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Alt 25.05.18, 15:38   #1
Goanna
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Oberbillwerder

Da es nun sehr konkret wird, ist es vielleicht mal an der Zeit einen eigenen Thread für Oberbillwerder - den zukünftigen 105. Stadtteil und das größte Hamburger Städtebauprojekt nach der HafenCity - zu starten.

Heute wurde nach einem aufwändigen Wettbewerbsverfahren der Entwurf für den Masterplan gewählt:

http://www.hamburg.de/pressearchiv-f...berbillwerder/

Bis Ende des Jahre soll darauf basierend ein Masterplan finalisiert werden.


(Quelle: IBA Hamburg/ADEPT ApS mit Karres en Brands Landschapsarchitecten b.v. & Transsolar Energietechnik GmbH)

Das beplante Gebiet zwischen Boberger Billdeich und Neuallermöhe heute:


Vorgesehen sind
auf etwa 124h Fläche
etwa 7000 Wohnungen (etwa 15.000 Bewohner)
bis zu 5000 Arbeitsplätze
in unmittelbarer Nähe zur S-Bahn Allermöhe.

Der gesamte Planungs- und Bauprozess soll 10-15 Jahre dauern. Mit der Steuerung wurde die IBA Hamburg betraut.

Marketingmäßig hat man dem Stadtteil den Beinamen "Active City" verpasst und sieht ihn als Modellstadtteil für Gesundheit, Ernährung und Sport.

Interessant ist der ehrgeizige Modal Split von 20/80 (MIV/Rest) und der Stellplatzschlüssel von 0.4-0.6.
Dies soll über ein weitgehend autofreies Quartier mit Quartiersgaragen entlang einer Ringstraße zur Haupterschließung erreicht werden.

Dominantes Thema im Verfahren war der Umgang mit dem hohen Grundwasserpegel und den dadurch nötigen Entwässerungsgräben bzw. einer erforderlichen Aufschüttung des Baulandes.
Auch die Frage nach Maß und Art des Eingriffes in die Kulturlandschaft Vier- und Marschlande war kontrovers.

(Quelle: IBA Hamburg, https://www.oberbillwerder-hamburg.de/)

Geändert von Goanna (31.05.18 um 10:57 Uhr) Grund: Fakten
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Alt 25.05.18, 16:18   #2
Goanna
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Das Abendblatt war am schnellsten:

https://www.abendblatt.de/hamburg/ar...-aussehen.html
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Alt 25.05.18, 19:28   #3
PES_God
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Mhh, ist eigentlich ne schöne Ecke zum Abschalten da unten (Boberger Dünen & See).
Bin da selbst 2-3 mal im Monat mitm Rad unterwegs.
Ist dann hoffentlich nicht zu überlaufen in Zukunft
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Alt 27.05.18, 16:02   #4
PES_God
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Das sieht man da an einigen Hofeinfahrten.
Stößt also nicht überall auf Gegenliebe bei den Anwohnern.
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Alt 27.05.18, 18:19   #5
Goanna
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Nun ja wo gehobelt wird...
Es ist klar, dass die steilen Ziele des Senats was Wohnungsbau angeht sich nicht ohne Konsequenzen verwirklichen lassen. Vermutlich hat ein extrem reißerischer Mopo-Artikel ("Bausünde", "Großsiedlung") vor ein paar Tagen sein Übriges getan.
Ich denke man darf das auch nicht zu sehr romantisieren: die zu bebauende Landschaft ist seit langem landwirtschaftlich genutztes Gebiet und ihre jetzige Erscheinung ist maßgeblich menschengemacht. Solange gewisse Qualitäten als Naherholungsgebiet erhalten werden, sehe ich keinen Grund die Flächen nicht auch anderweitig zu nutzen. Und der Entwurf begrenzt ja im Grunde die weitere Vergrößerung des Stadtteils durch baulich deutlich erkennbare Randbereiche. Auch interessant: Im Verfahren gab es Entwürfe, die sich deutlich stärker mit der Landschaft vernetzt haben bzw. diese integriert haben. Dies war aber offenbar seitens der Stadt nicht gewünscht - vielleicht gerade auf Grund der ohnehin schon angespannten Naturschutz-Gemüter.

Andererseits hoffe ich, dass der neue Stadtteil wichtige Impulse für die umliegenden Bereiche (Bergedorf West, Neuallermöhe) gibt, daran angemessen anbindet und keine weitere Inselentwicklung wird.
Gerade der östliche Teil des Entwurfs scheint mir bestenfalls ambivalent zu Bergedorf West - hier sehe ich noch Änderungsbedarf falls es eine Überarbeitung gibt.
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Alt 27.05.18, 21:34   #6
kuddel
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kuddel befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ich seh das auch nicht ganz so problematisch wie die Gegner, ob in den Medien oder bei den Anwohnern. Zwar mag Oberbillwerder etwas weiter weg sein als die Billhuder Insel, aber von S Allermöhe, die fußläufig von allen neuen Anwohner erreicht werden kann, sind es 15 Fahrminuten bis zum Hbf. und man muss auch nicht umsteigen. Da sind viele, die näher an der Innenstadt wohnen (z.B. im Reiherstiegviertel, wo die IBA damals schon fleißig tätig war), deutlich "abgeschnittener". Zudem wird von der Fläche nur grob die Hälfte in Anspruch genommen. Die nördliche Hälfte zu den Bauern bleibt bespritzte Agrarfläche und man kann über die Straße Billwerder Billdeich auch weiterhin gemütlich Richtung Boberger Dünen radfahren. Gleichzeitig wurden Richtung Ochsenwerder zwei neue Naturschutzgebiete vor wenigen Jahren ausgewiesen, die zusammen größer sind als Oberbillwerder. Dass die Bauern, deren Pacht nur ein Bruchteil der in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gängigen Marktpreise über Jahrzehnte bezahlt haben, nicht darüber erfreut sind, ist nachvollziehbar, aber auch nicht der alleinige Maßstab in einer Millionenstadt. Das Land haben sie vor Ewigkeiten teuer verkauft und nun spottbillig noch pachten können. Da floss schon sehr viel Geld in die Kassen, aber nun denn.

Mir wäre Nachverdichtung im Zweifel auch lieber, aber wenn "nur" 80% der neuen Wohnungen so errichtet werden und 20% auf der "grünen Wiese" (die ökologisch selten so wertvoll ist wie eine Industriebrache), sehe ich noch keinen Grund zum Verkünden des Weltschmerzes, zumal ich Wohnungsbau an bestehender Verkehrsinfrastruktur in der Regel nicht schlecht finde. Wie lange der Ausbau von U- und S-Bahnen gerne mal dauert, ist ja allgemein bekannt. Und noch mehr autofahrende Pendler, ob vom Stadtrand oder aus dem Umland, braucht man auch nicht zwingend. Da ist der Ansatz in Oberbillwerder ganz interessant. Ob er funktioniert, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
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Alt 27.05.18, 22:21   #7
Midas
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^^ schones Thema, aber es waere natuerlich ganz wuenschenswert wenn jemand sich die Zeit nehmen koennte einen 'richtigen' Eingangspost mit eingebundenen Bildern, Karten und einer Zusammenfassung der Kernpunkte und -daten des Projekts 'Oberbillwerder' zu schreiben.

So wie jetzt steht der Thread etwas komisch da, finde ich...
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Alt 06.06.18, 21:31   #8
Goanna
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Die Zeit hat letzte Woche einen Kommentar von Höing veröffentlicht, in dem er ein wenig ausholt um seine Haltung zum Städtebau zu erklären und letztlich auch Projekte wie Oberbillwerder (noch unter seinem Vorgänger initiiert) zu verteidigen:

https://www.zeit.de/2018/23/staedteb...z-josef-hoeing
(leider Paywall)

Darin spricht er konkret den "Generalverdacht" (Stichwort "Großsiedlung") an, mit dem solche Siedlungsprojekte konfrontiert sind. Er glaubt, dass der Siegerentwurf geeignet ist zu zeigen, dass "es auch anders geht" und man aus den 50er und 60er Jahren gelernt hat. Gleichzeitig betont er, dass der Entwurf nicht als final fixiertes Ideal zu verstehen ist, sondern als Ausgangspunkt für den eigentlichen Entwicklungsprozess, der auch auf Veränderungen in den nächsten Jahren reagieren muss.
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Alt 10.06.18, 19:00   #9
PES_God
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Alt 05.09.18, 02:41   #10
Goanna
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Am Montag abend haben Frau Pein (IBA Hamburg) sowie Bart Brands (einer der Verfasser) im Rahmen einer BDA-Veranstaltung noch einmal den Siegerentwurf präsentiert und vor allem einen kleinen Einblick in den aktuellen Stand der Arbeit gegeben.

Dabei wurde deutlich, wie anspruchsvoll es ist, die enormen Freiheitsgrade des Entwurfes (in Typologie, Architektur, Binnenstruktur der Quartiere, Nutzungsverteilung) im weiteren Prozess in verbindliche, aber nicht zu enge Regeln und Vorgaben zu fixieren. Vieles davon ist kaum in BPlänen abzubilden, da es im Entwurf nur als beispielhaft zu verstehen ist, und es bleibt abzuwarten, wie dies mit Gestaltungssatzungen, -beiräten passieren kann. Insbesondere auch unter der viel betonten Prämisse eines "lernenden" Prozesses, in dem über die Jahre sukzessive nachgeregelt wird.
In diesem Punkt in Deutschland sicherlich ein Projekt mit Modellcharakter.
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