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Alt 16.11.17, 18:19   #31
antonstädter
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Mit der "50" zur Heidemühle (Teil III)

Nach einer kilometerlangen Fahrt durch den Wald erreichte die Linie 50 die Kraftverkehrshaltestelle an der Heidemühle, gleichzeitig der Endpunkt. Hier entlud sie ihre Fracht an frischluftbedürftigen Großstädtern wahlweise in die Wildnis oder die Einkehr in der Mühle. Bis auf das Haltestellenschild zeigt sich die sehr spartanische Haltestellenanlage unverändert.




Der alte Kilometerstein bezieht sich natürlich auf die Entfernung bis zum Stadtzentrum.




Haltestelle in der Gegenrichtung mit einfahrendem Bus der Linie 305, der einzigen noch bestehenden Nahverkehrsanbindung der Heidemühle. An Wochentagen herrscht nur ein Zwei-Stunden-Takt, am Wochenende ist man noch viel seltener unterwegs. Wozu braucht man einen Bus, wenn es Ess-Juh-Wiehs gibt?




Früher ging es auf der Radeberger Landstraße noch wesentlich beschaulicher zu.




Einkehr an der Heidemühle. Sie entstand aus alten Stallungen bzw. einer Posthalterei zum Pferdewechsel.




Die eigentliche Heidemühle ist seit 1995 geschlossen und schon seit Jahren eine Baustelle, auf der es eher kleckerweise vorangeht.




Historisches Vergleichsbild. Die Heidemühle ging aus einer alten Wassermühle im Prießnitzgrund hervor, die bereits 1540 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die heutigen Gebäude stammen von 1843, als man die alte Mühle als Mahl,- Brett- und Schneidemühle neu errichtete, bzw. 1880, als sie nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Von Beginn an wurde Schankwirtschaft betrieben.




Die Postkarte beweist, dass sie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg mittels KVG-Omnibus von Dresden und Radeberg aus zu erreichen war.




Zumindest saisonal wird im Biergarten noch an Wochenenden ausgeschänkt. Im Hintergrund das Mühlengebäude.




Nahansicht.




Nebengebäude des ausgedehnten Mühlenareals. Früher gab es hier allerlei Belustigungen bis hin zu einem Tierpark, die die Städter in Scharen in den Busch zogen. Sinnlos war unsere „50“ also keineswegs.










Zurück zur „Einkehr“ am Gänsefuß. Von hier aus kann man umfangreiche Wanderungen unternehmen, ein weiterer Grund für die Popularität der mitten in der Heide gelegenen Mühle. Wohlgemerkt: Wir befinden uns auf Dresdner Stadtgebiet!






Hammerdenkmal am Gänsefuß.




Impressionen aus dem Prießnitzgrund.






Mit etwas Anstrengung sind wir in reichlich fünf Kilometern in Klotzsche.



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Noch einige abschließende nahverkehrliche Betrachtungen. Zwar zeigte sich die Linie 50 Mitte der 1980er Jahre stark ausgedünnt, dennoch blieb sie unverzichtbar. Seit einigen Jahren druckte man die Fahrpläne als Gesamtverkehr mit der 305 ab, deren wochenendliche Fahrplanlücken die Verkehrsbetriebs-Busse nun in erster Linie füllten. 1988 erfuhr sie sogar noch einmal eine deutliche Aufwertung, indem man sie über die Elbe zum Pirnaischen Platz verlängerte. Hier der entsprechende Fahrplan.




Und wieder gönnte man ihr keine „richtigen“ Linienschilder! Wenigstens gab es neue Pappkameraden in dem damals hochschicken neuen Design der Umleitungsschilder.




Als Neuerung verfügten diese sogar über eine echte Innenseite, mit Haltestellen und Tarifauszügen! Erinnern wir uns: Auf den Ausflugslinien galt ein Entfernungstarif, und Stadtfahrscheine waren hier nicht gültig…




Unsere 50 überlebte die Wende gerade einmal zwei Jahre. Letztmalig erschien ein Fahrplan im Heft für 1991/92, danach war es um die letzte Ausflugslinie der Dresdner Verkehrsbetriebe geschehen. Seitdem muss man, um mit der ganzen Bagage zur Heidemühle zu gelangen, entweder wahlweise fünf Kilometer durch den Busch laufen oder radeln und sich dem Gequengel der lieben Kleinen hingeben, sich in eine der ganz wenigen wochenendlichen 305er quetschen (und sich das Gequengel…) oder aber man holt den Ess-Ju-Wieh unter dem Carport hervor…
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Alt 06.01.18, 16:26   #32
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Testbericht: Mit der 73 vom Wilden Mann nach Pieschen (Teil I)

Zur Abwechslung geht es heute mal nicht in die Historie und auf die Spuren verflossenen Omnibusverkehrs, sondern wir machen uns auf die Socken und folgen im Gegenteil einer brandneuen Route ohne irgendwie geartete nahverkehrlichen Vorfahren und bei der fraglich ist, ob sie ihren Testbetrieb bis Jahresmitte überleben wird: der ominösen Kleinbus-73, die den Anwohnern der Döbelner Straße den Weg zur Straßenbahn erleichtern soll.


Das provisorische Haltestellenschild am Wilden Mann habe ich schon im „Gasbahn“-Beitrag verewigt. Der Nouveautäten-Stern mit Datum „3.1.2018“ ist aber verschwunden.




Linienverlauf der 73.



Normalerweise sind weiße Lieferwagen der Todfeind des Stadtbildfotografen. In unserem Fall aber dient ein solches Vehikel der Personenbeförderung und steht auf dem Haltestellenvorplatz bereit zur Fahrt zum „S-Bahnhof Pieschen“.




Vorstadt-Idyll mit Kleinbus.




Spannend ist die Wendefahrt am Wilden Mann: von der Döbelner Straße kommend biegt der, ähäm, „Bus“, in die Dippelsdorfer Straße ein. Die Aufnahme erklärt von selbst, warum sich auf der 73 der Einsatz eines echten Busses verbietet.




Diese durchfährt die 73 bis zum Ende, biegt dann auf die Großenhainer und fährt auf den Vorplatz an der Gleisschleife auf, wo sie die Wendezeit verbringt.




Unklar bleibt, was im Falle der Begegnung mit einer Straßenbahn passiert, die auf ihrer Schleifenfahrt die Dippelsdorfer genau in der Gegenrichtung passiert. Platz zum Ausweichen ist jedenfalls nicht vorhanden, denn der Fahrbahnrand ist zugeparkt.




Wir schweifen entlang einer „Drei“ in der Buchholzer Straße zu unserem Wägelchen der Linie 73.




Zurück zum S-Bahnhof Pieschen geht es über die Döbelner am Gasthof „Wilder Mann“ vorbei. Blick von der Ecke Dippelsdorfer/Döbelner Straße.




Straßenschild der Döbelner Straße, der die 73 nicht ganz bis zum Ende folgt. Dieses Bild hätte mir fast standrechtlichen Erschuss oder bestenfalls dreimal lebenslänglich eingebracht, denn eine aufgebrachte Anwohnerin, die der Meinung war, solcherlei Stadtbildfotografie sei verboten, fühlte sich in ihrer Sicherheit bedroht und wollte mir daraufhin den Apparat entreißen und mich den Gesetzeshütern ausliefern. Nach einer kurzen Rangelei habe ich ihr daraufhin höflich aber bestimmt meine Rechtsauffassung erläutert und ihr viel Spaß bei ihrem nächsten Montagsspaziergang gewünscht. Gottseidank war der dazu gehörige Ronny mit Schäferhund nicht anwesend…




Blick entlang der Döbelner Straße nach Osten. Trachenberge ist eines der letzten Gaslaternenrefugien in Dresden.




Döbelner Straße Höhe Bolivarstraße.




Wir nähern uns der ersten neuen Zwischenhaltestelle an der Duckwitzstraße.




Richtige Haltestellenschilder hat man der 73 spendiert. Für einen Testbetrieb ist dies ein nicht unbeträchtlicher Aufwand.




Kändlerstraße bergwärts gesehen.




Torbogen in der Duckwitzstraße, der Durchblick geht bis zur Großenhainer am fernen Horizonte…




Die Döbelner Straße weist einige stilvolle Vorstadthäuser auf. Und das in einer wirklich schönen Wohnlage, die jetzt sogar über Nahverkehrsanschluss verfügt. Anders als weiland in der Hepkestraße protestiert man hier nicht gegen den Bus, sondern prozessierte ihn gegen die sich hartleibig wehrenden Verkehrsbetriebe förmlich herbei, federführend durch einen CDU-Stadtrat! Man könnte meinen, verkehrte Welt…




Blick in das Trachenberger Ende der Hubertusstraße mit genossenschaftlichem Wohnungsbau der späten Zwanziger.




Die sehr ansprechend sanierte Döbelner Straße 88 beherbergte vor Urzeiten ein Restaurant.




Nächste Haltestelle: Albert-Hensel-Straße.





Albert-Hensel-Straße, Weinbergskirche (geweiht 1958). Der provisorische Vorgängerbau von 1915 brannte 1946 ab.




Der freistehende Glockenturm der Weinbergskirche von 1950. Er gilt als das erste nach dem Krieg errichtete kirchliche Gebäude in Dresden.




Trachauer Heideweg mit Kleingärten, Blick hinüber nach Pieschen.




Trachenberger Gaslaternenidyll zwischen Albert-Hensel- und Hans-Sachs-Straße.




Begegnung mit dem halbstündlich verkehrenden neuen Trachenberger Stadtbusersatz auf der Rückfahrt vom S-Bahnhof Pieschen zum Wilden Mann, bevölkert immerhin von drei Fahrgästen. Das einzige eingesetzte Fahrzeug hatten schon ebenda angetroffen.




Eckhaus an der Hans-Sachs-Straße.




Kurz darauf treffen wir auf die Haltestelle „Döbelner Straße“.




Haltestelle Richtung Wilder Mann mit dörflicher Bebauung im Trachenberger Ortskern.




Trachenberger Straße. Hier biegt die 73 nach Süden ab und verlässt die Döbelner Straße.




Großstädtische Gründerzeitzeile an der Trachenberger Straße. Wir wenden dem Weinberg den Rücken zu und blicken nach Pieschen hinein.




Kurzer Abstecher zum im Kern barocken Weinbergschlößchen Döbelner Straße 24, dem unbestrittenen architektonischen Hochlicht Trachenberges.

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Alt 06.01.18, 16:30   #33
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Testbericht: Mit der 73 vom Wilden Mann nach Pieschen (Teil II)

Im zweiten Streckenabschnitt folgt die 73 bekannten Pfaden. Wir gucken noch einmal zurück in die vormalige nahverkehrliche Diaspora. Ein sehr repräsentatives Eckhaus schmückt den Zwickel zwischen Döbelner und Grimmaischer Straße.




Gründerzeitliches Balkonistan in der Trachenberger Straße.




Blick aus der Trachenberger Straße zurück zur Döbelner Straße. Wir verlassen die unentdeckten Weiten, in die nie zuvor ein Nahverkehrsmittel seine Pneus gesetzt hat…




…und treffen kurz darauf an der Maxim-Gorki-Straße auf die Route der 64. Bis 1964 quietschte hier die Linie 4 zum Sankt-Pauli-Friedhof ums Eck, die Begehung der Strecke erfolgte vor einiger Zeit und ist im „Straßenbahnstrecken“-Strang zu finden.




Blick zurück, Bautafel an der Ecke gegenüber. Das Vorgängerhaus war zusammengefallen, worauf sich die ironische Wandmalerei an der Brandwand des Nachbarn bezieht.




Typisches Pieschner Straßenbild in der Trachenberger Straße.




Auf ihrem Weg zum Haltepunkt Pieschen bedient die 73 in der Folge die Bestandshaltestellen der 64.




Straßenbahnhof Trachenberge, „alte Halle“ von 1891, davor die Bushaltestelle „Betriebshof Trachenberge“ in Richtung Norden.




Haltestellenschilder, das vordere mit einem der mittlerweile weit verbreitenen Mäusekinos. In 11 Minuten erscheint die nächste 73 zum Wilden Mann…




Ausfahrt des Betriebshofes Trachenberge und Trachenberger Straße, Blick zum gleichnamigen Platz.




Einsatzleiterhäuschen des Betriebshofes.




Haltestelle Trachenberger Platz in nördliche Richtung, im Hintergrund die Häuserzeile zwischen Trachenberger und Barbarastraße.




…und da isser wieder, der Gleene. Er hält aber nicht wie es scheint an der Haltestelle der 70, sondern erst „über den Platz“ an jener der Linie 64.




Trachenberger Straße jenseits des Platzes, vorn rechts die Bushaltestelle der Linien 64, 76 und, ganz neu, der 73. Bei dem gelben Vehikel auf der Straßenseite handelt es sich nicht wie man meinen könnte um eine 73…




…das gleiche gilt für den in der Haltestelle stehenden Kleinkraftwagen mit Meißner Registrierung.




Nordseite des Trachenberger Platzes und die gleichnamige Straße nordwärts geblickt.




Im Südteil der Trachenberger kommt uns zur Abwechslung mal ein ausgewachsener Bus entgegen.




Die „Mälzerei“ hat auch schon bessere Zeiten gesehen.




Blick in die Riesaer Straße, im Hintergrund die bombensicheren Produktionsgebäude der Göhle-Werke von 1940.




Einer der besseren 90er-Jahre-Bürobauten am Haltepunkt Pieschen.




Stationsschild am „S-Bahnhof Pieschen“, betriebstechnisch eigentlich ein Haltepunkt.




Neuer Aufgang zu den Bahnsteigen in typischem Deutsche-Bahn-Beton-Brutalismus.




Haltestelle „Haltepunkt Pieschen“ mit zwei Abfahrtsständen. Der hintere dient der 64 in Richtung Striesen und Reick, der vordere beherbergt den örtlichen Verteilerverkehr, nämlich die 76 zur Justizvollzugsanstalt und momentan auch die 73.




Das „Hoang Do“ gilt als eine der besten kulinarischen Adressen in Pieschen. Davor die Haltestelle in Richtung Kaditz.




Dieser nähert sich unser Möchtegern-Bus…




…denn sie dient auch als Ausstiegshaltestelle für die Fahrzeuge der 73 und 76, die nach Absetzen ihrer Fahrgäste (wenn es denn welche gibt) im Uhrzeigersinn um den Leisniger Platz drehen.




Wendezeit hat die 73 hier keine. Immerhin wird auch an Wochenenden aller halben Stunden gefahren, wofür ein Fahrzeug reicht.




Wir gönnen uns eine Mitfahrt zum Wilden Mann.




Fazit: Bei der Begehung wurden tatsächlich vereinzelt Fahrgäste gesichtet. Ob es sich hierbei um neugieriges Premierenpublikum wie meinereiner oder echte Nutzer handelt, konnte nicht ergründet werden. Dennoch wird es die Linie schwer haben, das Frühjahr zu überleben. Der Widerstand der DVB ist schon nachvollziehbar, denn sollte das Beispiel Schule machen und die Linie gar wider Erwarten dank Akzeptanz in der Bevölkerung über den Probebetrieb hinaus überleben, dann könnten auch andere Stadtteile animiert werden, ihren eigenen Quartierbus zu fordern. Ich denke da z.B. an eine gewisse Antonstadt… Wirtschaftlich sind derartige Feinerschließungsverkehre sicher nicht. Dennoch könnten sie dazu beitragen, die Nahverkehrsnutzung in Dresden signifikant zu erhöhen und damit ihren Beitrag zur Reduzierung des Individualverkehrs leisten. Zu wünschen wäre es. Das größte Hindernis dürften momentan noch die Personalkosten darstellen, die sich ja von Capacity zu Kleinbus nicht unterscheiden…

Und noch einige Worte zum Fahrzeug. Der kleine Benz kommt innen fast wie ein richtiger Bus daher. Er verfügt über das übliche Fahrgastinformationssystem mit Flachbildschirm und Haltestellendurchsage (wobei diese für die neuen Haltestellen an der Döbelner (noch?) nicht eingespielt ist), dazu kommt ein Niederflurbereich für Rollstühle und Kinderwagen mit Klappsitzen. Alles in allem ist die Mitfahrt ähnlich komfortabel wie in einem normalen Linienfahrzeug und auch deutlich angenehmer als in den beiden 2009 in Dienst gestellten gelben Sprintern, von denen einer ja noch existiert.

--- Ende des Testberichts ---
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Alt 09.07.18, 15:00   #34
antonstädter
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Mit dem Kraftomnibus nach Rochwitz (Teil I)

Nach längerer Zeit widme ich mich einmal wieder der Geschichte des gleislosen städtischen Nahverkehrs, wobei wir uns wieder einmal in den Loschwitzer Raum begeben…

Für die Bewohner von Oberloschwitz und Rochwitz stellt die Omnibuslinie 84, seit etwa zehn Jahren kombiniert verkehrend mit der Regionalverkehrslinie 309, noch immer das wichtigste Beförderungsmittel dar, um von ihren abgelegen auf der Hochebene liegenden Wohnstätten ihre Einkäufe, Behördengänge und Arztbesuche an Körner- und Schillerplatz zu erledigen. Erstaunlicherweise wird das Angebot in der doch recht gut situierten Ecke auch gut in Anspruch genommen – ein Beweis dafür, dass eine kontinuierliche etablierte Nahverkehrsanbindung keineswegs nur für weniger bemittelte Bevölkerungsschichten von Interesse ist…

Die Geschichte des Kraftomnibusverkehrs in Loschwitz beginnt im Jahre 1925, als erstmals eine Verbindung vom Hauptbahnhof über die südlichen Vorstädte zum Körnerplatz in Loschwitz in Betrieb genommen wurde, die wenig später die Linienbezeichnung „C“ erhielt. Diese Linie war legitimer Vorgänger der heutigen 61, die ihr auf weiten Teilen ihres Linienverlaufes noch immer folgt – nicht umsonst erhielt der 1947 eingeführte Obus eben jene Bezeichnung.

Der Körnerplatz wurde somit Ende der zwanziger Jahre von drei Straßenbahn-, einer Buslinie und zwei Bergbahnen angedient – über mangelnde nahverkehrliche Erschließung durften sich die Loschwitzer also beim besten Willen nicht beklagen! Wobei, so ganz stimmte dies natürlich nicht, denn der auf der Höhe ansässigen Bevölkerung blieb als Zugang zu all diesen mannigfaltigen Beförderungsmöglichkeiten lediglich die Schwebebahn, die oft nur nach langen Fußmärschen zu erreichen war.



Die Linie C wendete am Körnerplatz in der später auch vom Obus bekannten Schleifenfahrt über Dammstraße und Friedrich-Wieck-Straße. In jener sehen wir den Büssing-Hochrahmen-KOM mit der Nummer 10, der zur Erstausstattung des wiedereröffneten städtischen Omnibusverkehrs aus dem Jahre 1925 gehörte – das Bild ist allerdings erst Mitte der dreißiger Jahre entstanden. Am unteren Bildrand das Haltestellenschild der Straßenbahn am Körnerplatz.


Erst 1937 wurde die Linie C schließlich zur großen Freude der Hochebenenbewohner über Neurochwitz und Oberloschwitz nach Ober-Rochwitz in den alten Dorfkern verlängert. Lange allerdings konnten sich die Bewohner der Hochebene ihres neuen Verkehrsmittels nicht erfreuen: Wie in der ganzen Stadt wurde der KOM-Betrieb kriegsbedingt auf das Allernötigste beschränkt, und ab Dezember 1941 pendelte die Linie C nur noch werktags im Anschluss an die Schwebebahn zwischen Oberloschwitz und Rochwitz. Zum Beweis der Winterfahrplan aus dem Jahre 1942.




Auf dem Stadtplan aus dem Jahre 1943 (Beilage zum Adressbuch – Güntzsche Stiftung) ist die Linie aber noch in Gänze eingezeichnet.




Zuletzt wurde die zur reinen Vorstadtverbindung zusammengedampfte ehemalige Hauptlinie bedarfsgerecht nicht mehr mit den Dreiachsern, sondern mit kleineren Gefährten bedient, wie diesem Opel Blitz. Das Bild dürfte im Omnibushof Blasewitz entstanden sein.




Mit der Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945 endete vorerst nach gerade einmal reichlich sieben Jahren der Omnibusverkehr auf der Hochebene. Erst 1958 kehrte er als Linie R wieder zurück, und zwar auf exakt der gleichen Strecke wie zuletzt von 1941 bis 1945.

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Will man heute mit dem Bus nach Rochwitz fahren, so kann man dies seit 2008 wieder vom Schillerplatz aus tun. Zuvor war die Verbindung, die bereits von 1937 bis 1941 und ab 1972 wieder bestand, für dreizehn Jahre „baubedingt“ unterbrochen, und die 84 erreichte man erst an der Steglichstraße.




Haltestelle Blasewitz, Schillerplatz, Blick in östliche Richtung. Es herrscht vergleichsweise sonntägliche Ruhe, denn die meisten Geschäfte haben natürlich geschlossen.




Lang ist die Liste der hier haltenden Linien, auch wenn die Straßenbahnherrlichkeit in Blasewitz seit Einstellung der Pillnitzer Strecke 1985 doch stark gelitten hat. So sind es vor allem Kraftomnibusse, die den Platz bevölkern, darunter auch etwas versteckt unsere kurze Vorstadtlinie 84, die seit Dezember 2008 verknüpft mit der RVD-Linie 309 und weiter von Rochwitz über Gönnsdorf nach Bühlau verkehrt.




Wir passieren den Körnerplatz ausnahmsweise einmal ohne größeres Brimborium…




…und fahren zunächst die Grundstraße hinauf bis zur Steglichstraße. Ein Blick auf das Trafohäuschen, das auch als talwärtiges Haltestellenhäuschen dient, lohnt, erfährt man hier doch Wissenswertes über die Geschichte des Loschwitzgrundes.






In der kleinen Busschleife an der Steglichstraße endete die Linie 84 zunächst infolge der langwierigen Bauarbeiten auf der Grundstraße zwischen 1995 und 2008. Heimlich, still und leise machte man diese wenig fahrgastfreundliche Einkürzung dann permanent und verwies lapidar auf die Umsteigemöglichkeit zur 61. Erst die Linienverknüpfung mit der 309 Ende 2008 bescherte den Rochwitzern und Oberloschwitzern wieder eine direkte Anbindung an die Ortsteilzentren im Tal, was sehr zur Attraktivitätssteigerung der Linie beigetragen hat.




Grundstraße mit bergwärtiger Haltestelle Steglichstraße der Linien 61 und 84/309.




Weiter geht es die Grundstraße hinauf, nun aber per pedes. Vor uns taucht die nächste Haltestelle Tännichtstraße auf, die ursprünglich nur in Talrichtung bedient wurde.




Haltestelle Tännichtstraße, dahinter das „Schweizerhaus“, 1892 als Armendomizil durch einen gewissen Herrn Leonhardi, ortsansässiger Philanthrop und Fabrikant, gestiftet.




Hier zweigt die 84 von der Grundstraße ab und erklimmt die Hänge nach Oberloschwitz. Das
Gasthaus „Zur Eule“ entstand bereits im 15. Jahrhundert und gilt als eines der ältesten noch existenten Schankhäuser in Sachsen. Heute dient es leider nur noch als Mietgasthof, ein regelmäßiger Wirtschaftsbetrieb findet nicht mehr statt.




Die „Eule“ in (für sie) besseren Tagen.




Noch einmal ein Blick auf das Schweizerhaus. Mit diesem fast hochalpinen Motiv verlassen wir die Grundstraße und klettern die Tännichtstraße bergan.




Diese steigt steil nach Oberrochwitz bergan und flankiert dabei das namensgebende „Rochwitzer Tännicht“, ein kleines Waldstück zwischen Oberloschwitz und Rochwitz. Über das alte Pflaster dürften Ende der dreißiger Jahre auch schon die schweren Büssing-Dreiachser geholpert sein. Rechts die beginnende Scharfensteinstraße.




Der Bus erklimmt nun die Scharfensteinstraße, hier die gleichnamige Haltestelle. Bis 1967 hieß die Straße „Kattowitzer Straße“ und wurde, wie auch die anschließende Valtenbergstraße (ex Königshütter Straße) wegen ihres „revanchistischen“ Namens umbenannt. Dies galt auch für zahllose andere Straßen in Rochwitz und Bühlau, die ursprünglich nach ost- und nordostdeutschen Städten und Ortschaften benannt waren.




Wir haben Glück und können trotz des herrschenden Halbstundentaktes an einer der interessantesten Stellen der Linie gleich zweimal das nahverkehrliche Geschehen dokumentieren. Die 309 fährt bergwärts und ist falsch beschildert, denn eigentlich müsste sie einen Verweis auf die inkorporierte 84 in der Zielanzeige tragen! Bis 2008 fuhr die Linie 309 unabhängig vom städtischen Busverkehr die Grundstraße weiter bergan nach Bühlau, seitdem nimmt sie den Umweg über Oberloschwitz und Rochwitz und ist mit der 84 vertaktet.




Doch damit nicht genug: Auf der steilen Serpentine der Scharfensteinstraße kommt uns noch eine „echte“ 84 auf ihrer Talfahrt nach Blasewitz entgegen!




Der Bus biegt nach Ende der Steigung links in die Valtenbergstraße ab. Exakt die gleiche Route nahm von 1937 bis 1941 auch die Linie C. Den ohrenbetäubenden Lärm der sich den Berg hinaufquälenden schweren Dreiachser kann man sich lebhaft vorstellen!




Valtenbergstraße, 1926 bis 1927 Königshütter Straße. Vor der Eingemeindung von Rochwitz 1921 hieß sie Lindenstraße. Vorstädtisch-idyllisch geht es auf dem Plateau zu. Erst seit 1972 folgt die 84 hier den Spuren der alten „C“, vorher pendelte sie nur zwischen Oberer Station und Rochwitz.




Der Bus folgt nun der Wachbergstraße, bis 1926 Hauptstraße.




Haltestelle Zweibrüderweg. Die Haltestellenlagen wurden 1972 völlig neu eingerichtet und entsprechen im Gegensatz zur ansonsten identischen Streckenführung, nicht denen vom Ende der dreißiger Jahre.




Wachbergstraße, im Hintergrund das Rochwitzer Tännicht.




Nun biegt der Bus scharf nach rechts in die Roseggerstraße ein. Gleich verlassen wir Rochwitz und sind wieder in Loschwitz.




Ankunft in Oberloschwitz. Links geht es direkt über die Krügerstraße nach Rochwitz. Diesen Weg nahm von 1937 bis 1941 die Linie C, die 84 von 1972 bis 1982. Ab 1982, zwei Jahre vor der Einstellung der Schwebebahn, wurde die von 1941 bis 1945 und 1958 bis 1972 bestehende Schleifenfahrt über Obere Station Schwebebahn wieder eingeführt, aber damals nur in Richtung Rochwitz befahren. Daher biegt die 84 jetzt zunächst nach rechts ab, um in etwa 5 Minuten nach Beendigung ihrer Oberloschwitz-Zirkelei an dieser Stelle wieder anzukommen und dann linkerhand nach Rochwitz zu düsen. Heute wird die Schleife nur von der 84, nicht aber der 309, dafür aber in beiden Richtungen befahren, denn die Regionalbusse biegen direkt nach Rochwitz ab und lassen die „Obere Station“ außen vor. Also irgendwie verwirrend, das Ganze…



Krügerstraße mit Haltestelle Amselsteg.





Hier beginnt die eigentliche Schleifenfahrt. Die Busse biegen in die vor uns liegende Malerstraße ein und erreichen dann über die Sierksstraße die Obere Station der Schwebebahn. Zurück geht es über Oeser- und Krügerstraße, sodass der Bus dann am linken Bildrand wieder erscheinen würde…




Villa Malerstraße 1.




Haltestelle Malerstraße am Sierksplatz, der einen Spielplatz für die örtliche Nachkommenschaft beherbergt.




Blick in die Sierksstraße, die bis 1927 Metzschstraße hieß.


Die sehr schmale Sierksstraße stellt eine Herausforderung für alle Verkehrsteilnehmer dar. Gottseidank kommt hier nur zweimal stündlich ein Bus vorbei…




Malerisches Ambiente: Stützmauern und Gartenpavillon in der Sierksstraße. Wir nähern uns der Oberen Station.




Da ist sie. Wir aber lassen die zweifelsohne verkehrs- und technikgeschichtlich hochattraktive Anlage rechts liegen und widmen uns dem schnöden Busverkehr.




Idyll an der Sierksstraße, Blick zurück.




Das Ödland neben der Oberen Station harrt weiter einer Nutzung. Bis 1968 konnte man hier in der „Loschwitzhöhe“ bei Kaffee, Kuchen oder einem Gläschen Bier den wunderbaren Blick über das Elbtal genießen. Der schlechte bauliche Zustand sorgte für die Schließung der beliebten Gastronomie, das Gebäude wurde schließlich 1977 abgerissen. Ein Wiederaufbau wird immer mal wieder diskutiert und wäre der Wirtschaftlichkeit der Schwebebahn sicher nicht abträglich.






Schließlich wurde die Gaststätte gemeinsam mit selbiger errichtet, denn schon damals war man sich im Klaren, dass das spärliche Hinterland allein kaum zu einer nennenswerten Auslastung der teuren Anlage führen würde. Vor demselben Problem stehen die DVB noch heute, denn es fehlen für Ausflügler attraktive Ziele im verschlafenen Oberloschwitz.




Wir machen erst einmal Rast.
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Mit dem Kraftomnibus nach Rochwitz (Teil II)

Zu Beginn von Teil II die obligatorische Verkehrsgeschichte in Dokumentenform. Erst 1958 standen genügend Fahrzeugreserven zur Verfügung, um den Rochwitzern wieder einen Nahverkehrsanschluss zu ermöglichen. Die Busse der Linie R pendelten dabei die ersten Jahre nur zwischen Oberer Station Schwebebahn und Rochwitz, wo sich der Endpunkt wie früher auf der Bühlauer Straße befand. Fahrplan aus dem Eröffnungsjahr.




1965 erhielt die „R“ wie alle Omnibuslinien eine Nummer. Die „84“ behielt sie bis heute.




Die 84 noch in Originalform, Stadtplanausschnitt von 1969. Drei Jahre später erfolgte die Verlängerung zum Schillerplatz, und die Schleifenfahrt zur Oberen Station, und damit auch der Anschluss zur Schwebebahn, entfiel. Diese verlor damit einen Gutteil ihrer regelmäßigen Nutzerschaft. Es gab damals tatsächlich ernsthafte Bestrebungen zu einer Stillegung dieses einzigartigen verkehrstechnischen Denkmals…




Haltestelle Obere Station Schwebebahn, wie bereits mehrfach beschrieben Endpunkt der Linie C ab 1941 und nach Wiedereinführung des Omnibusverkehrs auf der Höhe ab 1958 auch der damals neuen Linie R, die ab 1965 als „84“ bezeichnet wurde.




Als 1984 die Schwebebahn wegen der dringend nötigen Erneuerung der Wagen und des Traggerüstes (die bereits seit 1901 nahezu ununterbrochen ihren Dienst taten!) eingestellt werden musste, befuhr der Bus bereits zwei Jahre wieder die alte Schleifenfahrt, aber nur in Richtung Rochwitz.
Diese E84 aus dem Jahre 1984 dürfte einen anfänglichen „Schwebebahn-Ersatzverkehr“ belegen, der aber nie in den offiziellen Fahrplänen auftauchte und auch alsbald verschwand.




Weiter geht es am Hang entlang auf der Oeserstraße, an deren Ende…




…die „Schöne Aussicht“ grüßt, noch heute eine beliebte Ausflugsgaststätte und seit dem Ende der „Loschwitzhöhe“ quasi konkurrenzlos.






Der Freund betagter Stadtmöblierung kann hier am 2. Steinweg noch immer diesen Höhepunkt historischer Straßenbeschilderung bewundern. Das uralte Email-Schild stammt definitiv noch aus der Zeit vor der Eingemeindung 1921, denn es entspricht keinerlei Dresdner Beschilderungsnormen.




Über die Krügerstraße kehren wir zur Einmündung der Malerstraße zurück, womit sich die Schleifenfahrt dann schließt.




Hier schickt sich eine in Richtung Rochwitz und Bühlau fahrende 84 an, die Schleife zu bewältigen. Gleich wird sie in der Malerstraße sein.




Zurück an der Haltestelle Amselsteg. Wir nehmen die gerade gesehene 84 und fahren mit dieser durch das Tännicht nach Rochwitz. Dabei schenken wir uns die von Einfamilienhäusern geprägte Umgebung der Haltestelle Kotzschweg – der geneigte Leser möge es nachsehen.




Haltestelle „Auf der Höhe“ in Ober-Rochwitz. Wir blicken von der Krügerstraße hinunter zum Loschwitzgrund, der gleichzeitig die nördliche Grenze von Rochwitz mit Bühlau bildet.




Die Haltestelle „Auf der Höhe“ Richtung Loschwitz ist durchaus sehenswert. Man beachte vor allem die Bestuhlung im aufgehübschten alten DDR-Betonwartehäuschen, die sicherlich durch Anwohner erfolgte. Vandalismus scheint auf der Hochebene noch völlig unbekannt zu sein.




Annäherung an Altrochwitz, links die neu eingerichtete stadtwärtige Haltestelle „Hutbergstraße“. Bemerkenswert die Architektur des Schulhauses – es geht also auch ohne Flachdach und vor allem auch ohne liegende Fensterbänder!




Dafür musste allerdings 2016 das historische Rochwitzer Schulhaus weichen. Der Uhrengiebel wurde als Denkmal zur Ortsgeschichte umfunktioniert – eine nette Idee!




Daneben am Rodelweg findet sich diese alte Wegmarke.




Vergleichsblick hinein nach Altrochwitz.






Das 1986 abgerissene alte Rochwitzer Schulhaus.




Die noch ganz frische aktuelle Situation. Bei der Haltestelle „Hutbergstraße“ in Richtung Bühlau handelt es sich um die ehemalige Ausstiegshaltestelle aus der Zeit, als die Busse nur bis Rochwitz fuhren. Die Blockumfahrung durch den Ortskern wurde allerdings wegen der Einbahnstraßenregelung beibehalten.




Gegenüber liegt der ehemalige Gasthof des Dorfes.






Gasthof Rochwitz auf einer alten Postkarte.




Wir biegen in die Gönnsdorfer Straße ein, einst Teil der Wendefahrt.




Für die 84 geht es heute geradeaus weiter nach Gönnsdorf, in der Gegenrichtung fahren die Busse durch die Bühlauer Straße, in die sie bis 2008 aus der Blickrichtung nach rechts einbogen. Die Haltestelle bestand damals noch nicht.




Zwei Bilder des ehemaligen Endpunkts Rochwitz, heute Haltestelle Rochwitz, Bühlauer Straße in Richtung Blasewitz. Diesen Namen trug die Haltestelle bereits beim kurzen Intermezzo der Linie C von 1937 bis 1945.






Straßenschild, vermutlich aus den dreißiger Jahren, in der Bühlauer Straße.




Über Altrochwitz kehren die Busse zur Krügerstraße zurück. Fachwerkhäuser des alten Dorfkerns. Ersterwähnt wurde der Ort bereits 1378 als Rochewicz oder auch Rochewitz. Wie nahezu immer im Dresdner Raum ist der Name slawischen Ursprungs und bedeutet wohl „Dorf des „Roch“ – die Namensgebung nach Lokatoren ist die wohl meistverbreitete Art der Namensgebung unter den ehedem selbstständigen slawischen Dresdner Stadtdörfern.




Unser Bus kommt aus Bühlau und wir verabschieden uns aus Rochwitz – nicht ohne abschließende verkehrshistorische Betrachtungen.





Diese versetzen uns in das Jahr 1972. Die 84 wurde in jenem Jahr auf dem alten Linienweg der „C“ nach Blasewitz verlängert. Der Stadtplanausschnitt von 1977 belegt die neue Situation. Die 1982 wieder eingeführte Schleifenfahrt in Oberloschwitz schaffte es merkwürdigerweise nicht auf die Stadtpläne aus DDR-Zeiten…




Der Fahrplan der verlängerten 84 von 1972.




Fahrplan von 1982 – wieder mit Schleifenfahrt über Obere Station. Die 84 wurde seitdem quasi als „Ringlinie“ Blasewitz – Obere Station – Rochwitz – Blasewitz ohne Wendezeit in Rochwitz betrieben.




Und zu guter Letzt das Beste vom Besten: das Linienschild. Es ist ein in vielfacher Hinsicht bemerkenswertes Exemplar. Zum ersten ist auffällig, dass die sehr kurze Vorstadtlinie Schilder mit Haltestellenlisten erhielt – eigentlich unüblich. Der aufmerksame Betrachter wird außerdem feststellen, dass auf der Vorderseite als Endpunkt „Blasewitz“ angegeben ist, auf der Haltestellenseite aber „Schillerplatz“. Die Anschlüsse wurden leider nach 1985 korrigiert – am Schillerplatz wurde aus der 15 eine 18 gemalt und die 4 weggekratzt, am Körnerplatz mutierte die 15 zur 85 und die 4 verschwand ebenfalls – Zeugnisse der Stilllegung der Straßenbahnstrecke über das „Blaue Wunder“. Die Siebvorlage dürfte mit einiger Sicherheit aus der Mitte der siebziger Jahre stammen.




Das Schild wurde also trotz der neuen Schleifenfahrt nach 1982 weitergenutzt. Bei den neuen Exemplaren ab Mitte der 1980er Jahre wurden die Fahrten über die Obere Station dann eingearbeitet, und die 84 bekam einmalige Schilder: Wegen der zahlreichen nur in einer Richtung angedienten Haltestellen verfügten diese nebeneinander über zwei getrennte Haltestellenlisten für beide Richtungen. Leider kann ich mit einem solchen Vertreter nicht aufwarten, es handelte sich aber wirklich um ein grafisches Kuriosum. Anbei ein Rekonstruktionsversuch der Haltestellenseite aus meiner kindlichen Erinnerung heraus. Vielleicht kann ja jemand zur Erhellung beitragen…

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Geändert von antonstädter (09.07.18 um 19:28 Uhr)
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Alt 09.07.18, 18:38   #36
BautzenFan
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BautzenFan könnte bald berühmt werden
Vielen Dank wieder einmal an antonstädter für die sehr interessanten und sehr informativen Beiträge.

Zitat:
Dafür musste allerdings 2016 das historische Rochwitzer Schulhaus weichen. Der Uhrengiebel wurde als Denkmal zur Ortsgeschichte umfunktioniert – eine nette Idee!
Zu diesem Schulhaus kann ich 2 Fotos vorstellen:

Aufnahme vor 1914:
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0511834

Aufnahme von 1986:
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0043029
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Alt 09.07.18, 19:34   #37
antonstädter
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^Danke Bautzenfan für die Ergänzungen! Ja, ein Schmuckstück war die Schule zuletzt sicher nicht mehr, dafür wurde wohl zuviel dran herumgedoktert. Dennoch ist der Abbruch bedauerlich, da es sich doch um ein tatsächlich ortsbildprägendes Gebäude handelte.

Immerhin hat man bei dem Neubau ausnahmsweise einmal etwas Gestaltungswillen bewiesen - auch wenn mir einige Details unklar bleiben, wie z.B. der signalorangene Eingangsbereich. Hat man Angst, dass die lieben Kleinen sonst die Tür verfehlen? Ich finde es etwas problematisch, wenn die Landeshauptstadt sich bei ihren eigenen Bauten derartige farbige Entgleisungen gönnt, andererseits aber Grundstücksbesitzern vorschreiben will, welche Fassadenfarben genehm sind - mit Verweis auf das zu schützende Ortsbild. Irgendwie macht man sich da doch unglaubwürdig...
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Alt 09.07.18, 21:53   #38
Elli Kny
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Auch meinerseits herzlichen Dank fürs Linienwerk - da baut sich allmählich und unter Annahme weiterer Lust und Energie - ein nahverkehrlicher Fundus auf, stadtgeschichtlich garniert, aktuell bildlich dokumentiert und kurzweilig unterhaltsam.

Zur Bebauung der Brache an der Loschwitzhöhe:
Also einem Wiederaufleben einer (größeren) Aussichts- und Ausflugsrestauration mag ich nicht viele Chancen geben - man denke an die folgerichtige Schrumpfung am Louisenhof, an das Bestehen der Gastwirtschaft der 'Schönen Aussicht' nahebei, der nie wiedergekehrten Burgbergwirtschaft sowie v.a. der allgemeinen Parameter der Gastro-Wirtschaft heute.
Vielleicht wäre eine Hotelwirtschaft in Kombi denkbar? Oder eine Mischung mit vorzüglichem Wohnen? Seis drum.
Ich würde mir dort durchaus einen größeren Baukörper a la Louisenhof wünschen - also quasi eine Nobelresidenz. Natürlich nicht so groß, daß es ein Störfaktor am Hang sein muß.
Kürzlich prüfte ich im Zuge meiner letzten Runden dort die Elbhang-B-Pläne im Th.stadtplan, um mal das Ausmaß noch möglicher Bebauungen herauszufinden. Das Fazit ist schnell erzählt: die in den B-Plänen ausgewiesenen und recht wenigen Baupotenzialflächen sind inzwischen nahezu bebaut, das Ding ist gelaufen, es gibt keine Drohkulisse eines ungeordneten 'Zubauens' des Elbhangs.
Genauer schaute ich an der Loschwitzhöhe, denn dort wurde nur eine Teilfläche mittig der stattlichen Brache als Baufläche festgesetzt. Der B-Plan 141 von 2006 (bearbeitet 2002) ist satzungsbeschlossen (rot) wie auch alle umgebenden - also rechtsgültig, was sonst in der Stadt beileibe nicht überall vorliegt (blau). Hier der Pdf-Direktlink zum reinzoomen und schauen. Nungut, die Baufläche ist ein etwas größeres Einzelhaus mit max. 2 Vollgeschossen. Unklar, was zu dieser Festsetzung führte. Man könnte damit leben, aber das große Gelände wäre recht minder genutzt.
Nun sehe ich, daß zudem ein vorhabenbezogener VB-Plan 679 - namens Loschwitzhöhe - exakt auf dieser Brache liegt, von 2008, nicht rechtsgültig. Möglicherweise gab es mal einen Projektanlauf zu dieser Zeit. Was dieser VB-Plan beinhaltet, bleibt wegen seiner Nichtdarstellung im Themenstadtplan (blau = nicht rechtsgültig, aber u.U. maßgeblich) unklar - es könnte durchaus um eine abweichende Bebaubarkeit gegangen sein. Der große B-Plan 141 muß nicht letzter Schluß sein.


Ein weiterer Punkt, den ich mal ansprechen möchte, sind jene Asphaltflicken auf mal beschädigter Altpflasterstrasse. Es wurde als schönes Beispiel hier die Tännichtstrasse gezeigt. Warum repariert man es nicht mit Pflaster und erhält damit die denkmalpflegerisch und stadtbildlich wertige Optik. Warum wird dies nicht auch mal Jahre später wieder korrigiert, sofern eine Strasse noch lange in Pflaster weiterbesteht wie am Beispiel? Man sollte sich mal was vornehmen seitens des Strassenbauamtes - und nicht wie angenommen weiter auf eine Asphaltsanierung anno unklar verweisen.

Geändert von Elli Kny (09.07.18 um 22:11 Uhr)
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