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Alt 30.11.16, 10:46   #18
Pumpernickel
 
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Man kann das auch nicht pauschalisieren. So ist ein Freund von mir Staatsanwalt und der fährt sehr ungern ÖPNV, weil er niemandem begegnen möchte, den er einmal angeklagt hat...was mit der Zeit im Beruf eben sehr viele Menschen sind. Ein Außendienstler muss ständig zu Kundschaft rausfahren. Die zig berufstätigen Eltern aller möglicher Berufe, die Arbeit und Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen müssen und dazu schon aus Zeitgründen einfach zwingend mit dem eigenen PKW in die Arbeit müssen, auf dem Heimweg nach Feierabend noch gleich Einkäufe ins Auto laden oder Kids irgendwo abholen müssen, etc...

es ist halt nicht jeder Lebenskünstler, Junggeselle, Student, Langzeitarbeitsloser, usw., auch nicht in Berlin. Es kann nicht jeder so einfach komplett auf den PKW verzichten.

Wichtig sind IMHO Schwerpunktsetzungen IM ZENTRUM und auch vernünftige Alternativen. Und zwar jenseits der BVG. Fahrradtechnisch ist Berlin zB ein "Entwicklungsland" und bisher ist auch RRG nicht über vage Ankündigungen hinaus gekommen. Mittelstädte wie zB Augsburg betreiben aktiv Car Sharing über ihre kommunalen Stadtwerke zum Selbstkostenpreis, in Berlin überlässt man das dem Markt und profitorientierten Unternehmen, die entsprechend eben auch nur die Kundengruppen und Räume mit Carsharing abdecken, die sich "rechnen" - öffentliche Daseinsvorsorge ist damit nicht zu machen.

Für die alternde Gesellschaft und die besonderen Mobilitätsbedürfnisse der Senioren, deren Zahl auch in Berlin "explodieren" wird und die man nicht alle ins Altenheim stecken kann, nur weil sie mobilitätseingeschränkt sind, hat Berlin auch keinerlei Antworten, da sind deutlich kleinere Städte auch wesentlich weiter, zB eine Mischung aus Fahrdienst und Rufbus für Senioren.

Summasummarum, in Berlin fehlt ein Gesamtkonzept. Und einfach aus dem Status Quo immer mehr Autostraßen herauszuknapsen und die Bürger dann schauen zu lassen, wie sie damit klar kommen, ist einer deutschen Kommune in meinen Augen unwürdige Planlosigkeit (muss man gar nicht so hoch hängen von wegen "einer Hauptstadt unwürdig", so kann man auch in Böblingen nicht kommunale Verkehrsplanung betreiben). Aktuell muss man tatsächlich feststellen, dass städtebauliche Planung und Verkehrsplanung in Berlin nicht Hand in Hand gehen und tatsächlich ideologische Anti-Auto Politik von den linken Parteien für ihr klassisches Wählerspektrum (Arbeitslose, Studenten, Lebenskünstler, "Alternative",...) gemacht wird, die in Berlin meist tatsächlich ohne Auto bestens klar kommen (oder sich erst gar keines leisten können).
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