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Alt 26.09.12, 16:22   #63
Kardinal
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Kardinal ist ein geschätzer MenschKardinal ist ein geschätzer MenschKardinal ist ein geschätzer MenschKardinal ist ein geschätzer Mensch
Nun starte ich mal meinen Kampf gegen Lücken!

Erstmal kurz zur Löwenapotheke. Komplett aus 10 Jahre abgelagertem Eichenholz erstellt. Bis heute kein einziger Baumangel (abgesehen von einem kleinen Riss in einem Gefach... ich glaube, diese Bilanz kann sonst fast kein einziger Neubau vorweisen).

Nun gegen gefährliches Halbwissen (@fizgig):

Vorab: die Bögen in Dreieich gehörten zur Goldenen Waage und haben im Roten Haus nichts zu suchen.
Die Bäume für die Achteckigen Säulen werden nicht jetzt gefällt (und das macht das Problem schlimmer) sondern müssten jetzt gefällt werden. Es handelt sich hierbei um massive Eichenstämme mit einem Durchmesser von 55-75 cm im Säulenbereich und eine Grundlänge von 60 cm im Kapitell auf eine Länge von 4,23 m. Hinzu kommen zwei sich kreuzende Unterzüge (der zweite verlief unter dem Anbau, der jetzt unsachgemäß, weil keine wirkliche Rekonstruktion, massiv erstellt werden soll) von 12 m Länge mit einem Querschnitt b/h = 33/40 cm.
Solche Balken wird man in Altholz nicht finden, weil es keine vergleichbare Konstruktion gibt, die abgerissen werden soll. Da müsste man schon den Dachstuhl eines Schlosses oder einer größeren Kirche abreißen, um an solche Querschnitte in Altholz zu kommen. Der Preis für diese Balken wäre dann nochmal ein andere Sache.
Es bleibt also keine andere Wahl, als in neuem Holz zu bauen (so wie das Originalhaus im Übrigen ja auch gebaut wurde). Dies wäre im Detail statisch auch der sinnvollere Weg, zumindest für die Teile, die noch dem 14. Jahrhundert zuzuordnen sind.
Dann ist das Erdgeschoss aber zuerst vor zu konstruieren und für eine Zeit von mind. 3 Jahren gegen Trocknungsverformungen zu sichern und dabei vorzubelasten. Erst dann kann man diese Konstrutkion schadensfrei auf- und weiterbauen.

Du würdest sicher noch komischer finden, wie nah ich an den Internas bin...

Die Unfähigkeit kann man im Übrigen nachkontrollieren: Dom-Römer GmbH, Gutachten Dreysse vom Februar 2011.
Seite für Seite durchgehen. Die Höhen stimmen in keiner Zeichnung. Im Haus Esslinger ist unter der Bezeichnung EG das OG abgebildet (5 Fensteröffnungen zur Straßenseite), das Rote Haus zeigt in der Ansicht, daß die Unterzüge über den Stützen stumpf gelegen hätten, tatsächlich ging das Kapitell aber als Gabelträger an den Stützen vorbei. Im Schnitt wird einmal eine bündig durchgehende Rückwand gezeigt, einmal eine Auskragung über den 1. OG (die Auskragung ist richtig), die Fenstermaße stimmen nicht, die Profile sind falsch, die Dachneigung ist falsch. Das Dach ist so gezeichnet, als wären die Sparren einen halben Meter hinter der Außenwand in die Deckenbalken eingezapft (war immer über der Außenwand), beim Anbau noch schlimmer. In der Animation ist dieser Fehler übernommen worden. Die oberste Geschossdecke wurde in ihrer Höhe mit 13,50 m angegeben (wäre Gebäudeklasse 5, also brandschutztechnisch wohl nicht baubar; historisch waren aber inkl. Dielung 13,03 m, man wäre also gerade noch so in Gebäudeklasse 4).
Die Ergebnisse von diesem Gutachten sind bis heute Grundlage für die Stadthausplanung.

Erst fragen, dann schimpfen...
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