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Alt 19.11.17, 09:40   #286
ElleDeBE
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ElleDeBE ist einfach richtig nettElleDeBE ist einfach richtig nettElleDeBE ist einfach richtig nettElleDeBE ist einfach richtig nettElleDeBE ist einfach richtig nett
^ Ein exzellentes Beispiel für das, was der französische Philosoph Jacques Rancière "Unvernehmen" nennt. Unvernehmen ist demnach nicht der Konflikt zwischen dem, der "weiß", und jenem, der "schwarz" sagt. Es ist der Konflikt zwischen dem, der "weiß" sagt, und jenem, der auch "weiß" sagt, der aber keineswegs dasselbe darunter versteht.

In diesem Fall sagt Querbalken "urban" und Hausschwamm sagt "urban", aber beide meinen darunter offenbar jeweils sehr unterschiedliche Dinge. Um dieses Unvernehmen aufzulösen, täte es Not, sich darüber zu verständigen, was man jeweils unter "urban" versteht, und ich vermute, dass Querbalken die soziale, Hausschwamm eher die architektonisch-städtebauliche Dimension hervorhebt.

Wer 1990 und später die Gegend um die Oranienburgerstraße durchstreift hat und z.B. das "Obst und Gemüse" gegenüber dem Tacheles noch gekannt hat, kann der damaligen einmaligen urbanen Intensität nur ewig nachtrauern, auch wenn klar ist, dass man sie nicht auf Dauer stellen konnte (wie ja auch die spätere Musealisierung der Gegenkultultur im Tacheles zeigte). Die Fotos der damaligen Brachen aus der Totalen, wie sie Hausschwamm verlinkt hat, sind hier faszinierend irreführend (so wie auch moderne Utopien aus dem Feldherrenhügel der Totalen in umgekehrter Weise irreführend sind, weil sie häufig verführerisch attraktiv aussehen, wo dann realiter tote Hose herrschte). Hier z.B. (http://bendebiel.com/wp-content/uplo...%BCse-1992.jpg) kann man einen etwas anderen Eindruck gewinnen.

Dass das Kottbusser Tor Kind monströser Autobahnpläne war und dennoch heute tatsächlich von großer Lebendigkeit geprägt ist (wenn auch von Kleinkriminalität, aber das geht zuweilen miteinander einher), ist eher ein Beleg für die Grenzen der Planbarkeit "urbaner Räume", und mir scheint, dass Quebalken in diese Richtung argumentierte.

Geändert von ElleDeBE (19.11.17 um 10:02 Uhr)
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Alt 19.11.17, 20:08   #287
Baukörper
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Baukörper könnte bald berühmt werden
Zitat:
Zitat von Hausschwamm Beitrag anzeigen
Am Tacheles war nach der Wende rein gar nichts urban. Der Hauptteil der Friedrichstraßenpassage ist bereits in den frühen 80ern dem Wahn der DDR zum Opfer gefallen. [/url]
In der DDR fehlten nun mal fast alle Voraussetzungen für ordentliche Bewirtschaftung. Dementsprechend sahen die Städte und Dörfer dann nach 40 Jahren aus. Den "Wahn" gab es aber im Westen auch, obwohl dort die Voraussetzungen vorhanden waren. Auf beiden Seiten wurden Gebäude abgerissen schlicht, weil man dafür keine Verwendung mehr hatte und egal
um welche Gebäude es sich handelte.

Zitat:
Zitat von Hausschwamm Beitrag anzeigen
Man vergisst so schnell, was für ein gigantischer Aufwand in Berlin betrieben wurde, um den Sauhaufen, den uns die sozialistischen Diktatur hinterlassen hat, wieder einigermaßen ansehnlich zu machen.
Das "ansehnlich...manchen" allein hilft nicht und es ist auch der falsche Ansatz. Besser wäre mehr Wert auf eine lebenswerte Stadtentwicklung zu legen.

Die Planungen zum Tacheles Quartier werden die Stadt wahrscheinlich ansehnlicher machen, ob sie dadurch auch lebenswerter wird bleibt abzuwarten.
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Alt 20.11.17, 07:36   #288
Hausschwamm
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Ich meinte damit das Füllen von Baulücken und das Sanieren des brutalst vergammelten Bestands. Größere Quartiere sind ein anderes Thema.

Der Wahn war sehr wohl für den Abriss der Friedrichstraßenpassage verantwortlich, denn das Gelände war von der DDR für eine neue breite Straße vorgesehen. Deswegen blieb auch der Rest, also das spätere Tacheles stehen.
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Alt 22.12.17, 19:18   #289
Backstein
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Tachelesgelände Baustelle

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Alt 22.12.17, 19:51   #290
DickesB
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DickesB ist im DAF berühmtDickesB ist im DAF berühmt
Bei diesem Projekt scheint man ja (mal wieder) meilenweit hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterherzuhinken.

In einem Artikel der Berliner Woche aus dem Februar dieses Jahres hieß es noch, dass ab Sommer bis zu 60 Lkw täglich über die Oranienburger Straße rollen sollen. Ferner wurde ausgeführt, dass Ende des Jahres an der Friedrichstraße der Rohbau der zwei- bis dreigeschossigen Keller begonnen werde. Die Planer gingen damals davon aus, dass sie im Sommer 2018 mit den Kellern fertig sein werden und dann in die Höhe bauen würden.

Die Fotos vom heutigen Tage lassen ggü. dem zu Beginn des Jahres veröffentlichten Foto jedoch kaum Unterschiede erkennen:
http://www.berliner-woche.de/mitte/b...n-d119088.html

Andererseits kann ich auf das Bauprojekt auch gern verzichten, sofern die von Notration im November auf diesem Board veröffentlichten gruseligen Rasterentwürfe von Herzog & De Meuron tatsächlich umgesetzt werden.
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