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Alt 08.10.08, 14:03   #31
nikolas
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Städtebau: Frankfurts mühsamer Weg zurück zu sich selbst
Hier ein Beitrag aus der FAZ zur Identitätsdebatte in Frankfurt und ob und wie "Rekos" dabei helfen können.
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Ein Leuchtturm ohne Meer ist eine Bauruine!
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Alt 10.11.08, 17:10   #32
Jaguar-XKSS
 
Beiträge: n/a
Ich finde, diese Debatte besteht in erster Linie aus Schwarz-Weiß Malerei. Es wird von Suchenden um den heißen Brei geredet, keiner kann etwas konkretisieren.

Daher versuche ich es mal und kopiere einige meiner Beiträge aus anderen Threads hierher.

aus "Deutschlands schönste Bausünde":
Deutschlands schönste Bausünden kenne ich nicht, aber der Welt größte Bausünde ist mir wohl bekannt.

Es handelt sich um die Internationalistische Architekturpartei Moderne, welche seit ca. 90 Jahren die Welt terrorisiert und, um ihr radikales und reduziertes Architekturweltbild durchzusetzten, eine Gruppe von Gestaltungselementen im höchsten Maße diskriminiert und eliminiert, nämlich das Ornament.

Diverse Gefreite der bildenden abstrakten Künste haben sich in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgeschwungen, um die tausende Jahre alte Geschichte der Architektur und deren gesunde, langsame Weiterentwicklung in einem globalen Angriff mit den Waffen der Abstraktion und der Reduktion zu vernichten.

In Ausbildungslagern (z.B. Dessau) wurden Spezialisten herangebildet, die das architektursozialistische Gedankengut in der Welt verbreiteten. Dies war sehr erfolgreich, alle Feinde der Moderne wurden weitgehend eliminiert, ab und zu auftretende Konterrevolutionsversuche wurden im Keim erstickt. Doch gibt es immer noch Widerstandskämpfer, die Unterstützung von nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung erhalten.

Inzwischen ist jedoch die Erziehung zur modernen Architektur so erfolgreich, dass ein Anknüpfen an alte Baustile oder die Verwendung von klassischen Elementen als "historisierend" bezeichnet wird, was in der Assoziation inzwischen allgemein als gerechtfertigte Abwertung wahrgenommen wird. Gegen diese in den Ausbildungslagern der Moderne vorgenomme "Gehirnwäsche" gilt es anzugehen. Für alle Studenten deshalb dieses Flugblatt !!!

Heute erscheint einzig der konkrete Kontext des Ortes, an welchem gebaut wird, als gerechtfertigtes Kriterium für den Neubau, Weiterbau, Wiederaufbau oder der Rekonstruktion eines Gebäudes.

Angesichts des der Allgemeinheit zu Verfügung stehenden Wissens um Architektur(geschichte) fällt es schwer zu verstehen, weshalb nicht spezifisch für jeden Ort die passenden - also den Kontext erfüllenden - architektonischen Mittel verwendet werden.

Erläuterung : --- zu architektonischen Gestaltungsmitteln gehört ebenfalls die Baukonstruktion. Zum Kontext gehört ebenfalls die Zeit, in der wir leben. Beispiel. In einem Gründerzeitensemble wird eine Baulücke geschlossen. Um den Kontext zu erfüllen, wählt man als Fassadengestaltung die Formensprache der umgebenden Bebauung. Auf 65 cm dicke Mauern kann man verzichten. Das Gebäude wird in Stahlbeton errichtet. ---

Die Tabuisierung des Einsatzes von bestimmten architektonischen Gestaltungsmitteln (aller Epochen) erscheint genau so unsinnig wie deren willkürliche Anwendung an Orten, an welchen kein dafür entsprechender Kontext existiert.

Ich plädiere daher für die Schaffung einer neuen Architekturphilosophie, welche keinen speziellen Stil zum einzig richtigen erhebt, gleichzeitig aber auf die willkürliche Anwendung irgendwelcher Stile an speziellen Orten verzichtet.

So nenne ich dich mal......kontextueller Multistilismus.

...@ RobertKWF
Deiner Erklärung des Begriffes "Bausünde" in "32" schließe ich mich an. Sie beschreibt im weiteren die Grundlage für die "kontextuelle Entwurfsweise", also die Entwicklung eines Gebäudes primär aus der vorhandenen Umgebung heraus. Dies kann so weit gehen, dass der Ort sozusagen das Gebäude entwirft.

aus "Visionen für München":
...Wobei die "Idee" meist nur der Ausweg aus der Unfähigkeit zu architektonischer Gestaltung ist. Diese architektonische Gestaltung kann nur eine kontextuelle sein, also eine alle Parameter berücksichtigende und diese in architektonischen Raum umsetzende Entwurfsweise.

Hauptsächlich wird ein Parameter fast nie berücksichtigt. Es ist der erste und wichtigste Baustein im Entwurfsprozess, nämlich der Ort, an dem gebaut wird. Was gibt der Ort her, also welche Bezüge (Kontexte) existieren, und, falls keine oder nur geringe existieren, welche kann man dann schaffen !

Es geht darum, nicht nur gute Innenräume zu schaffen, nein, der Stadtraum will gestaltet werden. Eine Straße oder ein Platz ist wie ein Zimmer, welches man betritt. Wie sind die "Wände" dieses Zimmers gestaltet ? Glatt und poliert, zu groß oder zu klein ist wohl weniger erfreulich, mit "Kunstwerken" behängt, wird es schon spannender, wenn der Hintergrund noch ein Relief ist, umso besser. Vor- und Rücksprünge und Raumbildungen in einer für den Menschen erfassbaren Größe, in seinem Maßstab, erzeugen Wohlbefinden und Geborgenheit, eine Qualität, die "Stadt" haben sollte.

Monotone Aneinanderreihung, isoliertes setzen von Solitären, die funktional keine sind, immer gleiche Größe, Fassaden ohne Volumen, ewige Wiederholungen und ungefasste Räume die zerfallen und als Raum nicht mehr wahrnehmbar sind machen das durchqueren der Stadt zur unangenehmen Notwendigkeit.

Das ist der Grund, weshalb die neuen Gebäude so "widerlich" sind. Nicht weil sie intern schlecht gestaltet wären oder konstruktiv mangelhaft wären, nein, sie bilden keinen guten Stadtraum, also den Raum, der durch sie beschrieben wird !

Entscheidend ist die Lage/Form des Baukörpers, d.h. welchen Raum bildet der Baukörper mit seiner Umgebung. Dann sein Fassadenvolumen, d.h. das Maß von der Außenkante Fassade bis zur Innenkante Fassade. Mit einer Tiefe von 5mm wird man keinen guten Stadtraum bilden können. Er wird immer glatt, kalt und abweisend wirken. Auch mit Löchern darin (Loggias) oder dem Gegenteil (Balkone) kann dies nicht kompensiert werden.

Heutige Architektur scheitert am Städtebau. Heutige Gebäude scheitern am Stadtraum, den sie bilden.

Heutige Gebäude scheitern oft an ihrer Aufdringlichkeit, an den "Ideen" ihrer Erbauer. Vieles will sich herausstellen, nichts mehr einordnen. Vieles will sich durchsetzten, nichts mehr ergänzen. Vieles will etwas besonderes sein, und ist dadurch oft besonders schlecht.

Anderes will wiederum nichts besonderes sein, aber groß. Damit ist es etwas besonderes, aber stellt nichts dar. Der Klotz entsteht...


Ich bin der Meinung, man sollte aufhören, zu pauschalisieren, zu polarisieren und zu monopolisieren. Differenzieren ist wohl die Kunst des 21. Jahrhunderts. Für die vielfältigen Erfordernisse angepasste, individuelle Lösungen zu entwickeln ist angesichts des zur Verfügung stehenden Wissens und der technischen Möglichkeiten jetzt machbar.

Der "Farbkasten Baukunst" steht weit offen ! Bitte zugreifen und "Malen" !


Viele Grüße
Jaguar-XKSS

P.S
Zitat eines Kommentars eines Lesers im Rahmen einer Bewertung (leider nicht öffentlich gepostet)

Du pauschalisierst selber, indem Du Kriterien für einen guten Stadtraum setzt, wie z.B. "mit 5mm wird man keinen guten Stadtraum bilden können. Er wird immer ...." In Venedig sind 98% der Fassaden einfache Putzfassaden die deinen Kriterien widersprechen.



Richtig, pauschal bin ich gegen Pauschaulisierung, was wiederum eine Pauschalisierung ist. Grundsätzlich bin ich für Vielfältigkeit, was wiederum eine Monotonisierung ist, also die Monotonie der Vielfalt.

...Dann hätte man Venedig wohl deutlich besser gestalten können, aber da viele der Wasserstraßen sehr eng sind, fallen die glatten Fassaden nicht so auf. Hinzu kommt noch die "farbliche Variation" durch die Patinierung usw. Die Fassadentiefe ist nur ein Kriterium für die Bildung eines guten Stadtraums. Alte südländische Dörfer haben auch einfach verputzte Fassaden, allerdings sind die 3 - 10 cm Fassadenvolumen schon durch die handwerklich bedingten Unebenheiten der Fläche bewerkstelligt (krumme Wände, grober Putz), dazu kommt noch, dass die Fläche meist sehr klein ist (Proportion von Tiefe und Fläche).
Die Straßen sind meistens sehr eng, die Häuser stehen versetzt entsprechend der Topografie, die Wegeoberflächen sind oft sehr differenziert und "grob"....usw.usw.


.

Geändert von Jaguar-XKSS (29.11.08 um 20:32 Uhr)
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Alt 26.06.09, 13:35   #33
NewUrban
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NewUrban könnte bald berühmt werden
Hinweis der Moderation: Dieser und nachfolgender Beitrag wurden aus dem Thread "Dresden-Waldschlösschenbrücke" hierhin verschoben. Cowboy.

Schade nur, dass es diesen Kampf nicht da gegeben hat, wo es sinnvoll gewesen wäre. Denn die Kulturlandschaft, die sich dort befindet, ist historischer und bedeutender, als dieses potemkinsche Dorf "Neumarkt".
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Alt 26.06.09, 17:06   #34
LEgende
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^ Ähm, den Kampf gab es sehr wohl. Aber es kam eben trotzdem zu dem nun bekannten Ergebnis. Da ja gern behauptet wird, der Neumarkt sei ein potemkinsches Dorf: Was wäre denn die konkrete Alternative gewesen? Die üblichen Glas- und Stahl-Buden wie sie jetzt am Brühl in Leipzig und z.B. auch bei der neuen Leipziger Uni entstehen? Na prima!

Statt zu meckern und alles als zu polemisieren, sollte man mal die Mitglieder der GHND für ihr gesellschaftliches und bürgerliches Engagement loben, dass sie über 10 Jahre gegen die Politik, die Modernisten-Gilde und die übliche Investoren-Lobby ein Konzept größtenteils durchgesetzt haben, welches echte Aufenthaltsqualität geschaffen und auf den gesichts- und geschichtslosen Städtebau in Deutschland seit der Zerstörung deutscher Städte, eine identitätsstiftende Anwort gegeben hat. Da engagieren sich Bürger ehrenamlich, kostenlos, für die Wiedergewinnung eines Teils komplett untergegangener Stadt um ihr wenigstens in gewissen Teilen wieder ein wenig von dem zu geben, was sie einst zur europaweit bekannten Stadt machte.

Und ganz wichtig: Welches unter dem Strich einen echten Mehrwert für die Bürger Dresdens, als auch seiner Besucher geschaffen hat und von den Bürgern mehrheitlich gewollt und unterstützt wurde und wird! Wer, wenn nicht die Bürger sollen über den Städtebau entscheiden? Sollen lieber Geschichtshistoriker, Investoren oder der Baubürgermeister darüber entscheiden? Dann schaffen wir reine Kommerzstädte, in denen heute immer weniger Bürger leben wollen, weil sie sich nicht wohl fühlen.
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Alle von mir gezeigten Bilder stammen, soweit nicht anders angegeben, aus meiner Digitalkamera.
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Alt 28.08.09, 01:39   #35
RobertKWF
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Es lag die Welt in Scherben

Geschichte der Rekonstruktion des Goethe-Haus in Frankfurt am Main.

Gehört vielleicht eher in einen Frankfurter Strang, passt aber vielleicht auch hier. Ein Artikel in der FAZ.NET vom 27. August 2009 aus Anlass des Goethe-Geburtstags:
http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD...~Scontent.html

Jeder mag für sich selbst entscheiden, ob hier eher Argumente gegen eine Rekonstruktion beinhaltet sind, oder ob der Artikel, bzw. die Geschehnisse um das Goethe-Haus, Anregung sind, weitere kriegserstörte wertvolle Gebäude, Ensembles oder Areale zu rekonstruieren. Dabei werden diejenigen, die eher sachlich kühl und nur nach vorn schauend daherkommen wollen, sicher anders entscheiden, als diejenigen, die der Geschichte, der Historie, den Gefühlen und auch der Romantik, für sich selbst Raum geben.

Um wie viel ärmer wäre Frankfurt heute, ohne das rekonstruierte Goethe-Haus und die sonstigen, nach dem Krieg rekonstruierten Gebäude. Kritiker der Rekonstruktion werden jetzt vielleicht anmerken wollen, dass aber teilweise noch Substanz vorhanden war. Doch wo genau liegt da die Grenze? Und, wie weit unterscheiden diese sich dann wirklich von einer Total-Rekonstruktion? Und, sollen also die Stadt und ihre Bürger für immer auf all diese wunderbaren, im Krieg zerstörten Gebäude verzichten, die auch so wertvoll für die eigene Identität sind, nur wegen der ideologisch gefärbten Ansichten einiger Weniger. Sehr oft schon wurde diese Frage durch einen Wiederaufbau oder eine Rekonstruktion erfolgreich beantwortet.
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Alt 07.12.09, 02:51   #36
RobertKWF
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Es ist an der Zeit, endlich mal die bestehenden Möglichkeiten, zerstörte historische Gebäude oder Ensembles auf dem Originalgelände rekonstruieren zu können als Glücksfälle und einmalige Chancen zu begreifen. Es ist meist die sehr seltene Möglichkeit, faszinierende Bauten und Ensembles für die Menschheit praktisch zu retten. Ähnlich wie bei einem alten Gemälde welches für enormes Geld erworben und mühevoll restauriert wird, damit es im öffentlichen Museum von Jedermann betrachtet und in Natura nämlich erlebt werden kann.

Wenn auf einem in Frage stehenden Gelände irgendetwas anderes gebaut wird und sei es noch so schön und wertvoll, so wird das ursprüngliche Werk aber für immer für die Menschheit verloren sein. Nur noch in Bildern ist es dann noch sichtbar. Sinnbildlich in etwa so, als wenn ein Gemälde in einer Privatsammlung verschwindet und wenn überhaupt, nur noch Fotos davon zugänglich sein werden. Einen guten Neubau kann man immer auch auf einem anderen Gelände ohne wertvolle, bauliche Vorgeschichte verwirklichen.

Wenn ein Gemälde beispielsweise einmal verbrennen sollte, wäre man überglücklich, wenn dann doch noch die Kopie (Reko) eines hervorragenden Fälschers auftauchen würde.


Postet von RKWF am 07.12.2009 im DAF Strang "Gute Reko – böse Reko (Grundsatzdebatte)" direkt hinter #35

Geändert von RobertKWF (07.12.09 um 03:12 Uhr)
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Alt 11.12.09, 08:57   #37
kato2k8
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Zitat:
Zitat von RobertKWF Beitrag anzeigen
@kato2k8 #37 und #39 :
Wäre ein guter Anfang für einen eigenen Grundsatz-Strang.
Das Sanierungskonzept Rohrbach ist jetzt in diesem Thread zu finden.
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Alt 08.06.16, 12:02   #38
lna1990
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Rekonstruktion Denkmalpflege

Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema der Rekonstruktion in der Denkmalpflege - sprich meist im Krieg zerstörte Gebäude werden wieder aufgebaut.

Oftmals werden die Fassaden auf Grundlage alter Fotos und Pläne rekonstruiert, dahinter verbirgt sich allerdings ein neuer Grundriss mit dem neuesten Stand der Technik (Attrappen-Architektur). Städte wollen so den Tourismus ankurbeln (Frankfurt Main Römer / Dresden Neumarkt?).
Natürlich gibt es auch Fälle, wie den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden, bei dem die Bevölkerung dies vorantrieb und Spenden sammelte.

Nun würde ich gerne ein allgemeines Stimmungsbild zu diesem Thema einholen.
Was sind Gründe für oder gegen die Rekonstruktion von zerstörten Gebäuden. Gibt es gute Beispiele für geglückte Rekonstruktionen? Wie ist die allgemeine Auffassung zu diesem Thema?...
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Alt 09.06.16, 10:32   #39
Häuser
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Ich kann nur für Hamburg sprechen:

Wurde in HH bereits diskutiert:
http://www.deutsches-architektur-for...ead.php?t=5532

Mangels royaler Residenzen besitzen wir hier weder Schlösser , noch Burgen (ausgenommen Bergedorfer Schloss) . Dank des Großen Brandes 1842 und der Bombardierung Operation Gomorrha 1943 wurde die Stadt 2 mal innerhalb kürzester Zeit fast komplett zerstört. Nur zehn Prozent aller Gebäude in Hamburg sind 100 Jahre oder älter

Die größte Zerstörung gab es allerdings erst nach der Bobardierung, als sie Stadherren meinten, alles alte verschwinden lassen zu müssen, Stadtteile "modern" umgestalten wollten und Gebäude wie den alten Altona Bahnhof in den 70ern abrissen. Heute bereut man den Abriss zutiefst.

Hier gibt es schlichtweg nichts zu rekonstruieren. Bis auf die Kirche St Nikolai
http://www.deutsches-architektur-for...p?t=332&page=4

Fragt sich, ob ein Mahnmal bedeutender ist als eine Rekonstruktion.

Ansonsten gilt hier eher das Aufheben von Nachkriegsbausünden wie die Re-Urganisierung der Innenstadt z..B. Cremon Insel und Katharinenquartier oder dem komplett ausgebombten Wohnviertel Hammerbrook (DAF) und Wiederherstellen von Straßenzügen wie an der Nikolaikirche DAF.

zudem ist hier gerade sehr angesagt, die alte Fassade stehen zu lassen und das ganze Gebäude komplett neu aufzubauen Stadthöfe , Alter Wall, Work Life Center im Stephanspalais oder in Eppendorf ein Wohnprojekt Martini44.

Somit erschafft man neues Leben in alten Gebäuden, die dem heutigen Standard angepasst werden.

Generell zum Thema Rekonstruktion ist zu sagen, dass durch die Zerstörung der Städte im 2. Weltkrieg sehr viel Identität der Deutschen genommen worden ist.

In meiner Schulzeit in den 90ern gab es nur ein Thema: 2. Weltkrieg und - du bist schuld!
Woher wir vorher gekommen sind, wurde nie thematisiert. Es gab nur 39-45. In Geschichte und Deutsch, 8-10 Klasse. Das Thema hing uns zu den Ohren raus.

Nun ist der Drang bei der neuen Generation enorm, wie die Stadt vorher aussah. Man will keine 50er-70er Jahre Betonnachkriegsbauten mehr sehen. Hannover will nicht mehr hässlich sein. Berlin besinnt sich neben Mauer und NS Zeit auch auf seine Preußenzeit. Es ist die Rebellion gegen die "Klappe zu Affe tot" Menschen, die am liebsten Geschichte abreißen wollen und so tun, als hätte diese niemals existiert.

Es ist das Wiederaufleben unserer Wurzeln. Die Deutsche Geschichte fing nicht erst 1939 an.
Rekonstruktion soll nicht den Krieg vergessen lassen, jedoch zeigen, dass es auch ein Leben vorher gab.

Meine Meinung.
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Alt 09.06.16, 21:06   #40
Bau-Lcfr
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Bau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle Zukunft
Ruhrgebiet

Die Städte im Ruhrgebiet wurden nicht weniger als Hamburg im Krieg zerstört und genauso danach - wie etwa die Duisburger mittelalterliche Stadtmauer, von der noch 1945 über die Hälfte existierte, heute wenige Teile. Man würde gerne in Duisburg etwa das Mercator-Haus rekonstruieren, aber es gibt Probleme mit der Finanzierung.

In Mülheim/Ruhr wurde kürzlich das Petrikirchenhaus rekonstruiert.
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Alle Fotos von mir. Fotos der Städte Europas, London
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Alt 09.06.16, 21:33   #41
Wikos
Mitglied

 
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Registriert seit: 11.07.2007
Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 158
Wikos befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Besorg Dir das Buch "Geschichte der Rekonstruktion" - ein Standardwerk mit einer geschichtlichen und interntionalen Einordnung http://www.detail.de/artikel/geschic...eschichte-533/
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Don´t mess with Frankfurt!
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