Archäologische Zone und Jüdisches Museum

  • Irgendwie habe ich im Netz kaum Bilder gesehen, die einen wirklichen Eindruck des neuen Museums verschaffen. Der Platz dort mit dem Dufthaus und dem historischen Rathaus hätte Potential für ein Herzstück des alten Kölns.


    Ich bin kein Bauexperte, aber wäre es total abwägig gewesen, die Zone und das Museum trotz inhaltlichen Zusammenhangs zu trennen? Über der Zone eine schicke, nachts beleuchtete Glasbedachung und das Museum in Domnähe als Ersatz für einen der zum Abriss vorgesehen Bauten, z.B. die alte WDR-Garage? Man hätte aus dem kulturellen Erbe sozusagen gleich zwei Attraktionen generiert, den Platz nicht "verbaut" und hätte aus Kostengründen die Projekte auch nacheinander abwickeln können. Ist aber vielleicht naiv gedacht?! :confused:

  • Nein, das wäre wenig sinnvoll gewesen, da zu der archäologischen Zone auch bedeutende jüdische Funde gehören.

  • K-Restaurieren Eine Reihe von Gründen sprechen gegen eine Trennung von Jüdischem Museum und Archäologischer Zone. Die einzelnen Punkte wurden auch fast alle schon in diesem Thread diskutiert. Ich fasse nochmal zusammen, was dagegen spricht:


    - Das jüdische Viertel des frühen Mittelalterlichen Köln lag an genau jener Stelle. Dort gibt es die Funde der Mikwe (jüdisches Kultbad, der Synagoge und Anderes). Bei dem Fund der Synagogenreste handelt es sich um die bisher älteste entdeckte Synagoge nördlich der Alpen (ca. 1100, der an dieser Stelle stehende Vorgängerbau konnte auf das Jahr 800 datiert werden).
    http://www.museenkoeln.de/arch…efault.asp?schrift=&lang=
    Bei dieser Sachlage (den bedeutenden jüdischen Bodenfunden an diesem Ort) wäre es Unfug, ein jüdisches Museum an anderer Stelle zu bauen - da diese integraler Bestandteil des Museums werden sollen.


    - Die archäologischen Funde sollen in Gänze (Praetorium unter dem Spanischen Bau, Funde unter dem Historischen Rathaus, die jetzigen Ausgrabungen - sowie das noch zu erschließende Teilstück zwischen jetzigen, aktuellen Ausgarbungen und dem bereits erschlossenen Praetorium) begehbar und erlebbar sein. Dies ginge bei einer Bodenplatte (aus Glas oder nicht) nicht mehr, da viele Funde auf dem "Platz" zwischen Rathaus und WRM zu dicht unter der Erdoberfläche liegen (z.B. Mikwe) und das Ganze dann nicht mehr gegehbar wäre.
    http://www.museenkoeln.de/arch…id=420&kontrast=&schrift=


    - Eine Glasabdeckung ist nicht sinnvoll, da z.B. die Mikwe kein zu helles Tageslich verträgt (hat etwas mit Feuchtigkeit und Kristallisierung zu tun - genau kann ich das nicht erklären).


    - der sog. Rathausplatz iist in der Vergangenheit nie eine Freifläche gewesen - sondern war von Römischer Zeit bis zum II. Weltkrieg immer bebaut.
    Eine erneute Bebauung durch den geplanten Komplex bietet die einmalige Chance, dem Rathaus z.b. seine Fassung wiederzugeben - und macht die "Gassen" wieder zu Gassen (Judengasse und Portalsgasse).


    Judengasse
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/1463#1462
    Portalsgasse
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/158136
    Hist. Platzsituation
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/57371
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/118176
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/164453


    Über die Namensgebung, bzw. Schwerpunktsetzung wird sicherlich noch zu streiten sein. Für mich ist die jüdische Geschichte Bestandteil der Geschichte Kölns und nicht isoliert zu betrachten. Bei der aktuellen Bezeichnung (Archäologische Zone/Jüdisches Museum) liegt mir der Fokus zu sehr auf dem 'Jüdischen Museum' - zudem könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, die Archäologische Zone beziehe sich als Ganzes nur auf jüdische Kultur. Die enorm wichtigen Funde aus römischer Zeit gehen mit hier zu sehr unter. Hier sehe ich Diskussions - und Optimerungsbedarf.
    Dies ändert aber nichts daran, dass ich das Projekt insgesamt sehr begrüße.

  • Ich finde es unabhängig von der Nuzung (die ich natürlich sehr begrüße) extrem wichtig den sogenannten "Platz" zu bebauen. Von "verbauen" finde ich kann man hier nicht sprechen, denn ein vernünftiger, auf das Rathaus ausgerichteter Platz ist dies nicht. Was soll dann bitte die Rathauslaube so merkwürdig in der Ecke positioniert bleiben? Die zwei kleinen, intimeren Plätze, welche durch die aktuelle Planung enstehen, werten die Umgebung und besonders das Rathaus erheblich auf. Wenn irgendwann einmal das Kaufhaus-Kutz Gelände bebaut wird, bekommt auch der kleine Marsplatz (südlich des Rathauses) wieder eine Verweilqualität. Es ensteht eine reizvolle Aneinanderreihung von Plätzen.


    Die Visualisierungen für das neue Museum gefallen mir gut, sie lassen aber tatsächlich noch viel offen und sagen nichts konkretes z.B. über die Materialität aus. Ein Blick auf realisierte Projekte des Architekturbüros Hoefer Lorch + Hirsch (Synagogen in Dresden und München) lassen aber viel erwarten.



    http://www.museenkoeln.de/arch…id=420&kontrast=&schrift=

  • Ich selber wäre auch für eine Bebauung des Platzes mit der Kombination einer Überbauung der Archäologischen Zone und des Jüdischen Museums.
    Ich frage mich aber, was an den Bedenken der CDU-Fraktion dran ist, dass es für ein Museum einfach zu wenig Exponate geben soll? Hat jemand da genaueren Einblick und kann etwas dazu sagen?
    Auch wenn ich mich schwer für ein derartiges Prestigeobjekt in Köln einsetze, aber die CDU bzw. damals Schramma hatten doch schonmal mit ihren Zweifeln bezüglich der finanziellen Potenz des privaten Trägervereins Recht behalten. Dessen Rücktritt von der Finanzierung am Museum war ein großer Rückschlag.
    Und sich nur aus Prestigemotiven der Politik ein schickes Museum hinzusetzen, das nicht mal richtig mit Ausstellungsstücken gefüllt werden könnte, würde ich ablehnen.

  • Ein weiterer Artikel von 'koelnarchitektur.de' zur "Archäologischen Zone/Jüdischem Museum" nach dem Ratsbeschluss am 14.07.


    http://www.koelnarchitektur.de…/de/home/aktuell/2622.htm


    Die Dachlandschaft spiegele die historische Kleinteiligkeit des Areals wieder - Juden- und Portalsgasse bekommen ihre historische Fassung wieder zurück. Dadurch dass der Museumskomplex kleiner ausfalle als urspünglich geplant, bekommt das WRM nun einen angemessenen Vorplatz. Sogenannte "Spolien" (hist. Fundstücke) werden in den Sockelbereich des Museums integriert.
    Der Artikel zeigt einen Schnitt, sowie Grundrisse des geplanten Museums, sowie eine Visualisierung des überarbeiteten, kleineren Entwurfs.


    Zu der Frage, ob es genügend Exponate gibt, empfehle ich diesen (älteren) Artikel:
    http://www.stadtrevue.de/archi…ie-sich-zum-rathausplatz/
    oder auch...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Germania_Judaica

  • bebauung

    also ich bin auch für eine bebauung dieses "platzes" aber diese kleine lösung finde ich völlig ungeeignet. zum einen entsteht ja vor dem wrm nicht wirklich ein platz, sondern allenfalls eine breitere durchfahrt mit unmotivierten treppen zum anderen wird die flucht "an farina" und rathaus unnötig gebrochen. zum anderen ist das wrm schon ein extrem geschlossenes blockartiges gebäude und wenn ich die visualisierungen richtig lese, dann wird es beim jüdischen museum/archäologische zone genauso sein. das schafft nur einen ungemütlichen und toten platz mehr in köln. insgesamt finde ich die geplante architektur eher mässig. erinnert an eine mischung aus römisch-germanischem museum und gewollter altstadt-anspielung durch das dach...das finde ich allerdings wirklich misslungen.

  • Ich begrüße die Aufweitung des Platzes an dieser Stelle, gerade weil sie den Blick auf das schöne Farina-Haus freigibt.
    Ob der Platz "tot" sein wird oder nicht hängt von der Erdgeschossnutzung des neuen Museums ab. Dieses ist ja immerhin verglast.
    Gemütlichkeit hat auch immer etwas mit der Materialität zu tun. Der helle Sandstein (vermute ich als Material) bewirkt für mich eine warme und gemütliche Atmosphäre.

  • Die von Herrn Schütte gemachte Äußerung, die Bauarbeiten würden im Herbst beginnen, werden auch schon von der Stadt wieder "diplomatisch" relativiert: Herr Schütte gebe nur die operative Sicht der Dinge wieder. Nachzulesen hier:
    http://www.stadt-koeln.de/1/pr…/mitteilungen/2012/07241/


    Herr Schütte ist in der Vergangenheit häufiger mal mit Äußerungen vorgeprescht, die anschließend zu heftigen Reaktionen geführt haben. Die Stadt Köln hat ein Händchen für "schillerndes" Personal. :)

  • ^ Ich war schon gestern schwer verwundert über den Inhalt des von Cologne68 verlinkten Artikels. Um dieses Projekt gibt es seit Jahren politische Querelen und jetzt verkündet der Grabungsleiter mal zwischendurch, dass der Baubeginn kurz bevorsteht? Und das ohne offizielle Stellungnahme der Stadt? Die liegt also jetzt vor und klingt wie ein halbes Dementi.


    Der Stadtanzeiger fragte gestern auch nach und berichtet kurz darauf über die Vorgänge.
    http://www.ksta.de/innenstadt/…t-,15187556,16768040.html
    Es werde zwar mit Hochdruck an der Realisierung gearbeitet, zunächst müssten die Abstimmungen mit dem LVR über eine mögliche Kooperation aber erfolgreich abgeschlossen sein. Selbst wenn die Chancen gut stehen, wie kann Herr Schütte freimütig Termine verkünden, welche noch gar nicht feststehen? Wieder mal ein bisschen verwirrend und befremdend das Ganze...


    Übrigens: Die Schlagzeile im ksta lautet "Bau des Jüdischen Museums ab Herbst?" Interessant. Wird das Projekt doch in sämtlichen sonstigen Erwähnungen stets als "Archäologische Zone und Jüdisches Museum" benannt. Ist ja auch logisch, da das Jüdische Museum nur einen Teil der riesigen Archäologischen Zone ausmacht, welcher nach Absprung des Fördervereins nun noch erheblich kleiner werden soll. Ist es verschwörerisch, wenn man hier Meinungsmache wittert? Passt jedenfalls zur tendenziös ablehnenden Berichterstattung des Stadtanzeiger über dieses Projekt.

    Einmal editiert, zuletzt von Tilou () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Echt interessant, wie in der Kölner Lokalpresse zum gleichen Thema zwei recht unterschiedlich eingefärbte Artikel erscheinen können…


    Während die Rundschau neutral bis verhalten optimistisch berichtet, dass es in der LVR-Landschaftsversammlung jetzt offiziell eine politische Mehrheit für die vollständige Übernahme des Museumsbetriebs gibt, die Chancen auf Realisierung somit besser werden (http://www.rundschau-online.de…ht,15185496,19111846.html)...


    ...ergeht sich der Stadtanzeiger lieber in Schlagwörtern wie „Zähem Ringen“, „Prestigeobjekt“, „skandalös“, und „scharfer Kritik der CDU“ (http://www.ksta.de/innenstadt/…kt,15187556,19103436.html)


    Zwar bleibt der Stadtanzeiger damit nur konsequent seiner Linie treu, trotzdem sind für mich hier die Grenzen zwischen Information und Meinungsmache längst nicht mehr erkennbar. Immerhin wird auch berichtet, dass zwei unabhängige Gutachten dem Grabungsleiter Sven Schütte vorbildliche Arbeit bescheinigen. Wie das jetzt wieder zu der teils heftigen öffentlichen Kritik in der Vergangenheit an Herrn Schütte passt, ist mir ein Rätsel.

  • Tilou Genau das ist mir auch aufgefallen. Der Stadtanzeiger spricht vom zählen Ringen und andauernden Verhandlungen zwiechen Stadt und LVR bezüglich der Übernahme der Betriebskosten - die Rundschau schreibt "LVR will Museum ganz übernehmen".


    Offenbar haben die meinungsmachenden Menschen beim KStA immer noch nicht so recht überwunden, dass ihr Trommelfeuer gegen das Prtojekt nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat.


    Mein persönlicher Eindruck ist auch der, dass die Artikel in der Rundschau i.d.R. deutlich besser recherchiert sind. So habe ich weiterhin Hoffnung für das, meiner Meinung nach, sehr wichtige Projekt.