Untersuchungsgebiet Nord / Feldmoching-Ludwigsfeld (SEM mit >18.000WE ?)

  • Angesichts dessen, wie viel ein Quadratmeter Bauland in München Wert ist (> 2000 Euro / qm²) finde ich 10 Euro Abspeisung pro qm² schon ziemlich frech. Auch wenn man aus 10 Euro 50 Euro machen würde, würde sich der endgültige Grundstückspreis nur um ~2% steigern. Bei fertig gebauten Wohnungen wären es noch viel weniger.

  • Milkshake:


    Soweit ich mich entsinnen kann, wird im Rahmen einer SEM nur in Extremsituationen auf Enteignungen zurückgegegriffen


    Wenn du gezwungen wirst, dein Grundstück für 10€/qm zu verkaufen, dann ist das eine Enteignung. Die Stadt deklariert dies nur als "einvernehmlichen Grundstücksübertrag". Die Pseudoalternative "Behalten des Grundstücks und anschließende Differenzzahlung" ist für die meisten finanziell nicht darstellbar.


    Für gefühlsechtes Gejammer, wie in BA-Sitzungen, Bürgerversammlungen, etc. praktiziert ist also (noch) kein Platz.


    Ich stimme dir zu, dass viele Argumente oder Proteste unsachlich und bei den Haaren herbei gezogen sind. Im Falle von Enteignungen besteht aber dringend ein früher Handlungsbedarf. Wenn die ersten Bagger anrollen, ist es für "Gejammer" zu spät.


    Stattdessen sollte auch von Seiten der Eigentümer und Bürger in dem betroffenen Gebiet konstruktiv an die Thematik herangegangen werden.


    Ich glaube es ist verständlich, wenn dir dein Grundstück weggenommen wird, dass du dann erstmal mit andere Sachen beschäftigt bist, als mit Planspielen, was auf deinem enteigneten Grundstück in vielen Jahren einmal passieren wird. Mitbestimmung ist erwünscht, doch den Eigentümern wird sie in dem Maße genommen, das ihnen eigentlich zusteht. Das ist der Nachteil einer SEM. Dagegen ist die breite Bürgerbeteiligung wie bei MNO extrem hoch. Klar, irgendwie muss die Stadt versuchen, Offenheit und das Gefühl der Mitbestimmung aufrecht zu erhalten. Durch eine SEM geht sie natürlich ein hohes Risiko ein, sowohl finanziell, als auch politisch.


    Da diese Zielsetzung von den als Stadtteil-"Parlamenten" titulierten Witzgremien regelmäßig verfehlt wird sehe ich allerdings keine vielversprechenden Erfolgsaussichten.


    Das sehe ich anders. Schau dir MNO an. In Bogenhausen wird die geplante Entwicklung mittlerweile gut angenommen, das Interesse an einer Verbesserung des städtebaulichen Umfelds zur Erhöhung der Lebensqualität ist riesig. Die SEM kommt ja so oder so. Dann doch eher durch konstruktive Vorschläge beitragen als durch Blockieren. Dies gilt auch für den Bezirksauschuss, der nach anfänglicher Skepsis zum klaren Befürworter einer urbanen Bebauung geworden ist. Ziel ist es, auch in Feldmoching breite Akzeptanz herzustellen, von heute auf morgen geht das freilich nicht. Der fade Beigeschmack der Grundstücksenteignung bleibt und wird sicher nicht besser, wenn manche Leute glauben, Salz in die Wunde streuen zu müssen, indem sie Betroffenen, Gier und Unrecht vorwerfen und ihnen absprechen, Einzelinteressen im Sinne ihres eigenen Grundstücks anmelden zu dürfen. Das verhärtet letztlich nur die Fronten. Allein hier wird jetzt seit zwei Seiten nur über die soziale Gerechtigkeit diskutiert. Ihr könnt euch ausmalen, wie viele Stunden damit verbracht werden, wenn halb Feldmoching darüber diskutieren würde.


    Der Beitrag enthielt lediglich eine klare Stellungnahme meinerseits zur Machbarkeit von Enteignungen


    Dein Satz "Wenn man jahrzehntelang einen Acker in der Stadt bewirtschaftet, liegt eine Enteignung auch durchaus im Bereich des Möglichen" erzählt etwas Anderes. Suggeriert er doch, die Eigner seien selbst Schuld, dass sie nun enteignet werden, wenn sie ihre Äcker nicht bebauen. Blöd nur, dass die meisten Äcker überhaupt kein Bauland sind.

  • GutenAbend zusammen. Nun möchte ich mich auch mal wieder zu Wort melden da hier manche nicht die derzeitige Lage verstehen. Stell dir vor du hast ein Grundstück gekauft auf dem du Arbeitest sowie auch lebst. Dieses Grundstück X gekostet hat. Nun kommt der Beschluss du musst es voraussichtlich abgeben. Du bekommst aber NUR 10 € pro qm, dir dann alles aussrechnest und dann stellst du fest. Ich bekomme ja noch nicht mal 1/5 von dem was wir bezahlt haben dann steh ich sozusagen vor dem Bankrott. Das ist aber noch nicht alles ich hab ja noch X Summen investiert das dieses Grundstück mein Zuhause sowie irgendwann meine Rente sichert. Nun stellt ich denn Leuten hier eine Frage? Würdest du nicht so schnell wie möglich versuchenoch dies zu verhindern? Damit du nicht auf der Straße stehst? Damit du dein Arbeitsplatz verlierst? Nun möchte ich Ehrlichkeit hören und nicht eurer Ach ja das ist doch zu verschmerzen einfach sein Grundstück aufzugeben. Nur damit einmal bebaut werden kann. Es ist glaub ich jeder bereit etwas abzugeben wenn es auch fair entlohnt wird und nicht für Dampingpreise damit sich die Stadt einmal ein Goldenes Nasen verdient.

  • @Nani-90:
    Meine Rede.
    Einen Punkt muss ich aber korrigieren: Die Stadt verdient mit einer SEM nichts, denn sie muss die Flächen baureif machen und die Infrastruktur bereit stellen. Der Verkaufspreis wird von der Stadt anschließend niedrig angesetzt, um bezahlbaren Wohnraum möglich zu machen (die Investoren erhalten die üblichen Auflagen). Daher auch die Bodenpreiseinfrierung der Stadt. Der Verlust wird so auf die Bürger abgewälzt, die mit 10 Euro abgespeist werden.

  • "...ein Grundstück auf dem gelebt wird... muss abgegeben werden"


    Also doch die Enteignung von selbstgenutzten Häusern? Der eine sagt so, der andere so. Was stimmt jetzt? Wird jetzt ein Haus auf 400 Quadratmeter mit 4000 Euro enteignet??

  • Deshalb sind wir gerade dabei dies alles zu klären doch dies muss eben schnell passieren. Da der Stadtrat am 2.5 denn Beschluss festigen will das der Bodenpreis bei 10 Euro eingefroren werden soll. Dies versuchen wir nun zu versuchen. Das wir drauf leben auf unseren Grundstück sagt ja noch nicht das wir auch bleiben dürfen. DIES VERSUCHE ich nun herauszufinden in welcher Art und Weise man Enteignet wird. Doch diese 10 Euro sind schon sehr beängstigend da bis jetzt nocht keiner weiß was die Stadt genau vor hat. Kann gut sein das dann manche Grundstücke anders Behandelt werden als andere doch wie gesagt ĺieber gleich was tun als blöd zuzuschauen und am Ende in die Röhre schauen. Ich möchte auch keine Panik machen es geht nur darum das es Gerechtigkeit geben soll. Und keiner mit 10 Euro abgespeist wird.

  • ^ Erst mal folgendes: Falls jemand mehr als 10 € gezahlt hat und nun mit weniger abgespeist wird, dann finde ich das auch ungerecht. Für diese Fälle sollte es Ausnahmen geben, d.h. ein entsprechend höherer Preis gezahlt werden. Und auch grundsätzlich sollte es einen kleinen Aufschlag geben. Ob das nun direkt 50 € sein müssen, die in diesem Strang schon genannt wurden, sei dahingestellt.


    Andererseits und evtl. auch blöd gefragt: Gibt es wirklich Leute, die mehr als 10 € gezahlt haben und jetzt eine Einbuße erleiden würden?


    Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass der Marktpreis für Grund im Münchener Stadtgebiet (!!!), egal wo, gesunken ist. Wie beim Preis für Wohnfläche gibt es für den Bodenpreis seit Jahren eigentlich nur einen Weg, und zwar steil nach oben. Insofern zweifele ich an der Darstellung, dass viele Leute ein Verlustgeschäft machen würden.

  • Und im übrigen werden ja wohl nicht nur die Grundstücke aufgekauft, sondern sicherlich auch diejenigen entschädigt, die irgendwelche baulichen Investitionen getätigt haben (zB Schuppen, Gartenhaus, oder gar ein Wohnhaus) ... oder irre ich mich da?

  • Also doch die Enteignung von selbstgenutzten Häusern?


    Bei MNO gibt es solche Fälle nicht. Bauernhäuser und alle sonstigen Wohnhäuser, die bewohnt sind, bleiben selbstverständlich erhalten (ein Bauer hat sogar nach Bekanntgabe der SEM seinen Hof um Wohnhäuser ausgebaut, um weniger Grund abtreten zu müssen). Daher kann ich mir auch nur schwer vorstellen, dass jetzt bei der SEM Feldmoching, Wohnhäuser enteignet werden. Ich meine, das ist selbst in Attaching bei Startbahn Nr.3 ein ewiges Prozedere und scheint mit Hilfe von Bürgerentscheiden bis jetzt auch erfolgreich abgewehrt.


    Gibt es wirklich Leute, die mehr als 10 € gezahlt haben und jetzt eine Einbuße erleiden würden?


    Jeder, dem sein Grundstück weggenommen wird, erleidet Einbußen. Sei es die/das...


    - Entscheidungsgewalt
    - Erbe
    - Berufsgrundlage
    - Wertanlage


    Generell ist die Diskussion hier sehr wertbezogen. Für die meisten Menschen geht´s aber um mehr als Münzen und Scheine.


    Daher ist es notwendig, die Betroffenen frühzeitig einzuweihen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Im Falle von MNO ist das mehr oder weniger so geschehen, beim aktuellen Fall allerdings scheint mir das ganze Prozedere etwas überhastet. Die Gefahr, dass sich die Bürger übergangen fühlen, ist hier halt sehr groß, was letztlich dem neuen Stadtteil nicht förderlich ist.

  • Gibt es auf dem Gelände noch illegal errichtete Wohnhäuser, wie es ja um München rum einige gegeben hat, die noch nicht nachträglich ihre Erlaubnis bekommen haben? Wenn ja, wie werden solche Fälle behandelt?


    Wenn das Gebiet wirklich dichter bebaut wird, wird man wahrscheinlich die U1 in dieses Gebiet hin verlängern.

  • Eine Verlängerung der U1 fände ich persönlich sehr sinnvoll. Das schafft eine Reihe von wirklich guten Verknüpfungsoptionen.

  • Soweit ich weiß sind alle illegale Siedlungen genehmigt worden. Die letzte bekannte war die MondscheinSiedlung wurde vor einigen Jahren genehmigt.

  • "Nordwestpark"?

    Antrag der ÖDP im Stadtrat:


    Quelle: https://ru.muenchen.de/pdf/2017/ru-2017-04-21.pdf#page=19

  • Die SZ berichtet über eine weitere Bürgerversammlung im Münchner Norden, bei der Steffen Kercher, Abteilungsleiter für Sonderaufgaben beim Planungsreferat, Fragen beantwortet hat und u.a. folgende Versprechungen abgegeben hat:


    • es wird keinen Wohnraum für zusätzliche 60.000 Einwohner geben
    • die Einwohnerzahl wird sich nicht "verdoppeln"
    • geplant ist "kein neues Perlach"
    • Ziel der Stadt ist es stattdessen, einen Schwerpunkt auf landwirtschaftliche Nutzungen zu legen
    • deshalb sollen der Landwirtschaft keine Flächen weggenommen werden
    • maximal 25 Prozent bis 1/3 der freien Flächen wird mit Wohnungen bebaut, der Rest bleibt für Landwirtschaft, Grün- und Verkehrsflächen reserviert
    • falls doch landwirtschaftliche Flächen umgenutzt werden, erhalten die Landwirte nah gelegene Ausgleichsflächen


    Bundes- und Landtagsabgeordnete der CSU positionieren sich derweil gegen die SEM und fordern u.a. ein Verfahren per Bebauungsplan bzw. einen Bürgerentscheid.


    http://www.sueddeutsche.de/mue…l-auf-die-wogen-1.3477623

  • Wenn möglichst rasch 50.000 Einwohner auf 1/3 der Gesamtfläche kommen, bin ich zufrieden. Dann kann man mittelfristig weitere 50.000 Einwohner auf das 2. Drittel der Fläche und weitere 50.000 auf das letzte Drittel der Fläche packen.

  • Hier nachgereicht noch dieser Antrag der CSU-Stadtratsfraktion:

    SEM Nord – Mitwirkungsbereitschaft der privaten Grundstückseigentümer ermitteln
    Die Verwaltung wird beauftragt die Mitwirkungsbereitschaft der privaten Grundstückseigentümer im Gebiet der angedachten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme SEM Nord zu ermitteln. Im Ergebnis soll die Gesamtzahl der privaten Eigentümer, deren Mitwirkungsbereitschaft im Positiven, wie auch im Negativen, deren Einzeleigentum in Hektar, die momentane Nutzung und das prozentuale Verhältnis zur Gesamtfläche dargestellt werden. Diese Ergebnisse sind dem Stadtrat schnellstmöglich in angemessenem zeitlichen Abstand (mindestens 4 Wochen) vor Behandlung der Sitzungsvorlage Nr. 14-20/V 08545 vorzulegen.
    Begründung:
    Die Mitwirkungsbereitschaft ist ein wichtiger Eckpfeiler einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme nach §165 ff. BauGB. Ist eine solche Mitwirkungsbereitschaft nicht gegeben und nicht absehbar, machen weitere Untersuchungen in Richtung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme keinen Sinn, sondern verursachen nur Kosten und binden dringend benötigte Kapazitäten. In diesem Fall müssten andere Instrumente einer Entwicklung der in der Sitzungsvorlage Nr. 14-20/V 08545 vorgeschlagenen Fläche geprüft und angewandt werden. Einer verträglichen Wohnbebauung im örtlichen Kontext steht bei Vorliegen eines überregionalen Gesamtkonzepts aufgrund der aktuellen Bevölkerungsprognose nichts entgegen.
    Johann Sauerer, Stadtrat, Kristina Frank, Stadträtin, Walter Zöller, Stadtrat Heike Kainz, Stadträtin, Thomas Schmid, Stadtrat


    Quelle: https://ru.muenchen.de/pdf/2017/ru-2017-05-03.pdf#page=14