Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Osten > Chemnitz


Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 13.12.10, 15:32   #76
Hannes Kuhnert
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 13.07.2009
Ort: Chemnitz
Beiträge: 504
Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von Der Seb Beitrag anzeigen
Deswegen sollte man jetzt nicht in einer Art Schnellschuss ein Parkhaus dort hinsetzen nur um irgendeine geschlossene Bebauung zu haben. Zudem drängt sich mir die Frage auf, wie die Zufahrt zu diesem geführt werden soll. Eine Querung des Walls würde den wohl von der Stadt erhofften Charakter als Fußgänger- und Flaniermeile arg stören.
Wahrscheinlich wird es ähnlich wie die Zufahrt zur sog. Mittelstandsmeile ggü. dem Sporthochhaus ausfallen.

Zitat:
Zitat von Der Seb Beitrag anzeigen
Wenn man schon ein Parkhaus bauen muss, warum dann nicht auf die ursprünglich dafür vorgesehene Fläche an der Zentralhaltestelle.
Ich persönlich halte Parkhäuser, die direkt mit dem Auto befahren werden, für antiquiert. Leider ist die schon technisch erfolgreich umgesetzte Idee automatischer Parkhäuser weitgehend an der merkwürdigen Mentalität viele Menschen gescheitert, obwohl sie funktional in jeder Hinsicht vorteilhaft sind.

Davon mal abgesehen: Oberirdisch oder unterirdisch ist eine Kostenfrage. Wenn man jetzt mal von einem oberirdischen Parkhaus ausgehe, dann gehört das sinnvollerweise in eine Reihenbebauung integriert. Dann wirkt es nämlich viel weniger dominant als ein freistehendes Parkhaus mit „Fassaden“ ringsum.

Insofern bin ich Gegner der früheren Planung eines Parkhauses zwischen Johannisplatz und Bahnhofstraße.
Hannes Kuhnert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.10, 15:52   #77
Hannes Kuhnert
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 13.07.2009
Ort: Chemnitz
Beiträge: 504
Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von cherubino Beitrag anzeigen
Als Parkhaus war das Gebäude geplant, das hier als Abschluss zwischen Johannisplatz und Bahnhofstraße zu sehen ist. Neben der Dresdner Bank sollte verständlicherweise etwas richtiges stehen. Das war eine gute Idee, dadurch wäre der Platz nicht nur städtebaulich geschlossen gewesen, er wäre auch vom Lärm der Bahnhofstraße abgetrennt gewesen.
Das Lärmproblem betreffend bin ich mehr auf eine Reduzierung des MIV auf der Bahnhofstraße aus. Das ist realistisch.

Generell hab ich diese Trennung zwischen Johannisplatz und Bahnhofstraße nie verstanden. Mein Raumempfinden sagt da „nein“.

Das Foto des historischen Stadtmodells zeigt sehr schön den Beckerplatz (?) neben dem Dresdner-Bank-/Sparkassen-Gebäude. Klar, darum hat das Bankgebäude auch auf der Seite eine Fassade. Als ich den Platz neulich in der Ausstellung in der Galerie Roter Turm entdeckte, fiel mir auf, dass Kellnbergers Idee, dort in Richtung Chemnitz Plaza noch ein Haus zu pauen, insofern nicht schlüssig ist.
Hannes Kuhnert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.12.10, 17:11   #78
cherubino
 
Beiträge: n/a
Die Idee für den Bau eines Parkhauses zwischen JoPlatz und Bahnhofstraße kommt ja daher, das es dort früher eine ähnliche städtebauliche Situation mit diesem bekannten Kopfbau gab. Der Platz sollte wieder ungefähr so wie früher eingefasst werden. Weil man aber schon vor 10 Jahren wusste, das noch ein Bürohaus nicht gebraucht wird, ist der Bau wohl gleich als Parkhaus angedacht gewesen.
Ich meine dieses Haus muss nicht unbedingt gebaut werden aber ein Parkhaus neben der Dresdner Bank wäre auch nicht Ideal.
  Mit Zitat antworten
Alt 17.12.10, 19:00   #79
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.384
lguenth1 ist im DAF berühmtlguenth1 ist im DAF berühmt
Die Debatte zum geplanten Parkhaus gegenüber dem ehemaligen Bundesbank-Gebäude findet ihre Fortsetzung beim Sachsen-Fernsehen. Mich erinnert das irgendwie an das Trainingsgelände in Leipzig, wo man auch die Information der Öffentlichkeit verpaßt hat. Wenn Herr Kellnberger hier einen architektonisch ansprechenden oder zumindest akzeptablen Entwurf zeigen würde, würde es die Diskussion nicht geben. Öffentlichkeitsarbeit scheint Herrn Kellnberger aber nicht unbedingt zu liegen, ansonsten fände man eine Webseite zu den umfangreichen Vorhaben in der Innenstadt. Allerdings ist der Zwischenbau im Bereich Rawema-Gebäude/Bundesbank ein mahnendes Beispiel: Während in der Freien Presse eindeutig eine Aufstockung auf ein viergeschossiges Gebäude vermeldet wurde (Link), ist davon vor Ort nichts zu sehen. Warum da weder Medien noch Stadtrat nachhaken, ist mir völlig unverständlich. Deshalb fällt es mir auch schwer, mit der heutigen Printausgabe der Freien Presse in den Jubel zur Eröffnung des Bundesbankgebäudes einzustimmen...

Folgendes Bild zeigt vor dem Hintergrund des Rawema-Hauses übrigens schön die Funktion der Brückenstraße als Aufmarschstraße:


Quelle- Wikimedia Commons
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.12.10, 20:11   #80
Der Seb
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 24.11.2010
Ort: Chemnitz
Beiträge: 24
Der Seb befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Schön, dass die Diskussion auf diese Weise etwas mehr in die Öffentlichkeit getragen wird. Allerdings befürchte ich, dass sich bei dem Tempo, welches Herr Kellnberger vorlegt, an der Standortfrage nichts mehr ändern wird. Auch hinsichtlich einer architektonisch anspruchsvollen Gestaltung mache ich mir leider keine allzu großen Hoffnungen, zumal ich bei einem Parkhaus auch nicht wüsste, wie diese aussehen sollte.
Der Seb ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.12.10, 02:43   #81
Bau-Lcfr
Diamant-Mitglied

 
Registriert seit: 20.11.2010
Ort: Rheinland
Beiträge: 10.067
Bau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle Zukunft
Zitat:
Zitat von cherubino Beitrag anzeigen
Weil man aber schon vor 10 Jahren wusste, das noch ein Bürohaus nicht gebraucht wird, ist der Bau wohl gleich als Parkhaus angedacht gewesen. Ich meine dieses Haus muss nicht unbedingt gebaut werden aber ein Parkhaus neben der Dresdner Bank wäre auch nicht Ideal.
In praktisch jeder Großstadt gibt es den Trend zum Wohnen (wieder) in der City. Wenn keine Büroflächen gebraucht werden, warum wird nicht ein Wohn-/Geschäftshaus erwogen?

Mir ist kein innenstädtisches Parkhaus bekannt, welches eine architektonische Bereicherung wäre. Bereits das da macht aus dem zentralen Platz einen Unort wie in einem vorstädtischen Gewerbegebiet.
Bau-Lcfr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.12.10, 10:42   #82
cherubino
 
Beiträge: n/a
Der Architekt der dieses Parkhaus entworfen hat, wird auch das am Johannisplatz entwerfen.
  Mit Zitat antworten
Alt 18.12.10, 13:10   #83
Hannes Kuhnert
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 13.07.2009
Ort: Chemnitz
Beiträge: 504
Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von cherubino Beitrag anzeigen
Die Idee für den Bau eines Parkhauses zwischen JoPlatz und Bahnhofstraße kommt ja daher, das es dort früher eine ähnliche städtebauliche Situation mit diesem bekannten Kopfbau gab.
Welches Gebäude meinst du mit Kopfbau?

Zitat:
Zitat von cherubino Beitrag anzeigen
Der Platz sollte wieder ungefähr so wie früher eingefasst werden. Weil man aber schon vor 10 Jahren wusste, das noch ein Bürohaus nicht gebraucht wird, ist der Bau wohl gleich als Parkhaus angedacht gewesen.
Soweit ich sehen kann, teilt das im Rahmenplan (2000 rum) vorgesehene Parkhaus anders als die frühere Bebauung den Bereich nicht in zwei Straßenzüge, sondern schafft mit seiner Trapezform einen Platz zwischen Ex-Bundesbank und Sparkasse/früher Dresdner Bank. Der Johannisplatz lag, glaube ich, an der Königstraße (Straße der Nationen). Die Bahnhofstraße existierte m. W. nicht wie heute, da bräuchte ich mal einen alten Stadtgrundriss.

Wegen der Gestaltung eines Parkhauses:In Bremen ist mir mal ein Parkhaus positiv aufgefallen, ich hab es etwas anders in Erinnerung, aber es könnte das hier gewesen sein.
Hannes Kuhnert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.12.10, 18:58   #84
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.384
lguenth1 ist im DAF berühmtlguenth1 ist im DAF berühmt
Das Bremer Parkhaus ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel, wie sich solch ein reiner Zweckbau durch das Verstecken der eigentlichen Funktion ins Stadtbild einfügen kann. Dafür bedarf es lediglich geringer Mehrausgaben für die Fassade, die ich mir an dieser Stelle in Chemnitz sogar noch moderner vorstellen könnte. Von einem Fassadenwettbewerb mit anschließender Veröffentlichung der Entwürfe darf man allerdings nicht einmal träumen. Ob der Bebauungsplan den Stadträten eine Möglichkeit der Einflußnahme gibt, kann ich nicht beurteilen. Da Kellnberger aber zwingend auf das Parkhaus angewiesen ist, um seine restlichen Investitionen zu vervollständigen, sollte man hier im Interesse der Innestadt jede sich bietende Gelegenheit zur Einflußnahme nutzen.

@Bau-Lcfr: Sowohl in der Bundesbank als auch in der Sparkasse setzt Kellnberger durchaus auch auf Wohnnutzung. Die Zahl der Dauerparkplätze in der Innenstadt ist aber sehr begrenzt, weshalb ein neues Parkhaus mit garantiertem Stellplatz sicher auch wichtiges Argument bei der Vermietung dieser Wohnungen ist. Trotz der nahen Zentralhaltestelle ist der ÖPNV in Chemnitz sicher keine Alternative zum eigenen Auto.
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.12.10, 20:07   #85
cherubino
 
Beiträge: n/a
Bei 11 Monaten Bauzeit und einem Koch als Architekt kann ich mir das Ergebnis schon vorstellen. Er hat ja noch nicht mal gemerkt das eine längs Gliederung der Fassade des Parkhauses am Wall eher ungünstig ist. An seinem "Schmuckstück"t, dem Beton etwas an der Theaterstraßenseite des Parkhauses hat die Innenstadt echt zu knappern.
  Mit Zitat antworten
Alt 20.12.10, 19:53   #86
Hannes Kuhnert
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 13.07.2009
Ort: Chemnitz
Beiträge: 504
Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Das Bremer Parkhaus ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel, wie sich solch ein reiner Zweckbau durch das Verstecken der eigentlichen Funktion ins Stadtbild einfügen kann.
So richtig versteckt ist es gar nicht, man sieht die Autos durch die Fenster sehr gut, aber die Fassade ist unter Verzicht auf Gitter und flächige Öffnungen so gestaltet, dass es im Groben nacht einem „richtigen“ Haus aussieht.

Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Dafür bedarf es lediglich geringer Mehrausgaben für die Fassade, […]
volle Zustimmung

Davon abgesehen sehe ich wie gesagt generell nur in automatischen Anlagen nach Art eines Hochregallagers (oder Tiefregallager, wenn man es so nennen will) eine ordentliche Lösung.

Zum unterirdischen Bewohnerparkhaus in München-Neuhausen heißt es gar:

Der günstigere Stellplatzpreis sprach schließlich für die Entscheidung zugunsten der automatischen Parklösung: Weniger Bauvolumen pro Stellplatz, geringere Kosten für Gebäudetechnik durch reduzierte Lüftung und Beleuchtung sowie die Einsparung von Aufzügen, Treppen, Rampen usw.

Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
@Bau-Lcfr: Sowohl in der Bundesbank als auch in der Sparkasse setzt Kellnberger durchaus auch auf Wohnnutzung. Die Zahl der Dauerparkplätze in der Innenstadt ist aber sehr begrenzt, weshalb ein neues Parkhaus mit garantiertem Stellplatz sicher auch wichtiges Argument bei der Vermietung dieser Wohnungen ist. Trotz der nahen Zentralhaltestelle ist der ÖPNV in Chemnitz sicher keine Alternative zum eigenen Auto.
Letzterem fehlt als pauschale Behauptung die Substanz.

Zwar ist der öffentliche Verkehr in Chemnitz im Vergleich mit anderen deutschen Städten gleicher Größe nur von mittlerer Qualität, konkret heißt das allerdings, dass zumindest vom Zentrum aus die allermeisten denkbaren Ziele in akzeptabler Qualität erreichbar sind.

Weil mich das verbreitete generelle Nichternstnehmen des hiesigen öffentlichen Verkehrs ärgert, möchte ich zwei Sachdetails nennen: Auf die Bevölkerung bezogen sind etwa drei Viertel von Chemnitz im Zehn-Minuten-Takt (Mo–Fr) erschlossen. Ein ähnlich großer Teil der Stadt ist an das Nachtbusnetz angeschlossen, d. h. hat die ganze Woche rund um die Uhr ein öffentliches Verkehrsangebot.

Im übrigen kann man in jeder Stadt mit beliebig gutem ÖPNV Leute finden, die erklären, dass der ÖPNV grundsätzlich „keine Alternative zum PKW“ sei.

Davon völlig unabhängig ist ein mietbarer (oder kostenlos gesicherter) Parkplatz überall ein nützliches Argument bei der Immobilienvermarktung.
Hannes Kuhnert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.12.10, 09:40   #87
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.384
lguenth1 ist im DAF berühmtlguenth1 ist im DAF berühmt
Zitat:
Trotz der nahen Zentralhaltestelle ist der ÖPNV in Chemnitz sicher keine Alternative zum eigenen Auto.
Bei der eigentlichen Überlegung, ob ein Bewohner der Innenstadt ein akzeptables Nahverkehrsangebot hat, ist das tatsächlich nicht richtig gewesen. In Chemnitz selbst kann vom Zentrum aus per Bus und Straßenbahn die meisten Ziele günstig erreichen. Trotzdem ist meiner Meinung nach der Bus nicht das optimale Verkehrsmittel, weil damit nur wenige Vorteile gegenüber dem Individualverkehr existieren. Auch die Anbindung vom Zentrum an den Hauptbahnhof ist verbeserungswürdig, was mit dem Ausbau des Chemnitzer Modells aber in Angriff genommen wird (wobei der immer noch existente Cube Club hoffentlich kein Hinweis auf ein Einmotten der Pläne ist). Dritter Kritikpunkt wäre die Attraktivität der Bahnhöfe (Enkaufsmöglichkeiten Hbf., Bazillenröhre, Zustand Bhf. Chemnitz Mitte, ...).
Wirklich problematisch wird es aber, wenn man die Perspektive wechselt und überlegt, wie man vom Umland ins Zentrum kommt. Schon vom Sonnenberg oder dem Kaßberg finde ich das nicht gerade hervorragend, noch schlimmer wird es aber bei den mittleren Städten der Region. Da bleibe ich auf jeden Fall dabei, daß der ÖPNV für einen Peniger, Limbacher oder Zschopauer keine Alternative ist, vor allem, weil auch die eben nicht nur im Zentrum arbeiten. Zudem schwebt immer das Damoklesschwert der Mittelkürzungen über den Angeboten, wie man gerade wieder gesehen hat. Daß ein Verzicht aufs Auto auch attraktive Fernverkehrsverbindungen erfordert, steht auf einem anderen Blatt.
Mit dem geplanten Ausbau des Chemnitzer Modells ist man gedanklich auf dem richtigen Weg, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob man über Stufe 1 wirklich hinauskommen wird.
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.12.10, 19:57   #88
cherubino
 
Beiträge: n/a
Chemnitz, Standortdiskussion Saxoniabrunnen, offener Brief Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach

Weimar, den 20. Dezember 2010

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Eine gute Gestaltung des ehemaligen Posthof-Areals "Johannisplatz" ist ein wesentlicher Beitrag der noch neu zu gestaltenden städtebaulichen Räume im Zentrum von Chemnitz. Dieser vernachlässigte Stadtraum, nach Abriss der Baracken ist nicht Hinterhof, sondern noch immer 1A-Lage.
Vorausgesetzt, der Stadtraum wird nicht mit 2-geschossigen Ladenbauten und immer unansehnlichen Parkhaus-"Fassaden" zugestellt und als bloßen Durchgang degradiert. Wir hatten 1991 im städtebaulichen Wettbewerb (3.Preis und später (ungefragt!) Grundlage der Zentrumsplanung der Stadt Chemnitz) und 1995/1998 im B-Plan (Entwurf, s.:Anlage) versucht, dieses für Chemnitz bedeutende Areal mit dem historischen, einprägsam gestalteten Bankgebäude nicht nur als gut gestalteter Stadt- und Straßenraum, sondern auch als unverwechselbaren Grünraum zu gestalten.
Sollte es der Stadtplanung und dem Investor gelingen, diesen intimen Stadt- und Grünraum in guter städtebaulicher Qualität zu erbauen, könnte ich mir auch einen guten Standort für den historischen Saxonia-Brunnen vor dem dreieckigen Baufeld (s. Bspl: Erfurt Anger-Brunnen) vorstellen. Er würde so von drei Seiten wahrgenommen werden und den davor liegenden Platz stark akzentuieren. Voraussetzung ist aber, dass dieser für das Chemnitzer Zentrum wichtige städtebauliche Raum nicht mit untergeordneter Architektur (2-geschossige Ladenbaracken und einer unansehnlichen Parkhausfassade, einschließlich Tiefgaragenzufahrt) zugestellt wird.
Der Investor sollte die große Chance begreifen, hier einen intimen und gern aufgesuchten Stadtraum zu gestalten, der kleinteilige Kunst- und Gourmetangebote aufnehmen könnte und verkehrsfrei bleibt. Dieser Stadtraum verdiente dann auch die bildkünstlerische Akzentuierung mit dem Saxonia-Brunnen und mit raumbildender Baumbepflanzung. Sollten diese gestalterische Voraussetzungen mit dem Investorangebot heute nicht zu schaffen sein, scheint mir der Vorschlag, den Saxonia-Brunnen am Düsseldorfer Platz als künstlerische Bereicherung und Vordergrund, einer dem Stadtraum vor dem Rathaus, leider in seiner zu wenig differenzierten architektonischen Gestalt, gut tun.
Mein Vorschlag wäre, ein leichtes Phantom aus Pappmaché (mit Hilfe der Theaterwerkstätten) zu errichten und die sachkundigen Bürger (Architekten, Künstler, Denkmalpfleger, Bildhauer, Historiker, Spender u.a.) zu beteiligen, wie es schon Michel Angelo mit dem Reiterdenkmal mit Mark Aurel am Capitol tat. Übrigens ein echtes Beispiel nach "Stuttgart 21", die Öffentlichkeit zu beteiligen .

http://www.repage4.de/memberdata/sch...ph_3_small.jpg
http://www.repage4.de/memberdata/sch...ph_4_small.jpg
http://www.repage4.de/memberdata/sch...ph_5_small.jpg

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach

Wikipedia: Heinz Schwarzbach, Städtebauer und Hochschullehrer

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Schwarzbach

Grafiken mit freundlicher Genehmigung Herrn Prof. Schwarzbachs
  Mit Zitat antworten
Alt 27.12.10, 12:44   #89
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.384
lguenth1 ist im DAF berühmtlguenth1 ist im DAF berühmt
Der Offene Brief war für mich Anstoß, mich erneut im Detail mit den Plänen für den Posthof zu beschäftigen (Luftbild). Fotos werde ich demnächst machen können und nachreichen. Die planerische Rechtsgrundlage stellt der Bebauungsplan Nr. B-93/21 „Posthof“ (Teil A: Rathausstraße/Johannisplatz) dar. Diesen finde ich leider nicht im Internet.

Den Bauausführungsbeschluss für die Errichtung der "Chemnitzer Wallanlage/Johannisplatz im Bereich zwischen Straße der Nationen und Bahnhofstraße" findet man hingegen schnell, den hatte ich hier auch schon vorgestellt. Anlage 4 Seite 3 zeigt eine Modellfotografie des geplanten Bereichs, Anlage 4: Entwurf Seite 1 einen Plan, der auch von der Freien Presse veröffentlicht wurde. Es ist deutlich zu sehen, daß das auf den gezeigten Entwürfen im Grundriß trapezförmige Gebäude als südlicher Abschluß (das im Brief erwähnte "dreieckige Baufeld") definitiv nicht kommen wird. Dies ist bedauerlich, aber nicht mehr zu ändern. Stattdessen wird dort eine Spielfläche eingerichtet. Wie die in der Praxis angenommen wird, muß sich erst noch zeigen und ist momentan sicher schwer abzuschätzen.

Allerdings sehen die Pläne auch keinen Brunnen vor und müßten somit auf jeden Fall nachgebessert werden, falls der Wunsch von Investor und Stadtverwaltung nach einem Brunnen in Erfüllung gehen soll. Vermutlich würde der Brunnen dann auf der wenig überzeugenden Plattenfläche mit geschwungenen Natursteinbändern ("Irrgartenmotiv") plaziert. Dies entspräche in etwa den Gedanken von Prof. Schwarzbach, aber ohne die Einfassung durch ein weiteres Gebäude.

Die nicht ganz einfache Zufahrt zu Rawema und Post soll über den Johannisplatz erfolgen. Investor Kellnberger plant noch ein zusätzliches Gebäude zwischen Zentralhaltestelle und Sparkassengebäude, welches aber offensichtlich nur mit einer Bebauungsplanänderung errichtet werden kann (siehe FP-Artikel).

Die gezeigten Entwürfe können somit nicht Teil des Planes sein, sollen der Vollständigkeit halber aber noch mal in voller Größe gezeigt werden (Quelle: http://www.braun-barth.de/includes/p..._2_2/c_ph.html:





lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.12.10, 16:13   #90
cherubino
 
Beiträge: n/a
Danke für Deine hilfreichen Informationen.

Warum wird an verschiedenen Stellen in der Innenstadt der Bebauungsplan verändert/reduziert und warum wird gleichzeitig für das Gebiet unterhalb des Brühls so ein kleinteiliger Plan vorgestellt?
Das ist mir ein Rätsel ...

Das Stadtforum Chemnitz hat das Thema Johannisplatz und Saxoniabrunnen nun für die erste Sitzung im neuen Jahr des Kuratoriums für Stadtgestalltung beantragt.
  Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:59 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003-2017 Deutsches Architektur-Forum