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Alt 18.01.08, 12:29   #46
mik
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mik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblick
Hier geht es doch um Potentiale und Gefahren zeitgenössischer und moderner Architektur, nicht um die Vernichtung wertvoller Altbausubstanz. Es ist trotzdem ein Trauerspiel.
Ich kenne leider die Situation in den neuen Bundesländern nicht so genau. Was ist denn das Problem mit dem Leerstand, dass man ihn gefördert abreißt? Ich könnte mir ja vorstellen, dass leere Straßenzüge und verfallene Häuser ein gesellschaftliches Risiko darstellen, wo hinter jedem Fenster ein durchgeknallter Junkie oder Vergewaltiger wartet? Gibt es solche Probleme oder besteht da die Gefahr für die Zukunft? Ich denke da jetzt mal an das Detroit aus dem Film 8Mile?

Dann wären überflüssige Grünanlagen immer noch besser als "Horrorhäuser".

Interessant zum Thema "Moderne" ist vielleicht, dass es immer noch Menschen zu geben scheint, die ihre Großnachbarschaft in der Plattensiedlung so sehr schätzen, dass sie sich nicht gleich in einer leerstehenden Gründerzeitwohnung einquartieren. So hoch scheint der Bedarf an Altbau also doch nicht zu sein.
Oder ist die Gründerzeit vielleicht doch so teuer, dass man bei ner Platte für's gleiche Geld die doppelten Quadratmeter bekommt? Ich weiß es nicht, ich versteh nur nicht, warum unbedingt nur Wessi-Rentner dahin sollen.
Für die Stammbevölkerung hätte dann jedenfalls die DDR-Moderne eine Rechtfertigung. Denn keiner kann ja von den Menschen verlangen, nur noch halb so groß zu wohnen, weil dann die Stadt niedlicher aussieht!
Wenn's nicht am Geld liegt, dann hat die Platte für ihre Bewohner sogar eine architektonische Rechtfertigung - wobei dies natürlich nur auf ein kleines Klientel zutrifft.
Es scheint wohl für beides einen Markt zu geben. Sonst hätte man Platten wohl kaum saniert
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Alt 18.01.08, 16:11   #47
Schnack
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Schnack sitzt schon auf dem ersten Ast
@ mik also auch wenn das schon sehr von Thema absteift aber wie du auf Vergleiche mit Detroit kommst ist mir dann doch schleierhaft. Nur weil's leere Häuser gibt stellen sie solange sie nicht so marode sind, dass sie fast zusammenbrechen keine Gefahr dar. Außerdem weiß ich nicht woher die Meinung kommt, dass in Ostdeutschland Plattenbausiedlungen beliebt seien. Die meisten dieser Siedlungen haben gerade mal noch 50% ihrer Einwohnerzahl von 1990. Ich kann da sehr gut mitreden weil ich mein Leben lang in so einem Gebiet wohnte. Was vllt auch wichtig zu erwähnen währe ist, dass 90% der in Sachsen abgerissenen Wohnungen unsanierte Plattenbauten waren. Also so dramatisch wie der Abriss von Altbauten dargestellt wird ist es garnicht. Manche Häuser sind einfach nicht zu retten. Die Sanierungen der restlichen Plattenbauviertel wurde nicht durchgeführt, weil die alle so toll finden, sondern weil man so naiv war zu glauben, dass die Leute dann dort wohnen bleiben. Dem war meist aber nicht so. Und wenn man nun die Wahl hat in Plattenbaugebieten, die zur Hälfte leer stehen oder leere Altbauten abzureißen, dann sollte die Priorität auch weiterhin auf den Plattenbauten liegen. In keiner ostdeutschen Stadt ist dieser Bereich bereits so erschöpft, dass man unbedingt auf Altbauten zurückgreifen muss.

Diese Sache mit den Wessi Rentnern ist auch Unsinn, denn einerseits ziehen die meisten Rentner statistisch an die See nach Meck Pomm und nicht in Altbauviertel in Leipzig oder Halle und zweitens ist deren Anteil verschwindend gering, der sich dann tatsächlich dafür entscheidet in so ein gründerzeithaus zu ziehen. Die Mieten sind so niedrig im Verlgeich zum Westen, dass jeder sich eine Altbauwohnung leisten könnte, der normal arbeiten geht. Da muss man nicht reich sein. Die meisten Zuzüge in die Altbauviertel kommen durch junge Menschen. Siehe Leipzig wo 40000 Menschen in den letzten Jahren aus den Vierteln wie Grünau u.ä. in die Gründerzeitquartiere zogen. Der Zuzug in Plattenbaugebiete ist nahezu null bzw weiter rückläufig.

Aber lassen wir das, schließlich soll's um Architektur gehen.
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Alt 18.01.08, 16:50   #48
mik
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mik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblick
Ich hab nicht mit Detroit verglichen, ich hab ja nur gefragt, weil ich mit der Situation nicht vertraut bin. Schließlich ist es ja schwer vorstellbar, was dort an kultureller Substanz vernichtet wird.
Auch wenn ich irgendwo ein Anhänger der Moderne bin, so ist mir auch gerade dadurch klar, dass die gründerzeitliche Architektur in dieser Form nicht mehr ersetzt werden kann.

Andererseits kann ich nicht verstehen, wieso fast 20 Jahre nach der Wiedervereinigung auch nur ein Plattenbau immer noch bewohnt ist, wenn es so viele spottbillige Gründerzeitwohnungen gibt.
also, dass der Markt für Plattenbauwohnungen verschwindend gering ist, weiß ich natürlich. Nur, da das hier eben das Thema "Moderne" ist, frag ich ganz einfach mal ganz dreist, wieso noch Menschen so leben!
Vielleicht gibt es ja eine Gruppe von Freaks, die das toll findet? Auch Platten haben schließlich ihren Charme...

Der Ausblick aus 50m Höhe bei ner 20 Geschoss-Platte ist mir übrigens lieber, als jeder verstuckte Straßenzug. Allerdings gilt das nur für den Ausblick. Nicht für das Leben auf der Straße oder andere Aspekte. Da verliert die Platte natürlich überall.
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Alt 18.01.08, 17:30   #49
Schnack
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Schnack sitzt schon auf dem ersten Ast
Also, dass überhaupt noch Platten bewohnt sind liegt an den älteren Menschen, die von dort nicht mehr wegziehen weil sie ihr ganzes Leben dort gewohnt haben. Ich würde sogar fast wagen zu sagen, dass das auf alle diese Gebiete zutrifft. Mit Außnahme der Berliner Gebiete vllt, aber Berlin ist auch nicht wirklich geschrumpft.
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Alt 18.01.08, 19:38   #50
Guderian
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@mik:
"So hoch scheint der Bedarf an Altbau also doch nicht zu sein."
Doch sie müssen nur saniert werden. Wie der Mann aus dem Interview gesagt hat, findet er für jeden Altbau ausreichend Mieter. Nur ist die Sanierung für den Hausbesitzer weniger lukrativ als der mit 60 € pro m² subventionierte Abriss. Die eigentliche Nachfrage kommt nicht zum Tragen, weil sie durch Subventionen überlagert wird.

"Oder ist die Gründerzeit vielleicht doch so teuer, dass man bei ner Platte für's gleiche Geld die doppelten Quadratmeter bekommt? Ich weiß es nicht, ich versteh nur nicht, warum unbedingt nur Wessi-Rentner dahin sollen."
Weil man Wohnraumleerstand nicht mit Umzügen sondern nur mit Zuzügen oder ggf. höheren Geburtenraten bekämpfen kann. Die Bevölkerungszahl im Osten muss wieder steigen. Das wäre volkswirtschaftlich weit sinnvoller als der Abriss intakter Gebäude, egal ob Alt- oder Neubauten.

"Es scheint wohl für beides einen Markt zu geben. Sonst hätte man Platten wohl kaum saniert."
Ja und nein. Mit der Sanierung der Platte wurde vielfach nur deshalb begonnen, weil es dafür ebenfalls Subventionen gab. Ohne staatliche Förderung wäre die Sanierung der Plattenbauten in den Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und Zukunftsangst sicher nicht so schnell in Fahrt gekommen. Heute stehen viele sanierte genau wie unsanierte Platten leer oder werden abgerissen, weil nun Abriss subventioniert wird. Das hat mit Märkten nichts zu tun, das ist nur Politik (genau wie bei den Entstuckungsprämien).

Zu DDR-Zeiten war der Plattenbau (mit Bad und Zentralheizung) noch beliebter als die Altbauten (mit Außenklo und Ofen). Heute ist es genau umgekehrt, der sanierte Altbau ist begehrter als die sanierte Platte. Dadurch sind die Preise leicht höher, aber nicht so, dass man sie sich nicht mehr leisten könnte. Eine sanierte Altbauwohnung steht nicht lange leer. Und da haben wir sie wieder, die Last der Moderne. Neubauten bleiben auch nach ihrer Sanierung für Mieter unattraktiver als sanierte Gründerzeitbauten. Der Grund ist die Ungemütlichkeit der Moderne. Sanierte aber entstucke Gründerzeitbauten - und damit schließt sich der Kreis - sind bei Mietern ebenfalls unbeliebter. (In der Regel sind sie natürlich immer noch besser d.h. innerstädtischer gelegen als sanierte Platten.) Das Ornament macht aber den Unterschied zwischen einem begehrten Wohnhaus und einem 0815 Kasten.
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Alt 18.01.08, 22:47   #51
mik
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mik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblickmik ist ein Lichtblick
Gut, danke für die Erläuterungen. Ich bin kein Platten-Fan
Die Wohnungszuschnitte sind da ja auch wirklich nichts berauschendes. Wieso sollte der Massenwohnungsbau hier auch besser sein, als in der Gründerzeit.
Lediglich zu ihrer Bauzeit konnte man mit wenig Geld viel Wohnraum schaffen. Daher lassen sich diese Siedlungen teilweise begründen. Teilweise, weil auch hier natürlich eine eiskalte politische Ideologie dahinter stand, die den menschlichen Maßstab nicht aus finanziellen Gründen missachtete.

Ich denke aber, dass es auch klar ist, dass diese Moderne heute eine Last darstellt.
Jedoch finde ich es genauso schwer diese Architektur so einfach zu verurteilen, wie Ihrerzeit Altbauten verurteilt wurden. Alles hat seinen historischen Kontext. Ich versuche eben in jedem Bau die Träume und Vorstellungen seiner Zeit zu sehen, auch wenn Abriss die einzige Möglichkeit ist, denn in jedem Haus steckt Geschichte. Auch in der kältesten und gesichtslosesten "Moderne"

Das Ornament alleine ist es wohl kaum, was die Altbauten heute so beliebt macht. Stuck könnte man ja sonst auch einfach an Platten kleben.
Nein, ich denke, dass es in erster Linie städtebauliche Fragen sind, die den Unterschied ausmachen.
Rohne wird mir hier sicherlich widersprechen, aber ich finde einzelne 70er Jahre Wohntürme in alten Stadtvierteln funktionieren durchaus. Sie profitieren nicht nur von der Umgebung, sondern erhöhen auch die Bevölkerungsdichte und beleben die Straße.
Ich finde z.B. das Wohnhochhaus "Wintergarten" nahe des Leipziger Hauptbahnhofs gar nicht mal so schlecht. (Wobei dieses als Beispiel ja schon mitten aus der Postmoderne stammt. (http://www.leipzig-online.de/dl0kgm/sc/rleipzig.htm) Website von Amateurfunkern, auf den ersten beiden Bildern ist das HH zu sehen, kennt jeder der schon mal am Hauptbahnhof war.

Ich glaube auch nicht, dass die "Moderne" als Stil (oder Sammlung von architektonischen Grundsätzen), wirklich so versagt hat. In 50 Jahren werden davon nur noch die guten Sachen stehen und dann wird man anders denken. Ich unterscheide dabei übrigens jetzt schon zwischen Vorkriegsmoderne, Nachkriegsmoderne, Postmoderne und zeitgenössischer Architektur. Es sind genug Unterschiede da um zu differenzieren. Dabei sind lediglich die beiden erst genannten Epochen wirklich "Modern", im Sinne, dass sie geistig mit der "Charta von Athen" von 1943 verbunden sind.
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Alt 19.01.08, 14:29   #52
AeG
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AeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein Lichtblick
Zitat:
Zitat von Guderian Beitrag anzeigen
[SARKASMUS] @AeG: Ich habe immer gedacht wir leben im Zeitalter das Kapitalismus. So kann man sich irren, tatsächlich ist die Moderne das Zeitalter des Altruismus. Alles geschieht nur noch aus selbstlosen Motiven heraus. Wohnungszuschnitte, Ornamentlosigkeit, Entstuckung damit sollen eigentlich soziale Problemviertel gerettet, die Wohnungsnot bekämpft und unschuldige Passanten vor Stuckschlag bewahrt werden. Wenn ich an die tausenden Opfer denke, die in den unsanierten und unentstuckten Gründerzeitvierteln der DDR den Tod gefunden haben, dann möchte ich nachträglich jedem Hausbesitzer ein Bundeverdienstkreuz für seine Entstuckungsleistung verleihen. [/SARKASMUS]

Natürlich ging es nicht um altruistische Ziele. Es ging ganz allein um die Verschwörung der degenerierten Stadtplaner und der gehirnamputierten Architekten für ihre niederen Ziele. Aber Du, großer Erleuchteter, hast das natürlich wieder durchschaut! Guderian for President!

Wieviele Unfälle ist Dir ein Stadtbild nach Deinem Gusto eigentlich wert? (bevor Du behauptest, das Argument sei erfunden, mach' Dich zur Abwechselung mal schlau, bevor Du Deinen Mund zu voll nimmst! Und vielleicht kannst Du auch mal erläutern, was das Ganze mit dem "Zeitalter des Kapitalismus" zu tun hat. Waren entstuckte Häuser jemals besser vermietbar?
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Alt 15.06.08, 02:28   #53
NewUrban
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NewUrban könnte bald berühmt werden
Wer mal eine wirklich nette "Plattenbausiedlung" sehen möchte, sollte nach Leinefelde fahren. Diese Stadt hat bewiesen, dass in der Platte Potenzial steckt! Dort hat der Bürgermeister, zusammen mit einem Architektenbüro, geplant, wie man die siedlung gesund schrumpfen könnte! Entstanden sind ansprechende Grünflächen, Einzelne Stadthäuser oder auch schöne Wohnungen mir Großzügigen Zuschnitten! Er meinte, das die Platte durch ihre Modulbauweise einfach gut geeignet ist um damit neue Grundrisse aus zu probieren.

Geändert von NewUrban (17.07.08 um 20:48 Uhr)
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Alt 27.08.08, 03:13   #54
RobertKWF
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RobertKWF sorgt für eine nette AtmosphäreRobertKWF sorgt für eine nette AtmosphäreRobertKWF sorgt für eine nette Atmosphäre
In einem Teil der Beiträge in diesem Strang ist einiges vom dem hervorgetreten, was ein Licht auch auf Ursachen und Gründe der Unzufriedenheit mit neuzeitlichen Bauten (und somit auch mit den Architekten und Bauherren) wirft, wobei ich das nicht mal verallgemeinern möchte. Aber es ist symptomatisch.

Wenn folgende Statements abgegeben werden,

AeG #4: Es scheint, trotz ausufernder Diskussionen inklusive zahlreicher, den historischen Realitäten näher kommender Ausführungen, immer mehr Leute zu geben, die mangelnden Sachverstand lieber mit waghalsigen Thesen zu kompensieren versuchen, die auf der individuellen Wahrnehmung und einer Portion Halbwissen fußen, statt sich zunächst mal mit den gesellschaftspolitischen (und daraus ableitbaren juristischen, technologischen und sonstigen) Hintergründen zu befassen, die zum Beobachteten führen. So, wie ich das wahrnehme, gibt in diesem Forum bald keinen Thread mehr, der nicht mit diesem Unfug zugemüllt wird.

AeG #4: Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Küchentisch-Architekturtheoretiker die Deutungshoheit erlangt haben, oder?

kann man das noch akzeptieren, wenn zwischen "Fachleuten" und "Laien" über die historischen Zusammenhänge und Hintergründe von Architektur diskutiert wird.

Nicht sauber getrennt davon wird aber die Tatsache, dass praktisch jedermann die Möglichkeit, die Fähigkeit und gar das Recht hat, ein Gebäude, welches er vor sich sieht, für sich einzuordnen und zu beurteilen.
Ist es schön, ist es grandios, ist es sensationell, ist es gemütlich, ist es fehl am Platz, ist es langweilig usw. usw.

Dazu benötigt er kein Hintergrundwissen, es würde ihn sogar von einer wirklich objektiven Beurteilung ablenken.

Nun stellen sich die Fragen, für wen wurde das Gebäude errichtet, was soll es wem gegenüber nach außen hin ausdrücken, wie soll es das Stadtbild mitprägen, soll es auch zukünftigen Wert behalten, für die Allgemeinheit oder nur für ein Fach-Publikum usw.

Hierin unterscheiden sich nun tatsächlich viele historische Gebäude von den meisten überwiegend "modernen" Gebäuden.

Wurden die historischen Gebäude (zumindest die höherwertigen) noch überwiegend für die "Ewigkeit" gebaut, so sah und sieht man den "modernen" Neubauten bereits nach Fertigstellung schon ihre Halbwertzeit (sprich ihr zukünftiges Abriss- oder Umgestaltungs-Datum) an. Beispiele dafür gibt es reichlich.
Abgesehen von ihrem Anblick, ihrer Auswirkung auf das Stadtbild, ihrer Auswirkung auf das Lebensgefühl der Menschen, ist auch das eine Last der modernen Architektur.
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Alt 27.08.08, 04:09   #55
AeG
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AeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein LichtblickAeG ist ein Lichtblick
Dein Beitrag beschreibt wunderbar den Zeitgeist. Du gehst anscheinend davon aus, dass ein Gebäude vor allem deshalb errichtet wird, um einem Nicht-Fachpublikum zu gefallen. Da liegt aber schon der Irrtum! In erster Linie muss ein Haus für den Eigentümer/Nutzer seinen Zweck erfüllen (inkl. der Wirtschaftlichkeit) und sich in der Planung und Ausführung an geltendes Recht halten (was in der Praxis gefühlte 3000 Verordnungen und Gesetze sind).

Selbstverständlich kann Dir niemand das Recht nehmen, über ein Bauwerk zu urteilen (wobei 'fehl am Platze' schon grenzwertig ist). Daraus leitet sich aber noch lange kein Mitspracherecht ab, was über die Erlangung oder Wahrung konkreter persönlicher Bedürfnisse hinaus geht.

Du solltest vielleicht mal in Dich gehen und Dich fragen, in wie weit Dein persönliches Geschmacksempfinden objektiv und autark entstanden ist. Es gibt genügend Belege dafür, dass dessen Entstehung sehr subjektiv vonstatten geht und eng an die Erfahrungswelt und den allgemeinen Wertekonsens gekoppelt ist. Oder anders, bei jemandem mit nur gering ausgeprägtem Willen zur Auseinandersetzung wird stets das Bekannte den Vorzug erlangen.

Deine Betrachtungen zum Thema Lebensgefühl sind recht weit hergeholt. Du persönlich empfindest moderne Bauten schädlich für das Stadtbild und die Bewohner (ich in einigen Fällen auch, aber gewiss nicht aus den gleichen radikalen Gründen). Als diese Bauten neu waren, haben sie jedoch einen Bedarf gedeckt und waren je nach Zeitraum teils sogar sehr positiv besetzt. Frage einfach mal ein paar unvoreingenommene ältere Menschen, schaue Dir alte Filme an oder belese Dich dazu. Es gibt kein über alle Zeiten währendes konsistentes Geschmacksempfinden! Was Du hier an Meinungen präsentierst, ist im Wesentlichen die Sicht eines Unzufriedenen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der sich nach Orientierung sehnt und per Stadtplanung und Architektur Probleme lösen will, die vermutlich vorrangig persönlicher oder gesellschaftlicher Natur sind - genau der Zeitgeist einer satten Gesellschaft, die keine wirklichen Probleme mehr kennt und in der sich mangels Grenzen jeder zu allem berufen fühlt.

Zum 'Bauen für die Ewigkeit' wurde hier schon genug geschrieben. Nur kurz: dieser Eindruck trügt. Du lässt Dich hier (wie viele andere auch) von Deinen persönlichen Schlüssen leiten, die Du sicher aus einer Mischung Deines Wertekanons und der damals technisch bedingten 'Massivität' ziehst. Zumindest für die Protzkisten der Gründerzeit galten recht klar definierte Erhaltungszeiträume. Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung waren diese essentiell. Was glaubst Du, weshalb man die meisten Häuser damals mit Ziegeln deckte (statt mit Blech), mit Holzbalkendecken versah (statt sie als Kappen zu mauern) und in manchen Gegenden vornehmlich billigen Gipsstuck verwendete, der nicht einmal ein paar Jahre unbeschadet überstand? Weiteres dazu findest Du hier per Suche oder im Buchhandel.


Zur Klarstellung: ich will hier keine Lanze für die Moderne und die von ihr mitinitiierten Fehlentwicklungen brechen. Ich will nur den Unfug entkräften, der hier manchmal wie selbstverständlich vorgetragen wird.


Und zur 'Selbstverliebtheit': ich zähle Fakten auf und rede so gut wie gar nicht über meine persönlichen Vorlieben! 'Selbstverliebt' sind hier ofenkundig eher jene, die ihre ureigenen Meinungen an der realität vorbei als unumstößliche Tatsachen präsentieren wollen.

Geändert von AeG (27.08.08 um 04:27 Uhr)
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Alt 28.08.08, 09:53   #56
Bewacher
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Bewacher hat die ersten Äste schon erklommen...
Zitat:
Zitat von AeG Beitrag anzeigen
Als diese Bauten neu waren, haben sie jedoch einen Bedarf gedeckt und waren je nach Zeitraum teils sogar sehr positiv besetzt.
Vielleicht in den 1920er Jahren, als man damit experimentierte und in den 1950ern/1960ern, als man es flächendeckend umsetzte. In den 1970ern wurde es den Menschen langweilig - und die x-te (x >> 1.000.000) Wiederholung 30 Jahre später kann ja nur als noch viel langweiliger empfunden werden.
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Alt 28.08.08, 10:42   #57
AeG
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Weißt, was noch langweiliger ist?
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Alt 29.08.08, 00:13   #58
erbsenzaehler
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erbsenzaehler könnte bald berühmt werden
Ich erlaube mir mal, im Namen von Bewacher zu antworten:


Ja, dein Geschwätz.

Nichts persönliches.. Aber es nervt allmählich wirklich, dass du dich ständig als Oberlehrer aufspielst und anderen deine 'Fakten' als unumstreitbare Wahrheit aufzustempeln versuchst (was du jenen ja selbst vorwirfst).
Nichts für ungut.

Geändert von erbsenzaehler (29.08.08 um 00:33 Uhr)
erbsenzaehler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.08.08, 00:41   #59
Chewbacca
 
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Das war einer der armseligsten Beiträge, die ich hier seit Langem gelesen habe!

Man muss nicht mit AEG einer Meinung sein, (bin ich bei weitem auch nicht immer!) aber man muss schon etwas mehr beitragen können, wenn man sich mit ihr auseinandersetzten will.
Es gibt kaum einen Forumer, der sich mit soviel Ausführlichkeit, und durchdachter, nachvollziehbarer Argumentation wohltuend von dem Geschwurbel abhebt, welchem man sich hier manchmal ausgesetzt sieht!

EDIT: Auch keinen, bei dem der Unterschied zwischen behaupteten Fakten und Schlußfolgerungen so deutlich vom Autor selber benannt wird.
Deshalb sollte es eigentlich leicht sein, ihn in Threads wie diesem hier auf der Ebene der behaupteten Fakten zu stellen, wenn er falsch liegt, aber davon habe ich hier noch nie was gelesen, stattdessen so nen Scheiss, wie den hier oben.
Vielleicht hat, wer es wirklich besser weiss, ja einfach auch das Recht, die anderen mal zu belehren!

Geändert von Chewbacca (29.08.08 um 00:53 Uhr) Grund: Ärgerlich!
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Alt 29.08.08, 01:20   #60
erbsenzaehler
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Beiträge: 319
erbsenzaehler könnte bald berühmt werden
'Mal' ist gut. Ich lese kaum was anderes von ihm.

Bei Gelegenheit werde ich da ggf. noch einiges auseinander klabüstern.

Es war auch nicht als Antwort auf seine scharfsinnige Zeitgeist-Analyse zu sehen, sondern als Echo zum vorangegangenen Beitrag und seinem (in meinen Augen) allgemein bevormundenden Unterton.

Natürlich gebe ich dir recht, dass er teils ausführlich zu argumentieren weiß.
Dies kann er aber sicher auch ohne die genannten Attitüden bewältigen.
erbsenzaehler ist offline   Mit Zitat antworten
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