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Alt 17.02.14, 06:21   #451
LE Mon. hist.
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Maßnahmen zur Sicherung der Wohnraumversorgung

Wie immer nüchtern und sachlich widmet sich auch die BILD dem Thema. Aber das Blatt verfügt offenbar über gute Drähte in die Verwaltung und kennt bestimmte Papiere bisweilen schon Wochen vor deren offizieller Veröffentlichung.

BILD, 17.02.2014
Schon mehr als 10 000 Sozial-Wohnungen fehlen!
Hat Leipzig keinen Platz mehr für Arme?
http://www.bild.de/regional/leipzig/...6524.bild.html

Dabei nimmt das Blatt noch einmal Bezug auf den nächsten Sozialbericht, demzufolge fast ein Drittel der rund 36.000 Wohnungen von Hartz-IV-Empfänger_innen - Sozialwohnungen ist dafür der falsche Begriff - größer und teurer als die Richtwerte für die „Kosten der Unterkunft“ sind. Laut BILD will die Stadtverwaltung nun in den Wohnungsmarkt eingreifen und den Druck auf die großen Vermieter erhöhen. Das Ziel sei, dass diese noch mehr "Sozialwohnungen" - also Wohnungen unter den bisherigen Richtwerten für Größe und Miethöhe - bauen bzw. anbieten sollen. Sozial-Dezernent Prof. Thomas Fabian (58, SPD) würde bereits an einem Plan mit dem Titel „Maßnahmen zur Sicherung der Wohnraumversorgung“ arbeiten lassen. Die BILD zitiert offenbar aus dem Papier stammende Sätze, nachdem „das System der Wohnraumversorgung in der Stadt Leipzig nicht mehr aufrecht erhalten werden“ kann, sollten keine Lösungen erreicht werden. „Das Angebot an preiswerten Wohnrum würde weiter zurückgehen“ und die Kosten für die Stadt weiter steigen.

Die fünf wichtigsten Punkte des Plans lauten:

1. Die städtische LWB soll stärker preisgünstigen ("sozialen") Wohnraum zur Verfügung stellen.

2. Die "privaten Wohnungsgenossenschaften" sollen in einem bestimmten Umfang Hartz-IV-Wohnungen bereit halten. Dazu werden freiwillige Verträge mit der Stadt geschlossen. Unklar ist, was die BILD damit meint: Private Wohnungsgesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften?

3. Verstärkt wird auf private Vermieter zugegangen. Kooperationen werden angestrebt.

4. Auf Wohnungen eingemeindeter Ortsteile soll verstärkt zugegriffen werden.

5. Gemeinsam mit Baubügermeisterin Dorothee Dubrau (59, parteilos) sollen beim Freistaat Sachsen Mittel für den sozialen Wohnungsbau und die Wohnungsbauförderung in Leipzig eingeworben werden.

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Alt 17.02.14, 07:25   #452
LE Mon. hist.
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Sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN) aus München / Pankower Tor

Weil ja immer wieder nach konkreten Lösungsansätzen gefragt wird: Wir sollten auch in Leipzig die Einführung von entsprechenden Bestimmungen prüfen, nach denen bei Neubauprojekten auch ein gewisser Prozentsatz von preisgünstigen und eher kleinen Wohnungen errichtet werden muss. Dies bietet sich insbesondere bei großen Neubaugebieten wie am Lindenauer Hafen oder am Bayerischen Bahnhof an, wo solche Bestimmungen Teil des Bebauungsplanes und später der Baugenehmigung sein könnten.

Siehe z.B. die langjährigen Erfahrungen in München mit dem Modell der "Sozialgerechten Bodennutzung" (SoBoN): http://www.muenchen.de/rathaus/Stadt...ien/sobon.html

Haufe.de, 03.07.2013
Top-Thema Bezahlbares Wohnen
Sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN) – ein Münchner Weg
http://www.haufe.de/immobilien/wohnu...60_188134.html

Ähnliche Modelle mit Quoten für "Sozialwohnungen" bei Neubauprojekten gibt es bisher u. a. in Frankfurt (15% bei Neubauprojekten), Hamburg (2011: 30%) und Regensburg (15% seit 2010, 20% ab 2015). In Düsseldorf wird über eine flexible Quote nachgedacht, bei großen Neubauprojekten sollen 20 % geförderte Wohnungen Pflicht werden.

Auch in Berlin gibt es ähnliche Bestrebungen, unter anderem für ein 40 Hektar großes Güterbahnhof-Gelände in Pankow ("Pankower Tor"), auf dem der Möbelhaus-Unternehmer Kurt Krieger („Höffner“) Wohnungen errichten will. Der Investor Krieger soll für den Erhalt der Baugenehmigung auch günstige Mietwohnungen anbieten und aus seinem Zugewinn durch Umwidmung der Fläche in Bauland einen Teil für kommunale Belange abtreten. Presseberichten zufolge sei er bereit, auf dem lang gestreckten Grundstück südlich der Bahnlinie zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf bis zu 750 neue Wohnungen zu bauen. Von diesen Wohnungen soll jede dritte zu für die Lage überaus günstigen Mietpreisen von 5,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Krieger kalkuliert nach Informationen der MoPo mit Kosten von 20 Millionen Euro, die ihn dieses Zugeständnis kosten wird. Außerdem sei er bereit, eine öffentliche Infrastruktur zu unterstützen, die der wachsende Bezirk sowieso braucht und die umso dringender ist, wenn zusätzliche Menschen in die neuen Wohnungen einziehen. An der Nordost-Ecke seines Geländes soll ein Grundstück für eine Oberschule mit 1200 Plätzen bereitgestellt werden, die der Bezirk Pankow bauen würde. Auch am anderen Ende, direkt am S- und U-Bahnhof Pankow, soll ein weiteres Grundstück für eine Grundschule für 600 Kinder bereitgestellt werden. Im Gegenzug soll Krieger erlaubt werden, das von ihm gewünschte und zur Finanzierung des Gesamtprojekts angeblich benötigte Einkaufszentrum mit 30.000 Quadratmetern zu bauen.

Das könnte ein wichtiges Referenzprojekt für das mit 36 Hektar ähnlich große Gelände der Stadtbau AG hinter dem Bayerischen Bahnhof sein (http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=400314).

Berliner Morgenpost, 17.12.13
Güterbahnhof
Bauprojekt in Pankow - Jede dritte Wohnung für 5,50 Euro
http://www.morgenpost.de/berlin-aktu...5-50-Euro.html

RBB, 11.01.2014
Projekt "Pankower-Tor"
Investor Krieger darf in Pankow Einkaufszentrum bauen
http://www.rbb-online.de/wirtschaft/...in-pankow.html

Berliner Kurier, 14.01.2014
Möbelkönig will 400 Mio. investieren
Das wird der neue Krieger-Kiez
http://www.berliner-kurier.de/kiez-s...,25874430.html

Pankower Tor - Das Projekt
http://pankower-tor.de


Köln
Kölner Stadtanzeiger, 19.09.2013
„Wohnungsbau braucht Lenkung“
Der Experte Jürgen Friedrichs unterstützt den Plan der Stadt, Sozialwohnungen in teuren Vierteln wie Hahnwald zu bauen. Der finanzielle Anreiz für Investoren ist aber gegenwärtig zu gering. Es ist viel rentabler, Eigentumswohnungen zu bauen.
http://www.ksta.de/koeln/interview--...,24352912.html

Ein oft gebrauchtes Argument - siehe ein paar Beiträge zuvor - ist die sogenannte soziale Mischung. Friedrichs, Mitarbeiter des Kölner Instituts für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS), stellt mit Blick auf seinen Vorstoß fest: "Es sollte versucht werden, die soziale Mischung in den Stadtteilen zu verbessern." Allerdings meint er dies mit Blick auf Hahnwald, Marienburg und Lindenthal und nicht auf Chorweiler, Kölnberg, Finkenberg oder Ostheim.

Wenn man diese Forderung nach sozialer Mischung überhaupt ernst nehmen will, dann darf sie zumindest nicht nur wie bisher in eine Richtung funktionieren. Siehe hierzu einen weiteren Beitrag von Andrej Holm:

Soziale Mischung. Zur Entstehung und Funktion eines Mythos
http://gentrificationblog.wordpress....iale-mischung/

oder von

Sebastian Friedrich, Duygu Gürsel, Çağrı Kahveci, 5. März 2013
Berlin-Neukölln und viel Gefühl: Wie funktioniert die Forderung nach “sozialer Mischung”?
http://www.annotazioni.de/post/1136

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Alt 17.02.14, 08:42   #453
LE Mon. hist.
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Und bevor die beiden letztgenannten Artikel nun gleich wieder als (radikal) linkes Gespinne abgetan werden, das man weder lesen noch ernst nehmen und diskutieren muss, noch ein weiterer Artikel von Hilmar von Lojewski. Er ist Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr für den Städtetag Nordrhein-Westfalen und den Deutschen Städtetag ( http://www.iba-hamburg.de/fileadmin/...A_Kongress.pdf ) und radikal linken "Umtrieben" wohl eher unverdächtig.

Zum Verhältnis von sozialer Durchmischung, Segregation und Gentrifizierung
In: Forum Wohnen und Stadtentwicklung (FWS) 4, Verbandsorgan des vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., Juli/September 2013, S. 175-179
http://www.vhw.de/fileadmin/user_upl...n_Lojewski.pdf

Zitat:
Angesichts des Selbstläufers mittel- und hochpreisigen Wohnungsbaus in den nachfragestarken Städten muss der Schwerpunkt – gerade mit Blick auf das derzeit weit geöffnete Opportunitätsfenster niedriger Zinsen und noch zur Verfügung stehender öffentlicher Flächen in den Städten – auf einer schnellen Aktivierung des sozialen Wohnungsbaus liegen. Hier gilt es, an den richtigen Standorten in nennenswertem Umfang die Wohnungen für den aktuellen und zukünftigen Bedarf zu bauen. Dabei handelt es sich um kleine, multivalente Wohnungen, die gleichermaßen heute für Studenten wie zukünftig für die alternde Bevölkerung genutzt werden können.
[...]

Sollen also soziale Durchmischung und ein Mietenniveau, das in Einklang mit dem Einkommensniveau in Quartieren steht, in nachfragestarken Städten und gentrifizierungsaffinen Quartieren messbar gewahrt bleiben, darf es nicht darum gehen, Neubau und Sanierung per se zu verhindern, sondern muss das gesamte verfügbare förmliche und informelle Instrumentarium ausgerollt werden:

Für den Neubau sind dies beispielsweise
■ Bebauungspläne zur Festschreibung von Mindestanteilen an Wohnnutzung oder Anteilen geförderten Wohnungsbaus,
■ städtebauliche Verträge zur sozialgerechten Bodennutzung und Fixierung des Anteils an öffentlichen Flächen und Geschossflächenanteilen für die zielgruppenadäquate Wohnraumförderung,
■ Festlegung von Miet- oder Kostenobergrenzen,
■ Einsatz öffentlicher Grundstücke für den preislimitierten Wohnungsbau,
■ das nur in drei Bundesländern bislang in relevantem Umfang angewandte Instrumentarium der sozialen Wohnraumförderung

Im Bestand geht es um
■ Erhaltungssatzungen zum Milieuschutz, wenngleich sie im Vollzug mittlerweile recht stumpf geworden sind,
■ Umwandlungsverbote von Miet- in Eigentumswohnungen und bei zulässiger Umwandlung Kündigungssperrfristverordnungen, soweit es landesrechtlich überhaupt eine Ermächtigungsgrundlage gibt,
■ Sanierungssatzungen und Sozialpläne zur Umsetzung der Ziele sozialer Durchmischung,
■ das wohnungsaufsichtsrechtliche Instrumentarium, soweit es landesrechtlich zur Verfügung steht, um dem Herunterwohnen von Wohnen aus Gründen der Immobilienspekulation vorzubeugen,
■ Zweckentfremdungsverbotssatzungen, wenn es denn gelingt, die Gebietskulisse rechtssicher abzugrenzen,
■ das Mietrecht, insbesondere zur Begrenzung des Anstiegs von Bestandsmieten und Wiedervermietungsmieten, wobei es für Letztere noch keine Rechtsgrundlage gibt,
■ Beschränkung des Anwohnerparkens, Imagekampagnen und nicht zuletzt Bürgerbeteiligung.

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Alt 17.02.14, 09:30   #454
Bau-Lcfr
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Bau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle Zukunft
Zitat:
Sollen also soziale Durchmischung und ein Mietenniveau, das in Einklang mit dem Einkommensniveau in Quartieren steht, in nachfragestarken Städten und gentrifizierungsaffinen Quartieren messbar gewahrt bleiben, darf es nicht darum gehen, Neubau und Sanierung per se zu verhindern ...
Zumindest das hätten wir geklärt - da es oft durchaus Verhinderungsbestrebungen gibt, z.B. in Berlin als Verbot der "Luxussanierungen" in manchen Stadtteilen. Oder auch hier im Thread, zumindest als Kritik am Neubau.

Zitat:
Kölner Stadtanzeiger, 19.09.2013
„Wohnungsbau braucht Lenkung“
Der Experte Jürgen Friedrichs unterstützt den Plan der Stadt, Sozialwohnungen in teuren Vierteln wie Hahnwald zu bauen.
Im verlinkten Interview präzisiert er, dass es nur wenige kleine Einheiten sein dürfen, die sich von den benachbarten Privathäusern nicht unterscheiden sollen. Eigentlich sind die Sozialwohnungen dafür da, dass niemand obdachlos sein muss - als Grundversorgung sozusagen. Die teuren Sozialexperimente (weit mehr EUR pro WE vonnöten) würden die ohnehin leeren Stadtkassen noch mehr belasten.

Alleine der Neid um Luxussozialwohnungen für Auserwählte, die Fragen nach den Kriterien, nach den gerade der Hartz-IV-Herr X mitten im Luxus wohnen darf, nach der Vergabetransparenz sollten zur Vorsicht mahnen.
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Alt 17.02.14, 11:00   #455
Altbaufan_
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Alt 17.02.14, 12:43   #456
Bau-Lcfr
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^ In Großstädten sind die Grundstückskosten für die Immobilienkosten entscheidend, diese liegen in teuren Lagen weit über jenen der einfachen Lagen. Wenn der Neubau nicht abweichen soll - in guten Vierteln gibt es wieder öfters aufwändige Fassaden wie hier in Düsseldorf-Oberkassel. Das alles bedeutet unnötige Mehrkosten der Sozialwohnungen selbst ohne Parkett und Gäste-WC.

Der Sinn ist mir ebensowenig klar. Müsste ich selbst von Hartz IV in einer Sozialwohnung leben, würde mich der tägliche Anblick teurer Autos meiner Nachbarn nur nerven - besser würde ich mich unter ebenso armen Leuten fühlen (ich wohne ja ohnehin in einer einfachen Lage). Leute, die diese Vermischung-Ideen in die Welt setzen, scheinen selber wohlhabend oder nicht besonders sensibilisiert zu sein.
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Alt 18.02.14, 12:37   #457
Besitzmittler
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Zitat:
Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
Der Sinn ist mir ebensowenig klar. Müsste ich selbst von Hartz IV in einer Sozialwohnung leben, würde mich der tägliche Anblick teurer Autos meiner Nachbarn nur nerven - besser würde ich mich unter ebenso armen Leuten fühlen (ich wohne ja ohnehin in einer einfachen Lage). Leute, die diese Vermischung-Ideen in die Welt setzen, scheinen selber wohlhabend oder nicht besonders sensibilisiert zu sein.
Es ist schön das Du Dir Sorgen um die geistige Gesundheit von Hartz IV Empfängern machst. Man sollte in Leipzig ein Areal für Blechhütten freihalten. Habe gehört, die seien bei Menschen mit geringem Einkommen besonders beliebt...

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Alt 18.02.14, 12:49   #458
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Zitat:
Zitat von LE Mon. hist. Beitrag anzeigen
In der Ratsversammlung am 12.02.2014 stellte die FDP-Fraktion eine Anfrage nach den "Kosten für die Stadt Leipzig zur Begleitung von Widersprüchen und Klagen gegen die Kosten der Unterkunft" an den Oberbürgermeister (Anfrage-Nr.: V/F 1064/14).

Die Antwort dürfte nach der schriftlichen Bekanntgabe vermutlich einige Wellen schlagen.
Die BILD-Zeitung nennt die ersten Antworten auf die Fragen der FDP-Fraktion:

BILD, 18.02.2014
SOZIALWOHNUNGEN
Schon 1000 Klagen gegen die Stadt!
http://www.bild.de/regional/leipzig/...0428.bild.html

Laut der Statistik des Sozialgerichts gab es in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 5879 Widersprüche von Hartz-IV-Empfängern gegen die von der Stadt festgesetzten Mietgrenzen. Von diesen kamen ca. 1000 Fälle bis zur Klage. Die Verfahrenskosten betrugen gut 1 Millionen Euro, von denen die Stadt etwa ein Achtel (134 000 Euro) und sieben Achtel das Jobcenter zahlen mussten.

Nun wüßte man natürlich noch gern, wievielen der etwa 1000 Klagen vor dem Gericht auch stattgegeben wurde und wie die in den Einzelfällen vom Gericht festgesetzten Mietobergrenzen aussahen.
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Alt 19.02.14, 16:55   #459
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Immobilienakteure: Leipzig hat genügend Wohnraum für alle

Ja, ist denn heute der 1. April 2014? Oder ist heute der 9. Mai 2011 oder noch 2006? Mein Kalender ist offenbar kaputt und ich bin völlig verunsichert. Bin ich vielleicht in ein Zeitloch gefallen?


PRESSEMITTEILUNG 19.02.2014
https://www.konii.de/news/leipzig-ha...e-201402198900

Zitat:
Leipzig hat genügend Wohnraum für alle

Leipzig hat niedrige Durchschnittsmieten und immer noch hohe Leerstände. Zu niedrige Sätze für Kosten der Unterkunft verursachen Versorgungsproblem. Die Stadtpolitik muss deshalb die Fakten wahrnehmen und den Dialog suchen.

Leipzig fehlen angeblich über 10.000 Sozialwohnungen. Zu groß und zu teuer sollen zudem die verfügbaren Wohnungen für Hartz IV-Empfänger sein, heißt es aus der Stadtverwaltung. In einem internen Papier werden von den Vermietern nun Maßnahmen zur Sicherung der Wohnraumversorgung verlangt. Sie sollen mehr Mietraum für 4,48 Euro pro Quadratmeter für Hartz IV-Empfänger und Sozialwohnungen zur Verfügung stellen. Geschehe dies nicht, so spekuliert das Amt in seinem Papier, „kann das gut aufgestellte System der Wohnraumversorgung in der Stadt Leipzig nicht aufrechterhalten werden.“
„Was hier erwartet wird, ist purer Aktionismus - in einer Mischung aus Vernachlässigung von Fakten und eigenen Versäumnissen, insbesondere beim Thema Kosten der Unterkunft (KdU)“, betont Michael Rücker, Pressesprecher der Leipziger Immobilienakteure. „Die Stadtverwaltung erwartet, dass die Immobilienwirtschaft Probleme löst, die nicht von ihr verursacht sind.“

Laut jüngstem Zensus stehen in Leipzig immer noch 39.000 Wohnungen leer. Jährlich kommen einige Tausend neu auf den Markt. Die Durchschnitts-Kaltmiete liegt bei 5,13 Euro. In dieser Stadt kann jeder zu angemessenen Preisen sehr gut wohnen – und dies noch für lange Zeit.

Das Problem mangelnder Versorgung mit Wohnraum für Hartz IV-Bezieher würde sich schlagartig verändern, wenn die KdU-Sätze auf ein angemessenes Niveau im Rahmen eines rechtsfesten „schlüssigen Konzeptes“ angehoben würden. Die Stadt ist sich dessen sehr wohl bewusst und nimmt entsprechende Klagen – z.Zt. lt. Presseberichten bereits rund 6.000 - gegen diese Praxis in Kauf. Überdies vermietet schon jetzt die Leipziger Immobilienwirtschaft 20 bis 25 Prozent ihrer Wohnungen an sogenannte KdU-Empfänger.

Die Leipziger Immobilienakteure fordern deshalb einen sachlichen und konstruktiven Dialog statt massentauglicher Polemik. Zu oft werden Positionen in Politik und Verwaltung realitätsfern formuliert. Die Erarbeitung des Wohnungspolitische Konzeptes wird dafür einen Prüfstein darstellen.

Die Leipziger Immobilienakteure sind die Interessengemeinschaft der 11 größten Leipziger Immobilienunternehmen sowie der Verbände Haus & Grund und des BFW Bundesverband der Freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen Mitteldeutschland

Die Unterzeichner:

• Plattform von Wohnungsgenossenschaften
o Baugenossenschaft Leipzig eG (BGL)
o Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft eG (VLW)
o Wohnungsgenossenschaft Transport eG (Wogetra)
o Wohnungsgenossenschaft UNITAS eG
• Wohnungsgenossenschaft Lipsia eG
• Wohnungsgenossenschaft Kontakt e.G.
• GRK Holding AG
• Leipziger Stadtbau AG
• Hildebrand & Jürgens GmbH
• KSW GmbH
• Hansa Real Estate AG
• Haus & Grund Leipzig e.V.
• Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Landesverband Mitteldeutschland e.V. (BFW)
Mal im Ernst, es ist schon extrem frech, von Polemik und einer "Vernachlässigung von Fakten" zu reden und zur gleichen Zeit einen solchen Stuss zu erzählen.
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Alt 19.02.14, 20:30   #460
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Mal wieder einer meiner gefürchteten Überschläge:

Der Zensus im Mai 2011 ergab 39.888 leerstehende Wohnungen in Gebäuden mit Wohnraum, also einschließlich Wohnheimen, Altersheimen, ehem. Betriebswohnungen etc.: http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=383173

Seither ist einiges passiert:

Bevölkerungszuwachs vom 9. Mai 2011 bis 31. Dezember 2011: 7064
Bevölkerungszuwachs vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012: 10.795
Bevölkerungszuwachs vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2013: 10.806
Summe: 28.665
mit Januar und dem halben Februar 2014: rund 30.000

Der Saldo Geburten/Sterbefälle ist nahezu ausgeglichen, daher beruht die Bevölkerungszunahme fast ausschließlich auf dem Wanderungssaldo. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,8 Personen sind dies in etwa 16.666 neu hinzugekommene Haushalte.

Anders als behauptet sind es auch nicht „einige Tausend neu auf den Markt“ kommenden Wohnungen. Ob 2013 erstmals die Tausendermarke bei Wohnungen im Neubau geknackt wurde bleibt abzuwarten. In den Jahren zuvor waren es noch deutlich weniger:

Wohnungen - 2011: 914 - 2012: 1 066 .
Neubau von Wohnungen - 2011: 431 - 2012: 734
http://212.122.61.201/leipzig-anwend.../Kapitel06.pdf

Aber gehen wir mal davon aus, dass es im letzten Jahr tatsächlich rund 1000 Neubauwohnungen waren. Dann kommen wir seit dem Zensus auf etwa 2000 neue Wohnungen.

In Schönau, WK 5.1, wurden 2013 ca. 500 Wohnungen abgerissen, hinzu kommen noch wenige weitere Wohnungen in abgebrochenen Gründerzeithäusern wie etwa Sternwartenstr. 40 oder Edlichstr. 2.

Aufgrund des Zuzugs dürfte seit Mai 2011 die Zahl der leerstehenden Wohnungen um etwa 15.000 auf unter 25.000 zurückgegangen sein. Das klingt immer noch viel. Aber dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es bei insgesamt 330.000 Wohnungen eine Umzugsreserve von etwa 10.000 Wohnungen braucht (3 %). Außerdem wurden beim Zensus alle leerstehenden Wohnungen gezählt, von denen mehrere Hundert sicherlich nicht mehr (wirtschaftlich) sanierungsfähig sind. Bei nicht wenigen Häusern ist aufgrund von ungeklärten Eigentumsverhältnissen eine baldige Sanierung nicht zu erwarten. Des Weiteren werden bei Sanierungen häufig Wohnungen zusammengelegt, also reduziert auch dies die Gesamtzahl, wenn auch vielleicht nicht in Größenordnungen.

Setzt sich die Bevölkerungsentwicklung in dem Maße fort, so dürften wir spätestens in etwa zwei, zweieinhalb Jahren den Leerstand auf die Umzugsreserve abgeschmolzen haben. Bis dahin müssten aber auch fast alle derzeit nicht marktaktiven Wohnungen wieder bewohnbar gemacht worden sein. Sollte der Wohnungsneubau, vor allem der Geschoßwohnungsbau, tatsächlich beträchtlich zunehmen, dauert es vielleicht noch ein klein wenig länger.

Der Leerstand konzentriert schon jetzt in den Großwohnsiedlungen am Stadtrand, während er in den noch 2011 ähnliche Prozentzahlen aufweisenden Ortsteilen wie Altlindenau oder Volkmarsdorf aufgrund einer zunehmenden Zahl von Sanierungen und Zuzügen in diese frisch sanierten Wohnungen sowie in leerstehende, aber marktaktive Wohnungen deutlich abnimmt. http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=416828

Früher als am "Ende des Leerstands" werden die Mietpreise in den nachgefragten innenstadtnahen Gebieten noch einmal deutlich anziehen. In den vergangen beiden Jahren sind die Angebotsmieten in fast allen Gründerzeitvierteln um 30 bis 60 Cent pro m² gestiegen, in den gehypten Stadtvierteln Plagwitz und Lindenau mit mehreren Sanierungen und Neubauten "im gehobenen Niveau" sogar um 70 Cent bis 1 Euro. Noch mehr Luxuswohnungen wurden in Zentrum-Ost fertiggestellt, dort schnellte die durchschnittliche Angebotsmiete um 1,80 / 1,90 Euro nach oben.
http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=417657

"In dieser Stadt kann jeder zu angemessenen Preisen sehr gut wohnen – und dies noch für lange Zeit." Glauben die Unterzeichner_innen ihr Mantra wirklich selbst oder hoffen sie nur, dass es noch etwas dauert, bis der Wind auch für die Mittelschicht rauer wehen wird?

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Alt 19.02.14, 21:09   #461
Cowboy
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^ Ich verstehe deine Aufregung (mal wieder) nicht. Die Stadt nimmt Klagen in Kauf statt die KdU-Sätze anzuheben, die städtische LWB verscherbelt ihre Häuser und vermietet in gefragten Lagen Wohnungen weit jenseits der 4,48 Euro/qm und von der privaten Immobilienwirtschaft wird jetzt verlangt, dass sie genügend Wohnraum für Bedürftige bereitstellt? Ich bin hier wohl auf einer vorgezogenen Karnevalssitzung gelandet.
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Alt 19.02.14, 21:24   #462
Altbaufan_
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^[weg]

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Alt 21.02.14, 05:20   #463
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Die Vernebelungstaktik scheint zumindest aufzugehen. Die Verwendung des Präsenz und der Verweis auf die fast drei Jahre alten Zensus-Zahlen führen dazu, dass nun auch die BILD schreibt: "Leerstand. Noch immer stehen in Leipzig 39 000 (!) Wohnungen leer."

BILD erklärt den neuen Streit zwischen Rathaus und Vermietern
Ist sozialer Wohnungsbau in Leipzig so gefährlich?
http://www.bild.de/regional/leipzig/...3098.bild.html

In dem Blatt wird weiter ausgeführt, dass die LWB, die ca. 11 000 Wohnungen innerhalb der KdU-Bemessungsgrenzen vermietet, noch 2000 freie Wohnungen im unteren Mietsegment anbietet, hauptsächlich jedoch am Stadtrand. Die Stadtverwaltung wolle aber "tunlichst vermeiden, dass sich Hartz-IV-Empfänger in Randlagen konzentrieren, sich so „Arme-Leute-Quartiere“ bilden. Sie sollen überall wohnen können. Das geht aber nicht mehr mit 4,48 Euro/qm kalt."

Zum Thema Sozialer Wohnungsbau nennt das Blatt zwei mögliche Szenarien, die zeigen sollen, dass dieser kontraproduktiv sei. Der Leerstand könne noch größer werden. "Oder und wahrscheinlicher: die dann frei gewordenen Wohnungen werden saniert und neu vermietet. Folge: die Mieten steigen weiter." Beide Szenarien gehen allerdings davon aus, dass die Zahl der auf günstige Mieten unter den KdU-Grenzen angewiesenen Haushalte gleich bleibt. Das ist unter anderem aufgrund der aktuellen Zuwanderung nicht sehr wahrscheinlich, denn unter den jährlich über 10.000 Zuziehenden sind ja nicht nur Reiche.


"Überdies vermietet schon jetzt die Leipziger Immobilienwirtschaft 20 bis 25 Prozent ihrer Wohnungen an sogenannte KdU-Empfänger."

Die Fragen dazu hat Altbaufan ja schon genannt. Die vier in der Plattform „wohnen bei uns“ zusammengeschlossenen Wohnungsgenossen Baugenossenschaft Leipzig eG (BGL), Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft eG (VLW), Wohnungsgenossenschaft Transport eG (Wogetra) und Wohnungsgenossenschaft UNITAS eG verfügen zusammen über etwa 29.000 Wohnungen ( http://wohnen-bei-uns.eu/pages/wir-ueber-uns.php ). Die Wohnungsgenossenschaft Lipsia eG vermietet gemeinsam mit der Wohnungsgenossenschaft „Elsteraue“ eG mehr als 9.400 Wohnungen ( http://www.wg-lipsia.de/ ). Die Wohnungsgenossenschaft Kontakt e.G. ist mit fast 16.000 Wohnungen Leipzigs größte Wohnungsgenossenschaft, allerdings sind in der Zahl auch Wohnungen in Zwenkau und Böhlen enthalten ( www.wbg-kontakt.de/‎ ). Bei den sechs großen Genossenschaften sind es zusammen etwa 53.000 Genossenschaftswohnungen in Leipzig. Insgesamt sind es noch mehr, da es auch noch weitere Leipziger Genossenschaften gibt, etwa die Wohnungsgenossenschaft Pro LEIPZIG eG mit 1.047 Bestandswohnungen ( http://www.pro-leipzig.de/r-wohnungen.html ), die Wohnungsgenossenschaft Auenblick eG mit über 230 Wohneinheiten ( http://www.auenblick.de/index.php?page=home ) oder die Alternative Wohngenossenschaft Connewitz e.G. (AWC) mit 14 Häusern bzw. ca. 100 Wohnungen ( http://awc-eg.de/ ), und andere Genossenschaften in der Region einzelne Bestände in Leipzig haben, so z.B. die Wohnungsgenossenschaft Böhlen e.G. 306 Wohnungen ( http://www.wg-boehlen.de/ ). Damit dürfte es über 55.000 Genossenschaftswohnungen in Leipzig geben.

Die LWB verfügt über ca. 35.000 Wohnungen ( http://www.lwb.de/unternehmen/die-lwb/zahlen-und-fakten ).

Für die privaten Vermieter hat Siegfried Schlegel, Sprecher für Stadtentwicklung der Linksfraktion, vor zwei Jahren eine Zahl von über 190.000 Wohnungen genannt. Aufgrund von Verkäufen der LWB und der Genossenschaften und von Neubauten bzw. neuen Wohnungen in ehem. Industrieanlagen dürfte die Zahl mittlerweile auf um die 200.000 Mietwohnungen gestiegen sein.

Damit kommen wir auf ca. 290.000 Mietwohnungen. Bei insgesamt etwa 330.000 Wohnungen insgesamt und etwa 37.000 (11,1%) von Eigentümer_innen bewohnten Wohnungen (Zensus: https://ergebnisse.zensus2011.de/#St..._2_1_1,m,table ) geht die Rechnung ziemlich gut auf.

Unter den Mieter_innen der LWB sind nach den vorliegenden Zahlen (siehe oben) etwa 10.000 Bedarfsgemeinschaften. Daher müssen von den insgesamt 39.100 Bedarfsgemeinschaften etwa 29.000 bei Genossenschaften oder privaten Vermietern wohnen. 29.000 Bedarfsgemeinschaften in 255.000 Mietwohnungen: 11,4 %. Wie soll die Aussage, 20 bis 25 Prozent der Wohnungen würden an sogenannte KdU-Empfänger vermietet werden, stimmen?

Oder soll "die Leipziger Immobilienwirtschaft" nur für die Unterzeichner_innen stehen? Mit der GRK Holding AG, Leipziger Stadtbau AG, KSW GmbH und der Hansa Real Estate AG sind vier davon fast ausschließlich im gehobenen und Luxussegment aktiv. Da wüßte ich auch gern, wie das überhaupt mit den KdU-Sätzen vereinbar sein sollte. Bei Haus & Grund Leipzig e.V. sind eher die "kleinen" privaten Eigentümer mit einer Handvoll oder unter Hundert Wohnungen vertreten.

Aber dann hätten die überwiegend deutschlandweit tätigen Big player wie Deutsche Annington ( http://www.deutsche-annington.com/im...zig/index.html ), Conwert (über 5.000 Wohnungen in Leipzig und Umgebung), Gutburg (mehr als 4.000 Wohnungen in Grünau - http://www.gutburg.de/leipzig ), Capital Real Estate (BCRE - mehr als 3.000 Wohnungen - http://www.bcre-leipzig.de/index.php ), TAG ( 1.375 Wohnungen - http://tag-wohnen.de/standorte/leipzig/ ), Blackstone Group L.P. (mehr als 1.000 Wohnungen, fast alle in Grünau - http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=330096 ), Deutsche Wohnen (v.a. in Lindenthal, Übernahme der Blackstone-Wohnungen im zweiten Quartal 2013?) etc. kaum mehr Hartz-IV-Empfänger_innen unter ihren Mieter_innen. Da sie sich allerdings oft auf Wohnungen in genormter Bauweise häufig in den randstädtischen Großwohnsiedlungen konzentrieren wird das genaue Gegenteil der Fall sein.

Summa summarum: Ich halte die Aussage für falsch.

Geändert von LE Mon. hist. (21.02.14 um 09:54 Uhr)
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Alt 27.02.14, 08:12   #464
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Genossenschaftliche Modelle oder Mieterselbstverwaltungsmodelle

Um die oben begonnene Diskussion über die Einfluß- und Steuerungsmöglichkeiten der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Wohnungen im preisgünstigen Segment zu fördern, fortzusetzen, hier ein ausführlicherer Hinweis auf ein aktuelles Interview mit Dr. Andrej Holm. Es steht im Zusammenhang mit dem Erscheinen seines neuen Buches "Mietenwahnsinn: Warum Wohnen immer teurer wird und wer davon profitiert"; Droemer Knaur Verlag, http://www.droemer-knaur.de/buch/7935203/mietenwahnsinn

Das Interview paßt meines Erachtens sehr gut zur Diskussion in Leipzig, weil hier viele solcher genossenschaftlichen oder genossenschaftsähnlichen Modelle ohne Renditeziel verwirklicht wurden und werden, die am Ende des Interviews ausführlicher angesprochen werden.

WDR 5, Neugier genügt
Sendung vom 26.02.2014
Redezeit mit Dr. Andrej Holm: Die Mieten steigen. Wer profitiert?
http://www.wdr5.de/sendungen/neugier...ejholm100.html

Eine von mir vorgenommene Transkription der letzten Teiles von Minute 18:20 bis 23:04:

Zitat:
WDR5: Wenn Sie nun sagen, Herr Holm, das Marktmodell funktioniert bei Wohnungen vor allem auf dem Mietmarkt nicht, weil es eben kein richtiger Markt ist, diese Mechanismen klappen nicht - was folgt daraus? Was sind ihre Vorschläge?

HOLM: Man muß es ein bißchen einschränken. Der Wohnungsmarkt funktioniert z.B. sehr, sehr gut in dem Luxuswohnsegment, der funktioniert sehr gut für [...] das gehobene Wohnen. Das sind Bereiche, wo es [...] auch selten Klagen über die Wohnungsversorgung oder die Qualität oder ein mangelndes Angebot gibt. Der Wohnungsmarkt, gerade weil er so marktförmig ist, der versagt vor allem in der Zurverfügungsstellung, in der Bereitstellung von preiswerten Wohnungen.
[...]

WDR5: ... zu ihren Vorschlägen. Was muß zusätzlich hinzukommen?

HOLM:
Zusätzlich hinzukommen muß eigentlich eine Form des sozusagen marktfernen Organisierens von Wohnungen.

WDR5: Was ist das?

HOLM: Das klingt jetzt erst einmal abstrakt. Das können kommunale Wohnungsunternehmen sein, wenn sie befreit werden von [...] der starken Ökonomisierung, der sie zur Zeit unterliegen. Das können genossenschaftliche Modelle sein. Das könnte in der Wiedereinführung einer neuen Gemeinnützigkeit sein, also von Wohnbauträgern, die in ihrer eigenen Struktur in der Renditeerwartung beschränkt sind. Die alte Gemeinnützigkeit bestand ja darin, dass man sagt, Gemeinnützigkeit bedeutet, dass es keine Rendite über diese berühmten vier Prozent hinaus gibt und alles, was an Einnahmen darüber hinaus eingenommen wird, [...] wieder in den Wohnungsbau und die Entwicklung der Bestände gesteckt werden muss. Das sind Bereiche, da gibt es eine ganze Reihe von Modellen in den Städten und auch in kleineren Nischen, die aber unter dem Konkurrenzdruck mit privaten Anlegern im Prinzip in Städten wie München, Frankfurt, Berlin, Köln, Hamburg ... keine Chance haben, zum Zuge zu kommen. Selbst das sozial eingestellteste Genossenschaftsprojekt kann im Zentrum von Hamburg im Moment keinen Wohnungsbau entwickeln, weil die Grundstückspreise so hoch getrieben sind von denen, die auf die Erträge spekulieren, dass die keine Chance haben. Von daher ist das ein Aufruf, nicht nur diese marktfernen oder nicht profitorientierten Bauträger zu stärken und zu unterstützen, sondern das wird nur klappen, wenn es mir tatsächlich als Stadt gelingt, die Verwertungsmöglichkeiten in den Innenstadtbereichen oder in den [...] Zielgebieten für solche Wohnungsbauträger tatsächlich einzuschränken.

WDR5: Das heißt, der Staat muß regulierend eingreifen, z.B. die Kommunen, in dem sie bestimmte Spielregeln schaffen, oder der Bund oder die Steuerzahler letztlich, in dem sie sozialen Wohnungsbau finanzieren?

HOLM: Es kann sozialer Wohnungsbau sein. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von genossenschaftlichen Modellen oder Mieterselbstverwaltungsmodellen, die es bisher nur in kleinen Nischen gibt, nämlich in Nischen, in denen der Verwertungsdruck nicht so groß ist. Die würden auch Spielräume bekommen. Eine gute Wohnungspolitik kann mit viel öffentlichem Geld finanziert werden, ist aber nicht ausschließlich darauf angewiesen. Was es braucht ist vor allem der Mut zu sagen, wir wollen das bestimmte Bereiche der Stadt [...] nicht der freien Verwertung ausgeliefert sind. Und da hat man [...] mit einer sehr, sehr lobbystarken und interessensstarken Gruppe zu tun, nämlich der der Grundeigentümer, der Bauwirtschaft, von all denen, die [...] an dem aktuellen Modell, wie Wohnen organisiert ist, verdienen. Und es gibt leider keine Wohnungspolitik bisher, weder auf der Länder- noch auf der Bundesebene, die das tatsächlich einfordert. Wir haben eine ganze Reihe von Instrumenten, die im Prinzip den Markt ergänzen, also so wie Wohngeldzahlung funktioniert - ich gebe den Armen Geld, aber es fließt direkt in die privaten Taschen. Und es gibt aber ganz ganz wenige Instrumente bisher, die angewendet werden, die sagen, ich versuche hier tatsächlich die Gewinnmöglichkeiten so stark einzuschränken, dass ich die renditeorientierten Eigentümer und Investoren abschrecke. Erst wenn die abgeschreckt sind, dann ist der Spielraum für andere Wohnbauträger da.
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Alt 27.02.14, 08:43   #465
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Leipzig: Preiswert und selbstbestimmt Wohnen

In der Leipziger Stadtverwaltung, speziell dem Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW), werden seit einiger Zeit solche Modelle bereits unterstützt und gefördert. Das könnte jedoch auch noch verstärkt werden und entsprechende Ansätze werden im Zusammenhang mit dem neuen wohnungspolitischen Konzept bereits diskutiert.

Der Stadtplanverlag Leipzig gibt jedes Jahr einen "Stadtplan Leipzig Bauen & Wohnen. Wegweiser zu Handwerk & Handel" heraus. Auf der Rückseite des Planes informiert das ASW über aktuelle Entwicklungen und Vorhaben der Stadtentwicklung. In diesem Jahr wurde erstmal ein längerer Abschnitt über die Kollektivhäuser aufgenommen. Ich zitiere länger aus dem Text (eine Erlaubnis dafür liegt vor):

Zitat:
Preiswert und selbstbestimmt Wohnen – vielfältige Wohn- und Eigentumsformen in Leipzig

Die Entwicklungsdynamik des Leipziger Wohnungsmarktes hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Dies zeigt sich u.a. in einer verstärkten Investitionstätigkeit und einem Anstieg der Mietpreise. Investiert wird überwiegend durch Kapitalanlagegesellschaften in hochwertige Wohnangebote im oberen Preissegment. Dagegen wird das Angebot an kleineren sowie barrierefreien Wohnungen stadtweit knapp. In einzelnen Stadtteilen, vor allem in den attraktiven innerstädtischen Altbauquartieren, gibt es kaum noch Angebote im preisgünstigen Wohnungsmarktsegment.

In Leipzig haben sich zahlreiche neue Wohn- und Eigentumsformen etabliert, die zur Belebung unsanierter und/oder leerstehender Gebäude in bislang benachteiligten Lagen beigetragen haben. Die fortschreitende Sanierungstätigkeit sowie Umnutzung von ehemaligen Gewerbe-/Kasernen-objekten zu Wohngebäuden und die steigenden Mieten schränken jedoch die Handlungsspielräume für dieses meist junge und kreative Klientel zunehmend ein.

Durch zahlreiche private Initiativen und Vereine werden derzeit neue Formen für individuelles wie gemeinschaftliches Wohnen sowie vielfältige Eigentums- und Trägermodelle erprobt. Diese verschiedenen gemeinschaftlichen Wohn- und Eigentumsformen sind ein wichtiger Impuls für die nachhaltige und soziale Entwicklung der Stadt. Baugruppen und Hausprojekte sind wichtige soziale Akteure für ihren Stadtteilen und tragen so zur Belebung benachteiligter Quartiere bei. Sie schaffen neue Wohnangebote im unteren und mittleren Preissegment und bieten somit eine Alternative auf dem Wohnungsmarkt an.

[...]

Die neuen Wohn- und Eigentumsformen lassen sich wie folgt unterscheiden:

Leerstehende Gebäude zwischenzeitlich bewohnen: Wächterhäuser

Der Verein HausHalten e.V. hat das Modell der Wächterhäuser entwickelt ( http://www.haushalten.org ). Darin geht es um eine zwischenzeitliche Nutzung leerstehender Häuser. Engagierte, kreative Nutzer finden hier ausreichend Fläche für ihre Ideen zu geringen Preisen. Die Nutzung des Hauses verhindert Vandalismus und grenzt Witterungsschäden ein, da sie von den Nutzern schnell entdeckt und behoben werden. Die Eigentümer werden von Kosten entlastet, ebenso von der generellen Sorge um das Haus. Ihre Aufgabe ist es, die meist getrennten Hausanschlüsse von Elektrik und Wasser wieder anzuschließen und, teilweise mithilfe von Fördergeldern, das Gebäude soweit instand zu setzen, dass eine Nutzung möglich wird. Die Nutzer werden zu "Wächtern" über das Haus. Sie richten sich die Räumlichkeiten nach ihren Vorstellungen her. Die Übernahme der laufenden Betriebskosten für das Haus, ihre handwerkliche Eigenarbeit in ihren eigenen Räumen und die Kontrolle des restlichen Gebäudes sind ihre Leistungen an den Eigentümer. Besonders soziale, kulturelle, gewerbliche Nutzer mit Ausstrahlung und Anziehung auf das Quartier kommen als "Wächter" in Frage. In Leipzig wurden bereits 17 Wächterhäuser (davon sind neun bereits wieder für andere Nutzungen entlassen) und 20 Wächterläden realisiert.

Selbstausbau zu günstigen Mietkonditionen: AusBauHaus

Ebenfalls vom Verein HausHalten e.V. initiiert ist das Mietermodernisierungsmodell AusBauHaus (http://www.haushalten.org). Das AusBauHaus verbindet einen individuell festgelegten Ausbaustandard mit einem klassischen Mietverhältnis. Die Mieter erhalten viel Wohnfläche zum individuellen Selbstausbau und stabilen, günstigen Mietkonditionen. Die handwerkliche Eigenleistungen der Mieter kann auf die Mietkosten angerechnet werden. Hauseigentümern bietet das AusBauHaus langfristig stabile, kalkulierbare Mieteinnahmen und Wertsteigerung bei vergleichsweise geringerem eigenem Investitionsaufwand. Durch den HausHalten e.V. konnten bislang sieben Modellprojekte als AusBauHaus begleitet werden.

Wohneigentum in Baugruppen bilden: Selbstnutzer im Alt- und Neubau
[...]

Gemeinschaftlich Häuser erwerben: Ein-Haus-Genossenschaften und Mietshäuser-Syndikat

In den vergangenen Jahren sind in Leipzig an die 50 selbstorganisierte Hausprojekte entstanden, die sich durch eine gemeinschaftliche Eigentumsform auszeichnen. Ob als Familien- oder WG-Haus, ob mit Läden oder Galerien im Erdgeschoss - ganz unterschiedliche Lebensweisen finden hier ihren Raum. Die jeweiligen Bewohner besitzen dabei ihr Haus als Gemeinschaft, ohne dass sie als Einzelpersonen daran Privateigentum erwerben müssen. Alle Entscheidungen - ob zu Sanierungsstandard oder Miethöhe - werden von der Hausgemeinschaft getroffen.

Die häufigsten Rechtsformen sind dabei die eingetragene Genossenschaft eG, die GmbH im Rahmen des Mietshäuser-Syndikats oder die rechtliche Trägerschaft durch einen Verein.

Im Mietshäuser-Syndikat sind selbständige Hausprojekte in einem bundesweiten Verbund zusammengeschlossen. Eine Gruppe, die ein Hausprojekt starten möchte, gründet zunächst einen Hausverein. Dieser wird Gesellschafter einer Hausbesitz-GmbH - und bestimmt in dieser Funktion über alle wesentlichen Fragen deren Arbeit. Zweiter Gesellschafter in der Hausbesitz-GmbH wird das überregionale Mietshäuser-Syndikat. Durch dieses wird einer Reprivatisierung rechtlich verbindlich ein Riegel vorgeschoben. Gleichzeitig werden dauerhaft sozialverträgliche Mieten gesichert. Als Mieter sind alle Beteiligten gleichberechtigt, egal ob sie viel oder gar kein Geld ins Haus einbringen. Darüber hinaus profitieren neue Hausprojekte vom Solidarfonds, in den alle derzeit rund 80 Syndikatsprojekte in Deutschland einzahlen, sowie von der immateriellen Unterstützung und Beratung im Netzwerk.

Bei den sog. Ein-Haus-Genossenschaften schließen sich die Mitglieder einer Hausgruppe zu einer eingetragenen Genossenschaft zusammen. Die Genossenschaft erwirbt das Haus und vermietet die Wohnungen an die Genossenschaftsmitglieder. Die Genossenschafter erwerben finanzielle Anteile an der Genossenschaft, wobei die Höhe der Anteile keinen Einfluss auf die Stimmrechte hat. Jeder Genosse hat eine Stimme in der Generalversammlung, die den Vorstand wählt. In der Genossenschaft verbinden sich die Vorteile eines Mietverhältnisses mit der Sicherheit eines dauerhaft preisgünstigen Wohnangebots. Durch die Haftungsbeschränkung haftet man nur mit den eingebrachten Genossenschaftsanteilen, nicht mit dem Privatvermögen.

Beratung und Unterstützung finden diese Hausprojekte insbesondere durch die AG Beratung ( http://kollektivratleipzig.blogsport.de ) und den HausHalten e.V. ( http://www.haushalten.org ) sowie das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung ( www.leipzig.de/stadterneuerung ). Zu spezifischen Rechtsmodellen berät u.a. das Mietshäuser-Syndikat ( http://www.syndikat.org/ ) und die innova eg Engagement für genossenschaftliche Neugründungen ( http://www.innova-eg.de/ ).
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