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Alt 13.09.16, 23:43   #23
nothor
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Abriss und Neubau Maria Ward Schule



Am Kesslerplatz erweitert nicht nur die Ohm-Hochschule (Beitrag 21). Auch die Katholische Kirche, das Bistum Bamberg, modernisiert und erweitert den beeindruckenden Schulkomplex der Maria-Ward-Schule am Kesslerplatz. Das Projekt, für den es bereits 2012 auch einen Architekturwettbewerb gegeben hatte (Link: https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/103809) ist schon mittendrin. Ziel ist es, die interessanterweise wirklich nicht alte, aber offensichtlich nicht in Gänze sanierbare Schule aus den 1960'er Jahren zu modernisieren, sondern auch ihre Kapazitäten zu erweitern. Die Abrissarbeiten an den preisgegebenen Trakten sind im vollem Gange:



Die Flachbauten an der Arnulfstraße werden einem hochmodernen Neubaukomplex Platz machen. Hinsichtlich der Unsanierbarkeit geht es wohl exakt um diese Bauteile.





Es wird aber nicht alles abgerissen. Gott sei Dank, denn die Schule ist architektonisch nicht völlig wertlos. Der Eingang vom Kesslerplatz erinnert wohl noch etwas an eine Klosteranlage, die hier einmal gestanden hatte. Hier befindet sich das sog. "Konvent", ein zu zu erhaltender Verwaltungstrakt.



Die Gebäude rechts im Bild bleiben daher erhalten, und geben die Architektursprache für den Neubau vor. Erfreulich, denn hier sind doch einige zeittypische Gestaltungsmerkmale zu sehen, um die es schade wäre. In den 1960'ern hat man noch mehr als heute mit dem Baustoff Beton experimentiert und gestaltet. Heute macht man das nicht mehr, in unserem armen und von Entbehrungen geprägten Alltag hat Kunst am Bau leider keinen Platz mehr!





Das Architekturbüro H2M-Architekten aus Kulmbach hatte 2012 den Wettbewerb gewonnen und zeichnet nun für die Realisierung verantwortlich. Es wird ein ziemlich wuchtiger Schulneubau entstehen, der den benötigten Platz bieten wird. Gleichzeitig bekommt der an seiner Südkante ausgefranste Kesslerplatz eine markante Raumkante mehr, und wird so mehr als Platz definiert.


Visualisierung: H2M-Architekten, Kulmbach

Zum großen Innenhof hin wird ganz anders gearbeitet. Es wird eine Glasfassade mit dynamisch-organisch laufenden Streben geben. Ob das so glücklich ist, da bin ich als Laie nicht überzeugt. Ich denke das wird eher nervige Blendreflexe und Spiegelungen geben, aber da ließe ich mich überzeugen. Es gibt ja heute auch interessante Beschichtungen auf Glas.


Visualisierung: H2M-Architekten, Kulmbach

Weitere Visualisierungen gibt es aktuell hier zu sehen: http://maria-ward-schulen-nuernberg....bau/neubau.htm und weitere Informationen bei den ausführenden Architekten: http://www.h2m-architekten.de/projek...len-nuernberg/

Wirbel hat es um die Abholzung eines größeren Baumbestands an der Theodorstraße gegeben, wo zwischenzeitlich ein Behelfsbau aus Holz fertig gestellt worden ist. Dieser soll nach Ende der Bauphase wieder abgebaut und andernorts wieder eingesetzt werden können. Hier wird der Schulbetrieb während der Bauarbeiten weitergehen.



Manche Provisorien halten ja länger als gedacht, würde mich nicht wundern wenn der Flachbau etwas länger stehen bliebe. Links der zu erhaltende Altbau, rechts der Behelfsneubau, der bald wieder verschwinden soll:



Insgesamt ein spannendes und ambitioniertes Projekt. Die Informationen, die ich hierzu im Netz auftreiben konnte, sind leider etwas wiedersprüchlich. Die Visualisierungen oben weisen auf einen riesigen Schulkomplex als geschlossenen Neubau hin. Dies bedeutet auch, wenn ich das richtig lese, dass die bestehenden Bauten am Prinzregentenufer komplett verschwinden werden. Das wäre natürlich eine riesige Verschwendung von grauer Energie, von bestehenden und substanziell sehr langlebigen und einst teuer erstellten Baumassen.



Eine andere Funktionsskizze zeigt jedoch, dass diese viergeschossigen Hochbauten (zweites Foto dieses Beitrags) in ein Sanierungskonzept einbezogen werden:


Skizze: EGS Ingenieurgesellschaft mbH

Auch das ausführende Architekturbüro liefert hierzu eine offensichtlich aktualisierte Übersicht (Link). Angesichts der ökologischen Bilanz dieser Sanierung wäre das natürlich von Vorteil, denn sonst würden tatsächlich 5 Gebäude mit mehreren Tausend Quadratmeter abgerissen um gleich wieder neu gebaut zu werden (google Maps). Soetwas kann ja eigentlich nicht sein, wenn man heutzutage noch über doppelt so alte Schulpaläste problemlos und gerne nutzt. In beiden Szenarien fällt aber der langezogene Block am Prinzregentenufer und macht einem Schulhof Platz. Der Straßenzug wird sich an dieser Stelle also einmal deutlich wandeln.



Insofern stehen sich hier die in der Presse im März 2016 wiedergegebenen Aussagen ("Abriss statt nicht endender Flickschusterei") und aktuelle Pläne der Architekten gegenüber. Aber es wird sich ja in wenigen Tagen zeigen was hier realisiert wird. Aktuell sind die Schulhäuser an der Arnulfstraße Ecke Prinzregentenufer nur beräumt und entrümpelt, aber noch nicht von den Abbruchgeräten angeknabbert.
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Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

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