Thema: Schulbauten
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Alt 16.07.11, 22:44   #100
Xalinai
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RMA: Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, a) der Architekt hat das was da steht bewusst so gestaltet und b) der Architekt hat versucht, die von mir früher aufgeführten, einander teilweise widersprechnden Rahmenbedingungen irgendwie zusammenzubringen.

Egal welche von beiden Varianten hier zutrifft, hat in jedem Fall der Auftraggeber das letzte Wort, bevor erst Tinte und dann Beton fließt. Gerade bei öffentlichen Aufträgen gibt es so viele beteiligte Stellen vom Brand- bis zum Denkmalschutz, erzähl mir bitte nicht, dass ein Architekt einen unbrauchbaren oder von der Mehrheit unerwünschten Entwurf an allen vorbei durchdrücken kann.

Dem Architekten die Schuld für das Ergebnis zu geben ist leicht - wäre hier etwas herausgekommen, was Lobeshymnen auslöst, stünden die Auftraggeber sicherlich im Schulterschluss neben dem Mann um ihren Anteil daran einzufordern.

Hinzu kommt, dass zumindest ich hier durchaus einen Anspruch an Gestaltung sehe - davon ist zwar nur ein Minimum umgesetzt, aber er ist sichtbar vorhanden. Man hätte die Querriegel auch glatt in die Ergeschosswand übergehen lassen können und auf den Materialwechsel der Fassade verzichten können. Ebenso hätte man statt des über zwei Etagen gezogenen verglasten Eingangsbereiches auch einfach eine Tür ins Erdgeschoss setzen können und darüber die gleiche Fassade wie auf der 3. Etage. Das wäre billiger gekommen.

Und dann gibt es Gestaltungselemente, die man über Jahrhunderte verwendet hat, weil man ihre Funktion brauchte - es gab beispielsweise keine Möglichkeit, flache, wasserdichte Dächer zu bauen (so ganz klappt das heute ja auch noch nicht immmer). Alle Dachmaterialien erforderten eine Schräge, über die das Wasser zügig ablaufen konnte und zusätzlich einen Grad an Steilheit, der die winterlichen Schneelasten entweder tragen oder m.o.w kontrolliert abrutschen lassen konnte. Ein solches Gestaltungselement weiterhin zu verwenden, obwohl es nicht notwendig ist um die gewohnte Wahrnehmung eines Gebäudes herbeizuführen kann funktionieren, es können aber auch schwarze Zipfelmützen auf 50er- und 60er-Quadern dabei herauskommen (Köln, Alter Markt).

Weil das alles so schwierig ist und gleichzeitig die Kritik so wohlfeil, denn "jeder sieht, dass das so nicht geht", frage ich hier, wo man sich doch etwas intensiver mit der baulichen Gestaltung auseinadersetzt, was der qualifizierte Laie, der ich ja selbst auch nur bin, hier besser gemacht hätte.
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