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Alt 07.05.10, 11:37   #3
cherubino
 
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Herr Kellenberger, bitte nicht

Claus Kellenberger hat sich verdient um Chemnitz gemacht. Mit dem Umbau des ERMAFA Komplexes zu einem Einkaufszentrum, der Sanierung des Rosenhofes und des T3 Komplexes an der Stadthalle sind durch ihn wichtige Beiträge für ein urbanes Chemnitz geleistet worden.

Doch die nun von ihm geplante Sanierung des RAWEMA Hauses in der Innenstadt schadet Chemnitz mehr als es der Stadt nützt, weil es dem Projekt an städtebaulicher und architektonischer Qualität fehlt.

Die städtebauliche Neuordnung des ehemaligen Johannisplatzes ist in Chemnitz im Rahmen der Planungen für eine neue Innenstadt als wichtiger Bestandteil erkannt worden. Schon vor 10 Jahren gab es einen Architekturwettbewerb, der einen Entwurf für die Neugestaltung der unattraktiven Fassade des Rawema Gebäudes zum Ziel hatte. Der Siegerentwurf sollte für potentielle Investoren, die das Gebäude sanieren wollen, ein Wegweiser sein.
Für den Johannisplatz selbst war der Neubau eines Gebäudes zwischen Bundesbank und Rawemagebäude in der Traufhöhe des Bundesbankgebäudes vorgesehen, sowie der Neubau eines Gebäudes zwischen historischer Dresdner Bank und Postgebäude. Ein weiteres neues Gebäude, als Parkhaus angedacht, sollte den Johannisplatz räumlich von der Bahnhofstraße trennen.
Der neue Johannisplatz wäre so, angelehnt an den historischen Johannisplatz, ein eigenständiges, attraktives Quartier in der Chemnitzer Innenstadt geworden.

Die nun vorgestellten Pläne von Investor Claus Kellenberger zum Umbau des RAWEMA Hauses zeigen, dass kein einziger Punkt aus diesen ursprünglichen Planungen umgesetzt wird. Das Ganze abgesegnet von der Stadt und in den letzten Tagen bejubelt von den Chemnitzer Medien. Das RAWEMA Haus behält seine unattraktive Blech-/Glasfassade, zwischen ehemaliger Bundesbank und RAWEMA Haus entsteht nur ein Zweigeschosser und als i Punkt soll das Stadtbild prägende Grundstück neben der historischen Dresdner Bank mit einem Parkhaus bebaut werden. Das ursprünglich vorgesehene Gebäude zwischen Johannisplatz und Bahnhofstraße ist aus dem aktuellen Bebauungsplan für das Areal gleich ganz verschwunden.

Warum macht Chemnitz das mit?
Das Ergebnis wird banal sein und es wird dem Anspruch, den Chemnitz mit der Architektur rund um das Rathaus eingegangen ist, nicht gerecht werden. Die wenigen Baufelder in der Chemnitzer Innenstadt müssen unbedingt mit hochwertiger Architektur bebaut werden, damit diese wenigen neuen Gebäude Chemnitz eine nachhaltig wirkende Mitte geben. Derart Investorenarchitektur wie jetzt geplant, ist hier fehl am Platz. Wozu haben wir in Chemnitz erst ein Kuratorium für Stadtgestaltung berufen, wenn es hier an so einem wichtigen Punkt nicht zu Rate gezogen wird?

Überhaupt hat man den Eindruck, dass das Thema Innenstadtbebauung zum Stiefkind verkommen ist. Immer mehr Innenstadtbaufelder sind schon, oder werden mit aufwendigen Interimslösungen versehen. Es begann mit den Pavillonbauten vor der Schmidtbank Passage und dem Bau eines Parkplatzes auf dem Baufeld D3 an der Lohstraße. Das Baufeld E2 wurde mit der Sanierung des Kaufhauses Tietz als Platz gestaltet, das Tietz an dieser Stelle mit einer aufwendigen Glasfassade versehen. Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Gestaltung der Baufelder zwischen Deutscher Bank und Moritzhof als Park. Diese Baufelder sind in neueren Planungen gar nicht mehr vorhanden. Das heißt, die neue Chemnitzer Innenstadt wird so, wie geplant, gar nicht mehr kommen. Und das liegt bestimmt nicht an der demografischen Entwicklung der Stadt. Die wenigen Neubauten hätte Chemnitz schaffen können. Man gibt einfach auf halber Strecke auf. Zum Nachteil von Chemnitz. In anderen ostdeutschen Großstädten, die wirtschaftlich weniger stärker sind als Chemnitz, wird in den Innenstädten gebaut was das Zeug hält. Hier gibt es sogar Wiederaufbauprojekte von im Krieg zerstörter Bauten. Und dabei denke ich nicht an Dresden.

Es ist wie am Beginn des Stadtumbaus in Chemnitz, niemand legt ein Veto ein. Die Verantwortlichen in der Stadt dürfen machen. Die Folgen waren verheerend für Chemnitz. Für die Innenstadtbebauung gibt es eine gute Planung. Man sollte sich an dieser halten.

baudenkmäler-chemnitz.de
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