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Alt 13.04.13, 19:45   #66
nothor
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Noch toller wird es angesichts der Tatsache, dass es meines Wissens nach das einzige Rekonstruktionsprojekt in Nürnberg ist, von ausschließlich privater Hand organisiert und durchgeführt und außerdem noch unglaublich aufwändig: Ca. 4 Millionen Euro wird es gekostet haben wenn es fertig ist. Etwa zweieinhalb Millionen wurden bisher verbaut. Grund genug für den Bauherren, den Altstadtfreunden, den Stand der Dinge der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich nahm das Angebot dankend an und fand mich vor der Straßenfassade am Egidienberg ein, wo die gestaffelten Führungen ihren Anfang nahmen. Das Bild kennt jeder, von Fritz Mayer 1957 wiedererrichtet und zwischenzeitlich denkmalgeschützt:



Die Führung führte zunächst auf das westlich gelegene Grundstück, wo die Sandsteinelemente gelagert werden. Der Weg führte durch den Überrest des ehemaligen Nachbargebäudes, einem stattlichen Sandsteinbogen, der einmal die Hofdurchfahrt des Nachbaranwesens war:



Die Sandsteine hat man über den Winter von fünf verschiedenen Steinmetzbetrieben in der Region anfertigen lassen, womit diese Betriebe auch im Winter gut ausgelastet waren. Zur Anwendung kommt Sandstein aus dem Stadtteil Worzeldorf. Die Steine werden allesamt in handwerklicher Manier angefertigt:



Von dort war auch der Blick frei auf die Westwand des Pellerhofs, die in Ziegelbauweise wieder erstellt wird. In der Mitte sieht man den alten Treppenturm, der die Zeiten ganz gut überdauert hat:



Anschließend war man in die Gewölbehalle des Pellerhauses eingeladen, um von dort aus die die Besichtigung der Baustelle zu beginnen. Schon diese in den 1950'ern wiederhergestellte Halle mit gotisierendem Kreuzrippengewölbe erstaunt, da die Erdgeschoss-Rustika der Hauptfassade das nicht erwarten lässt.



Die Sandsteinsäulen wurde in Stahlpfeilerbauweise erstellt, um die herum von oben die Sandsteinquader eingefädelt wurden. Anschließend wurden die Hohlräume mit Beton ausgegossen. Das erzählte ein Besucher, der als Zeitzeuge an den Renovierungsarbeiten in den 1950'ern mitgearbeitet hatte.



In der nordwestlichen Ecke des Hofes ein bekanntes Bild. Der alte Brunnen, der den Auftakt des 2006 in Angriff genommenen Rekonstruktionsprojektes bildete:







Die Nordostecke dagegen ist wenig interessant, dort lagern derzeit noch einige Bauteile. Diese Ecke offenbart aber eine gewisse Skurilität des Projektes. Das Nachbargebäude steht nur wenige, vielleicht anderthalb Meter hinter den Bogengängen der östlichen Hoffassade, und bewirkt eine fehlende räumliche Tiefe. Auch historisch war das schon so, es ist also weniger ein Kompromiss an Nachkriegsbebauungen. Auf allen Etagen wird es daher lediglich - sehr opulente - Laubengänge geben.


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Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

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