rathauspassagen hängt mit der verstärkten Beschäftigung mit Le Corbusier in der DDR in den sechziger Jahren zusammen. Insbesondere das Konzept der Großwohneinheit und seine Chancen für ein angenehmeres Leben wurden damals intensiv diskutiert. Treibende Kräfte dieser Debatte waren der damalige Chefredakteur der Zeitschrift "Deutsche Architektur", Bruno Flierl, und der Mitarbeiter der Bauakademie, Silvio Macetti, der 1968 das Buch "Großwohneinheiten" herausgab. Die multifunktionalen Komplexe an der Rathausstraße und der Karl-Liebknecht-Straße waren eine Folge dieser Diskussion. Ziel der Planer war eine Stadt der kurzen Wege, in der die Bürger möglichst viele Funktionen im gleichen Haus vorfinden sollten.

Weiterhin wurde für das Gebäude eine umfangreiche Kunstkonzeption entwickelt, die Verfasser waren hier ein Künstlerkollektiv unter Leitung von Gerhard Stelzer. Diese Konzeption umfasst nicht nur die Ausstattung der Rathauspassagen mit zahlreichen Kunstwerken, sondern auch die Gestaltung der Leuchtschriften, der Lichtgestaltung und der Werbung. Realisiert wurden zum Beispiel die Keramikreliefs "Berliner Humor" von Regina Junge und Astrid Danegger, der Tröpfelbrunnen von Gerhard Thieme, das Emaillebild "Arbeit und Freizeit" von Adam Kurtz (im Schalterraum der Post), die Fayencen "Lebensgenuss" von Christa Sammler (in der Gaststätte "Morava"), das Mosaik "Berliner Leben" von Rolf Lindemann und Hans Vent (im Espresso), die Metallreliefs "Berliner Sportgeschichte" von Baldur Schönfelder (im Bowlingkeller), das Denkmal für die Erbauer des Berliner Stadtzentrums von Gerhard Rommel und viele andere Kunstwerke. Hier ist ein Blick in den Schalterraum der Post mit dem Wandbild von Adam Kurtz:



Foto: Bundesarchiv, gemeinfrei

Die Rathauspassagen wurden von 2002 bis 2003 für 63 Millionen Euro saniert und um ein Parkhaus ergänzt. Die Sanierung leitete das Büro RKW Rhode, Kellermann, Wawrowsky Architektur und Städtebau, der Entwurf für das Parkhaus stammt vom Büro Kny & Weber Architekten. Bauherr war die Wohnungsbaugesellschaft Mitte mbH (WBM). Die Perspektiven des Gebäudes sehen sehr gut aus, die Wohnungen sind sehr gefragt, sowohl die WBM als auch die Senatverwaltung für Stadtentwicklung betrachten das Gebäude als einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung bezahlbarer Wohnungen in der Innenstadt. Daher gibt es weder kurzfristig noch langfristig Abrisspläne.

Hier gibt es ein paar Fotos:



Auch die Gestaltung der Rathauspassagen enthält Bezüge zu ihrer Umgebung. Die rasterförmigen Fassaden der Wohngebäude stellen einen Bezug zu den Fassaden der Behrens-Bauten am Alexanderplatz her. Weiterhin wurden auch hier - wie schon beim Komplex Karl-Liebknecht-Straße - Klinker verwendet, die auf die Marienkirche und das Rote Rathaus verweisen. Farbliche Akzente setzen zudem die Verkleidungen mit kobaltblauen Glasmosaiken.









Hier gibt es Innenansichten:







Der Verteilergang:



Die Aussichten:





Auch die Rathauspassagen verfügen über Dachterrassen, aber besser gestaltet werden könnten.

















Hier ist die ehemalige Kinderkrippe. Sie wird jetzt als Servicecenter der Wohnungsbaugesellschaft Mitte genutzt. Die Fassade mit einem blauen Glasmosaik von Gertrud Triebs wurde leider durch eine ziemlich banale Wärmedämmung verkleidet.





Das ist eine historische Ansicht der Kinderkrippe:



Foto: Bundesarchiv, gemeinfrei

Auch zu den Rathauspassagen gehören mehrere Kunstwerke. Leider sind viele von ihnen bei der Sanierung zerstört worden. Noch vorhanden ist das Denkmal für die Erbauer des Stadtzentrums von Gerhard Rommel. Es müsste allerdings mal instandgesetzt und gereinigt werden.







Alle Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Klarenbach
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