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Alt 09.12.16, 13:10   #331
sub-xero
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Zitat:
Zitat von Kellertür Beitrag anzeigen
Denken Sie mal ganz scharf nach wie unsere Realität aussehen würde, wenn Luft kein Wärme- und Energiespeicher wäre. Vielleicht sollten Sie sich auch mal schlau machen wie viel absolute Feuchtigkeit Luft bei Raumtemperatur halten kann. Schonmal den Begriff Latente Wärme gehört?
Das stimmt schon, dass Luft Wärme speichern kann (deswegen muss man aber nicht gleich unfreundlich werden). Dennoch werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Man sollte nämlich die spezifische Wärmekapazität (Wh/kgK) der Materialien mal vergleichen, die abhängig von der Masse ist:

Vollziegel: 0,26
Beton: 0,31
Holz: 0,65
Gipskartonplatten: 0,29
Steinwolle, Glaswolle: 0,25
Stahl: 0,14
Luft: 0,28

Wie gesagt, bezogen auf die Masse!!! Demnach speichert ein Kubikmeter Luft nur einen Bruchteil der Wärme, die z.B. ein Kubikmeter Beton oder Ziegel speichern kann. Gerne dürft ihr auch hier nachlesen:
http://www.wissenwiki.de/W%C3%A4rmes...f%C3%A4higkeit
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Alt 09.12.16, 23:25   #332
nothor
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Zitat:
Zitat von hfrik Beitrag anzeigen
Und die Speicherfähigkeit der Betondecke kann man in der PRaxis sehr gut erleben, z.B. dadurch dass sich ein Raum nach dem Stosslüften sehr schnell wieder aufwärmt.
Hier würde mich aber mal interessieren wie sich die in der Praxis gemessene Wiederaufwärmung eines stoßgelüfteten Raumes auf die Beiträge der jeweiligen Raumbestandteile verteilt. Denn viel mehr als die Zimmerdecke dürften doch wohl die vergleichsweise nackten Wände beitragen. Diese sind nicht nur weniger stark von der Raumluft isoliert (gedämmt), sondern auch noch massereicher da dicker als die Decken und von größerer effektiver Oberfläche. Um aber diesen bis hierher theoretischen Prozess zu einem praktischen Vorteil zu machen, den man letztlich als Kostenersparnis wiederfinden will, dürfte man die Heizung nicht direkt wieder anschalten. Praktisch wird das aber getan, also ist dieser Zusammenhang in der Praxis nicht so relevant wie in den Berechnungen.
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Alt 10.12.16, 06:48   #333
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Zitat:
Zitat von Malwin Beitrag anzeigen
Die Rechenmodelle sind nur dahingehend beschränkt, dass sie eben gleiches Nutzerverhalten unterstellen. Sie gehen davon aus, dass man in seinem Wohnzimmer immer 21 Grad haben möchte und nicht Montag morgen auch mal 16 Grad (Hallo Schimmel)
Niedrige Raumtemperatur = Schimmel? Ganz so einfach ist es wohl eher nicht ...

Dein Satz zu den Rechenmodellen trifft aber den Kern des Problems. Programme zur Wärmedämmung sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen helfen, CO2-Emissionen zu senken.

Wenn ungedämmte Altbauten in der Praxis wegen "bedarfsorientierten Heizungsverhaltens" und einer evtl. zu geringen kalkulatorischen Berücksichtigung von Strahlungsgewinnen im Mittel deutlich weniger Energie verbrauchen als berechnet, gedämmte Neubauten z.B. wegen des an solche Gebäude nicht angepassten Lüftungsverhaltens aber mehr, dann sollte das schon ein Argument sein, sich gut zu überlegen, wie man vorgeht. Schließlich heißt das ja nichts anderes, als dass die Energieeinsparung durch Dämmprogramme systematisch überschätzt wird - möglicherweise soweit, dass ein Teil der Maßnahmen nicht mehr sinnvoll ist.

Grundsätzlich würde ich auch nicht anderen Menschen vorschreiben wollen, welche Temperaturen sie als angenehm zu empfinden haben. Wir z.B. schlafen gerne bei kühlen bis wirklich kalten Werten. Im Schlafzimmer ist bei uns nachts fast ganzjährig (Ausnahme wenige extreme Winternächte) stets mindestens ein Fenster offen. Daher ist für uns unser historischer sanierter Altbau mit moderner Innendämmung (!) ideal, da ohne große Verluste durch Speichereffekte erhebliche Temperaturunterschiede zwischen Tag- und Nachtnutzung der Räume möglich sind. Würden wir in hingegen in einem "state of the art" Neubau leben, würde unser Lüftungsverhalten zu deutlich schlechteren Verbrauchswerten führen, als die Energiebedarfsrechnung erwarten ließe.

Geändert von HelgeK (10.12.16 um 07:06 Uhr)
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Alt 10.12.16, 12:47   #334
nothor
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Zitat:
Zitat von HelgeK Beitrag anzeigen
Grundsätzlich würde ich auch nicht anderen Menschen vorschreiben wollen, welche Temperaturen sie als angenehm zu empfinden haben.
Sehe ich auch so, der Faktor Mensch wird völlig außen vor gelassen, genauso wie die Berechnungen nie alle Variablen des Objektes mit einbeziehen. Insofern taugen die vielzitierten Kennzahlen nur sehr eingeschränkt für die Betrachtung des gesamten Systems. Wie oft sieht man an gedämmten Häusern und auch an Neubauten dauerhaft gekippte Fenster? Und wieso kippen die Bewohner diese überhaupt? Wenn ich das nicht ausreichend betrachte, braucht man doch garnicht erst mit Kennzahlen operieren. Was nutzt eine Außendämmung, wenn das Fenster auf Kipp steht weil der Bewohner Raucher ist, oder feuchte Wäsche zum Trocknen im Raum steht. Oder die Haustiere Gerüche verursachen....
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Alt 01.01.17, 18:00   #335
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Um mal zu visualisieren was ich meine: Dieses Haus in Nürnberg wurde erst vor ca. 2 Jahren wärmegedämmt. Offensichtlich hat man aber nur eine Dämmung draufgepappt, aber vergessen die passende Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung einzubauen. Das Ergebnis ist, dass die Bewohner ihre Fenster öffnen, und praktischerweise stellt man die großen Einscheibenfenster auf kipp, da man sonst ja die Gardine zur Seite ziehen und das Fensterbrett freimachen muss. Die Vorgabe, nur Stoßzulüften indem die Fenster kurz und ganz weit geöffnet werden, erweist sich zu oft als unpraktisch. Gekippte Fenster dagegen stören nicht und bleiben eher länger auf oder werden sogar vergessen. Man kann an der von Tau überzogenen Fassade auch gut die Wärmebrücken der Verdübelung der Schaumstoffplatten sehen, und die Feuchtigkeit die sich über den gekippten Fenstern absetzt.





Mein Fazit: Die rechnerischen Vorteile, die sich aus der Wärmedämmung allein ergeben sollten, haben in der Praxis oft kaum die Chance, sich niederzuschlagen, weil andere Merkmale dem entgegen stehen. Ich würde daher sagen dass eine Wärmedämmung und Einscheibenfenster sich eher nicht vertragen. Soll eine Wärmedämmung optimal funktionieren, muss eine Lüftungsanlage vorgesehen werden. Diese einzubauen greift aber tief in die Gebäudesubstanz ein und stört die Bewohner massiv. Was am Ende mit der Wärmedämmung erreicht wird ist dann oft enttäuschend.
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