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Alt 01.11.16, 15:14   #56
Lefeut
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 14.10.2010
Ort: Leipzig
Beiträge: 42
Lefeut hat die ersten Äste schon erklommen...
Also um mal etwas in die Lobhudelei einzuhaken:
Das Projekt rein auf seine Äußerlichkeit zu beschränken, finde ich etwas zu wenig - das BUGRA-Messehaus wird aus meiner Sicht sprichwörtlich "außen hui und innen pfui" werden:
Der geübte Blick ins Innere offenbart, dass hier keineswegs nur vorbildlich gearbeitet wird: Die Wohnungen haben sehr kleinteilige, unproportionierte und verwinkelte Grundrisse, die sowohl schlecht zu nutzen sein werden, als auch extrem viele unnötige Abwinkelungen und unmögliche Restzonen aufweisen. Auch sonst erkenne ich hinsichtlich der Anforderungen an gute Wohnräumlichkeiten grobe Defizite. Abgesehen davon passiert beim Innenausbau - man muss es leider so sagen - grober Pfusch an vielen Stellen. Es wurde offensichtlich bei der Planung extrem gespart (wie das wohl für die einschlägigen Investoren so üblich ist) und das zeigt sich nun im Ergebnis. Die Bauzeit ist offenkundig extrem knapp bemessen, weshalb mir seitens eines technisch korrekten Bauablaufs so einiges sehr fragwürdig vorkommt. Das zeigt sich beispielhaft am
- bereits weit fortgeschrittenen Ausbau bei noch nichtmal abgeschlossenem Rohbau (fehlende Fenster und Türen - das ist für Trockenbau, Estrich aber auch Fliesen klimatisch recht bedenklich),
- an unzähligen abenteuerlichen Verkofferungen von nicht durchgeplanten Stellen - es jagt ein merkwürdiger Verkofferungs-Absatz in Wand und Decke den nächsten,
- sowie an überhaupt wahnwitzigen Konstruktionen (man blicke mal in den Hof, wo diverse Konstruktionsarten (Holz-/ Stahl-/ Beton-/ Mauerwerksbau) höchst skuril und teilweise wenig fachmännisch aufeinandertreffen)...
Für mich ist das Projekt ein klarer Fall von klassischer Investorenhandhabe: Die Oberfläche glitzert und untendrunter "so billig wie möglich" (Hier vielleicht mit Ausnahme der Fassade, die tatsächlich mit erstaunlich hohem Aufwand bearbeitet wird.). Es geht natürlich auch hier darum, letztlich die größte Marge herauszuholen. Das ganze gepaart mit wenig wirklichem Interesse am Gebäude und seiner Geschichte auch auch mit wenig wirklichem Interesse an "echten" denkmalpflegerischen Maßnahmen, die die Geschichte nicht einfach ungesehen "wegbügeln". Insgesamt von einem "Liebhaberprojekt" zu sprechen, halte ich deshalb für übertrieben.
Man möge dennoch meine Kritik nicht falsch verstehen: Ich finde die Rekonstruktion des Baukörpers äußerlich wirklich beeindruckend und erstaunlich (wenngleich ich nicht sicher bin, ob ich das wirklich den richtigen Umgang mit der Bausubstanz finde). Aber innen tut man sich, den späteren Bewohnern und dem Gebäude damit in jedem Fall keinen großen Gefallen - das ginge definitiv besser und aus meiner Sicht müsste das nicht zwingend teuerer sein. Der Ausbau scheint mir - so wie er ausgeführt wird - leider wenig nachhaltig.

ABER!: Haus gerettet.
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