Wohnquartier Mittelbereich Lehrter Straße | Europacity

  • Die Assoziation zu den Nachkriegssiedlungen drängt sich hier wohl jedem auf. Wobei man "damals" meist mehr Abstand zwischen den Blöcken gelassen hat.


    Ich frage ich aber auch, wie die Lehrter Straße als einzige Zufahrtstraße künftig den "Andrang" bewältigen soll. Sie ist einerseits relativ schmal, durch Moabiter Kissen verkehrsberuhigt und Tempo-30 Zone, andererseits wird sie schon jetzt recht intensiv als Durchgangsstraße vom Hbf nach Norden genutzt, sowohl von Lkw, noch mehr von Taxen Richtung Tegel... wenn dann noch 1000 Wohnungen mit über 2000 Bewohnern hinzukommen, von denen sicher trotz der innerstädtischen Lage ein Großteil ein Auto haben wird...


    Immerhin könnte der Taxiverkehr in ferner Zukunft etwas nachlassen, falls tatsächlich mal der BER eröffnet wird.

  • In den Nachkriegssiedlungen diente die Schrägstellung der Baukörper dazu, die Lockerheit und Verspieltheit einer städtebaulichen Konzeption zu unterstreichen, welche Mehrfamilienhäuser in eine intensiv durchgrünte "Stadtlandschaft" einstreute. Rückt man nun wie in vorgestelltem Projekt die schräggestellten Bauten so zusammen, dass sie sic an den Ecken berühren, entsteht eine sinnfreie Figur, die sowohl die Idee der "Stadtlandschaft" durchkreuzt als auch jene der raumbildenden Blockrandbebauung. Was haben sich die Planer nur dabei gedacht?. Es ging wohl nur darum, Traditionen über Bord zu werfen, gemäß der irrigen Vorstellung, das Andersartige und Originelle sei in jedem Fall respektabel.

  • ^ Das vermute ich auch. Wenn ein städtebaulicher Entwurf erstellt wird, muss es halt irgendwas Besonderes sein, nach dem Motto: Blockrand kann ja jeder, aber Gebäude so schräg gestellt, wie wir das haben, das gab's so noch nie! Auch wenn es offensichtlich komplett sinnfrei ist.

  • Komplett sinnfrei ist diese Anordnung nicht, denn nur so können die einzelnen Gebäude zu allen vier Seiten Fenster haben und dennoch dicht gepackt stehen. Bei einer Blockrandbebauung ist das nicht möglich.


    Das ist aber auch der einzige Vorteil, den ich erkennen kann.

  • Ja, Fenster auf allen vier Seiten, von denen die meisten dem Nachbarn so richtig auf die Pelle rücken. Die Planer haben anscheinend noch nie was gehört von der Polarität von Öffentlichkeit und Privatheit, welche die Qualität der traditionellen europäischen Stadt ausmacht. Eine ausgesprochen schwache Leistung, die wieder einmal das here Prinzip des "form follows function" komplett außer Kraft setzt.

  • Den Grund für diese gezackte Anordnung der Gebäude vermute ich im Schallschutz, da das Areal zwischen Bahntrasse und Lehrter Straße einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt ist. Wirklich anfreunden kann mich auch nicht mit dem Entwurf. Aber Sauerbruch&Hutton werdens täglich vor Augen haben, wenn die Architekten aus ihren Bürofenstern schauen...

  • Update, weiterhin ist man mit Erdarbeiten beschäftigt. Mehrere Bauschilder der Groth-Gruppe sind aufgestellt:





    Schöner Blick auf das Bettenhochhaus der Charité, die neue 50Hertz-Zentrale und den Tour Total:




    Im nördlichen Teil des Baufeldes sind schon die ersten Fundamente entstanden:




  • ^ Update zum Baufortschritt. Im nördlichen Teil des Baufeldes entstehen die ersten Hochbauten:






    Weiter südlich ist hier noch eine Sandwüste zu sehen:



    Am südlichen Ende des Baufeldes, gegenüber der ehem. JVA, befindet sich das Infobüro in einem alten Backsteingebäude. Die Lehrter Straße verläuft links davon. Vorne links in den verglasten Containern werden Musterwohnungen eingerichtet:



    Diese Elemente dürften eine Art Musterfassaden darstellen. Es sind zwar nur aufgestellte Holzplatten, aber die Farben sollen wohl die der künftigen Fassaden sein:


  • neue zahlen und fakten

    ich hab' mir das jetzt auch mal angeschaut. ein vorredner hat ca. 08/15 geschrieben: einstiegspreis 3500 qm. mein ergebnis für die wohl beschissenste wohnung, die es dort momentan zu kaufen gibt (EG, nordbalkon): 5100 euro.


    http://www.mittenmang-wohnen.de/RealEstate/Details/5052


    unter 4200 den qm habe ich nichts gefunden. dafür gibt es drei ausstattungslinien, die mich ratlos zurücklassen. das fertigparkett sieht aus wie laminatboden. es gibt weiße kunststofffenster mit weißen oliven (ton in ton...).
    ich weiß nicht, ob der projektname "mittenmang" samt der damit verbundenen storys über diesen wunderbaren kiez, der ja so lange im "dornröschenschlaf" lag, das richtige konzept ist , um prospektiven käufern 350000 - 600000 euro als guten deal erscheinen zu lassen. auf der groth-seite gibt es inzischen drei ausgaben einer sog. quartierszeitung, die sich affirmierend mit dem obdachlosenheim um die ecke, flüchtlingen generell und weiteren phänomenen ähnlicher provenienz beschäftigt. auch hier habe ich so meine zweifel, ob das die richtige ansprache ist für die zielgruppe der käufer. positiv sind die zahlreichen wohnungen mit fenster (supermini) im bad und die zwei balkone (klein) bei den größeren wohnungen (ost und west). es gibt insgesamt erstaunlich viele sehr kleine balkone (passt für max 4 personen, was aber wieder stimmig ist, siehe unten). leider gibt es es auf der projektseite
    http://www.mittenmang-wohnen.de/
    keine angaben zu quadratmetern von zimmern, fluren, oder balkonen. die grundrisse etwa für 90 qm sind indiskutabel. im ergebnis viel flur, eine sehr kleine küche, an die ein esstischchen angrenzt, an dem vier leute sitzen können. anders geht es nicht, denn sonst sitzt man mit dem tisch im wohnzimmer. alles zu eng. ob die käufer die gegend wirklich kennen? shoppen auf der perleberger- oder turmstr. ?

  • Mir fällt bei allen neuen Projekten auf, dass angeblich zu wenig Wohnungen zu "sozialverträglichen Mieten" angeboten werden, die Preise seien zu hoch etc.


    Ist den jeweiligen Leuten die dies minieren denn schon aufgefallen, dass wenn alle Bauvorhaben "sozialverträglich" wären, Berlin auf einmal nur aus Ghettos bestehen würden? Reichen Marzahn, MV, Hellersdorf, Spandau usw. denn nicht?


    Das was Berlin ausmacht ist doch die Durchmischung. Dazu gehört eben auch, dass "Reiche" (die im übrigen die "sozialverträglichen" Wohnungen erst bezahlbar machen) im Kiez wohnen "dürfen".


    Und an alle, die gegen die Gentrifizierung sind: Ihr wart es doch, die vor 25 Jahren diesen Prozess in Gang gebracht habt, als Ihr in das schöne, billige, verratzte Berlin gezogen seid. So verlogen können nicht einmal die Brexitianer sein.


    Apropos:
    Bedankt Euch bei den Brexitianern! Denn die Banker und Manager, die demnächst London verlassen werden, werden sich garantiert hier in Berlin niederlassen. Oder glaubt Ihr, dass die Banken alle nach Frankfurt, Paris, Dublin oder Luxemburg wandern? So viel Platz gibt es dort doch gar nicht. In Berlin schon. Zumindest mehr...


    P.S.: ich habe in den letzten Absätzen bewusst die 2.Person gewählt...

  • ^ Vor allem ist es so, dass ja der Wohnraum frei wird in dem die Besserverdiener zuvor gelebt haben, d.h. fällt die Nachfrage nach dem zuvor bewohnten Wohnraum weg, was die Preise sinken lässt.
    => Wohnraumneubau, der einen Abzug von Mietern im bestehenden Wohnraum nach sich zieht hat zur Folge das für den bestehenden Wohnraum weniger potentielle Mieter vorhanden sind und somit die Möglichkeit steigt in den bestehenden Wohnraum einzuziehen.


    => Sozialer Wohnungsbau ist ebenso richtig, sollte aber behutsam gestaltet werden, da ansonsten die Gefahr für Ghettobildung besteht. Sozialer Wohnungsbau sollte also auch für Mieter möglich sein die eigentlich keinen Anspruch darauf haben aber dann mit einer Fehlbelegungsabgabe (Die was die Gesamtmiete betrifft unterhalb dessen liegt was eine Wohnung woanders kosten würde).
    So wird vermieden, dass es Gebäude gibt (Außer Altenheimen) bei denen keiner mehr morgens dieses verlässt um einer geregelten Arbeit nachzugehen und eine soziale Durchmischung gewährleistet.

  • ^ Vor allem ist es so, dass ja der Wohnraum frei wird in dem die Besserverdiener zuvor gelebt haben.


    Der Haken bei der sache ist nur, dass die schicken Altbauwohnungen der besserverdiener anschließend für das 3-fache weitervermietet werden.


    Das mag dann den Markt für Wohnungne im hochpreisigen bereich entlasten aber bezahlbaren Wohnraum schafft es nicht.

  • ^
    Absolut richtig, die Mär von dem freiwerdenden Wohnraum wird seid Jahren perpetuel wiederholt und hat sich nie bewahrheitet!


    "Bezahlbarer Wohnraum" wird in Berlin allerdings auch für 6, 50 €/ qm benötigt, nicht erst ab 10, 50 €...

  • Durch den Brexit erwarten Analysten eine deutliche Stärkung Berlins. Das wird die Wohnsituation auch für mittlere Einkommensgruppen deulich verschärfen.
    Wird Zeit die Wohnprojekte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts in dieses Jahrtausend zu transferrieren. Im Verhältnis zum Siedlungsbau der Nachkriegszeit waren diese Konzepte visionärer und progressiver und im Endeffekt langlebiger, was die heutigen Bewohner durchaus zu schätzen wissen.
    Was mir bei vielen Neubauwohnungen in Deurschland fehlt sind bewährte Konzepte aus anderen Ländern, wie Open Floor Plan, Dine In Kitchen, Mastersuit, etc., die flexibler auf sich verändernde Wohnbedingungen auch in kleineren Wohnungen angepasst werden können.
    Ich persönlich und meine Frau schätzen unsere getrennten Bäder, wobei mein Bad problemlos Besuchern geöffnet werden kann.
    Gleichfalls wurde die abgeschlossene Küche durch eine kleine Maßnahme zum Wohnbereich geöffnet.
    Allerdings laut mir bekannter Baufirmen und Architekten wird nach wie vor die klassische deutsche Wohnung nachgefragt, die meist mit einem großen Bad und höchstens einem zusätzlichen Gäste WC ausgestattet ist, einen abgeschlossenen Küchentrakt enthält, und die Wohnzimmerwand für die Schrankwand.

    6 Mal editiert, zuletzt von Berkowitz ()


  • Apropos:
    Bedankt Euch bei den Brexitianern! Denn die Banker und Manager, die demnächst London verlassen werden, werden sich garantiert hier in Berlin niederlassen. Oder glaubt Ihr, dass die Banken alle nach Frankfurt, Paris, Dublin oder Luxemburg wandern? So viel Platz gibt es dort doch gar nicht. In Berlin schon. Zumindest mehr...



    Was bitte sehr hat der Brexit mit der "City of London" zu tun, also dem Finanszentrum was diese Banker betrifft?
    Das ist exterritoriales Gebiet (vergleichbar mit Vatikanstadt in Rom), es ist kein bestandteil von Großbritanien geschweige denn der EU!
    Die Banken sind genau dort ansässig weil es quasi keine Regulierung gibt und dieser Status wird von dem Brexit nicht angerührt!

  • ^ Der Vergleich mit dem Vatikan ist Unsinn: Der ist völkerrechtlich ein eigener Staat, die City of London ist eine mit bestimmten Privilegien ausgestattete Gebietskörperschaft, die nur insofern exterretorial ist, als dort nicht der Londoner Bürgermeister zuständig ist, sondern der Lord Mayor of London, der einer Behörde namens City of London Corporation vorsteht. Die ist in der Tat eine höchst merkwürdige und ziemlich undemokratische Veranstaltung, aber der Lord Mayor untersteht der Krone und sein Einflussgebiet ist Teil des Vereinigten Königreichs – bislang also auch der Europäischen Union.


    Richtig ist aber, dass die City of London paradiesische Bedingungen für Banken und Finanzdienstleister bietet und vom Brexit nur am Rande betroffen ist. Die Finanz- und Wertpapiermärkte sind derart globalisiert, dass sie nicht an der EU hängen. Mit einer Massenflucht des Kapitals ist nicht zu rechnen. Und die Firmen und Arbeitsplätze, die trotzdem verlagert werden, dürften nur vereinzelt in Berlin ankommen. Berlin hat keinerlei Tradition als Börsen- und Handelszentrum, Frankfurt und Luxemburg liegen da im wahrsten Sinne des Wortes näher. Für den Warenumschlag kommen Hafenstädte wie Hamburg oder Rotterdam in Frage.


    Was ohne Frage steigen wird, ist das politische Gewicht Berlins in Europa. Aber macht sich das in einem starken, zusätzlichen Zuzug bemerkbar? Ich bin skeptisch. Anfang der 1990er gab es bekanntlich Berechnungen, die eine Entwicklung der Stadt zur Fünf-Millionen-Metropole binnen weniger Jahre vorraussagten. Daraus ist (zum Glück) nichts geworden. Wenn der Brexit wirklich einen Effekt auf das Wachstums hat, dann nur einen mittelbaren, allmählichen – würde ich vermuten, aber Prognosen sind bekanntlich schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. In diesem Sinne: Warten wir es ab...


    (@ Bato: Habe gerade gesehen, dass es eine Brexit-Debatte in der Lounge gibt. Kannst meinen Beitrag gerne verschieben, aber nimm dann bitte auch den von Ufologe mit. Sonst hat mein Einstieg keinen Sinn mehr.)

    Einmal editiert, zuletzt von Architektenkind () aus folgendem Grund: Ergänzt wegen Off-Topic-Problem

  • Die City untersteht der britischen Krone wie andere offshore-gebiete, wie die Kanalinseln, Caymans , Bermudas und Bahamas. Diese gehören aber nicht zu GB.
    Verwechsel GB nicht mit UK!
    Die haben eigene Gesetze und eigene Polizei.
    Das Argument dass Banker wegen Brexit von dort umziehen ist sonst auch unlogisch, auch hat GB sonst schon laxere Bankengesetze als die meisten EU-Staaten. Wäre das ein Teil von GB dann wäre eine Unabhängigkeit "sicherere" für den Verbleib der laxen Regelungen.