Thema: (Ohne Präfix) Görlitz
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Alt 02.10.12, 15:42   #17
Klarenbach
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Klarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz sein
Sicher ist es richtig, über die Umbaustrategie für Plattenbausiedlungen nach der konkreten Lage zu entscheiden, da würde ich Saxonia Recht geben. In wachsenden Städten wie Berlin, Potsdam, Dresden oder Jena dürfte ein Teilrückbau in der Regel nicht sinnvoll sein, weil dort jede Wohnung gebraucht wird. Dann gibt es Orte wie Eggesin, deren Zukunft prinzipiell unsicher ist. Hier dürfte eine Sanierung mit Teilrückbau auch nicht sinnvoll sein.

Es gibt aber gerade in Ostdeutschland viele Städte, die zwar Bevölkerungsrückgänge verzeichnen, die aber dennoch langfristig eine Perspektive haben dürften. In diesen Städten dürfte ein Umbau der Plattenbausiedlungen für sinkende Einwohnerzahlen durchaus Sinn machen. Natürlich muss auch solchen Projekten eine gründliche Analyse der jeweiligen Siedlungen und Gebäude vorangehen. Dabei spielen Faktoren wie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die Ausstattung mit Schulen und Kindertagesstätten, das Angebot an Handeleinrichtungen und Ärzten, die landschaftliche Lage (Gibt es schöne Ausblicke?), die stadtstrukturelle Einbindung, das konkrete Wohnungsangebot (Welche Plattenbautypen dominieren? Verfügen die Häuser über Aufzüge? Verfügen die Wohnungen über Balkone? etc.), die städtebauliche Gestaltung, die derzeitige und künftige Wohnungsnachfrage in der jeweiligen Stadt (Wie wird sich die Bevölkerungszahl entwickeln? Wie hoch sind die Einkommen? Wie hoch ist der Anteil an Hartz IV - Empfängern? Wie groß ist der Anteil an Senioren? Wieviele junge Familien gibt es?) eine Rolle. In vielen Fällen gibt es auch innerhalb einer Plattenbausiedlung bessere und schlechtere Lagen.

Ausgehend von dieser Analyse muss dann die konkrete Umbaustrategie entwickelt werden. Dabei sind verschiedene Maßnahmen denkbar: der Teilrückbau einzelner Geschosse, der Abriss einzelner Segmente, um sehr lange Blöcke aufzulockern, der Einbau von Aufzügen, der Abriss von Wohnblöcken in sehr dicht bebauten Bereichen, die Stilllegung der oberen Etagen, der Abriss mit anschließender Neubebauung, hierbei können auch die Keller der Abrisshäuser wiederverwendet werden (dies wurde in Magdeburg realisiert). Es gibt also eine breite Palette an Möglichkeiten, die alle ihre Berechtigung haben können. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Plattenbausiedlungen durch diese Maßnahmen erfolgreich aufgewertet worden sind. Problematisch allerdings finde ich eine Strategie, die sich vor allem auf den Abriss beschränkt und auf Aufwertungsmaßnahmen verzichtet. Eine solche Strategie führt in der Regel zur Entwicklung sozialer Brennpunkte und zur weiteren Abwertung der betroffenen Quartiere.

In diesem Kontext habe ich auch den Vortrag von Herrn Myckert verstanden. In Königshufen wurden jahrelang nur Totalabriss-, aber keine Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt. Diese Strategie hat aber nicht zu einer Stabilisierung, sondern zu einer Abwertung von Königshufen geführt. Diese Erfahrungen haben die Wohnungsunternehmen nun zu einer Strategieänderung bewegt. Dabei gibt es übrigens nicht nur Teilrückbauten, sondern es wurden auch Wohnblöcke mit Aufzügen nachgerüstet. Ich denke, dass die Chancen für eine Stabilisierung von Königshufen sehr gut stehen, da dieser Stadtteil über zahlreiche Vorteile verfügt, wie: gute Anbindung an das Straßenbahnnetz, eine Entfernung von 5 Fahrminuten von der Altstadt, die gute Ausstattung mit Schulen, Kindertagesstätten und Einkaufsmöglichkeiten, eine landschaftlich schöne Lage oberhalb der Stadt. Rund zwei Drittel des Wohngebietes besteht aus flexiblen WBS 70-Blöcken mit 6 Meter breiten Balkonen. Für die Zukunft ist eine Verlängerung der Straßenbahn von Königshufen-Marktkauf bis zum Krankenhaus geplant, diese wird die stadtstrukturelle Lage von Königshufen nochmals verbessern. Daher denke ich schon, dass eine Aufwertung von Königshufen gelingen wird.
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