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Alt 11.02.09, 18:28   #16
Dvorak
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Dvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfachDvorak braucht man einfach
Bis auf die FWK steht aber praktisch alles noch oder? Zu dem Zeitpunkt erkennt man schon das hinter dem Palais zwischen Laves-Haus und Leineschloss dieses neue Ministerium gebaut wurde, da standen auch mal Gebäude die abgerissen wurden. Aber seitdem hat sich doch nix mehr veränder sehe ich das richtig?

Die Laves-Fassaden jetzt auf einen Neubau zu übertragen fände Ich unter allen Alternativen eigentlich die schlimmste. Für mich muss ein Landtagsbau zuallerserst ein Symbol sein, denn nur mit Symbolen repräsentiert sich eine (Staats)macht. Daher kommt ja auch der Wunsch nach symbolischer Transparenz in Form von Glas bei den Herren Bullidigern. Würde man die klassizistischen Fassaden nachahmen wäre das wohl die (symbolische) Bankrotterklärung unseres Landes.

@T.W.: Der Oesterlen-Bau fällt finde Ich auch kaum auf, wenn man aus Richtung "Altstadt" kommt. Zum einen läuft man schräg über den Platz auf den Portikus, zum anderen kann man nicht die ganze Front des Landtages auf ein Foto bekommen, dafür stehen da zuviele Bäume. Es würde auch wenig Sinn machen, zu versuchen den Oesterlen-Bau zusammen mit dem Portikus auf ein Foto zu bekommen, weil ein Baum direkt an der Schnittstelle der beiden da eh verhindert. Das ist so aber auch von Oesterlen gewollt, da er den Portikus (über)betonen wollte und dessen optischen Eindruck nicht verändern wollte.
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Alt 12.02.09, 20:55   #17
schorse
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Im Prinzip ja. Ich erkenn keinen Unterschied mehr zu heute. Zwischen Laves-Haus und Schloß wurde glaub ich nichts abgerissen, da sind Bomben raufgefallen.

Mit den Symbolen habe ich Probleme. Der Plenarsaal ist nicht der Gründungsort des Landtages. Er ist schon gar kein Symbol an sich. Die Architektenschaft interpretiert hier zuviel Symbolkraft rein, die es faktisch nicht gibt.

Ich bin nicht unbedingt für einen Abriss, aber ich finde die Diskussion wird etwas falsch geführt.
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Alt 13.02.09, 00:31   #18
T. W.
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T. W. sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von Dvorak Beitrag anzeigen
Die Laves-Fassaden jetzt auf einen Neubau zu übertragen fände Ich unter allen Alternativen eigentlich die schlimmste. Für mich muss ein Landtagsbau zuallerserst ein Symbol sein, denn nur mit Symbolen repräsentiert sich eine (Staats)macht. Daher kommt ja auch der Wunsch nach symbolischer Transparenz in Form von Glas bei den Herren Bullidigern. Würde man die klassizistischen Fassaden nachahmen wäre das wohl die (symbolische) Bankrotterklärung unseres Landes.
Natürlich kommt es letztlich drauf an, wie die Sache durchgeführt wird, aber ich kann einer Transparenzlösung grds. nicht viel abgewinnen. Wenn schon Symbolik, dann nicht so platt und unoriginell. Für mich sollte ein öffentlicher Bau in zeitloser Form repräsentieren. Das läßt sich mit klassizistischen Fassaden gut erreichen. Für die Symmetrie würde wohl ohnehin eine Frontfassade genügen. Die anderen Seiten dann modern zu gestalten und mit einer solchen Fassade zu verbinden, scheint mir angesichts der durch das ganze Land gehenden Rekonstruktionsdiskussionen auch nicht von gestern zu sein. Dagegen sollte die Mode der Glasfassaden allmählich mal zuendegehen.
- Aber ich lehne mich als Ortsfremder hier zu weit aus dem Fenster!

Zitat:
Zitat von Dvorak Beitrag anzeigen
@T.W.: Der Oesterlen-Bau fällt finde Ich auch kaum auf, wenn man aus Richtung "Altstadt" kommt. [...] Das ist so aber auch von Oesterlen gewollt, da er den Portikus (über)betonen wollte und dessen optischen Eindruck nicht verändern wollte.
Danke für die Klarstellung.
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Alt 13.02.09, 02:44   #19
Ben
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Ich weiß auch nicht, was an Transparenz noch symbolisch ist. Da wär eine Weiterführung des originalen Bauplans symbolischer...Dass man sich auf die Wurzeln des Landes beruft oder so - auch wenn das den nicht auf dem Gebiet des Königreichs lebenden Niedersachsen wohl nicht zusagt . Aber das mal beiseite...Jeder gläserne No-Name-Neubau wird jedoch für seine Transparenz gepriesen. Es wär ein Glaskasten, wie so viele heute. Aber es gäbe nur ein (vollendetes) Leineschloss, auch wenn sich die klassizistischen Fassade zugegebenermaßen ebenfalls nicht groß von anderen Fassade dieser Epoche unterscheiden. Aber die Symbolik würde dann wohl eher in der Vollendung stecken. Niedersachsen wäre vollendet, komplett, was auch immer und nicht ein Land, wie es in jeder Fußgängerzone steht . Aber ok, soweit wirds wohl eh nicht kommen.
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Alt 13.02.09, 08:39   #20
schorse
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@Ben: Is richtig was Du sagst. Das mit dem Glas ist totaler Schwachsinn. Heute steht ein Leserbrief in der Zeitung, dass in England kein Glas da ist, trotzdem ist die Demokratie sehr alt und intakt.

Das mit dem Glas haben sich die Politiker in Kiel abgeschaut. Ich glaube, die wollen 1:1 den Landtag kopieren. So ähnlich hatte es Dinkla jedenfalls durchblicken lassen (vor Monaten hatte eine Delegation diesen besichtigt).

Das Schloss vollenden wäre architektonisch die sauberste Lösung. Da werden die Architektenverbände allerdings Sturm gegen laufen. Das Schloß Herrenhausen wollten sie ja auch verhindern.
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Alt 13.02.09, 16:10   #21
T. W.
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Man könnte ja auch das Leineschloß abreißen und, wenn dann tabula rasa ist, sich bei der Neugestaltung des Landtags am Kieler Schloß orientieren.

Bild (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/w/index.php?...20070415151200

Geändert von T. W. (13.02.09 um 21:08 Uhr)
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Alt 20.02.09, 09:49   #22
schorse
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Es gibt jetzt doch noch 180 Grad-Wendungen. Ich dachte die Politik hält es nicht durch, heute berichten jedoch die hannoverschen Tageszeitungen, dass fast alle Fraktionen den Abriss jetzt-erst-recht durchziehen wollen. Ohne Kompromisse.

Präsident Dinkla beklagt sich, dass sich die Befürworter eines Abrisses nicht mal melden. Viele Politiker meinen, dass die Bürger den jetzigen Bau für eine Bausünde halten (in diesem Punkt stimme ich auch zu) und ihn nicht wertschätzen.

--

Dennoch ist das alles tragisch. Vor 40 Jahren haben die Politiker aus Gutdünken die FWK platt gemacht, um einen freien Blick zu haben. Jetzt machen die schon wieder, was sie wollen. Und warum wird die Landeshauptstadt nicht gefragt - es ist schließlich unser Stadtraum?
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Alt 20.02.09, 14:27   #23
Dvorak
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Also Dinkla vergreift sich mit solchen Worten in meinen Augen wirklich an demokratischen Grundsätzen! Wenn ein Politiker glaubt, die eigene Meinung sei nur deshalb nicht die öffentliche Meinung, weil "die schweigende Mehrheit" sich nicht äußert, dann zeigt er dadurch nur seine fehlenden Respekt vor dem Volk! (anderswo ist dieses der Souverän, von dem alle Macht ausgeht in Deutschland schon lange nicht mehr) Es ist nicht so, dass die Beführworter eines Abrisses sich nicht genügend zu Wort melden, es liegt nur kaum jemandem am Herzen ein Denkmal abzureißen. Wo ist diese Mehrheit? Wenn Dinkla sich so sicher ist, dass er allein Volkes Willen darstellt, dann soll er doch das Volk befragen und es beweisen!
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Alt 15.02.10, 16:47   #24
Schmittchen
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Realisierungswettbewerb entschieden

Der Realisierungswettbewerb "Neukonzeption des Plenarbereichs - Niedersächsischer Landtag" ist entschieden. Ende vergangener Woche kürte die Jury unter Carl Fingerhuth (Zürich) folgende Preisträger:

1. Preis: Eun Young Yi, yi architects, Köln
2. Preis: Walter Gebhardt, Hamburg
3. Preis: Martin A. Müller, Hannover

Modellfoto 1. Preis:

Bild: Dr. Kai Sommer, Niedersächsischer Landtag

Weitere Bilder des 1. Preises: Außen ... Modellfoto ... Innen

Trotz aller Kritik wird der unter Denkschutz stehende alte Plenarsaal, in den 1960ern von Dieter Oesterlen entworfen, nun voraussichtlich abgerissen. Der Neubau, das Baunetz beschreibt ihn als eine "Art Glastempel in Pavillonstruktur", ist als Solitär geplant. Zum klassizistischen Rest des Leineschlosses hält der Neubau Abstand. Der neue Plenarsaal wird unterirdisch mit dem Leineschloss verbunden.

Die Bauarbeiten sollen im Spätherbst 2010 beginnen. 45 Millionen Euro sind für den Neubau angesetzt, auch eine Tiefgarage und ein Restaurant sind geplant (Quelle). Der eigentliche Plenarsaal wird aus Glasbausteinen bestehen. Damit soll das neue Gebäude "ein Symbol für Transparenz und Freiheit" sein.
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Alt 16.02.10, 19:03   #25
Dvorak
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Ein Symbol wird da tatsächlich gebaut. Denn jetzt ist nicht mehr das Leineschloss der Niedersächsische Landtag, sondern ein Pavillion, wie er in jedem gut sortierten Gewerbegebiet stehen könnte. Das Land Niedersachsen steht jetzt nicht mehr in der Tradition des Landes Hannover und der Welfischen Linie von Hannover, sondern nur noch in einer Stahl-Glas-Tradition der erwungenen, demokratischen möchtegern Transparenz. Gewinner sind eigentlich nur Oldenburg und Braunschweig, denn jetzt ist Hannover nicht mehr Landeshauptstadt, sondern Standort des Landtages. Zu lustig, dass sozialdemokratische Regierungen eingesehen haben, dass man einen Staat in auf seiner Geschichte aufbauen muss, eine konservative Regierung aber eher zum eigenen kurzfristigen Wohl auf Konservativismus völlständig verzichtet.

Abgesehen davon ist die Architektur eher untermittelmäßig. Im Maßstab 1:500 noch halbwegs ansehnlich, merkt man sicher in der näheren Betrachtung, das ein Restaurant zur toten Leineseite, eine Tiefgarageneinfahrt zur Stadt, und ein unterirdischer Eingang zum Schloss hin alles andere als optimal sind.
Ein Blick auf die Bibliothek 21 in Stuttgart ebenfals von Eun Young Yi zeigt schon eine verdammt monotone Architektur-Auffassung. Das gleiche Konzepot und die gleichenh Materialien kann man nicht so einfach auf verschiedene Bauaufgabenh anwenden, das Parlament ist die höchste Bauaufgabe, und sicher nicht zu vergleichen mit einem einfachen Bibliotheks, besser Büchereibau. Schlimmer kann man Mies van der Rohe nicht missverstehen und billig immitieren.

Am Sonntag bin ich in Hannover und schaue mir die ganze Ausstellung an. Bis dahin feier ich verlängerten Karneval und Singe "Braunschweig ist viel schöner als Hannover" ganz besonders laut.
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Alt 16.02.10, 19:20   #26
Konstantin
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Konstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle Zukunft
Deine Beobachtung in puncto "konservative Politiker" kann ich nur teilen.

In Berlin hat mit Monika Grütters (Vorsitzende Kulturausschuß Bundestag, CDU) als erstes eine "konservative" Politikerin vorgeschlagen die Staatsoper Unter den Linden im Inneren modern umzugestalten. Erst die Denkmalpflege hat die alte Paulick-Fassung gerettet.

Und das z. Zt. größte architektonische Mainstream-Projekt Deutschlands, der Würfelhusten formally known as "Hafencity" ist auch von CDU-Mannen angeschoben worden.

Also bleibt die alte, etwas zynische Weisheit: Revolutionen zusammenschießen und Schlösser wiederaufbauen kann man eben nur mit Sozis.
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Alt 17.02.10, 09:06   #27
k-roy
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mal aus HAmburg rübergelugt, da ist grad nix los

Zitat:
Zitat von Konstantin Beitrag anzeigen
Und das z. Zt. größte architektonische Mainstream-Projekt Deutschlands, der Würfelhusten formally known as "Hafencity" ist auch von CDU-Mannen angeschoben worden.
Diese Darstellung ist falsch, da es sich eher um eine weltweite Bewegung der Umstrukturierung von brachliegenden Hafenflächen handelt, und zudem auf die Initiative von dem damaligen Oberbaudirektor Kossak und dem ehemaligen SPD Bürgermeister Voscherau zurückgeht.

Zitat:
Zitat von Konstantin Beitrag anzeigen
Also bleibt die alte, etwas zynische Weisheit: Revolutionen zusammenschießen und Schlösser wiederaufbauen kann man eben nur mit Sozis.
Das eigentlich zynische wäre heutzutage der Wiederaufbau.
Da hat Braunschweig mit seinem ECE-Schloß doch ganze Arbeit geleistet.

Im Kern scheint die Kritik an der Strukturierung des Neubaus von Dvorak aber zuzutreffen - wobei die Materialwahl neu, aber dennoch höchst kritikwürdig ist : Glasbausteine sind ja nur scheinbar transparent, meistens aber Energiefresser, und ausserdem in der Optik eine unnötige Reminszenz an vergangene Jahrzehnte.

Wer sich allerdings über die Metapher "Glas als transparenter Baustoff der Demokratie" oder so- mokiert, sollte sich mit der Geschichte politischer Bauten in Deutschland beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes, spannendes Thema.
k-roy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.03.10, 21:59   #28
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Zitat:
Zitat von Dvorak Beitrag anzeigen
Im Maßstab 1:500 noch halbwegs ansehnlich, merkt man sicher in der näheren Betrachtung, das ein Restaurant zur toten Leineseite, eine Tiefgarageneinfahrt zur Stadt, und ein unterirdischer Eingang zum Schloss hin alles andere als optimal sind.
Das ist falsch bzw. überholt: Der Architekt hat von der Jury den Auftrag bekommen, nachzubessern. So dieser Entwurf gebaut wird, kommt die Garageneinfahrt anderswo hin (oder fällt aus Kostengründen weg), das Restaurant, das zur Zeit übrigens genauso tot ist, soll sich zur Straße hin öffnen, und der Durchgang zwischen Plenarsaal und Schloss ist nicht unterirdisch, sondern ebenerdig - die Gebäudeteile sollen durch eine breite Treppe verbunden werden, die vom Pavillon in das Foyer hinter dem Portikus hinaufführt. Das Missverständnis rührt sicher daher, dass der Oesterlen-Saal auf der Hauptgeschoss-Ebene des Leineschlosses liegt, der Yi-Entwurf ihn aber auf Straßenebene absenken will.
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Alt 14.03.10, 00:58   #29
Dvorak
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Das Restaurant an diese Stelle zu setzen war eine Forderung des Bauausschausses des Landtags, und das nicht erst seit gestern, sondern so lange ich mich erinnern kann. Es wurde mehrfach offiziell darauf hingewiesen, dass man sich einen Standort nicht an der Leine nicht vorstellen kann. Ich finde das zwar gut, dass man jetzt mal nachbessert, aber so klar ist mir noch nicht, wie das am Ende aussehen soll.

Bei der Garageneinfahrt soll wohl gezaubert werden, anders kann ich mir nicht erklären, wie man diese woanders realisern möchte. Die einzigen Alternativen sind das Leineufer und die Lücke zwischen Schloss und Landtag, das wäre beide Male vom Regen in die Traufe. Zwischen Schloss und Landtag kommt man mit einer Rampe nicht unter den (ebenerdigen) Durchgang, außerdem tut man dem Portikus so schon genug Gewalt an, da muss man nicht noch eine TG-Einfahrt daneben setzen, das Leineufer kann man nicht ernsthaft für eine Tiefgarageneinfahrt nutzen, eine Lösung im Gebäude ist schwierig wegen des Plenarsaals der über alle Ebenen geht. Auf die Teifgarage wird man denke ich aber auch nicht verzichten wollen, schließlich ist die eine der Hauptforderungen weshalb man neu bauen müsse.

Meinetwegen ist der Durchgang nicht unterirdisch, sondern ebenerdig. Er hat aber keine Fenster und ist von zwei Seiten durch Treppen verbaut. Oberlichter werden schwierig, weil man das Dach betreten kann. Das kann man hier im Hintergrund auf den Schnitten erahnen.
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Alt 19.03.10, 00:10   #30
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Zum Entwurf:

Ich habe mir im Landtag den überarbeiteten Entwurf angeschaut. Änderungen sind, soweit ich sehe, folgende:

1. Der ganze Bau wird ein oder zwei Säulen schmaler; rückt also ein Stück von der Karmaschstraße ab. Die Büros, die dort geplant waren, entfallen, wodurch man von Außen Einblick in den Plenarsaal bekommen soll. Das Sockelgeschoss bleibt zwar steinern, erhält aber breite, bodenlange Fenster.

2. Die Garageneinfahrt kommt in die Leinstraße (bzw. Kopf-Platz, weiß immer nicht, was da was ist) zwischen den Plenarbau und das rote Backsteingebäude. Schön ist so eine Einfahrt zwar nie, dort aber noch am ehesten zu verschmerzen - zur Zeit sind dort halt Parkplätze.

Auf den Plänen im Landtag kann man gut erkennen, dass der Durchgang zwischen Lavesbau und Pavillon von zwei Seiten Licht bekommen wird: Zum einen durch Oberlichter in der Besucherterrasse zwischen den Gebäuden, die wohl aus Glasbausteinen bestehen und begehbar sein werden; zum anderen vom Lichthof hinter dem Portikus - von dort soll eine Treppe zum Sockelgeschoss hinunterführen, die die gesamte Breite des heutigen Plenarsaals einnimmt.

Zu den Pros & Cons:

Was Deine Kritik am Neubau angeht, lieber Dvorak, bin ich übrigens unschlüssig. Einerseits tut es mir um den Oesterlen-Bau leid, denn er hat - vor allem in der Lobby mit ihrer schönen Verbindung von Holz und Marmor - durchaus seine Qualitäten. Andererseits finde ich aber, dass er gerade die städtebauliche Einbindung und die Verbindung zum Leineschloss nur mittelmäßig hinbekommt. Er wirkt angeflanscht und scheint im Vergleich zum Westflügel des Schlosses abzusaufen. Zum Osten hin verschwindet er hinter der bepflanzten Brachfläche namens "Platz der Göttinger Sieben" und zum Norden hin hinter dem erwähnten Backsteinblock. So ist er schlicht nicht präsent, wenn man die Karmaschstraße hinunterfährt oder -läuft; zu unauffällig für ein derart zentrales Gebäude - und komm mir jetzt bitte niemand mit der "Bescheidenheit der jungen Demokratie", die darin zum Ausdruck käme; das ist genauso blöd wie das Gerede von "Transparenz und Offenheit", die ein Staat demonstriere, wenn sein Parlament Fenster hat.

Die städtebaulichen Fragen beantwortet Yi m.E. besser als Oesterlen: Von der Kubatur her entspricht sein Entwurf dem, was schon zu Königs Zeiten anstelle des nie gebauten Ostflügels geplant war. Er bildet ein Gegengewicht zum Westflügel, rückt näher an die Karmaschstraße heran und klebt nicht mehr am Leineschloss - Plenartrakt und Schloss bleiben über das gemeinsame Sockelgeschoss und die identische Traufhöhe als Einheit verbunden, und gleichzeitig wird das Schloss wieder in seiner historischen Form erkennbar. Die Befürchtung, es würde durch den Neubau abgewertet, teile ich ganz und gar nicht - eher wird das Gegenteil der Fall sein.
Noch dazu besteht durch eine Besucherterrasse samt Café (im Hauptgeschoss), die sich vor allem zur Leine, aber auch zur Karmaschstraße hin öffnet, endlich die Chance, dieses gottverlassene Areal mit jenen Besuchergruppen zu bevölkern, die derzeit vor dem Portikus rumhängen und sich die Beine in den Bauch stehen.

Aber: Ob der Pavillon selbst gute Architektur wird oder nicht, da bin ich mir noch nicht sicher. Ich glaube, das Potential dazu hat er, aber genauso besteht die Gefahr, dass er am Ende nach dem x-beliebigen Protzbau irgendeines Konzerns aussieht. Vieles hängt von Details ab, die auf den Plänen nicht zu erkennen sind, vieles von den verwendeten Materialien. Wie wird die derzeit nicht existente Ostwand des Leineschlosses aussehen? Welches Material wird für die Säulen verwendet; welches für das Sockelgeschoss? Wie ist die Glasfassade aufgehängt bzw. gerahmt? All das spielt eine gewaltige Rolle für den Eindruck, den der Bau später hinterlassen wird - Glasbausteine sind nicht gleich Glasbausteine, und ein strapazierfähiger Teppichboden ist zwar praktisch, aber beileibe kein Eichenholzparkett. Ich glaube, Erfolg oder Scheitern dieses Projekts hängt genau an solchen Fragen - und ich fürchte fast, dass der Bauherr alles verhunzen wird, weil er aus politischen Gründen versucht, die Kosten tiefer zu drücken, als ein meiner Meinung nach guter, aber keineswegs herausragender Entwurf es verkraften kann.

Gruß
Das Architektenkind
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