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Alt Gestern, 03:28   #196
HarrySeidler
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^ Der Hamburger Bahnhof und der Postbahnhof sind in keinster Hinsicht zu vergleichen, außer, dass es sich eben um ehemalige Bahnhofgebäude mit jedoch völlig unterschiedlicher historischer Nutzung handelt.

Der prunkvolle, klassizistische Hamburger Bahnhof gehört dem Senat Berlin und beherbergt unter der Trägerschaft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eines der größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst in Deutschland. Inwiefern könnte und sollte er also "Vorbild" sein?

Der Postbahnhof, der freilich als Baudenkmal unter Denkmalschutz steht, und daher ohnehin kein Kandidat für einen "Abriss" ist, gehört einem privaten Eigentümer, der sich auf denkmalgeschützte Industriearchitektur kapriziert (Uwe Fabich hat in den vergangegen Jahren unter anderem die Kreuzberger Erdmann-Höfe, den Wasserturm am Ostkreuz, das Funkhaus Nalepastraße und den Postbahnhof erworben) und diese - zumeist - als in der Nutzung gemischte Start-Up-, Wohn- und Kultur-/Veranstaltungsorte entwickelt. Die derzeitige Nutzung des Postbahnhofs als Eventort wird sich also vermutlich noch ändern.

Die Kritik am Neubau der RL-Stiftung ist (bestenfalls) kurios. Soll es ein Lob der Investorenarchitektur werden? Eine allgemeine Kritik des Stiftungswesens? Und inwiefern entziehen sich denn ausgerechnet Stiftungen dem "wirtschaftlichen Denken"? Und woran lässt sich das an der Architektur ablesen? Oder muss man das "linke" der "linken Stiftung" derart betont lesen, dass der von Ihnen erwartete Reflex schon eingepreist werden muss?

Der Entwurf ist aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen und kann sich durchaus sehen lassen.
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Alt Gestern, 07:48   #197
TwistedRoad
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Bau Lcfr vergleicht hier mal wieder Äpfel mit Birnen...

Der Postbahnhof war bisher eine der wichtigsten Konzerthallen für Independent bzw. Alternative. Das scheint nun wohl auch ein Ende zu finden ...


Es ist so wahnsinnig schade dass sich viele Berliner in meinem Bekanntenkreis in ihrer eigenen Stadt nicht mehr zuhause fühlen.

Statt Alternative und Independent wird einem der "Entertainment Distrikt" vor die Nase gesetzt: Ein Viertel das alles ist ,nur nicht "entertaining".

Der Neubau für die RLS hat mir in den ersten Visus sehr gefallen, in der neuen Version finde ich die Proportionen durch den niedrigeren Sockel irgendwie misslungen....
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Alt Gestern, 07:49   #198
Bau-Lcfr
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Bau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle Zukunft
^^ Vorbild, wenn man im Quartier im Altbau kulturelle Nutzung wünscht - ob zeitgenössische Kunst oder Off-Kultur, wie darüber angeregt. In jedem Fall müsste die Stadt das Gebäude kaufen und entweder selbst eine kulturelle Institution einrichten oder den Bau Künstlern bzw. Initiativen überlassen. Deswegen fragte ich darüber, ob die Stadt dafür Geld hat (meinem Wissen nach nicht, aber ich kann mich ja irren).

Der andere Bahnhof in Berlin könnte in der Hinsicht Vorbild sein, dass die Fassaden nicht verhunzt wurden - Leuchten über dem Eingang kann man immer abnehmen. Im Inneren ist die historische Stahlkonstruktion sehr gut sichtbar - das ist schon besser als im Postbahnhof hier, wo den gefundenen Fotos nach im Inneren einige stilfremde Elemente eingebaut wurden. (Obwohl - die Prachttreppe hinter dem Tisch verändert zwar stark den Innenraum, aber die Wirkung finde ich recht gelungen, wie die Prachttreppen alter Paläste.) Und natürlich - die Kunstwerke im öffentlichen Raum, im Hof etwa, die es auch hier im Quartier geben könnte.

Denkmalschutz alleine ist noch keine absolute Fortbestandsgarantie. Nehmen wir an, der Bahnhof wäre nicht privat genutzt, sondern würde einfach nur rumstehen, mit verschiedenen temporären Nutzungen die doch jahrelang bleiben und kein Geld für Renovierungen haben. Irgendwann kommt ein Investor, den nur die Fläche interessiert - und er beweist, dass Renovierung unwirtschaftlich ist bzw. nur kleine Teile erhalten werden können. In verschiedenen Städten wurden schon mal Denkmäler abgerissen (den Status kann man auch entziehen) bzw. massivst umgebaut - so, dass der Charme eh weg ist.
Dann ist es wohl besser, wenn jemand das Gebäude nutzt, der vom Wirtschaften Geld hat und es in den Bau investieren kann.
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Alt Gestern, 11:15   #199
HarrySeidler
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Zitat:
Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
Im Inneren ist die historische Stahlkonstruktion sehr gut sichtbar - das ist schon besser als im Postbahnhof hier, wo den gefundenen Fotos nach im Inneren einige stilfremde Elemente eingebaut wurden. (Obwohl - die Prachttreppe hinter dem Tisch verändert zwar stark den Innenraum, aber die Wirkung finde ich recht gelungen, wie die Prachttreppen alter Paläste.)
Mir ist schleierhaft, von welcher Prachttreppe Sie sprechen, aber in den Gleishallen des Postbahnhofes sieht es so aus:
https://discoveryartfair.com/wp-cont...1120x600_c.jpg
https://discoveryartfair.com/wp-cont...1120x600_c.jpg
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Alt Gestern, 11:54   #200
Tomov
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Tomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiellTomov ist essentiell
Zitat:
Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
Obwohl - die Prachttreppe hinter dem Tisch verändert zwar stark den Innenraum, aber die Wirkung finde ich recht gelungen, wie die Prachttreppen alter Paläste.)
Also, wenn man nicht einmal erkennt, dass es sich hierbei um die Treppe im Neuen Museum handelt...

https://www.detail.de/blog-artikel/n...itektur-23745/
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Alt Gestern, 12:02   #201
Camondo
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Zitat:
Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
... Der andere Bahnhof in Berlin könnte in der Hinsicht Vorbild sein, dass die Fassaden nicht verhunzt wurden - Leuchten über dem Eingang kann man immer abnehmen. Im Inneren ist die historische Stahlkonstruktion sehr gut sichtbar - ....
Weisst du, du solltest dich entweder vorher sachkundiger machen oder garnix schreiben. Bei den „Leuchten“ die man später abnehmen könnte.... von denen du schreibst handelt es sich um ein Kunstwerk, eine Lichtinstallation von Dan Flavin. Ich finde es inzwischen sehr mühsam dir immer wieder die Stadt und ihre Highlights erklären zu müssen. Vor allem weil du so garnix annimmst was wir dir erklären und zumindest ich den Eindruck habe dass du dich auch garnicht offen zeigst Berlin in irgendeiner Weise verstehen zu wollen.

https://www.freunde-der-nationalgale...r-bahnhof.html
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„Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben“.
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Alt Gestern, 12:13   #202
TwistedRoad
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Zitat:
Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
Leuchten über dem Eingang kann man immer abnehmen natürlich
Die Neonröhren an der Fassade des Hamburger Bahnhofs gehören zu einer Lichtinstallation, sind also nicht bloße Beleuchtung oder Deko...
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Alt Gestern, 20:39   #203
Hallole
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Hallole braucht man einfachHallole braucht man einfachHallole braucht man einfachHallole braucht man einfachHallole braucht man einfachHallole braucht man einfach
Zitat:
Zitat von HarrySeidler Beitrag anzeigen
[..]
Der prunkvolle, klassizistische Hamburger Bahnhof gehört dem Senat Berlin [..]
Randbemerkung: Nein, gehört er nicht; das Land ist nur Mieter.
Vielmehr ist die CA Immo Eigentümerin, siehe PDF-Seite 23 in: http://www.caimmo.com/fileadmin/docu...2017_final.pdf
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Alt Gestern, 21:56   #204
HarrySeidler
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^ Mea culpa, Sie haben natürlich völlig recht. Das Grundstück wurde von der Vivico mit an C.A. Immo veräußert, was um 2008 herum zu kulturpolitischen Verwerfungen führte.
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Alt Gestern, 22:23   #205
Baukörper
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Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Auf jeden Fall scheint der Sockel des RLS-Gebäudes (und damit der gesamte Turm) um ein Stockwerk geschrumpft zu sein, was ich sehr schade finde. Ich hoffe mal, dass es dabei bleibt. Die Kreuze werden evtl. auf dem Boden vorgefertigt und anschließend nach oben gehievt werden. Noch ein Stockwerk weniger, wäre wirklich sehr ärgerlich.

Heute bin ich auf diesen schon etwas älteren Artikel gestoßen, aus dem hervorgeht, dass die RLS um den Kostenrahmen einzuhalten ein Stockwerk niedriger bauen muss.
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Alt Gestern, 22:49   #206
Architektenkind
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^ Schade drum. Ich wünschte, man hätte auf ein Obergeschoss verzichtet, wenn der Verzicht auf ein Stockwerk schon sein muss. Aber das hätte wahrscheinlich das Büro-Konzept durcheinander gebracht. So wirkt der Sockel ziemlich platt, die Proportionen sind dahin.

P.S.: Man sieht, dass auch eine "linke Stiftung" leider dem "wirtschaftlichen Denken" unterworfen ist – auch wenn Bau-Lcfr das bestreitet.
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Alt Gestern, 23:22   #207
Taxodium
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Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
^ Schade drum. Ich wünschte, man hätte auf ein Obergeschoss verzichtet, wenn der Verzicht auf ein Stockwerk schon sein muss. Aber das hätte wahrscheinlich das Büro-Konzept durcheinander gebracht. So wirkt der Sockel ziemlich platt, die Proportionen sind dahin.

P.S.: Man sieht, dass auch eine "linke Stiftung" leider dem "wirtschaftlichen Denken" unterworfen ist – auch wenn Bau-Lcfr das bestreitet.
Aber das ist doch gerade das Problem "der Linken", dass sie häufig versuchen die Mechanismen die in der Wirtschaft wirken zu leugnen.

Ich glaube trotzdem, dass die Linken sich in ihrem Gebäude pudelwohl fühlen werden. Man muss den Architekten ein riesen Kompliment machen, dass sie den Nestgeruch der SED in dem Gebäude extrem gut eingefangen haben. Zum Glück weiß ich, dass sie auch anders können, siehe Lübeck.

Geändert von Taxodium (Gestern um 23:53 Uhr)
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Alt Heute, 00:04   #208
Architektenkind
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^ Weißt Du, was Du vermutlich für sprühenden Esprit, beißende Ironie, ätzenden Sarkasmus oder sowas hältst, ist eigentlich ziemlich öde. Deine Belehrung bezüglich Linken und Wirtschaft ergibt nicht den geringsten Sinn (so wenig wie bei Bau-Lcfr, dabei bist Du klüger). Und warum das Gebäude einen "SED-Nestgeruch" verströme, müsstest Du mal begründen, statt es nur zu behaupten. Es ist – wie in diesem Strang bereits mehrfach erwähnt – am international style orientiert, der aus den USA stammt und in Berlin eher im Westen als im Osten zu finden ist (vgl. Europa-Center).

Egal, Du hältst es ja auch dreimal hintereinander für einen gelungenen Witz, das "M" in WBM mit "Marzahn" zu übersetzen. Ich lache mich jetzt in den Schlaf. Müde Grüße!
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Alt Heute, 01:00   #209
Taxodium
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Also den Vorwurf, dass ich hier im Forum zu wenig erkläre, kannn ich nicht stehen lassen. Aber es natürlich auch immer eine Frage des Verstehens.

Damals, in der grauen Zeit der Postmoderne, habe ich mal gelernt, dass jedes Geschmacksurteil die Rationalisierung eines subjektiven Empfindens ist. Mein Vertrauen mit rationalen Argumenten überzeugen zu können, ist in der Sache der Architektur deshalb gering. Bei einigen Forumskollegen fehlt mir sogar das Vertrauen in Gänze.

Gutes Nächtle
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Alt Heute, 04:38   #210
HarrySeidler
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^ "Aber das ist doch gerade das Problem 'der Linken', dass sie häufig versuchen die Mechanismen die in der Wirtschaft wirken zu leugnen" ist aber sicher kein subjektives ästhetisches Urteil, das sich mit der "grauen Zeit der Postmoderne" begründen ließe, sondern ein politisches. Da ich nicht weiß, was Sie unter "der Linken" verstehen (die Partei "Die Linke", linke Parteien, alle Bewegungen, die sich als "links" verstanden haben/verstehen, die als solche verstanden wurden/werden?), bleibt allein der Hinweis darauf, dass die Analyse und Kritik der politischen Ökonomie der historische Urprung jedweder "linker" Bewegung von der monarchie de Juillet an (auch die Liberalen sind im dem Sinne "links") war (Marx' "Das Kapital" als Kritik und Fortsetzung von Smith und Ricardo ist nur das prominenteste Beispiel). Über das Verhältnis von Analyse und Kritik ist gleichwohl noch nichts gesagt. Festzuhalten wäre aber, dass die Theorie des Weltmarktes - ob nun als Ideal, Gegenstand der Zähmung oder Vorraussetzung seiner Überwindung - "links" ist. Worin die "Leugnung" der in der Wirtschaft wirkenden Mechanismen bei überwiegend materialistischen Strömungen bestünde, wäre also in der Tat zu begründen.

Hier geht es aber um den Neubau der "RL Stiftung" und die Stockwerksreduzierung. Dies hat mit der freien Wirtschaft relativ wenig zu tun, als parteinahe Stiftungen von Bundesgeldern gefördert werden/abhängig sind, so die Parteien denn zwei Legislaturperioden bestanden haben. So wird auch bezüglich des Kostenrahmens argumentiert. Die RL-Stiftung unterwirft sich weniger dem "wirtschaftlichen Denken" (Architektenkind) als der politischen Finanzierung parteinaher Stiftungen. Intern reagieren freilich alle Stiftungen höchst sensibel auf die wirtschaftliche Lage, als das Stiftungsvermögen ihr einziges Kapital für den festgelegten Zweck ist (sie sind politische wie wirtschaftliche Institutionen).

Ohne der Partei "Die Linke" oder der "RL Stiftung" in irgendeiner Weise nahezustehen (problematisch erachte ich die Partei übrigens eher im Westen als im Osten), halte ich die Architektur des Neubaus für überaus gelungen. Dazu hat offenbar auch der offene Wettbewerb mit 155 Einsendungen beigetragen, der keine Selbstverständlichkeit war und ebenso wie der Sieger des Wettbewerbs von vielen Seiten gelobt wurde. Worin genau besteht also der 'empfundene' "Nestgeruch der SED"? Die rote Ziegelverkleidung stellt den Bezug zum Postbahnhof her, der Entwurf als Hochhausscheibe zeigt sich ansonsten als moderne Retroarchitektur mit deutlichen Anspielungen auf den "international style". Allerdings sehe ich die Referenz anders als "Architektenkind" weniger im Westen (in dem der international style höchste Konjunktur hatte), als im "Haus des Lehrers" (eher eine Ausnahme der Ost-Moderne) am Alexanderplatz.
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