Kulturforum

  • Im Tagesspiegel schreibt Historiker und Publizist Michael Cullen über das Kulturforum und die Pläne der Senatsverwaltung f. Stadtentw. die Mitte Februar ein Konzept für eine „Zwischennutzung“ für das Kulturforum zwischen Neuer Nationalgalerie und Potsdamer Platz vorgestellt hat. Demnach soll bis 2012 eine Grünanlage mit Bäumen entstehen und an der Potsdamer Straße ein Info-Pavillon mit Café. Außerdem werde der Parkplatz vor dem Kammermusiksaal verschwinden und die Stichstraße für Autos gesperrt. Dazu die Kritik von Cullen:


    Das Problem sei kein rein städtebauliches sondern hänge eher mit der geringen Aufenthaltsqualität des Kulturforums zusammen. Seine Vorschläge: Lärmreduzierung (Flüsterasphalt und Tempolimit auf der Potsdamer Straße), Luftverbesserung (Vorschrift für Elektrobusse und andere nicht CO2-emittierende Fahrzeuge), Reduzierung des Verkehrsaufkommens (Bau unterirdischer Parkhäuser um den Parksuch- und Quellverkehr zu reduzieren), Erweiterung des Kulturangebotes mit Restaurants und Bars.


    Artikel Tagesspiegel

  • Im Grunde hat er ja recht. Noch mehr Bäumen werden das Problem nicht lösen. Irgendwo ist auch mal der Tiergarten zu Ende. Man muss mal eine Grenze ziehen. Mit nem Gastro-Pavillon wird man da aber auch nicht weit kommen. Was er da aber verlangt, bedarf ja gleich einem neuen Quartier, was natürlich interessant wär. Bleistifte kann man jedoch notfalls auch in den Museumsshops kaufen. Und Speicherkarten gibts auch an der Museumsinsel, Naturkunde- oder Technikmuseum nicht. Will er nen Saturn vor der Tür? Da kann man ja wohl die 5 Minuten zu den Arkaden laufen.


    Mir ist neulich aufgefallen, dass es ja eine kleine aber feine Sichtachse vom Schöneberger bzw. Reichpietschufer in die Hitzigallee auf einen "Risalit" der Gemäldegallerie in der Sigismundstr. gibt. Nur nebenbei, fand ich ganz interessant...Könnte man nicht irgendwann auch die freie Fläche an der Tiergartenstr. (nicht den Parkplatz hinter der Phili) bebauen oder zumindest etwas gestalten? Die jetzige Situation mit Blick auf die Rückseite des Forums und dessen Parkplatz ist ja nicht grad das wahre...

    Einmal editiert, zuletzt von Ben ()

  • Zu Cullens Kritik:
    Ich finde sie im Grunde richtig. Die geschilderte fiktive Situation nach dem Besuch der Neuen Nationalgalerie kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich stehe einer Art Schlemmergastronomie in der man sich nach Kultur den Bauch und das Hirn vollschlägt, also einer Gastronomie die sich gezielt und ausschließlich an Museumsbesucher wendet, an dieser Stelle zwar eher ablehnend gegenüber -- dennoch denke ich, muss Kultur geistig verarbeitet werden und dazu braucht es unterschiedliche Angebote, u.a. gastronomische. Es muss Zonen, bzw. Räume in unmittelbarer Nähe geben, die das Gespräch, den Disput, die Diskussion über das Erlebte fördern. Die bestehenden gastronomischen Angebote, wie z.B. das "Billy Wilders" sind in der Tat zu weit entfernt.


    Skeptischer bin ich beim Vorschlag der Lärmminderung auf der Potsdamer Straße. Ich bin mir nicht sicher ob das einen zusätzlichen Erfolg bringt. Die Stadtlandschaft ist an dieser Stelle sehr offen, d.h. Schallwellen breiten sich ohnehin ungestört aus; das Hintergrunddröhnen wird sich nicht wesentlich verringern. Man müsste dann auch die Geschwindigkeit auf den Fahrbahnen am Kanal beschränken. Ausserdem könnte es durch den Neubau der Strassenbahn zu einer zusätzlichen Lärmquelle kommen. Weitaus effektiver, nützlicher wäre eine Tempo-30-Zone auf der sehr stark befahrenen Tiergartenstrasse und zwar für den Tiergarten. Den Nutzen kann man aus ihm heraus im Bereich der Baustelle zur Zeit ganz gut erfahren.


    Ben:
    Selbige Überlegung hatte ich auch vor einiger Zeit und habe sie nach meinen Vorstellungen einmal aufgezeichnet. Den Vorschlag habe ich nicht gepostet, weil ich meinen restlichen Plan im Bereich der zentralen Freifläche für äußerst unausgegoren halte und auch keine rechte konzeptionelle Lösung dafür habe. Ich finde es sehr schwierig für das Kulturforum einen Plan zu entwickeln (und ich habe ja nicht mal Auflagen).
    Im Großen und Ganzen schwanke ich an dieser Stelle zwischen einer Bebauung in etwas kleineren Teilen mit Sichtachsen und einer "Elefantenlösung" mit ein oder zwei zusätzlichen Solitären.


    Im nördlichen Bereich zum Tiergarten hin hatte ich an eine Fortführung der Bebauung im exklusivem Stil der Wohnbauten an der Lennestrasse gedacht, jedoch mit einer nach Westen abfallenden Tendenz. Durch Spielbank und Stabi sollte eine Passage vom Marlene-Dietrich-Platz auf den zu gestaltenden Platz vor der Stabi führen, um die Neue Nationalgalerie besser an Gastronomisches anzubinden.
    In der Sichtachse der Leipziger Strasse sollte auf Höhe der Gemäldegalerie ein markanter Bau mit höherer Oberkante entstehen, um Besucher des Potsdamer Platzes optisch in die "Tiefe" Richtung Gemäldegalerie zu ziehen. Dazu wurde die Wegeführung geändert und die Scharounstrasse für PKW geschlossen.


    Hier das Bild dazu (je roter desto höher das Gebäude; Strassenbahn ist auch schon eingezeichnet; grüne Kreise sind Bäume; Grau Strasse; Braun Wege)



    Bild: Stunden und Google Earth


    Eine Frage zu der Sichtachse in der Hitzigallee (die mir bisher verborgen blieb): was könnte man damit anfangen? Hattest du an eine Füssgängerbrücke gedacht?

  • Wirklich Gedanken habe ich mir bez. dieser Sichtachse eigentlich keine gemacht. Es ist mir nur aufgefallen und ich fands interessant. SO spektakulär, dass man sie besonders in Szene setzen müsse, ist sie dann doch nicht. Vielleicht wirds ja was mit nem Foto...


    Deine Idee, am Ende der Sichtachse Potsdamer Straße, finde ich eigentlich nicht schlecht. Aber dazu müsste (nach deinem Entwurf) ja auch das Museum selbst umgebaut werden. Das sehen die Planungen ja nicht vor, oder? Auch würde ich die Scharoun-Bauten vielleicht nicht ganz so sehr in Neubauten einfassen. Aber die Bebauung entlang der Tiergartenstr. habe ich mir so in etwa gedacht.


    Wenn ich mir deinen Entwurf (oder generell den Stadtplan) so anschaue, würde ich fast sagen, dass weniger der Platz vor den Museen das Problem ist, sondern eher die Stabi, die das ganze neu bebaute Areal des Potsdamer Platzes vom Kulturforum trennt. Man läuft auf der Alten Potsdamer Str. ja quasi auf einen Wand zu. Auch wenn beides von Scharoun ist und sich vom Fassadenmaterial ähneln, so finde ich die Philharmonie sehr viel gelungener. Die Stabi ist einfach zu groß und zu verschachtelt. Stünde sie nicht im Weg, könnte man den Süd-Nord-Verkehr Richtung Osten in Form über die Alte Potsdamer z.B. als Einbahnstraße zum Potse leiten, statt über die große Potsdamer Str. Dann könnte man in der APS zwar nicht mehr so sorglos über die Straße laufen, aber Herr Jott...Aber dass die Stabi wegkäme ist ja eh utopisch, insofern...

  • Ich glaube Verdichtung ist im Forum dringend notwendig. Das mit dem höheren Gebäude in der Sichtachse ist auch eine gute Idee. Ein Hauptproblem des Kulturforums ist ja, dass es in Richtung Potsdamer Platz durch eine ziemlich hohe wuchtige Wand, in Form des Sonycenters etc abgeschottet wird. Es sollte ein architektonischer Übergang geschaffen werden. Durch Verdichtung und einige höhere Neubauten in Richtung Potsdamer Platz. Ich finde die Ideen von "Stunden" recht gut.

  • Hier mal die von mir angesprochene "Sichtachse". Leider schnell mit dem Handy ausm Auto und zu nah dran, weil sonst ein LKW die Sicht verdeckt hätte. Hat mMn was von Säulenportikus und Dreiecksgiebel. Etwas Fantasie gehört natürlich dazu ;). Vom anderen Ufer hat es etwas anders gewirkt.


  • Da könnt man natürlich schon was draus machen, wenn man die Gegend auch etwas belebt. In den Strassen westlich und östlich ist ja deutlich mehr los. Vielleicht könnte man einen zusätzlich Zugang zur Gemaldegalerie schaffen oder einen Durchgang in ihren Hof, wo man dann Zugang zum Haupteingang von der anderen Seite hätte. Würde man dann diesen Durchgang noch nach Norden verlängern, hätte man einen direkten Zugang zum gepflegtesten Teil des Tiergartens rund um die Luiseninsel. Zur Zeit kriegt man ja von Norden aus dem Tiergarten kommend nicht im Geringsten mit, das dort ein Museumsschwergewicht liegt (Hinterhofcharakter). Mit einem Weg "in die Tiefe" könnte man Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schöne große Fenster hat der Portikus ja schon.
    Südlich könnte man mit einem Übergang eine Verbindung zum Radweg am Landwehrkanal schaffen. Wegetechnisch wäre das sogar recht gut, nördlich führt der Radweg ja weiter bis zur Großen Querallee (das geht mit der Stauffenbergstrasse nicht). Wäre eine kleine Maßnahme zur Belebung des Areals und würde der Gemäldegalerie doch den einen oder anderen Besucher mehr bringen (in Kombination mit anderen Maßnahmen).


    Hätte das Maritim Hotel seinen Eingang an der Hitzigalle oder Sigismundstrasse wäre die Situation an sich schon angenehmer.

  • aus dem online-dialog 2004 (hier:http://www.stadtentwicklung.be…fentl_diskurs/index.shtml) ergab sich als ein hauptpunkt das fehlende image und die bisher fehlende abstimmung der ansitzenden akteure des kuturforums. bevor bauliche veränderungen hinzugefügt würden, sollten zusammenarbeits- und aktionskonzepte entworfen werden, um die instiutionen, die gebäude selbst und infolge dessen auch die außenbereiche besser ins blickfeld und ins gedächtnis der besucher zu bringen. zudem war der gegensatz zwischen verdichtung und das verfolgen der stadtlandschaftsidee scharouns enorm.
    so, wie sich die planungen jetzt darstellen, bin ich fast der meinung, die realisierung des gästehauses scharouns (hier:http://www.stadtentwicklung.be…s_im_modell_800x371.shtml) wird dem areal an der neuen potsdamer straße den besten halt geben.
    im westlichen teil fände ich einen radikaleren umgang sinnvoller, um einen übergang von jener stadtlandschaft zum geschlosseneren bereich hinter den museen zu schaffen. sprich: freistellen aller einzelnen museen, die piazzetta und verbindungsbauten entfernen und einen einzelnen (höhenbetonten) bezugspunkt setzen. am besten mit einem riesigen kulturforumsymbol, welches sich leuchtend und in der achse vom potse erkennbar, in der berliner luft dreht.. irgendwie so.
    die freiflächen, die von der stiftung berliner kulturbesitz eh mit neuen gebäuden verplant sind, könnten zum übergang in die westliche geschlossenheit beitragen. wie wäre es, in der nordwestlichen ecke dann die kunsthalle hin zu setzen?
    die starke kante zum sonycenter hin finde ich auch ein problem. daher fände ich die ehemals angedachten torbauten an der neuen potsdamer eine gute lösung, den übergang feiner zu machen. leider, wie im masterplan zu sehen, entsprach diese idee nicht dem erfolgten damaligen konsens, diesen bereich höchstens mit flachbauten zu besetzen, um sichtbziehungen nicht zu stören..??
    in allem halte ich das nun entschiedene vorgehen (straßen und platzrücknahme an der kirche und eine vereinheitlichung der grünanlagen) für einen sinnvollen ersten schritt.

  • Vor dem Ibero-Amerika-Institut wird gerade eine Statue "vergoldet"!
    Ich denke es handelt sich um die von Simon Bolívar!


    Genaueres konnte ich im Vorbeifahren nicht sehen, aber es könnte auch sein das es nur goldfarbene Folien waren! :confused:

  • Wenn man sich Scharouns Planungen für das Kulturforum und den Mehringplatz ansieht, fällt auf, dass er alles andere als an die mögliche Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins dachte. Er hat im Gegenteil die Teilung zementiert. Die Stabi steht mitten auf der B1, früher mal die legendäre R1 von Aachen nach Königsberg. Am Mehringplatz schirmt er diesen mit Hochhäusern nach Norden ab gegen die hier geplante Autobahntrasse parallel zur Mauer. Dem wiedervereinigten Berlin stehen deshalb einige seiner Bauten auch "im Weg".
    Helfen würden m.E. zunächst mal große dicke Alleebäume mit entsprechenden Lücken für Blick- und Sichtachsen für die Potsdamer Straße bevor man über weitere Neubebauung nachdenkt. Gibt Lärmschutz und der Blick verliert sich nicht in den vielen zusammenhangslosen Weiten, Leerflächen und Grünanlagen, die leider nicht großzügig, sondern wie ein Flickenteppich wirken.

  • Man kann also sagen: Scharoun hat Berlin geteilt! Das ist eine bahnbrechende Erkenntnis, die dem verlogenen Umgang der unfähigen Denkmalpfleger und Architekten mit den hässlichen Hinterlassenschaften der Moderne endlich ein ENDE setzen muss!!! Hast Du vielleicht sogar bislang noch unbekannte Dokumente, mit denen sich beweisen ließe, dass Scharoun auch für den Schießbefehl verantwortlich gemacht werden kann? Überhaupt: Stabi, das klingt ja schon verdächtig...


    (nur für Moderatoren: der Ironiegehalt dieses Postings kann persönlich erfragt werden)

  • ^^
    Auch als NICHTmoderator würde mich interessieren, was du eigentlich aussagen willst. Soll dein Post mich vorführen? - dafür musst du allerdings früher aufstehen. :cool:
    Es war ja noch nicht mal eine Scharounlästerung, falls du einer seiner Bewunderer sein solltest, sndern nur eine Feststellung gebauter Tatsachen. Dass die Situation nach dem Fall der Mauer an einigen Stellen in Berlin schwierig ist, ist doch augenscheinlich. Hier hat die Denkmalpflege die große Aufgabe, einen Spagat zwischen Erhalt und stadtentwicklungsmäßig nötigen Abrissen zu vollführen.

  • Den Braunfels-Entwurf finde ich auch sehr spannend, wobei das einzelne Hochhaus wohl eher verloren wirken könnte. Ein Cluster macht sich da besser, ist für diesen Ort aber unangemessen- also am besten weg damit. Sehr gut gefällt mir die Torsituation in Richtung Potdamer Platz.


    Die Ergebnisse der Masterarbeit finde ich für diese Stelle auch etwas zu überzogen...


    Grüße.

  • Na, ob man diesen Kreisverkehr zulassen würde? Das wird dann wieder als Huldigung an Germania ausgelegt oder so. Aber Kreisverkehr mit Fontäne in der Mitte auf einer Achse finde ich an sich gut. Der andere Entwurft sieht ja aus, wie Tetrisforum.

  • [...]wie Tetrisforum.


    Muss nicht schlecht aussehen, aber angesichts der eher skulpturalen Bauten am Kulturforum (von der NNG mal abgesehen) würden solche Tetris-artigen Baukörper wohl einen zu starken Kontrast darstellen, auch wenn die angedeutete Boxeinfassung des Forums eine gute Idee ist. Aber ich zweifle wie gesagt auch, dass es gut harmonieren würde mit dem Bestand, von daher wäre diese Kreisverkehr und Fontäne-Lösung besser. Andererseits hat ne Fontäne im kreisrunden Bassin auf mich eher so ein bisschen 50er-Jahre Weltstadtattitüde, so als spontane Assoziation. Einen schönen großen, aber schlicht gestalteten Brunnen fände ich besser. Aberi st ja auch nur ne Entwurfsplanung, da wäre sicher noch Raum für Alternativen. Die angedeutete Straßenbahnführung finde ich sehr gut, aber wird die Straßenbahn über die dicht befahrene Leipziger Straße kommen? Kann mir schwer vorstellen wie da noch ein Bahnstreifen hinkommen soll oder die Bahn würde halt oft im Stau feststecken.

  • In den letzten Jahren kamen immer wieder Planungen, Ideen und Entwürfe für das Kulturforum auf und immer wieder wird dadurch verdeutlicht, dass die größten städtebaulichen Problem des Kulturforums die Staatsbibliothek und das Musical-Theater sind. Keine Frage, die Staatsbibliothek mag architektonisch einen großen Wert haben - auch wenn sie lange nicht so überzeugend ist, wie das Ensemble aus Philharmonie und Kammermusiksaal-, städtebaulich ist sie aber eine Katastrophe. Sie ist eine nahezu unüberbrückbare Barriere zwischen dem lebendigen Potsdamer Platz Areal und dem meist menschenleeren Kulturforum. Meiner Meinung nach, sollte man den historischen Verlauf der alten Potsdamer Straße wieder herstellen und das Potsdamer Platz-Quartier in Richtung Westen bis zur neuen Potsdamer Straße erweitern. Dafür müsste man jedoch die Staatsbibliothek abreißen. Ich kann mich selbst nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, aber so mehr ich darüber nachdenke, halte ich den Verlust der Staatsbibliothek jedoch für verkraftbar für Berlin. Die Philharmonie, das deutlich gelungenere Werk Sharouns, sollte selbstverständlich erhalten werden, und wäre auch ohne Staatsbibliothek ein beeindruckendes Zeugnis aus der Entstehungszeit des Kulturforums. Nur so lässt sich eine funktionale und ästhetische Einbettung des Kulturforums in das sich veränderte Berlin erreichen.

  • Das ist der Masterplan, nach dem der Liegenschaftsfonds Verhandlungen mit Kaufinteressenten führt. Man achte auf das Datum:



    (C) Land Berlin

  • Anbindung Kulturforum an den Potsdamer Platz

    Der Kontrast zwischen der kompakten Bebauung des Potsdamer Platzes (Sony/Daimler)und dem locker bebauten (und leider nie fertiggestellten) Kulturforum ist schon frappierend. Sie wurden unter völlig verschiedenen Voraussetzungen geplant und gebaut und stehen sich fast unversöhnlich „Rücken an Rücken“ gegenüber.


    Völlig richtig, dass die neue Stabi (und auch das Musicaltheater/Casino) sowie das westlichste Sony-Gebäude und das Musikinstrumentenmuseum eine massive Barriere zwischen den beiden Gebieten bilden. Sie sind nur durch die für Fußgänger weniger heimelige Neue Potsdamer Straße verbunden oder man muss „außen rum“ gehen. Und genau vom Potsdamer Platz aus muss der Zugang verbessert werden - von Westen und Süden kommt nun mal kaum Laufkundschaft, erst recht nicht von Touristen.


    Einen Abriss eines dieser Gebäude (erst recht der Stabi) halte ich für unrealistisch und auch nicht für wünschenswert. Was kann man also kurz- bis mittelfristig machen, um das in der Tat recht leere (und abends fast ausgestorbene) Kulturforum besser anzubinden und zu beleben?


    Zunächst könnte man die großen Freiflächen des Kulturforums attraktiver gestalten und auch mehr pflegen. Zwischen den Gebäuden dort sieht es m. E. recht lieblos, ungemütlich und z. T. auch etwas verwahrlost aus – speziell auch um die Philharmonie herum. Gerade die ersten Meter westlich der „Grenze“ (Kreuzung Neue Potsdamer/ Ben-Gurion-Straße) müssten einladender gestaltet werden, um den „Sprung“ zum Kulturforum zu erleichtern.


    Das Fehlen von Gastronomie wird immer wieder zu recht bemängelt. Im Bereich der Grünflächen nördlich und südlich der Neuen Potsdamer Straße könnte man das eine oder andere attraktive Café / Restaurant mit Außenterrasse ansiedeln, am besten so, dass man es schon gut sehen kann, wenn man sich noch zwischen Sony und Daimler befindet. Da müssen die Leute sofort „Bock“ kriegen, dort einzukehren!


    Die Museen des Kulturforums müsste sehr viel stärker beworben und deutlich ausgeschildert werden. Speziell die Touristen kriegen kaum mit, dass es dort wichtige Museen gibt. Wer von denen weiß schon, dass es dort ein Musikinstrumentenmuseum oder ein Kunstgewerbemuseum gibt, auch wenn letzteres derzeit eh wegen Umbau geschlossen ist. Die Eingänge zu diesen liegen regelrecht versteckt und sind nicht leicht zu finden und auch nicht einladend gestaltet. Das Kulturforum verkauft sich völlig unter Wert! Auch die moderne Architektur der Gebäude muss durch Pflege und Reinhaltung der Fassaden optimal in Szene gesetzt werden.


    Die eigentlich bedeutende Neue Nationalgalerie wirkt von außen irgendwie immer leer und dadurch wenig einladend (wenn nicht gerade etwas besondere wie die Moma-Ausstellung o. ä. dort stattfindet). Die Leute müssen von außen schon sehen, dass es sich um ein tolles Museum handelt - diese „leere“, von außen gut einsehbare oberirdische Halle müsste dafür innen irgendwie umgestaltet bzw. sichtbar gefüllt werden.


    Der südliche Fußweg entlang des künstlichen „Daimler-Sees“ Richtung Südwesten endet am vielbefahrenen Reichpietschufer, der dortige Teil des Kulturforums mit Parkplätzen und Betonpavillons (am Iberoamerikanischen Institut) ist eher abweisend. Hier müsste auch ein attraktiverer Zugang zum Kulturforum geschaffen werden, evt. durch eine breite Fußgängerpromenade, wenigstens aber eine Verbreiterung und bessere Gestaltung des Gehweges am Reichpietschufer. Zudem ist dort die Querung der Potsdamer Straße für Fußgänger eine Zumutung (mehrere Ampelphasen wegen der separaten Abbieger-Fahrbahnen).


    Klar, das kostet alles Geld (und politischen Willen), aber es ist einfach schade, dass ein kulturell und architektonisch wichtiges Gebiet sein Licht dermaßen unter den Scheffel stellt.