Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Osten > Chemnitz

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 22.02.17, 23:26   #151
Joseph
Mitglied

 
Registriert seit: 26.01.2017
Ort: Chemnitz
Beiträge: 121
Joseph sitzt schon auf dem ersten Ast
Tresorraum von Baum

Kein direktes Denkmal, nicht in unserer Stadt, dafür aber ein toll erhaltenes Zeugnis wahrer Metallbaukunst aus dem Hause Baum, Chemnitz.

In Hohenstein Ernstthal wurde im Jahr 2015 die ehemalige Nadel- und Platinenfabrik - Naplafa - abgerissen. Die Stadt hat sich über lange Jahre bemüht ein Konzept für den riesigen Komplex zu finden, letztlich hat leider nichts geklappt, das Gebäude wurde immer maroder und man entschied sich zum Abbruch. Ist eine traurige Geschichte, vor allem für die Bürger der Stadt Hohenstein, da doch der ein oder andere dort tätig war. Es tat auch der Stadt weh, aber aufgrund der ölgetränkten Decken und der damit verbundenen Belastung war da nichts mehr zu machen. Alles zu teuer.

Da ich ein großer Fan von Schließtechnik bin, hat mich im Vorfeld bereits ein Freund informiert dort gäbe es einen Tresorraum - mit allen Schlüsseln! Das wollte ich sehen und die ersten Bilder zeigen den vorgefundenen Zustand.








Ich war begeistert von dem Teil, fand es erstaunlich dass die Schlüssel noch nicht abhanden gekommen waren, gleichzeitig aber gefährlich, weil sich ja auch Kinder "aus Spaß" darin hätten einschließen können, was durchaus sehr gefährlich geworden wäre. Um den Schlüssel vor Diebstahl zu schützen und unbedacht spielende vor dem Erstickungstod zu bewahren, haben wir seinerzeit die innere Gittertür abgeschlossen und die Schlüssel innen versteckt.

Es verging eine Zeit, bis mir ein Artikel zugesendet wurde mit dem Titel: "Tresor zu verschenken". In dem Artikel hieß es dann, dreiste Vandalen hätten sogar den Schlüssel geklaut - so konnte ich das natürlich nicht stehen lassen und kontaktierte umgehend den zuständigen Herrn Weber vom Bauamt in Hohenstein - E. und wir trafen uns zur Schlüsselübergabe.

Ich habe mich dann auch als Interessent beworben und bekam nach langem hin und her den Zuschlag für die Bergung - wohl, weil ich einer der wenigen Bewerber war, der sowohl die nötige Technik als auch das Team und die Erfahrung hatte um den Tresor sicher und in allen Einzelteilen vor Beginn der Abbrucharbeiten zu bergen.

Die nächsten Bilder zeigen die Vorbereitungsarbeiten, der Stahlraum musste erstmal vom Betonmantel befreit werden und ein Schließfach war noch verschlossen und wurde von einem Fachmann geöffnet. Den Inhalt habe ich geborgen, allerdings noch nicht gesichtet. Wenn ich mal Zeit finde, bringe ich die Kiste mit den Unterlagen in ein Museum nach Hohenstein.











Der Tresorraum besteht aus einer sehr massiven Tresortür mit zusätzlichem Gitter. Diese Tür war auf einen einfachen Stahlboden geschraubt und auch der Raum besteht nur aus ca. 6 mm dicken Stahlplatten. Der rückwärtige Innenausbau mit den Schließfächern wurde sehr behutsamen von einem Werkzeugmacher in stundenlanger "Friemelarbeit" Stück für Stück demontiert. Danach konnten dann die Wände Stück für Stück abgeschraubt werden.

Da der Tresor im 1.OG des Fabrikgebäudes stand, haben wir dann einen Deckendurchbruch erstellt, durch den wir dann die einzelnen Teile mittels Kettenzügen abgelassen haben.








Anschließend wurde der Tresor verpackt, abtransportiert und eingelagert.

Das vor der Bergung kontaktierte Industriemuseum hatte an dem großen Unikat leider kein Interesse, einfach aus Platzgründen. Insgesamt reden wir hier von ca. 4,5to Stahl. So ein Objekt schränkt natürlich auch die Flexibilität des Museums ein. Trotzdem, als kleiner Ausstellungsraum hätte der Tresor ebenso gut dienen können. Trotzdem habe ich für die Entscheidung des Museums Verständnis. Die Tür habe ich auch im Vorfeld der Geldaustellung im SMAC als Ausstellungsobjekt angeboten, allerdings hat das aufgrund der zulässigen Deckenlasten dort nicht geklappt. Alleine die Tür wiegt zwischen 1,5 und 2 to, gewogen habe ich sie noch nicht, mache ich aber bei Gelegenheit mal.

Auch wenn der Raum noch nicht wieder aufgebaut wurde - ich glaube es ist ein schönes Beispiel für eine gelungene Bergung und Sicherstellung. Die Stadt Hohenstein-Ernstthal war froh, dieses Unikat gerettet zu sehen.

Wenn jemand eine gute Idee hat wo der Raum wieder schön zur Geltung kommen könnte und fachmännisch! auch aufgearbeitet wird, für Vorschläge bin ich offen. Mit Ausnahme weniger Schließfächer sind alle Schlüssel, teils auch mehrfach, vorhanden und es wurden alle Einzelteile inklusive der Schrauben für einen authentischen Wiederaufbau geborgen.

Im Übrigen hat niemand auch nur einen Cent dafür bezahlt. Die Bergung wurde von engagierten Leuten unterstützt und es war in der Tat ein großér Aufwand der sich fast zwei Wochen lang (ohne Planung) hinzog. Es geht also - wenn man will.

Falls jemand mal eine Beratung für ähnliche Vorhaben braucht, eventuell auch Unterstützung, ich bin für vieles zu haben wie man sieht
Joseph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 00:18   #152
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.426
lguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphäre
Beim Aufruf "Tresor zu verschenken" hat bestimmt niemand damit gerechnet, dass sich tatsächlich jemand meldet. Das ist mal eine verrückte Story. In Zeiten von Minuszinsen und Einbrecherbanden halte ich es noch nicht mal für ausgeschlossen, dass irgendwann mal eine Bank Interesse hat, Tresor und Schließfächer für ihren ursprünglichen Zweck zu nutzen (In manchen Filialen sind Schließfächer dauerhaft ausgebucht).
__________________
D-A-F Projektkarte Chemnitz
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 00:26   #153
Joseph
Mitglied

 
Registriert seit: 26.01.2017
Ort: Chemnitz
Beiträge: 121
Joseph sitzt schon auf dem ersten Ast
Ich glaube es waren insgesamt 3 Bewerber - jedenfalls weiß ich von zwei weiteren. Einer wollte wohl nur die Tresortür und diese beim Abbruch bergen (das wäre schief gegangen) der andere hätte wohl auch den gesamten Raum abgebaut, dafür aber ein Team komplett erstmal zusammenstellen müssen.

Mir war der Erhalt des gesamten wichtig, dass ich den Zuschlag bekommen habe war wohl Glück.

Durch den Tresorpost ist dir sicherlich der vorherige Beitrag nicht aufgefallen oder?
Joseph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 01:39   #154
Joseph
Mitglied

 
Registriert seit: 26.01.2017
Ort: Chemnitz
Beiträge: 121
Joseph sitzt schon auf dem ersten Ast
Nachtrag Wäscherei Hornbogen

Ich habe auf Nachfrage von DWT mal noch ein paar Aussenansichten herausgekramt.

Ich hoffe man erkennt das: an dem nach hinten versetzen Gebäude von 1886 (Giebel) sieht man noch die herausgehackten Buchstaben die einst den Giebel zierten: EDUARD OTTO - VERBANDWATTEFABRIK.

Das erste Bild zeigt die zur Schulstraße ausgerichtete Fassade von 1915. In den vorher geposteten Innenansichten kann man den Anbau auch sehr gut erkennen.

Auf dem Dach der Villa war ein selbstgemachter Wetterhahn, vermutlich aus DDR Zeiten, wirkt bissl wie 50er Jahre. Das Teil haben wir bei der Bergung der Maschine aus dem Schrott gerettet, bei Gelegenheit mache ich mal ein Bild davon (liegt bei einem Freund, der hat Freude an solchen kleinen Details, "Emotionalien" nennt er das )







__________________
Alle Bilder sind von mir. Nutzung oder weitere Verbreitung ohne mein Einverständnis nicht erlaubt.
Joseph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 09:00   #155
InderSonne
Mitglied

 
Registriert seit: 11.11.2010
Ort: Chemnitz
Beiträge: 167
InderSonne hat die ersten Äste schon erklommen...
@Joseph: das ist ja mal eine Geschichte!
Hast du mal auf dem Sonnenberg nach alten Gebäuden geschaut? Die Wäscherei Nachtigal wurde wohl an einen Bayern verkauft, aber die Ecke Palmstraße/Reinhardtstraße hat noch einige an Gewerbepotenzial. Oder an der Dresdner Straße, Ecke Gießerstraße (daneben ist ein Werkzeugmaschinenaufbereiter).
InderSonne ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 10:36   #156
(dwt).
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von (dwt).
 
Registriert seit: 17.01.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 4.474
(dwt). hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
^^ Wäscherei Hornbogen/Wattefabrik:

Vielen Dank für die sehr schönen Bilder!

Schon dein erster Beitrag mit den Innenansichten ließ vermuten, dass das ganze doch zu retten war.
Und nun die Außenansichten der Fabrik, die ich sehr wahrscheinlich noch nicht gesehen habe, bestätigen das zusätzlich.

Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
KuLtUr vernichtet, wie so vieles.

Altlasten und sonstiges waren da sicher nicht das Problem.

Heute werden in der Umgebung Alukartons neu hingestellt. Was für ein Irrsinn.

Diese Wäscherei war ein sehr schönes Gebäude.

In ein paar Jahren kann man dann nochmal den vorher nachher Vergleich machen, wenn das Grundstück wieder neu bebaut wurde.
__________________
((-yt-))
Alle Bilder soweit nicht anders angegeben von (dwt).
D-A-F Projektkarte Chemnitz
(dwt). ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 22:13   #157
Joseph
Mitglied

 
Registriert seit: 26.01.2017
Ort: Chemnitz
Beiträge: 121
Joseph sitzt schon auf dem ersten Ast
Schraubenfabrik Grassmann

An der Limbacher Straße, gegenüber vom "Körner-Fleischer" stand bis vor wenigen Jahren die Schraubenfabrik Grassmann. Heute steht davon nur noch die Villa und ich nehme an, das ist auch nur Glück. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, stand nur die Villa, nicht aber das angeschlossene Fabrikgebäude unter Denkmalschutz. Es gab meines Erachtens nach keinen Grund in die Villa so reinzureißen - es sei denn man wollte die ebenfalls mit abreissen. Zwischen Werkhalle und Villa gab es meiner Erinnerung nur in einem Geschoß eine einzige Tür als Verbindung zwischen dieser und der Werkhalle. Auf Seite des Autohauses gibt es zudem einen Versprung zwischen Villa und Fabrikgebäude, das macht es zusätzlich unwahrscheinlich dass da einfach etwas zusammengebrochen ist.

Wie dem auch sei, man wird es nicht mehr nachprüfen können woran es hing und nun müssen wir wohl dem eigentlich sehr schönen Gebäude beim langsamen Zerfall so lange zusehen bis dann wohl aus Sicherungsgründen abgerissen werden muss. Ich habe mal gehört, dass man den Wiederaufbau durchsetzen will, aber daran glaube ich nicht mehr - habe auch noch nie in der Praxis davon gehört, dass das ein Eigentümer je gemacht hat.

Vielleicht hätte man die Baugenehmigung für die neu entstandene Halle dahinter so lange aussetzen müssen, bis die Villa wenigstens gesichert worden wäre. Jetzt hat man wohl gar kein Druckmittel mehr.

Innenaufnahmen der Villa habe ich keine, was daran liegt, dass man innen keinerlei schöne Details mehr hat, die DDR hat in dem Gebäude kräftig gewütet, es wurde sogar ein zweites Treppenhaus in die Villa eingebaut. Das Haupttreppenhaus befand sich zwischen Fabrik und Villa.

Eines der schönsten Häuser an der Limbacher Straße, schade dass das so vergammelt und der Eigentümer scheinbar keinen Sinn dafür hat. Er könnte es wenigstens dem Markt wieder zuführen, ich bin mir sicher momentan würde er sogar einen Käufer dafür finden, der das dann vielleicht wieder aufbaut. Zumindest eine gewerbliche Nutzung wäre dort doch gut möglich.

Der Zustand wäre wohl nie soweit gekommen, wenn die Baubehörde sich rechtzeitig gekümmert hätte oder eben entsprechende Konsequenzen gezogen hätte.

Hier nun einige wenige Bilder von innen. Die Geschosse waren groß und bis auf den Kran komplett leergeräumt, Interessant sind die gusseisernen Säulen mit diesem Postament unten dran, habe ich in der Form noch nicht gesehen. Zudem scheint der ehemalige Besitzer große Angst vor Luftangriffen gehabt zu haben, der gesamte Keller war nämlich zum Luftschutzbunker umgebaut. War schon beeindruckend.













__________________
Alle Bilder sind von mir. Nutzung oder weitere Verbreitung ohne mein Einverständnis nicht erlaubt.
Joseph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 22:54   #158
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.426
lguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphäre
Das Fabrikgebäude stand auch unter Denkmalschutz, es wurde aber eine Abrissgenehmigung erteilt - aber eben nicht für die Villa. Dass man bis heute nichts getan hat hat, um die Eigentümer zu deren Instandsetzung nach der unechtmäßigen Beschädigung zu zwingen, ist für mich ein absoluter Skandal. Ich habe auch schon mal versucht, dort eine Ratsanfrage zu veranlassen, um die diesbezüglichen Aktivitäten der Stadt in Erfahrung zu bringen, leider ist das aber im Sande verlaufen. Die letzten Bilder vom Neubau und der halb zerstörten Villa hatte (dwt). wohl hier gezeigt, der Vergleich mit dem Vorzustand ist schon bitter.

Übrigens gab es dort laut Denkmalliste mit einem eingeschossigen Anbau der 1920er Jahre (Wechselburger Straße 1/3) einen weiteren Denkmalbestandteil, der schon vor 2009 (wahrscheinlich schon vor 2001) abgebrochen wurde und von dem ich noch nie ein Foto gesehen habe.
__________________
D-A-F Projektkarte Chemnitz
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.17, 23:14   #159
(dwt).
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von (dwt).
 
Registriert seit: 17.01.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 4.474
(dwt). hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
^ irgendwer hat hier geschlampt!

Es tut sich aktuell überhaupt weiterhin nichts an dem Überbleibsel.
Das Denkmalamt und die zusätzliche Behörde hätten schon bei der Kategorie eines Autohändlers abwinken sollen, oder wie Joseph es schrieb, auflagen erteilen die durchzuführen sind.

Das Überbleibsel wird verfallen, dann dem Blech eine bessere Sichtachse von der Straße für mögliche Kunden abgeben.

Es ist wohl schon der zweite Winter nach Abriss der Halle, wo der aktuelle besonders angriffslustig auf so eine Bausubstanz war/ist.
Die Herren Grundstückseigentümer reiben sich schon die Hände, weil's so noch ein wenig schneller geht.

Das die Villa mit der angebauten Halle eventuell verzahnt gewesen ist, müsste man vorher gewusst haben.
Man hat Grob, mit zwei Abrissbaggern gearbeitet, wohl sicher mit dem Wissen, das es nicht gut gehen würde.
Wenn man die Villa erhalten wöllte, müsste man ganz anders vorgehen. Das beste Beispiel ist noch einmal das Video vom Abriss an der Schönherrfabrik <

Und die neugebaute Halle sieht Tatsächlich minderwertig aus.
__________________
((-yt-))
Alle Bilder soweit nicht anders angegeben von (dwt).
D-A-F Projektkarte Chemnitz

Geändert von (dwt). (23.02.17 um 23:31 Uhr)
(dwt). ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.17, 09:31   #160
Joseph
Mitglied

 
Registriert seit: 26.01.2017
Ort: Chemnitz
Beiträge: 121
Joseph sitzt schon auf dem ersten Ast
Ich habe irgendwo im Netz mal historische Ansichten des Gebäudes gefunden, da war auch noch der Schriftzug der ehemalifen Firma zu sehen. Leider finde ich das Bild nicht mehr, eventuell hätte man da den erwähnten Anbau gefunden?

Zum neuen Nutzer:

Es handelt sich ja hier nicht um einen wilden Automarkt wie es das mittlerweile zuhauf an den Ausfallstraßen der Stadt gibt. Es ist der Händler von nebenan, der sich auf dem Gelände erweitert hat. Meines Wissens nach brauchte er eine höhere Halle um auch Transporter reparieren zu können. In so einem Fall hatte der Mann ja keine bessere Gelegenheit, als sich das Nachbargrundstück zu kaufen - wie sonst will man sich sinnvoll erweitern? Dass er das Bestandsgebäude nicht mehr nutzen konnte, ist auch irgendwie klar, bei dem Zustand. Sicherlich spielten da Altlasten auch eine Rolle, in einer Schraubenfabrik wurde ja nicht wenig geschmiert.

Trotzdem sehe ich das genauso, der Verdacht liegt nahe, dass die Villa mit abgerissen werden sollte, sonst hätte man sinnvollerweise wohl eine Gebäudetrennung vor dem Abbruch veranlasst. So wurde das zuletzt bei der Schönherrfabrik gemacht, ich habe auch irgendwo noch Bilder von der Garnspinnerei (?) die neben Bliedung mal stand, auch dort wurde das so gemacht. Man hätte ja auch durchaus den höher herausragenden Teil der Fabik stehen lassen können, dort war ja das Haupttreppenhaus untergebracht und heute hat die neue Halle so einen großen Abstand zur Villa - man hätte diese ja auch an den alten Bau anbinden können.

Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die Zahnräder der Ämter nicht richtig ineinandergreifen. Wenn Baugenehmigungsamt und Denkmalamt an der Stelle besser und durchdachter zusammengearbeitet hätten, wäre eine Alternativlösund auch im Sinne des Bauherren sicherlich möglich gewesen.

Vielleicht versteht der ein oder andere jetzt auch meine Sorge bezüglich des neulich geposteten Kleinods in diesem Thread - vieles wird scheinbar ohne genaues Hinsehen einfach genehmigt - frei nach dem Motto: Hauptsache es wird gebaut... jedenfalls scheint das nicht selten der Fall zu sein.
__________________
Alle Bilder sind von mir. Nutzung oder weitere Verbreitung ohne mein Einverständnis nicht erlaubt.
Joseph ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.04.17, 08:03   #161
KMS1983
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 21.04.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 245
KMS1983 hat die ersten Äste schon erklommen...
Das Cammann-Hochhaus wird dieses Jahr saniert. Es ist geplant Fenster auszutauschen und Fassadenbeleuchtung anzubringen.

http://www.radiochemnitz.de/nachrich...racht-1300126/

Finde ich sehr gut. Auch schön, dass ein solch markantes Gebäude abends eine Beleuchtung erhält. Generell ist die Chemnitzer Gebäudelandschaft bei Nacht sehr dunkel und ich fände es schön, wenn noch mehr Altbauten und Denkmale angestahlt würden.
KMS1983 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.04.17, 20:28   #162
lguenth1
Platin-Mitglied

 
Registriert seit: 16.10.2008
Ort: Rochlitz
Beiträge: 2.426
lguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphäre
Die "Kommunale Förderung von Kulturdenkmalen im Jahr 2017" ist jetzt auch einsehbar: Link. Insgesamt stehen 200.000 Euro Fördermittel bereit, mit denen Gesamtinvestitionen von 1,15 Mio. Euro ausgelöst werden. Dort findet sich auch das Cammann-Hochhaus, in das Herr Waldvogel 441.000 Euro investieren will. Dass davon mehr als die Hälfte mit öffentlichen Mitteln von Bund und Land gefördert wird, ist bei dessen Wertigkeit richtig. Ansonsten gibt es viele kleinere, sehr erfreuliche Sanierungs- und Sicherungsvorhaben.
__________________
D-A-F Projektkarte Chemnitz
lguenth1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.06.17, 00:48   #163
(dwt).
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von (dwt).
 
Registriert seit: 17.01.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 4.474
(dwt). hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Die Diskussion um die Talsperre Euba begleitet Stadt und Forum schon seit Jahren. Eine vom Stadtrat beauftragte Variantenuntersuchung liegt jetzt vor (siehe hier), wobei folgende Varianten bewertet werden (mit entsprechenden Bruttogesamtkosten):

1. Sicherung und Entwidmung (1,53 Mio. Euro)
2. Teilrückbau (2,06 Mio. Euro)
3. Komplettrückbau (1,81 Mio. Euro)
4. Sanierung / Instandsetzung (5,71 Mio. Euro)

Die Mehrkosten für die Schaffung einer ins gesamte Umfeld ausstrahlenden Freizeit- und Erholungsanlage und auch die Erhaltung eines außergewöhnlichen technischen Denkmales halte ich bei der guten finanziellen Lage der Stadt für überschaubar, zumal man nie ganz ausschließen kann, dass dieses offensichtlich unerwünschte Ergebnis nicht etwas ungünstiger kalkuliert wurde. Wenn man die Millionenkosten für die anderen Varianten anschaut, die allesamt ausschließlich negative Folgen hätten, sollte eine Entscheidung für die Sanierung eigentlich zwingend sein (auch wenn das jetzt noch nicht ansteht).

Ein bitterer Wermutstropfen ist aber, dass man vor einer möglichen Diskussion, die am Ende in einer Sanierung enden könnte, schon wieder Fakten schaffen will. Laut Informationsvorlage müssen nämlich angeblich "zur Herstellung der Hochwassersicherheit wesentliche Umbau- und Rückbaumaßnahmen am Grundablassstollen, am Schieberhaus und am Gewässer selbst nebst Tosbecken" vorgesehen werden - also ein radikaler Eingriff in den Denkmalbestand, dessen Folgen in der Vorlage nicht näher beleuchtet werden. Nach jahrelanger Vernachlässigung der Talsperre und zwei an der Talsperre völlig unproblematisch verlaufenen Jahrhunderthochwassern soll jetzt auf einmal von heute auf morgen Handlungsbedarf bestehen, nur weil die Stadt ein wahrscheinlich völlig beliebiges Stauziel angesetzt hat, das nur eine Pfütze noch als zulässig betrachtet? Wäre danach eine Sanierung überhaupt noch möglich? Nach dem Befehlsturm des Sportforums und dem Bahnviadukt ist das das nächste Vorhaben, dem die Chemnitzer Öffentlichkeit Steine in den Weg legen muss!

Bild: ProfessorX, Wikipedia
Zitat:
Staumauer der Talsperre Euba mit Schieberhaus und Hochwasserüberlauf einschließlich noch vorhandener Schiebertechnik
Baujahr: 1914:















Wasserablauf:













Die Rückseite sieht dagegen offensichtlich Baufälliger aus:





Die Schlitze für den Seitlichen Wasserablauf:





















__________________
((-yt-))
Alle Bilder soweit nicht anders angegeben von (dwt).
D-A-F Projektkarte Chemnitz
(dwt). ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.06.17, 14:54   #164
(dwt).
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von (dwt).
 
Registriert seit: 17.01.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 4.474
(dwt). hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
Ein Wohnhaus, welches zu einen Dreiseithof "An den Gütern 08"/Stadtteil Reichenbrand zugehörig ist, wurde komplett abgerissen.

Im ersten Bild ist das besagte Haus zu sehen.

Eventuell entsteht anstelle des nun entfernten ein neues Wohnhaus.?

Die Bilder in diesem Beitrag sind vom Juli 2016
Ich werde da demnächst aktuelle Bilder nachreichen.

Das Baujahr ist leider nicht bekannt, aber es dürfte sich wie die Umgebungsbebauung gleicher Art um/ab 1800 handeln.

Das nicht mehr vorhandene Wohnhaus:



Zitat:
Scheune mit weitgehend unverändert erhaltener, verblatteter Fachwerkkonstruktion im Inneren, hohes Satteldach, zugehöriges Torhaus direkt angrenzend, Seitengebäude mit Fachwerkobergeschoss, gut erhalten
Die unter Denkmalschutz stehende Scheune:
Das benannte Seitengebäude im Zitat habe ich nicht festhalten können.







Wie man gut erkennen kann, wurde das Dach der Scheune bereits erneuert.
Ein guter Hinweis, das diese bestehen bleibt.
Im Bild noch einmal etwas vom Wohnhaus, welches abgerissen wurde: (Satschüssel)



Nicht unter Denkmalschutz, aber sicher eines, wenn der Ruinöse Zustand nicht erst seit Gestern beim Nachbarn herrschen würde.

An den Gütern 10/Ehemaliger Dreiseithof:

















200 Jahre haben diese Gebäude sicher in den Fugen.
Im Hintergrund, An den Gütern 08:







Ich bin etwas gespannt, ob sich in einem knappen Jahr, seit dieser Bilder, doch vielleicht etwas bewegt hat.







..demnächst mehr....

__________________
((-yt-))
Alle Bilder soweit nicht anders angegeben von (dwt).
D-A-F Projektkarte Chemnitz
(dwt). ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.06.17, 15:50   #165
(dwt).
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von (dwt).
 
Registriert seit: 17.01.2013
Ort: Chemnitz
Beiträge: 4.474
(dwt). hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
^An den Gütern 8

Aktuelle Bilder:

Das abgerissene Wohnhaus war kein Denkmal.
Die Scheune und das Seitengebäude aber doch.

An gleicher Stelle errichtet man nun ein neues Haus:



Kurzzeitig gut ersichtlich, das Seitengebäude des Dreiseithofes:







Die Gebäude "An den Gütern 10" gibt es faktisch nicht mehr.
Es wird aber in Zukunft keine Wildgewachsene Wiese dort empor wachsen.

Zusätzlich noch zwei Denkmäler aus dem Stadtteil Reichenbrand, die eine Sanierung erfahren haben.

Reichenbrander Straße 06:

Baujahr: Um 1870, später Überformt.

Fassadenansicht, August 2016:



Fassadenansicht, Aktuell:

Die Erneuerung der Fenster und aber auch der Fassade, hat sich etwas über die Zeit in Etappen erstreckt.



Mehrfamilienhaus, Zwickauer Straße 473

Baujahr: 1905

Ansicht vom Oktober 2010:

Bild: lguenth1


Aktuelle Ansicht, hier von 2016:

__________________
((-yt-))
Alle Bilder soweit nicht anders angegeben von (dwt).
D-A-F Projektkarte Chemnitz
(dwt). ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 19:49 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003-2017 Deutsches Architektur-Forum