Frankfurter Eingänge, Portale und Türen

  • Frankfurter Eingänge, Portale und Türen

    In Ergänzung zum bereits existierenden Thread „Frankfurter Fassaden im Detail“ wage ich mal, diesen Thread zu eröffnen. Während letzterer auf Fassaden und deren Schmuck konzentriert ist, soll dieser Detailbildern von Eingangsbereichen, Portalen und Türblättern dienen, die entweder eine Geschichte zu erzählen haben oder einfach nur bemerkenswert sind.


    Anfangen will ich mit etwas modernem – einem der meines Erachtens schönsten erhaltenen Exemplare der 1950er Jahre in der Stadt, nämlich dem Haupteingang der Carl-Schurz-Schule an der Holbeinstraße (Nr. 21–23). Ein Traum in Messingeloxal.



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    Den Entwurf für das 1957 erbaute, seit 2000 denkmalgeschützte Gebäude lieferte der damals schon pensionierte Baurat Josef Bischof. Dieser zeichnete u. a. auch für das sehr interessante, wohl entsprechend seiner Ausbildung eher an die 1930er Jahre erinnernde Gebäude Untermainkai 23–25 / Mainluststraße 1–3 verantwortlich. Dieses wurde allerdings schon 1950 erbaut.

  • Einen der schönsten Eingangsbereiche in Frankfurt, hat mMn der Frankfurter Hof. Leider wurde der Dachbereich nicht wieder in seiner ursprüglichen Form hergestellt



    Bild: thomasfra / größer=bitte ins Bild klicken

  • Wollen wir fünf gerade sein lassen? Dann Türen aus dem Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach - die Häuser und damit auch die Türen wurden andernorts in Hessen abgetragen und im Taunus nahe Frankfurt wieder aufgebaut.


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    Bilder: Schmittchen

  • ^ Erstaunlich genug, dass diese Reste nicht abgerissen wurden, oder ein rückwärts fahrender Laster sie umgenietet hat. Vielleicht wird das Portal in einer fernen Zukunft ja wieder würdig eingebettet :)


    Toller Eingang im Westend, Friedrichstr. 61 (lässt sich für Details durch anklicken vergrößern)



    Ähnlich üppig wie der oben von thomasfra geknipste Frankfurter Hof, wenn auch einige Nummern kleiner, dafür erfreulicherweise mit erhaltenem Dach: Der Livingstonsche Pferdestall, ebenfalls im Westend, hier leider ziemlich im Gegenlicht.



    -Bilder von mir-

  • Eine tolle Idee übrigens, diesen Strang zu eröffnen, wo es doch so viele schöne Portale in der Stadt (und Umgebung) gibt. Domplatz 14 (1907).



    -Bild von mir-

  • Ein anbetrachts der Kriegszerstörungen gewaltiger Glücksfall ist es, dass sich am Deutschordenshaus in Sachsenhausen eines der bedeutendsten Portale der Frankfurter Barockzeit sogar mit altem Türblatt erhalten hat, wenngleich es auch durch die Walter-Kolb-Straße nicht mehr in seiner ursprünglichen Wirkung zu erleben geschweige zu fotografieren ist. Über den Geschmack bei der Vergabe des Schriftzuges „Ikonen Museum“, der mich eher an eine Currywurstbude erinnert, kann man freilich auch streiten.



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    Anfang des 13. Jahrhunderts kamen die Gebäude an der heutigen Stelle auf Wunsch des für die Frankfuter Stadtgeschichte bedeutenden Kaisers Friedrich II. von der Reichsministerialienfamilie von Münzenberg an den Deutschen Orden. Die im Kern noch heute so erhaltene Kirche dahinter wird bereits kurz nach 1300 greifbar.


    Im frühen 18. Jahrhundert erfolgte die Barockisierung unter der Leitung des Frankfurter Maurermeisters Daniel Kayser – die Zunftgesetze erlaubte keine auswärtigen Bauleute – nach Plänen des Mainzer Oberbaudirektors Johann Maximilian von Welsch. Mainzer? Richtig gelesen, und zugleich pikantes Detail: der damalige Hochmeister des Deutschen Ordens war Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, der in zeittypischer Ämterkumulation zugleich die Posten des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz bekleidete, mit dem Frankfurt bekanntlich nicht die besten Beziehungen pflegte.


    Unzweifelhaft deswegen entstand 1709–14 ein für die damalige Zeit monumentaler und für Frankfurt ungewöhnlich reicher Bau, der das Sachsenhäuser Mainufer bis heute beherrscht – und die Frankfurter Ratsherren auf der anderen Mainseite erdulden mussten. Ob es Zufall ist, dass man ausgerechnet ein Jahr später, 1715, den aus Hanau eingewanderten Brüdern Heinrich und Johann Bernus nach über zehnjähriger Blockade plötzlich erlaubte, mit dem Bernusbau des Saalhofs ein reiches Gegengewicht zu errichten? Das Portal aus Neckarsulmer Sandstein mit den Figuren zweier Ordensritter in altrömischer Theatertracht schuf 1714/15 der Bildhauer Ericus Neuberger aus Idstein.

  • Zum ehemaligen Hotel Weidenbusch habe ich hier schonmal etwas geschrieben, daher nur kurz: 1770 entstand an der damaligen Ecke Steinweg / Töpfengasse, heute Steinweg / Goetheplatz mit dem vorgenannten Gebäude eines der edelsten Gasthäuser seiner Zeit. Auf dieser Aquatinta von 1836, also seiner absoluten Blüte, ist oberhalb des Haupteingangs gut ein phantasievoll gestaltetes Hauszeichen zu erkennen. 1905 wurde der alte Weidenbusch abgerissen und bis 1907 durch einen historistischen Neubau ersetzt, der heute nach Kriegsschäden nur noch als Fassade erhalten ist. Relativ unbekannt ist, dass dessen einstiges, heute zum Schaufenster heruntergekommenes Hauptportal am Steinweg noch das alte, in schönstem Rokoko schwelgende Hauszeichen des ersten Weidenbuschs von 1770 beinhaltet:



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    Hauszeichen? So wie es lange Zeit keine Nachnamen gab, weil in der Stadt schlicht zu wenige Leute lebten, als dass eine weitere Differenzierung nötig gewesen wäre, gab es im alten Frankfurt wie auch in praktisch allen anderen deutschen Städten lange Zeit keine Hausnummern.


    Stattdessen waren vor allem im süddeutschen Raum Hausnamen und dazugehörige physische Hausschilder- und zeichen verbreitet, die den Vorteil hatten, dass sie auch in Zeiten hohen Analphabetismus und speziell in Frankfurt wegen der Messe schon damals ständig großer Zahlen an Auswärtigen relativ einfach erlaubten, ein Haus eindeutig zu identifizieren.


    Dennoch, auch das Frankfurt am Main vor 1800 hatte wohl um 2.500 Häuser, eine große Freude dürfte es für niemanden gewesen sein, etwas zu suchen. Die Franzosen brachten, als sie die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts im Siebenjährigen Krieg besetzten – nachzulesen unter anderem bei Goethe in „Dichtung und Wahrheit“ – mit der sogenannten Quartiersordnung etwas Besserung. Das System kombinierte Elemente der heutigen Ortsbezirke mit Hausnummern, in dem es die Stadt in vierzehn Quartiere mit den Buchstaben A–O einteilte, denen bis zu dreistellige Nummern beigeordnet wurden. Gassen- und Straßennamen hatten also weiterhin keine echte Bedeutung.


    Zeitgleich entstanden erste Adressbücher, so dass man nun schon immerhin mal grob wusste, wo man hinzurennen hatte. Da die Nummern innerhalb der Quartiere nach einem jedoch kaum nachvollziehbaren System vergeben und teilweise auch einzelne Straßen Teil mehrerer Quartiere waren, blieb das Auffinden eines Hauses schwierig. Die ersten parzellengenauen Stadtpläne, die es erst nach 1800 gab, beispielsweise das bedeutende Werk des Bautzener Architekten und Kartographen Christian Friedrich Ulrich aus dem Jahr 1819 (Scan aus meiner Privatsammlung), veranschaulichten immerhin mit Farben, wo welches Quartier anfing respektive aufhörte.


    1845–47 wurde dann schließlich das bis heute nahezu unveränderte System eingeführt, das Gassen- und Straßennamen mit einbezog und mit Hausnummern verband. Kern des Systems ist der Main und seine Fließrichtung: in einem genordeten Stadtplan nehmen die Hausnummern der horizontalen Straßen mit der Fließrichtung, also von Ost nach West, zu, die Hausnummern der vertikalen Straßen beginnen am Fluss und nehmen mit zunehmender Entfernung davon zu. Seinerzeit wurde lobend hervorgehoben, dass durch diese zwei einfachen Regeln es selbst völlig Ortsfremden vom entferntesten Winkel der Stadt möglich ist, wieder zum Main zurückzugelangen.

  • An der Darmstädter Landstraße

    Nicht ganz so prunkvoll wie das Portal im Vorbeitrag, aber von hohem fotografischen Wert:


  • Nicht nur eines der seltenen, bauzeitlich erhaltenen Jugendstilportale in der Stadt – interessanterweise zu einem Haus im Stil der Neorenaissance – sondern auch durch den Laubengang höchst ungewöhnlich ist der Eingangsbereich des Hauses Günthersburgallee 73, erbaut 1903:



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    Ebenfalls sehr sehenswert – im Gegensatz zu den geschickt platzierten Mülltonnen – der zusammengefasste Zugang zu den Häusern Günthersburgallee 67 und 69 in Mischformen aus Jugendstil und Louis-seize, erbaut 1902:



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  • Hauszeichen? So wie es lange Zeit keine Nachnamen gab, weil in der Stadt schlicht zu wenige Leute lebten, als dass eine weitere Differenzierung nötig gewesen wäre, gab es im alten Frankfurt wie auch in praktisch allen anderen deutschen Städten lange Zeit keine Hausnummern.


    Das Konzept wurde aber auch deutlich später noch genutzt. In der Carl-Schurz-Siedlung in Frankfurt hatten die Häuser in den 1950-60ern außer ihren Nummern noch Tierbilder aus Blech, damit die Kinder, die damals[tm] frei herumliefen, bevor sie lesen konnten, in der sehr gleichförmigen Siedlung ihr Haus am Raben oder Eichhörnchen wiedererkennen konnten.


    Das Problem wird heute anders gelöst ("wie, alleine nach draußen, kreiisch!"). :(

  • Henninger Villa

    Das Henninger-Areal ist fast vollständig abgeräumt, aber auch nur fast. Außer dem alten Henninger Turm ist noch die denkmalgeschützte Henninger Villa aus dem Jahr 1875 übrig geblieben. Sie steht leer und soll saniert werden. Am Rand einer riesigen Brachfläche steht das sehenswerte Gebäude mit einem sehr schönen Eingangsportal.


  • ^^


    Ich glaube, das bedarf in einer Hinsicht der Ergänzung. Ein weiterer Orientierungspunkt ist der Domturm für die Straßen östlich des Doms. Denn bei den Straßen nach Osten hin versagt die Primärregel "Fließrichtung". Entsprechend werden manche Straße vor allem im Osten, flussaufwärts aufsteigend numeriert sind (z.B. Hanauer Ldstr., Franziusstr., Ferdinand-Happ-Str. , aber auch die Offenbacher Ldstr., Wiener Straße.


    Und dann gibts natürlich auch Straßen, die gar nicht ins Raster passen, z.B. die Schloßstraße, die vom Schönhof Richtung Hamburger Allee aufsteigend numeriert ist, also zum Dom hin und flußaufwärts.

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Geleitstraße

    Im weitesten Sinn einem Eingang zuzuordnen, nämlich einer Tiefgarageneinfahrt, ist eine Betonmauer zwischen dem Jobcenter Sachsenhausen in der Geleitstraße 25 und einem hässlichen Stromtransformations-Gebäude an der Darmstädter Landstraße. In die Mauer sind fast sakralartige Strahlen und Faltungen eingearbeitet. Ein Beispiel für Sichtbeton, wie er gerne altern darf:



    Bild: epizentrum

  • Krankenhaus Sachsenhausen

    Das ehemalige Haupteingangsportal des Krankenhauses Sachsenhausen in der Schifferstraße, das erst kürzlich aufwendig und detailgetreu saniert wurde. Der Haupteingang ist bereits seit längerer Zeit in der Schulstraße. Soweit ich erkennen konnte, wird der alte Eingang - wenn überhaupt - nur noch vom Personal benutzt.




    Bilder: Marty

  • Rochusstraße 14-16, Mainz

    Diese kleine, alte Kellertüre befindet sich in der Rochusstraße in Mainz (um mal den Rahmen dieses Strangs wieder etwas zu strapazieren ;)). Zum philiosophieren lädt dabei der Name ein, der auf den Sandsteinbogen gepinselt ist: Bitsch-Keller.



    -Bild von mir-

  • Bethmannstraße 7-9

    Ein schönes Portal hat der Bethmannhof, auch wenn es sich leider etwas im städtebaulichen Abseits befindet.



    Ganz interessant ist ein westlich davon liegender Bogen mit dieser Zeichnung eines Straußes. Vielleicht kennt einer von euch die Geschichte dahinter? Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.



    Ein Strauß war anderthalb Jahr alt
    In Größ und Form gleich dieser Gestalt
    Aus Tunis dem Barbarienland
    Ward uns seit Anno 1577 bekannt


    1577-1896
    1896-1944
    1973


    -Bilder von mir-


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    Mod: Den Bethmannhof hatten wir schon hier und das mit dem Strauß an dieser Stelle in den Beiträgen #42 f.

  • Villa Schlosser

    Der Eingang der Villa Schlosser, Untermainkai 4, ist eine klassizistische Schönheit. Das Haus wurde 1823 nach einem Entwurf von Christian Hess errichtet und zählt zu wenigen erhaltenen klassizistischen Privatbauten der Stadt. Anklicken zum Vergrößern.



    -Bild von mir-

  • Nachdem wir auch schon den Hessenpark und Mainz hier hatten wird sich bestimmt keiner daran stören, wenn ich zur Wiederbelebung dieses Threads ein Beispiel aus Alsfeld einstelle – oder man bennent den Thread eben in „Hessische Eingänge, Portale und Türen“ um. ;)



    (Klicken zum Vergrößern)


    Das Portal gehört zum sogenannten Neurathhaus, Rittergasse 3/4, und wurde 1688 als monumentales Stadtpalais des Stadtpalais im Auftrag des namensgebenden Patriziers Constantin Neurath für ihn und seine Frau errichtet. Es dient heute als Regionalmuseum und hat auch noch im Inneren beeindruckende Reste der originalen Ausstattung zu bieten.

  • Büsing-Palais

    ^ Tolle Aufnahme, sieht wirklich klasse aus! Das animiert zu einem Besuch in Alsfeld :)


    Ein schönes, schmiedeeisernes Portal hat das Büsing-Palais in Offenbach. Eine herangezoomte Ansicht des Tores hier.



    Detail mit Blume.



    -Bilder von mir-