Braunschweig baute das Schloss

  • Also selbst ich finde es toll, dass Braunschweig das Schloß wieder hat. Etwas schöneres und identitätsstiftendes würde auf eine solche Brachfläche doch nicht passen. Eine Residenzstadt braucht sowas.:daumen:


    Beachtet bitte nicht woher ich komme. Eigentlich dürfte ich hier nicht sein...:verboten:


    ... aber der König von Hannover wäre stolz wieder so ein Bauwerk zu haben!:Koenig:

  • Tarsis, habe ich Dich an einem wunden Punkt getroffen? ;)
    Ich habe niemandem einen Vorwurf gemacht, das war eine reine Schilderung meiner damaligen Eindrücke - ganz unabhängig davon, wer für diese Eindrücke verantwortlich ist. Es ist schön zu hören, dass die Stadt dieses miserable Erscheinungsbild erkennt und dagegen vorgehen wollte. Komm doch mal nach Freiburg, hier suchst Du solche Ecken auch in totalzerstörten Bereichen vergeblich - und das verstehe ich tatsächlich bis heute nicht: Die regionalbezogen so völlig unterschiedliche Aufbauqualität, Materialität, nachhaltige Instandhaltung, Pflege, Stadtreparatur, Detailverliebtheit,...


    Die Schlossfassade ist ein Segen für diese Ecke - ich bezog mich mit "lieblos" auf die von Dvorak eingestellten Bilder. Die Rekonstruktion des Kurländer Palais in Dresden würde ich dementsprechend als "liebevoll" einstufen. Aber diese beiden Projekte hatten andere Grundvorraussetzungen und lassen sich auch sonst nicht miteinander vergleichen. Gerne würde ich die aktuelle städteräumliche Einbindung des Schlosses und EKZs (auch hier gefällt mir die Hauptfassade eigentlich ganz gut) auf einer Fotostrecke nachvollziehen. :)

  • Alles Original


    [...] Eine Residenzstadt braucht sowas.:daumen:


    Deswegen sind wir ja auch so stolz auf unsere Originale:



    Bleibt nur noch zu hoffen, dass es sich auch beim Auftraggeber um das Original handelt - Original-Firma Richard Borek ? - oder war es die Original-Stiftung ? :confused:

  • von Andenken und "Originalen"

    Man beachte auch die zeitliche Abfolge:


    pünktlich zum eigentlichen großen Quadriga-Fest wurden die Fan-Artikel geliefert: das ist der morgige 20. Juli 2008 .


    (Wieder) nicht geliefert wurde das Identitätsstiftende "Original" - wie Jonscher (BZ, siehe oben) heute schreibt.
    Bekanntlich erforderten (nochmalige) Anpassungsschwierigkeiten Nachverhandlungen im Schenkungsvertrag zwischen Borek-Stiftung, Hauseigentümer Credit Suisse und Stadt, was zum abermaligen Umstricken der Fußplatten und Verankerungen führte. Die Zeit wird knapp, der Termin (20. Juli) ist (zumindest beim "Original") nicht mehr zu halten.


    Aber Original hin - Peinlichkeiten her:
    Firma Borek pocht auf seine vertraglichen Vermarktungsrechte: die Stadt ist mit ihrer Stadtmarketing verpflichtet, den Devotionalienhandel pünktlich im Dienste von Borek zum Wochenende des 20. Juli 2008 zu starten.


    Und so kam es, daß die Souvenirs - Aufkleber, Klapp-Karten, Luftballons, T-shirts und Kaffee-Tassen mit goldgelb-glänzendem Aufdruck - das Quadriga-"Original" überholten.


    Damit ist das Andenken befriedigt ... würde überhaupt noch jemand merken, wenn "das Original" gar nicht mehr käme ... ?


    Neue Ansichten gewünscht ? Dann siehe auch: Abteilung "Humoristische Schadensbewältigung"

  • Baugenehmigung Nebensache ?

    Frage: Wieso stellt die Stadt Fachbereich Gebäudemanagement am 27.4.2007 einen Bauantrag an sich selbst (Stadt, Bauamt/Stadtplanung) zum "Aufbau der Quadriga auf das Schloss" ?


    Antwort: Weil man erst ganze zwei Wochen vor der bereits für den 6.5. 2007 angesetzten Einweihung bemerkt hatte, daß sich niemand um irgendeine, geschweige denn um eine ordnungsgemäße Baugenehmigung gekümmert hatte. Der eigentliche Bauherr war ja der "Stifter" Borek, aber der lehnte jegliche Verantwortung dafür ab.
    Also wurde noch ganz schnell der städtische FB Gebäudemanagement dazu verdonnert, acht Tage vor der "geschichtlichen" Feier (am 27.4.2007)zumindest einen Bauantrag als Vorgang beim Bauamt auf den Tisch zu legen.


    Immerhin war bereits am 7.3.2007 in der BZ überschwänglich geworben worden:

    Am 6. Mai Fest zur Schloss-Eröffnung -


    Oberbürgermeister Gert Hoffmann sieht die Eröffnung als "eigentlichen Höhepunkt des Jahres und geschichtlichen Tag für Braunschweig"


    http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2048/artid/6493489


    Passt die Bauordnung nicht mehr für "geschichtliche" Dimensionen?


    Aber wie das ? Weder war - und ist bis heute - die Stadt "Bauherrin", ja noch nicht mal Eigentümerin der seit mehr als einem Jahr umtriebigen Bronze-Skulptur, noch war oder ist die Stadt Eigentümerin der Schloss-Arkaden.
    Aber irgendein Vorgang als eine Art Bauantrag sollte doch zumindest vorliegen. Und so sieht der Bauantrag vom 27.4.2007 dann aus: keine statische Berechnung zu den Figuren, keine detaillierten Zeichnungen, nicht mal genaue Bemaßung.
    Stattdessen als "Baubeschreibung" eher ein Marketing-Text vom 26.4.2007 :

    Die Firma Richard Borek und die Richard Borek Stiftung haben die 1. Quadriga des ehemaligen Braunschweiger Residenzschlosses in 1:1 Formen als Bronzeguß im Wachsschmelzverfahren originalgetreu nachbilden lassen. Zur Herstellung diente das im Dresdner Albertinum erhalten gebliebene 1:3 Originalmodell von Ernst Rietschel, das auch Grundlage der Herstellung der 1.Quadriga von 1855-63 war. Diese war jedoch eine Kupferplattentreibearbeit mit Montage auf einem Eisenskelett. Die Wiedergewinnung der Quadriga wurde im Zusammenhang mit der Rekonstruktion und dem Wiederaufbau des Braunschweiger Residenzschlosses betrieben.
    Die Quadriga besteht aus 4 Zugpferden, dem Wagen und der Lenkerinnenfigur, der Braunschweiger Stadt- und Landesgöttin Brunonia. Die Stücke wiegen nach Angaben des Gießermeisters Emil Kosicki/Komoriki bei Posen, der die Quadriga seit März 2007 herstellt, insgesamt ca. 10,5 t.
    Die gesamte Länge von Pferden und Wagen beträgt ca. 9,3 m, die Breite ca. 10,0 m und die Höhe ca. 9,0 m . Die Pferde stehen einzeln auf einem 30 cm hohen Eisengerüst, ebenso der Wagen, der zusätzlich nochmals mit 42 cm untersockelt ist. Dieses sind Maßnahmen für die günstige Fernwirkung und Befestigung der Gruppe auf dem Quadrigapodest mit 10,5 m Kantenlänge. Beide Sockel werden mit Bronzeblech verkleidet. Die Unterkonstruktion für die Befestigung auf dem Quadrigapodest bereitet der Generalunternehmer des Schloßarkadenprojektes Fa. Hochtief vor.
    (aufgestellt am 26.4.2007 FB Gebäudemanagement)


    Bekanntlich gab es zusätzliche Standsicherheitsprobleme der massiven Bronze-Massen in luftiger Höhe. Der zur Baustelle gerufene Prüf-Statiker lehnte wenige Tage später jegliche Verantwortung ab, die Rösser wurden trotzdem ohne die baurechtlichen Freigaben zur bereits angelaufenen Jubelfeier am 6.5.2007 nur provisorisch vergurtet auf den Portikus gehievt:


    Erst vier Monate später lüftete das Rathaus einen kleinen Zipfel der Legendenhülle und gab Herrn Jonscher am 4.9.2008 die Auskunft:

    Im Mai hatte der verantwortliche Prüfer kurz vor Aufstellung der Rösser bemängelt, dass diese möglichen Windlasten nicht standhalten könnten. Bei der 9,20 Meter hohen Bronzeplastik handele es sich im baurechtlichen Sinne um ein – genehmigungspflichtiges – Bauwerk, für das strenge Sicherheitsanforderungen gelten. Das habe man zunächst nicht ausreichend berücksichtigt. http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2048/artid/7242452


    Über ein Jahr später - am 27.4.2008 - erteilte das städtische Bauamt dann dem städtischen Fachbereich Gebäudemanagement die Baugenehmigung zur Errichtung der Quadriga auf dem Portikus. Über ein Jahr lang wurde der peinliche Sachverhalt vertuscht, die Zeitung musste immer neue Geschichten drucken. Wie bruchstückhaft durchsickerte, war die ganze innere Statik der Figuren geändert worden.
    Auch zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt aber weder mit der Bronzplastik noch mit dem Portikus etwas zu schaffen.


    Viel zu schaffen hatten trotzdem viele städtische Mitarbeiter beim FB Gebäudemanagement, die den Bauantrag gefertigt hatten (geschätzte interne Kosten: 60.000 €) und beim Bauamt, die dann ihre Gebührenrechnung in Höhe von 5.426,00 € der Schwesterabteilung Gebäudemanagement in Rechnung stellten.


    Nun war man sicher: die Quadriga kommt am 20. Juli 2008 auf´s Dach, oder dann doch wieder nicht ... ?


    ...Fortsetzung folgt ...

  • Starker Tobak

    Starker Tobak für den Stadtbaurat und den OB.


    Wurde Stadtbaurat Zwafelink für Schloss-Arkaden und seine "Modellstadt Braunscheig" noch vor zwei Jahren gefeiert und als möglicher Münchner Stadtplanungschef hochgelobt (BZ,17.10. 2006), ist sein Stern im Sinken begriffen.


    Seit über einem Jahr verhindert die Pannenserie um die Quadriga den glanzvollen Abschluss der Schlossfassade, und seit gut einem halben Jahr nun zusätzlich die Vorgänge um einen Schuttberg, der als "Millenium" vom Stadtbaurat noch 2003 zur Kulturhauptstadt-Bewerbung auserkoren war.


    Echt Starker Tobak ist nun die Liste, die seit einigen Tagen rund ums Rathaus kursiert.
    Offenbar aus Kreisen der Bürgerinitiative BIBS stammend unterlägen immerhin vier der sechs dort aufgelisteten "Legalitätsbrüche" dem Baudezernat.




    Man darf gespannt sein, wie die Gescholtenen reagieren.

  • Zum einen sicherlich korrekt, dass solche Vorgänge untersucht werden müssen. Gar keine Frage und das findet meine volle Unterstützung !


    Zum Anderen : Bekanntermaßen ist die BIBS mit vorsicht zu geniessen, ob ihrer gerne zur Schau gestellten Polemik, welche ja bereits bis hin zu Unterlassungsklagen und rechtskräftigen Urteilen geführt hat.


    Oppostion in allen Ehren, dann aber bitte korrekt und nicht mit den ( vermeintlich) als unrechtmäßig kritisierten Mitteln des Gegners auch nicht besser sein !


    Hier gilt es scharf zu beobachten und sich selbst eine Meinung zu bilden. Das ist zwar ziemliche Arbeit, aber dafür dann auch sicher !


    Ich werfe da mal eine pikante Frage auf : Herr Knapp ist ein potenter Geschäftsmann mit einem Riecher für bzw. einem Händchen dafür gewinnträchtige Situationen früh zu erfassen und dann vor allen anderen zuzuschlagen und eben auch den entsprechenden Gewinn daraus zu ziehen.


    Zum Glück für Braunschweig lässt er sein Geld zu großen Teilen hier und investiert in seine Heimatstadt ! Viele Projekte, Gebäude und Leerstände wären nicht wiederbelebt oder bebaut wenn er nicht wäre :


    - Rizzi-Haus
    - Barmer Krankenkasse
    - Schlosspassage
    - Flebbe Gebäude
    - Kimmich
    - Neubau Volksbank am Bohlweg
    - demnächst : Reinicke & Richau


    Ganz zu schwigen von seinem Sponsorgelden für den lokalen Sport.


    In gewisser Weise ist man ihm also durchaus zu Dank verpflichtet.


    Frage : Ist es legitim, wenn ihm diese Heimatstadt dann ihre Dankbarkeit zeigt und ihm den Zuschlag für Rimpaus Villa nebst Park abzüglich des Weges entlang der Oker erteilt?


    Wäre es legitimer, wenn man von Anfang an mit offenen Karten gespielt hätte anstatt den Eindruck einer "Gefälligkeit" zumindest zu erwecken ?


    Darf man postulieren und wie soll man es bewerten, wenn auf diesem Wege klare Vorteile (weitere Investitionen ) in die Stadt erfolgen ?


    Heikel heikel . . .


    Aber eines ist sicher : Nur dadurch das eine Stadt freundlich winkt und gewisse Konditionen schafft kommt ein Investor sicher nicht mal eben vorbei. Persönliche Kontakte und Entgegenkommen nach dem Motto "Eine Hand wäscht die andere" sind Alltag !


    Jedoch der Rahmen in dem sich so etwas abspielt sollte mal klar abgegrenzt werden . . . . .

  • Eine Hand wäscht die andere ?

    @ Tarsis.



    Zum Anderen : Bekanntermaßen ist die BIBS mit vorsicht zu geniessen, ob ihrer gerne zur Schau gestellten Polemik, welche ja bereits bis hin zu Unterlassungsklagen und rechtskräftigen Urteilen geführt hat.


    Belegen Sie bitte Ihre Information bzgl. "Unterlassungsklagen und rechtskräftiger Urteile" gegen die BIBS.


    Im Zusammenhang mit der Abwasserprivatisierung gab es zwar Unterlassungsklagen Anfang 2006, da gab es aber noch keine BIBS.
    Die gab es erst zu den Kommunalwahlen Ende 2006.
    Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/B…rinitiativen_Braunschweig


    Zu den Abwasserprivatisierungsklagen selbst ist zu sagen, daß die Klagen der Stadt Braunschweig sowie des Oberbürgermeisters Hoffmann gegen ein Mitglied der BöE (Bürgerinitiative für den Erhalt öffentlichen Eigentums) unterschiedlich ausgingen: Die Stadt hat damals die Unterlassungsklage verloren, während der Oberbürgermeitster die Klage gewonnen hat.
    Einen weiteren Unterlassungsantrag der Beraterfirma KPMG gegen das Mitglied der BöE hat die Beraterfirma KPMG nicht weiterverfolgt.
    Siehe: [ http://www.unser-braunschweig.de/boee/ unter dem Datum 29.3.2006




    Ihre weitergehenden Ausführungen zum eigentlichen Thema und Herrn Knapp / Rimpaus Garten ("Eine Hand wäscht die andere") verstehe ich nicht.


    Sind Sie der Auffassung, daß kommunale Rechtsnormen für einflussreichere Mitbürger gebeugt werden dürfen ?

  • Nur soviel zur Aussage meines Vorredners : Wer nach meinem Beitrag ernsthaft die Frage an mich richtet...


    "Sind Sie der Auffassung, daß kommunale Rechtsnormen für einflussreichere Mitbürger gebeugt werden dürfen ?"


    ....ist nicht im entferntesten der offensichtlichen Intention meines Beitrages nahe gekommen und lässt den ersten Teil meiner Ausführungen zur Gänze außer Acht. Weitere Erläuterung erübrigen sich deshalb.

  • @ tarsis:
    keine Antwort ist auch eine.
    Dann sollten Sie sich nicht so missverständlich einlassen.


    Möchten Sie sich denn zu Ihren falschen Angaben zur BIBS auch lieber nicht mehr äußern ?


    Es beschleicht mich der Verdacht, daß Ihnen die Schloss-Folge-Diskussion unangenehm ist.
    Wenn ja, warum ist das so ?

  • Man kann anderen auch Worte in den Mund legen! ;)


    Ich habe mich oben in eindeutiger Weise geäussert und habe davon nichts zurückzunehmen.


    Wenn Sie das so verstehen, dass ich Recht und Gesetz beugen will damit andere ihren Nutzen daraus ziehen auf anderer Ebene, dann mag das Ihre persönliche Sichtweise sein !


    Was diese ihrige Sichtweise mit meinen aufgeworfenen Fragen zu tun hat ist mir allerdings ein absolutes Rätsel, da ich E I N D E U T I G S T zu Anfang meiner Ausführungen Stellung beziehe.


    Mir auf meine erste Antwort auf ihr Posting # 368 an den Kopf zu werfen :


    "Keine Antwort ist auch eine Antwort" empfinde gesagt als dreist, zumal sie auf eben meine Antwort direkt folgt.


    Ich empfehle meinen Beitrag erneut zu lesen. Vielleicht hilft das ja.

  • Schloss als Identifikationspunkt?



    Etwas schöneres und identitätsstiftendes würde auf eine solche Brachfläche doch nicht passen. Eine Residenzstadt braucht sowas.


    Es mag so eine Eigenschft der Hannoveraner sein, zu glauben, ganz Niedersachsen gehöre ihnen und teile ihre Geschichte, dem ist aber nicht so. Vielleicht erinnerst Du dich kurz daran, dass Braunschweig eine eigene Stadt ist, mit eigener Geschichte und eben eigener Identität ist. Beides sind Residenzstädte klar, wobei man einen ganz großen Unterschied zwischen Hannover und Braunschweig machen muss. Hannover ist NUR Residenz gewesen, und die Herzoge/Könige etc. wollten die Stadt auch nie zu etwas anderem entwickeln. Braunschweig ist zwar eine der ältesten Residenzstädte in Deutschlands1 dies ist aber nur ein kleiner Teil der Braunschweiger Geschichte und auch Identität. Die Braunschweiger Stadtbevölkerung ist seit jeher sehr ... selbstbewusst, das Verhältniss den Herzogen gegenüber ist immer gespannt. So ist ein Wahrzeichen der Stadt nämlich der Sankt Andreaskirchturm ein zeichen für die Macht des Bürgertumes und sein erster Turmhelm war eine bewusste Provoation gegen die Herzoge in Wolfenbüttel. Dann kann man mehrere erfolgreiche und erfolglose Belagerungen der Stadt durch die Herzoge erwähnen, unter anderem die von 1615, die bis heute sichtbare Spuren in der Stadt hinterlassen hat. Nachdem die Stadt erobert wurde und die Herzoge sich hier wieder häuslich eingerichtet haben, war es keineswegs so, dass man diese akzeptiert hätte.


    Ein Bild sagt ja mehr als 1000 Worte:

    Braunschweig, Residenzschloss
    Altes Schloss "Grauer Hof"
    ab 1718 unter der Leitung Herman Korbs
    Schlossbrand vom 7./8. 9. 1830
    Quelle: Bildindex


    Dann will ich noch die vielleicht nicht unrühmliche, sicher aber peinliche Revolution von 1918-19 erwähnen, während dieser der der letzte Herzog zur Abdankung gezwungen wurde und Braunschweig (das Land) allmählich auf eine Unabhängigkeit vom Deutschen Reich zusteuerte. Leider habe ich den Scan von der Abdankungserklärung nicht mehr - seis drum. Braunschweig wurde zur Räterepuplik, hat halb Deutschland lahm gelegt und wurde dann besetzt.3


    Ich persönlich bin kein Braunschweiger, darauf lege Ich wert, ich komme nämlich aus Wolfsburg, lerne und lebe aber eine Zeit in Braunschweig. Die generelle Städtefeindschaft, nicht nur mit Wolfsburg oder der Stadt an der Leine, sondern eigentlich mit allen (Berlin=doof, Hamburg=doof,...) ist für mich etwas was alle Braunschweiger in sich tragen. Genauso die generelle Abneigung gegen jede Form der Obrigkeit, nicht immer, aber im Allgemeinen kann man Braunschweig schon als eine sehr aufrührerische und im Denken sehr "rote" Stadt sehen.


    Wieso das Braunschweiger Schloss zur Identitätsbildung der Braunschweiger beiträgt habe ich nie begriffen, in meinen Augen ist das eine dieser beknackten Worthülsen, die nur aussagen sollen, das alte Gebäude "Identität" stiften, und die immer aus der gleichen Ecke kommen. Dabei wir außer Acht gelassen, ob:

    • es sich um ein typisches Gebäude für eine Stadt/Region handelt
    • ob das Gebäude schon einmal zur "Identität" beigetragen hat
    • ob es früher schon einmal von den Bürgern sogar abgelehnt wurde
    • ob man für so ein Gebäude nicht einen anderen Identifikationspunkt zerstört
    • und, und, und




    1:
    Ab der 2. Hälfte des 12.Jhdt.s wurden die deutschen Herzoge sesshaft, Heinrich der Löwe tat das um 1160 in Braunchweig, was insofern ein Sonderfall war, dass er keine Residenz baute, sondern eine Residenzstadt.


    2:
    Der Turmhelm wurde aus Holz gebaut, das aus dem Wald des Herzogs stammte, war zu seiner Zeit das dritthöchste Gebäude im damaligen Reich, nur wenig kleiner als das Münster zu Straßburg und der Stephansdom. Der Herzog ließ daraufhin eine Kanone, die "Fette Mette" (glaube ich) bauen, und setzte eine Belohnung für das herunterschießen des Turmhelmes aus. Insgesamt wurden 467 Schüsse abgegeben ... keiner traf.
    Slawski, Robert Sankt Andreas - Neustadt - Braunschweig, Braunschweig : Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Andreas, 1996


    3:
    Eine Quelle wird hierführ niemand brauchen, da es sich aber um ein äußerst interessantes Ereignis handelt gibt es noch einen Link.






    Zum Städtebau



    Gerne würde ich die aktuelle städteräumliche Einbindung des Schlosses und EKZs (auch hier gefällt mir die Hauptfassade eigentlich ganz gut) auf einer Fotostrecke nachvollziehen.


    Fotos will Ich bewusst nicht hier einstellen, da man wenn es um Städtebau geht, und danach hast Du ja gefragt zu allererst in den Grundriss, besser den Schwarzplan geht.


    Erstmal aber weil hier ja viele mitlesen die nicht aus Braunschweig kommen, und denen die Geschichte des Areals unbekannt sein dürfte ein paar historische Karten. Wenn wir vom (ehemaligen) Schlosspark sprechen, dann ist ein Gebiet gemeint, dass vor 848 Jahren der Stadt Braunschweig einverleibt wurde. 1160 war in etwa das Datum zu dem Heinrich der (Bau)Löwe sich hier sesshaft gemacht hat, ebenso wie der Dombau ist der Hagen eines seiner Bauprojekte. IN zwei Abschnitten wurde das Gelände von Holländern urbar gemacht und bebaut, nicht aber der Schlosspark. Die dunkel umrandete Fläche zeigt in etwa das Gebiet von dem wir reden, wie man sieht ist es um 1400 unbebaut, lediglich eine kleine Kirche (die Templer- oder Französische Kirche) steht darauf. Dies wird sich auch Jahrhundertelang nicht ändern, in der ganzen Zeit werden dort nur kleinere Gebäude gebaut, die das Erschienungsbild des Areals als Freifläche aber nicht störten, unter anderem waren dort die Mönche von Riddagshausen ansässig, daher kommt auch der Name "Grauer Hof".


    Die Reste der Stadtmauer Heinrichs des Löwen wurden übrigends während des Baus der Schlossarkaden geschreddert. Geschredderte Stadtmauern eignen sich nämlich als Unterdrund für asphaltierte Strassen erstaunlich gut.



    Braunschweig, Stadtplan
    um 1400, rekonstruktion von W. Schadt
    Quelle: Bildindex, Unterlegung; Ich





    Als die herzoge die Stadt wieder eroberten, ich erwähnte es oben schon bauten sie sich ein Schloss. Man muss sich ein wenig anstrengen, aber wenn man das tut, dann erkennt man im südlichen Teil des Schlossparkes hell eine dreiflügelige Schlossanlage nach französischer Manier, dass ist der Graue Hof von 1718 erbaut von hermann Korb. Vielleicht sage ich dazu später ein paar Takte...
    Was man leider beim besten Willen nicht mehr erkennen kann ist die barocke Anlage des Schlossgartens, die ist aber auch nicht besonders interessant. Was allerdings in beiden Stadtplänen auffällt, ist, dass man Braunschweig (bis heute) in zwei Teile teilen kann. Es gibt einen großen sehr dichten Bereich im Nord-Westen der die Stadtteile Altstadt, Neustadt, Hagen und Sack umfasst, und es gibt einen kleinen Bereich im Süd-Osten zu dem die Alte Wiek (altes Dorf) und das kloster Sankt Aegidien gehören. Diese Teile werden getrennt durch Die Oker und ihre Arme im Süden und den Schlosspark im Osten. man erkennt zwar, dass diese Gebiete im Lauf der Zeit zusammenwachsen, besonders im 19. und 20. Jhdt. aber zumindest der Schlosspark stellte immer eine Trennung dar.





    Braunschweig, Stadtplan
    1750, Rekonstruktion auf Neuzeitlichem Grundriss
    A. Halves 1913/14
    Quelle: Bildindex




    Im folgenden plan sieht man dann schon das neue Schloss von Ottmer, wie es ausgeführt wurde. Die beiden Arme die den Schlossplatz fassen wurden leider nie ausgeführt, so stand das Schloss immer ohne wirklichen Halt in der Gegend. Man erkennt auch hier noch den Schlossgarten (oder Park wie man will) nur halt klassizistisch und nicht mehr barock.






    Braunschweig, Stadtplan
    1841 nach Stich von A. Klingeberg
    Quelle: Bildindex




    Mir ist es überaus wichtig, festzustellen, dass der Zustand des Schlossparkes und des Bohlweges 2000 unhaltbar war, aber die städtebauliche Situation stamte aus einem fast 850 Jahre langen Kontinuum braunschweigischen Städtebaus. Der Schlosspark war hässlich, aber er gehörte ebenso wie der hässliche Hagenmarkt zum Erbe der Stadt, zur Bautradition, die sich eben nicht nur im Hochbau sondern auch im Städtebau, nein wohl vielmehr im Städtebau als in den einzelnen Gebäuden und ihren Fassaden einer Stadt abzeichnet.




    Jetzt sind wir 2008 angekommen, die Wiederaufbaupläne klammer ich mal aus, auch wenn diese überaus interassant sind.


    Damit man den Städtebau vergleichen kann habe ich mal die amtlichen Daten der Stadt genommen und den ausgeführten von Grazioli-Muthesius und den diskutierten Entwurf von Speer hineingesetzt.
    Das ist jetzt ein wenig grob, aber mit Sicherheit der richtige Maßstab um die Verbindung ECE-Stadt bewerten zu können, und das vor allem (!) vor dem hintergrund der Historie des Ortes.


    Der obere ist der ausgeführte Entwurf, der hier besonders das Bauvolumen betont. Anfangs war das ein wenig anders, da hatte man die Fassade in mehrere Teile gegliedert um wenigstens den Anschein einer Kleinteiligkeit zu erwecken. Das hat im Grundriss nicht geklappt, das Gebäude ist eine riesige polygonale Fläche ohne konkreten Bezug zu Umgebung, und es funktioniert auf Fotos nicht, wie man vielleicht später nochmal sehen wird. tatsächlich hat man die Raumkanten die von Prof. Ackers vorgegeben wurden fast überall bis auf das äußerste ausgefüllt, lediglich im Nord-Osten ist man zurückgewichen, was heute einer der Hauptkritikpunkte ist.





    Braunschweig, Stadtplan
    circa 2000, amtliche Daten der Stadt, Schloss von mir eingesetzt
    Ausgeführter Entwurf




    Zum zweiten Entwurf will ich gar nicht viel sagen, ich denke man sieht hier den vollkommen unterschidlichen Umgang mit dem Raum. Auch wenn man sich diese Passagen, die Kollonadengänge hätten werden sollen (?) mit Glas überdeckt vorstellt, wirkt das Bauvolumen ganz anders. Der öffentliche Raum zieht sich viel mehr in das Gebäude, segmentiert es mehr etc. auch lässt dieser Umgang wesentlich mehr Möglichkeiten Bezüge zur Umgebung zu schaffen. Mir gefällt z.B. besser, wie die Museumstrasse von Osten kommen auf das Gebäude trifft, da trifft die Strasse nicht auf so einen nach Süden "fliehenden" Gebäudeteil, sondern wird "abgefangen", der Weg nach norden verängt sich mehr, und es entstehen gleich viel mehr Wertigkeiten der Räume, als bei dem obigen, der sich nach allen Seiten gleich verhällt.




    Braunschweig, Stadtplan
    circa 2000, amtliche Daten der Stadt, Schloss von mir eingesetzt




    Fotos gibt es auch irgendwann...

  • Dvorak: die Geschichte Hannovers und Braunschweigs sind mir sehr gut bekannt. Ich wollte nur ein bißchen sticheln.


    Ich weiß, dass Niedersachsen eigentlich aus drei Teilen entstanden ist. Ich weiß auch, dass unsere Landeshauptstadt erheblich immer unter den Eifersüchteleien aus BS und Oldenburg zu leiden hat.


    Ich, als jüngerer Hannoveraner finde eigentlich gut, dass Niedersachsen so interessante Geschichten hat. Und eine Rivalität ist ja auch ganz nett.

  • Die Quadriga ist drauf!

    Heut wurde der Schlossteil nun endlich "gekrönt", es konnte über Webcam verfolgt werden oder natürlich live!


    Beleuchtet wird sie auch schon. Sieht zwar noch etwas gewöhnungsbedürftig aus, aber man gewöhnt sich daran.


    Kommt auf der Aussichtsplattform eigentlich ein Café hin? Und selbst wenn... Aussicht auf was?! Die Bohlweg Westseite?^^

  • Welche Aussichtsplattform denn? Der Sockel auf dem die Quadriga thront ist gerade groß genug diese aufzunehmen und einen schmalen Tritt rings herum frei zu belassen, so dass Besucher heraufgelassen werden können. Es gibt dort keinerlei aufbauten oder gar Einrichtungen dort oben auf dem Dach ein Cafe zu betreiben. Es sei denn man wollte alles aus dem Erdgeschoss hochtragen. *fg*


    Ich habe während der Bauphase einmal eine Privatführung erhalten und dort oben gestanden - der Ausblick ist nicht zu verachten ! ;-)) In vier WOchen kann man dann auch als Besucher dort hinauf - für zwei Euro.

  • Schlossmuseum öffnet

    Uraltes Thema, wieder - und wohl zum letzten Mal - aktuell: Am kommenden Samstag (9. April) wird nach vier Jahren Wartezeit das Museum im Nordflügel des Gebäudes eingeweiht. Die Zahlen lauten so: 700 Quadratmeter Fläche, 600 Exponate, drei Millionen Euro Baukosten (bzw. Ausstattungskosten, die Räume gab es ja schon).


    Die Stadt Braunschweig hat einige Informationen und Fotos ins Netz gestellt (auch die Menüleiste auf der linken Seite beachten). Das Museum scheint demnach um einiges aufwändiger ausgestattet zu sein, als die pseudoalten Räume, die seit 2007 zu bewundern sind. So wurde für die Rekonstruktion des Thronsaals eine Seidentapete von 1866 nachgewebt. Wie das Ganze aus der Nähe wirkt, bleibt natürlich abzuwarten; über Einschätzungen würde ich mich (als derzeit braunschweigferner Mensch) freuen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Architektenkind () aus folgendem Grund: Um neue Informationen ergänzt.

  • Das Schloss haben sie wirklich schick hinbekommen und vor allem kennen es heute mehr Menschen als je zuvor. Was so ein Einkaufstempel alles bewirken kann...

  • Hier, weil es halt schön ist, eine aktuelle Aufnahme:



    Uploaded with ImageShack.us (Bild von mir.)


    Der Schlossplatz hat sich mittlerweile als neues (altes) Herz der Stadt etabliert und wirkt, wenn ich in Braunschweig weile, stets ausgesprochen belebt. Das Schlossmuseum habe ich dagegen als eher enttäuschend empfunden. Didaktisch gut gemacht, vermag es die einstige Pracht der Schloss-Innenräume nur eher schwach wiederzugeben. Die Fahrstuhlfahrt zur Quadriga lohnt sich dagegen durchaus.