Neubau/Sanierung Calwer Passage (in Bau)

  • Neubau/Sanierung Calwer Passage

    Die WLV möchte den Komplex Calwer Passage verkaufen. Derzeit liegen die Verhandlungen mit möglichen Investoren wie etwa mit der Ferdinand Piëch Holding-Tochter Argon jedoch auf Eis, da das RP Stuttgart darüber zu befinden hat, ob die Passage aus den 70ern unter Denkmalschutz zu stellen ist. Das RP möchte aus politischen Gründen erst einmal die Meinungsbildung durch Neu-OB Kuhn und der Stadt abwarten. Es soll unter Stadt und RP dennoch ausgemachte Sache sein, dass der Denkmalschutz kommt, fraglich nur noch dessen Anteil.


    Potenzielle Investoren würden wohl aus wirtschaftlichen Gründen einen Komplettabriss und Neubau des Komplexes favorisieren. Denkbar wäre auch Teilabriss und Integration der Passage.


    Quelle: StZ-Online

  • Naja, der Abriss des Eckhauses und vergrösserter Neubau wäre aus meiner Sicht verkraftbar bis sehr Wünschenswert. Das wird aber ein statisch und organisatorisch spannende Aktion, da das Haus über dem Hauptzugang zur station Stadtmitte steht.


    Die Nördlich gegenüberliegende Ecke des Platzes könnte man sich bei der Gelegenhet gleich mit vornehmen, dort sollten sich die Baumassen wenigstens verdoppeln lassen.

  • Vergrößter Neubau. In Stuttgart ? :lach:


    Aber mal im Ernst: Den gesamten Komplex abreissen - das wäre wirklich eine echte Chance für die grässliche dunkle Ecke.


    Das mit dem Denkmalschutz kann doch wohl echt nicht ernst sein?
    Naja, unter grüner Herrschaft kann es dann wohl doch sein. Jedenfalls werden wir anhand dessen sehen, worauf wir uns in den nächsten acht Jahren einstellen müssen...

  • hm, die Calwer Passage an sich find ich jetzt gar nicht mal so schlecht und durchaus denkmalwürdig (also die Passage unter dem Glasbogen, nicht das Trauerspiel daneben!).


    Einen Teilerhalt (nämlich genau die Passage an sich) mit gleichzeitiger Neuentwicklung des Eckhauses, wenn nicht gar des ganzen Blocks bis hin zur Lange Straße, könnte ich mir durchaus vorstellen. Da dürfte dann sogar etwas mehr Glas verwendet werden, die Passage ist ja schon recht düster.


    Das Eckhaus könnte sich in der Höhe durchaus am (gelungenen) CityPlaza gegenüber orientieren.


    Das mit der S-Bahn stelle ich mir jetzt nicht so problematisch vor, wer einen ganzen Bahnhof verbuddeln will bekommt auch das hin. Gegenüber (CityPlaza) hats ja auch geklappt (ok, das Gebäude steht jetzt nicht wirklich über der Haltestelle).

  • Auch wenn sie ganz hübsch anzusehen war, ein Besuchermagnet war die reine Calwer Passage nie. Sie hat ihre Chance gehabt...

  • Denkmalschutz für die Calwer Passage???
    Ich dachte diese Plakette wird nur sehr historischen Gebäuden, mit kulturellem Hintergrundwert verliehen?!!! :confused:


    Ich glaubs jetzt echt nicht mehr. Nur alleine der Gedanke daran dass eine modrig-runtergekommene und dunkle Verkaufsgruft mit Denkmalschutz beklebt wird, ist eine grenzenlose Frechheit gegen alle wirklichen Denkmäler!


    Jede U-Bahn-Unterführung in anderen Großstädten macht einen tolleren Eindruck als dieses Loch!
    Da hätte dass Leonberger Dreieck eher ne Plakette als Baudenkmal verdient!

  • Denkmalschutz für die Calwer Passage???
    Ich dachte diese Plakette wird nur sehr historischen Gebäuden, mit kulturellem Hintergrundwert verliehen?!!! :confused:


    Statt „Hintergrundwert“ – was immer das ist - würde auch in diesem Falle vielleicht etwas Hintergrundwissen weiterhelfen, das man sich durch einen Blick in einschlägige Literatur leicht aneignen kann:


    Die Calwer-Passagen hat für Stuttgart durchaus historische Bedeutung, war sie doch nach den Jahren fortschrittsgläubiger Kahlschlagplanung ein erster Versuch substanzerhaltender Stadtreparatur, und dies bemerkenswerter Weise sogar durch einen privaten Investor.
    Man mag sich vielleicht nicht mehr vorstellen, dass die heute als eine der wenigen historischen Traditionsinseln in der Innenstadt gerne betrachteten Calwerstraßen-Altbauten zu Beginn der 1970er sichere Abbruchkandidaten waren; auf der Südseite hatte sich ja mit dem klotzig-brutalistischen Firnhaberbau – 1992 abgebrannt und dann durch das heutige, etwas stadtverträglichere Habitat-Gebäude ersetzt – bereits der Stil der neuen Zeit Bahn gebrochen.


    Dass die im Zuge der Quartiersanierung neu erbauten Büroblöcke an der Theodor-Heuss-Straße aus jetziger Perspektive gestalterisch weniger geglückt scheinen, steht außer Frage: Der Kopfbau mit seinen gestaffelten Auskragungen wirkt seltsam aufgepumpt, maßstabslose Aufzugstürme und die insgesamt dunkle Fassadengestaltung mit den Kupferverkleidungen machen den Gesamtkomplex zu massig und düster; manche haben das wohl damals schon kritisiert, obwohl’s im Vergleich zur kruden Betonseligkeit der 60er und frühen 70er dennoch als gewisser Lichtblick erschienen sein muss.


    Bis heute wirklich gelungen erscheint mir hingegen die als Bindeglied zwischen dem historischen Straßenzug und der Blockrandbebauung fungierende Glaspassage, die sich, in moderner Formensprache und natürlich schwäbisch bescheiden, an Vorbilder großer Passagenarchitektur des 19. Jahrhunderts anlehnt und beim Abgang zu Stadt- und S-Bahn in einen kleinen Platz mündet. Die durchdachte Gestaltung war nach meiner Erinnerung (zumindest früher) an Details wie den einheitlichen Ladenschildern, Bodenintarsien und einer pavillionartigen Durchbrechung der Ladenfront ablesbar. Dass diese Geschäftszeile gleichwohl immer etwas im Schatten der Fußgängerströme lag, steht auf einem anderen Blatt, kann aber für sich gesehen nicht Rechtfertigung sein, das Ganze nun platt zu machen.


    Um nicht falsch verstanden zu werden: Gegen eine ansprechende Neubebauung entlang von Theodor-Heuss-Straße/Rotebühlplatz hätte ich beileibe nichts einzuwenden, wobei die Gefahr nicht gering wäre, dass am Ende doch nur Belanglosigkeiten im Stile des (hier von einigen durchaus begrüßten) Breuninger-Neubaus an der Holzstraße herauskämen, deren einziger, mit den Jahren freilich zunehmend schwindender ästhetischer Mehrwert aus meiner Sicht in ihrem „geschleckten Neusein“ im Vergleich zu einem mangels Bestandspflege „moderig-heruntergekommen“ empfundenen Vorzustand besteht.


    Um die gläserne Calwerpassage hingegen, die ich zumindest im Sommer als durchaus lichtduchflutet und freundlich in Erinnerung habe, wäre es schade, und der Denkmalschutz ist hier genauso berechtigt wie bei Fernsehturm, Liederhalle oder Staatsgalerie: Sie ist ein besonderes Zeugnis des ästhetischen Bauverständnisses ihrer Epoche.

  • ^^ So gesehen ist fast alles historisch bedeutend. Einerseits bin ich auch der Meinung das die Calwer Passage "ihre Chance hatte", und das lange genug. Und wenn es nur um die Passage geht, so wird es ja möglich sein diese in einen Neubau zu integrieren. Auch wenn ich persönlich denke das ein Investor daran kein Interesse haben wird!
    Andererseits teile ich die Meinung bezüglich der als "Bindeglied zwischen dem historischen Straßenzug und der Blockrandbebauung fungierenden Glaspassage"! Der Vergleich der Calwer Passage mit Fernsehturm und Staatsgalerie ist dann aber doch weit hergeholt!


    Aber nochmal zurück zu "hatte ihre Chance". Es ist interessant in welche Richtung sich solche "Mall's" und Passagen allgemein entwickelt haben. Die Lage der Calwer Passage ist nicht so schlecht, zwar ist die Lage am City-Ring in diesem Fall negativ da etwas abseits, aber immerhin verläuft nebenan die Calwer Strasse, die meistens eine gute Frequenz hat, aber auch da haben es die Geschäftstreibenden nicht so einfach, es gibt eine Fluktuation in nicht geringem Ausmaß. Und leider ist es nicht gelungen die recht schöne Calwer Passage mit Leben (Konsumenten) zu füllen, trotz der benachbarten Lage, strategisch guten Zugängen, und wechselnden Konzepten.
    Noch bemerkenswerter ist der Niedergang der kleinen Ladenzeilen am Anfang der Königstrasse, zwischen Hauptbahnhof und dem Hotel Schlossgarten. Wenige Meter entfernt von diesen Läden gehen so viele Menschen (Konsumenten) vorbei - mehr geht doch eigentlich nicht mehr. Und doch reicht diese Nähe, und diese Frequenz nicht aus! Es ist eigentlich nur sehr schwer vorstellbar, das bei der Lage (die noch viel besser ist als die der Calwer Passage) so wenig geht. Es zeigt aber, und das ist die Erkenntnis, das zur Zeit ein Konzept mit kleinen Läden in überschaubaren Passagen, vom Kunden nicht angenommen wird (deshalb auch meine Meinung bezüglich des Investors, siehe oben)! Der Trend sind momentan grössere, integrierte "Mall's" (und selbst die sind kein Selbstläufer)! Und ich denke daran wird sich auch mittelfristig in Großstädten nichts ändern.


    Übrigens gibt es im Frankfurter Strang gerade eine Diskussion über den Henninger Turm, der abgerissen wird. Auch hier Denkmalschutz gegen Investoren, Stadtprägend oder nicht, Erhalt einer Ruine oder Platz schaffen für Neues etc.


    Nun aber noch ein paar Bilder.








    Der Komplex von Aussen




    Bilder: Silesia

    Einmal editiert, zuletzt von Silesia ()

  • Nun, es ist für sein Baujahr durchaus ein ansehbares Examplar, das aber, wie öfters in Stuttgart, für seinen Standort zu klein geraten ist. % Geschosse "Eckturm" und 4 Geschosse Flügel ist eben nix am Cityring. 10-12 Geschosse Eckbebauung und 8 Geschosse Flügel würde passen. Das würde dann zwas die Calwer Strasse mit ihrer Altbebauung etwas nach Puppenstube aussehen lassen, aber auch das hätte seinen Reiz.
    Verkehrlich sind mit einer S-und U-Bahnstation im Keller auch bei unbegrenzter Bebauungsdichte keine realen Probleme zu erwarten - das Auto ist an dem standort irrelevant.
    Und für die PAssage bringt eine angrenzende Bebauung mit mehr Geschossfläche auch mehr Frequenz - ob man die dann nutzt ist eine andere Frage.
    Nur sollte man bei einer eventuellen Neubebauung darauf achten, dass die Bauqualität nicht hinter dem Vorgängerbau zurückbleibt, und eine Belanglosigkeit hingestellt wird. Belanglos ist der aktuelle Bau ja nicht, wenn man ihn z.B. mit seinem NAchbarn in silesias bild rechts davon vergleicht, der aus ähnlicher Zeit stammt.

  • Es fehlt der Magnet, der die Leute durch die Calwer Passage durchzieht. Es ist dort trotz der Nähe zur S-Bahnstation praktisch immer gähnend leer. Kuhn Maßkonfektion hält sich zwar schon länger, aber bei Löwe bzw. zuvor B&O war kaum Kundschaft zu sehen. Die sind folglich raus. Und von der Calwer Straße kommend biegt auch kaum jemand in die Passage ab. Zur Zeit steht einiges leer. In der zweiten und dritten Etage des hinteren Königsbaus, der oben zum kleinen Schloßplatz hin verbunden ist, erscheint mir das Problem ganz ähnlich zu sein, obwohl durch den Saturn in der ersten Etage und im Erdgeschoß eine Menge los ist.

  • [quote='Carina Wager','http://www.deutsches-architekturforum.de/thread/?postID=364674#post364674']Statt „Hintergrundwert“ – was immer das ist - würde auch in diesem Falle vielleicht etwas Hintergrundwissen weiterhelfen, das man sich durch einen Blick in einschlägige Literatur leicht aneignen kann:


    Liebe Carina, vielen Dank noch für deinen subtilen Hinweis - glaub mir - ich weiß ihn wirklich zu schätzen...


    Wie aber schon von Selesia erwähnt, wäre dank Deinen Erklärungen sogar ein Altglascontainer schützenswert - mit Plakette! - denn es symbolisiert schließlich die Zeit, in welcher die Gesellschaft langsam erkannt hat ihre bereits gebrauchten Güter, entstanden mit oft hohem Energieaufwand und Resourcenverschwendung, in Zukunft nicht einfach auf den Müll zu hauen sondern wieder zu verwenden.


    Das ließe sich im Übrigen auch gut mit der Calwer Passage machen...
    Ich nehme die Bodenplatten - würden sich ganz gut in meiner Auffahrt machen...


    Wer auch immer, viel wichtiger noch - wie - eine Definition über Kulturgut unserer Zeit, der gestrigen und auch der von Übermorgen schreibt, möge geschätzt und respektiert werden, auch wenn sie oft völlig an der Realität vorbei geht. Denn eines steht fest:


    Wird die Passage wirklich abgerissen - es wird sie kaum jemand vermissen - und wenn dann nur aus romantischen Gründen.


    Und weil ich eben aus wirtschaftlichen Gründen schon mal gleich überhaupt keinen Grund sehe diese Passage zu erhalten, ist sie für mich in erster Linie eine reine Energieverschwendung.


    Optisch wie gesagt, empfinde ich für diese Passage rein gar nichts - aber das ist meine persönliche Meinung. Es war halt ein gutgemeinter Versuch zur damaligen Zeit - nicht gelungen - also warum muss ich mir jetzt überlegen etwas unter Denkmalschutz zu stellen, was eh verbockt wurde und für die nachkommenden Generationen so viel von Bedeutung ist, als wenn in Hamburg nen Fisch von der Palette klatscht?


    Ich sehe das Baugeschehen in Stuttgart allgemein sicher etwas zu sehr pragmatisch, aber zum Großteil ist das auch Stuttgart seine Kultur. Stuttgart hat numal keine Museumsinseln, keine florierenden Hafenviertel oder ein autonomes Kulturviertel zu bieten. Stuttgart ist durch Industrie gewachsen und im Krieg leider auch deswegen kaputt gemacht worden. Der "Wiederaufbau" war halt leider kein echter Wiederaufbau, sondern eher eine "welchen alten Stein aus den Trümmern können wir noch nehmen um diesen hässlichen Klotz zu bauen? - den Rest kippen wir auf den Monte Scherbelino" - Aktion.
    Blöd - ist aber so... Und ich denke das wird und sollte sich in Zukunft nicht ändern - sonst wäre es nicht Stuttgart.

  • wenn sich die Stadt um den Erhalt dieser Passage Gedanken macht, ist doch eigentlich schon alles gesagt.


    Wie man eine Passage attraktiv gestalten kann, kann man z.B. in Leipzig besichtigen.

  • Die Calwer Passage ist unbedingt und ohne Änderung zu erhalten! Silesias Bilder beweisen warum. Alles paßt, hat Charme und Wert. Umbestreitbar ein Vorzeigeensemble jener Zeit.


    Fehlende Mieter sind grundsätzlich nicht das Problem von Stadt oder Bürger. Müssen eben die Mieten runter, dann kommen schon welche. Sonst leer lassen, vielleicht entwickelt sich ein romantischer Reiz einer Passagenruine.


    Neue EKZ und Passagen gibt es genug.

  • http://www.stuttgarter-zeitung…bb-9ec8-13b9b4053591.html
    http://www.stuttgarter-nachric…f7-870e-737835d499a8.html


    Passage (genau genommen das Glasdach, die Front zu den Altbauten der Calwer Straße sowie die Schaufensterfronten der Läden) seit 7.Mai.2013 unter Denkmalschutz.


    Angeblich zwei Kaufpreise, je nach dem, ob die Entscheidung pro oder Contra Denkmalschutz ausgeht.


    Ich denke, mit diesem Kompromiss kann man klarkommen!

  • Einladend sieht wohl anders aus...


    Da muss wirklich eine nachhaltig hochwertige Lösung her. Auch das Gegenüber auf der Theo ist natürlich schlimm.