Domumgebung

  • Bin Nichtkölner, aber was genau ist daran bitte gut und erfreulich?


    Es ist doch das Gebäude, richtig?
    http://mt.alexw.net/paloma/archives/altkoeln.jpg


    Denn wie es scheint können wir dem Glockenspiel und dessen kleinen Verzierungen dann auch "ade" sagen.
    Gerade solche kleinen Dinge machen einen Platz interessant und erhöhen die Aufenthalsqualität.

  • Das wäre wirklich schade. Ich fand dieses Gebäude mit dem Glockenspiel sehr interessant. Jeder Tourist schaut sich sowas gerne an und sollte das mal wirklich wegfallen, dann haben wir nur ein unauffälliges Gebäude mehr.

  • Darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Auf mich wirkt die Fassade etwas billig und kitschig. Und gerade an dieser Stelle neben dem Dom braucht Köln nicht einen zusätzlichen Touristengag , sondern eher unaufdringliche architektonische Qualität.
    Und in saniertem Zustand sieht das Gebäude, das sich hinter der Kupferfassade versteckt durchaus ansprechend aus (bis auf das Dach).

  • Sieht für mich auch nach einem Unikum aus, das sich zu erhalten lohnte. Die außergewöhnliche, wenn nicht einmalige Kupferverkleidung und natürlich das Glockenspiel weggedacht, bleibt ein nur ein gewöhnliches Gründerzeithaus übrig.

  • Ich kann mich Stefan's Meinung nur anschließen. Das Ganze wirkt doch sehr kitschig und ich denke, die Fassade - und das gesamte Ensemble - würde durch einen Rückbau in den Ursprungszustand sehr gewinnen. ... wenn dann noch die 70er-Jahre Betonpilze auf der gegenüberliegenden Straßenseite verschwänden...

  • Mal eine kurze Wiederbelebung des Thread: wie sieht es jetzt mit dem Umbau des "Alt Köln" im Deichmannhaus aus, im Web sind keine Neuigkeiten zu finden ?


    Und was ist aus dem kurzlebigen Gerücht geworden, dass der Verkehr aus Trankgasse verbannt werden soll ? Das wäre ja wunderbar...

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    Bislang war der Umbau der Trankgasse nur eine Idee der CDU Ratsfraktion. Was daraus geworden ist weiss ich nicht. Da müsste ich mal recherchieren. Die Idee finde ich aber recht gut, allerdings gibt es dringendere Dinge auf die sich die Stadtverwaltung momentan konzentrieren sollte. Da sind zum Beispiel die Betonpilze und die Kioskbuden auf der Domplatte. Das Römisch-Germanische-Museum ist architektonisch eine echte Katastrophe. Genauso das Domforum. Da hilft nur eins: schneller Abriss und ausweitung der Domplatte. Warum kann man den Roncalliplatz nicht umgestalten? Eventuell mit einem großen und klassisch wirkenden Brunnen (vergl. Kaiser-Wilh.-Ring). Das finde ich dringender als den Umabu des Trankgassentunnels.


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    Bitte achte auf unsere Regeln (6.7) bezüglich des Zitierens. Magbeam
    Danke.

  • Hat jemand Fotos? Kann mich gar nicht an die Gebäude erinnern; sooo abgrundtief hässlich werden sie dann doch sicher nicht sein?

  • Die zentrale Altstadt mittelalterlicher Prägung in Köln war immer extrem dicht bebaut, in der Vergangenheit viel dichter. Z.b. waren der Dom und viele romanische Kirchen bis zum Krieg häufig völlig verbaut, Plätz gabe es wenige.
    Gerade die weniger dichte Bebauung der Nachkriegszeit entlang von Strassen und schlecht gemachten Plätzen hat dem Stadtbild sehr geschadet.

  • Eklatant ist in meinen Augen das Fehlen von Grünanlagen und Alleen. Es fehlen Straßen wie die Immermannstraße in Ddf oder die Poppelsdorfer Allee in Bonn.

  • Na ja, breite Strassen, gut angelegte Plätze und Allen gibt es lediglich seit wenigen Jahrunderten, seitdem die Städt über den Mauerring hinauswuchsen. Z.b. in barocken Idealstädten, in Stadtvierteln der Gründerzeit (Popplesdorfer Allee Bonn) und in Bereichen, die bis vor 100-200 Jahren noch vor der Stadt lagen.
    Köln dagegen hat die größte mittelalterlich Innenstadt Deutschlands, der gesamte Bereich innerhalb der Ringe gehörte dazu. Bis Ende des 19 Jhdts bestand die vollständige Stadtmauer, in deren innerem es lediglich dichte, kaum geplante Bebauung gab. Da gab es keine Allen, großen Straßen und kaum Plätze, Köln war keine Residenzstadt innerhalb der Mauern. Es gab lediglich kleinere Gärten z.B. um die Klöster, Vor Anlage des Hauptbahnhofes hatte auch hier ein kleiner öffentlicher Garten gestanden.


    Seit 150 Jahren wurde versucht, dieses chaotischen Durcheinander, welches innerhalb von Jahrhunderten gewachsen war, in eine einigermaßen geordnete und den hygienischen Ansprüchen der damaligen Zeit entsprechendes Stadtgefüge zu überführen. Von 1870 bis in die Nachkriegszeit wurde permanent die alte Bebauung abgerissen und durch neuere größere Hauser ersetzt. Große Parks oder Aleen wurden nicht angelegt. Seit den 20er Jahren gab es vermehrt Pläne, Schneisen in die dichte Bebauung zu schlagen und die Innenstadt so dem Verkehr erst zugänglich zu machen.


    Dagegen entstand nach Abriss der Stadtmauern der erste große Boulevard Köln Ende des 19. Jhdts. mit dem Ring und umgebend Idealviertel der Gründerzeit. Hier wurden ertmals kleine Parks von vornherein geplant (stadtgarten)


    Nach dem 2 WK wurden vermehrt große Parks angelegt um die Gründerzeitviertel herum und auf der anderen Rheinseite


    Die aktuelle Kölner Innenstadt ist somit das Ergebnis mehrfacher Versuche verschiedener Jahrhunderte, die Stadt den jeweiligen Idealvorstellungen anzupassen. Bisher ist dies niemandem wirklich gelungen, weil sie (zum Glück) an der mittelalterlichen Struktur der Stadt teilweise gescheitert sind.


    Daher gibts auch keine großen Parks/Allen in der Innenstadt. Köln ist mit geplanten Residenzstädten wie Berlin, München, Bonn Stutgart u.a. in keiner Weise zu vergleichen.


    Und schliesslich ist Köln am schönsten, wo die mittelalterliche Struktur noch deutlich zu erkennen ist (Altstadt/Severinsviertel/Eigelstein) -auch ohne Grün

  • Herzlichen Dank für die Einblicke, mit deiner Ortskenntnis kann ich leider nicht mithalten.


    Den mittelalterlichen Städtebau und die Architektur dieser Zeit hatte ich allerdings nicht im Blick. Mir ging es vielmehr um (z.T. völlig misslungene) Bauten der 1950er und 60er Jahre, die schlicht nicht ausreichend Raum haben. Solche Bauten sind rings um den Dom dominant - vor allem wegen der Zerstörungen des 2. Weltkrieges. Diese Zerstörungen waren paradoxerweise eine - letztlich nicht genutzte - Chance zur Neugliederung speziell der Domumgebung.

  • Danke mischakr für den guten Beitrag.


    Die Nachkriegsbebauung rund um den Dom ist in der Tat in einigen Fällen nicht sehr qualitätsvoll. Die Neubebauung des WDR-Areals könnte hier eine Initialzündung geben.


    Mit dem baldigen Wegzug des Diozösanmuseums nach Kolumba, aus dem Gebäude der Buchhandlung Kösel, könnte auch dieses zur Disposition stehen (reine Spekulation). Das Gebäude gehört dem Domkapitel.


    Der Umbau einer reinen mittelalterlichen Stadtstruktur in eine, insbesondere autogerechte, Struktur wurde ja in vielen Städten nach dem Krieg versucht. Hier wurden breite, vorher nicht denkbare, Schneisen durch die Städte gezogen. Was in Köln die Nord-Süd-Fahrt ist, ist in Frankfurt am Main z. B. die Berliner Straße. Der Versuch der Neugliederung war im Sinne der verkehrlichen Verbesserung sicher notwendig (heute jedoch werden diese breiten Straßen von vielen Bürgern jedoch eher als störend empfunden). Die "Chancen" wurden also doch genutzt. Ob es bessere Alternativen - z. B. andere Straßenführungen - gegeben hätte, sei ein Mal dahin gestellt.

  • soweit ich weiß waren die grundlegenden Schneisen in Köln schon vor dem Krieg geplant. In den 20ern wollte man Modernität und Verkehr, in den 30ern Aufmarschplätze- und Strassen. Scheiterte damals sicherlich an den vielen Eigentümern, welche nicht einfach enteignet werden konnten, und an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Nach der Zertörung im Krieg sah es dann anders aus, und viele Pläne aus der Vorkriegszeit wurden einfach realisiert.


    Gibt es Bestrebungen, die Situation in Köln zu verbessern?


    -Von der Tieferlegung der Nord-Süd-Fahrt wird schon länger geträumt-vielleicht im Rahmen der Neugestaltung des Opernplatzes?


    -oder wenigstens aus den Schneisen einen Boulevard nach Vorbild des Ringes machen-da fahren auch viele Autos durch, trotzdem haben die Ringe gewisse Aufenthaltsqualität.


    -oder Schneisen verengen, zurückbauen?