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Alt 16.10.11, 19:09   #1
lguenth1
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Verkehrsprojekte

Aufgrund der großen Anzahl von laufenden und geplanten Verkehrsprojekten eröffne ich dafür einen neuen Strang. Die wichtigsten Projekte im aus Zeitgründen recht groben Überblick:

Umbau des Hauptbahnhofs:

Die Deutsche Bahn investiert insgesamt mehr als 110 Millionen Euro in die grundlegende Erneuerung des Eisenbahnknotens Chemnitz. Bis 2013 soll hier ein modernes und leistungsfähiges Eisenbahnkreuz entstehen, das Reisenden und Transporteuren einen zuverlässigeren Verkehr auf der Schiene ermöglicht. Die künftig deutlich leistungsfähigere Eisenbahninfrastruktur erlaubt höhere Ein- und Ausfahrgeschwindigkeiten und kann so am Tag rund 100 Züge mehr aufnehmen als bisher. Vor Beginn des Umbaus verkehrten hier rund 410 Züge täglich. Aktuell sind auf einigen Strecken im Bahnhofsbereich nur noch Geschwindigkeiten von rund 30 km/h möglich.

Bis zum Abschluss des Gesamtprojekts erneuert die DB im gesamten Eisenbahnknoten Chemnitz 19 Kilometer Gleise, 21 Kilometer Oberleitungs- und Signalanlagen, 41 Weichen, 171 Signale sowie sieben Eisenbahnbrücken. Gleichzeitig werden rund 300 Meter Lärmschutzwände errichtet sowie die Gleisfeldbeleuchtung im Bahnhofsumfeld neu aufgebaut. Im Dezember 2013 soll der Chemnitzer Hbf gesamthaft in Betrieb genommen werden. 2014 erfolgen noch Restarbeiten.

Die Deutsche Bahn hat im Zusammenhang mit dem Ausbau des Eisenbahnknotens Chemnitz jetzt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Nach rund 36-monatiger Bauzeit nimmt die DB am 31. Oktober insgesamt 12 Kilometer neuer Gleise, 28 Weichen, 91 Signale sowie betriebliche Anlagen im Chemnitzer Hauptbahnhof und Bahnhofsumfeld in Betrieb. Gleichzeitig geht am 31. Oktober das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) in einer ersten Stufe in Betrieb. Das bedeutet für den Zugbetrieb, dass von diesem Zeitpunkt an alle Signale und Weichen zwischen Dresden und Glauchau aus der Betriebszentrale in Leipzig gesteuert werden.

Freie-Presse-Artikel: Link1, Link2

In der Diskussion sind noch der Ersatz der bisherigen Anbindung des Sonnenbergs ("Bazillenröhre") durch eine Verlängerung der Bahnsteigunterführung und eine Neugestaltung der Eingangshalle.

Chemnitzer Modell:

Der umbau des Hauptbahnhofs ist gleichzeitig Stufe 1 der Planungen zum Chemnitzer Modell, die eine umsteigefreie Fahrt mit der Straßenbahn von den umliegenden Orten ins Chemnitzer Zentrum ermöglichen sollen, wie dies auf der Strecke nach Stollberg seit Jahren der Fall ist. Folgende weitere Stufen sind geplant:

- Stufe 2 Ausbau Chemnitz - Thalheim mit Anbindung der TU Chemnitz durch neue Trasse auf der Reichenhainer Straße
- Stufe 3 Chemnitz – Niederwiesa
- Stufe 4 Strecke über die Leipziger Straße und das Chemnitz-Center nach Limbach-Oberfrohna
– Stufe 5 Ausbau Stollberg - Oelsnitz

Untersuchung Innenstadtring: Link

Ausbau der B174:

Zur Verbesserung des Verkehrsflusses vom Südring nach Tschechien ist ein Ausbau der bis Gornau derzeit nur einspurigen Strecke nötig. Die Arbeiten am Abschnitt außerhalb der Stadtgrenzen laufen bereits seit letztem Jahr auf Hochtouren. Auch die Stadt wird ihren Abschnitt nun entgegen der zwischenzeitlichen Planungen so schnell wie möglich beginnen und hat dazu bereits ihre Planungen präsentiert (Link). Die Gesamtkosten betragen über 50 Millionen Eurol, wovon 20 Millionen auf den innerstädtischen Abschnitt entfallen.

Verlängerung des Südrings

Bereits linienbestimmt ist eine Fortsetzung der Trasse in nordöstlicher Richtung (Teil IV), zwischen Augustusburger Straße, Eubaer Straße, Dresdner Straße (B 173) und Frankenberger Straße (B 169). Hier gab es längere Diskussionen um die Anbindung von Euba. Eine Fortsetzung des Südrings in nordwestlicher Richtung zwischen Neefestraße und Zwickauer Straße ist meines Wissens vorerst zurückgestellt.

Innerer Innenstadtring:

Die alten Pläne einer Verbindung vom Dresdner Platz bis zur Zschopauer Straße (Planungszeichnung), die Innenstadt und Sonnenberg vom Durchgangsverkehr entlasten soll, werden momentan nicht vorrangig verfolgt.

Ausbau der A72 nach Leipzig:

Bis Niederfrohna ist die Trasse bereits eröffnet. In diesem Jahr folgt der anschließende Abschnitt bis Rochlitz, im nächsten Jahr der bis Borna, wo die Umfahrung als Teil der A72 ebenfalls schon länger fertig ist. Von Borna bis zur A38 laufen derzeit noch die Planungen.

Bei Gelegenheit werde ich den Beitrag vielleicht noch etwas weiter detaillieren. Vieles wurde aber auch schon in anderen Themen aufgeführt.
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Alt 16.10.11, 19:24   #2
rotwang
 
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Der verlinkte Plan zum inneren Stadtring entstand auf dem Höhepunkt des Chemnitzer Stadtumbaus. Von der Bebauung an der Rembrandtstraße und Zieschestraße ist fast nichts mehr vorhanden. Selbst die damals schon sanierten Häuser fehlen. Wie man sich gedacht hatte, die abzureisen bleibt ein Rätsel. Obligatorisch, das in dem Plan jedes leer stehende Haus der GGGmbH fehlt. Inzwischen sind glücklicherweise einige der Gebäude verkauft.
Die Rembrandtstraße gegenüber dem Chemnitzer Theater ist eine sehr schöne Sraße mit Charm. Hoffentlich bleibt das so.
Man sieht an dem Plan, der bei mir schlimme Erinnerungen weckt aber, welcher Geist damals in Chemnitz herrschte. Um 2007 waren z. B. im Technischen Rathaus Planungsentwürfe ausgestellt die eine Sonnenbergbebauung zeigten die nur noch um die Markuskirche existierte. Auch die Planungen für Schloßchemnitz zeigten anstatt der Bebauung an der Bergstraße eine Grünfläche. Noch ist nicht in allen Köpfen angekommen, das dies nicht die Chemnitzer Zukunft ist.
Soweit ein kurzer Abstecher in die 0er Jahre.
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Alt 24.10.11, 18:42   #3
lguenth1
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Der Bau der A72 wird immer mehr zum Kasperletheater. Die Eröffnung des neuen Abschnitts zwischen Niederfrohna und Rochlitz verzögert sich wegen einer so außergewöhnlich komplexen Aufgabe wie dem Leitplankenbau womöglich bis Mitte nächsten Jahres, wie die Freie Presse heute berichtet (Link).
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Alt 13.11.11, 10:51   #4
lguenth1
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Bei Drehscheibe-online gibt es einen sensationellen Beitrag, der mit unzähligen Fotos die Arbeiten am Chemnitzer Hauptbahnhof vorstellt.
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Alt 18.11.11, 17:56   #5
lguenth1
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Die Freie Presse berichtet heute über zwei geplante Fahrspurverringerungen (Link):

- Auf der Zschopauer Straße landwärts ab Moritzstraße bis kurz vor der Clara-Zetkin-Straße soll der Parkstreifen ab Frühjahr 2012 vom Fußweg auf die Fahrbahn verlegt werden. Außerdem entstehen an Stellen, wo es bislang keinen Parkraum gab, neue Stellflächen, sodass die Zahl der Parkplätze insgesamt wächst. Die Zschopauer Straße soll in diesem Teilstück landwärts nur noch einen Fahrstreifen aufweisen.

- Auf der Reichenhainer Straße zwischen Wartburg- und Augsburger Straße steht statt zweier nur noch eine Fahrspur in jede Richtung zur Verfügung. Die äußeren Spuren wurden jeweils in einen Bereich für Radfahrer und in Pkw-Stellplätze umfunktioniert.
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Alt 27.11.11, 14:05   #6
Euler
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Euler befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Hier mal ein kleiner voher/nachher Vergleich vom weiteren Ausbau der Straße der Nationen.




Leider wird es noch eine ganze Weile dauern bis auf den Schienen eine Straßenbahn zu sehen sein wird. Zumindestens können aber die Busse die Spur schon einmal nutzen und somit die an der Ampel wartenden Autos überholen, was im Berufsverkehr einen kleinen Vorteil bringt.

__________________________
Sofern nicht anders angegeben sind alle Bilder von mir selbst aufgenommen
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Alt 30.11.11, 20:15   #7
lguenth1
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Die PM der Stadt zum Franken-Sachsen-Express (Link) enthält unter anderem die Information, dass nach Abschluss der Elektrifizierung die Fahrgäste in Hof umsteigen sollen, um von dort elektrisch weiterzufahren. Da das normalerweise für eine Fahrzeitverkürzung und eine Verbesserung des Komforts sorgen sollte, verstehe ich die Ablehnung des Konzepts nicht. Allerdings sind auch nicht alle Informationen bekannt.
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Alt 01.12.11, 02:53   #8
LE Mon. hist.
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Studie - Chemnitz auf dem Abstellgleis

Nichts neues, aber nun auch mal im nationalen Vergleich und mit einigen Zahlen:

MDR, 30. November 2011
http://www.mdr.de/sachsen/bahnanbind...-9f2fcd56.html

Studie - Chemnitz auf dem Abstellgleis
Sachsens Großstädte sind schlecht mit der Bahn erreichbar. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Dresden. Demnach erreicht Chemnitz in Sachen Bahnanbindung im Vergleich der 80 größten deutschen Städte nur Platz 78.


Evangelinos, Christos / Hesse, Claudia / Püschel, Ronny
Die Erreichbarkeit deutscher Großstädte durch den Schienenpersonenverkehr
ifo Dresden berichtet 18 (05), 20-27
Kostenfreier Download (PDF, 393 KB)
http://www.cesifo-group.de/portal/pa...1&p_back=liste
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Alt 17.12.11, 14:48   #9
lguenth1
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Seit Freitag rollt der Verkehr auf der umgebauten Kreuzung Annaberger Straße/Treffurthstraße (Link).
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Alt 30.12.11, 09:45   #10
lguenth1
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Das Stadtforum kritisiert die Ausbaupläne für das Chemnitzer Modell auf der Reichenhainer Straße. Dort soll die Straßenbahn als Teil der Trasse bis Thalheim zum Campus der TU führen, was auch der Verbindung mit dem innerstädtischen Uni-Teil dienen soll. Dafür wird seitens der Planer aber die Fällung der Bäume auf der Reichenhainer Straße als nötig erachtet. Es sollen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.

Nach vielen Gesprächen mit Anwohnern, Gastronomen und Geschäftsinhabern sowie mit Studenten zweifelt das Stadtforum indes den Bedarf für den Gleis-Ausbau bis zur Reichenhainer Straße an, eine Anbindung per Bus sowie der Tram-Anschluss Bernsdorfer Straße seien ausreichend. Generell, so betont die Initiative, sei es richtig, das Uni-Quartier besser an den Öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Allerdings bitte sie darum, die "weitere Planung unbedingt in Einheit mit dem Erhalt der Alleebäume zu führen und Alternativen zu prüfen". Bürger müssten auf die grundsätzlichen Pläne Einfluss nehmen können, heißt es weiter. Als Alternative wird ein Verzicht auf den durchgängig zweigleisigen Ausbau vorgeschlagen, ein Ausweichpunkt könne möglicherweise reichen.

Ich bin da eher skeptisch, die durchgängige Zweigleisigkeit ist für Bahnstrecken entscheidend für die Leistungsfähigkeit, zumal es sich hier eben um keine reine Straßenbahntrasse handelt. Gerade auf der Reichenhainer Straße wird die Taktfolge zur Uni sehr eng sein. Prüfen muss man natürlich, sollte sich dies dabei aber als unpraktikabel herausstellen, muss der verständliche Wunsch nach Erhalt der Alllee aber im Sinne der Stadtentwicklung in den Hintergrund treten.
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Alt 30.12.11, 10:27   #11
bescha
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CM Stufe 2

Sollten nicht auf der Reichenhainer Straße seit jeher, also schon vor dem zweiten Weltkrieg, als sie so geplant wurde, Straßenbahnen fahren? Man hätte doch nie so einen breiten Mittelstreifen zwecks Bepflanzung gebaut.
Die Bepflanzung war dann Schluss endlich nur eine Zwischenlösung, da dann der zweite Weltkrieg und die DDR diese Pläne stoppten. Deshalb kann ich es nicht verstehen, dass man unbedingt diese Allee behalten will, noch dazu, dass es Neubepflanzungen geben soll.

Wenn man Chemnitz mit Dresden oder Leipzig vergleicht, kann man nicht unbedingt sagen, dass es einen Mangel an Bäumen in der Innenstadt gibt.

Nach den Plänen des VMS wird mit der zweiten Stufe des Chemnitzer Modells die Reichenhainer Straße ja nicht, zu einer kargen, Baumlosen Straße, wenn man sich die Pläne anschaut:
http://www.stura.tu-chemnitz.de/refe...tzermodell.pdf

Interessant finde ich die Vorschläge für die Haltestelle Hörsaalzentrum, wie man diese im obigen Link sieht. Ich persönlich favorisiere die Verlegung der Haltestelle in Richtung Orangerie am besten. Man schafft damit eine attraktive Umsteigesituation ich Richtung Reichenhain und Altchemnitz und genügend Platz für die Studenten, besonders zu Pausenzeiten, was ich bei der Haltestelle in der Mittellage nicht unbedingt annehmen würde.
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Alt 30.12.11, 11:40   #12
Hannes Kuhnert
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Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Das Stadtforum kritisiert die Ausbaupläne für das Chemnitzer Modell auf der Reichenhainer Straße. Dort soll die Straßenbahn als Teil der Trasse bis Thalheim zum Campus der TU führen, was auch der Verbindung mit dem innerstädtischen Uni-Teil dienen soll. Dafür wird seitens der Planer aber die Fällung der Bäume auf der Reichenhainer Straße als nötig erachtet. Es sollen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.

Nach vielen Gesprächen mit Anwohnern, Gastronomen und Geschäftsinhabern sowie mit Studenten zweifelt das Stadtforum indes den Bedarf für den Gleis-Ausbau bis zur Reichenhainer Straße an, eine Anbindung per Bus sowie der Tram-Anschluss Bernsdorfer Straße seien ausreichend. […] Als Alternative wird ein Verzicht auf den durchgängig zweigleisigen Ausbau vorgeschlagen, ein Ausweichpunkt könne möglicherweise reichen.

Ich bin da eher skeptisch, die durchgängige Zweigleisigkeit ist für Bahnstrecken entscheidend für die Leistungsfähigkeit, zumal es sich hier eben um keine reine Straßenbahntrasse handelt.
Gerade bei (städtischen) Straßenbahnen (→ dichter Takt) ist Eingleisigkeit nur in Ausnahmefällen praktikabel. Zunächst bringt Eingleisigkeit Zwangspunkte für den Fahrplan der Linie, der letzten Endes die Planungungsmöglichkeiten für den gesamten Stadtverkehr einschränkt. Mindestens genau so schlimm ist die Sache mit der Zuverlässigkeit: Im Zehn-Minuten-Takt hat man alle fünf Minuten Fahrstrecke eine Zugkreuzung. Rein theoretisch könnte man also die Strecke auf der Reichenhainer komplett eingleisig realisieren. Allerdings sind im Stadtverkehr Verspätungen um −1–2 Minuten nicht ungewöhnlich. Solche kleinen Verschiebungen stören im allgemeinen niemanden und werden meist nicht mal bemerkt, würden bei einem so langen eingleisigen Abschnitt aber sofort zu ungeplanten Standzeiten führen, die das Angebot subjektiv völlig unattraktiv und tatsächlich langsamer als den derzeitigen Bus machen würden.

Es ärgert mich ein bisschen, dass sich das Stadtforum nicht erst sachkundig gemacht hat; wenn man sich ein bisschen auskennt, liegt auf der Hand, dass eine eingleisige Führung hier nichts taugt. Dass Eingleisigkeit in der Variantenuntersuchung (hier verlinkt) nicht mit drin war, ist kein Zufall.

Eingleisigkeit ist etwas für enge Straßen wie die Rue de la Roë in Angers, wo im Sommer ein neuer Straßenbahnbetrieb eröffnet wurde:









Aber für die dreimal so breite und dreimal so lange Reichenhainer Straße wäre es ziemlicher Quatsch.

Schade, dass viele nicht sehen, wie großzügig die meisten chemnitzer Straßen bemessen sind und was für eine tolle gestalterische Chance das ist.

Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Gerade auf der Reichenhainer Straße wird die Taktfolge zur Uni sehr eng sein. Prüfen muss man natürlich, sollte sich dies dabei aber als unpraktikabel herausstellen, muss der verständliche Wunsch nach Erhalt der Alllee aber im Sinne der Stadtentwicklung in den Hintergrund treten.
Das mit der langfristigen und prinzipiellen Entwicklung ist ein Punkt, den ich in der Diskussion oft vermisse. Es gibt hier eine besondere Chance, eine Straßenbahn für den Uni-Teil 2 zu realisieren. Wenn diese Trasse jetzt realisiert wird, wird das jahrzehntelang positive Auswirkungen haben.

Straßenbäume sind auch „nur“ von Menschen gepflanzt und – man höre und staune – wachsen wieder nach. Hier die lt. Zeitung ausgewachsenen Platanen an der Reichenhainer Straße:



Zum Vergleich der Ahorn an der StraNa beim Roten Turm – erst irgendwann um das Jahr 2000 rum gepflanzt:



Ein echtes Straßenbaum-Fäll-Problem würde uns nur dann drohen, wenn plötzlich Milliarden zur Verfügung ständen, um in der ganzen Stadt alle denkbaren Infrastrukturprojekte gleichzeitig zu realisieren. Ich sehe nicht ein, warum man wegen ein paar Jahren mit kleinen Bäumen dauerhafte größere Nachteile in der Straßenraumgestaltung eingehen sollte.

Besonders perfide finde ich die Argumentation „mit dem Bus geht es doch auch“, die ausgerechnet vom Stadtforum und vorher schon von B90/Grüne kam (wobei es da durchaus einen Zusammenhang geben kann). Wenn man danach gänge, dass man auch mit dem Bus ein irgendwie brauchbares Angebot bieten kann, gäbe es in Chemnitz überhaupt keine Straßenbahn. Es gibt aber Ziele, die sich nur mit der Straßenbahn erreichen lassen.

PS: Bitte Bescheid geben, wenn es jemandem zu viele Bilder sind.

Geändert von Hannes Kuhnert (30.12.11 um 11:43 Uhr) Grund: Tippfehler
Hannes Kuhnert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.12.11, 12:20   #13
LE Mon. hist.
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Dieser Jammerbeitrag des Chemnitzer Fotografen Michael Backhaus auf der Website des Stadtforums hat mich auch ueberrascht. Da wird ueber die verschiedensten Themen abgekotzt, wobei der Verfasser im einzelnen weder Ahnung noch Alternativvorschlaege zu haben scheint. Eine Stadt bedeutet aber immer auch Veraenderung, die Fragen dabei sind, wie, in welche Richtung und wie schnell. Aber hier soll alles bleiben wie es war und ist - ein Zustand, wie es ihn auch in Chemnitz kaum gab. Ich glaube bzw. hoffe allerdings, dass es nicht die einhellige Meinung des Chemnitzer Stadtforums ist, sondern lediglich der auch entsprechend gekennzeichnete Beitrag eines Mitstreiters.

Konkret zur Reichenhainer Strasse steht da nur sehr wenig: „Ein Höhepunkt des im wahrsten Sinn des Wortes „Chemnitzer Modell“ ist dann die komplette Zerstörung des Straßenraumes entlang der Reichenhainer Straße. Die einzige Baumallee in unserer Stadt wird der fragwürdigen Fördergeldpolitik und einem nicht bis zu Ende gedachten Bauprojekt geopfert.“

Wie meine drei Vorredner sehe ich das Bauvorhaben ueberwiegend positiv - eine deutliche Staerkung des OePNV und eine bessere Anbindung der Uni und der suedlich gelegenen Areale der Stadt an Zentrum bringen Vorteile, die den Verlust der Baeume mehrfach aufwiegen. Fuer Ersatzpflanzungen gibt es in Chemnitz ja auch ausreichend Platz.

PS: Zu viele Bilder kann es kaum geben, denn das Forum lebt ja besonders davon. Besten Dank fuer die schoene Bebilderung.
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Alt 30.12.11, 14:10   #14
Hannes Kuhnert
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Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von LE Mon. hist. Beitrag anzeigen
Konkret zur Reichenhainer Strasse steht da nur sehr wenig: „Ein Höhepunkt des im wahrsten Sinn des Wortes „Chemnitzer Modell“ ist dann die komplette Zerstörung des Straßenraumes entlang der Reichenhainer Straße. Die einzige Baumallee in unserer Stadt wird der fragwürdigen Fördergeldpolitik und einem nicht bis zu Ende gedachten Bauprojekt geopfert.“
Das klingt schon krass nach Meckerhaltung oder als habe Herr Backhaus einen schlechten Tag gehabt.

Damit die Aussage, bei der Reichenhainer Straße handele es sich um die einzige Baumallee in Chemnitz, wahr ist, braucht man eine ziemlich originelle Definition von „Baumallee“.

Zitat:
Zitat von LE Mon. hist. Beitrag anzeigen
Wie meine drei Vorredner sehe ich das Bauvorhaben ueberwiegend positiv - eine deutliche Staerkung des OePNV und eine bessere Anbindung der Uni und der suedlich gelegenen Areale der Stadt an Zentrum bringen Vorteile, die den Verlust der Baeume mehrfach aufwiegen. Fuer Ersatzpflanzungen gibt es in Chemnitz ja auch ausreichend Platz.
Um das noch klar zu stellen: Ersatzpflanzungen sollen nach den Planungen der Stadtverwaltung und des VMS in erster Linie an der Reichenhainer Straße erfolgen, und zwar – Überraschung – in Form einer zweireihigen Allee.

In der ganzen Diskussion geht es also ausschließlich um das Problem, dass es ein paar Jahre lang mehr nach Baumschule als nach beeindruckender Allee aussieht!

Übrigens ist nicht nur, wie schon erwähnt wurde, der Mittelstreifen schon ursprünglich für eine Straßenbahn vorgesehen gewesen, sondern die Bäume wurden schon straßenbahnkompatibel gepflanzt – kompatibel zur alten Straßenbahn mit ihrer geringeren Wagenkastenbreite. Nur leider reicht der Platz für das Profil der neuen Straßenbahn, deren Aufbau in den fünfziger Jahren begann, nicht aus.
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Alt 30.12.11, 14:56   #15
lguenth1
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Der Beitrag heute in der Freien Presse hört sich aber schon wesentlich sachlicher an als der Kommentar von Herrn Backhaus - der übrigens im gleichen Atemzug einen Stadionneubau im Sportforum vorschlägt, der die Straßenbahntrasse erst recht nötig machen würde. Fragen stellen sollte man immer, auch der Wunsch nach Bürgerbeteiligung kann bei der Vielzahl der noch möglichen Varianten nicht verkehrt sein und werden letztlich das Projekt nicht gefährden. Das Potential an Baumschützern, die sich an die Platanen ketten, ist in Chemnitz sowieso sehr überschaubar.
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