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Alt 01.05.16, 20:25   #43
antonstädter
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Die Leubener Vorortsbahn (Teil III)

In den ersten beiden Teilen unserer Vorortsbahn-Begehung sind wir bislang noch bestehenden Strecken gefolgt, denn zu etwa zwei Dritteln lebt die Bahn in Form der heutigen Linie 6 im Großformat weiter. Der erst 1906 eröffnete Streckenabschnitt Niedersedlitz-Kleinzschachwitz jedoch ist seit 1932 wirklich Geschichte. Nach Übernahme des Kernabschnittes durch Linien der Städtischen Straßenbahn verblieb er, obgleich ebenfalls umgespurt und sogar bis zur Zschierener Elbfähre verlängert, als eher ungeliebtes Anhängsel, befahren mit zwischen Bahnhof Niedersedlitz und Zschieren pendelnden Solo-Zweiachsern, die zunächst noch im Straßenbahnhof Leuben beheimatet waren.




Im Fahrzeiten- und Haltestellenverzeichnis von 1929 finden wir die Vorortsbahn in ihrer finalen Konfiguration, mit allen wichtigen Informationen zur Strecke.


Von 1932 bis 1936 übernahm eine Omnibuslinie „V“ den Ersatzverkehr, mit Eröffnung der Neubaustrecke über die Königsallee verschwand für Jahrzehnte jedweder Nahverkehr auf der historischen Relation. Erst seit 2000 existiert die Verbindung wieder in Busform, zunächst durch die Linie 96, heute die 88.


Wir beginnen wieder am Bahnhof Niedersedlitz. Vom Bahnhofsvorplatz bis in die Bahnhofstraße ist ein nicht unbeträchtlicher Höhenunterschied zu überwinden. Blick noch einmal zum heutigen Endpunkt der Linie 6…




…und die Kurve aus der Gegenrichtung. Bis 1977 lag in der Bahnhofstraße noch ein Übergabegleis zur meterspurigen Lockwitztalbahn, die rechts anschloss.




Blick zur einstigen Einstiegshaltestelle der Lockwitztalbahn unter der Brücke ab 1925. Mit der Umspurung musste sie vom Bahnhofsvorplatz zurückgezogen werden.




1925 bog die Gleisschleife wie heute noch nach links, die Vorortsbahn fuhr weiter geradeaus in die Bahnhofstraße. Bis in die 1990er lag hier noch ein Gleisrest, ebenso wie am anderen Ende in Kleinzschachwitz.




In der Bahnhofstraße. Wir nähern uns Zschachwitzer Flur. Das heute zur Unterscheidung von Kleinzschachwitz als Großzschachwitz bezeichnete eigentliche Zschachwitz wurde erst, wie Niedersedlitz, 1950 eingemeindet, nicht wie Kleinzschachwitz bereits 1921. (Ufff!)




Der erst seit 2000 existierende legitime bereifte Nachfolger der 68 Jahre zuvor eingestellten Straßenbahn trägt die Nummer 88 und kommt uns hier in Form eines auf Susanne getauften polnischen Fabrikats entgegen.




Ehemaliger Gasthof Zschachwitz an der Kreuzung mit der Peterswalder Landstraße, die seit 1950 auch in Zschachwitz Pirnaer Landstraße heißt, heute ein schnöder Möbelhandel. Anbei eine lauschige Lithographie des einstigen Gastronomie-Glanzlichts.






Gegenüber geht es dem Kaufhaus Günther an den Kragen. Sauerei!!!




Im Dorfkern von Zschachwitz, Blick zur Peterswalder Landstraße. Man beachte den hineinretuschierten Vorortsbahnwagen!




Ortsgrenze zu Kleinzschachwitz, von 1921 bis 1950 gleichzeitig Stadtgrenze.




Kleinzschachwitz, Gasthof „Goldene Krone“ kurz vor dem Putjatinplatz. Vor der Gaststätte das Vorortsbahngleis, wohl noch in Meterspur.




Wenige Meter weiter, die heutige Situation. Im Hintergrund der Putjatinplatz.




An der Ecke zur Meußlitzer Straße.




Eng ging es im Dorfkern von Kleinzschachwitz zu.




Blick zurück. Im Gegensatz zur einstigen Straßenbahn biegt der Bus der Linie 88 in die Meußlitzer Straße ein, um zur Kleinzschachwitzer Fähre zu gelangen.




An der Putjatinstraße. Mittlerweile ist das Gleis auf Stadtspur gewachsen. Einst und jetzt.






Blick in die Kurhausstraße, im Hintergrund das ehemalige Kleinzschachwitzer Rathaus.






Das Kleinzschachwitzer Rathaus diente nach der Eingemeindung als Postamt. Das Gebäude präsentiert sich in hervorragendem Sanierungszustand. Die Strecke führte rechts geradeaus weiter die Kurhausstraße entlang, am Rathaus gab es eine Haltestelle mit Ausweiche.






Grünes Idyll in der Kurhausstraße. Heute kaum noch vorstellbar, dass hier einst eine Straßenbahn entlangfuhr…




Kreuzung Zschierener Straße mit hübschem Eckhaus. Hier gab es eine Haltestelle der Straßenbahn, heute kreuzt die Buslinie 86 und besitzt wiederum eine Haltestelle Kurhausstraße.




Wir nähern uns dem Endpunkt der meterspurigen Vorortsbahn. Im Hintergrund tauchen bereits die dicken Masten der Kleinzschachwitzer Gleisschleife auf.






Blick in die Freystraße mit der zweigleisigen Aufstellanlage der Gleisschleife. Heute endet hier die Linie 2.




Die Gleisschleife schneidet den einstigen Endpunktbereich in der Kurhausstraße. Mit der Umspurung wurde die Vorortsbahn verlängert und bog rechts in die Königsallee zur Elbe hin ein.




Winterliche Endpunkt-Impression um 1910. Die Perspektive dürfte in etwa dem vorigen Bild entsprechen. Im Hintergrund die Königsallee.




Blick zurück in die Kurhausstraße vom einstigen Streckenende bis 1925.




Wir setzen unseren Weg gen Elbe fort. Eine wirklich bescheuerte Idee, am ersten Mai das Pillnitzer Elbufer just zur Zeit der Dampferparade aufzusuchen…




Villa in der Berthold-Haupt-Straße, einst Königsallee.




Kurhaus Kleinzschachwitz, einst und jetzt. Auf dem zweiten Bild ist gut das nur wenige Jahre existierende stadtspurige Streckengleis der Verlängerung von 1925 erkennbar.








Kurz vor dem Endpunkt schwenkte die Strecke links der Straße auf einen Bahnkörper und hatte ihren Endpunkt im heutigen Biergarten des „Elbidylls“, dessen hölzerne Bude wiederum nichts anderes ist als die einstige Straßenbahn-Wartehalle! Leider war es heute nicht zu fotografieren…




Gegenüber das ebenfalls hoffnungslos überlaufene Fährhaus. Ich suchte schnell das Weite…




Daher muss dieser historische Postkartenblick leider ohne aktuelle Entsprechung bleiben, dabei wäre ein Vergleich höchst reizvoll. Links das Fährhaus, rechts die Wartehalle der Straßenbahn (heutiges „Elbidyll“), rechts daneben der Endpunkt mit nicht zu übersehendem Hinweisschild und den typischen Beton-Oberleitungsmasten der zwanziger Jahre.




Ich möchte den Vorortsbahn-Beitrag gern mit dem entsprechenden Fahrplan aus dem Jahr 1929 beschließen. Drei Jahre später gab es die Bahn nicht mehr.




Zu guter Letzt noch etwas Begriffskuddelmuddel. Der Straßenbahnendpunkt nannte sich „Zschieren“, ebenso wurde die heute als Kleinzschachwitz bezeichnete Fährstelle dereinst so tituliert. Genau durch die Rampe zur Fährstelle zieht sich allerdings die Flurgrenze, so dass beide Benennungen ihre Relevanz haben. Daher ist es auch nicht unkorrekt, dass sich der heutige Busendpunkt nicht als „Zschieren Fähre“, sondern „Kleinzschachwitz Fähre“ daherkommt.

Außerdem fällt beim Literaturstudium auf, dass die Leubener Vorortsbahn allermeist als „Vorortbahn (ohne s) bezeichnet wird. Dies ist jedoch nachweislich inkorrekt. Daher haben wir in den Beiträgen ausschließlich die Variante mit s verwendet.
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Cependant, qui sait? La terre a des limites, mais la bêtise humaine est infinie! (Gustave Flaubert)
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