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Alt 12.08.16, 20:59   #256
Dvorak
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Dvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfach
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Daran haben wir uns dennoch gewohnt, die meisten Leute fühlen sich gut mitten in der urbanen Dichte.
... und Wohnen im Einfamilienhaus am Stadtrand oder gleich im Dorf. Mittlerweile bilden freistehende Einfamilienhäuser die Mehrzahl der Gebäude mit Wohnungen in Deutschland. Die Tendenz zum Einfamilienhaus verlangsamt sich, ist aber immernoch da. Wieso ziehen immernoch Menschen in die augelockerte, modernen Siedlungen am Stadtrand, wenn es den seit über 2.500 Jahren eingebrannten Schönheitsidealen widerspricht?

Ich will das garnicht verteidigen, aber es ist schon auffällig, das die sogenannte "klassische, europäische Stadt", immer mehr verklärt wird, während immer weniger Menschen tatsächlich darin wohnen wollen.
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Alt 12.08.16, 21:39   #257
Stadtstruktur
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Stadtstruktur ist ein hoch geschätzer MenschStadtstruktur ist ein hoch geschätzer MenschStadtstruktur ist ein hoch geschätzer MenschStadtstruktur ist ein hoch geschätzer Mensch
Für mich sind das alles irgendwie sehr formalistische Diskussionen. Im Dresdener Neumarktthread hat auch jemand eine sog. Rückkehr zum "ästhetischen Städtebau" gefordert. - Für mich ist dieserart Diskussion wenig tragfähig. Einerseits bedarf es meiner Meinung nach einer vernünftigen Analyse sozialer und räumlicher Prozesse, Funktionen und Strukturen, sowie ein Verständnis für die Bedarfe der Zukunft. Ich bin gegen Dogmen, die als unantastbar erklärt werden sollen. Ich finde es wichtig über Vor- bzw. Nachteile diskutieren zu dürfen. Städtebauliche Elemente/ Strukturen der sog. "europäischen Stadt" werden von manchen als per se die beste Lösung verkauft. Natürlich sind das Formen (Straße, Platz, Parzelle, Solitär, Blockrand) die unter bestimmten Situationen leistungsfähig sind. Aber sie haben auch ihre Grenzen wo es um hybride, vieldeutige, multifunktionale Stadträume geht. Wenn man aktuelle sozialräumliche Prozesse ernst nimmt und nicht nur die strukturellen Lösungen von gestern als ewig fortzuschreibende Reproduktion einer bürgerlichen Stadtgestalt der frühen Neuzeit begreift, ist die Auseinandersetzung mit alternativen Möglichkeiten geradezu geboten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die favorisierte Stadtgestalt ist wohl auch mit der erwünschten Gesellschaftsgestalt assoziiert. Daher gibts darum wohl auch so leidenschaftliche Diskussionen.
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Alt 13.08.16, 09:04   #258
Xalinai
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Zitat:
Zitat von Dvorak Beitrag anzeigen
... und Wohnen im Einfamilienhaus am Stadtrand oder gleich im Dorf. Mittlerweile bilden freistehende Einfamilienhäuser die Mehrzahl der Gebäude [/URL]mit Wohnungen in Deutschland.
Falscher Ansatz. Erstens muss es heißen "noch immer", denn das frei stehende Haus dürfte die Urform darstellen. Und zum anderen ist, wenn Du statt der Gebäude die Wohnungen zählst, das Wohnen im FEH mit knapp 8 Mio der insgesamt gut 40 Mio. Wohnungen (deine Quelle!) der Minderfall.
Die hohe Gebäudeanzahl mit nur einer Wohnung (fast identisch mit der Anzahl Wohnungen im FEH, DHH mit einer Wohnung oder Reihenhäusern mit nur einer Wohnung) resultiert schlicht daraus, dass man eben für jede dieser Wohnungen ein Gebäude braucht.

Zählt man nur den m.E. deutlich die Kernstädte repräsentierenden Bereich des Wohnens in Häusern ab drei Wohnungen, kommt man auf gut die Hälfte des gesamten Wohnungsbestands - in nur 18% der Gebäudeanzahl.

Zitat:
Zitat von Dvorak Beitrag anzeigen
Die Tendenz zum Einfamilienhaus verlangsamt sich, ist aber immernoch da. Wieso ziehen immernoch Menschen in die augelockerte, modernen Siedlungen am Stadtrand, wenn es den seit über 2.500 Jahren eingebrannten Schönheitsidealen widerspricht?

Ich will das garnicht verteidigen, aber es ist schon auffällig, das die sogenannte "klassische, europäische Stadt", immer mehr verklärt wird, während immer weniger Menschen tatsächlich darin wohnen wollen.
Das ist leider auch falsch. Die Leute ziehen in die Städt und es wohnen auch immer mehr Menschen in den Städten - nur spiegelt sich das bei einer Betrachtung der Gebäudeanzahl nicht wirklich wieder. Betrachte in deiner sehr guten Quelle die Entwicklung der Anzahl Wohneinheiten statt Häuser und Du siehst den Trend in die Städte.

Davon abgesehen: Warum heiraten die meisten Männer Frauen, die auch nicht besser aussehen als sie selber, wenn da draußen Models rumlaufen? Weil sie sich diese Variante nicht leisten können. Deshalb wohnen viele Menschen in einer Stadtwohnung, obwohl sie den Traum vom FEH hegen - und wären todunglücklich, wenn sie es plötzlich hätten und sich drum kümmern müssten.
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Alt 13.08.16, 12:48   #259
Odysseus
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Schöner Artikel heute in der Welt mit einem wie ich finde sehr treffenden Kommentar von Herr Haubrich.

Er skizziert meiner Meinung nach die problematische Entwicklung der Architektur seit Beginn des letzten Jahrhunderts und bringt es treffend auf den Punkt dass sich zeigt was die Menschen wollen wenn man sich vergegenwärtigt was sie sich im Urlaub ansehen. Und das sind eben die Altstädte, Schlösser und Kathedralen der vergangenen Epochen.

Zudem verweist er mal wieder auf den Widerspruch dass Architekten zwar eifrig modern planen selber aber nur zu gerne in ihren sanierten Altbauten wohnen. Und es wird gezeigt dass anhand der Touristenzahlen deutlich wird was die Menschen wirklich lieben. Und da liegt Görlitz vor Eisenhüttenstadt, Braunschweig vor Wolfsburg und Amsterdam vor Rotterdam.

Somit mag es den Autor zitierend unzählige Gründe geben warum wir bauen wie wir bauen aber um zu sehen was die Menschen lieben muss man danach schauen wo sie im Sommer hin verreisen. Ein wirklich lohnender Artikel.

http://m.welt.de/debatte/kommentare/...ur-meiden.html
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Alt 13.08.16, 18:23   #260
Dvorak
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Falscher Ansatz. Erstens muss es heißen "noch immer", denn das frei stehende Haus dürfte die Urform darstellen. Und zum anderen ist, wenn Du statt der Gebäude die Wohnungen zählst, das Wohnen im FEH mit knapp 8 Mio der insgesamt gut 40 Mio. Wohnungen (deine Quelle!) der Minderfall.
Geht so:

© Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2014
Vervielfältigung und Verbreitung mit Quellenangabe gestattet.


Genauer so:

© Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2014
Vervielfältigung und Verbreitung mit Quellenangabe gestattet.


Meine Quelle! Die Anzahl der Wohnungen ist der sicher ungeeignetste Maßstab, da Wohnungen unterschiedlich groß sind, im Schnitt deutlich kleiner als freistehende Einfamilienhäuser. Mir erschließt sich auch die Aussagekraft der Anzahl der Wohnungen im Vergleich zur Anzahl an Einfamilienhäusern nicht, da es hier ja um Städtebau geht. Entweder der Bezugsmaßstab ist die Anzahl der Häuser in unseren Dörfern und Städten, weil die Gebäude prägend sind, oder die Anzahl an Menschen die in der jeweiligen Typologie wohnen, da die Menschen durch ihre Wohnungswahl die Stadt und die Wohnform die Menschen sozial und baulich prägt.

Es leben offensichtlich mehr Menschen in Deutschland
1. in freistehenden Häusern, welche
2. die Mehrzahl aller Gebäude bilden, und
3. lebt die Mehrzahl in Einfamilienhäusern, welche entweder freistehend oder einseitig angebaut sind.

Und ein weiterer wichtiger Aspekt: Zwar wachsen unsere (Groß-)Städte, das heißt aber nicht, das "städtische" Wohnformen zunehmen! Folgende Grafik veranschaulicht dies:



Quelle: Bestand an Wohnungen und Wohngebäuden
Bauabgang von Wohnungen und Wohngebäuden
Lange Reihen ab 1969 - 2014
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015
Vervielfältigung und Verbreitung, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.
eigene Darstellung der Daten


Die Anzahl an Wohnungen in Gebäuden mit 3 oder mehr Wohnungen stagniert zwischen 2006 und 2014! Neue Zahlen habe ich nicht, das kann sich etwas geänndert haben. Die Zahl der Einfamilienhäuser steigt weiter und das nur wenig schneller als in der Dekade davor. Das Wachstum der Großstädte basiert kann also auf zwei Dingen basieren:
1. Eine bessere Belegung der vorhandenen Wohnungen und eine damit einhergehende Verknappung des gefragten Wohnraumes. Das ist auch ganz allgemein zu beobachten.
2. Das Baugeschehen im Einfamilienhausbau am Stadtrand. Oftmals nicht das, was man als "Städter" als Stadt versteht, aber dennoch innerhalb der Grenzen der Kommune.

Ist das tatsächlich eine Renaissance der Stadt? Sehe ich nicht und geben die Zahlen und die Realität leider so nicht her. Ich wünschte ja, es wäre anders, aber bis heute machen wir uns unsere Städte und Landschaften durch Einfamilienhausteppiche und die damit einhergehenden Verkehrsschneisen kaputt. Einziger Lichtblick: Die verbrauchten Flächen werden geringer. Trotzdem eine wahnsinnige Last, die wir durch diese Bauart für die zukunft auftürmen.
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Alt 14.08.16, 00:55   #261
Bau-Lcfr
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Zitat:
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Und es wird gezeigt dass anhand der Touristenzahlen deutlich wird was die Menschen wirklich lieben. Und da liegt Görlitz vor Eisenhüttenstadt, Braunschweig vor Wolfsburg und Amsterdam vor Rotterdam.
Wenn man etwa das Beispiel des Dombereichs in Pisa analysieren möchte - die Anziehungskraft kommt mE nicht vom Städtebau, sondern - von der Berümtheit des Schiefen Turms abgesehen - von der üppig gestalteten Architektur. Sicher, der Rest der Altstadt hat intime Plätze und Gassen.
Ähnlich wie ein Campus wurde etwa der Rathausbereich in Marl angeordnet, in den 1960er Jahren war er mal bekannt, die Ufer des benachbarten Sees sind bei schönem Wetter gut besucht - doch die internationale Anziehungskraft hat sich nicht entwickelt.

Ich werde jetzt nicht nach den Links suchen, doch seit mehreren Jahren redet man über die Rückkehr in die Cities in den größten Metropolen. In Köln eher sichtbare als in Wolfsburg - die Stadt hat übrigens nicht 987 Tsd. EW, sondern weit über eine Million - bei den neuesten Planungen geht man von über 1,2 Mio. in ungefähr zwei Dekaden aus.
Es gab auch Veröffentlichungen, nach den EFHs in tiefer Provinz immer schwieriger zu verkaufen sind.
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Alt 14.08.16, 06:20   #262
Dvorak
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Zudem verweist er mal wieder auf den Widerspruch dass Architekten zwar eifrig modern planen selber aber nur zu gerne in ihren sanierten Altbauten wohnen. Und es wird gezeigt dass anhand der Touristenzahlen deutlich wird was die Menschen wirklich lieben. Und da liegt Görlitz vor Eisenhüttenstadt, Braunschweig vor Wolfsburg und Amsterdam vor Rotterdam.
Der Artikel ist einer der dümmsten die ich je zu diesem Thema gelesen habe.

Es ist faktisch erstmal richtig, jedoch irreführend, denn Braunschweig ist doppelt so groß wie Wolfsburg. Hier mal die offiziellen übernachtungs- und Einwohnerzahlen von Deutschland Braunschweig und Wolfsburg:


Quelle: unterschiedliche Zeitungsartikel, eigene Darstellung

Ja, richtig, Wolfsburg hat überdurchschnittlich viele Übernachtungsgäste, und Braunschweig ist eher Underperformer. Das ist einfach schlechte Recherche! Übrigens hat Berlin auch vier mal so viele Touristen wie Rothenburg ob der Tauber, was sicher kein Beweis für die Schönheit Berlins ist.

Zitat:
Selbst Architekten machen es so. Die meisten verlassen ihre heimische Altbauwohnung im Sommer ja auch nicht, um sie gegen eine Bauhaus-Kiste oder eine zeitgenössische Kreation einzutauschen. Sie haben irgendwo auf dem Land ein altes Anwesen oder einen Bauernhof oder eine Scheune – alles liebevoll restauriert. Abends fährt man ins nächste Dorf, wo man am schönen Marktplatz mit der schönen Steinkirche unter Platanen sitzt.
Es ist schade, dass der Eindruck entsteht, auf der einen Seite stünden Architekten mit ihren Bausünden, auf der anderen Seite alle anderen, die doch nur schöne Dinge sehen wollen und von den Werken der Architekten belästigt würden. Wer setzt sich denn für den Erhalt von Bausubstanz und Baukultur ein? Ich mache das seit Jahren massiv und werde hauptsächlich von anderen Architekten unterstützt. Es mangelt sicher auch nicht an Architekten, die kompetent Denkmale erhalten können, leider stößt die Einstellung, Dinge zu erhalten bei den meisten Bauherren auf deutlichen Widerspruch. Denkmalschutz scheint eher ein Architektenhobby zu sein, als eine von der gesamten Gesellschaft wahrgenommene Aufgabe. Wenn ich durch die Straßen einer beliebigen Großstadt gehe und mal schaue, wer den zur Zeit massiv Baukultur zerstört, dann sind das nicht Architekten, sondern ganz normale Hauseigentümer die ihre Entscheidungen ohne Architekten, aber mit viel "Beratung" aus Baumarkt und Handwerkerschaft fällen.

Ach ja: Ich wohne als Architekt auch in einer Altbauwohnung. Der Vermieter wollte die Jugendstilfassade dämmen. Wer war dagegen? Die drei Architekten- und Designer-Haushalte. Wem war es wieder mal scheiß egal? Allen anderen.
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Geändert von Dvorak (14.08.16 um 06:39 Uhr)
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Alt 14.08.16, 07:04   #263
Dvorak
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Zitat von Bau-Lcfr Beitrag anzeigen
Ich werde jetzt nicht nach den Links suchen, doch seit mehreren Jahren redet man über die Rückkehr in die Cities in den größten Metropolen.
Fakten! Fakten! Fakten!

Die Ergebnisse des Zensus 2011 sind so wie sie sind. Köln hat 1.000.500 Einwohner, davon leben 987.000 in Gebäuden. So steht es in meiner Tabelle. Die Zahlen stammen aus dem Zensus 2011 und wurden vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln in ihren "Kölner Statistische Nachrichten" (03.2013) so bestätigt. Sollten Dir andere informationen vorliegen, wende dich bitte an jenes Amt zur Berichtigung.

Richtig man redet über die Rückkehr in die Großstädte ganz allgemein. Entscheidend ist aber eben was man als Stadt bezeichnet! Statistisch gesehen sind das natürlich alle Bereiche innerhalb der Stadtgrenzen, also auch Stadtteile, die gemeinhin nicht städtisch geprägt sind. Das ist alles zählt zur "Rückkehr in die Metropolen". Die einzige Typologie die in der vergangenen Dekade in Deutschland in der Anzahl gewachsen ist, ist das (freistehende) Einfamilienhaus. Die Quelle ist klar als statistisches Bundesamt gekennzeichnet.

Das wir in der letzten Dekade überwiegend Einfamilienhäuser gebaut haben, ist nicht nur eine zukünftige Last des Städtebaus, sondern hat zu der Wohnungsknappheit von heute geführt. Das kann man auch ändern und in vielen Städten wird es auch gemacht, aber nicht radikal genug. Neue Einfamilienhausgebiete am Stadtrand sollten überhaupt nicht mehr ausgewiesen werden. Das ist im übrigen unter Architekten weitestgehender Konsens und das auch schon länger.
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Alt 14.08.16, 12:02   #264
Xalinai
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Geht so:
Es leben offensichtlich mehr Menschen in Deutschland
1. in freistehenden Häusern, welche
2. die Mehrzahl aller Gebäude bilden, und
3. lebt die Mehrzahl in Einfamilienhäusern, welche entweder freistehend oder einseitig angebaut sind.
Nach deiner eingebundenen Tabelle leben von 78 Mio. Menschen 19,8 Mio in einem FEH - also weiterhin etwa 20% und weitere 8,8 Mio in einem freistehenden Zweifamilienhaus.
Die restlichen 12,7 Millionen, die in einem freistehenden Haus wohnen, wohnen in einem freistehenden Mehrfamilienhaus - dazu zählt auch ein freistehender Wohnblock mit 100 Wohnungen und einem Eingang.

Also lebt weiterhin die Mehrheit der Deutschen, nämlich 78 Millionen minus den 28,6 von oben, das sind also 50 Mio. oder knapp zwei Drittel, in Häusern, die entweder Raum für mehrere Familien bieten oder als Reihenhäuser ansatzweise platzsparend und urban aneinandergereiht sind.

Bilde doch einfach mal selbst die Summen über die Bewohner der flächenverbrachenden Sprawl-Gebäudetypen mit einer oder zwei Wohneinheiten (FEH, EF-DHH) und ziehe sie von den Menschen in "freistehenden" Gebäuden ab.

Für Köln sieht das so aus:
Code:
Köln gesamt	986942
FEH         	 41285
EF-DHH		 35611
FZFH		 17107
EFRH*		 93670
ZFRH*		 11772
sonstige	 63325
Rest		724172
Der gesamte Rest wohnt in Gebäuden, die Platz für mehr als zwei Familien bieten und dabei in der Masse auch noch dicht aneinander gebaut sind. Letzteres trifft auch auf die weiteren gut 100000 Menschen zu, die in den oben noch aufgeführten Reihenhäusern wohnen - das macht aus den knapp 75% chon fast 85% - also 17 von 20 Kölnern wohnen mit mehr als einer weiteren Familie Wand-an-Wand.

Die Rechnung nach Personen bestätigt also die Aussage nach Wohneinheiten, mit dem Unterschied, dass der Faktor für die Anzahl Personen je Wohneinheit eingerechnet werden könnte, der ggf. bei ländlichen Bereichen oder kleinvolumigen Neubausiedlungen etwas höher ist als im dichter bebauten Städtischen Raum mit mehr Einpersonenhaushalten - der aber tatsächlich nichts am Gesamtergebnis ändert.
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Alt 14.08.16, 13:20   #265
Dvorak
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Bilde doch einfach mal selbst die Summen über die Bewohner der flächenverbrachenden Sprawl-Gebäudetypen mit einer oder zwei Wohneinheiten (FEH, EF-DHH) und ziehe sie von den Menschen in "freistehenden" Gebäuden ab.
Weiß nicht, ob ich das richtig verstanden habe. 40.437.483 Menschen!?

Mir ist schon klar, dass es bei unterschiedlichen Städten, unterschiedliche Anteile an Typologien gibt. Dass der Anteil an Geschosswohnen mit zunehmender Große einer Stadt steigt und auch in verdichteten Agglomerationen besonders hoch ist, ist ja nichts neues. Ich habe in meine Tabelle die als Standort angegebenen Orte der Diskutanten gewählt. Das ist Köln, aber auch Luckau.

Ich bleibe trotzdem dabei: Im Allgemeinen ist der Zuzug in die Großstädte durch das Aufbrauchen der Leerstandsreserven und neubau von Wohnungen in wenig verdichteter Form zu erklären. Wohnbau im Geschosswohnbaubereich hat es in der letzten Dekade nicht kaum gegeben, da können unsere Städte auch nicht gewachsen sein. Steh ich hier auf dem Schlauch?
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Alt 14.08.16, 16:02   #266
Whywolf_Larry
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Whywolf_Larry braucht man einfachWhywolf_Larry braucht man einfachWhywolf_Larry braucht man einfachWhywolf_Larry braucht man einfachWhywolf_Larry braucht man einfachWhywolf_Larry braucht man einfach
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Zudem verweist er mal wieder auf den Widerspruch dass Architekten zwar eifrig modern planen selber aber nur zu gerne in ihren sanierten Altbauten wohnen. Und es wird gezeigt dass anhand der Touristenzahlen deutlich wird was die Menschen wirklich lieben. Und da liegt Görlitz vor Eisenhüttenstadt, Braunschweig vor Wolfsburg und Amsterdam vor Rotterdam.
Dümmlicher Artikel, die meisten Urlauber gehen in die Sonne und schlafen da ohne Probleme in Betonierten Bettenhochburgen. Die Architektur ist ihnen dahingehend scheißegal. Klar geht man mal wenn das Reiseland sowas hat einen Tag in ein Altstadtviertel. Überwiegend will man sich aber erholen und schaut sich auch lieber die Natur an oder nimmt an Sportlichen Freizeitaktivitäten teil.

Es ist wieder einmal ein lahmes Reko-Fraktion Argument was a) nur die Jetztzeit mit einbezieht und b)frühere Ansichten Ignoriert. Auch die ständige Verklärung von "Vormoderne Architektur" ist lächerlich. Die Architektur hat sich Konstruktiv auch im 20.Jahrhundert weniger weit bewegt als man ihr andichtet. Neue Materialien erlaubten nur bekannten Konstruktionsprinzipien einen Dimensionssprung und Neue Investitionsmittel ließen so etwas in die Mitte der Gesellschaft ankommen, natürlich mit Reduzierten Gestaltungen. Man hat nun einmal in der Wiederaufbau-Phase auch Großwohnsiedlungen gebraucht. Aber wer hätte den Ökonomischen Aufwand einer Aufwendigen Gestaltung tragen sollen? Das ist doch ein blödsinniger Zielkonflikt der gerne Ignoriert wird. Tatsächlich hängen die meistens Reko-Leute den Amenmärchen der Moderne und ihre angebliche Progressivität im Überwinden nach. Die Moderne als gesamtes hat seit dem 19ten Jahrhundert den Ton angegeben, Architekten sind nur ihrer Forderungen nachgekommen und haben es hinterher Theoretisierend ausgekleidet. Aber erfunden und verursacht haben sie wenig bis gar nichts. Sie waren nur Begleiter und Helfer. Daher wohl auch der insgeheime Wunsch der Reko-Leute eine veraltete Gesellschaftsmodell damit zurückzugewinnen.
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"Wenn die Essenz des lebens die Information in der DNS ist, dann sind Gesellschaft und Zivilisation [Städte] nur riesige Speichersysteme."
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Alt 03.09.16, 11:03   #267
DickesB
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DickesB ist im DAF berühmtDickesB ist im DAF berühmt
In der FAZ hat Architekt Christoph Mäckler versucht, die Ursache des Scheiterns des modernen Städtebaus sowie den derzeit überall zu beobachtenden (Klarenbach bleibt wohl hier die Ausnahme ) Wiederaufbau von alten Häusern und Quartieren zu erklären.

Nach Ansicht von Mäckler hat die Moderne europaweit nicht einen einzigen Platzraum hervorgebracht, der in seiner stadträumlichen Qualität mit dem Place des Vosges, der Piazza Navona oder mit dem wiedererrichteten Rathausplatz der Stadt Frankfurt vergleichbar wäre.

Als eine Ursache nennt Mäckler den Bebauungsplan: Am Beginn einer Quartiersplanung steht die technische Planungen (Verkehrstechnik, Trassenbreite von Straßen, Abbiegespuren etc.), statt den architektonisch stadträumlichen Charakter der Straße an den Anfang des Entwurfes eines Stadtquartiers zu stellen. Man stellt Häuser in mathematischen Verhältniszahlen von Gebäude- zu Grundstücksgröße zusammen, ohne Straßen und Plätze mit räumlich erlebbaren Proportionen als öffentliche Stadträume zu entwerfen.

Der Bebauungsplan hat nach Ansicht Mäcklers die Qualität des Kochrezeptes einer köstlichen Speise, in dem zwar alle Zutaten aufgezählt werden, in dem aber der Kochvorgang nicht erläutert wird: Er ist ein Instrument planungstheoretischen Handelns, ohne dass daraus ein Stück europäischen Stadtraumes erwüchse.

Die Verantwortlichen würden zumeist aneinander vorbei planen. Architekten entwerfen Einzelbauten in Form, Farbe und Material, so als gäbe es keinen Stadtraum, in den sie sich einzufügen hätten. Stadtplaner setzen vor allem Planungsprozesse auf, statt Stadträume zu entwickeln und zu zeichnen. Verkehrsplaner errechnen Verkehrsströme und legen Verkehrstrassen fest, statt Stadtstraßen zu planen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-14414241.html
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Alt 04.09.16, 18:16   #268
Bau-Lcfr
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Zitat von Whywolf_Larry Beitrag anzeigen
... natürlich mit Reduzierten Gestaltungen. Man hat nun einmal in der Wiederaufbau-Phase auch Großwohnsiedlungen gebraucht. Aber wer hätte den Ökonomischen Aufwand einer Aufwendigen Gestaltung tragen sollen? ...
Es ist nicht mehr kurz nach dem Krieg und die Gestaltung muss nicht zwingend besonders aufwändig sein - Barock war da eine Ausnahme. Die Praxis in Deutschland ist meistens, dass weiß-grau verputzt wird - niemand kann behaupten, verschiedene Farben und etwas Fantasie würden mehr kosten.

So oft wird Rotterdam als Beispiel einer Stadt der Moderne vorgebracht - in der Innenstadt gibt es einige wenige historischen Bauten, die die Bombardierung überlebten oder wiederaufgebaut wurden - nicht viele, aber auch nicht weniger als in Duisburg oder Bochum. Die Bauten werden aber ordentlich gestaltet, da ist weit mehr als bloß Weiß-grau-Putz wie in Deutschland drin.
Mir fiel auf, dass die Rolle des Tradition-Zeigen in Rotterdam alte Schiffe übernommen haben, die auf etlichen innenstädtischen Kanälen stationiert wurden - einige wenigen kann man hier unter #30 sehen, es gibt aber noch weit, weit mehr. Nun ja, die Niederländer denken halt maritimer - ein Haus auf dem Wasser ist dort normal.

Hier kann man u.a. unter #263, #268, #269 einige Beispiele der modernen Fassadenkunst der Nachkriegszeit in Düsseldorf sehen, hier Arbeit an Wandmosaiken in der Essener Fußgängerzone - sonst wurde die Wand immer wieder beschmiert.
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Alle Fotos von mir. Fotos der Städte Europas, London
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Alt 23.09.16, 20:07   #269
Architektator
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Kollhoff im BauNetz-Interview

Hans Kollhoff spricht zu seinem 70. Geburtstag mit BauNetz über Versäumnisse im Städtebau, die Haltung zeitgenössischer Architekten und das beste Gebäude der Moderne.

http://www.baunetz.de/meldungen/Meld...w_4825297.html
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Alt 22.03.17, 08:47   #270
Pumpernickel
 
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Zitat:
Zitat von Stadtstruktur Beitrag anzeigen
Eine Klärung der Funktion des geplanten Gebäudes und dessen Bedeutung für die alltägliche Praxis scheint wirklich nötig zu sein - ist doch architektut nicht l'art pour l'art
Tja, da sehen wir eben nicht "eye to eye", um eine andere fremdsprachliche Floskel zu bemühen. Sie betrachten Architektur als eine Summe von Funktionen - eben eine Stadtstruktur (?) - ich als bildende Kunst. Wissen Sie, wo eine der ältesten und angesehendsten Architekturfakultäten Europas angesiedelt ist? An der Wiener Akademie der bildenden Künste (gegründet 1692), nicht an der Technischen Universität.

Nein. Ginge es nur um Funktionen bzw. "form follows function" so radikal zu Ende gedacht, wie es viele Verfechter der "Architektur der Moderne des 20. Jahrhunderts" gerne hätten, dann bräuchten wir keine Architekten als bildende Künstler mehr auszubilden, sondern nur noch Bauingenieure. Die Form ergibt sich dann ja eh aus der Funktion.

Und selbstverständlich ist Architektur materialisierter Raum, wie Sie es beschreiben. Oder das, wo wir uns fast unser ganzes Leben bewegen. Natur ist in unserem Alltag längst in den Hintergrund gerückt. Und funktionale Zwänge zB in der Industrie gibt es genug. Natürlich sollte Architektur wo es nur geht "l'art pour l'art" sein. Höchstens über das was und wie kann man streiten - oder studiert Whywolf_Larry etwa nicht Architektur, weil er sich einer bildenden Kunst widmen sondern "Funktionsräume" schaffen will? Sozusagen die Fusion aus deutschem Beamten und deutschem Ingenieur. Nein, I beg to differ.

Zitat:
Zitat von Stadtstruktur Beitrag anzeigen
Je konkreter es um die Realisierung des Gebäudes und das Betriebskonzept irgendeiner Nutzung und deren insitutioneller Verankerung gehen wird - um so deutlicher werden die Schwächen des Primats der Stadtbildrekonstruktion deutlich werden, denke ich...
Bitte erläutern Sie das von Ihnen attestierte Primat der Stadtbildrekonstruktion? Wie ist das Verhältnis in Berlin zwischen Vorhaben der Stadtbildrekonstruktion und absolutem Wildwuchs (ich rede gar nicht nur von zeitgenössischer Architektur, sondern davon, die heutige Inkompetenz ein, wie auch immer geartetes, abgestimmtes Stadtbild zu komponieren, Bauhaus konnte das z. B. in seinen Anfängen auch noch!)? Aus dem Bauch heraus vielleicht 1:10.000 ? Und eine Vollreko in den letzten Jahrzehnten fällt mir überhaupt nicht ein. Wenn, dann waren es immer halbgare Kompromisse sog. "kritischer Rekonstruktionen". Ich suche das "Primat der Stadtbildrekonstruktion", kann es aber nirgendwo erblicken!

Und wenn eine Reko es ermöglicht, sofern man sich nicht "aus Prinzip" (=ideologisch) dagegen sträubt, eine Reko mit beliebiger, zeitgenössischer Nutzung zu kombinieren, dann die alte Bauakademie. Es handelt sich bereits um einen Flachdachwürfel mit Rasterfassade und modularem Innenraum mit einem Stützenraster, der entsprechend extrem flexibel in seiner Einteilung (und Neueinteilung) durch Trockenmauern wäre. Neueste Wolkenkratzergeschosse werden auch nicht anders errichtet und genutzt.

Die Reko ergibt quasi keinerlei Limitierungen oder Vorfestlegungen bzgl. der späteren Nutzung. Da wird ein Problem herbei geredet, das gar nicht existiert, um es folgerichtig mit dem Fazit ablehnen zu können, dass Rekos ja eh immer eine schlechte Idee seien. Sozusagen die gekränkte Eitelkeit der zeitgenössischen Architekten, die ja noch nie verstehen konnten, was für ein Problem das Gros der Bevölkerung eigentlich immer mit ihrem Purismus hat. Das lese zumindest ich aus den fast durchgehend ablehnenden Äußerungen aus dem Architektur-Establishment und dem Feuilleton. Umgekehrt kenne ich keinen architekturinteressierten Laien aus dem "real life", der keinen Gefallen an einer Reko der Bauakademie findet bzw. nicht schon ungeduldig darauf wartet, wann wenn endlich die Fototapete durch ein richtiges Gebäude ersetzt wird. In der Stadtgesellschaft herrscht größtenteils doch Unverständnis darüber, in welchen Debatten sich da kapriziert wird. Und zumindest bei einem öffentlichen Bauprojekt, finanziert durch Steuergeld, sollte das eine Rolle spielen. Die Berliner wollen die Reko.

Dabei ist das hier ja kein oberbayerisches Barockkloster. Es ist ein verdammt funktionales Backsteingebäude, hat ja nicht einmal eine Putzfassade, das extrem multifunktional ist. Wenn soviel historische Nüchternheit schon unzumutbar sein soll und weiter purifiziert werden muss, um das Go der Architektur-Intelligentia zu erhalten, dann können wir es in der Tat auch gleich lassen.

Geändert von Pumpernickel (22.03.17 um 09:34 Uhr)
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