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Alt 11.08.08, 09:57   #365
peter
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peter befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Baugenehmigung Nebensache ?

Frage: Wieso stellt die Stadt Fachbereich Gebäudemanagement am 27.4.2007 einen Bauantrag an sich selbst (Stadt, Bauamt/Stadtplanung) zum "Aufbau der Quadriga auf das Schloss" ?

Antwort: Weil man erst ganze zwei Wochen vor der bereits für den 6.5. 2007 angesetzten Einweihung bemerkt hatte, daß sich niemand um irgendeine, geschweige denn um eine ordnungsgemäße Baugenehmigung gekümmert hatte. Der eigentliche Bauherr war ja der "Stifter" Borek, aber der lehnte jegliche Verantwortung dafür ab.
Also wurde noch ganz schnell der städtische FB Gebäudemanagement dazu verdonnert, acht Tage vor der "geschichtlichen" Feier (am 27.4.2007)zumindest einen Bauantrag als Vorgang beim Bauamt auf den Tisch zu legen.

Immerhin war bereits am 7.3.2007 in der BZ überschwänglich geworben worden:
Zitat:
Am 6. Mai Fest zur Schloss-Eröffnung -

Oberbürgermeister Gert Hoffmann sieht die Eröffnung als "eigentlichen Höhepunkt des Jahres und geschichtlichen Tag für Braunschweig"


http://www.newsclick.de/index.jsp/me.../artid/6493489
Passt die Bauordnung nicht mehr für "geschichtliche" Dimensionen?

Aber wie das ? Weder war - und ist bis heute - die Stadt "Bauherrin", ja noch nicht mal Eigentümerin der seit mehr als einem Jahr umtriebigen Bronze-Skulptur, noch war oder ist die Stadt Eigentümerin der Schloss-Arkaden.
Aber irgendein Vorgang als eine Art Bauantrag sollte doch zumindest vorliegen. Und so sieht der Bauantrag vom 27.4.2007 dann aus: keine statische Berechnung zu den Figuren, keine detaillierten Zeichnungen, nicht mal genaue Bemaßung.
Stattdessen als "Baubeschreibung" eher ein Marketing-Text vom 26.4.2007 :
Zitat:
Die Firma Richard Borek und die Richard Borek Stiftung haben die 1. Quadriga des ehemaligen Braunschweiger Residenzschlosses in 1:1 Formen als Bronzeguß im Wachsschmelzverfahren originalgetreu nachbilden lassen. Zur Herstellung diente das im Dresdner Albertinum erhalten gebliebene 1:3 Originalmodell von Ernst Rietschel, das auch Grundlage der Herstellung der 1.Quadriga von 1855-63 war. Diese war jedoch eine Kupferplattentreibearbeit mit Montage auf einem Eisenskelett. Die Wiedergewinnung der Quadriga wurde im Zusammenhang mit der Rekonstruktion und dem Wiederaufbau des Braunschweiger Residenzschlosses betrieben.
Die Quadriga besteht aus 4 Zugpferden, dem Wagen und der Lenkerinnenfigur, der Braunschweiger Stadt- und Landesgöttin Brunonia. Die Stücke wiegen nach Angaben des Gießermeisters Emil Kosicki/Komoriki bei Posen, der die Quadriga seit März 2007 herstellt, insgesamt ca. 10,5 t.
Die gesamte Länge von Pferden und Wagen beträgt ca. 9,3 m, die Breite ca. 10,0 m und die Höhe ca. 9,0 m . Die Pferde stehen einzeln auf einem 30 cm hohen Eisengerüst, ebenso der Wagen, der zusätzlich nochmals mit 42 cm untersockelt ist. Dieses sind Maßnahmen für die günstige Fernwirkung und Befestigung der Gruppe auf dem Quadrigapodest mit 10,5 m Kantenlänge. Beide Sockel werden mit Bronzeblech verkleidet. Die Unterkonstruktion für die Befestigung auf dem Quadrigapodest bereitet der Generalunternehmer des Schloßarkadenprojektes Fa. Hochtief vor.
(aufgestellt am 26.4.2007 FB Gebäudemanagement)
Bekanntlich gab es zusätzliche Standsicherheitsprobleme der massiven Bronze-Massen in luftiger Höhe. Der zur Baustelle gerufene Prüf-Statiker lehnte wenige Tage später jegliche Verantwortung ab, die Rösser wurden trotzdem ohne die baurechtlichen Freigaben zur bereits angelaufenen Jubelfeier am 6.5.2007 nur provisorisch vergurtet auf den Portikus gehievt:

Erst vier Monate später lüftete das Rathaus einen kleinen Zipfel der Legendenhülle und gab Herrn Jonscher am 4.9.2008 die Auskunft:
Zitat:
Im Mai hatte der verantwortliche Prüfer kurz vor Aufstellung der Rösser bemängelt, dass diese möglichen Windlasten nicht standhalten könnten. Bei der 9,20 Meter hohen Bronzeplastik handele es sich im baurechtlichen Sinne um ein – genehmigungspflichtiges – Bauwerk, für das strenge Sicherheitsanforderungen gelten. Das habe man zunächst nicht ausreichend berücksichtigt. http://www.newsclick.de/index.jsp/me.../artid/7242452
Über ein Jahr später - am 27.4.2008 - erteilte das städtische Bauamt dann dem städtischen Fachbereich Gebäudemanagement die Baugenehmigung zur Errichtung der Quadriga auf dem Portikus. Über ein Jahr lang wurde der peinliche Sachverhalt vertuscht, die Zeitung musste immer neue Geschichten drucken. Wie bruchstückhaft durchsickerte, war die ganze innere Statik der Figuren geändert worden.
Auch zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt aber weder mit der Bronzplastik noch mit dem Portikus etwas zu schaffen.

Viel zu schaffen hatten trotzdem viele städtische Mitarbeiter beim FB Gebäudemanagement, die den Bauantrag gefertigt hatten (geschätzte interne Kosten: 60.000 €) und beim Bauamt, die dann ihre Gebührenrechnung in Höhe von 5.426,00 € der Schwesterabteilung Gebäudemanagement in Rechnung stellten.

Nun war man sicher: die Quadriga kommt am 20. Juli 2008 auf´s Dach, oder dann doch wieder nicht ... ?

...Fortsetzung folgt ...

Geändert von peter (11.08.08 um 10:14 Uhr)
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