Projekte am/um den Marktplatz

  • Das Nachkriegsrathaus ist ästhetisch ein Desaster. Es ist ja nicht einfach nur "Moderne Architektur", die kann ja durchaus vornehm und stilvoll sein. Es sieht IMHO einfach nur sehr plump und bieder aus:


    https://www.myquarter.de/bilde…haus-3f05350c8c8d54b0.jpg


    Die Wikipedia sagt "Trotz der Zerstörung konnten Teile der beiden Seitenflügel beim Wiederaufbau erhalten werden." zum Rathaus Stuttgart. Nach dem Krieg sah das wohl so aus:


    http://www.harald-reportagen.d…us/detail/mf-87-2.tif.jpg


    was davon ist dann tatsächlich noch erhalten und könnte bei einem Rückbau des Nachkriegsbaus wieder hervorgeholt werden? Gibt es nennenswerte Spolien, die noch vorhanden sind?

  • Die Seitenflügel sind erhalten, die Front ist ein kompletter Neubau. Angeblich sind Teile des Turmes noch erhalten, was ich mir allerdings kaum vorstellen kann. Eine Rekonstruktion des Rathauses ist in Stuttgart allerdings zur Zeit überhaupt kein Thema und insbesondere unter grüner Führung vollkommen unrealistisch.

  • Regent, es ist solange unrealistisch, bis es das nicht mehr ist.


    War es nicht unrealistisch, das hier abzureißen, um einen Teil der Altstadt zu rekonstruieren?


    War es nicht unrealistisch, den Palast der Republik abzureißen, um das Hohenzollerschloss mit seinem Äußeren zu rekonstruieren?


    Es ist solange unrealistisch, bis es das nicht mehr ist. Weil sich Leute der Sache angenommen haben. Wenn du diese und alle anderen Reko-Projekte anschaust, dann wirst du immer wieder feststellen, dass sich deren Entstehungsgeschichte auf 1-2 Bürger zurückführen lässt, die einfach angefangen haben. Gegen alle Zweifel und skeptischen oder mitleidigen Blicke ihrer Mitbürger. Und sich den Mund fusselig geredet und gestritten und Mehrheiten organisiert. Und dabei beharrlich blieben.


    Und dann kann sowas entstehen.


    Gerade bei der Schönheit des alten Stuttgart war mir schon immer unverständlich, dass da aber so gar nichts bzgl. Rekos passiert. Eingebettet in die sanften Hügel, mit einem begünstigten Kleinklima, muss das alte Stuttgart ein echtes Idyll gewesen sein.

  • Was willst du jetzt eigentlich von mir? Das ist doch nicht meine Meinung. In Stuttgart fordert schlicht niemand die Rekonstruktion des alten Rathauses. Weder die Bevölkerung, noch die Politik, noch irgendwelche "Experten" oder Architekten.

  • @ Regent
    Genau das ist das Problem. Es ist offensichtlich so eine Resignation eingetreten das man sich gar keine Hoffnung mehr macht, dass sich irgendwas zum Besseren ändern könnte und man so diese Katastrophe Marktplatz halt hinnimmt.


    Aber ganz tot ist das Thema nicht, denn es gibt ja wie zuvor erwähnt ja eine Initiative die sich für Änderungen einsetzt.

  • Richtig - seit machtantritt der Grünen herrscht in Stuttgart Resignation. Besser kann man es kaum runterbrechen

  • Ui, nachdem sich Frau Sayah in ihrem Artikel nun drastisch mit teilweise trumphaft grenzwertigen Ausdrücken ("Gestümper", "Chuzpe") in Richtung BB PP und anderen gegen die "Politik des Durchwurschtelns und Aussitzens" ausgesprochen hat (zu dieser sehnsüchtig erwarteten Erkenntnis kann man ihr im Ergebnis nur gratulieren), könnte die "Aufbruchsinitiative" tatsächlich so etwas wie einen medial-öffentlichen Ritterschlag erhalten haben. Auch wenn der Vorschlag, als erste Aktion der Truppe die B14 für ein gemeinsames Frühstück zu sperren, für mich schon einmal ziemlich albern scheint und an die Hochzeiten des unsäglichen Protests der S21-Gegner erinnert - es kann sein, dass die Stadtspitze diese Initiative nun nicht mehr so leicht abtun kann. Wenn sie es in der Folge auch noch schafft, sinnvolle Ziele und Entwicklungskonzepte (habe ich allerdings Zweifel, lehnen nach der personellen Zusammensetzung Tunnel und Hochhäuser in der Stadt vermutlich pauschal ab) für die vernachlässigte Stadt zu erarbeiten, könnte es politisch spannend werden. Ein unglaubliches Armutszeugnis für die Stadtspitze natürlich, dass offensichtlich Bürger die ureigenste Aufgabe der Stadt übernehmen, zumindest an diese erinnern müssen, was umgekehrt die Grünen hier möglicherweise allerdings nur als "vorbildliche Bürgerbeteiligung" deklassieren könnten (die sie ja angeblich erfunden haben). Bei Ausreden fürs Nichtstun ist man dann vielleicht doch wieder plötzlich ganz kreativ. Wir werden sehen. Wenn Fritzle und PP hier aber die Zeichen zuletzt mit dem Sayah-Artikel wirklich nicht erkennen, könnte es für die beiden eng werden.

  • @Amber Sayah
    Ja sie hat einen großen Schritt getan, wenn sie jetzt noch erkennt, das man einerseits nicht den OB und BB vorwerfen kann immer mit dem zu kommen was nicht geht und eben nicht erst mal zuhört und offen für neues ist und andererseits im gleichen Artikel Tunnel perse auszuschließen.


    Wenn sie diese Bigotterie erkennt und erkennt das Verkehr sich nicht in Luft auflösen wird.
    Zur Erläuterung die Textstellen (sehr verkürzt)

    ....stets bei dem zu beginnen, was nicht geht. Das hat den Vorteil, dass es – wie alle faulen Ausreden – den Amtsträgern das Bohren dicker Bretter erspart.

    und kurz darauf folgt

    Zuerst müsse man seine städtebaulichen Ziele definieren und dann mit „ausgeprägtem politischen Willen“ nach Lösungen suchen, statt von den (vorgeschobenen oder eingebildeten) Hindernissen auszugehen.


    Besser kann man so was nicht formulieren.
    um dann auf der Zweiten Seite kurz nach diesen positiven Leitsätzen, die Überschrift zu setzen

    Keine teuren Tunnellösungen


    Das passt nicht zusammen, vielleicht erkennt sie das noch dann wäre sie für mich wieder voll lesbar und könnte sogar helfen, dass Stuttgart schöner wird.


    http://www.stuttgarter-zeitung…5f-a04f-8e9026bbcc9a.html

  • Der BB hat sich eingerichtet und bekommt von seiner Umgebung leider keinen oder wenig Druck dies zu ändern.
    Ich sehe ehrlich gesagt nur einen Weg, dass wir wieder nach Vorne kommen, wenn dieser BB einen sehr starken Ausschuss von Architekten gegenüber gesetzt bekommt, der für ihn entscheidet. Der Hebel könnte hierfür die IBA werden, die einem Leiter von Format bedarf.

    Die sind gewieft genug, solch ein Ereignis für sich zu nutzen, ohne auch nur einen Finger selbst krumm zu machen.


    Mit "Druck von außen" hast Du recht. Auf Selbsterkenntnis, Lernbereitschaft oder gar innerparteilichen Druck wartet man vergeblich. Im Gemeinderat scheint sich zudem die Einheitsfraktion gebildet zu haben. Piep piep, wir haben uns alle lieb. Schert einer aus, gibt es bestimmt noch ein beruhigungspilliges Pöstchen oder Maulkorb ala Parteisanktion.


    Der Druck kann also nur von Zwängen, Medien oder Protesten kommen. Proteste gibt es von arbeitenden konstruktiven Bürgerlichen erfahrungsgemäß nicht in solcher Stärke, daß es die Obrigkeit juckte.
    Reale Zwänge, insbesondere Finanzenge, scheidet ebenfalls aus, weil vom v.a. automotiv angesammelten Finanzstock noch locker ein paar Jährchen gelebt werden kann, bis abgewirtschaftet ist.


    Bleiben die Medien. Also Journalisten. Diese sind jedoch gemäß Untersuchungen stark überproportional grünorientiert. Wenn Amber nun relativ deutliche Kritik äußert, würde Schuster wegen Erfolglosig- und Untätigkeit schon mit täglichen Leitartikeln in der Luft zerrissen.

  • Es ist solange unrealistisch, bis es das nicht mehr ist. Weil sich Leute der Sache angenommen haben. Wenn du diese und alle anderen Reko-Projekte anschaust, dann wirst du immer wieder feststellen, dass sich deren Entstehungsgeschichte auf 1-2 Bürger zurückführen lässt, die einfach angefangen haben.

    Grundsätzlich richtig und sowieso gute Einstellung. Paßt nur nicht nach Stuttgart. Wir wollen gar nicht mit Berlin vergleichen, selbst Frankfurt hat mehr Reko-Potential, obwohl oder gerade weil es in anderer Hinsicht die mit Abstand modernste Stadt der Republik ist.


    Es braucht eben architektonische Begeisterung, Mut, Geschichtswissen und Offenheit. All dies erkennt man in Frankfurt und machte dort ein Dom-Römer-Projekt nebst! der Skyline möglich. In Stuttgart hingegen werden allenfalls Bonatzbau oder Bahndirektion "verteidigt", solange sie sich gegen ein mutiges Projekt wie S21 instrumentalisieren lassen.


    Wer wirklich noch einen schönen oder gar historischen Marktplatz in Stuttgart will, müßte
    - entweder die Bevölkerung austauschen (geschieht zwar irgendwie, aber anders ;) )
    - die moderne Rathausfront ständig als Architektur des Bösen... brandmarken
    - fordern, daß auch die feudalen Bauten wie Schlösser & Co ein modernes, "demokratisches" Antlitz bekommen. => Daraus entstünde vielleicht doch noch eine Gegenbewegung.

  • @Sobek
    Habe ich auch gerade geposte, macht Mut.


    @Marktplatz
    Auch wenn ich hier manche jetzt störe, mir gefallen die 50er Jahre Bauten so gut, dass mir das Rathaus keine Gedanken macht.


    Was ich mir jedoch wünsche, ist ein Repräsentativeren Block, wo heute der Breitling seinen Sitz hat.
    Das wir das kulturelle Kapital des ehemaligen Bunkerhotels für die Subkultur zur Verfügung stellen und zwar egal was irgendeine Brandschutzverordnung da wieder für Kosten produziert.


    Denn wer hat das einen Bunker unter dem Marktplatz.


    Wer noch einen Beweis braucht dass der Entwurf den unser BB umsetzen will von Amateuren gemacht ist, muss sich nur die Qualität der Visualisierung anschauen. Denkt man sich jetzt noch unser Geldsparmodell dazu, dass sobald einer der Steine angehoben wird, erst mal Asphalt die Lücke schließt, wird in der Realität dann noch negativer überrascht werden.


    Ich bin ein Fan dass zu heben was einen Einzigartig macht und das ist imho das ehemalige Bunkerhotel und nicht ein Rekonstruierter doch sehr durchschnittlicher historischer Marktplatz der dann ein Rathaus hätte, das nicht einmal gegen Berlin-Steglitz anstinken könnte.

  • Die deutsche Sprache hat Wörter mit schönerem Klang, als "Bonatzbau". Zum Klang passt IMHO auch das doch sehr "ernst" aussehende Bauwerk, das mich an die derbe Ästhetik des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig erinnert. Begeisterung für die alten Hbfe in Frankfurt oder Leipzig kann ich gut nachvollziehen. Aber der "Bonatzbau"?


    Mir erschien es schon von Anfang an so, als würde sich hier Bürgerzorn Bahn brechen, der sich lange angestaut hat. Nach dem Motto "immer nur abreißen, betonieren, das alte Stuttgart ist fast nicht mehr vorhanden - und jetzt reichts!". Der "Bonatzbau" scheint dafür stellvertretend zu stehen?! Dass man sich für diesen Aufstand ausgerechnet dieses Gebäude ausgesucht hat ist für mich vielleicht nicht nachvollziehbar, aber es zeigt doch ganz gut, dass das bürgerliche Potential da ist. Es müsste nur von einzelnen Initiatoren mit Überzeugungskraft und Charisma gelenkt werden.


    Auch war das Vorkriegs-Stuttgart war ja keine verwinkelte Puppenstube:


    http://www.bildindex.de/bilder/fm932337a.jpg


    http://www.bildindex.de/bilder/fm932317a.jpg


    reichlich Großbauten, großzügige Straßen und Plätze, auch einige Bauten der "Architektur der Moderne" waren schon prominent im Stadtbild sichtbar. Aber alles in einer Gesamtkomposition, in der sich die verschiedenen Zeitalter gegenseitig ergänzen.


    Man wird auch mit noch soviel Enthusiasmus nicht den Krieg ungeschehen machen können. Aber man kann wieder genug herstellen, damit es im Stadtbild wieder eine Gesamtkomposition aus verschiedenen Zeitaltern gibt, steingewordene Stadtgeschichte von immerhin über 1.000 Jahren (Stadtgründung im 10. Jahrhundert). Davon sieht man fast gar nichts mehr im Stadtbild.

  • Man kann wieder Schwerpunkte setzen, nur den Marktplatz Originalgetreu zu rekonstruieren, würde für mich nur Sinn machen, wenn hier ein Einzigartiger Platz in Deutschland entstehen würde. Man würde sich dann mit Tübingen oder Rothenburg an der Tauber vergleichen und fragen ist das wirklich der Platz einer Metropole von mehr als 2Mio Einwohnern.


    Es gibt andere "Sünden" wie die Paulinenbrücke die ich seit dem Bau des Gerbers sehr gut ins Stadtbild integriert sehe, wenn man denn unter der Brücke ein Nutzungskonzept hätte, dass mehr als Parkplätze wäre.


    Der Österreichische Platz ein paar Meter weiter bleibt ein Sorgenkind.


    Der Marktplatz mit erlebbaren Bunker wäre etwas besonderes, der Breuninger Markt (durch die Werbeplakate nicht mehr die Hauptsünde), so bleibt der Breitling der wenig bis gar nichts hermacht und am besten mit dem gesamten dahinter liegenden Block abgerissen würde.


    Unser Marktplatz ist ein Abbild des Wirtschaftswunder und kann so auch sehr viel Attraktivität entwickeln.


    Unser (Blumen) Marktplatz ist ja der Schillerplatz, der ein paar Verschönerungen bräuchte und schon kann er für das stehen was sich hier einige wünschen.


    Beim Wiederaufbau, würde ich eher das Kaufhaus Schocken wieder aufbauen, als ein Rathaus das wie ich sagte kaum gegen das Rathaus von Berlin-Steglitz anstinken kann.


    So sollte man wie auf deinem zweiten Bild erkennt (das der Akademiegarten vor dem Krieg bebaut war), wie der Verein "Aufbruch Stuttgart" bebauen und dort eine Konzerthalle hinstellen.

  • Dass der Marktplatz in der Form noch Attraktivität entwickelt - daran glaubt man nach 60 Jahren nun wirklich nicht mehr. Ein zentraler Platz ohne ein einziges nicht hässliches Gebäude - da gibt es für mich nur eine Lösung: Die Stadt soll ein Gesamtkonzept entwickeln - sei es Reko, sei es Halbreko, sei es komplett etwas Neues und das Gespräch mit den Eigentümern und Entwicklern suchen und diese gebaute Blamage Stück für Stück ersetzen, einschließlich das unsägliche Rathaus. Denn so wie er sich (noch) heute präsentiert, ist der Marktplatz dieser Stadt in jedem Fall schlicht nicht würdig. Solange wir aber einen BB an der Spitze haben, der den Marktplatz für "gar nicht so schlecht" hält, um das Nichtstun zu rechtfertigen, wird sich daran natürlich nichts ändern.

  • Geschmäcker sind zum Glück verschieden, das der Marktplatz eine Idee braucht, die über das "armselige" des BB hinaus geht, sind wir uns wohl einig, sonst sollte man akzeptieren, dass nicht alle den gleichen Geschmack haben.


    Auch wenn ich mich hier wiederhole die 50er Jahre Bauten haben was und sind alles andere als hässlich.


    Unser Rathaus ist vielleicht nicht der Burner, nur das es komplett hässlich ist, kann ich so auch nicht stehen lassen.


    Die Brücke für unsere Diskussion wäre den Schillerplatz auf zu werten, denn dieser ist unser kompletter ältester Platz. Ich wette dass hier viele noch nicht in dem Fruchtkasten waren und sich dort im 3. Stock an der singenden Säge versucht haben.


    Im Klartext nur weil viele etwas zwanghaft wieder herstellen wollen, heißt das noch lange nicht, dass dies Sinn macht. Mein Lieblingsbeispiel ist das Adlon in Berlin, bei dem einen das es sich um ein Fake handelt an vielen Stellen, insbesondere an den Ecken des Hauses, auffällt.
    Das Ritz-Charlton dagegen hat eine massive Schwere die einen zurück versetzt in die Zwanziger des letzten Jahrhunderts.


    Und mal ne Frage unser alter Marktplatz ist nicht viel städtischer als der von Rothenburg ob der tauber, nur dass er biederer daher kommt, er zeigt doch gerade, dass Württemberg damals noch nicht reich war.
    Wer will das, der pietistische Schwabe, Wer?

  • Auch ich halte eine Reko des Vorkriegszustandes für absoluten Käse. Die Häuser am Marktplatz waren bieder und alles andere als großstädtisch oder kosmopolitisch. Das alte Rathaus wirkt einfach nur streng und auch von den Proportionen nicht unbedingt ausgewogen. Was der Marktplatz heute braucht ist einfach Leben! Und das kann man eigentlich nur mit Gastonomie erzeugen. Ich sehe von Seiten der Stadt allerdings wenig bis garkeine ernsthaften Bemühungen dafür auch wirklich etwas zu tun.

  • Naja, auch die Gastronomie scheitert am Ende immer an der mangelnden Aufenthaltsqualität aufgrund der Hässlichkeit der Gebäude und der Unwirtlichkeit des Platzes. Ich halte es dort allenfalls zum Weihnachtsmarkt länger als 2 Minuten aus. Dürfte den allermeisten Menschen ähnlich gehen, die nicht zwingend dort sein müssen. Ich weiß nur eines: "Behutsam" ist hier überhaupt nichts zu machen. Dafür ist das als Ganzes zu schlecht.

  • Dieser Marktplatz repräsentiert für mich als Auswärtigen alle negativen Stereotype über Stuttgart und Schwaben. Bieder, grau, usw. Ich weiss natürlich, dass das nur der negative Stereotyp ist, der ist euch ja auch nicht neu (weitere: Kehrwoche, Bio-Stalinisten, usw. ;)).


    Das ist einfach "städtebaulicher Friedhof" für mich:


    http://cdn1.stuttgarter-nachri…30ccedf9f.normalized.jpeg


    und das Vorkriegsrathaus mag wirklich nicht auffallender als ein mittelprächtiges Berliner Bezirksrathaus gewesen sein, aber die restliche Marktbebauung war doch prächtig:


    http://upload.wikimedia.org/wi…rket_Place,_Stuttgart.jpg


    und strahlte Gemütlichkeit aus:


    http://cdn1.stuttgarter-nachri…6374e4f4d.normalized.jpeg


    wenn das rekonstruiert werden würde, dann kann man auch mit dem Klotzrathaus leben, das wäre auch gleich eine schöne Option für einen Kompromiss mit den unvermeidlichen Reko-Hassern.


    Machen wir mal einen Besuch in der schwäbischen Hauptstadt (das ist Augsburg - auf der Landkarte von BaWü steht nirgendwo "Schwaben" ;), Augsburg ist die Hauptstadt des bayerischen Bezirk Schwaben). Dort hat man IMHO einen schönen Mix aus Rekonstruktionen und Neubauten gefunden. Das geht sogar soweit, dass zB Augsburg vor dem Krieg gar keinen Rathausplatz hatte. Dort stand eigentlich die Börse Augsburg.


    Man hat die Kriegszerstörung genutzt und den Platz unbebaut gelassen und erstmalig einen Rathausplatz geschaffen, der das Renaissance-Rathaus mit seinem Uhrturm freistellt und dabei so gelungen wirkt, als wäre es eigentlich schon immer so geplant gewesen.


    Wie man auf dem Foto sehen kann ist der Platz beim ersten Sonnenstrahl durchgehend von Menschentrauben bevölkert und sehr lebendig, sozusagen die gute Stube der Stadt. Dabei stört auch überhaupt nicht, dass die Häuserzeile gegenüber des Rathauses vor Nachkriegshäßlichkeit nur so strotzt:


    https://www.augsburg.de/uploads/pics/Turamichele-news.jpg


    Ein komplett ahistorischer Nachkriegsplatz, von ahistorischer Nachkriegsbebauung begrenzt und trotzdem funktioniert er städtebaulich wunderbar. Vielleicht einfach auch deswegen, weil es eine Mischung ist. Unsere Nachkriegsstädte kranken besonders in den Quartieren unter fehlendem Flair und fehlender Akzeptanz, wo sie nach Tabula Rasa einheitlich und uniform im Architekturgeschmack der Nachkriegszeit homogen hochgezogen wurden. Zwar mitten in der Stadt, aber so uniform wie eine aus dem Boden gestampfte Trabantenstadt. Das kann kein Zufall sein.


    Bringt Mischung und eine Prise Geschichte zurück indem ihr die hübsche Umbauung des Marktes rekonstruiert und das Rathaus so lässt, wie es ist und ich wette mit euch, der Platz wird die gute Stube Stuttgarts. Wenn der restliche Platz nicht mehr so grau und bieder ist reicht es für das Klotzrathaus vieleicht sogar für die Kategorie "das ist so häßlich, dass es schon wieder kult ist".