Leipzig: Jahnallee 61 vulgo Capa-Haus (Split aus Bauerbe-Thread)

  • Leipzig: Jahnallee 61 vulgo Capa-Haus (Split aus Bauerbe-Thread)

    Aus verschiedenen Ecken mehren sich die Hinweise, das möglicherweise ein Abbruch der Jahnallee 61 als Ersatzvornahme durch die Stadt droht. Das wäre die absolute Katastrophe, denn das auch als "Balkon von Lindenau" oder Robert-Capa-Haus bekannte Gebäude ist als Eingang nach Lindenau von der Jahnallee her unverzichtbar.


    http://maps.google.de/maps?q=L…Uw&cbp=12,223.86,,0,-9.51


    Das Haus war hier und im Nachbarforum ( http://www.stadtbild-deutschla…?page=Thread&postID=79683 ) schon mehrfach Thema.


    Meines Wissens gehört(e) die Jahnallee 61 zuletzt der VICUS AG ( http://www.vicus.ag/ ), die hier unter anderem durch den Erwerb des Ringemessehauses und die geplante "Revitalisierung von Wohn- und Geschäftshäusern in Premiumlagen", speziell an der Kreuzung Beethovenstraße zur Ferdinand-Rhode-Straße und an der Lessingstraße unmittelbar an der Kreuzung zum Goerdelerring ( http://www.l-iz.de/Wirtschaft/…eschaeftsbereich-aus.html ), bekannt geworden ist. VICUS hat(te 2009) nach eigener Darstellung nicht nur die Krügerol-Werke, sondern das ganze Karree zwischen Luppenstraße und Lützner Straße einschließlich der Eckhäuser und des Haupthauses des Krügerolwerkes im Besitz: http://www.vicus.ag/referenzen…ee-luppenstrae---leipzig/ bzw. http://www.vicus.ag/upload/presse/KruegerolFabrik.PDF
    Dann platzte wohl aber Anfang 2009 der Vertrag über den Kauf der Mädlerschen Taschen- und Kofferfabrik und seit dem weiß ich nicht mehr, was da am Eingang nach Lindenau passiert oder passieren soll.

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    Selbstverständlich wäre dieser Verlust eine absolute Katastrophe! In welcher Form "mehren" sich denn die "Hinweise"? Droht das Haus oder Teile einzustürzen? "Ersatzvornahme" droht ja nur, sofern wirklich etwas im Argen ist.

  • Vom Zustand der seit längerer Zeit mit Fangnetzen gesicherten Fassade kann sich ja jeder selbst ein Bild machen. Im Inneren sind Decken durchgebrochen bzw. drohen weitere durchzubrechen. Damit ist die Aussteifung des Gebäudes nicht mehr gewährleistet und der Winddruck ist bei dem exponierten Gebäude ja nicht gerade unbeträchtlich. Durchgebrochene Decken haben ja schon an anderer Stelle zum Abbruch als Ersatzvornahme geführt, siehe z.B. die Antonienstraße 46 an der Ecke Klingenstraße: http://www.leipzig.de/de/buerger/newsarchiv/2010/17100.shtml .

  • ^ Das wäre in der Tat eine Katastrophe, vergleichbar mit dem Abbruch des Eckhauses Karl-Heine-Straße / Zschochersche Straße. Ich stelle mir da die Frage, ob bei eingebrochenen Decken nicht ähnlich wie bei undichten Dächern und kaputten Fassaden eine Notsicherung durch die Stadt erfolgen könnte. An der Wichtigkeit des Gebäudes für das Stadtbild und für den Stadtteil Lindenau besteht ja nun kein Zweifel.

  • Städtebaulich betrachtet, wäre ein Verlust des genannten Gebäudes am Anfang von Leipzig-Lindenau wirklich zu bedauern.


    Um einiges lohnenswerter scheinen da Sanierungen in Leipzig Süd; inbesondere in der Südvorstadt und Connewitz zu sein:


    Beispiele für derzeitige bzw. in naher Zukunft stattfindende Sanierungen:


    Klemmstraße 12:


    http://maps.google.de/maps?q=l…&resnum=1&ved=0CBoQ8gEwAA


    Bornaische Straße 106:


    http://maps.google.de/maps?q=l…&resnum=1&ved=0CBwQ8gEwAA


    Hildebrandstraße 34:


    http://maps.google.de/maps?q=l…&resnum=1&ved=0CBoQ8gEwAA


    Arno-Nitzsche-Straße 26:


    http://maps.google.de/maps?hl=…&resnum=1&ved=0CB0Q8gEwAA


    Karl-Liebknecht-Straße 117 (Hoffentlich wird das Wandbild an der Südseite nicht getilgt!:


    http://maps.google.de/maps?q=K…&resnum=1&ved=0CB0Q8gEwAA

  • Jahnallee 61

    Da kann man noch so viele Kaufländer bauen und Stadtteilreparatur betreiben, solange das Entree von Lindenau vor sich hin gammelt oder sogar dem Erdboden gleichgemacht wird, wird das Image ein negatives bleiben. Ich hoffe, daß die Stadt dies auch erkennt und es nicht zum Notabriß kommen muß. Die Häuser um 1910 wurden eigentlich sehr massiv gebaut und dürften selbst nach den vermuteten Schäden so leicht nicht in sich zusammenfallen sage ich mal als Laie. Hier und hier kürzlich veröffentlichte Photos von der Jahnallee 61 vermitteln zwar ein trauriges Bild vom fortschreitenden Verfall, aber nicht unbedingt die Notwendigkeit eines sofortigen Abrisses. Eine Dachabdichtung wäre wohl die dringlichste Sofortmaßname, um noch größere Schäden im Inneren abzuwenden. Die Rettung ist sicherlich machbar, wenn der Wille da ist und vorausgesetzt, daß nicht vorher jemand das anscheinend problemlos zugängliche Gebäude abfackelt.

  • Da kann man noch so viele Kaufländer bauen und Stadtteilreparatur betreiben, solange das Entree von Lindenau vor sich hin gammelt oder sogar dem Erdboden gleichgemacht wird, wird das Image ein negatives bleiben.


    Ich möche ja ungern in diesem heiligen Bauerbe-Thread abschweifen, aber:


    Sanierungen sind ja schön und gut und mit Sicherheit für die Belebung eines Stadtviertels sehr wichtig, aber im Endeffekt eher sekundär.
    Das bescheidene Image hängt wohl weniger damit zusammen, dass ein paar Häuser vom Erdboden verschwinden, sondern vielmehr damit, dass dieses Viertel an sich eher ziemlich düster erscheint. Ein Nazi-Zentrum in der Mitte, verwaiste Geschäfte und Straßen; ein Viertel welches einfach ungemütlich erscheint und auch ist!
    Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der dort freiwillig hinziehen würde; es gibt einfach im Vergleich dazu, wesentlich ansprechendere Wohn- und Ausgehmöglichkeiten in Leipzig. Das läßt sich auch nicht künstlich von Außen ändern.

  • das lieber phoenix, ist mit verlaub deine subjektive meinung. ich lebe an der grenze zu diesem düsteren viertel, genieße seine rauhe grundstimmung und sehe wöchentliche neue menschen hinzuziehen. es ist keine südvorstadt und wird nie eine werden. aber seinen eigenen charme hat es allemal. und das böse nazizentrum ist ein produkt unserer demokratie, nicht des stadtteils an sich ;)

  • Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der dort freiwillig hinziehen würde; es gibt einfach im Vergleich dazu, wesentlich ansprechendere Wohn- und Ausgehmöglichkeiten in Leipzig. Das läßt sich auch nicht künstlich von Außen ändern.


    Wann warst Du das letzte mal in Lindenau? Ich kenne keinen Stadtteil in Leipzig, der eine solche Dynamik hat und der einen so starken Zuzug erlebt, zumindest seit diesem Jahr. Und da reden wir nicht von nur von dem neben Plagwitz liegendem Viertel zwischen Karl-Heine- und Lützner Straße, wo die letzten unsanierten Häuser derzeit in Angriff genommen werden (Josephstraße, Hähnelstr., Merseburger Str. ...) und ständig neue Kneipen und Läden entstehen. Auch in der lauten und eigentlich ungeliebten Lützner Straße - momentan hinter der Merseburger Str. verkehrsberuhigt ;) - eröffnet eine Galerie nach der anderen (Lützner Straße 36, Nachfolger des exLalülala, Lützner Str. 61 ...), mehrere Häuser wurden bzw. werden saniert und von vor allem jungen Leuten wieder bezogen (z.B. aktuell das Vorderhaus Lützner Str. 29), viele der letzten unsanierten Gebäude haben in letzter Zeit den Eigentümer gewechselt und die Sanierung steht bevor. Am Lindenauer Markt entsteht nicht nur der gruselige Kaufland-Hypermarkt, sondern die Nr. 9 wird seit einigen Wochen saniert und vor einigen Tagen wurde auch ein Gerüst an der Nr. 10 aufgebaut, das ex-Schotten-Haus in der Dreilindenstr. 1 und das gegenüberliegende Eckhaus dürften demnächst folgen. In dem Viertel zwischen Markt und Elster-Rückhaltebecken wird überall saniert (z.B. Angerstraße 41 und 51, Roßmarktstraße 3) und überall stehen Umzugswagen. Selbst in dem tristen und eigentlich von der übrigen Entwicklung abgehängten Viertel zwischen Lützner Straße und den Kleingärten, Merseburger Straße und S-Bahn-Ring ( http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=246737 ) sind sowohl Hausprojekte (etwa Demmeringstr. 72) als auch klassische Sanierer (etwa Geraer Str. 16) zugange, weitere Sanierungen, darunter ein Selbstnutzer-Projekt, sind in der Pipeline. Über die langsam anrollende Entwicklung rings um die Georg-Schwarz-Straße wird hier ja laufend berichtet: http://www.deutsches-architekt…wthread.php?t=7689&page=3 ; http://www.georg-schwarz-strasse.de/aktuelles.htm


    Das Nazizentrum in der Odermannstraße 8 ist ein großes Problem, aber nicht nur für Lindenau, sondern für ganz Leipzig. Nur eine Hegemonie haben die Nazis hier nicht erlangt bzw. längst verloren, sie igeln sich in ihrer Burg ein und beobachten die Entwicklungen im - zumindest in ihrer sehr verqueren Wahrnehmung der Welt - "roten Lindenau". Ohne die Naziaktionen und gewalttätigen Übergriffe in der letzten Zeit ( http://www.chronikle.org/thema/odermannstra%C3%9Fe ) klein reden zu wollen, ein Angstraum, wie er in vielen sächsischen Kleinstädten besteht (etwa Limbach-Oberfrohna oder Colditz), ist Lindenau nicht. Und jeder der zahlreichen Zuzüge,Wiederinstandsetzungen, Sanierungen, Ladeneröffnungen, Kunstaktionen etc. verändert Lindenau noch mehr.


    Um so bitterer wäre es, wenn an derart exponierter Stelle wie dem Balkon von Lindenau eine solch schmerzliche Lücke geschlagen würde.

  • @ ungestalt:


    Deinen Satz "ich lebe an der grenze zu diesem düsteren viertel, genieße seine rauhe grundstimmung [...]" kann ich nur unterschreiben.
    Meiner Meinung zeichnet gerade das Leipzig insgesamt aus; diese destruktive und graue Art: Häuser die sich selbst zurücknehmen und zusammen fallen. Leipzig ist halt nicht so geleckt wie München und auch nicht so hip wie Berlin.


    @ LE Mon. History:


    Also ich war das letzte Mal im Juli diesen Jahres im Theater der Jungen Welt und somit zwangsläufig in Lindenau. Der Lindenauer Markt war bereits um 21Uhr an einem Samstagabend wie leer gefegt und außer eines Thor-Steinar Trägers bevölkerten nur wenige Menschen die Haltestelle; bzw die nicht vorhandenen Cafes und sonstigen angenehmen Verweilmöglichkeiten.


    Dein Verweis, dass Lindenau in Bezug auf Naziübergriffe noch nicht die Qualität und Quantität von beispielsweise Limbach-Oberfrohna aufweisen kann, macht die Sache für die Betroffenen von Naziübergriffen nicht bequemer. Ebenso sei mal dahingestellt, dass das sogenannte Nazizentrum in der Odermannstraße sich darauf beschränkt, mit Feldstechern die Gegend zu observieren.

  • Die Wahrnehmung von LE. Mon. hist. über die Odermannstraße 8 teile ich. Das einzige, was die NPD mit ihrem Zentrum in Lindenau geschafft hat, ist eine gestiegene Sensibilisierung im Viertel und in ganz Leipzig gegenüber dem Thema Neonazis in der Stadt und dass Lindenau inzwischen - ähnlich wie Connewitz - zu einem quirligen und bunten Viertel "mutiert" ist. Was der NPD meistens in der sächsischen Provinz gelingt, ist in Leipzig grandios gescheitert.


    Aber wir sind hier im Bauerbe-Thread, weshalb ich euch darum bitte, weiteres zu diesem Thema im Café Mephisto zu diskutieren, z.B. im Thread "Stadtleben". Ggfs. verschiebe ich nachher die Beiträge.

  • handelt es sich dabei um den recht großen eckbau? das wäre wirklich sehr schade. wenn das umfeld nur etwas besser wäre (und eventuell der zustand des gebäudes) hätte die ecke sehr viel potential. zur zeit scheint es ja mehr oder weniger noch ein gerücht zu sein?

  • Es wäre nicht nur schade, sondern eine Katastrophe. Problem ist m.E. weniger das Umfeld, sondern die Tatsache, dass die Vicus AG, die ja gerne große Pläne schmiedet, seit Jahren nichts an dem Gebäude gemacht hat, nicht mal simpelste Sicheurngsmaßnahmen.


    Wir hatten das vor einem Monat mal hier ff. diskutiert. Interessant wäre allerdings, zu erfahren, inwieweit da die Messen wirklich schon gelesen sind. Das "Der OBM hat sein Einverständnis erklärt" auf dem Zettel klingt mir ein wenig nach Polemik.

  • Jahnallee 61

    Schon vor ein paar Jahren, als die benachbarten Reformstilbauten gegenüber des Straßenbahnhofs und die Krügerolfabrik saniert wurden, hieß es, dass auch die Jahnallee 61 dran sei. Das hat sich wohl zerschlagen und die Zeit läuft aufgrund gravierender baulicher Mängel anscheinend gegen einen Erhalt des imposanten Eckhauses. Leider befindet es sich auch nicht auf der Gebäudesicherungsliste der Stadt, obwohl es m.E. da unbedingt mit drauf gehört. Anbei noch eine ältere Aufnahme von besagtem Gebäude:



    Bild: Cowboy

  • Damit wäre die Eingangssituation in diesen Stadtteil völlig im Eimer, sowie ein weiteres "stadtbildprägendes Gebäude" verloren. Ich sehe die Dimension ähnlich dramatisch wie damals in der Friedrich-Ebert-Straße oder beim Umbau der inneren Jahnallee (jetzt Randstädter Steinweg) Bliebe die Frage, ob sich wieder eine ähnliche Öffentlichkeit zur Erhaltung des Hauses organisieren ließe.