Dresden: Neumarkt

  • Bei der Konkurrenz kursiert eine Visualisierung zur Quartier VI Rückseite, gegenüber dem Kulturpalast:
    https://www.stadtbild-deutschl…ien-ag-im-bau/&pageNo=117


    Inwieweit es sich hierbei um einen ernsthaften Vorschlag handelt, kann ich nicht abschätzen. Ich halte ihn aufgrund seiner "hybriden" Art zwar für durchaus interessant, aber vollkommen unpassend am Neumarkt. Er führt die Rekonstruktion mal wieder ad absurdum. Sieht man vom zusätzlichen Geschoss ab, was durchaus im Laufe der Geschichte hätte in ähnlicher Form realisiert werden können - Beispiele dafür gibt es zahlreiche, stimmt an dem Bau eigentlich überhaupt nichts: Das Dach entspricht nicht der historischen Form, nichtmal einer Historisierenden und passt damit nicht zur Fassadenrekonstruktion, die um eine Fensterachse verkürzt und aufgrund der modernen Seitenwand wie aufgeklebt wirkt. Wenn man sich dazu die bisherigen "Rekonstruktionen" der USD am Neumarkt genauer anschaut (und anhört), kann man sicher auch Rückschlüsse auf die Bauausführung ziehen. Wenn das ganze dann nämlich noch in Styropor ausgeführt wird, lache ich mich schlapp :lach:

  • Arnold ich grübele auch schon die ganze Zeit, was ich von dieser pixeligen Visualisierung halten soll. Einerseits hatte ich mir die Rekonstruktion des Chiapponischen Hauses sehr gewünscht und bin durchaus erfreut, dass es nun doch wieder ins Spiel kommt. Andererseits bin ich schockiert, wie unverfroren die USD bzw. die Patrizia mit der Fassade umgeht. Abgesehen davon, dass aus einem Haus in der Reihe ein Eckhaus wird (dafür können die natürlich nichts). Viel gravierender ist aber die vollkommene Umkehrung der Fassadenproportion von einem langgestreckten palaisartigem Charakter hin zu einem hochformatigen Bild. Das Ergebnis wäre maximal historisierend, keinesfalls aber eine Rekonstruktion im engeren Sinn.
    Ich bin wirklich der Letzte der auf die Stadtplanung einprügeln möchte, doch ich verstehe hier die Entscheidungsgrundlagen überhaupt nicht. Das Chiapponische Haus war als Fassadenrekonstruktion festgelegt. Aus für mich absolut nicht nachvollziehbaren Gründen wurde die Fassadenlänge an der Frauenstrasse eingekürzt. Nun darf (?) der Investor die Fassade aufstocken und gleichzeitig um eine Fensterachse kürzen?! Ich verstehe nicht, warum sich die Stadt diese unnötige Thematik ins Haus holt.

  • @ Arwed


    weil die Stadt seit Jahren alles unternimmt, um den historischen Wiederaufbau zu hintertreiben oder lächerlich zu machen.


    Das Chiapponische Haus war nicht nur Leitfassade, sondern sogar Leitbau, auch wenn das alles in Dresden nix heißt. Klammheimlich hat man die Fassadenbreite gekürzt, bemerkt hat das lange Zeit niemand. Nötig war das ganze nicht, man hätte die komplette Länge der Fassade durchaus rekonstruieren können, nur nach hinten wäre das Grundstück etwas spitzer zugelaufen, da die Grundrisse aber eh nicht rekonstruiert werden, wäre es völlig egal gewesen.


    Aber das wollte man nicht, hatte aber nicht damit gerechnet, dass der Investor so zäh am "Leitbau" festhält.


    An sich ist der Bau nun weniger als Rekonstruktion, sondern vielmehr als historisierende Variante des Vorgängers zu sehen. Mit der Aufstockung kann ich leben, dass hat es historisch betrachtet am Neumarkt vor 45 sehr häufig gegeben.


    Die Dachform ist schon eher ein Problem, die fehlende Achse hingegen macht den Bau fast schon wieder interessant, weil sie den ganzen Irrweg der Verwaltung auf den Punkt bringt. An sich macht diese Verkürzung den Bau nämich aufgrund der Asymmetrie optisch fast noch älter als er war, weil es wie eine Zusammenlegung zweier Fassaden aussieht, die zu einem Bau zusammen gefasst wurden. Historisch kam auch das am Neumarkt vor.


    Was mir Sorgen macht, ist die moderne Seitenwand, die die historiche Fassade in der Tat wie eine Tapete aussehen lässt. Vermutlich ist das der Grund, warum man im SPA den Entwurf hat durchgehen lassen, weil man gerade diese Tapetenwirkung wollte um den Bau als Fake vorzuführen. Würde zu der Einstellung der Leute dort passen.


    Bringen wird es aber nix. Bei der nächsten Renovierung wird nämlich eher die moderne Seite historisiert als dass man die historisierende Fassade abschlägt. So ist ist der Bau eben als zur Hälfte fertig zu betrachten und ein Sinnbild für so manche Absurdität auf diesem Areal.

  • Odysseus
    Zum Status des Chiapponischen Hauses muss ich Dir widersprechen. Das war noch nie ein Leitbau, leider immer nur Leitfassade (https://www.dresden.de/media/p…nzept__Fortschreibung.pdf). Ist aber jetzt auch egal.
    Ich kann mit der ganzen Verschwörungstheorie bezüglich des Stadtplanungsamtes zum Neumarkt wenig bis nichts anfangen. Sicher tobt da seit etlichen Jahren ein Kampf zwischen den Einen (GHND), die den Neumarkt möglichst komplett rekonstruieren möchten und den Anderen (Stadt, Architekten), die auch moderne Akzente setzen wollen. Konfliktpunkte hat man besonders an den Schnittstellen zu den Gebäuden aus DDR-Zeiten.
    Beim Chiapponischen Haus wäre eine Seite ja auf jeden Fall modern geworden. Hier wäre die Chance zu einer wirklich intelligenten Begegnung der beiden Tendenzen da gewesen. Aber durch die vollkommen intransparente Einkürzung der Fassade ohne jegliche stichhaltige Begründung bei gleichzeitiger Zustimmung zum Bau einer zusätzlichen Etage ist diese Gelegenheit verstrichen.
    Das gestern gezeigte Haus sieht sehr gewöhnungsbedürftig aus. Die Gedanken, dass es aussehen würde wie später aufgestockt, sowie asymmetrisch wie aus zwei Gebäuden entstanden, klingt für mich wie an den Haaren herbeigezogener Unsinn. Man kann sich jeden Mist zurecht biegen. Es ist doch nicht zuviel verlangt, hier einfach ein ästhetisches Gebäude zu errichten.

  • @ arwed


    würde man einfach das, was eigentich geplant war, umsetzen, gäbe es gar keine Diskussionen. Dann hätte man hier das Chiapponische Haus rekonstruiert.


    Aber genau das ist doch das Problem. Lese dir die Gestaltungssatzung mal durch. Nichts von dem, was eigentlich rechtsgültig hätte beschlossen werden müssen, wurde doch je umgesetzt.


    Das fängt bei nicht erfolgten Rekonstruktonen an, die eigentlich hätten welche sein müssen. Und das geht bei allem anderen weiter. Ich sage nur Fensterformate, verwendete Materialien, Farbe der Dächer, Farbkarten für die Fassadenfarbe. Nichts davon wurde umgesetzt.


    Und das Groteske ist doch, dass es nicht an den Investoren lag. So wollte die Baywobau damals das QIII genau nach den Vorgaben der Gestaltungssatzung wiederaufbauen, durfte aber nicht. Gleiches gilt für Herr Kimmerle im QVII.


    Man sollte sich vielleicht vorher etwas informieren, bevor man seine Beiträge schreibt. Denn jeder, der die Verantwortung für die Misstände sehen will, kann die Schuldigen relativ schnell ausmachen. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Medien, diese Dinge aufzudecken und kritisch zu begleiten. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Politik, die Verwaltung zu kontrollieren. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Wissenschaft, zum derzeitigen Architekturdiktat alternative Angebote zu machen, damit Bürger wieder eine echte Wahlalternative aus verschiedenen Angeboten haben.


    Aber leider ist dies aktuell nicht möglich. Die Medien sind ein Totalausfall, die Politik kreist um sich selber und wenn man manchmal hört, wie abschätzig über die Bürger geredet wird, die ja keine Ahnung haben, was modernes Bauen ist, verwundert mich aktuell nicht, warum alles rundherum zusammen bricht.


    Und letztlich hat auch die Wissenschaftselite völlig versagt. Man hat ein Konzept seit den 20-er Jahren zum Dogma erklärt, ohne anderen Strömungen die Chance zu geben, sich zu manifestieren. Eine Elite, die bei jeder sich bietendenden Gelegenheit postuliert, wie tolerant und offen man doch für Fremdes sein soll, ist in Wahrheit doch unglaublich eng und intolerant geworden.


    Das Ergebnis sehen wir beispielhaft am Neumarkt, wo in großer Zahl die Bürger gegen diese Kombi aus Medien, Politik, Vewaltung und Wissenschaft agieren müssen. Gleiches gilt aber ja für viele andere Städte auch.


    Mit Toleranz, Akzeptanz, Ausgleich und Pluralität hat das jedenfalls nichts zu tun. Und das macht die Gräben immer tiefer und tiefer.

  • Odysseus
    Deinen Vorwurf, dass ich mich erst einmal besser informieren sollte, finde ich durchaus belustigend, beschäftige ich mich doch seit über 20 Jahren intensiv mit dem Bauen in Dresden und insbesondere am Neumarkt. All Deine "Argumente" sind mir seit langer Zeit bekannt. Allerdings fehlt mir für für vieles davon jeglicher Beleg. Nehmen wir die von Dir erwähnten Quartiere III und VII. Ich weiß durchaus, was in den Internetforen dazu geschrieben wurde, doch kennst Du denn die Vorgänge zu den einzelnen Quartieren aus persönlichem Einblick? Ich jedenfalls nicht und mir fällt auch wenig erhellendes ein, was jemand dazu berichtet hätte, der tatsächlich beteiligt war. Also bitte: Falls Du hier nichts wirklich fundiertes vorbringen kannst, am Besten zum Quartier VIII, würde ich Dich bitten Dein Geraune für Dich zu behalten oder es wenigstens als solches zu kennzeichnen.
    Im Übrigen kann ich nichts problematisches daran finden, dass eine Baubehörde das Bauen in der Stadt plant und verwaltet, dass Investoren Geld verdienen wollen und es auch tun, sowie dass die Bürgergesellschaft ihre Bürgerrechte einfordert und bekommt. Es gibt immer wieder Punkte wo es klemmt, doch in der Regel kommen alle Akteure zu ihrem Recht!

  • @ Arwed


    ich stand mit Herr kimmerle in persönlichem Kontakt. Daher kann ich durchaus meinen Senf aus erster Hand dazugeben;)


    Zur Baubehörde. Nach meinem Staatsrechtwissen ist auch diese Baubehörde ein ausführendes Organ. Sie führt Gesetze aus. Sie macht aber keine. Und genau das ist das Problem. In Dresden hat sich die Behörde verselbstständigt und macht einfach, was sie will. Wie sonst ist zu erklären, dass Satzungen völlig ignoriert werden.


    Gleiches gilt für die Gestaltungskommission. Wer sind diese Leute, wie kommen die Ergebnisse zustande? Nichts davon wird transparent der Öffentlichkeit mitgeteilt.

  • Odysseus
    Zuerst einmal: das von der Familie Kimmerle errichtete Quartier zählt für mich zu den Glanzpunkten am Neumarkt. Die von Herrn Kimmerle vorgestellten eigenen Entwürfe für die Rosmaringasse fand ich aber eher peinlich und bin sehr froh, dass diese nicht realisiert wurden. Interessant zu wissen wäre für mich, ob Herr Kimmerle den 2. Preis im Fassadenwettbewerb von Schubert + Horst vorgezogen hätte oder eine andere Arbeit, sowie ob er an der Auswahl der am Wettbewerb teilnehmenden Architekten beteiligt war.
    Deine Aussage beinhaltet ja erstmal nur, dass Du Herrn Kimmerle kennst.
    Also gut: Ich hatte schon Kontakt zu Frau Nalbach und Herrn Glaser von der Gestaltungskommission, sowie zum Stadtplanungsamt. Habe ich das Spiel jetzt gewonnen?

  • Die USD hat heute eine Pressemitteilung über das Chiapponische Haus rausgegeben mit mehr Details und einer besseren Visualisierung.
    In der DNN war sie kurz zu sehen, ist aber nun wieder weg:
    http://www.dnn.de/Dresden/Loka…nischen-Hauses-in-Dresden


    Bei einer Google Suche sieht man ganz klein noch die Visualisierung
    https://www.google.de/search?q…q=usd+chiapponischen+haus


    Es wird unter anderem erläutert wie es zu dem jetzigen Entwurf kam und das man dem Stadtplanungsamt für die Zusammenarbeit dankt.
    Auf Anregungen der GHND hat die USD sich für die Fassade mit dem schönen Erker eingesetzt.
    Man hat sich darauf geeinigt, dass auf Grundlage des Wettbewerbgewinners die Fassade zur Frauenstraße historisch gestaltet werden kann. Daher das Zusatzgeschoss. Der Übergang von historisch zu modern sollte klar sichtbar sein.
    Zum Kulturpalst hin ist es der Entwurf des Wettbewerbgewinners.

  • In der SZ ist mittlerweile ebenfalls ein Artikel zum Chiapponischen Haus erschienen: http://www.sz-online.de/nachri…sche-fassade-3544093.html
    Auch auf die Gefahr hin, mir selbst zu widersprechen: ich fange an Gefallen an dem Entwurf zu finden. Anfangs waren mir die Änderungen einfach zu krass, doch mittlerweile finde ich es zumindest interessant. Klar, man kann nicht mehr von einer Rekonstruktion des Chiapponischen Hauses sprechen, dafür sind die Überformungen der Fassade zu extrem. Doch wird eben doch die einstige Fassade am originalen Ort wiederaufgebaut und in etwas komplett Neues integriert.
    Ich vermute, dass eine genaue Reko des Hauses eben auch nicht gut geworden wäre, weil dem Haus sein bedeutender Nachbar gefehlt hätte, der die Ecke ausbildete. Das muss nun das neue Chiapponische Haus übernehmen und braucht dazu etwas mehr städtebauliches Gewicht.
    Im Detail habe ich überlegt, ob die neue Fassade an der Galeriestraße nicht ohne die angedeutete Schnittfläche in das zusätzliche Geschoss an der Frauenstrasse übergehen sollte. Vielleicht würde das die beiden Fassaden harmonischer miteinander verklammern. Der rekonstruierte Fassadenteil wäre dadurch auch klarer gegenüber den neuen Teilen ablesbar. Die neuen Teile könnten eventuell auch z.B. in Naturstein von den Putzfassaden der Rekonstruktion abgesetzt werden?

  • ^ Geht mir genauso: Vor allem das Dach gefällt mir in HQ deutlich besser - das gebrochene Dach war in der ersten Abbildung nicht sichtbar. Die modernen Gauben sind allerdings im Verhältnis zur Dachfläche zu große. Hier könnte man nochmal nacharbeiten.
    Beim Übergang zum modernen Teil des Gebäudes bin ich mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Zum einen gefällt mir die Idee der "harten Kante" und der dadurch sofort sichtbaren "hybriden" Art des Gebäudes. Andererseits wirkt es dadurch tatsächlich etwas entwurzelt - eben weil der Abschluss des Gebäudes bzw. der Nachbar ganz offensichtlich fehlt...

  • Nachtrag zur GHND-Veranstaltung "Wie weiter an Neumarkt"


    Die SäZ hat zwar auch einen Artikel gebracht, aber lediglich kurzgehalten mit technischen Daten. Die lassen mal eben die mE sehr bemerkenswerte GHND-Veranstaltung untern Tisch fallen. Wovor haben die Angst? Man kann doch neutral berichten, was dort stattfand.


    Die DNN haben dankenswerterweise die Veranstaltung im Stadtmuseum ausführlich beleuchtet, deren Artikel mit der Chiappo-Visu ist aber nun auch vom Netz gegangen. Im Nebenforum APH hat es bilderbuch wenigstens kurz zitiert. Es wurde erstmalig richtig brenzlich fürs SPA. Darauf sollte man nun zunächst hinweisen und dann daran anknüpfen.


    Weder GHND oder auch der Verein StadtbilDD scheinen diese Vorlage nutzen zu wollen: keine Nach-Infos zur Veranstaltung auf deren Webseiten. Die GHND verweist gar auf die schweigsame SäZ. Nunja, vielleicht kommt noch was.


    Ich möchte daher noch was zur GHND-Veranstaltung "Wie weiter an Neumarkt" sagen.
    - der Festsaal war brechend voll, was Moderator D. Guratzsch sehr lobte und für andere Städte fast ausschloß
    - es fehlte der KIB-Investor, was logisch war, aber leider auch der BauBM, was einem Fauxpas gleichkommt
    - im Saal sah man zahlreiche Honoratioren aus Politik, Kultur und Bürgerschaft
    - das Podium bildeten alle baupolitischen Sprecher der Parteien im Stadtrat sowie SPA-Amtschef Szuggat
    - die Redebeiträge vom Podium und später auch aus dem Publikum waren mE diesmal von erstaunlicher Sachlichkeit und Fundiertheit - nicht wie sonst so
    - es ging um 3 Streitthemen: KIB-Projekt, Chiappo und ums Narrenhäusel
    - man kam sehr oft auf den genauen Streitpunkt, der Herr Guratzsch filterte mehrmals und treffsicher nach, falls Antworten zerfaserten
    - es war durchweg zivilisiert und geordnet, es dauerte kurzweilige 3 Stunden


    Nun zum Eigentlichen: Das Stadtplanungsamt in persona Hr. Szuggat (in Teilen auch andere Amtsbereiche) wurde mE seit Langem erstmalig in einer solchen Veranstaltung argumentativ-korrekt zur direkten Stellungsnahme herausgefordert und tatsächlich in die Enge gedrückt. Herr Szuggat als kampferprobter Kritikprellbock mußte allein der Vorwurfsflut wiederstehen und diese fundiert "aushebeln", wie er es mal kurz wohl versehentlich nannte. Dies gelang aber diesmal kaum, denn die Argumente der Kritik waren stärker - wohlweisslich nicht aufgrund des Stimmungsproporzes im Saal.


    Es kam die deutliche Ansage an Herrn Szuggat, doch endlich mal seine v.a. weiblichen Mitarbeiter der Leitungsebene unter ihm, in den Griff zu bekommen. Man kam also in zB diesem Punkt zu einem Kern des Übels. Es wurden auch Namen genannt, wie Frau Heckmann sowie vormalige Frau Barbara Engel, auf die zahlreiche Fragwürdigkeiten bis Fehlentscheidungen projiziert sind. Herr Szuggat ist bekannt als VERwalter, aber kaum als GEstalter, die Damen und Herren unter ihm haben zuviel freies Geleit und damit Macht.
    In anderen Punkten kam Widerrede gegen SPA/Szuggat gar vom einstigen BauBM Just. Egal.
    Herr Szuggat, sonst so eloquent in Bauordnungs-, Verwaltungs- und Rechtsfragen, konnte keine ausreichenden Argumentationslinien aufbauen, um beabsichtigte Verwahrung seines Amtsbereichs vor erfolgter Kritik zu erreichen. Seine Aussagen wurden mit dem Abend immer schwächer und mitunter bemüht, wenn er sagte, das KIB-Haus entspreche den Vorgaben des städteb.-gestalt. Konzeptes. Weils mit der Detailschärfe ins Eingemachte geht, kam von ihm plötzlich ein amts-"internes Regularium" aus dem Diskursgulli, welches ja die Randzone des Neumarktes um den Kulti gesondert steuere. Aha. Kann das hier mal jemand erläutern und ne Quelle angeben?
    M.E. wurde damit erstmalig und v.a. öffentlich das dresdner SPA mit seiner Amtsführungsebene entlarvt und bloßgestellt. Bisher ging dies stets in Palaver, Fachferne oder falscher polit. Correctness schief oder unter.


    Ich mach mal nen Punkt. So oder so ähnlich gings fast 3 Stunden lang. Für mich war es mE die gelungenste "Streit"-Veranstaltung der GHND.
    Herr Szuggat ist nunmehr zB konkret und öffentlich aufgefordert, Ordnung in seinen Laden zu bringen und v.a. "seine Damen" zurecht zu weisen. Das sollte im Auge behalten werden.


    Ich sehe eine große Chance, dort anzuknüpfen, wo die Veranstaltung endete.
    Dazu sollte sie wenigstens mal ordentlich aufbereitet sein, was ich hier allein nicht stemmen kann. Gibts noch weitere Anwesende hier, die Ergänzendes schreiben können?


    Jetzt aber noch zu meinen Fotos aus der GHND-Veranstaltung.




    Vielleicht hätt' man doch die Seitenflanke des Kulti abknabbern sollen? :einlichtgehtauf:
    Man sieht mE auch, daß am Jüdenhof-Eck ebenso Grundfläche reduziert wurde - oder?


    Und hier noch die USD-Visualisierung zum Chiapponie-Häusel.
    Ich finde es super so. Begründet haben es schon andere - zB im APH-Forum.
    Nunja, mal sehen wann die Lokalpresse wieder Bilder und Artikel dazu bringen darf. :D

    ^ Bildquelle siehe im Foto unten rechts

  • Hier zur Ergänzung noch der Link zum Panorama in der Frauenstraße auf Arstempano. Innerhalb des Platzhalters steckt noch unser Modell des ursprünglichen Gebäudes von 1760/61 drin. Diesbezüglich werde ich bis Anfang des Jahres das Modell noch einmal anpassen. In der zugehörigen Infokarte ist dann auch noch der hist. Grundriss des Hauses zu finden. Die Abbildung stammt ebenso aus der Infokarte (Bild ist von mir/arte4D)


    2 Mal editiert, zuletzt von calabrone ()

  • calabrone
    Ich hätte mal eine Frage zum Dinglingerhaus in der Frauenstrasse: Bei Euch wird es mit Putzspiegeln dargestellt, beim Investor und beim SPA mit Stockwerksgesimsen. Sind beide Varianten historisch verbürgt?
    Dann würde mich noch sehr interessieren, wie Ihr mit Eurer langjährigen Beschäftigung mit diesem Haus die nun vorliegende Planung zur Rekonstruktion des Chiapponischen Haus einschätzt.

  • Vor 1945 hatte das Dinglingerhaus keinerlei Fassadenbemalung mehr, ebenso wie die meisten anderen Bürgerhäuser. Die Stockwerksgesimse gab es nur über EG und 1. OG. Unsere Vermutung war, dass sie ursprünglich komplett vorhanden waren, aber 1760 beschädigt wurden und nicht wieder hergestellt worden sind. Damit es dann nicht so nackt aussieht, würde ich schon vermuten, dass Spiegelfelder aufgemalt waren. Wir haben die Bemalung dann in Analogie ergänzt. Zum gratzen und finden gab es ja nix mehr... Historische Abbildungen der Zeit vor 1880 gibt es leider nicht. Fassadenbemalung hatte sich im übrigen so gut wie nirgendwo erhalten. Selbst Schloss Moritzburg war einfarbig. In der Königstraße ist ein Teil der Fassaden aufgrund restauratorischer Befunde in den 90igern wiederhergestellt worden, andere wurden nach Analogie bemalt, da hist. Putze nicht mehr vorhanden waren. Wenn man sich historische Gemälde und Grafiken der Zeit von 1720 bis 1830 anschaut, hatten fast alle später glatten Putzfassaden aufgemalte Spiegelfelder. Damit es dann nicht so nackt aussieht, würde ich schon vermuten, dass Spiegelfelder aufgemalt waren. Das Mansarddach stammt übrigens auch erst aus der Zeit nach 1760. Zu Dinglingerszeiten war ein Altan obendrauf. (siehe Infokarte Arstempano).

  • @Elly: Vielen Dank für deinen Bericht zu der Veranstaltung!


    Die SäZ hat zwar auch einen Artikel gebracht, aber lediglich kurzgehalten mit technischen Daten. Die lassen mal eben die mE sehr bemerkenswerte GHND-Veranstaltung untern Tisch fallen. Wovor haben die Angst? Man kann doch neutral berichten, was dort stattfand.


    Die SZ war offensichtlich nicht vor Ort. Ihr Artikel bezieht sich mit Sicherheit allein auf die Pressemitteilungen von USD und GHND, die am Freitag rausgegangen sind.

  • ChiapponischesHaus


    Nochmal ein Nachtrag dazu in der DNN: klick


    Die GHND lobt den gefundenen Kompromiss, während Linken-Bausprecher Tilo Wirtz Kritik übt: „Man nehme ein eingebautes Haus, mache es zum Eckgebäude, schneide von der ursprünglich spiegelbildlich zur Mittelachse gegliederten Fassade eine Achse ab und zerstöre damit die strenge Symmetrie des Originales, füge ein Vollgeschoss hinzu und überziehe das Dach mit zwei Reihen unmaßstäblich großen Gauben – und die Gemeinde der Traditionalisten jubelt“


    Das kommt sicher etwas polemisch daher, aber Unrecht hat er leider nicht. Ich sehe diese Zwitterlösung auch sehr skeptisch.

  • Das klingt so, als hätten sich die "Traditionalisten" das genauso vorgestellt. Das stimmt aber nicht. Es ist ein Kompromiss, aber immer noch besser als die rumgeisternden zeitgenössischen Entwürfe für das Gebäude (allein das sollte doch zu denken geben!).

  • @ Tobschi zur SäZ: Kann sein. Ich war zwar auch im Saal, andere aber haben zumindest Frau Klemm im Publikum gesehen - ehemals SäZ. Sie ist jedoch in den Ruhestand verabschiedet und hatte kürzlich ein Buch zum Kulti herausgebracht/geschrieben (siehe im Kulti-Strang). Kein Zentralorgan auf solch hochkarätigster Veranstaltung? - kaum auszudenken. Etliche Leute mutmaßen, daß man durchaus kungelt und kuscht, um auch weiterhin mal beim SPA Infos zu bekommen. Ich hatte ja schon auf die DNN verwiesen, die ausführlich berichtete, aber auch neutral blieb. Geht doch. Ich vermute, daß der SäZ-Artikel von der Leitungsebene gekürzt wurde.


    Was den Herrn Wirtz betrifft, wollte er vielleicht nochmal nachstoßen, da seine sinngemäße Aussage auf der GHND-Veranstaltung, es gebe in Deutschland nunmal "Baufreiheit", und die Einwirkmöglichkeiten auf Gestalterisches seien arg begrenzt, vielmehr sind Verwaltungen - flankiert durch eben genau dieses BauGB - angewiesen, dem Investor seine Bauwünsche zu "befördern" sowie den Weg zur Baugenehmigung zu ebenen, auf Widerspruch stieß und er kritisiert wurde, es nur so betrachten zu wollen.
    Natürlich hat er nicht Unrecht, aber es ist eben auch noch nicht alles. Er ist Bauingenieur und offensichtlich halten sich alle "irgendwie Interessierten" gleichsam für ausgemachte Stadtarchitekten, die zu allem ihren Senf abgeben.
    Warum die Journaille sehr oft nur solchelei Einzelmeinungen zum Besten gibt ist ebenso unklar. Was nützt das? Wenn schon, dann wenigstens mehrere Wortmeldungen zum konkreten Projekt - wie hier am Chiappo - und dann bitte auch nicht nur Politiker. Wirtz ist Techniker, wie so viele vom Geiste her in DD, aber in meinen Augen keine Kapazität in künstlerischen Fragen. Welche Architektenmeinung steht denn hierzu mal in der Zeitung? Ach so, die äußern sich ja alle nicht, weil alle abhängig und voller Angst sind.
    Na gut, ich frag dann morgen mal die Katze bei Nachbars, wie sie den Chiappo-Entwurf einschätzt.


    Ich lege beim Chiappo großen Wert auf diese historische Fassade - der Rest kann und sollte meinetwegen noch weiterbearbeitet werden. Warum nicht zwei drei Achsen noch ums Eck ziehen oder - wie schon geschrieben wurde - einen "Spitzwinkel" rein und die fehlende Fensterachse noch hinzu. Mir gefällt übrigens eher die Asymmetrie - aber ist Geschmackssache.

  • @Elli_Kny
    Nun, zumindest eine Architektenmeinung zum Chiapponischen Haus konntest Du ja bereits lesen - meine! ;)
    Die vollständige Rekonstruktion aller Fassadenteile wäre natürlich auf jeden Fall zu bevorzugen, doch ist dazu ganz sicher der Zug leider wirklich abgefahren. Die sind ja in dem Bereich schon fast mit dem Keller fertig, da kann man nicht mal eben so noch was dranbauen. Wenn ich mal vermuten darf, was da im Hintergrund lief: Es gab eine zwischen den Beteiligten abgestimmte und so auch in der Baugenehmigung enthaltene Planung auf Basis des Werkstattverfahrens. Aufgrund des bürgerschaftlichen Drucks oder vielleicht auch weil der Käufer Patrizia keine schlechte Presse wollte, wurde die Fassade im Rahmen der Möglichkeiten überarbeitet. Dazu reichte eine einfache Tektur des Bauantrages.
    Ein Herumziehen der barocken Fassade um die Ecke fände ich auch recht bedenklich. Auch wenn mit der nun in der Realisierung befindlichen Form keine hohe Baukunst umgesetzt wird, ist das doch wenigstens eine Form, die noch irgendwie den Massstäben der bisher am Neumarkt erfolgten Rekonstruktionen folgt. Ich würde lediglich die beiden Fassadenideen besser ablesbar gestalten (Fassadenmaterial oder Putzfarbe), sowie das zusätzliche Obergeschoss gestalterisch mehr mit der Fassade an der Galeriestrasse anpassen.

    Einmal editiert, zuletzt von Arwed ()