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Alt 07.09.17, 17:54   #12
Ted Mosby
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Ted Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer Mensch
In einer Mitteilung der Stadt hieß es bezüglich der Burgpassage noch am 15. März 2017:

„Gefordert wird ein sensibler Umgang mit dem Denkmalschutz. Insbesondere die Fassaden der denkmalgeschützten Eingangsgebäude sind im städtebaulichen Kontext von besonderer Bedeutung und entsprechend zu beachten.“ ( vgl. https://ratsinfo.braunschweig.de/bi/...OLFDNR=1005354).

Dieser Forderung kommt der jetzt ausgewählte Entwurf leider nicht nach. Darüber können auch die Euphemismen in der Präsentation („Rückbau“, „zeitgemäße Interpretation der Frontfassade“) nicht hinwegtäuschen.

Ich stimme Architektenkind zu, dass die derzeitige Planung ihre Stärken hat. Die kleinteilig gestaltete Gasse wird dem Bild der mittelalterlichen Stadt, das an dieser Stelle des Braunschweiger Zentrums durchaus als Leitbild fungieren sollte, besser gerecht als die gegenwärtige Passage. Die geplanten Fassaden erscheinen mir aber noch viel zu austauschbar und stellen eben keinen Bezug zu historischen Vorbildern her.

Es sind vor allem recht langweilige Kisten, nicht allzu große Kisten, aber eben immer noch Kisten. Nicht ein einziger Spitzgiebel, kein Satteldach, keine Gauben etc. Man kann eine mittelalterliche Gasse durchaus modern interpretieren, doch sollte die Architektur dann zumindest einige Bezüge zu traditionellen Bauformen herstellten. Ein bisschen Backstein reicht da nicht. Das, was jetzt geplant ist, ist letztendlich Dutzendware. Lediglich das Eckhaus mit spitzwinkelig gestalteten Grundriss könnte m. E. einen Wiedererkennungswert erlangen. Hier sehe ich also noch erheblichen Verbesserungsbedarf, um am Ende keine Schlosspassage 2.0 zu erhalten.

Dafür zudem so massiv in zwei der wenigen noch halbwegs gut erhaltenen historischen Straßenzeilen Braunschweigs einzugreifen, halte ich für höchst problematisch. Insbesondere der geplante Abriss des Gebäudes in der Schuhstraße ist eine Zumutung (und hat mich auch einige Minuten um Fassung ringen lassen).

Allein, und auch da schließe ich mich Architektenkind an, macht er, aus der Logik der Gassenidee heraus betrachtet, durchaus Sinn. Das dürfte Kompromisslösungen schwierig gestalten.

Mir fallen für die Schuhstraße spontan drei Optionen ein:

1. Man belässt die Eingangssituation weitgehend so, wie sie ist: als Durchgang im Erdgeschoss. Das wird den Investoren zwar nicht gefallen, doch ist die Stadt ja nun auch zunächst einmal für die Menschen da, die in ihr Leben oder sie besuchen.

2. Man erhält das Haus und vergrößert den Eingang. Das könnte nur gelingen, wenn man das Erdgeschoss erhöht. Die Traufhöhe würde dann vom westlich gelegenen Nachbargebäude abweichen. Allerdings halte ich das für problematisch, weil es die Proportionen des Baus vermutlich verhunzen würde.

3. Man öffnet den Zugang wie nun geplant, reißt das Gebäude aber nicht ab, sondern integriert es in die neue Burggasse – und zwar möglichst dicht am historischen Standort am Nordzugang.

Hinsichtlich des Bereichs Hutfiltern halte ich den derzeit geplanten Durchgang für überdimensioniert. Den Vorschlag diesen zweigeschossig zu gestalten, kann ich nachvollziehen und empfinde ihn auch nicht als unannehmbar. Ich denke aber, dass er dann schmaler gehalten werden sollte. Auch über einen torartigen Zugang mit Rundbogen könnte man m. E. nachdenken.

Ich denke noch immer, dass aus dem Projekt etwas werden kann. Sollte der Entwurf aber ohne erhebliche Verbesserungen umgesetzt werden, so wird die Stadt unterm Strich mehr verlieren als sie gewinnt.

Geändert von Ted Mosby (07.09.17 um 18:54 Uhr) Grund: Kleine Formulierungsänderungen
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