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Alt 25.06.07, 01:25   #31
Tarsis
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So erfreulich dieser Boom für Königsberg auch sein mag - man muss glaube ich langsam aufpassen, dass zum einen der Boom die Stadt nicht üebrrolltund sie dadurch unbezahlbar wird und Lebensqualität durch unkontrolliertes Bauen verloren geht.

Und zum anderen sollte man auch etwas auf den geschichtlichen Hintergrund der Stadt aufpassen . . .wenn man jetzt sollche Bauten favorisiert und in zunehmenden Maße genehmigt - was wird dann aus der alten Stadtstruktur, die man jetzt noch in gewissen Apsekten berücksichtigen oder teilweise daran gedenken wiederherstellen könnte.

Ich denke man sollte hier doch obacht geben was man da eigentlich tut. . .
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Alt 25.06.07, 13:19   #32
libero
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libero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblicklibero ist ein wunderbarer Anblick
^^Welche Lebensqualität? Welche alte Stadtstruktur? Vor fünf Jahren war Kaliningrad Trummerwüste. Ohne Perspektive. Plattenbauten gepaart mit heruntergekommenen, abrissreifen wenigem Altbestand und mit einer riesiegen Brachfläche im Herzen, auf der eine Betonklotzruine und der Dom stand. In Kaliningrad konnte/kann gar nichts kaputt gehen, in Kaliningrad kann nur noch entstehen. Und zum historischen Kontext: Dom, Börse, Fischerdorf und Schloss werden/wurden gebaut/wiederaufgebaut/restauriert. Das ist für russische Verhältnisse ein sehr konstruktiver Umgang mit den historischen/deutschen Wurzeln. Und wirtschaftlich geht in der Stadt (inzwischen Vollbeschäftigung) die Post ab. Oblast-Gouverneur Boos hat in dem Artikel übrigens "aggressive" Architektur für die Stadt gewünscht.... Das wird so kommen...

@Tarsis: Warst du schon mal dort. soll nicht polemisch klingen, aber da muss man auf gar nichts Obacht geben....
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Alt 26.06.07, 00:56   #33
Tarsis
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Ich kenne jede Menge Luftbilder und weiss rel. gut wie es dort aussieht . . oder auch nicht aussieht.

Ich meine es auch eher so, dass man nicht in windeseile eine Stadt baut und Projekte genehmigt, die man später itter bereuen könnte !

Es ging uns ja auch nicht viel anders in den 60er. Vieles wurde abgerissen und großzügig neu bebaut ! Höher weiter schneller ! Diese Fehler muss man ja nicht immer und überall wiederholen ! Wir habend erzeit oft in Deutschland das Problem, dass wir diese Fehler nur schwer und sehr teuer wieder einigermaßen beheben können - wenn denn überhaupt !

Mit etwas mehr Besinnung kann man sicher keinen Schaden anrichten. Und so schön das Fischerdorf auch aussehen mag - mit Gewesenem in Königsberg hat das nichts zu tun.
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Alt 30.06.07, 14:08   #34
libero
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^^Sorry, aber mit Ost- oder 60er Jahre West-Situationen hat Kaliningrad vor 5 Jahren nix gemein. Ich kenn die Stadt ganz gut, war zu dieser Zeit mehrmals jährlich da - heute noch einmal jährlich. Da kann nichts falsch gemacht werden imho.

Zum Fischerdorf: Ich finds nicht so hübsch, ehrlich gesagt und über Stadtarchitekt Baschin schüttelt derr Grossteil der bevölkerung auch den Kopf [Vorwurf Disneyland]. Und natürlich hat das wenig mit der ehemaligen Substanz zu tun. Ich finde nur, dass für russische Verhältnisse der Wiederaufbau oder "Rehistorisierung" einer ehemals deutschen Stadt durchaus bemerkenswert und konstruktiv ist, vor allem weil man deren Geschichte nicht verneint. [Das spiegelt im Übrigen die gesamte Stimmung in der Stadt wider, ähnlich geht es zu in Sachen Deutscher Orden und Stadtname wie Kenigsberg oder einfach Kenig, und ist eine elementare Änderung gegenüber der sowjetisierenden Ära, mit der selbst Moskau hier und da so seine Probleme hat, weil sie befürchten, dass sich das Gebiet zu sehr von Russland emanzipieren könnte.] Der Wiederaufbau des Schlosses wird am Ende auch nicht rekonstruierend, vielleicht im weitesten Sinne sein. Altbausubstanz sind Dom und Börse, Universität, ein paar Kirchen und einige wenige Straßenzüge im erweiterten Zentrum. Für die Neubauten wird ja nichts bestehendes abgerissen. Und im ehemaligen Stadtkern (also am Pregel, auf der Dominsel und zwischen Pregel und Schlossteich) war eh nur Wüste....
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Alt 21.09.09, 23:21   #35
T. W.
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T. W. sitzt schon auf dem ersten Ast
Hallo,

vor einigen Wochen bin ich im Urlaub u.a. in die Region von Kaliningrad gefahren. Aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Abgelegenheit und des Aufwands, ein Visum zu bekommen, wird hier im Forum nicht häufig darüber berichtet. Auch dort gibt es aber natürlich deutsche Architektur.

Wer geschichtlich interessiert ist, wird vielleicht Annahmen in bezug auf Kaliningrad haben, die zur Beurteilung der jetzigen städtebaulichen Situation letztlich nicht angemessen sind. Ich selbst empfand die Stadt jedenfalls anders, als ich vorher gedacht hätte. Auch wenn ich sie innerhalb der wenigen Tage, die ich dort war, nicht wirklich kennengelernt habe, möchte ich deshalb vorab auf folgende Punkte hinweisen:

-- Königsberg war wohl nie eine Metropole, und nach dem Ersten Weltkrieg schon gar nicht. Die Stadt hatte in der Weimarer Zeit etwa 250-370.000 Einwohner, also in etwa soviel wie Wuppertal oder Bielefeld heute. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Einwohner nicht einfach gegen Sowjetbürger “ausgetauscht”. Vielmehr wuchs die Bevölkerung durch Ansiedlungsprogramme auf heute ca. 420.000 (in der Verwaltungsregion insgesamt leben heute ca. 1 Mio. Einwohner).

-- Kaliningrad hat sich entsprechend seiner Geschichte gegenüber dem früheren Königsberg stark verändert. Bis unter Breschnew war es sowjetische Politik, die Spuren der deutschen Geschichte zu tilgen. Dabei gelang dies jedoch nur bedingt, nämlich in der stark kriegszerstörten Altstadt und auf (zugegeben: großen) Flächen der Innenstadt. Selbst in der Innenstadt blieben in Nebenstraßen jedoch verschiedene nutzbare Vorkriegsgebäude erhalten. Einige eher periphäre Viertel blieben teilweise (Hufen) oder sogar weitestgehend (Amalienau) intakt.

-- In den Jahren nach der Wende begann eine relativ eigenständige Entwicklung von Stadt und Region. Diese Entwicklung verläuft langsamer und ungleichmäßiger als in den Nachbarstaaten (Polen, Litauen). In den letzten Jahren zieht sie allerdings an. Dabei wird auch viel Geld aus dem GUS-Raum in Gebäude in Kaliningrad investiert. Die Wohnverhältnisse sind aber immer noch sehr bescheiden.

-- Die Einwohner Kaliningrads, obwohl sie loyal zu Rußland bleiben, entwickeln eine eigene Regionalidentität, bei auch der Wunsch besteht, an der deutschen Vergangenheit anzuknüpfen und sie eigenständig weiterzuentwickeln.

Wie ist es nun also, nach “Königsberg” zu fahren?

Wir haben uns der Stadt vom Südwesten, vom Frischen Haff aus, genähert. Schon während man die Stadt vom Wasser aus sieht, hat man schon vereinzelt kleinere Bootsstellen und verschiedene Kräne und Kleinsiedlungen am Wasser. Bis zum Stadtrand ist die Landschaft am Haff leicht hügelig, mit brachliegenden Feldern (wie fast überall in der Region) und dunklen Bäumen, die teilweise auch direkt die Straße säumen. Ähnlich wie in einer deutschen Stadt vergleichbarer Größe kommen dann verstreut diverse Gewerbeanlagen sowie ein- und mehrgeschossige Vorstadthäuser (Einzelbauten und größere Komplexe) in den Blick. Bsp. Für ein neueres Wohngebäude:



Am Fuß eines Hügels fährt man dann bei schon relativ dichter Bebauung durch das Brandenburger Stadttor (hat nichts mit Berlin, sondern mit einem Nest an der heutigen Grenze des Kaliningrader Gebiets nach Polen zu tun). Dahinter bietet sich dann erstmal ein bestürzendes Bild.



Man ist in der Stadt. Vor sich hat man eine große Straße, den Leninskij Prospekt, an dem zu beiden Seiten 6-geschossige Wohnhäuser in völlig anspruchsloser Betonbauweise stehen. Diese Straße führt vielleicht (gefühlt) 3-500 m. geradeaus, bevor sie schräg nach links abschwenkt und dann sehr breit ins Zentrum führt.



Linkerhand öffnet sich die Stadt nach etwa 600-800 m. im Bereich der früheren Altstadt. Zuerst sieht man Hafen- und dann Sportanlagen. Der Hafen:



Rechterhand erkennt man von einer Brücke über die Altstadtinsel die Börse...



... und den (erstaunlich klein dastehenden) Dom,



...hinter dem auf der anderen Seite des Pregels die ersten Ansätze zu einer “neuen Altstadt” nach russischer Oligarchenphantasie zu sehen sind.



Weiter dahinter wirkt die Stadt allerdings gleich wieder ein ernüchternd:



Die Kreuzkirche von 1930-33 steht inmitten dieser Betonlandschaft (ehem. Stadtteil Lomse) eher verloren da (heute ist sie russisch-orthodox):



Aber ich schweife ab. Denn eigentlich bin ich am ersten Abend natürlich nicht hinter dem Dom umhergehirrt, sondern ins Hotel “Kaliningrad” gefahren, das sich an der nächsten großen Kreuzung befindet. Während die Hauptstraße wieder schräg nach links abknickt, zweigt nach eine große Seitenstraße ab. Vom neuen EKZ gegenüber dem Hotel hat man das folgende Bild:



Bis zu seinem Abriß stand am Platz des Betongebäudes (“Haus der Räte”) fast bis zur Kreuzung das Königsberger Schoß. Bei seinem vor der Krise projektierten Wiederaufbau (bis 2015) wurde angedacht, das Haus der Räte stehen zu lassen/in den (verkleinerten) Schloßneubau zu integrieren und mit mehreren Hochhäusern zu einem Hotelkomplex zu ergänzen. Mir erscheint dieses Projekt zweifelhaft. Zur Zeit ist aber ohnehin unklar, ob es umgesetzt werden wird.

Auch links vom Haus der Räte gibt es übrigens viele Freiflächen. Diese sind – jetzt im Morgenlicht photographiert – zu einem großzügigen Stadtpark geformt worden:



Die Brücke, von der aus ich das obige Bild gemacht habe, führt übrigens zu der inzwischen vorbildlich restaurierten Stadthalle von 1912:



Dahinter gibt es weitere, eher schäbige Wohnblocks (Detail):



Außerdem finden sich dort, etwas überraschend, aber auch Reste weiterer Vorkriegsbebauung; etwa die Königin-Luise-Schule:



...oder die Ostpreußische Landschaft:



Je nach Zuspruch werde ich demnächst weitere Bilder in diesen Thread einstellen, als nächstes dann zum Zentrum (Hansaplatz, Landgericht, Bahnhöfe, Luisenkirche) und weiter zu Hufen und Amalienau.
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suum cuique

Geändert von T. W. (24.09.09 um 12:46 Uhr)
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Alt 23.09.09, 15:34   #36
vondraussen
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Hallo, vielen Dank. Super interessant, bitte weitere Bilder. Mein Vater ist in Königsberg geboren (und in Bartenstein aufgewachsen), mit 6 Jahren dann geflohen und hat die Stadt dann erst vor zwei Jahren wieder besucht. Ich war leider noch nie da, möchte aber gerne mal hinfahren. Ich habe schon den persönlichen Eindruck, dass die Ostpreussen eher an ihrer Landschaft, dem Land, der Geschicht und an Kant hingen als nun besonders an Königsberg. Insofern hätte ich auch nicht eine Metropole erwartet. Aber dass Du dies so direkt sagst, trifft es ziemlich gut.

Ist denn die gesamte Stadt architektonisch so verrissen, mit Punkthochhäusern an breiten Strassen, die dann meistens tot wirken, oder gibt es auch belebte Zonen?
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Alt 23.09.09, 21:21   #37
Tarsis
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Ich empfehle was die Verbundenheit mit Grund und Boden und der Landschaft der alten Ostpreussen zu tun hat einige Bücher von Marion Gräfin Dönhoff. Sie beschreibt sehr nahegehend und persönlich wie es zu dieser Verbundenheit kam und wie sie bei den Geflohenen bis heute nachwirkt. . .
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Alt 24.09.09, 12:44   #38
T. W.
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T. W. sitzt schon auf dem ersten Ast
@Vondraussen: Die Beschreibung des Stadtbilds als „verrissen“ oder sogar „zerrissen“ trifft meinen ersten Eindruck von der Innenstadt sehr gut. Im Rundblick sieht man vom Leninskij Prospekt am Pregel (etwa auf Höhe der Börse) die Gebäude auf den Bildern 3-8 und (zumindest teilweise) 10. Das Stadtbild ist hier durchaus bizarr. Allerdings steht alles wegen der großen Brachflächen weit auseinander, so daß man auch einen weiten Blick hat.

Zur Ergänzung: Das Hauptgebäude der Universität (ehem. Albertina, dieser Name ist in K. noch bekannt und eine Statue zu Ehren des Gründers, Herzog Albrecht, wurde kürzlich am alten Gründungsort hinter dem Dom aufgestellt) steht zwischen Leninskij Prospekt und dem Park auf Bild 11 (also rechts vom Bildhintergrund auf Bild 3) inmitten eines Wohngebiets von einfachen Plattenbauten (5-stöckig). Es wurde in den 60er Jahren vereinfachend wieder aufgebaut:



Die frühere Situation ist hier nicht mehr vorstellbar:

Vgl. Link: http://images.google.de/imgres?imgur...a%3DN%26um%3D1

Das Stadtzentrum hat sich allerdings zum Hansaplatz/Platz des Sieges (in der Verlängerung des Leninskij Prospekt, Bild 3) verlagert. Die weiteren Bilder, die ich ab dem Wochenende einstellen will, werden ein wesentlich homogeneres Stadtbild zeigen. Die Stadt hat dort ihren Charakter überraschend gut bewahren können.

Die Brachen und die (zum Teil schon dem Abriß geweihte) Neubebauung um den Dom müssen im übrigen - auch wenn das zynisch klingt - nicht unbedingt negativ beurteilt werden. In deutschen Städten wie Köln, Frankfurt, Kassel, Mannheim, Bochum oder Kiel ist das historische Stadtbild im Zentrum bis auf wenige herausragende Gebäude getilgt. Man merkt dies aber weniger als in Kaliningrad, weil keine Brachen geblieben sind, sondern in den 50er bis 80er Jahren Neubauten – häufig immerhin unter Orientierung am alten Straßenverlauf – errichtet wurden. Heutzutage würde man die zerstörten Stadtbereiche sicherlich sensibler ergänzen. Dies versucht man jedoch – soweit möglich – auch in Kaliningrad, wie die nächsten Bilder zeigen werden. Anders als in unseren Städten müssen dazu aber nicht erst viele „Füllbauten“ weggerissen werden, eben weil sie gar nicht vorhanden sind.

@Tarsis: In der Tat. Interessant ist, um den architekturhistorischen Bezug herzustellen, wohl auch das Buch von Thielemann/Heck über Friedrichstein, „Das Schloss der Grafen von Dönhoff in Ostpreußen“. Von den Herrensitzen und Ordensburgen sowie einem Großteil der Kirchen im nördlichen Ostpreußen sind leider allenfalls kümmerliche Reste geblieben.
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Alt 24.09.09, 16:05   #39
Tarsis
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@ T.W. Das Buch über Friedrichstein ist in meinem Besitz. Es ist jedoch mehr eine kunsthistorische Abhandlung über Freidrichstein und hat mit Königsberg weniger zu tun. Dennoch ein sehr sehr interessantes Buch für Interessierte !
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Alt 26.09.09, 11:38   #40
T. W.
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Die folgenden Bilder habe ich auf einem Spaziergang den Leninskij Prospekt vom Hotel Kaliningrad aus zum Platz des Sieges/Hansaplatz und dann weiter durch den ehem. Stadtteil Hufen bis zur Luisenkirche aufgenommen. Wer schnell geht, kommt in vielleicht 20-30 Minuten vom Anfang bis zum Ende dieser Strecke. In diesem Teil von Kaliningrad wirken die moderne Stadt und die alte harmonischer miteinander verbunden als auf den bisherigen Photos.

Wir treten also zunächst aus dem Hotel “Kaliningrad”, Stützpunkt der Königsberg-Touristen, und wenden uns nach rechts. Linkerhand würden wir ein neues EKZ in reinster Investorenarchitektur sehen, das ich deshalb nicht aufgenommen habe. Vor uns jedoch die ersten zur 750-Jahrfeier der Stadt (2005) renovierten Plattenbauten.



In diesen Häusern, die bis zum Hansaplatz auf beiden Seiten stadtbildprägend sind, gibt es im Erdgeschoß z.T. Geschäfte mit charakteristischen Eingangstreppen:



Wir gehen ein ganzes Stück weiter, kreuzen ein- bis zweimal Querstraßen und sehen dann links, vor einem weiteren neuen EKZ, Mütterchen Rußland uns auf gepflegtem Platz entgegeneilen:



Nach dieser kurzen, stürmischen Bekanntschaft geht es weiter zum Platz des Sieges/Hansaplatz, den man am Ende einer Rechtsbiegung der Straße schon sehen kann. Hier ist das Herz der Stadt, und deshalb steht hier natürlich - rechterhand - auch die neue Christ-Erlöser-Kathedrale (1996-2005):



Unser Blick schweift über den ehem. Nordbahnhof (rechts) und den neuen Flügel des ehem. Amts- und Landgerichts:



Links am Platz steht das Rathaus (ehem. Stadthaus, von 1927):



An einer stark befahrenen Kreuzung am Ende des Platzes zeigt sich neben dem Nordbahnhof der Sitz des FSB, das ehem. Polizeipräsidium (1912-14):



Dort gehen wir aber nicht lang, sondern wenden uns nach links. Linkerhand kreuzt die Straße einen tiefgelegenn Schienenstrang und führt dann, rechtsparkartig verschönert, erst am alten Flügel des ehem. Amts- und Landgerichts von 1913 (heute techn. Institut/Fachhochschule, wird gerade saniert) ...



... und dann an der ehem. Oberpostdirektion (1918-24) vorbei. Hier befindet sich heute der Sitz des Stabssitz der russ. Ostseeflotte; deshalb vorne auch ein neues Denkmal für Peter d.Gr.:



Links auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht hinter Bäumen das ehem. Reichsrundfunkgebäude im Bauhausstil. Bauhaus gibt es in Kaliningrad – oder in dieser Gegend besser Königsberg – übrigens häufiger:



Links von der Oberpostdirektion führt die Straße in einer scharfen S-Kurve (links und wieder rechts) am früheren Luisentheater/Neue Schauspielhaus vorbei, das nach dem Krieg im Stil des Bolschoitheaters (bis auf die Grundmauern) umgebaut wurde:



Hier noch ein Link zur früheren Ansicht: http://de.wikipedia.org/w/index.php?...20090428202826

Auf der linken Straßenseite steht dem Theater neben dem Brunnen übrigens noch Schiller gegenüber:



Am ehem. Staatsarchiv (hinter Bäumen) vorbei sieht man links von einem Abzweig aus das ehem. Finanzamt (so was überlebt jeden Weltkrieg!):



Die Straße führt nun leicht geschwungen nach unten.

Das ist nun Hufen.

Wo die Gebäude wieder an die Straße herantreten, steht nun linkerhand ein frisch renoviertes Gebäude (1935/6), in dem sich früher die Nordsternversicherung befand (heute Hotel Moskva):



Auch das dahinterliegende Gebäude ist saniert:



Rechts dagegen Gebäude in sozialistischer Renaissance, ...



... unterbrochen vom Eingang zum Tierpark:



Links gegenüber der Eingang zum Sportstadium von Kaliningrad:



Anschließend auch links nun sozialistische Stadthäuser (z.T. Dahinter auch Altbauten),



zwischen denen sich gegenüber dem Eingang zum Tierpark ein Platz mit dem Kosmonautendenkmal öffnet:



Die Straße schwingt sich nun in einer großen Rechtskurve an einem Park entlang nach oben, wo rechts (über die Straße hinweg photographiert), ein neues Geschäftshaus grüßt:



Links an einem Platz sieht man hinter einem bunten Pavillion mit einem Blumengeschäft die am Parkeingang gelegene ehem. Luisenkirche, die gerade restauriert wird:



Dem Umstand, daß darin ein (noch existierendes) Puppentheater eingerichtet wurde, verdankt sie es, nicht abgetragen worden zu sein.
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Geändert von T. W. (26.09.09 um 12:03 Uhr)
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Alt 07.10.09, 22:55   #41
T. W.
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T. W. sitzt schon auf dem ersten Ast
So, nachdem ein paar Probleme mit dem Zugriff auf meinen Image Host behoben sind, können wir nun die Tour durch Königsberg fortsetzen.

Wir biegen hinter der Luisenkirche mit einem letzten kurzen Blick auf die weiterführende Straße...



....nach links ab und kommen in ein ruhiges Villen- und Wohnviertel (ehemals) namens Amalienau.



Mit seinen kleinen Plätzen und ruhigen Seitenstraßen wirkt es ähnlich wie bspw. Dresden-Blasewitz.



Typisch für die Altbauten sind hier Tontafeln neben der Tür, die auf den Namen des Hauses und das Jahr der Erbauung hinweisen:



In diesem Viertel ist alte und neue Architektur harmonisch verbunden. Bei diesem Gebäude erscheint es mir schwierig, die Bauzeit zu bestimmen:



Einige – auch größere - Gebäude sind noch nicht restauriert.



Insbesondere bei kleineren wirkt dies durchaus malerisch:



...und bisweilen auch ein bißchen verträumt:



Die Sanierung dieser Gebäude ist aber gewiß nur eine Frage der Zeit, wie sich aus den vielen frisch restaurierten Bauten schließen läßt:



Neben repräsentativen Wohnhäusern, die nach Fertigstellung oder Sanierung häufig ein kräftig farbiges Dach ziert...



...und die durch Zäune und Wachthäuschen gesichert sind,



...gibt es auch verschiedene kleinere - ebenfalls z.T. schon sanierte -...



...und natürlich auch etwas größere Mehrfamilienhäuser aus der Sowjetzeit:



Dies war wegen der Nachkriegsgeschichte des Stadtteils übrigens zu erwarten: Die Häuser in dem Viertel wurden in kleine, preiswerte Sozialwohnungen aufgeteilt.

Auch zuvor gab es aber immerhin schon Häuser für das nicht ganz so reiche und kleinere Bürgertum:



Heute werden viele Häuser für einzelne Nutzer und Familien hergerichtet, wie man auf den Bildern oben sah. - Wer also wohl heute hinter diesen Wänden hier wohnt?...



Nächstes Mal werde ich die verstreuten übrigen Bilder aus Kaliningrad einstellen, die ich auf dem Rückweg in dem Viertel südlich des Leninskij Prospekts (z.B. Augenklinik) und am Rande der Innenstadt (Südbahnhof, Stadttore) gemacht habe.
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suum cuique
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Alt 08.10.09, 11:39   #42
Kampflamm
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Wirklich eine tolle Bilderserie. Es ist immer wieder interessant, die Überbleibsel deutscher Architektur vorzufinden. Hoffentlich braucht man in absehbarer Zeit kein Visum mehr, um Ostpreußen zu besuchen.
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Alt 10.10.09, 22:11   #43
T. W.
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T. W. sitzt schon auf dem ersten Ast
Zwischenspiel: Nachfolgend noch einige Bilder von Wohnbebauung in der übrigen Innenstadt östlich des Hansaplatzes (Platz des Sieges), bevor es mit dem Südbahnhof und den Stadttoren weitergeht.

Auf dem Rückweg von Amalienau bin ich vom Leninskij Prospekt (testweise) zwischen Hansaplatz und dem ehemaligen Schloßplatz nach rechts abgebogen. Und siehe da, zwischen stillen Zweckbauten die ehemalige Augenklinik der Universität:



Heute sind darin offenbar Wohnungen, ebenso wie in einigen daneben stehenden Komplexen, die ebenfalls zur Universitätsmedizin gehört haben könnten. Beispielhaft ein weiteres Bild:



Es scheint, daß die Verluste an Altbauten besonders die normalen Stadthäuser betreffen (von denen in den zerstörten Vierteln nur ganz vereinzelt welche verstreut stehengeblieben sind):


(Nahe der Jugendstil-Stadthalle)


(An der Luisenschule, eher ein Verwaltungsgebäude o.ä.)


(Am Sackheimer Tor)

Dagegen sind nach meinem Eindruck relativ viele große und repräsentative Gebäude (abgesehen von der Gegend unmittelbar um den Dom) stehengeblieben, wenn auch als Wohnhäuser umgenutzt. Das überrascht eigentlich, weil ja gerade solche Gebäude vom sowjetideologischen Standpunkt her oft problematisch waren (zu “feudal”). Weiteres Beispiel:


(Zwischen Börse und Brandenburger Tor am Leninskij Prospekt)

Nur damit keine Mißverständnisse aufkommen: Es bleibt natürlih dabei, daß in den zerstörten Vierteln östlich vom Hansaplatz (hin zu Dom, Börse etc.) natürlich die Plattenbauten absolut stadtbildprägend sind . Als Ergänzung zu den Bildern aus meiner ersten Serie oben noch ein Bild vom Moskovskij Prospekt, der zweiten großen Verkehrsachse, die den Lensinskij Prospekt kreuzt:

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Geändert von T. W. (10.10.09 um 22:42 Uhr)
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Alt 10.10.09, 22:13   #44
T. W.
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Nun der ehem. Südbahnhof, der heute die Funktion des Hauptbahnhofes hat. Es handelt sich um eine größere Bahnhofsanlage mit Haupt- und Nebengebäuden, das vor der 750-Jahrfeier der Stadt umfassend saniert wurde. Ich habe nur den 1929 eröffneten Passagierbahnhof (heute: Bahnhof Kaliningrad Passaschirski) photographiert.

Hier das Eingangsportal:



Wer über die alten Straßenbahnschienen vor dem Eingang stolpert, kann auf einem alten Gullideckel landen (Alte Gullideckel finden sich überall in dieser Stadt... - wie heißt sie noch gleich?):


(Ach ja, und es ist nun ja wohl klar, daß Preußen noch lebt!)

Die Empfangshalle wurde mit repräsentativen Lüstern ausgeschmückt:



Die Erwartungsfreude von Berlinreisenden steigt auf dem Weg zu den Gleisen sicher spürbar an, wenn sie das Schild lesen...



Auf dem Bahnsteig muß man dann u.U. Feststellen, daß der Zug wohl schon abgefahren ist:



Das kann schon deshalb leicht passieren, weil alle Bahnhofsuhren des russischen Riesenreiches nach der geltenden Regelung die Moskauer Zeit anzeigen, während die Züge natürlich nach lokaler Zeit abfahren.

Abgesehen von dieser Besonderheit erlebt man selten so einen großen, öden Bahnhof, der noch in Betrieb ist. Neben den – meines Wissens täglichen - Zügen nach Deutschland (mitteleuropäische Normalspur) fahren übrigens v.a. Regionalzüge ins Samland hier ab, aber auch Züge nach Rußland (jeweils Breitspur).
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Geändert von T. W. (10.10.09 um 23:13 Uhr)
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Alt 19.10.09, 23:27   #45
T. W.
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So, hier wie angekündigt die Bilder von einigen Stadttoren und anderen sehenswerten Bauten, die man sieht, wenn man einen Ring entlang um das Stadtzentrum fährt. Zunächst das Sackheimer Tor, das noch nicht restauriert ist (beachte die abgeschlagenen Statuen über dem Torbogen):



Von dort ist es nicht weit zum Königstor, das bereits restauriert wurde (wie zuvor ein Schnappschuß aus dem fahrenden Wagen):



Hier noch eine Detailansicht desselben Tors.



Auf der Straße vom Königstor zum Oberteich lockert die Bebauung auf, ohne ihren großstädtischen Charakter zu verlieren. Links der Straße sieht man bald die noch militärisch genutzte Kronprinzen-Divisions-Kaserne:



Rechts befindet sich dann, von Bäumen umgeben, direkt gegenüber die Grolman-Bastei:



Neben der Divisions-Kaserne stehen auf der linken Seite leider wieder einige unvermeidliche Plattenbauten, und zwar diesmal besonders graue:



Auf der rechten Seite ist ein bewaldeter Damm. Nach vielleicht fünfiz Metern erreicht man dann eine große Straßenkreuzung. Auf der linken Seite dieser Kreuzung schließt sich ein Platz an, dessen Rückseite von der Kaliningrader Wodkafabrik ausgefüllt wird, welche auf dem folgenden Bild von Bäumen gnädig verdeckt ist (insb. rückseitig stark verfallen, z.T. Ruine).



Rechts von der Kreuzung befinden sich das Roßgärter Tor...



...und anschließend, bereits am Oberteich (aber von diesem durch einen kleinen Wall getrennt) der Dohnaturm, ein gewaltiger Turm der Stadtbefestigung:



Wenn man am Gelände der Wodkafabrik (links) bzw. Dem Oberteich (rechts) ein kurzes Stück entlangfährt, erreicht man schon den Markt von Kaliningrad. Diesen habe ich leider nicht photographieren können, sondern nur – schnappschußmäßig - einen daneben stehenden Nutzbau:



Wenn man hier links abbiegt, erreicht man bald den Hansaplatz und in der Verlängerung das Haus der räte und den Dom.

Habe ich was vergessen? Ja, richtig: das in jedem Reiseführer gezeigte Brückenwärterhäuschen (östlich vom Dom u. nördlich des Leninskij Prospekts am Pregel). Hier ist es:



Und damit endet mein Beitrag zum frühern Königsberg - Kaliningrad.

In etwa 2 Wochen möchte ich einen Thread zum nördlichen Ostpreußen außerhalb von Kaliningrad eröffnen. Dort werden sich natürlich keine spektakulären Bilder finden. Die Photos werden aber beispielhaft Bebauung einiger kleiner Ortschaften im Kaliningrad Oblast und Memel (Klaipėda) zeigen und sollen die Bilder von Kaliningrad in einen größeren Kontext einfügen.
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suum cuique
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