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Alt 19.12.13, 09:45   #61
Batō
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Hier nochmal die Entwürfe:

MOA – Miebach, Oberholzer Architekten













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Berlin à la carte - die Projektkarte
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Alt 19.12.13, 09:49   #62
Batō
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Und Siegerentwurf Nr. 2:

KohlmayerOberst Architekten













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Berlin à la carte - die Projektkarte
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Alt 19.12.13, 10:19   #63
Eisber
 
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Brasilia mag bei seiner Erbauung zB "futuristisch" gewesen sein. Anno 2013 empfinde ich cleanen Sichtbeton und massive Baukörper mit kühner, monumentaler Statik eher als Ausdruck einer vergangenen Zeit, als Endpunkt.

Futuristisch im Sinne des 21. Jahrhunderts wäre eine Umorientierung zu auf nachhaltigen Bauweisen:

-Verwendung von Holz und anderen nachwachsenden Materialien
-bei Klimatisierung und Licht einen minimalen Energieverbrauch und ökologischen Fußabdruck, durch optimale Führung von Tageslicht und Ausnutzung der Physik für natürliche Belüftung

als zwei Beispiele.

Weiterhin heißt es doch immer, Architektur wäre ein kreativer Beruf. Wieso wird dann das NAHELIEGENDSTE überhaupt unterlassen, nämlich mit der Materialwahl Holz (als sichtbares Gestaltungsmittel) auf das Material der Bücher (Zellstoff aus Holz) unmittelbaren Bezug zu nehmen und damit sozusagen den "Inhalt" des Gebäudes auch auf diese Weise sichtbar zu machen. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass Holz "schön" altert, im Innenraum ein wunderbares Raumklima erzeugt, dabei auch akustische Vorteile mit sich bringt (einem "Hallen" entgegenwirkt, "KÖNNTE" ja in Bibliotheken von Vorteil sein), im Zusammenspiel mit künstlicher indirekter Beleuchtung ein sehr warmes, weiches Licht erzeugt, mit dem man ermüdungsfrei Bücher lesen kann ("SOLL" ja gerüchteweise der Hauptzweck einer Bibliothek im Lesesaal sein). Also eine wunderbare Synthese aus Funktion und Ästhetik. Das sei doch eigentlich das erklärte Motiv moderner Architektur. Solche grundlegenden Ideen vermisse ich komplett. Ich habe bisher keinen einzigen Entwurf für die neue Bib gesehen, der mich überzeugt.

Von richtig mutigen Ideen wage ich ja gar nicht zu träumen, beispielsweise könnte ich mir wunderbar vorstellen, einen neuen kleinen Wald rund um ein neues Bib-Gebäude anzupflanzen, mit künstlichen aber naturnah angelegten Wasserläufen, die sich optisch in das Gebäudeinnere fortsetzen, dort gibt es ebenfalls Gärten (gerne auch auf mehrere Etagen verteilt), die das Raumklima und die Wohlfühlatmossphäre zusätzlich verbessern und im Sommer durch ihre Verdunstungskälte mit geschickter Belüftung mithelfen den Innenraum kühl zu halten, im Winter die trockene Heizungsluft anfeuchten. Was ganz nebenbei auch noch bessere Lagerbedingungen für die Bücher mit sich bringt - und wieder haben wir eine Synthese, nämlich aus Ästhetik und Funktion.

Geändert von Eisber (19.12.13 um 10:46 Uhr)
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Alt 19.12.13, 17:24   #64
formatted_brain
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formatted_brain ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
So viel romantische Vorstellungen...
Leider ist Holz weder raumakustisch wirksam noch hat es einen nennenswerten Einfluss auf das Raumklima, da ueblicherweise versiegelt. Auch erzeugt es kein ermuedungsfreies Licht (wie denn auch??). Holz sieht einfach gut aus und fuehlt sich angenehm an, das wars dann auch schon.
Und seit wann ist feuchte Luft optimal fuer Buecher? Ich hab selten so viel Bloedsinn auf einem Haufen gelesen. Ist Holz vielleicht auch supi fuer den Brandschutz, macht den Himmel blau und die Wangen rot?

Mir ist relativ klar warum solche innovativen und wegweisenden Ideen bisher noch nicht vorgeschlagen wurden. Die sind naemlich Humbug.
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Alt 19.12.13, 18:05   #65
antipolis
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antipolis befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
frau lüschner muss echt langsam ihren hut nehmen,
mir ist nicht klar warum es in unserer stadt nicht möglich ist diesen posten vernünftig zu besetzen...

guter städtebau, gepaart mit gutem geschmack ist so einfach...

jetzt zieht die dame auch noch parallelen zu scharoun´s bauten

für die grösste bibliothek deutschlands habe ich mir auch etwas anderes vorgestellt (auch einen anderen standort), da ist der alternativvorschlag (entwurf : ICC) visionärer

der entwurf von MOA ist langweilig, 90er lassen grüssen - alles schon mal dagewesen - da kann man auch gleich die bibliothek ins sonycenter setzen - somit hat die lüschner auch ihren bezug zu scharoun.

es sollte ein entwurf werden mit dem dich berliner, gar ganz deutschland identifizieren kann - jetzt servieren sie uns einen glasbau, der auch die neue börse in eschborn sein könnte. lüschner, lüschner!

der entwurf von KOA ist um längen angenehmer und hat zumindest wiedererkennungswert - ich hätte den baukörper nur paralell zur ehemaligen lande/startbahn gesetzt - so wirkt es noch besser - egal

...

was spricht eigentlich gegen die entwürfe der II. III. V. anerkennung - mit denen kann man sich doch eher anfreunden, als mit einem üblichen glaskasten

nun ja, personalien kann man nicht ändern, geschmäcker auch nicht - also dann bitte den entwurf von KOA
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Alt 19.12.13, 18:50   #66
necrokatz
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Zitat:
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Mir ist relativ klar warum solche innovativen und wegweisenden Ideen bisher noch nicht vorgeschlagen wurden. Die sind naemlich Humbug.
Das ist zwar ein bischen hart formuliert, aber entspricht meiner Meinung. Außerdem, warum sollte denn Holz denn bitte 'nachhaltiger' als Beton oder Stein sein? Es ist doch eher das Gegenteil der Fall, wenn man die Haltbarkeit der Materialen bedenkt.
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Alt 19.12.13, 19:14   #67
Eisber
 
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"Haltbarer" ist Stahlbeton freilich wenn du mit deinem Handwerkerhammer dagegen schlägst, im Vergleich mit Holz. Holz gibt nach und hat hinterher einen Kratzer oder eine Delle, bei der Stahlbetonwand wird der Schlag mit dem Hammer nur für die eigene Hand schmerzhaft, wenn der Schlag hart genug ist. Diese vermeintliche "Schwäche" des Holzes ist eigentlich schon einer seiner Vorteile, die Flexibilität, es ist ein "lebendiges" Material. Bei Grenzbelastungen, zumal wenn durch Alterung/Feuchtigkeit/Korrosion usw. geschwächt, bröckelt und bricht Stahlbeton und kann dann sehr abrupt kollabieren. Holz macht sich lange zuvor geräuschvoll und optisch bemerkbar und bricht bei einigermaßen regelmäßiger Instandhaltung eigentlich nicht "überrachend".

Haltbarkeit bzgl. Substanzerhalt ist bei Stahlbeton schlechter als bei allen anderen bekannten, konventionellen Bauformen (Holzfachwerk/Holzständerbauweise, Vollziegelbauweise, Natursteinbauweise, Stahlrahmenbauweise). Ca. alle 30 Jahre braucht Stahlbeton eine gründliche und teure Betonsanierung. Holzhäuser stehen in Skandinavien und im Alpenraum bereits seit einigen Jahrhunderten mit Originalsubstanz und trotzen dem Klima wacker, solange die Dächer dicht sind. Es gibt durch entsprechende Leimungstechniken längst auch die Möglichkeit kühne Entwürfe mit Holz zu verwirklichen. Ich erinnere mich da exemplarisch an das Holzdach auf der Expo in Hannover seinerzeit. Das Publikum stand staunend davor, was mit Holz doch alles möglich ist. Nachahmer fand es freilich keine, Planer lieben scheinbar den grauen Stahlbeton einfach.

Ich habe eigentlich null Motivation noch irgendwelche Informationen zu liefern, wenn Argumente, die einfach nicht besonders konventionell sind, als "Humbug" bezeichnet werden.

Beispiel Brandschutz: es gibt längst analog zu den Flammschutzmitteln für Stahlbeton und Stahlträger auch Holzflammschutzmittel, die die Konstruktion bis 120 min. standhalten lassen. Davon abgesehen ist das, was an Bränden gefährlich ist, nicht dass die Gebäudekonstruktion Feuer fängt sondern die Rauchentwicklung binnen kürzester Zeit. Und die hängt von Einbauten und Einrichtungsgegenständen ab, v.a. von Kunststoffen.

Ich sprach davon Heizungsluft ANZUFEUCHTEN. Heizungsluft hat zumeist eine Luftfeuchtigkeit von unter 30%. Optimal für die Lagerung bzw. den langfristigen Erhalt von Büchern sind aber 30-45%. Kannst ja mal meßen, wie die Luftfeuchtigkeit gerade bei dir ist. Ich bekomme trotz Zimmerpflanzen, Aquarium und Luftbefeuchter am Heizkörper im Moment nur 37% hin, also noch im unteren Bereich (eigentlich noch zu trocken für die Atemwege).

Durch unlackierte Holzeinbauten reflektiertes Licht hat einen höhere Rotanteil und ist physiologisch daher besonders angenehm. Außerdem wird durch indirekte Beleuchtung generell eine Blendwirkung vermieden und das Licht gleichmäßig gestreut und dadurch "weicher" (insb. die neuen LED Leuchtmittel haben allesamt gebündeltes Licht und damit alles andere als optimal).

Hier noch eine aktuelle Referenz für die akustische Wirkung von Holzverkleidungen der Wände: http://www.holz-magazin.at/index.php...e-akustik.html

Auch die Behauptung, dass diese Ideen noch nicht vorgeschlagen wurden ist, um in der Wortwahl zu bleiben, "Humbug". Die Skandinavier müssen uns mal wieder vormachen, was zeitgemäße Architektur ist:

http://www.architektourist.de/2012/0...ippenstruktur/ (Vennesla hat laut Wikipedia nicht einmal 14.000 Einwohner, die Superdupermetropole Berlin lässt die 70er wiederaufleben).

In Stockholm plant man sogar schon Hochhäuser in Holzbauweise: http://www.nachhaltigleben.de/25-bau...euser-aus-holz

http://www.holz-magazin.at/index.php...stockholm.html

Auch die Amerikaner, sonst in Stahlbauweise vernarrt, entdecken Holz nochmal neu als Baustoff (Wohnhäuser und kleinere Gebäude sind dort ja schon immer aus Holz): http://www.designboom.com/architectu...wood-building/

Und auch in Italien, dem Land mit der wohl größten Architekturgeschichte Europas, ... http://www.makbuilding.eu/

Die Deutschen leben dagegen noch in der "Steinzeit" (pun intended).

Geändert von Eisber (19.12.13 um 19:41 Uhr)
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Alt 20.12.13, 01:50   #68
Siegrief
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Man hätte ernsthaft das ICC als Standort prüfen sollen. Hier wurden ja sogar Vorschläge von Architekten erarbeitet. Da hätte man zwei Probleme mit einmal erledigen können. Die 270-300 Mio Euro hätte man hier in die Sanierung und den Umbau stecken können und mögliche Kostenbeteiligung, um überhaupt einen Investor für das ICC zu finden könnte man hier auch mit hinein fließen lassen. Die Lage ist fast identisch. Am S-Bahn-Ring und am Autobahndreieck, nur nicht südöstlich, sondern nordwestlich gelegen.

Einen Büchertempel am Dreieck Funkturm im frisch aufgepäppeltem ICC könnte ich mir durchaus reizvoll vorstellen!

Die Gegend hätte somit auch eine enorme Wiederbelebung erfahren können.



© Jürgen Engel Architekten
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Alt 20.12.13, 02:05   #69
Urbanist
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Berchen hat schon recht, man kann mit Holz sehr schicke und auch langlebige Bauten errichten, und was den ökologischen Fußabdruck angeht ist der Baustoff nahezu unschlagbar.
Auch die Idee Außen- und Innenraum miteinander zu verbinden bzw. Architektur und Natur miteinander zu verweben ist interessant und so neu nicht, sondern wurde schon 1964 bei der modernen Ikone Fallingwater von Frank Lloyd Wright aufgegriffen.
Überhaupt scheinen skandinavische Kleinstädte gute Vorbilder für gute zeitgenössische Bibliothekenarchitektur zu sein, denn nicht nur in Vennesla/Norwegen, sondern auch z.B. im finnischen Seinajöki wurde kürzlich von JKMM Architekten eine bemerkenswerte Bibliothek als Erweiterung eines Ensembles von Alvar Aalto aus den frühen 50er Jahren fertiggestellt, in der Holz, rauhe holzverschalte Sichtbetondecken und organische Raumgefüge eine ungewöhnliche gelungene Symbiose eingehen.
Vielleicht sollte man sich solche Beispiele näher anschauen und prüfen, ob solche Ansätze auch für eine Großstadtbibliothek hochskalierbar sind.
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Alt 20.12.13, 07:22   #70
formatted_brain
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Berchen, nicht ich habe mich gewundert dass Deine Ideen in der Diskussion nicht auftauchen, sondern Du selbst. Lies mal Deinen #64 nochmal.

Wir finden bestiommt noch einen Konsens. Nochmal in Kuerze:

1.) Brandschutz: Auch mit guten Beschichtungen ist Holz nach wie vor ein brennbares Material, im Gegensatz etwa zu Stein und Beton. Und Deine steile These, dass brennbare Materialien im Brandfall eigentlich nicht das Problem sind, wird von Brandschuetzern nicht geteilt.

2.) Raumluft: es dachte wohl niemand daran, in der ZLB alle 10 m einen Wand an die Wand zu haengen. Bei zentralen Beluefutungsanlagen ist es hingegen kein Problem, die Luft vernmuenftig zu befeuchten, da braucht man keine Holztaefelungen.
Selbst wenn wuerde das nicht funktionieren: Wo nimmt denn das Holz das ganze Wasser her das da abgegeben werden soll? Speichert das die Luftfeuchtigkeit seit dem Sommer den ganzen Winter ueber?

Akustik: Die Stadthalle in reutlingen klingt gut, aber man haette die Waende auch aus Glas oder Gips machen koennen, mit derselben Akustik. Holz ist das eher wegen der Optik. Mit der Planung kenne ich mich zufaellig sehr gut aus. Es bleibt dabei: Holz ist raumakustisch nicht relevant.
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Alt 20.12.13, 10:55   #71
Eisber
 
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Weil Holz keine gegenüber anderen Materialien überlegenen akustischen Eigenschaften besitzt werden auch bis dato Geigen, Gitarren, Klaviere usw. aus Holz gefertigt. Was hier wohl eine "steile These" ist...

60-120 min. Standzeit bei einem Brand erreicht übrigens nicht jedes Gebäude aus Stahl und Stahlbeton. Die Standzeit ist bei einem eskalierenden Brand, entstehend und genährt in aller Regel durch Einbauten und Einrichtung nicht durch die Gebäudestruktur, ja auch nur für die Evakuierung und Rettungsmaßnahmen relevant, denn ein Gebäude ist bei einem Großbrandereignis ohnehin ein "Totalschaden". Man darf insb. bei einer Bibliothek davon ausgehen, dass die Einrichtung (tausende Tonnen Papier) leicht entflammbar ist, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Es ist eine falsche Vorstellung, dass "Stein" ja nicht brenne und daher Stahlbeton hier per se überlegen sei und massive Hartholzbalken wie ein Streichholz in Flammen aufgehen und sofort kollabieren. Frag da mal die Brandschützer. Auch ist aus Nordamerika, Australien, Neuseeland und Skandinavien, wo die Holzbauweise seit jeher dominiert, nicht bekannt, dass Städte andauernd von Feuersbrünsten vernichtet werden oder mehr Menschen durch Brandfolgen zu Schaden kommen im deutschen Stahlbeton.

Holz reguliert in der Tat Luftfeuchtigkeit, es nimmt mit zunehmender Luftfeuchtigkeit immer mehr davon auf und gibt bei sinkender Feuchtigkeit immer mehr wieder ab und ist damit ein "Puffer". Umgekehrt ist Stahlbeton dafür bekannt, für chronisch trockene Raumluft zu sorgen (bei guter Belüftung, bei mangelhafter Belüftung das andere Extrem), wobei selbst bei künstlicher technische Zufeuchtung kein angenehmes Raumklima entsteht. Physiologisch ist eine Mischung aus Holzverbauen und Zimmerpflanzen daher - auch ökonomisch - die beste Lösung. Im Übrigen, ja, ich lese ein gutes Buch lieber in einem gemütlichen holzvertäfelten Lesesaal als in Tiefgaragenatmossphäre. Wenn du mehr dazu wissen willst, hier ein kurzes Interview mit einem Architekten und Baubiologen zum Thema "Beton und seine Schattenseiten": http://www.planet-wissen.de/alltag_g.../interview.jsp
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Alt 20.12.13, 16:48   #72
Haufen
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Haufen könnte bald berühmt werdenHaufen könnte bald berühmt werden
Wenn man sich die Visualisierungen des Siegerentwurfes so anschaut, muß man sich schon fragen wie die veranschlagten Baukosten zu rechtfertigen sind. Der Vergleich wird zwar immer wieder aufgestellt, aber das ganze sieht schon sehr nach Parkhaus oder Warenlager aus. Man kann sich beispielsweise schwer vorstellen wie man sich bei solch einer steril und kalt anmutenden Innengestaltung beim Bücherstöbern und -lesen wohl fühlen soll. Hinzu kommt die Lage: In direkter Nähe verläuft die Stadtautobahn und dahinter grüßt ein Industrieviertel. Für solch einen "Prestigebau" ist das sicherlich eine interessante Nachbarschaft, gerade angesichts der vielen Freiflächen in Zentrumsnähe. Wieviele Menschen würden sich da eigentlich nach Anbruch der Dunkelheit zu einem Spontanbesuch entschließen?
Zudem würde durch die Bebauung der Park seinen einzigartigen Flughafencharakter verlieren, und damit gleichzeitig einen Großteil seines Reizes. Sinnvoller wäre da doch der Standort der AGB (Wie sieht es dort eigentlich mit den Besitzverhältnissen aus?).
Grundsätzlich bin ich aber der Meinung den Status quo beizubehalten. Anstatt Unsummen für eine fragwürdige neue Zentralbibliothek auszugeben, wäre es sinnvoller einen Bruchteil des Geldes in die bestehende Infrastruktur zu investieren, allein schon weil die Bibliotheksnutzer recht zufrieden zu sein scheinen mit der jetzigen Situation. Glücklicherweise besteht diese Möglichkeit ja noch.
Gerade die AGB ist bei allen Bevölkerungsschichten sehr beliebt und erfüllt damit eine wichtige soziale Funktion. Ob das am neuen Standort auch noch der Fall wäre wage ich mal zu bezweifeln.
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Alt 20.12.13, 18:33   #73
Eisber
 
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Wen interessiert schon, was die Berliner wollen? Berlin muss jetzt superduper Weltstadtmetropole sein. Superlative sind daher gefragt. Dass der normale Bibnutzer lieber keine "Zentralbibliothek" sondern wie bisher räumlich verteilte, d.h. ihm näherliegende, Standorte will dürfte einleuchtend sein. Zumal wenn die neue Zentralbib nicht in gewachsene Strukturen eingepasst wird sondern "im Nirgendwo" liegt. Das Problem der Lage hast du ja auch angesprochen.

Mich überzeugt das gesamte Konzept nicht und gerade das klamme Berlin sollte das Geld lieber für punktuelle Instandhaltung bestehender Bibs nutzen, v.a. auch für Neuanschaffungen von Medien. LESEN bildet, nicht Beton (oder Holz). Daher sollten im Zweifel architektonische Ambitionen im Bildungsbereich ohnehin zurückstehen.
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Alt 20.12.13, 20:09   #74
nikolas
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nikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiellnikolas ist essentiell
^^
Ach, da sprichst du was an! Auch wenn ich mich vor dem Entwurf von KohlmayerOberst Architekten zutiefst verneige, so finde ich den Gedanken einer zentralen Zentralbibliothek in so unzentraler Lage sehr befremdlich.

Als fleißiger Nutzer der Amerika-Gedenk-Bibliothek wird mir um die Ecke was fehlen. Das dezentrale Konzept mit vielen Standorten + Bücherbestell-& Abholdienst in die Bücherei seiner Wahl, macht dieses Projekt mehr als überflüssig.

So ne Bücherei um die Ecke ist immer auch ein Stadtteilbegegnungszentrum. In Kreuzberg, in Dortmund, in München und anderswo. Wenn man da so mit wachen Augen durschlendert, dann sieht man das Obdachlose hier kostenlos ihre Tageszeitung lesen und sich aufwärmen. Kinder aus Großfamilien machen dort ihre Hausaufgaben, weil zu Hause wohl zu eng oder zu laut oder kein Internetanschluss, für die Wikipedia-Recherche ist. Es wird geflirtet und geschwatzt, all diese Dinge eben.

Ein zentraler Großkasten für alle, in der Walachei des Tempelhofer Feldes kann das oben genannte unmöglich ersetzen.

Der Oberbürgermeister kontert diesen Einwand für gewöhnlich mit der Argumentation, dass die neue zentrale Landesbibliothek ja viel mehr werde als eine schnöde Ansammlung von Büchern, so´n Multimediadingsbums halt...

Ich frage mich hingegen was das sein soll? Ein Buch bleibt ein Buch, ein E-Book ein E-Book und eine Pdf eine Pdf. (Alles erhältlich in der Bücherei, bei Amazon oder im freundlichen Buchladen um die Ecke).
Zu Hause habe ich noch Internet und kann TV. Mehr Multimedia geht doch nicht. Da muss das Rad/ der Buchdruck doch nicht erst neu erfunden werden. Man lese nur dieses unsägliche Marketinggeschwurbel und gibt mir Recht.


Aus der Beurteilung des Preisgerichts zu der Arbeit von MOA – Miebach Oberholzer Architekten, Zürich (CH):
"Der überzeugende robuste und durchaus flexible Charakter der Bibliothek, der kräftige Ausdruck ähnelt einer Kulturmaschine. Eine einfache Wiederholung von Knoten, Gelenken und Decken führen zu dem strukturellen Aufbau des Gebäudes. Der Verfasser erzeugt durch die Beschränkung der verwendeten Bauelemente trotzdem eine maximale Effizienz und Funktionalität in der Organisation des Gebäudes."

Mein Kommentar: Genau so siehts auch aus! Die Beurteilung ließt sich wie eine streng verfasste Diätanleitung für nach den Feiertagen. Der erhobene Zeigefinger aka Martialische Kohlsuppendiät nach der hemmungslosen Völlerei am Festtagsbraten.

"Beschränkung", "maximale Effizienz und Funktionalität", "Kulturmaschine" das kommt mir allzu nüchtern sachlich und abgeklärt daher. Und so sieht der Entwurf ja leider auch aus. Mehr ein Ingenieurbau für die allernotwendigsten Bedürfnisse; den Architektur, im Sinne von gestalterischem Überschuss. Erinnert mich in seiner Formensprache - oder eben in der totalen Ermangelung dieser - stark an Hochschulbauten aus den 1960er Jahren (vgl. die Campus-Unis in NRW, die in den 1960-1970er Jahren so rasch und zahlreich aus dem Boden gestampft wurden).

Fazit: Um im Bilde zu bleiben; auch wenn Berlin gerne über seine Verhältnisse lebt und hier jeder Tag ein prasserischer Festtag ist, so muss es sich nicht mit diesem diätischen Funktionsneubau bestrafen. Es gibt andere Wege, z.B. sparen durch Verzicht!
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Ein Leuchtturm ohne Meer ist eine Bauruine!
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Alt 20.12.13, 21:31   #75
Chandler
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Die Außenansicht des KOHLMAYER OBERST Entwurfs weckt bei mir Assoziationen zu Flugzeugträgern. Was ja auch ganz gut zum Standort passen würde. Bei den weitläufigen Innenräumen mit Sichtbeton kommen mir auch diverse Universitätsgebäude in den Sinn. Wäre zumindest für akademische Nutzer ganz nett wenn sie dadurch an "die gute alte Zeit" erinnert werden.

Bezüglich Standort und Nutzung kann ich nikolas weitgehend zustimmen. Wobei ich es aber recht angenehm finde mir eine große Auswahl an Büchern und Zeitschriften vor Ort ansehen zu können und sie nicht erst bestellen zu müssen.

Wowereits Präferenz für den Standort Tempelhof könnte vielleicht auch damit zu tun haben, dass er aus dem SPD-Bezirk Tempelhof kommend aufgestiegen ist und er damit so eine Art Abschiedsgeschenk als Regierender Bürgermeister hinterlassen kann.
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