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Alt 15.07.11, 18:03   #46
lguenth1
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Heute ist ein langes Interview mit GGG-Geschäftsführerin Kalew in der Freien Presse. Die Kernaussagen, die ein weiterer Beitrag zur Imagekorrektur der GGG sind:

Zitat:
Für die Bereiche um den Brühl und die ehemalige Aktienspinnerei gibt es seitens der Stadt hervorragende Ideen und Entwicklungsansätze. Die Ansiedlung von Teilen der TU bewerten wir als ausgesprochen wichtigen Impuls für den Brühl-Boulevard. Wenn sich diese Planungen so realisieren lassen, hat der Brühl eine echte Chance, wieder zum Leben zu erwachen.

Aktuelle Verkaufserfolge kann ich leider nicht verkünden, wie gesagt, derzeit steht die Initialzündung noch aus. Wir stehen allerdings mit Investoren im Kontakt, die auf einen ausschlaggebenden Impuls schon warten.

Vor dem Hintergrund der guten Nachfrage nach unserem gerade abgeschlossenen Sanierungsobjekt am Brühl 24 wollen wir noch in diesem Jahr die Sanierung des Gebäudes Georgstraße 20, ein Nachbarhaus, beginnen. In den Jahren ab 2012 werden wir die Sanierung unserer Immobilien innerhalb des Karrees 1 (Brühl, Georgstraße, Untere Aktienstraße, Karl-Liebknecht-Straße) fortsetzen, vorzugsweise der Gebäude Untere Aktienstraße 3 und 5. Perspektivisch wollen wir das gesamte Karree 1, in dem sich bis auf vier Immobilien alle im Eigentum der GGG befinden, entwickeln und sanieren. Insgesamt handelt es sich um sechs Gebäude.

Das Geld für unsere Sanierungen stammt aus unseren laufenden Mieteinnahmen und aus Verkaufserlösen. Ausgesprochen positiv auf unsere Investitionstätigkeit haben sich die Auktionen ausgewirkt. Wir haben viele Immobilien versteigert, dadurch Liquidität erzielt und unsere laufenden Bewirtschaftungskosten reduziert.

Aktuell stehen in unserem jüngsten Sanierungsobjekt am Brühl 24 nur drei von zwölf Wohnungen leer. Die Mieten betragen je nach Wohnungsgröße zwischen 253 und 449 Euro inklusive Nebenkosten. Mit der Vermietung bin ich ausgesprochen zufrieden. Für Studenten und Auszubildende bieten wir seit 2007 ein Angebotspaket etwa mit Pauschalmiete inklusive Nebenkosten, einmonatiger Kündigungsfrist, TV- und Internetflatrate und Einbauküche.
Luftbild Karree 1

Bestand: Die GGG hat am Brühl rund 800 Wohnungen im Eigentum, von denen rund die Hälfte zum Verkauf angeboten werden. Die Leerstandsquote liegt bei 30 Prozent. Sprecher Erik Escher sieht die Ursache in der Situation des Brühl-Gebietes. Verkäufe sind beispielsweise an der Elisenstraße, der Unteren Aktienstraße, der Karl-Liebknecht- oder an der Heinrich-Zille-Straße gelungen.

Investitionen: In den zurückliegenden Jahren hat die GGG in die Wohnhäuser Brühl 41, 43, 45, 47, 49 und 28 investiert. So wurden beispielsweise die Haustechnik erneuert, Wohnungen ausgebaut, Treppenhäuser und Fassaden saniert. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut GGG auf einen hohen sechsstelligen Betrag.
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Alt 15.07.11, 18:15   #47
rotwang
 
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auf baudenkmäler-chemnitz.de hab ich mal fotos veröffentlicht vom angesprochenen ggg sanierungsobjekt, für alle die nicht wissen, was kalev mit sanierung meint, das dort ist weit weg von der qualität wie andere bauträger sanieren, die ankündigung von kalev noch ein haus zu sanieren, kommt mir eher wie eine drohung vor, kein investor der so ein projekt angeht, kann solche buden in der nachbarschaft gebrauchen, beim benachbarten hotel sächsicher hof hängt deswegen auch die kinnlade herunter
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Alt 17.07.11, 16:14   #48
lguenth1
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Ein Beispiel einer höherwertigen Sanierung am Brühl ist das Gebäude Elisenstraße 8, welches bei der DIIA an die Freitaler Ravo-Immobilien versteigert wurde, was schon damals Hoffnungen auf eine baldige Sanierung weckte. Diese ist derzeit ganz offensichtlich im Gange, wie die Annonce bei immobilienscout24 zeigt. Etliche Bilder vom Vorzustand findet man im Auktionstext.

Ich sehe auch bei den GGG-Ankündigungen eher das Positive, nämlich die langsame Belebung eines toten Viertels. Einfache Instandsetzungen mit entsprechend niedrigen Mieten sind für ein Studentenviertel nicht verkehrt. Man muß sich halt überlegen, was man für das Viertel will. Ohne Zweifel wären bei der optimalen Lage auch hochwertige Sanierungen problemlos an den Mann zu bringen gewesen, wenn man gewollt hätte. Eine spätere Nachsanierung ist im zweiten Schritt immer noch möglich.
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Alt 23.07.11, 10:02   #49
Hannes Kuhnert
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Hannes Kuhnert sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von rotwang Beitrag anzeigen
auf baudenkmäler-chemnitz.de hab ich mal fotos veröffentlicht vom angesprochenen ggg sanierungsobjekt, für alle die nicht wissen, was kalev mit sanierung meint, das dort ist weit weg von der qualität wie andere bauträger sanieren, die ankündigung von kalev noch ein haus zu sanieren, kommt mir eher wie eine drohung vor, kein investor der so ein projekt angeht, kann solche buden in der nachbarschaft gebrauchen, beim benachbarten hotel sächsicher hof hängt deswegen auch die kinnlade herunter
Dieses Problem existiert übrigens auch andersrum. Es gibt Leute, denen das Umfeld bzw. benachbarte Häuser zu fein und zu ordentlich sein können – vielleicht in Chemnitz nicht in größerem Umfang, aber prinzipiell gibt es das.

Zurück zum Ausgangspunkt: Für die allermeisten Hausbesitzer ist ein „GGG-Niedrigstandardhaus“ nebenan allemal besser als ein ungenutzt vergammelndes Gebäude. Und das Problem, dass sich die Interessenten am Brühl um die Häuser reißen würden, haben wir nun wirklich (noch?) nicht.
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Alt 26.08.11, 22:22   #50
lguenth1
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Am 07.09. wird es konkret: Die Stadt verkauft die Alte Aktienspinnerei für einen Euro an den Freistaat, der verpflichtet sich im Gegenzug, innerhalb von 2 Jahren mit der Sanierung zu beginnen. Diese hat einen Umfang von 40 Millionen Euro. Meldung auf sz-online, Stadtratsvorlage.
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Alt 01.09.11, 19:34   #51
rotwang
 
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Sachsen Fernsehen berichtet heute von der Veranstaltung gestern Abend zum Umbau der Aktienspinnerei zur Unibibliothek.

http://www.sachsen-fernsehen.de/defa...80#commentform

Eine Information aus dem Interview mit dem Finanzminister Herrn Prof. Unland ist hier neu, nämlich das angedacht ist, den historischen äußeren Zustand der Aktienspinnerei zu rekonstruieren. Bisher sah man auf den Entwürfen immer ein neues Geschoss in Glasarchitektur auf dem Gebäude. Eine Rekonstruktion nach historischem Vorbild wäre sehr interessant. So ein großes Rekoprojekt hatten wir in Chemnitz noch nicht und Gebäude aus den 1850er Jahren sind in Deutschen Großstädten sehr selten.
Gegenüber der Aktienspinnerei steht ein leer stehendes Wohnhaus in der Häuserreihe an der Straße der Nationen. Man sollte dort darauf achten, dass es verkauft und saniert und nicht abgerissen wird. Dann wäre der Blick nämlich auf das Parkhaus dahinter frei und würde die Bemühungen um die Neugestaltung dieses Innenstadtbereiches ein Stück weit kaputt machen.
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Alt 02.09.11, 16:09   #52
rotwang
 
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Die Freie Presse berichtet noch einmal über den Minister Besuch bzgl. des City Campus und geht auf den Zeitplan für das Projekt ein:

http://www.freiepresse.de/LOKALES/CH...kel7747088.php

Da denke ich mal, können wir den Brühl weg reisen, wenn die Sanierung der Häuser, wenn überhaupt, im Rahmen des Baus des City Campus statt finden soll. Denn so lange halten die Häuser nicht mehr aus.
Überhaupt frag ich mich, welcher Bauträger mit der Aussicht auf niedrige Studentenmieten und ständigen Mieterwechsel sich dort engagieren soll.
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Alt 07.10.11, 22:40   #53
rotwang
 
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Bürgerforum Brühl/06.10.11 Aktienspinnerei

http://www.sachsen-fernsehen.de/defa...owNews=1038405

Der Veranstaltung durfte ich gestern beiwohnen. Ich versuche es noch einzuordnen was ich da erlebt habe. Zum einen, einen Architekten Heller, der Luftschlösser von einer kleinteiligen nördlichen Innenstadt baute u.a. einer Parallelstraße zur StraNa dort wo jetzt die Sparkasse steht, zum anderen Investoren die zielgerichtet nach dem Verkauf der Häuser fragten und verständlich machten, das sie loslegen wollen und von der Oberbürgermeisterin die Antwort bekamen, das die Planungen für den Brühl erst in der "Erkundungsphase" steckten und die Wiederbelebung des Brühls auf 20 Jahre angelegt ist.
In meinem ganzen Leben wird mir unvergesslich bleiben, wie ein Gast Simone Kalev, die im Publikum saß, direkt ansprach und fragte, wie es denn um die Zukunft der Plattenbauten an der Mühlenstraße und der Punkthochhäuser am Brühl aussieht, ob die GGG, diese hergeben würde, denn die Entwürfe zeigen ja an diesen Stellen neue Karrees, und Simone Kalev aufstand und antwortete, sie würde die Pläne zum ersten mal sehen.
Da ist mir und einem befreundeten Architekten, die Kinnlade runtergefallen.

Super auch die Idee von Architekt Heller, die Eingänge der Häuser aus den Höfen an die Front der Häuser zu verlegen und Vorgärten anzulegen. Ggf. ist ihm noch gar nicht aufgefallen, das am Brühl so ziemlich jedes Haus ein Ladenlokal im EG hat.

Bis in einem Monat will er die Pläne weiter ausarbeiten und exemplarisch Entwürfe für neu zu bauende Eckhäuser zeigen. Wirklich sehr hilfreich und realistisch.

Ich frage mich auch, wer die Idee hatte, der Brühl müsse ein Studentenviertel werden.
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Alt 08.10.11, 13:16   #54
lguenth1
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Leider konnte ich nicht teilnehmen, das hätte sicherlich bei der Beurteilung der Situation geholfen. Das von Dir geschilderte konkrete Investoreninteresse sollte natürlich zweifellos genutzt werden. Das würde dann natürlich nicht zu einem Studentenviertel führen, sondern zu eher hochwertigen Sanierungen in dieser 1A-Lage - das wäre aber auch für die TU-Pläne kein Problem, weil für das frühestens in einigen Jahren anstehende Zuzugsinteresse von Studenten noch mehr als genug Reserve auf dem nahen Sonnenberg zur Verfügung steht.

Die aktuellen Pläne sollte man sich trotzdem mal angeschaut haben: Link. Interessant sind dabei vor allem folgende Seiten:

- Seite 23: Hier sieht man, welche Gebäude im Bestand saniert sind und welche nicht. Bei einem Vergleich mit den von der GGG angebotenen Kaufobjekten ergibt sich dabei erwartungsgemäß eine große Deckungsgleichheit. Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass in manchen Karrees die GGG-Gebäude die einzigen unsanierten sind, wodurch (einmal mehr) das Kernproblem des Brühls deutlich wird. Die abgeschlossene Sanierung des Gebäudes Elisenstraße 8 uhnd die GGG-Arbeiten an Brühl 24 und Georgstraße 20 fehlen noch.
- Seite 25: Hier werden die leerstehenden Gebäude dargestellt, wobei die zusammenhänge zwischen GGG-Eigentum noch krasser sind als bei den unsanierten Gebäuden, wo einige Objekte anderer Eigentümer zwar unsaniert, aber dennoch genutzt sind.
- Seite 44: Hier wird es etwas abenteuerlich. Für viele der unsanierten, nicht denkmalgeschützten Gebäude (wie gesagt größtenteils GGG-Besitz) ist ein Abriß mit anschließendem Neubau vorgesehen. Selbst einige der denkmalgeschützten Objekte sind entsprechend markiert. Wie anderswo in Chemnitz besteht die Gefahr, dass man bei Teil 1 des Planes stehenbleibt, schon wenn man sich die bloße Anzahl an Neubauten anschaut. Für mich sieht das übrigens so aus, als solle der Eingang nur bei den Neubauten an die Straße verlegt werden.

Passend auch die Meldungen in der heutigen FP. Der geplante Trödelmarkt auf dem Brühl ist ausgefallen, weil keine Händler gekommen sind. Und zur Zuschauerfrage muss man wissen, dass das Haus Hauboldstraße 2 von der GGG auf ihrer Webseite zum Verkauf angeboten wird:

Zitat:
Ein Anwohner der Hauboldstraße hat festgestellt, dass von den Häusern 2 bis 4 Dachschiefer und Mauerstücke auf den Gehweg gefallen sind. Wie er der "Freien Presse" schreibt, habe er die Stadtverwaltung darüber informiert. Doch in jüngerer Zeit diene nun noch der Durchgang zwischen den Häusern für die illegale Müllentsorgung. Er fragt: Wer ist für die Beseitigung verantwortlich?

Grundsätzlich ist nach Informationen der Stadtverwaltung der Eigentümer der Immobilie verpflichtet, diese so in Stand zu halten, dass von ihr keine Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen. Nur wenn diesen Pflichten nicht nachgekommen werde, sei die Behörde zur Gefahrenabwehr ermächtigt und verpflichtet. Was den konkreten Fall betreffe, so hätten Mitarbeiter des Baugenehmigungsamtes den Zustand des Gebäudes kontrolliert und die Eigentümer aufgefordert, Sicherungsmaßnahmen zu veranlassen und die Verunreinigungen zu beseitigen. Um selbst dagegen vorgehen zu können, fehle der Bauaufsichtsbehörde die Rechtsgrundlage. (gp)
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Alt 08.10.11, 15:35   #55
rotwang
 
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Schon in einem Monat soll es das nächste Bürgerforum dazu geben. Dann will Heller, u. a. ausgearbeitetere Visualisierungen zeigen, z. B. von Neubauten.
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Alt 12.10.11, 09:26   #56
LE Mon. hist.
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LE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfach
Ich habe mir nun auch mal die Planungsstudie unter http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/s...ungsstudie.pdf angesehen und halte sie für eine gute Ausgangsbasis für weitere Diskussionen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Von der bisweilen in Chemnitz und manchmal auch hier im Forum anzutreffenden Grundhaltung "Alle anderen - alle doof" bin ich etwas genervt. Ich gehe bei vielen Schlussfolgerungen nicht mit, aber ich akzeptiere erst einmal, dass Speer und Partner ein großes, international anerkanntes Büro ist, dass schon ganz andere Projekte als den Brühl gewuppt hat und daher auch viel Erfahrung und Professionalität mitbringt: http://www.as-p.de/

Doch nun ins Detail:

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." (Helmut Schmidt). Ich habe auch den Eindruck, dass das Konzept insgesamt etwas überambitioniert wirkt mit all den Schaubildern und Kampfbegriffen wie "Quartier der Generationen". Vermutlich braucht man das aber, um Politikerinnen und Investoren davon zu überzeugen, dass hier tatsäch Potentiale existieren und Verbesserungen möglich sind. Und vor allem die Bestandspläne sind äußerst hilfreich.


S. 6: Zukunftsvision
Naja, da muss man schon weit in die Zukunft blicken, bis alle Blockränder wieder hergestellt sind und alles ein so geordneten Eindruck von oben macht wie hier dargestellt. Da düften schon die Eigentumsverhältnisse und unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten der Eigentümer vieles unmöglich machen. Besonders augenfällig ist das im "südlichen Karrée" Die Reaktion der Vertreterin einer der wohl größten Immobilieneigentümer und -verwalter hat Rotwang ja beschrieben.

Auch im Detail kommen Fragen auf, z.B. warum die verbliebenen und sehr schön gelegenen Häuser an der Haubold- und Hermannstraße auch noch für einen weiteren Park niedergelegt werden sollen. Vom denkmalgeschützten Empangsgebäude des Busbahnhofes war ja hierauch schon mehrfach die Rede.

Bei "Rückbau ... lehrstehender Gebäude" in diesen Größenordnungen wie hier geplant bekomme ich wie ihr wohl alle auch dick Plaque, ebenso bei manchen der hier als Vorbild gezeigten "Townhouses". Dieses Ding in Berlin-Friedrichswerder links auf dem Bild in der Mitte von S. 10 sieht ja aus, als hätte jemand den mit Holzspielzeug entstandenen Entwurf seines dreijährigen Kindes verwirklicht. Den Befürchtungen von lguenth1 und diesen architektonischen Gruselstücken könnte man allerdings mit entsprechenden Rahmenverträgen und Auflagen entgegentreten.

Die Schließung der Blockränder und vor allem die "Akzentuierung der Blockecken entlang des 'Brühl-Boulevards'" (S. 23 und 44) werden wohl die meisten hier begrüßen, insbesondere bei den beiden fehlenden Ecken Brühl und Elisenstraße.
http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=sg6...tz&form=LMLTCC

- Abriss und Neubau (S. 44)
Dies ist vermutlich die am stärksten diskutierte Abbildung. Bei mehreren rot gekennzeichneten Häusern wird wenig Widerspruch kommen, insbesondere bei den Brachflächen und den Lückenschlüssen aus den 80er Jahren wie an der Mühlenstr. Ganz anders sieht es bei den geplanten Abbrüchen leerstehender, z.T. denkmalgeschützter Gründerzeithäuser aus.

So bleibt mir völlig unklar, warum die gesamte hintere Brühlseite zwischen Elisenstraße und Zöllnerplatz fallen und neu bebaut werden soll. An der Ecke Mühlenstraße/Hermannstraße soll ein bewohntes Eckgebäude (Denkmal) und seine beiden derzeit leeren Nachbarn (Mühlenstr. ist ein Denkmal) fallen - warum? Ebenso hätte ich zunächst gern eine mögliche Nutzung für die Karl-Liebknecht-Schule, bevor ich mir Gedanken mache, ob das nördlich anschließende Gebäude noch gebraucht wird. Eine Musikschule oder gar eine noch etwas unkonventionellere kreative Nutzung z.B. wie bei der Alten Handelsschule in Leipzig-Kleinzschocher ( http://www.alte-handelsschule.de/ ) veträgt sich wohl eher schlecht mit den hier offenbar vorgesehen Stadthäuschen/Reihenhäusern.

Das Denkmal an der südwestlichen Ecke Brühl/Hermannstraße mit seinem Nachbarhaus setzt bereits einen wichtigen Akzent, da brauche ich keinen Neubau:
http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=sg6...tz&form=LMLTCC

Das gilt genauso für die gesamte Ecke Brühl/Untere Aktienstraße: http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=sg6...tz&form=LMLTCC

Ebenso fraglich ist der Nutzen einer neuen öffentlichen Verbindung in der Verlängerung der Heinrich-Zille-Straße mit begleitenden Neubauten. Eine Fußgänger-Verbindung durch den langen Block wäre sicher nicht schlecht, aber warum muss die dann auch befahrbar sein, den Block zerhacken, mindestens zwei Häuser kosten und den Lärm in den derzeit geschlossenen Block lassen?

Das kann in der Form nicht in dem Plan bleiben. Andernfalls werden sich LWB und Stadt künftig darauf berufen und einzelne Verkäufe mit der Absicht der Sanierung oder Instandsetzung verhindern, weil hier ja stattdessen Abriss und Neubau geplant sei.

Die vorgeschlagene Erschließung von der Straßenseite aus halte ich anders als Rotwang für gar nicht so falsch. Immerhin waren ja auch die Gründerzeit-Häuser von der Straße erschlossen - entweder direkt oder durch eine Hofeinfahrt. Das wurde erst bei der Brühl-Sanierung in den 80er Jahren geändert. Inwieweit das nun wieder rückgängig gemacht werden kann ohne die Ladeneinbauten aufgeben zu müssen kann ich von der Ferne nicht beurteilen, wahrscheinlich muss das auch jeweils im Einzelfall entschieden werden. Aber keinesfalls braucht es nun unbedingt überall Neubauten, um die Eingänge wieder an die Straßenseite zu bringen.
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Alt 12.10.11, 18:17   #57
lguenth1
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Die Karl-Liebknecht-Schule wurde meines Erachtens als letzte Schule geschlossen. Deshalb wäre es naheliegend, sie in Reserve zu halten und als erste Schule wieder in Betrieb zu nehmen, wenn die seit einigen Jahren steigenden Geburtenzahlen dies erforderlich machen sollten. In Dresden ist dies meines Erachtens bereits nötig gewesen, in Leipzig weiß ich es nicht. Wenn tatsächlich eine Belebung des Brühls gelingen sollte, würde das ebenfalls zusätzliche potentielle Schüler anziehen. Das ist natürlich nur eine Vermutung ohne aufwendige Analyse von Schulnetz und Schülerzahlen.
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Alt 13.10.11, 08:48   #58
LE Mon. hist.
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In Leipzig gibt es die gleiche demographische Entwicklung und es müssen massiv bereits geschlossene Schulen saniert und wiedereröffnet und neue Schulen gebaut werden. Laut aktueller Prognose ist die Zahl der Grundschüler von 9.500 im Jahr 2003/2004 auf derzeit 13.000 gestiegen und wird bis 2019/20 noch weiter bis auf 16.800 steigen, also noch mal um ein Drittel. Bei den Gymnasien fielen die Zahlen von 18.200 Schülern 1995/1996 auf 8.700 im Schuljahr 2010/2011, nun steigen sie jetzt wieder stark an und werden im Jahr 2026/2027 bei 17.200 liegen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht gleichverteilt, der stärkste Anstieg ist in den innenstadtnahen Gründerzeitvierteln entlang des Auwaldes zu verzeichnen, also in Connewitz, Südvorstadt, Schleußig, Musikerviertel, Waldstraßenviertel, Gohlis ... . In den Gebieten am Stadtrand (Sellerhausen, Paunsdorf, Heiterblick ...), also den Plattenbaugebieten im Osten und Westen und den in den 90ern aus den Boden geschaffenen Reihenhauswüsten, bleiben dagegen immer mehr Bänke leer und es werden wohl sogar Schulen geschlossen. Insgesamt werden in Leipzig bis zu fünf neue Gymnasien und bis zu vier neue Mittelschulen gebraucht. Die Diskussion darüber ist bereits in vollem Gange:

LIZ, 12.07.2011
Prognose mit Investitionswarnung: Schülerzahlen in Sachsen steigen und in Leipzig fehlen dutzende Schulen
http://www.l-iz.de/Dossiers/Schulent...len-29172.html

LIZ, 30.07.2011
Siegfried Haller im Interview zum Schulentwicklungsplan (1): Leipzig bildet – neue Schulen
http://www.l-iz.de/Bildung/Leipzig%2...lungsplan.html

Siegfried Haller im Interview zum Schulentwicklungsplan (2): Wo sollen neue Grundschulen entstehen?
http://www.l-iz.de/Bildung/Leipzig%2...entstehen.html

LIZ, 13.08.2011
Schulentwicklungsplan: In Leipzigs Mitte entspringt ein Problem
http://www.l-iz.de/Dossiers/Schulent...lem-29169.html

Leipziger Schulentwicklungsplan: Eine Schulschließung droht im Osten
http://www.l-iz.de/Bildung/Leipzig%2...ten-28718.html

Siehe auch http://www.l-iz.de/Dossiers/Schulentwicklungsplan und http://www.leipzig.de/de/buerger/bil...lfuehrer/netz/

Wenn auch vermutlich etwas zeitverzögert und sicherlich nicht in diesen Dimensionen, so erwarte ich doch auch für Chemnitz eine ähnliche Entwicklung. Man müsste sich ja nur mal anschauen, ob es ab ca. 2004 auch in Chemnitz den in Dresden und Leipzig zu beobachtenden Geburtenanstieg gegeben hat. Zumindest dürfte sich aber diese Umverteilung hin zu den zentrumsnahen Gründerzeitvierteln zeigen, vor allem auf dem Kaßberg und in Schloßchemnitz, wenn die Entwicklung weiter geht vielleicht künftig auch auf dem Sonnenberg, im Lutherviertel und Bernsdorf.

Das Sächsischen Landesamt für Statistik, dass die Entwicklung in den Großstädten und besonders in Chemnitz ja gern auch mal etwas unterschätzt, geht in der "milderen" Variante ihrer aktuellen Schätzung davon aus, dass sich in Chemnitz die Schüler_innenzahl von 17.000 auf 19.000 im Schuljahr 2020/21 steigern wird und in der "härteren" Variante 1 auf 20.000. Aber es kann auch noch ganz anders kommen. Und vor allem sind die Verschiebungen innerhalb der Stadtgrenzen hier nicht berücksichtigt.

Schüler- und Absolventenprognose
http://www.statistik.sachsen.de/html/461.htm

Bestimmte Schulen gerade in den Gründerzeitvierteln als Reserve zu halten, vor allem auch die Karl-Liebknecht-Schule, finde ich daher sehr sinnvoll. Dabei könnte man von vornherein auf eine zeitlich befristete Zwischennutzung setzen statt auf einen Verkauf, der eine Wiedereröffnung als Gymnasium unmöglich machen würde. Hier denke ich weiterhin besonders an eine kreativ-künstlerische Nutzung für Ateliers, Proberäume etc., die auch in Chemnitz gefragt sind, so gut wie keine baulichen Änderungen benötigen und auch dem Umfeld zu weiterer Attraktivität verhelfen würden. Mit dem alljährlichen Kunstfestival Begehungen ( www.begehungen-chemnitz.de/ ) sieht man doch, dass das gut funktioniert.

PS.:

Im 2009 beschlossenen SEKO geht man in Chemnitz von stagnierenden Schüler_innenzahlen aus, aber z.B. auch noch von sinkenden Einwohner_innenzahlen. Möglicherweise sieht man das zwei Jahre später auch schon wieder anders.
http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/s...rastruktur.pdf
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Alt 21.10.11, 19:42   #59
lguenth1
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Eine schwierige Entscheidung haben die Stadträte im Planungs-, Bau und Umweltausschuss am 1. November zu treffen. An der Straße der Nationen/Ecke Zillestraße will ein Investor ein Einkaufszentrum mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten (Luftbild). Da Edeka vor kurzem erst zwei Millionen Euro in den nahen Supermarkt an der Georgstraße gesteckt hat und die Fläche bei Erfolg der Unipläne irgendwann für hochwertige Bebauung interessant werden könnte, war es für mich absolut nachvollziehbar, dass die Stadtverwaltung eine Ablehnung des Neubaus empfiehlt (siehe Beschlussvorlage). Die übliche Supermarktarchitektur wäre an dieser Stelle ein Graus.

Der Investor (Ratisbona aus Regensburg) argumentiert folgendermaßen: Zwar werde es insbesondere innerhalb des Brühl-Gebietes zu Umverteilungen kommen. Die hätten aber städtebaulich keine Auswirkungen im Sinne einer Schwächung des zentralen Versorgungsbereiches. Vielmehr werde die Versorgungssituation im östlichen Teil des Brühl-Viertels gestärkt. Und zwar dort, wo neue Käufer durch das geplante Studentenwohnen und durch Mitarbeiter der Technischen Universität im Umfeld des geplanten Innenstadt-Campus rund um die Alte Aktienspinnerei erwartet werden. Ratisbona-Projektleiter Schulze spricht von einer Aufwertung des Brühl-Gebietes.

Die heute in der Freie Presse veröffentlichte Visualisierung bringt mich doch ins Grübeln:



Das ist eben keine hingeklotzte, niedrige Baracke, sondern ein durchdachter Entwurf unter Berücksichtigung des Standortes. Ich finde sowohl den Anschluss an die Bestandsbebauung als auch die Gestaltung der Ecksituation gelungen. In Richtung Aktienspinnerei wird die Beurteilung schwieriger. Zusätzlich sollen ein Café und sogar Wohnungen im Gebäude untergebracht werden, was tatsächlich zur Belebung und deutlichen Aufwertung des Gebietes beitragen könnte. Alternative wäre, die traurige Brache noch Jahrzehnte ansehen zu müssen.

Deshalb bin ich für die Bebauung, allerdings nur, wenn sich die Stadt an ihrer eigenen Zukunftsvision für diesen Bereich orientiert. Diese findet sich in diesem Dokument auf Seite 7 rechts oben und sieht die Schaffung eines geschlossenen Karrees vor. Es sollte durchaus machbar sein, Gebäude und Parkflächen so auszurichten, dass diese Perspektive nicht verbaut wird. Vermutlich müsste dazu aber auch die Stadt ihre Planungen für diesen Bereich schneller detaillieren. Stückwerk hilft keinem.
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Alt 21.10.11, 20:28   #60
rotwang
 
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Ich frage mich, warum man am Edeka Markt an der Georgstraße fest hällt, denn nach den Plänen Speers, sollen dort ja neue Karrees errichtet werden.
Ich denke auch nicht, das trotz des Uni-Projektes dort an der Ecke wo der Netto Markt stehen könnte, so schnell ein Wohnhausneubau entstehen kann. Letztlich ist der Entwurf doch irgendwo gelungen und wäre eine schöne Ergänzung der gut entwickelten StraNa in diesem Bereich. Ich kann auch verstehen, wenn Befürworter endlich einmal eine Aktivität in diesem Viertel sehen wollen.
Bitte bauen.

Anbei auch einmal der Hinweis auf die HP des Architekten Andreas Richter. Er hat schon mehrere gelungene Entwürfe für Chemnitzer Bauten geliefert.

http://www.architekt-andreas-richter.de/index.html
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