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Alt 01.02.09, 19:50   #1
LE Mon. hist.
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Jena: Neubebauung des Eichplatzes

Da wir gerade über der Neubauung des Inselplatzes / Parkplatzes "Lutherplatz" / Horten-Kaufhaus unmittelbar östlich der ummauerten mittelalterlichen Stadt Jena auf dem Gebiet der sich entlang des Steinweges bis zur Saale und Camsdorfer Brücke erstreckenden Vorstadt ( http://www.deutsches-architektur-for...ead.php?t=8042 ) und über Sanierungen sowie kleinere und mittlere Neubauprojekte in der Innenstadt wie etwa dem Sonnenhof durch J. MAYER H. Architekten, Berlin ( http://www.deutsches-architektur-for...ead.php?t=3354 ) diskutieren, wäre es sicherlich sinnvoll, auch dem dritten und größten Neubauprojekt in Jena und einem der größten innerstädtischen Bauflächen im Zentrum einer ostdeutschen Großstadt (nach Chemnitz, Leipzig etc.) einen eigenen Thread zu widmen:

(Neuer) Eichplatz / ehemaliger Platz der Kosmonauten in der westlichen Innenstadt von Jena zwischen Henselmann-Hochhaus / Keksrolle / penis jenense / Uniriese / Intershop-Tower / "JenTower" oder wie auch immer (http://www.deutsches-architektur-for...hread.php?t=89) und Rathaus und "Papageienhaus" an der Marktwestseite:
http://maps.live.de/LiveSearch.Local...=-90&alt=-1000

1968 beschloß der Ministerrat der DDR eine Neugestaltung der Jenaer Innenstadt. Für die mikroelektronische Forschung bei Carl Zeiss war ein markantes Hochhaus als "sozialistische Dominante" vorgesehen, darum sollten zahlreiche Neubauten in Plattenbauweise errichtet werden. 1969 wurde das bei der Bombardierung Jenas am Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschonte Wohn- und Geschäftsviertel mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Häusern um Leutragasse und Eichplatz zwischen Johannistraße und Kollegiengasse abgerissen. In den Turm zog 1972 die Uni ein, davor erstreckte sich bis zum Markt der zentrale "Platz der Kosmonauten", der vor allem für Aufmärsche und Kundgebungen genutzt wurde. Nach der Wende 1989 wurde dieser nach einem alten, überbauten Platz in der Nähe in Eichplatz umbenannt und dient seither als Parkplatz und gelegentlich als Rummelplatz. Gleichzeitig begann die längst nicht abgeschlossene Diskussion um die Wiederbebauung.

Laut einem Artikel aus der TLZ vom 17.11.2008 (Thomas Stridde) meinte Thüringens Bau-Staatssekretär Roland Richwien (CDU) bei einer Beratung mit Vertretern der Jenaer Bauverwaltung und der hiesigen Wohnungswirtschaft im November 2008: "Da muss mehr Drive rein!" und "Wir müssen schneller und pfiffiger werden!". Thema war dabei natürlich auch der "Eichplatz". Stadtentwicklungsdezernentin Katrin Schwarz meinte hierzu, es gäbe zwar eine Bauleitplanung, aber noch kein Baurecht. Grund dafür ist, dass ihr 2006 nach verlorener Wahl zum Oberbürgermeister nach Weimar entschwundener Vorgänger Christoph Schwind (CDU - http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Schwind ) den zugehörigen so genannten Abwägungsbeschluss nicht initiiert habe. Womöglich berge die Bauleitplanung "sehr eng gefasste" Festlegungen. Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) erläuterte dem Staatssekretär Richwien, dass der seit dem Jahr 2003 bestehende Eigenbetrieb "Kommunale Immobilien Jena" (KIJ - http://www.jena.de/sixcms/detail.php...45538&_lang=de ) und das Dezernat 3 Stadtentwicklung (http://www.jena.de/sixcms/detail.php...11328&_lang=de) derzeit die baurechtliche Lage des Eichplatzes überprüfen: Wie könne man den Prozess beschleunigen, so denn der jetzige Planungsstand einer Bebauung nicht förderlich sei? Immerhin hätten jüngst zwei Unternehmen während der Immobilienmesse Expo Real Bebauungsinteresse bekundet.

Richwien wies insbesondere darauf hin, dass 2013 der europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ausläuft und Thüringen danach vermutlich wegen seines gewachsenen Bruttoinlandprodukts künftig nicht mehr Zielgebiet 1 der Europa-Förderung sein könne. Die Stadt solle also in Sachen Fördergeld noch aktiver werden. "Wir stehen mit unserem Instrumentarium zur Verfügung", meinte er. Seinen Angaben zufolgeflossen zwischen 1991 und 2007 insgesamt 206 Millionen Euro aus Städtebauförderprogrammen (Eigenanteile der Stadt inklusive) nach Jena. Natürlich könne "die Stadt nicht alles machen", sagte Richwien, doch bleibe ihr eine Pflicht: "Sie müssen erfolgreiches Investment organisieren."


Ein Bild des ersten Entwurfs bzw. des 1. Preises des Mitte 1993 ausgelobten städtebaulichen Wettbewerbs „Eichplatz“ vom Architekturbüro "Trojan, Trojan+Neu", heute Trojan Trojan Wendt, Darmstadt ( http://www.trojan-architekten.de/ ) gibt es im Netz, muß ich aber erst finden ;-).


Der Entwurf ist dann 2001 von Trojan selbst und bis 2004 noch mehrfach (?) überarbeitet worden:
http://www.unser-jena.de/viewtopic.php?t=240
http://www.thueringen.de/de/publikat...ownload682.pdf
http://jena.de/fm/415/amt06_04.pdf .

Hier auch endlich der Nachweis, dass dieses 2003 hingeknallte Gruselkabinett "Neue Mitte" von Josef Saller Gewerbebau, Weimar, nur als Provisorium gedacht ist.

Die derzeitige Turmfuß-Bebauung wurde – mit Ausnahme des mehrstöckigen Gebäudes am Leutragraben – als Zwischenlösung konzipiert und auch nicht mit einer Tiefgarage ausgestattet. Die Zwischenlösung ist als Ersatz für den Vorgängerbau entstanden und orientiert sich an dessen äußeren Abmessungen, nicht jedoch an den geplanten Baulinien / Baugrenzen. So überschreitet sie die Baulinie im Osten, schöpft jedoch den gegebenen Spielraum im Norden und Süden nicht aus.
Bereits allein der später notwendige Bau einer Tiefgarage macht mittelfristig einen Abbruch der Zwischenlösung nahezu unumgänglich, so dass dann auch die Chance für
eine Neugestaltung des unmittelbaren Turm-Umfeldes besteht.


Das heißt aber offenbar, das diese Ansichtsseite im Westen zum Leutragraben hin - darf man dieses überhaupt ungestraft so nennen - erhalten bleiben soll. :weinen: Ich hatte gehofft, wir würden irgendwann davon erlöst werden.

2., überarbeiteter Entwurf zum Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan
Nr. B-J 12 Eichplatz
http://www.jena.de/fm/41/Eichplatz-E...gruendung2.pdf

Das sagt die FDP: http://www.fdp-thueringen.de/jena/ne...ichplatz.html0

Ich frage mich ernsthaft, ob man 2009/2010 noch an einer in den Grundzügen aus dem 1993 und damit 16/17 alten Planung festhalten soll oder ob es nicht besser, wenn auch etwas teurer wäre, den Prozess noch einmal neu zu starten - vielleicht in ähnlicher Weise, wie es aktuell für den Inselplatz ( http://www.architekturforum.net/view...php?f=3&t=2689 ) geschieht.
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