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Alt 13.07.08, 18:36   #16
Raskas
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Dann verstehe ich deine generelle Kritik im vorherigen Beitrag an der Entwicklungbereitschaft der "Ruhris" wiederum nicht. Das sich Essen beim Hbf nur mit der kleine Lösung zufrieden geben muss liegt nicht an der ablehnenden Haltung der Stadt und der provinziellen Einstellung der Bevölkerung, sondern einzig allein an der Bahn. Ein zustimmendes " Bahnhof, ja klar " wäre auch in Essen zu vernehmen gewesen, wenn die Bahn auch nur einen Bruchteil des Berliner Investitionsvolumens aufgebracht hätte um in Essen einen neuen Bahnhof zu errichten. Dein Beitrag suggeriert allerdings eine fehlende Bereitschaft der Bevölkerung Veränderungen anzunehmen und das konnte ich so nicht stehen lassen.

Die Busladungen von Touristen die in die Innenstädte des Ruhrgebietes strömen sind mir wirklich noch nicht aufgefallen. Ein hohes Holländeraufkommen im CentrO und auf dem Essener Weihnachstmarkt vielleicht, dieses mit Touristenströmen gleichzusetzen halte ich für gewagt. Zum Thema Supermalls kann man durchaus geteilter Meinung sein. Das sie ihre Aufgabe erfüllen und dort Touristen wie auch Einheimische Geld lassen mag stimmen, die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal und der Verträglichkeit solcher Malls für bestehende Innenstädte bleibt unbeantwortet.

Auch wenn das jetzt ein wenig ins OT abdriftet geht es mir mehr um eine realistische Einschätzung des Status quo und der zukünftigen Entwicklungschancen. Das Ruhrgebiet wird heute schon in eine Reihe von Metropolen und Weltstädte gehypt obwohl es derartige Funktionen und Vorraussetzung noch nicht erfüllt und noch weit davon entfernt ist sie erfüllen zu können. Es scheint als weicht der von Karl Ganser (IBA) formulierte Leitgedanke des nachhaltigen und behutsamen Strukturwandels immer mehr einem rücksichtslosen Eingreifen in vorhandene Strukturen und Kapazitäten um möglichst schnell die höhere Entwicklungsstufe auf dem von Dir zitierten "Weg zur Metropole" zu erklimmen und zu diesem bedenkenlosen Eingreifen ,um zum Thema zurück zu kommen, zählt m.E.auch der Limbecker Platz.

Geändert von Raskas (13.07.08 um 22:27 Uhr) Grund: Rächtschreibhung
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Alt 14.07.08, 15:55   #17
Kyrosch
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Kyrosch hat die ersten Äste schon erklommen...
Danke, Enzo!
Lieber Ras, es war mein Fehler. Das Beispiel mit den Bahnhöfen, so wie ich es geschrieben habe, war missverständlich. Ich hätte es in Gänsefüßchen setzen und deutlicher formulieren sollen, es war ironisch gemeint, wie manche Kleingeister bei uns leider immer noch die Welt sehen.
Was ich eigentlich meinte, ist, so glaube ich, unter #16 deutlicher geworden. Und da der Chef so nett war, die Diskussion freizugeben, will ich ergänzende Ausführungen machen.
Worin besteht der entscheidende Unterschied zwischen einer Metropole und der Provinz ? Für mich!!! besteht dieser Unterschied in der Infrastruktur. Zur Infrastruktur gehört natürlich der gesamte Komplex der Kultur in der Breite wie in der Spitze. Dazu gehören alle Freizeitangebote, natürlich auch die Einkaufs- und Shoppingmöglichkeiten. Dazu gehört der Individual- wie auch der öffentliche Personennahverkehr, Ärzte, Dienstleister, vor allem aber auch Bildungsmöglichkeiten, Hochschulen, Institute etc. Kurzum, eine Metropole wird auch im wesentlichen daran gemessen, wie sein Standing im Bereich von Wissenschaft und Forschung ist.
Alles das, und noch vieles, vieles mehr spiegelt sich in einer Metropole wider und Qualität und Quantität aller dieser Standortfaktoren machen die Bedeutung einer Metropole aus.
So, und nun hat das Revier sich auf den Weg gemacht, Metropole zu werden. Zugegeben, wir sind noch ganz am Anfang, keine Frage. Aber wir haben Chancen. Entscheidend ist dafür aber nicht, wie viele Malls, Theater oder Museen wir zwischen Hamm und Duisburg ansammeln. Viel wichtiger als jedes Museum, als jede Mall sind die politischen Rahmenbedingungen, unter denen das Revier sich entwickeln kann. Und da hat die Landesregierung sich zum selbsterklärten Ziel gesetzt, die begonnene Verwaltungsstrukturreform in der nächsten Legislaturperiode fortzusetzen und zu vollenden.
Das entscheidet über die Zukunft von uns allen hier im Revier. Wird das Ruhrgebiet ein eigenständiger Regierungsbezirk? Bekommen wir ein eigenes von den Bürgern gewähltes Parlament? Wird es eine von den Bürgern gewählte Persönlichkeit geben, die das gesamte Revier repräsentiert und nach außen hin darstellt? Das und anderes mehr sind die entscheidenden Fragen in den nächsten 10 Jahren, die über das Wohl und Wehe von uns allen entscheiden.
Das wird der eigentliche Lackmustest für die Landesregierung. Diese Reform, wenn sie denn kommen sollte, ist sehr viel entscheidender und wichtiger für das Revier als jede Mall oder jedes Museum. Eine tiefgreifende Strukturreform, die das Revier eindeutig definiert und festlegt und ihm den entsprechenden Handlungsspielraum gibt, ist das beste aller denkbaren Konjunkturprogramme, mit dem das Revier wieder auf die Füße kommt.

Ps.: Bevor ich erneut missverstanden werde: Natürlich und vor allem anderen sind es die Menschen, die einer Metropole Ausdruck verleihen!!!

Geändert von Kyrosch (14.07.08 um 21:49 Uhr)
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Alt 15.07.08, 00:04   #18
Raskas
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Falsche Formulierungen wie auch unterschiedliche Ansichten sollen sicher kein Aufhänger für ein allgemeines Missverständniss sein. Es liegt mir fern positive Entwicklungen nicht als solche anzuerkennen noch war es meine Intention einen Konflikt heraufzubeschwören. Meinen wohl etwas zu bissigen ersten Beitrag bitte ich deshalb zu entschuldigen. Im Wesentlichen sind wir durchaus einer Meinung und einen Großteil der Aussagen in deinem Post würde ich so unterstreichen.

Davon das es vom stadtgebundenen Einzelprojekt hin zu den Kernfragen die das Ruhrgebiet beschäftigen kein weiter Weg ist, zeugt das auch notwendige verschieben unserer Beiträge. Aufgrund der der Dichte und der kaum bestehenden Stadt- wie auch Gemeindegrenzen haben selbst Einzelprojekte unmittelbar Einfluss auf die ganze Region. Deshalb ist es überaus wichtig aufkommende Vor- und Nachteile solcher Projekte die sowohl die eigene Stadt als auch die jeweiligen Nachbarstädte betreffen behutsam und mit Blick auf die Nachhaltigkeit abzuwägen. Ob das beim Limbecker Platz aber auch dem Centro und dem RRZ geschehen ist ist meiner Meinung nach fraglich. Zumindest spricht das Abgraben von Kaufkraft untereinander nicht für ein geschlossenes Auftreten als eine fast stadtgleiche Region Ruhrgebiet.

Allerdings fehlen für eine gemeinschaftliche Aussendarstellung und eine stadtübergreifende Entwicklungspolitik auch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die längst überfällige Verwaltungsreform die das Revier auch politisch neu strukturiert muss und da bin ich vollkommen Deiner Meinung, oberste Priorität genießen. Das das Ruhrgebiet immer noch durch drei Bezirksregierungen verwaltet wird, ist in etwas so zeitgemäß wie die Blümchentapete. Die nötige Flexibilität und der Wille zur Weiterentwicklung den man heute der Gesellschaft wie auch jedem Einzelnen und besonders den Menschen im Revier abfordert scheint innerhalb der Institutionen und Verwaltungseinheiten nicht gegeben zu sein.

Abgesehen von den einzelnen Faktoren die eine Metropole ausmachen und davon gibt es wie Du schon richtig anführst eine Vielzahl, denke ich schon das man diesen Begriff zum Teil auch auf das Ruhrgebiet anwenden kann, wenngleich in wirtschaftlicher wie auch in kultureller Hinsicht deutlich Luft nach oben ist. Ob sich in 20 Jahren dann Metropolen- oder gar Weltstadtflair im Revier einstellt bleibt abzuwarten.
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Alt 15.07.08, 15:11   #19
Turmbauer
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@Kyrosch

Du unterscheidest hier generell zwischen Metropole und/oder Provinz. Ich glaube, das Ruhrgebiet ist weder das eine noch das andere. Es ist eine Städtelandschaft mit den sich daraus ergebenden Vor- und Nachteilen.

@Raskas

Das Abgraben von Kaufkraft spricht in der Tat nicht für ein geschlossenes Auftreten der Ruhrgebietskommunen, aber es ist nach derzeitigem Stand eine durchaus nachvollziehende Reaktion. Diese Situation hält geradezu als Präzedenzfall her, wenn man das Gegeneinander im Ruhrgebiet erklären und begreifen will. Jede Stadt ist darum bemüht, durch Veranstaltungen in neuen Arenen, durch Events wie die Loveparade, durch Einkaufzentren oder die Ansiedlung von Arbeitsplätzen durch Ansiedlungen von Firmen Menschen in die Stadt zu locken und sie dazu zu bewegen, Geld auszugeben oder dort zu wohnen. Dahinter stehen sicherlich auch das Prestige, was eine Kommune bei solchen Projekten genießt und der Gewinn eines weichen Standortfaktors. Zu verdenken ist es ihnen nicht, denn jede Stadtverwaltung respektive jeder Stadtkämmerer ist in der Pflicht und Verantwortung, den Haushalt der Stadt nach besten Wissen und Gewissen zu führen und das bestmöglichste für die Kommune und den Bürger zu tun. Alles andere kann und wird fatale Folgen nach sich ziehen. Hier stehen die Städte untereinander in ständiger Konkurrenz zueinander. Ein Regierungsbezirk ist unbedingt von Nöten, würde aber an dieser Situation nichts ändern. Das kann man sehr gut an den Verhältnissen im Regierungsbezirk Düsseldorf sehen. Nein, wenn man das Kirchturmsdenken abschaffen möchte, muß man bereit sein, auf Kompetenzen und Selbstständigkeit (nicht die Aufgabe alter Traditionen ist hier gemeint) zu verzichten. Nur eine Ruhrstadt ohne Grenzen zwischen den Städten (ein Stadtkämmerer) würde dieses Problem wohl weitgehend lösen. Alles andere endet beim gemeinschaftlichen Kauf von Bussen und Bahnen oder bei mit der übergreifenden Zusammenarbeit des Flächennutzungsplan. Die Frage aber lautet, ob wir das wirklich wollen. Nur hat es schon was von Doppelmoral, wenn man als Ruhrgebietsbürger auf der einen Seite fordert, das Kirchturmsdenken abzuschaffen, sich aber lieber in seinem Städtchen vergräbt und alles so lassen will wie es ist.

Zurück zum Präzedenzfall Shopping-Malls: Wurde das RRZ in Mülheim noch fast stillschweigend geduldet, so löste das CentrO, wenn auch verspätet, den Bauwahn von EKZ im Ruhrgebiet und Umgebung erst aus und das auch noch mit Hilfe des Landes NRW. Ich möchte damit feststellen, dass weder Duisburg noch Essen ein Vorwurf daraus zu machen ist, nun in diese Richtung zu prosperieren. Denn hier hat das Land eigentlich das gemacht, was man den Städten vorwirft: Es hat indirekt Kirchturmsdenken betrieben, indem es eine Stadt wie Oberhausen, die bis zu diesem Zeitpunkt weder Einkaufsstadt noch Ort von Konzerten war, zu einem Shopping-Center und Veranstaltungsort gemacht und damit den umliegenden Städten das Wasser abgegraben.
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Alt 15.07.08, 16:10   #20
Kyrosch
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Kyrosch hat die ersten Äste schon erklommen...
[
Zitat:
Zitat Turmbauer:
Du unterscheidest hier generell zwischen Metropole und/oder Provinz. Ich glaube, das Ruhrgebiet ist weder das eine noch das andere. Es ist eine Städtelandschaft mit den sich daraus ergebenden Vor- und Nachteilen.
Deine Aussage stimmt in 2 Punkten nicht: 1. ging es mir darum, den Unterschied zwischen Metropole und Provinz zu definieren, so, wie ich ihn sehe. Das mag man anders sehen, ich habe versucht den Unterschied so zu umreißen, wie ich es gemacht habe.

Und 2. habe ich das Ruhrgebiet weder aus Metropole noch als Provinz bezeichnet, ich habe ausgeführt, "dass das Ruhrgebiet sich auf den Weg gemacht hat, Metropole zu werden".

Und wenn das in meinem Artikel nicht klar genug herüber gekommen bist, so hoffe ich, es hiermit klar gestellt zu haben.
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Alt 16.07.08, 11:43   #21
Turmbauer
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Zitat:
Zitat von Kyrosch Beitrag anzeigen
Deine Aussage stimmt in 2 Punkten nicht: 1. ging es mir darum, den Unterschied zwischen Metropole und Provinz zu definieren, so, wie ich ihn sehe. Das mag man anders sehen, ich habe versucht den Unterschied so zu umreißen, wie ich es gemacht habe.
Da gebe ich Dir Recht. Dadurch, dass Du es Quasi als Einleitung für die Diskussion um den momentanen Stellenwert des Ruhrgebietes geschrieben hattest, bezog ich es für den Moment irrtümlich darauf. Es war aber eigentlich allgemein gehalten, sorry!

Zitat:
Zitat von Kyrosch Beitrag anzeigen
Und 2. habe ich das Ruhrgebiet weder aus Metropole noch als Provinz bezeichnet, ich habe ausgeführt, "dass das Ruhrgebiet sich auf den Weg gemacht hat, Metropole zu werden".
Das habe ich auch nicht so verstanden und ging ja auch klar aus Deinen Ausführungen hervor. Aber offen geblieben hast Du dabei gelassen, was es nun wirklich ist. Was ist Deine Meinung?

Geändert von Turmbauer (16.07.08 um 14:02 Uhr)
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Alt 16.07.08, 12:00   #22
Bewacher
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Bewacher hat die ersten Äste schon erklommen...
Das Postbank-Hochhaus...

...mit 91,59m Höhe feierte kürzlich seinen 40-ten Geburtstag. Die WAZ vom 15. Juli 2008 veröffentlicht eine Würdigung. Zeitweise standen ab 2001 einige Etagen leer und es habe Abriß-Überlegungen gegeben, aber derzeit sei das HH vollständig vermietet. Das Lever House in N.Y.C. sei sein architektonisches Vorbild.

Nachtrag: Leider zu spät bemerkt...
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Alt 16.07.08, 13:44   #23
Kyrosch
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Kyrosch hat die ersten Äste schon erklommen...
Zitat:
Zitat von Turmbauer Beitrag anzeigen
....Aber offen geblieben hast Du dabei, was es nun wirklich ist. Was ist Deine Meinung?
Tja, lieber Turmbauer, „was ist es wirklich“? unser Ruhrgebiet. Wenn ich Dir diese Frage mal so einfach beantworten könnte, wie Du sie gestellt hast. Hierüber werden Diplom- und Doktorarbeiten verfasst und Du willst eine kurze knackige Antwort.
Ich gebe mein Bestes, wohlwissend, dass alles, was ich schreibe, mehr Fragen aufwerfen wird, als das es Antworten gibt.
Was ich inhaltlich unter einer Metropole verstehe, habe ich weiter oben angerissen und skizziert. Was ich nicht erwähnt habe, ist die Frage, Metropole im Vergleich wozu? Beispiel: Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen etc. sind heute schon selbständig Metropolen – nordrhein-westfäliche Metropolen. Sie sind Metropolen von und in Nordrhein-Westfalen, das dürfte unstrittig sein. Sind es aber auch deutsche Metropolen? Da kämen mir erste leise Zweifel.
Köln und Düsseldorf sind nordrhein-westfäliche Metropolen, hier würde ich schon eher zustimmen, wenn die Frage aufkäme, ob es auch deutsche Metropolen sind.
Sind Düsseldorf und Köln aber auch europäische Metropolen? Hamburg, Berlin, ja da würde ich im europäischen Maßstab noch zustimmen, aber Köln europäische Metropole? Oder Düsseldorf? Auch hier würde ich wieder zucken.
Und dann, Du ahnst es schon, fehlt nur noch der Bezug zu Weltmetropolen.
Entschuldige diesen Exkurs, aber das muss klar sein, wenn man festlegen will, wer oder was eine Metropole ist.
„Was ist es wirklich“? Und damit kommen wir zum ersten Problem des Ruhrgebietes, wer oder was sind wir wirklich? Uns ist nämlich ein Teil unserer Identität abhanden gekommen. Das uns alle Verbindende, Gemeinsame, der Bergbau, die Stahlindustrie, die Schrebergärten, die Tauben und anderes ist weggebrochen. Und so nimmt es nicht Wunder, dass die Verantwortlichen der einen Stadt ihre Zukunft darin sehen, Metropole Westfalens zu werden, die anderen sehen ihre Zukunft im Sauerland, wieder andere sehen sich im Münsterland oder lieber als Appendix von Düsseldorf am Niederrhein. Und so gibt es starke Zentrifugalkräfte.
Und nun gibt es auf der anderen Seite sehr starke Kräfte, die dieses Vakuum durch identitätsstiftende Projekte zu kompensieren versuchen. Eines dieser Projekte findet am Wochenende in Dortmund statt, ein anderes ist die Kulturhauptstadt 2010. Es gibt aber noch ganz andere Projekte, z. B. den Emscher Landschaftspark, ein sehr identitätsstiftendes und über sehr viel Jahre angelegtes Projekt mit entsprechender Nachhaltigkeit.
So, und nun hat die Landesregierung eine Verwaltungsstrukturreform für die nächste Legislaturperiode angekündigt. Das wird etwa gegen 2012/ 2013 umgesetzt werden. Hiervon hängt vieles (ich sage sogar alles) ab. Und danach wäre es für mich sehr viel leichter, Deine Frage zu beantworten.
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Alt 16.07.08, 14:52   #24
Turmbauer
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Nun lieber @Kyrosch,

vielen Dank für Deine Mühe. Es war mir klar, dass man, um diese Frage überhaupt beantworten zu können, weit ausholen und erst grundsätzliche Definitionen heranführen muß, um daran vielleicht die Lage im Ruhrgebiet versinnbildlichen zu können. Und mir viele da eben auch nur der Begriff Städtelandschaft ein. Als ein einheitliches Gebilde sehen es bestenfalls die Bürger und einige Wirtschaftsförderer auf der MIPIM oder Expo Real, aber die Politiker aus den von mir unter #20 beschriebenen Gründen nicht.

Was die Definition des Begriffs Metropole angeht, kann man in Wikipedia eine Antwort bekommen, welche zwar einen Rahmen zieht, aber durchaus flexibel gehandhabt werden kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Metropole

Danach sind Essen und Dortmund, wie Du schon schriebst, in der Tat Metropolen. Im Gegensatz zu Dir sehe ich sie auch als Deutsche Metropolen, weil sie in einigen Bereichen durchaus in der deutschen Spitze stehen. Der Unterschied zu beispielsweise Düsseldorf oder Köln ist nur der, dass diese Städte in Deutschland auch als Metropole wahr genommen werden. Das geht aber nicht unisono damit, dass Essen und Dortmund es daher nicht sind.

Wir sind uns ja weitgehend einig darüber, dass eine neue Verwaltunkstrukturreform für das Ruhrgebiet her muß und ich hoffe sehr, dass die Politiker ihr Versprechen und Beschlüsse einhalten. An Stelle des Verbundes soll ja der Regierungsbezirk Ruhr stehen. Das wird die Entwicklung dieser Region beschleunigen, an deren Ende eine vereinte Stadt im Zentrum und eine Metropol-Region im Umland (den jetzigen Grenzen des Ruhrgebietes) stehen könnte. Und nur dann sehe ich auch die Chance, das Kirchturmsdenken zu begraben. Argumentiert habe ich das ja ebenfalls unter #20. Und nur bei einem Regierungsbezirk Ruhrgebiet, da gebe ich Dir Recht, lässt sich die Frage nach einer Definition für das Ruhrgebiet vielleicht beantworten.

Eine Gefahr, dieses Bestreben noch zu kippen sehe ich in der durch den Verlust von Bergbau und Industrie verloren gegangen Identität und dem damit Verbundenen Willen, sich eine neue zulegen zu wollen. Beispiele hierfür hattest Du ja schon genannt. Wobei sich hier Dortmund und Essen bereits positioniert haben und Duisburg nicht weiß, ob es nun zum Rheinland oder dem Ruhrgebiet gehören will. Da beides auf die Stadt zutrifft, macht es die Entscheidung in diesem Falle nicht einfacher. Auch hier könnte der neue Regierungsbezirk die Frage beantworten, wie ich denke.
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Alt 17.07.08, 00:35   #25
RiCoH
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Städtebarometer 2008

Unternehmer bewerten ihre Stadt: Essen landet auf Platz 15 von 20 Städten.
http://www.staedtebarometer.de/homepage
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Alt 17.07.08, 12:27   #26
Turmbauer
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Ich möchte es gerne mal allgemein formulieren und gar nicht unbedingt bezogen auf diese Bewertung verstanden wissen:

Zahlen und Fakten lügen nicht. Aber es kommt in erster Linie auf den Blickwinkel und auf die Aussage an, die eine Statistik bewirken soll.

Sprich: Wer will was mit einem Ranking erreichen und welche Basics liegen zugrunde?

Man kann es sehen wie man will, aber meiner Meinung nach gibt es immer noch so was wie gesunden Menschenverstand und eine gefühlte Statistik. Das sollte uns dazu ermächtigen, jede Statistik oder jedes Ranking genaustens zu hinterfragen, bevor wir es einfach so akzeptieren. Wie meinte einst Winston Churchill: "Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe."

Was mir bei den Rankings der letzten Zeit so durchgeht ist, dass es keine Berücksichtigung findet, dass Essen eine prosperierende Stadt ist, in der zur Zeit über 1,5 Milliarden Euro verbaut werden. Wenn es z.B. um die Perspektive und das Entwicklungspotenzial der Stadt geht, wird dies sehr deutlich. Denn hier schneidet die Stadt nur mittelmäßig ab.
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Alt 17.07.08, 14:56   #27
Kyrosch
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Cui bono ?
Es sind sogar mehr als 2 Mrd. €, lieber Turmbauer. Und diese Zahl ist valide.
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Alt 17.07.08, 15:05   #28
ApplicantX
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Momentan sind ja das schönste in Essen die Autobahnen
--kann man schnell raus
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Alt 17.07.08, 17:21   #29
Kyrosch
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Aktuelles Investitionsvolumen in Essen

Ich habe mir einmal die kleine Mühe gemacht, die wichtigsten Essener Baustellen und ihre Investments aufzulisten, damit einmal klar wird, in welchen Dimensionen wir uns hier in Essen wirklich bewegen.
Und das ist meine erste Baustelle: das Universitätsviertel. Und bevor jemand Einspruch erhebt, diese Baustelle ist längst begonnen (Seniorenhaus ist bereits fertig gestellt, die Einrichtung der Baustelle hat längst begonnen, im Oktober geht es mit dem Park weiter, die politischen Entscheidungen sind gefällt, etc.) Seriösen Quellen zufolge ein Investment von 500-600 Mio. €, Zeitraum etwa bis 2015. Ich lege 500 Mio. € bei meinen Überlegungen zugrunde.
Renaturierung der Emscher und ihrer Nebenflüsse (Stichwort: Wege zum Wasser) 360 – 440 Mio € alleine in Essen, ich lege 400 Mio. € zugrunde ergibt bis hierher 900 Mio €.
Universitätsklinikum Essen 300 Mio. €, sind in Summe 1,2 Mrd. €.
ThyssenKrupp: Hier war anfänglich von 200 Mio. € die Rede, diese Zahl stimmt längst nicht mehr, es werden 300 Mio. €, diese Zahl gilt als valide. Ergibt in Summe 1,5 Mrd. €.
Wie bei ThyssenKrupp gilt auch das Zahlenwerk der EON-Ruhrgas als völlig überholt, hier war eingangs von 100 Mio. € die Rede, es werden 200 Mio. €, diese Zahl gilt heutigen Erkenntnissen zufolge als valide. Macht in Summe 1,7 Mrd. €.
Bleiben noch 300 Mio. € für das Einkaufszentrum Limbecker Platz, macht summa summarum schon bis hierher 2 Mrd. €, also 2000 Mio. €
So, hier nun das bis hierher nicht einmal erwähnte „Kleinvieh“: Hbf (60), Folkwang Museum (55), Glückaufhaus (50), Rathaus Galerie (40), RWE-Energie-Quartier (40), Kristall-Kap-Haus (20), Intercity-Hotel (13). Alleine dieses „Kleinvieh“ (unendlich viele deutsche Städte würden über jede einzelne dieser Investments jubeln) ergibt noch einmal in Summe 278 Mio €.
Nicht mit eingerechnet habe ich die Marina (80), das Stadion (32) und die Designstadt (80-100 Mio. €). Baustellen und Investments, von denen ich zutiefst überzeugt bin, dass sie in den nächsten Tagen, Wochen, spätestens jedoch im Frühjahr 2009 stehen.
Und alles, was ich jetzt noch vergessen und nicht aufgeführt habe, ist „nice to have“. Auf jeden Fall habt Ihr hier ein valides Zahlenwerk, mit dem Ihr selbstbewusst auftreten und argumentieren könnt.
Kyrosch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.07.08, 08:52   #30
Turmbauer
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Turmbauer könnte bald berühmt werden
Vielen Dank Kyrosch!

Mit diesen Zahlen müsste Essen bei diversen Rankings ja eigentlich wesentlich besser abschneiden, wenn es um die Beurteilung nach Entwicklungspotenzialen, Wirtschaftswachstum, Perspektiven etc. geht
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