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Alt 22.07.08, 17:11   #9
AeG
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AeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein Lichtblick
Bewacher,

komm mal wieder auf den Teppich! Du scheinst Dich ja bereits persönlich angegriffen zu fühlen, ohne das die Debatte überhaupt begonnen hat. Und wenn Du an einer ernsthaften Debatte interessiert bist, dann solltest Du Dir schon mal abgewöhnen, irgendwelche "Herren Architekten" für die Entstehung anonymer Shoppingmalls verantwortlich zu machen!

Dass die Immobilienwirtschaft von der derzeitigen Entwicklung Richtung Rekonstruktion profitiert und dass sich viele in historischen Umgebungen wohler fühlen, als in den üblichen Shopping-Kästen mit den immer gleichen Filialisten, habe ich nicht bestritten. Es könnte aber durchaus sein, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung eng daran geknüpft ist, dass es sich bei rekonstruierten Altstädten eher um die Ausnahme, als um die Regel handelt. Wenn es nur diese Altstädte gäbe, würde das den Immobilienmarkt mglw. wieder völlig anders aussehen lassen. U. a. würden sich dann auch die üblichen Handelsketten dort niederlassen müssen und der Verdrängungskampf begänne auf einer anderen Ebene von vorne. Bisher ist noch nicht einmal geklärt, ob historische Altstädte auch für sich genommen, oder nur als Antithese zu neueren Fehlentwicklungen funktionieren. Ein impliziertes autoarkes Funktionieren der Altstädte wirft dann nämlich die Frage auf, warum dieser Weg, der auch damals schon einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess unterlag, ohne Not verlassen wurde.

Ausserdem erklären die nachvollziehbaren Bedürfnisse nach Dichte, nach Kleinteiligkeit, nach Abwechslungsreichtum der Fassaden oder nach interessantem Nutzungsmix nicht hinreichend, weshalb ausgerechnet ein vormals realer Zustand weitestgehend detailgetreu wiederhergestellt werden soll. Der Geruch der Geschichte kann es ja kaum sein, denn aus dem Boden gestampfte Attrappen riechen nicht! Hängt das vielleicht mit der Ungeduld oder dem Egoismus zusammen, das Entstehen einer eigenen Geschichte aus dem Jetzt nicht abwarten zu können und deren Erfahrbarkeit nicht kommenden Generationen überlassen zu wollen (womit ich nicht das Altern von gesichtslosen Kommerzpalasten meine)? Wo steht geschrieben, dass der letzte bekannte Zustand der Altstädte von damals für alle Zeit das Optimum bei der Befriedigung der vielfältgsten Bedürfnisse sein wird?

Das Thema Warschauer Altstadt wurde übrigens hier http://www.deutsches-architektur-for...?t=6808&page=7 ab Beitrag #273 vor kurzem mal angerissen. Keine Frage, das ist eine herausragende Wiederaufbauleistung gewesen. Aber es wird auch Gründe gegeben haben, weshalb sich dieses Modell nicht als einziges durchgesetzt hat, vermutlich gerade solche, die sonst die Haupthemen von Handelsblatt und Wirschaftswoche sind . Und das Weltkulturerbe- Argument zieht hier leider auch nicht. Das wird nämlich nicht fürs 'Schöner Shoppen' vergeben, sondern für besondere kulturelle Leistungen, hier den Wiederaufbau im großen Stil betreffend. Das hier: http://www.deutsches-architektur-for...ead.php?t=7511 , was die ehemalige Altstadt großflächig ersetzte, gehört auch zum Unesco-Weltkulturerbe - dürfte aber für die Rekofreunde ein Schlag ins Gesicht sein.
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