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Alt 31.03.15, 23:47   #73
Auenschreck
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Zitat:
Zitat von LE Mon. hist. Beitrag anzeigen
Vermutlich wird es dann aber im Sprachgebrauch fast immer zu Reudnitz geschlagen werden. In dem Falle wäre es gar nicht falsch, denn die Fläche gehörte ca. 700 Jahre lang zur Reudnitzer Flur und wurde dann offenbar erst um 1900 oder noch später nach Thonberg umgeflurt.
Nach meinen Infos gehörten die Flächen immer zu Reudnitz. Wobei das geplante Bauvorhaben genauer gesagt im ehemaligen Neureudnitz realisiert werden soll. Nachfolgend 2 Karten, auf denen die Grenzen schwarz (1915) bzw. rot (1920) markiert sind. Wann wurde denn dieses Gebiet von Thonberg "okkupiert"?

Karte Neureudnitz 1915



Karte Neureudnitz 1920



Noch einige Anmerkungen zur Entwicklung des Viertels und zum Projekt.

Das sogenannte Neureudnitz entstand ab 1855 mit der Ansiedlung der Maschinenfabrik und Eisengießerei des berühmten Werkzeugmaschinen-Tüftler Christian Mansfeld (u.a. vollendete er 1853 die erste in Deutschland hergestellte Nähmaschine!) in der Mühlstraße 15-19 (ab 1921 in Paunsdorf, Riesaer Straße 56-64).

Die industrielle Entwicklung von Reudnitz verlief zweigeteilt, einmal an der Kohlgartenstraße im alten Dorf Reudnitz, und im Süden auf Reudnitzer Flur an der Mühlstraße (so entstand ab 1862 die Brauerei von Adolf Schröder, spä. Riebeck, in der Mühlstr. 13). Beide Firmen haben das Quartier in seiner Entwicklung wesentlich beeinflusst.

Man nannte diesen südlichen Teil Neureudnitz, die Flächen dazwischen waren noch nicht bebaut. Neureudnitz war sogar seit 1864 eine eigenständige Landgemeinde, auf alten Karten ist die Bezeichnung noch zu sehen, am 01. Januar 1890 ging es ab zu "Muttern" nach Leipzig.

1988-90 erfolgte der Flächenabriss ganzer Straßenzüge (Cäcilienstr., Oswaldstr., Witzgallstr.-ex Friedrich-Wilhelm-Str., Stötteritzer Str.), und auch diesem Gründerzeit-Terrain blieb im Anschluss die Heimsuchung mit den berühmt-berüchtigten "WBS 70" Betonbunkern nicht erspart. Zu allem Unglück wurde das ohnehin stark perforierte Gebiet nach 1990 auch noch mit lichtem Hain und nicht ganz so dunklem Wald beglückt, was einen weiteren Abbruch von Altbausubstanz zur Folge hatte.

Wenn ich richtig gezählt habe, sind von der ursprünglichen Bebauung in Neureudnitz abzüglich Kriegsfolgen, sozialistischer Wunderwirtschaft und Nachwende-Nachwehen lediglich 4 Exemplare übrig geblieben, und ganze zwei davon bilden die alte westliche Gemarkung von Neureudnitz an der Prager Straße.

Daher begrüße ich dieses Bauvorhaben sehr und hoffe, dass damit wenigstens ein Anfang gemacht wird, um der Ostseite der Prager Straße in diesem Bereich wieder einen städtebaulichen Rahmen zu geben. Viel Glück damit!

Bilder sind von mir.
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