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Alt 18.07.11, 08:20   #91
Fizgig
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Hmm, wenn das stimmt und von den entsprechenden Behörden bestätigt wird, kann das der entscheidende Durchbruch für dieses Gelände sein. Denn nur durch einen Totalabriss kann meiner Meinung nach dort Stadtreparatur geleistet werden, die auch funktioniert.
Trotzdem liest sich das ein wenig wie ein Gefälligkeitsgutachten, damit die Investoren einen Grund für den Abriss bekommen. Vielleicht überprüft die Stadt auch nicht sooo streng, weil sie eigentlich den Bau auch nicht erhalten will.
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Alt 18.07.11, 09:15   #92
RMA
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RMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle Zukunft
Wundern tut mich das Ganze nicht, steht das Gebäude doch auf dem Braubachmoor, das sich durch die ganze südliche Altstadt zieht. Die Altstadtgassen, die sich über das Gelände zogen, hatten erhebliche Steigungen und Gefälle, die dies ausglichen. Die kleinen Fachwerkhäuschen hatten geringere Grundflächen und verziehen aufgrund ihrer Konstruktion auch schonmal diesen Untergrund. Dies ist bei einem monolithischen Baukörper solcher Größe natürlich nur mit erheblichen Mehraufwand zu bewältigen. Den wollte man sich in der Ruckizucki-Wiederaufbauzeit wohl nicht machen.

Dass das Gebäude zur Identität von Frankfurt gehören soll (lt. Zeitungsartikel), zeigt mal wieder die Elfenbeintürme, in denen sich mancher Denkmalpfleger in seiner Behörde befindet. Wer identifiziert sich denn mit einem Gebäude, das seit mehr als zehn Jahren leer steht? Wer identifiziert sich denn mit einem Gebäude, das in einer absolut toten Ecke der Stadt steht und für den Bürger null praktische Bedeutung hat? Einer gewissen Komik entbehrt das Ganze dann auch nicht, wenn ein nach heutigen Maßstäben illegal errichtetes Gebäude Teil der städtischen Identität sein soll...
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Alt 18.07.11, 09:56   #93
Wikos
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Wikos befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ein vollständiger Abriss des ehem. Bundesrehnungshofes wäre in der Tat zu begrüßen. Das Gebäude steht wie ein Fremdkörper im Stadtgefüge und steht ein angemessenen Nutzung vollends im Wege.

Ein solches Gebäude überhaupt unter Denkmalschutz zu stellen ist ein Treppenwitz der Nachkriegszeit. Die jederzeitige Reproduzierbarkeit eines Gebäudes, an jedem Ort der Welt, ist untrennbar mit der Moderne verbunden. Das unterscheidet die Bauten der Moderne von Bauten des Historismus. Das sollten vor allem die akzeptieren, die immer zu die Vorteile von modernen Bauten propagiert haben.
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Alt 18.07.11, 11:02   #94
Xalinai
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Xalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiell
Sollte der Bundesrechnungshof tatsächlich so mürbe sein, dann ganz klar weg damit - wenn nicht spricht noch immer einiges für einen Abriss.

Aber das hier ist so flach und platt wie falsch:
Zitat:
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Die jederzeitige Reproduzierbarkeit eines Gebäudes, an jedem Ort der Welt, ist untrennbar mit der Moderne verbunden. Das unterscheidet die Bauten der Moderne von Bauten des Historismus. Das sollten vor allem die akzeptieren, die immer zu die Vorteile von modernen Bauten propagiert haben.
Es gibt auch Gebäude der Moderne, die ausschließlich an dem Ort und in dem Kontext wirken können, in dem sie entstanden sind. Und dass die Reproduzierbarkeit von Gebäuden lediglich eine Frage der Kosten und ihrer Dokumentation ist, zeigt die Rekonstruktion der Altstadthäuser. An jedem Ort der Welt: Man hätte die Frankfurter Altstadt auch im Hessenpark rekonstruieren können (Dort darf sie aber nicht hin, weil dort nur Orginale ausgestellt werden).

Kontextabhängig wären zum Beispiel die Kranhäuser in Köln, La Grande Arche in La Defense/Paris, einige Häuser von Frank Lloyd Wright - alles Dinge, die sich entweder auf einen historischen oder geografischen Kontext beziehen, oder die genau für einen bestimmten Ort entworfen wurden. Die Liste lässt sich jederzeit noch verlängern.

Natürlich kann man das Empire State Building auf einer schweizer Alm nachbauen. Es ist dort dann aber ebenso fehl am Platz und ohne seinen Kontext wirkungslos, wie eine Rekonstruktion des Roten Hauses auf Helgoland.
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Alt 18.07.11, 11:39   #95
Golden Age
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Ich glaube erst an den Wahrheitsgehalt dieser Meldung, wenn die Abrissbagger den Großteil des Gebäudes abgetragen haben. Es wurde schon so oft von hochtrabenden Plänen und kühnen Visionen gesprochen, aber immer wieder wurden die Hoffnungen enttäuscht oder durch die Finanzkrise zunichte gemacht. Sobald die Arbeiten des Denkmalamts des Landes und das der Stadt Frankfurt, sowie die mögliche Auslobung eines neuen Architekturwettbewerbs abgeschlossen sind, wird die konjunkturelle Lage abzuwarten sein. Es sind also noch ausreichend Hürden vorhanden.

Rainer Schulze von der FAZ hat Recht, die Umgebung entspricht tatsächlich einer "fußgängerfeindlichen Hinterhofsituation". Eine nachhaltige Verbesserung der Immobilie kann daher nur mit einer deutlichen Aufwertung, Tempodrosselung und Einengung der Berliner Strasse einhergehen. Dann wären auch Kämmerei, Römer, Paulskirche, Karmeliterkloster und das neue Degussa-Areal auf neue Weise zugänglich.
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Alt 18.07.11, 11:49   #96
Chewbacca
 
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Wikos, findest du dann nicht auch, dass Barockschlösser irgendwie überall in Europa gleich aussehen?

Zum Rechnungshof: Es ist dies unter allen Beispielen die mir so für die Nachkriegsmoderne einfallen würden, sicher nicht das erhaltenswerteste. Leider sind da wesentlich bessere Beispiele schon der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Hier muss man sagen, dass unter Abwägung zwischen Denkmalschutz und sädtebaulichen Interesssen wirklich ein Abriss das Beste wäre. Das Gebäude hat nämlich nicht nur bauliche, sondern auch städtebauliche Mängel, und trägt weder optisch, noch funktional zur Aufwertung seiner Umgebung bei, in seiner derzeitigen Form auch nicht nach einer Sanierung und Umnutzung

Ob ein Gebäude zur Identität einer Stadt gehört, hat aber übrigens nichts damit zu tun, wie lange das Gebäude leerstand, oder unter welchen Umständen es entstanden ist. Ich möchte mal den Entrüstungssturm sehen, der hier losbräche, würde jemand diese Kriterien auf die für wesentlich mehr Geld wiederaufzubauende Altstadt anwenden würde.

Aber die Ideologen im Elfenbeinturm sind ja immer die anderen....
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Alt 18.07.11, 12:03   #97
RMA
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RMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle Zukunft
Zitat:
Man hätte die Frankfurter Altstadt auch im Hessenpark rekonstruieren können (Dort darf sie aber nicht hin, weil dort nur Orginale ausgestellt werden).
Können wir mal sachlich bleiben?

Zitat:
Wikos, findest du dann nicht auch, dass Barockschlösser irgendwie überall in Europa gleich aussehen?
Wenn's genug an kunstgeschichtlicher Bildung mangelt - sicher. Meine Oma kann auch eine gotische nicht von einer barocken Kirche unterscheiden. Dass dagegen die von Wikos angesprochene Reproduzierbarkeit und „Gleichheit“ (die sollte ja für die Menschen, die die Gebäude nutzen, ebenso gelten) ein expliziter Wunsch der klassischen Moderne war (Loos, Behne) und fortgesetzt ist, ist dir aber schon klar, oder?

Zitat:
Ich möchte mal den Entrüstungssturm sehen, der hier losbräche, würde jemand diese Kriterien auf die für wesentlich mehr Geld wiederaufzubauende Altstadt anwenden würde.
Wie soll man diese Kriterien auf etwas anwenden, hinter dem die Mehrheit der Bevölkerung steht? Hat jemand beim Bundesrechnungshof die Menschen gefragt, ob sie den wollen? Ansonsten könnte man noch die Ostzeile nennen, die nach 30 Jahren noch mehr an Zustimmung gewonnen hat als zur Bauzeit (damals war sie ja zugegeben umstritten) und neben dem Römer wohl zu dem Symbol Frankfurter Identität schlechthin geworden ist.
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Alt 18.07.11, 12:39   #98
epizentrum
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Das wird noch eine spannende Debatte. Das angesprochene Gutachten ist in jedem Fall eine Steilvorlage für alle, die einen Abriss des Gebäudes (bzw. der Gebäude) trotz Denkmalschutzes befürworten. Auch gibt die jetzt im Raum stehende Sanierungssumme einen psychologisch wichtigen Rahmen für mögliche, städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen. Politiker können damit wunderbar den kulturellen Verlust (Denkmal) gegen einen möglicherweise "kostengünstigeren" städtebaulichen Gewinn abwägen.

Die Kernprobleme des Areals sind altbekanntermaßen die folgenden:
  • Der Bundesrechnungshof steht subjektiv "im Weg"
  • Nord-Süd-Fußgängerquerungen über die Berliner Straße entlang des BRH-Areals fehlen. Die Berliner Straße bildet ein schwer überbrückbares Hindernis
  • Die Ost-West-Verbindungen sind für Fußgänger unattraktiv: Berliner Straße / Bethmannstraße / Münzgasse jeweils zur Weißfrauenstraße
  • Ähnliches gilt für Radfahrer sowohl in Nord-Süd- als auch in West-Ost-Richtung

Ein paar Dinge habe ich zusammengetragen, die bei vielen von uns auf der Wunschliste stehen dürften:
  • Nord-Süd-Fußgängerverbindungen schaffen (insb. vom Kornmarkt und von der Weißadlergasse)
  • West-Ost-Verbindungen aufwerten: Südseite der Berliner Straße richtig einfassen und für Fußgänger aufwerten. Nordseite Bethmannstraße dito
  • Westseite (südlicher) Kornmarkt für Fußgänger aufwerten
  • Den Platz vor dem Karmeliterkloster für Fußgänger aufwerten
  • Paulsplatz aufwerten
  • Radfahrer (aus Magistratsbericht B734): "Durchgängige Fahrbeziehung für Radfahrende zwischen Hauptwache und Untermainkai auf der Trasse Katharinenpforte - Kornmarkt - Buchgasse - Am Leonhardstor in beiden Fahrtrichtungen"

Es bieten sich unter anderem diese Möglichkeiten:
  • Theatertunnel (Gutleuttunnel) bis zur Kreuzung Berlinerstraße / Kornmarkt / Buchgasse verlängern - dieser Vorschlag fiel von einigen Seiten schon öfters, ist aber teuer. Die Kosten kann man jetzt schön gegen die Sanierungskosten von deutlich über 20 Mio. Euro abwägen
  • Tiefgarage unterhalb des Rechnungshofareals mit Zufahrt vom Tunnel und Platz für Touristenbusse bauen und Busparkplätze an der Berliner Straße entfernen. Eine Tiefgarage wird der Neubau sicherlich ohnehin haben. Eine Vergrößerung für Busse ist ebenfalls teuer, würde dem Paulsplatz aber zugute kommen
  • Fußgängerquerung von der Sandgasse über die Berliner Straße schaffen
  • Ebenso vom Kleinen Hirschgraben. Alternative: Von der "Heimat" (da durch Passagen sowohl mit dem Kleinen Hirschgraben als auch mit der Weißadlergasse verbunden)
  • Fußgängerbrücke über den (dann nicht mehr existierenden) Tunnelschacht durch ebenerdige Querung ersetzen
  • Durchquerung des BRH-Areals mittels einer Ladenpassage in Verbindung Kleiner Hirschgraben bzw. Weißadlergasse jeweils zu Blauhandgasse schaffen. Erstere würde an die Goldfischgasse, letztere an die Schüppengasse erinnern
  • Eine doppelte Zufahrt von der Weißfrauenstraße in die Münzgasse braucht niemand. Daher: Den direkten Übergang von der Weißfrauenstraße zur Münzgasse für Autos sperren, dafür aber die nördliche Bethmannstraße entlang Frankfurter Hof über die Berliner Straße mit östlicher Bethmannstraße verbinden, um dem Autoverkehr eine West-Ost-Achse von der Kaiserstraße an der Innenstadt vorbei zu schaffen - anstatt via Roßmarkt / Katharinenpforte bzw. via Salzhaus / Weißadlergassee und dann Kornmarkt auf die Berliner Straße)

Zur Veranschaulichung hier ein Kartenausschnitt mit den ganzen Straßennamen (Klicken für die Karte):


Karte: (C) OpenStreetMap and Contributors, CC-BY-SA (aus dafmap.de)

Siehe auch Wortprotokoll der Stadtverordneten, Tagesordnungspunkt (9), vom 22. März 2010. Themen u.a.:
  • Investorenfreundlichkeit
  • Abriss trotz Denkmalstatus
  • Wegebeziehungen

In jedem Fall dürfte es einen Abriss und Neubau nur dann geben, wenn sich dadurch die Situation vor allem für Fußgänger rund um das Areal verbessert - ob mit oder ohne Tunnelverlängerung.
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Alt 18.07.11, 12:42   #99
nachtgoblin
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Ich wäre wirklich erstaunt wenn im Falle eines Zusammenstürzens des Gebäudes eine Rekonstruktion erfolgen würde.

Da stehen sicher noch eine ganze menge dieser maroden kandidaten aus den 50ern.

Sollte man nicht schon aus Sicherheitsgründen das Gebäude vorzeitig abreißen? Sonst passiert vielleicht was ähnliches wie in Köln mit der Stadtbibliothek.

Wenigstens hätte man dann vielleicht mal einen Grund sämtliche 50er bauwerke mal genauer unter die lupe zu nehmen, wie es jetzt, wie ich finde zu spät, bei dem Bundesrechnungshof der Fall ist.

Geändert von nachtgoblin (18.07.11 um 13:13 Uhr)
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Alt 18.07.11, 13:18   #100
tscheibörd
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Lieber RMA, ich würde dir empfehlen deine Äußerungen nicht zu idealisieren: sie drücken nur deine Meinung und Werte aus - einen höheren Wahrheitsgehalt oder gar wissenschaftliche Fundamente sind doch eher zweifelhaft anzuführen.
Mangelt es mir auch an kunstgeschichtlicher Bildung? Bestimmt. Aber in gleicher Einsicht mangelt es dir an politischer Bildung bzgl. der frühen BRD. Du wirst doch zustimmen, dass, wenn jemand in den 50ern die Geburtsstunde einer gefestigten Demokratie in Deutschland sieht, einem derartigen Gebäude ein besonderer Stellenwert zukommt. Ein Demokrat könnte ja durchaus behaupten, dass ein solches Gebäude wichtiger ist, als z.B. ein Herrschaftspalast der Adeligen. Der ist zwar schöner, aber er betone falsche Wertvorstellungen..
Das ist alles nicht meine Meinung, aber RMA, du solltest dir darüber im Klaren sein, dass auch du nur Werte zum Ausdruck bringst und mit deiner Aussage, die gewollte Reproduzierbarkeit der Moderne würde den Wert des Bundesrechnungshof schmälern, dich zum Betrachter/Kommentator im Elfenbeinturm macht.
BTW. für jemanden, den Geschichte nicht interessiert, wir der Versailles Nachbau in China zu gleichem ästhetischen Genuss verhelfen und dadurch wohl den gleichen Wert darstellen.. alles ist relativ. Also verweigere doch jenen, die den Rechnungshof behalten wollen, nicht gleich Verstand und Geschmack, nicht deinen Respekt.


-----------------
Mod: Bitte beim Thema bleiben. Persönliches bitte per PN klären, ideologische Grabenkämpfe dürften die große Mehrheit wenig interessieren. Ansonsten gibt es für Übergreifendes die Main-Lounge, etwa diesen und jenen Strang.
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Alt 18.07.11, 14:07   #101
RMA
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^

Erstmal sehe ich keine Grabenkämpfe, sondern eine weitestgehend sachlich und offen ausgetragene Diskussion. Dahingehend hat sich hier auch die Diskussionskultur erheblich verbessert, als sowas nicht mehr wie früher weitgehend über rote Leuchten ausgetragen wird.

Zum Thema: deine Begründung bezüglich des Denkmalwertes ist mir durchaus einleuchtend, tscheibörd. Mir ging es auch primär um die dümmliche Argumentation des Herrn Wionski (lt. Zeitungsartikel), der mal eben von oben herab das Gebäude der Frankfurter Identität zuschreibt. Hätte ich eine Begründung wie die deinige gelesen, hätte ich mich wohl kaum geärgert.

Natürlich kennt Herr Wionski die Problematik: ein Gebäudes der „jungen“ Bundesrepublik oder des Bundes allgemein, zumal noch bei zu reinen Verwaltungszwecken ohne Kundenverkehr ist von völlig abstraktem Charakter, der es der breiten Masse schwer macht, dazu einen Bezug herzustellen. Da haben es kommunale Bauten natürlich einfacher. Diesen Bezug kann man aber nicht einfach „herbeireden“.

Zitat:
Das ist alles nicht meine Meinung, aber RMA, du solltest dir darüber im Klaren sein, dass auch du nur Werte zum Ausdruck bringst und mit deiner Aussage, die gewollte Reproduzierbarkeit der Moderne würde den Wert des Bundesrechnungshof schmälern, dich zum Betrachter/Kommentator im Elfenbeinturm macht.
Wo habe ich das denn geschrieben? Bitte genau lesen!

Zitat:
Also verweigere doch jenen, die den Rechnungshof behalten wollen, nicht gleich Verstand und Geschmack, nicht deinen Respekt.
Auch das meinte ich eigentlich, nirgendwo geschrieben zu haben. Wenn ich so verstanden wurde, bitte ich das zu entschuldigen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass hier die mehrheitliche, natürliche wie meine nur subjektive Meinung im BRH nun nicht gerade eine Perle der 1950er Jahre-Architektur der Stadt sieht. Zumal es wohl kein zweites Beispiel gibt, das städtebaulich so abriegelnd wirkt. Und wie ich schon an anderer Stelle geschrieben hatte: auch ich bin ein großer Fan von vielen denkmalgeschützten Bauten der Nachkriegszeit.
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Alt 18.07.11, 15:16   #102
tscheibörd
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Nach deiner Erläuterung RMA würde ich meinen Kommentar sicher nicht in dieser Form wiederholen. Ich hatte den Eindruck, du würdest einen Unterschied zwischen der Begründung für Denkmalschutz machen: Auf der einen Seite geschichtlich relevante Bauten und auf der anderen Seite reproduzierbare Gebäude der Moderne. Im Kontext hatte ich es so gelesen, dass durch die Reproduzierbarkeit der Bezug zum Ort nicht möglich sei - speziell im Zusammenhang mit der Antwort zum Hessenpark. So entstand auch der anscheinend falsche Eindruck deiner Respektlosigkeit. Überlesen hatte ich offensichtlich ebenso den Bezug zum Artikel.
nun gen Mod.: ich habe mich durchaus bemüht sachlich zu argumentieren. sollte dies nicht klar geworden sein, bitte ich um Nachsicht. Ich muss mich eindeutig bei RMA entschuldigen, dass ich derartige Vorwürfe erhoben habe. Aber: die drei Zitate/Antworten zusammen gelesen, haben für mich eben dieses Bild ergeben, worauf ich meine Werbung für das Einbeziehen der anderen möglichen Sichtweise verfasst habe. RMA hat den, nicht auf Missverständnissen beruhenden Teil der Argumentation, dankenswerter Weise auch erwähnt. Wie ich im "Frankfurter Stadtgespräch" schon zum Ausdruck gebracht habe, werde ich mich der Teilnahme an Diskussionen enthalten, sollte man mir kenntlich machen, dass dies erwünscht ist - also "am besten" ggf. ein negatives Feedback reinstellen.
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Alt 21.07.11, 13:28   #103
Schmittchen
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Schmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes Ansehen
JU schlägt Rekonstruktion vor

Da werden sich OFB und Fay bestimmt sehr freuen: Die Junge Union schlägt die Rekonstruktion des Großen Speichers vor, eines historischen Patrizierhofs (im Thread schon erwähnt), dessen Reste bis in die 1930er-Jahre an dieser Stelle standen. Danach wurden sie abgetragen und in städtische Depots verbracht. Dort lagern sie zum Teil bis heute. Einzelheiten zum Großen Speicher gibt es in einem in schon gewohnter Exzellenz verfassten Wikipedia-Artikel.


Zeichnung: Julius Hülsen nach Carl Theodor Reiffenstein (aufgrund Ablaufs der Schutzdauer gemeinfrei)
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Alt 24.07.11, 09:42   #104
Chewbacca
 
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RMA:
Mir mangelt es aber auch ganz deutlich an kunstgeschichtlicher Bildung, und schönen Gruß an deine Oma. Barock von Gotik kann ich aber noch: Das eine war das mit den Spitzbögen, das andere mit den fetten Engeln, richtig?
Ich lasse mich aber gerne aufklären, wo ich falsch liege.

Ich weiß nicht, worauf ihr beide anspielt, aber mit der Aussage: „Die jederzeitige Reproduzierbarkeit eines Gebäudes, an jedem Ort der Welt, ist untrennbar mit der Moderne verbunden. Das unterscheidet die Bauten der Moderne von Bauten des Historismus“ komm ich nicht klar.
(Mit "Ihr beide" mein ich jetzt Wikos, und RMA, du verteidigst die Aussage ja)

Wikos begründet das nicht weiter, „die immer zu die Vorteile von modernen Bauten propagiert haben“ haben das halt zu akzeptieren. Häh? Ach ja?

Falls ihr hier auf Ideen von einer Typisierung der Architektur (ich dachte da eher an Le Corbusier als Loos, was meinst du denn da, RMA?) anspielt: Was hat das mit dem Bundesrechnungshof zu tun?

Das eine ist eine den Defiziten ihrer Zeit geschuldete Denkschule, die sich bemühte, die Kriterien für gute und praktische - auf den die Architektur nutzenden Menschen bezogene - Architektur auf ein theoretisches Grundgerüst zurückzuführen, um von da aus wieder aufbauen zu können. Und wir reden hierbei über die erste Hälfte des 20.Jhdt. Zum großen Teil baut der moderne (und damit meine ich hier einfach nur bis heute Zeitgenössische) Wohnungsbau darauf auf, von der Raumaufteilung im Einfamilienhaus bis hin zur Einbauküche. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die offenbar so verabscheuungswürdige(?) „Gleichheit“ der Menschen insofern längst Realität geworden ist, als die damals noch sowohl soziale, als auch pekuniäre klare Trennung zwischen der Arbeiterklasse und dem Bürgertum so heute kaum noch existieren. Da haben also nicht irgendwelche Spinner der Gesellschaft ihren Mist aufgepfropft!

Auf der anderen Seite haben moderne Architekten von Le Corbusier über Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright, usw, usw... Bauwerke geschaffen, die mehr als alles andere vorher da gewesene innovativ, unverwechselbar und ganz besonders dem speziellen Ort verhaftet waren!!

Deshalb nehme ich mir dann auch gerne mal die provokante Frage heraus, wenn „Die jederzeitige Reproduzierbarkeit eines Gebäudes, an jedem Ort der Welt, [..]untrennbar mit der Moderne verbunden[ist]. Das unterscheidet die Bauten der Moderne von Bauten des Historismus“, ja was dann eigentlich beispielsweise an Barockschlössern so sehr dem Ort verhaftet ist, wenn die stilistische Varianz so limitiert ist, wie sie ist, und die Motivation gerade hier in Deutschland hinter dem ein oder anderen sogar explizit die war, Versailles zu importieren!?!

O.g.Satz ist deshalb einfach so unbrauchbar. und das eigentlich in jeder Diskussion über Architektur.
Sorry, wenn deshalb jetzt die Exkursion darüber OffTopic war.

Jetzt in Bezug auf das konkrete Objekt:
Der Bundesrechnungshof war
1. Schon in Bezug auf den unterstellten Architekturtheoretischen Ansatz ein Anachronismus und
2. Ein Verwaltungsbau, der auch sowohl funktional, als auch in Bezug auf die vermutete Ignoranz dem Genius Loci gegenüber nicht so ein ignorantes Statement verdient hat.
3. Und mal ehrlich: müssen wir echt noch darüber diskutieren, was die stilistischen Unterschiede zwischen dem Bundesrechnungshof, und der klassischen Moderne sind?



Ich bin übrigens aus den weiter oben schon gennanten Gründen trotz all dem dafür, den Bau abzureissen. Der Bau ist ein Hindernis für die Stadt, sich zum Postiven hin zu entwickeln. Der Schwachsinn, den die Junge Union da vorhat, ist es übrigens auch!

Geändert von Chewbacca (24.07.11 um 10:44 Uhr)
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Alt 24.07.11, 14:07   #105
merlinammain
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@ Chewbacca:
Zugegeben bin ich ein klarer Befürworter von Rekonstruktionen, aber als Schwachsinn kann man trotzdem die Idee der Rekonstruktion des Großen Speichers wirklich nicht bezeichnen, weil
1.) es nun mal ein herrausragendes Gebäude seiner Zeit war
2.) eine große Zahl an Rekonstruktionen innerhalb des Bereichs Berliner Strasse/Kurt-Schumacher-Strasse/Mainkai/Untermainkai/Alte Münzgasse Sinn macht (Ensemble-Wirkung), wünschenswert ist und dazu führen würde, dass man in Frankfurt mal endlich berechtigterweise von einer "Altstadt" sprechen könnte
3.) bedenken sollte das zB die Paulskirche einen Steinwurf entfernt liegt und dieses als ein hervorstechendes architektonisches Dokument deutscher Geschichte eine harmonischere bauliche Umgebung verdient hätte.

Klar kann man dies auch anders sehen. So könnte man zB entgegensetzen, dass eine solche Lösung in diesem Bereich einem homogenen Stadtbild krass entgegenstehen würde. Aber "Schwachsinn" finde ich als Urteil etwas übertrieben.
Im Übrigen hätte es mMn einen besonderen Reiz, wenn man aus dem Bankenviertel direkt in die Altstadt reinlaufen würde ... Ffm würde so auch seinem Ruf als "Stadt voller Gegensätze" weiter gerecht werden und hätte in dieser Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal, was zB bei den Touris ein unvergessliches Erlebnis hinterlassen würde.
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