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Alt 25.08.16, 13:41   #16
Odysseus
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Bemerkenswerte und sehr erfreuliche Nachrichten aus Nürnberg. Die CSU Stadtratsfraktion spricht sich für den Abriss des Bestandsbaus und für eine Rekonstruktion des historischen Pellerhauses aus. In einem ersten Bauabschnitt soll das Nachbargebäude saniert werden, in einem zweiten dann das Nachkriegspellerhaus durch eine Rekonstruktion ersetzt werden.

Der neu entstehende Komplex soll vor allem kulturell genutzt werden, z.B. für Konzerte oder Ausstellungen.

http://www.nordbayern.de/region/nuer...ssen-1.5440640

Meiner Meinung nach ein epochaler wie konsequenter Schritt nach der Rekonstruktion des Hofes. Es wäre ein Traum für Nürnberg, wenn das vielleicht wichtigste deutsche Renaissancehaus wieder entstehen würde. Eine wirklich extrem positive Entwickung
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Alt 25.08.16, 23:14   #17
nothor
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Ja ist denn schon wieder Wahlkampf?

Aber endlich mal ein vernünftiger Vorschlag zum Egidienplatz aus unserer Politik! Anstatt mit Millionen Steuergeldern ein Provisorium künstlich am Leben zu halten, könnte man hier berichtigen was man einst nicht richtig gemacht hat.


Foto: A. Zemsch, aus Privatsammlung

Ich frage mich immer was es heisst angesichts der Zerstörungen durch kriegerische Einwirkungen 'das alles sei schlimm, aber immerhin die Gebäude kann man ja wieder aufbauen', wenn es dann seitens der Fachleute immer heisst man könne nicht wiederaufbauen was einmal verloren sei. Klar kann man das!
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Alt 26.08.16, 11:45   #18
Mattes
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Mattes wird schon bald berühmt werdenMattes wird schon bald berühmt werden
Ich sehe das anders. Natürlich war der ursprüngliche Bau wunderschön, aber deswegen einen sehr schönen Bau abreißen? Da wäre mir eine gelungene Sanierung lieber! .
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Alt 26.08.16, 12:59   #19
Pumpernickel
 
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Ich war von meinem Nürnberg-Besuch vor wenigen Jahren extrem enttäuscht. Die Stadt hat auf mich einen relativ verwahrlosten (städtebaulich gesprochen), lieblosen, zugigen Eindruck gemacht, geprägt von Autoschneisen und mehr schlecht als recht instandgehaltenen Nachkriegsbauten flächendeckend. Selbst das benachbarte Fürth erscheint im Stadtbild viel, viel harmonischer und historischer, auch wenn dort alles "nur" Gründerzeit" ist. Von der alten Kaiserstadt und Mittelaltermetropole Nürnberg ist außer einigen wenigen Leitbauten nichts mehr vorhanden, schon gar kein zusammenhängender Eindruck mehr, es kommt auch kein Gefühl historischen Flairs auf.

Und wie man an dieser Fotographie sieht könnte Nürnberg extrem von Rekonstruktionsbemühungen profitieren. In Dresden und zuletzt Frankfurt ist der Funke schon längst übergesprungen, selbst Berlin rekonstruiert inzwischen vermehrt. Aber gerade in Nürnberg, wo es soviel zu rekonstruieren gäbe, ziert man sich so dermaßen? Ich würde sogar als Auswärtiger dafür spenden, um mitzuhelfen, dass dieses schöne Gebäude wieder in Natura und Farbe zu sehen ist.
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Alt 26.08.16, 13:07   #20
Pumpernickel
 
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PS: der Ist-Zustand dieses Gebäudes und seines Umfelds ist ein schönes Beispiel für das, was mein Gesamteindruck von Nürnberg war. Überall Autos und lieblose Gestaltung, nur noch Fragmente lassen den einstigen Glanz Nürnbergs erahnen. Der einst prachtvolle Altstadtplatz Egidienplatz, an dem die Front des Pellerhauses lag, war bzw. ist heute nur noch ein trister Parkplatz mit wortwörtlichem Hinterhofcharakter:

http://www.nuernberg-aha.de/nuernber...idienplatz.jpg

Und das Gebäude auf der linken Seite auf dem Foto ist das ach so schöne aktuelle Pellerhaus. Eine Bausünde wie sie im Buche steht, sofort weg damit, wenn man dafür die alte Fassade wieder haben könnte.
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Alt 26.08.16, 14:24   #21
nothor
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@ Mattes: Was meinst du mit 'gelungener Sanierung'? Die Nachkriegsfassade ist ja noch im Originalzustand und gar nicht mal baufällig, es ist eher das Innere, was zu sanieren wäre. Die bestehende Fassade lässt sich nicht weiter "optimieren".Wie das Pellerhaus innen aussieht ist für die stadträumliche Wirkung auf den Egidienplatz egal. Das betrifft leider auch den rekonstruierten Hof.

@ Pumpernickel: Sehe ich auch so, wobei hinsichtlich des Egidienplatzes die Pellerhausfassade nur ein Baustein ist. Schlimm ist auch, dass der Platz aussieht wie ein Gebrauchwagenhandel und dass keine echten Publikumsmagneten gibt. St. Egidien ist keine Leitkirche der Altstadt und das derzeitige Pellerhaus ein trauriges Fragment. So kann sich der Platz natürlich nicht entwickeln.

Aber wenn man sich heute Fotos des Lorenzer Platzes oder Hauptmarktes aus den 1970'ern ansieht und das mit heute vergleicht, lässt einen das hoffen. Denn der Egienplatz sieht heute immernoch so aus, eine komplette städtebauliche Fehlnutzung ist dort festzustellen. Leider betrifft das viele Plätze in Nürnberg, die nur als Autoparkplatz genutzt werden.
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Alt 26.08.16, 16:07   #22
Pumpernickel
 
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Deswegen kann ich die Rekoskepsis nicht nachvollziehen. Schon mit der Reko einzelner Fassaden und der Aufwertung solcher Plätze (Autos verbannen, hochwertige Neupflasterung, ein Brünnchen, Sitzbänke,...) könnte man Lebensqualität und Stadtbild entscheidend verbessern.

Es scheint in Nürnberg aber eine geradezu eingefleischte Rekoskepsis zu geben, so ist mir im Gedächtnis geblieben, dass Herr Söder Nürnberg anbot eine kunsthistorisch bedeutende Ausmalung des Rathaussaals von Albrecht Dürer auf Staatskosten zu rekonstruieren (hier ein Foto des Saals vor der Zerstörung), das wurde dann aber mit Verweis auf das leere Rekogegner-Pseudoargument "Disneyland" abgelehnt. So als hätte der Künstler damals sein eigenes Blut als Malfarbe benutzt und so als läge die Orignalität einer Wandmalerei nicht an verwendeten Farbpigmenten, Maltechnik und dem Ort, sondern am Zeitpunkt, an dem diese Farbe dort aufgetragen wurde, innerhalb unserer kosmisch vollkommen irrelevanten und rein menschlichen Vorstellung von "Zeitrechnung".

Also gibt es dieses Meisterwerk nach wie vor nur auf alten Aufnahmen schlechter Auflösung in 2D zu sehen und nicht mehr in Natura. Könnte man den Dürer fragen glaube ich nicht, dass das in seinem Sinne ist. Aber darum geht es ja gar nicht bei fundamentaler Rekogegnerschaft, die zumeist ein Überlegenheitsgefühl bis hin zur Hybris der Gegenwart ist. "Wir können das heute alles besser, wir brauchen diese alten Zöpfe nicht", höchstens zähneknirschend wird Konservierung des Zerfalls von Werken aus früheren Zeiten geduldet, aber nur in Form von "Relikten", weswegen auch der Zerfall ("Zeitschichten") erhalten und bewahrt werden muss und keinesfalls darf man dementsprechend das Originalwerk, wie es sich ein Künstler oder Architektur einmal ausdachte, durch Rekonstruktion wieder so sichtbar machen, wie der Künstler oder Architekt einmal wollte, dass man sein Werk sieht.

Denkt man diese Mentalität nur lange genug konsequent fort, dann ist von unseren Vorfahren irgendwann nichts mehr außer Staub erhalten. Und so ist es ja jetzt schon fast in Nürnberg, eine Stadt mit so großer Geschichte, die aber weniger historisch in ihrem realen Antlitz ist als Städte der US Ostküste wie zB Boston, die sehr jung sind. Das ist dann das Endresultat, das Vergessen der Geschichte jenseits der beflißenen Zirkel von Kunsthistorikern, die vielleicht auch deswegen so gegen "Disneyland" wettern, weil sie sich die Exklusivität ihres Wissens sichern möchten? In jedem Falle ist zu hoffen, dass mit dem Ende der beruflichen Laufbahn der 68er Generation der Architekten, Planer und Kunsthistoriker wieder eine etwas pragmatischere Einstellung zu diesem Thema Verbreitung findet. Dieses Haus ist dazu wohl noch ein paar Jahre zu früh dran, noch lassen sich die zwar ergrauten aber immer noch sehr selbstbewussten "Modernisten" die Deutungshoheit über die Ästhetik unserer Zeit nicht aus den Händen nehmen, auch wenn es längst das ästhetische Empfinden alter Männer geworden ist.
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Alt 26.08.16, 23:29   #23
Ruhrgebietskind
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War vor zwei Tagen das erste mal am Egidienplatz und muss auch sagen, der Platz wirkt wirklich tot. Lohnt dann der sicherlich teure Aufbau der Fassade des Pellerhauses? Aber, ich glaube schon. Es ist ein herausragendes Zeugnis des Renaissance-Stiles, hervorragend ist diesér Stil an der Fassade und im Innenhof zum Ausdruck gebracht worden. Das Haus war nicht vollständig zerstört, der Innenhof wird wieder aufgebaut, die Fassade müßte jetzt renoviert werden, also muss Geld in die Hand genommen werden. Was liegt näher, als jetzt den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Wenn die CSU argumentiert, auch Krieg und Zerstörung sind Teil unserer Geschichte, so möchte ich nur einschränkend sagen: Der Aufbau einer Stadt und eine Zerstörung sind nicht auf eine Stufe zu setzen. Der Aufbau als etwas Produktives hat einen viel höheren Stellenwert und besitzt als bewahrende zeitgeschichtliche Maßnahme mit allen architektonischen Ausdrucksformen eine höhere Bedeutung als etwas, was im Zweifelsfall nach jeglicher Zerstörung bewahrt werden muss. Wie aber dann mit den Folgen des Krieges umgehen? Auch bewahrend, das heißt, was wieder hérgestellt werden kann und sinnvoll verwendet werden kann, sollte auch wieder hergestellt werden. Neu bauen da, wo solche Bauten sinnvoll architektonisch eingefügt werden können.
Was heißt das für das Pellerhaus? Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes kann die Initialzündung sein für die komplette Umgestaltung dieses lieblosen nichtssagenden Platzes, und das ist es wert.

Geändert von Ruhrgebietskind (27.08.16 um 08:04 Uhr)
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Alt 29.08.16, 10:14   #24
Berkowitz
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Berkowitz könnte bald berühmt werden
Die heutige Zeit lässt Rekonstruktionen zu, und diese neue Art des Denkens sollte bei der Nürnberger Stadtreparatur intensiv genutzt werden.
Der Nachkriegsbau des Pellerhauses war unter Berücksichtigung der Zeit seiner Entstehung keine absolute ästhetische Katastrophe. Jedoch ist seine Zeit vorbei, und seine Funktion des Lückenfüllers ist erfüllt. Da moderne Interpretationen dem Egidienplatz eher schaden als nützen können, ist die Rekonstruktion der Nordzeile mit Pellerhaus und seinen Flanken die einzige Möglichkeit dem Egididienplatz die Würde zurückzugeben, die er verdient.
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Alt 21.11.16, 14:31   #25
reini
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Es geht weiter:

http://www.nordbayern.de/region/nuer...eter-1.5630500

Ich finde die aktuelle Fassade aus den 50ern noch relativ gelungen und auch erhaltenswert, zeigt es doch die Folgen des Krieges (Verlust von Kulturgütern) auf.
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Alt 21.11.16, 16:22   #26
Saxonia
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Die Aussagen des stellv. Leiters des Denkmalpflegeamtes sind erschreckend, gar inkompetent, dogmatisch und beleidigend. Wenn solche "Fachleute" sich gegen die Rekonstruktion aussprechen, sollte man sich davon nicht beeindrucken lassen. Allein die Behauptung, das Pellerhaus sei um 1600 bereits "altmodisch" gewesen, zeugt entweder von Unkenntnis oder überheblicher Arroganz. Zu jener Zeit entstanden einige der bedeutendsten Renaissancebauwerke Deutschlands. Wenn überhaupt, dann steckte der Barock im Reich damals noch in den kleinstmöglichen Kinderschuhen und blieb bis nach Ende des 30jährigen Krieges weitgehend bedeutungslos. Selbst Schloss Friedenstein in Gotha, oft als Aufbruch in den Barock beschrieben, ist in weiten Teilen noch eine Renaissanceanlage.

Wenn ich außerdem noch lese, dass der Mann einst selbst noch unter Mayer Architektur studiert hat, dann erübrigt sich jedes Grübeln.
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Alt 21.11.16, 16:36   #27
Pumpernickel
 
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Ich finde die Äußerungen auch absolut unpassend und sachfremd. Es hat nichts mit dem "Zurückdrehen eines Rades" zu tun, noch mit einer "heilen Welt", wenn man Gebäude rekonstruieren möchte. Das sind höchstens Projektionen persönlicher Ressentiments gegenüber Rekonstruktionen auf diese Rekonstruktionen. Denn es gibt natürlich schon ein gewisses Milieu, das insgesamt gerne das Rad der Zeit zurückdrehen möchte und früher alles besser fand, das ist aber unter Architekturinteressierten genauso in der winzigen Minderheit, wie in jedem anderen Lebensbereich auch. Man sollte diese Leute nicht zusätzlich mit Aufmerksamkeit adeln, indem man deren Weltbild zum Diskussionsgegenstand von Reko-Debatten macht. Das absolute Gros der Menschen hat einfach Gefallen an hübschen Gebäuden und das aus möglichst vielen verschiedenen Epochen, anstatt nur (und darum geht es, das "nur"!) funktionale Bauten der Nachkriegsära unsere doch soviel älteren Städte prägen zu lassen. Die Mischung fehlt einfach und zumindest die Idee der Rekonstruktion sog. "Leitbauten" kann wieder Vielfalt aus diversen Epochen in die Stadtbilder bringen. Einfach, weil es gefällt und interessanter ist. Ohne kulturelle Restaurationsfantasien. Das ein für allemal anzuerkennen wäre wirklich wohltuend.

Paradox wird der Standpunkt dadurch, wie zuerst der Ursprungsbau in den höchsten Tönen gelobt wird - und dabei auch so einiges an Nostalgie vergoßen wird, siehe die These Architekten bauten heute gar nicht mehr so "durchgeplant". Da möchte man den Herren schon fragen "ja was hälst Sie denn dann eigentlich davon ab die Reko zu unterstützen?".

Man muss die Deutschen vor sich selbst schützen und sie am besten gar nicht nach ihrer Meinung zu Rekos fragen, sondern einfach machen und hinterher sind doch alle ganz begeistert und nach 10 Jahren will sich keiner mehr vorstellen, dass es jemals anders war oder diese Reko in Zweifel stand. So läuft es immer, immer, immer und immer wieder. Und trotzdem muss man alles immer wieder von vorne neu durchkauen.

Und dann hast du hier ein Gebäude, das in der Substanz sogar noch großteils original vorhanden ist und man muss lediglich die ahistorische Überformung entfernen (und ne, sorry, die ist häßlich und sonst nix, die kann man sich nicht "schönreden"). Und trotzdem trifft das auf solche Widerstände. Man fasst es nicht. Armes Nürnberg!
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Alt 21.11.16, 17:29   #28
Saxonia
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Die Liebeserklärung vom leitenden Denkmalpfleger Nikolaus Bencker gilt dem Mayer-Bau, nicht dem alten Pellerhaus. Sein Vize Vollmar bedauert ja sogar den Wiederaufbau des Hofes, wofür kein bisschen heilige Nachkriegsmoderne weichen musste. Hier hat es Nürnberg offenbar leider wirklich mit einer unheiligen Phalanx aus leidenschaftlichen Liebhabern von Nachkriegsgebäuden und gleichzeitig verbohrten Gegnern jedweder Rekonstruktion im Denkmalschutzamt zu tun. Das ist überaus bedauerlich, denn gerade Nürnberg mit seinem so einprägsamen Stadtbild hätte einen engagierten und weniger an der Moderne und ihren Dogmatismen festklebenden Denkmalschutz wirklich nötig.
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Alt 21.11.16, 17:44   #29
Pumpernickel
 
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Es gab ja durchaus einiges an gelungener Nachkriegsarchitektur, aber gerade Nürnberg sticht da auch einfach nicht hervor, diese Nachkriegsfassade schon zweimal nicht. Wenn man jenseits der paar verbliebenen Altstadtgässchen in Nürnberg unterwegs ist könnte das genauso gut Dortmund sein... da war die Nachkriegsmoderne in anderen Städten Bayerns wesentlich sehenswerter. Dafür gehörte das Vorkriegs-Nürnberg zu den architektonischen Perlen Europas. Was liegt also näher als - natürlich - die Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz zu stellen und Rekonstruktionen abzulehnen...?!

Und danke für die Korrektur. Das macht aus der von mir als paradox mißverstandenen Aussage nochmal was ganz anderes. Damit outten sich die Denkmalschützer Nürnbergs quasi als Nostalgiker bzgl. der Nachkriegsmoderne (siehe die Schwärmerei, so durchgeplant bauten Architekten doch heute gar nicht mehr, man kann sich die Emphase und Begeisterung in der Aussage lebhaft vorstellen). Und lehnen gleichzeitig die, so ist ja deren Sicht, reine Nostalgie der Reko-Befürworter ab. Die Nachkriegsmoderne ist ebenso ein lediglich historischer Baustil, wie der des originalen Pellerhauses. Ich denke, das hat den Herren Denkmalpflegern bisher noch niemand so richtig vor Augen geführt. Alles wird irgendwann "historisch".

Eine inzwischen 60 Jahre alte Fassade kann schlicht nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, "innovativer" zu sein, als die Originalfassade. Und was die politische Verquickung mit "Das Rad der Zeit zurückdrehen wollen" und "zur guten alten Zeit zurück wollen" betrifft: wann war denn Deutschland, Westdeutschland zumal, jemals "wohlgesitteter" und "heiler", aus Kleinbürgersicht, als in den Wirtschaftswunderjahren. Da herrschten noch Vollbeschäftigung, der Haushaltsvorstand, Zucht und Ordnung - eine Strenge, die sich auch in der Architektur dieser Zeit widerspiegelt... da liegt mir, als Nachgeborener, für den "Adenauer" genauso graue Geschichte ist, wie "Bismarck", die wesentlich verspieltere Architektur des originalen Pellerhauses näher, diese finde ich Anno 2016 zeitgemäßer, als den westdeutschen Nachkriegsmief, der hier steingeworden ist. Ich wette, auch so hat man es diesen Herren noch nie dargebracht. Wenn diese schon anfangen, die Sachfrage einer Rekonstruktion mit Weltanschauungen und historischen Bewertungen zu verbinden (siehe Artikel oben), dann müssten diese sich auch gefallen lassen, dass man darauf eingeht und damit die Nachkriegsfassade umso unattraktiver erscheint.
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Alt 21.11.16, 18:16   #30
nothor
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Die Liebeserklärung vom leitenden Denkmalpfleger Nikolaus Bencker gilt dem Mayer-Bau, nicht dem alten Pellerhaus. Sein Vize Vollmar ....
Moment!
  • Hr. Bencker ist Leiter der Unteren Denkmalbehörde in der Stadt Nürnberg, und ausgesprochener Fan der 50'er Jahre. Finde ich per sé auch nicht verkehrt, da ist er in Nürnberg genau richtig.
  • Hr. Vollmar ist stellvertretender Leiter des bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz, also der übergeordneten staatlichen Verwaltungsbehörde in München. Dort wird bestimmt, was ein Denkmal ist und was nicht und welches Bauwerk Hr. Bencker in Nürnberg Kraft Gesetzes schützen muss.

Hr. Vollmar ist wie ihr schon erkannt habt die schwache Figur in der Aufstellung der Reko-Gegner. Er verrät, dass ihn persönliche Erfahrungen mit den Architekten des Nachkriegshauses verbinden, was sein flammendes Plädoyer allerdings entkräftet. Stattdessen geht er unqualifiziert in die Offensive und wirft mit platten Unterstellungen um sich, v.a. "das Rad zurückdrehen" oder "ob man nicht doch mit dem Nürnberg zufrieden sein müsste, wie es geworden ist" anstatt mit einer "marktschreierischen Touristenattraktion in Form einer Retrofassade". Damit verkennt er den Denkmalwert der überwiegenden Gebäude der Nürnberger Altstadt. Mauer, Rathaus, Burg, Mauthalle, alles davon war nach dem Krieg, wie man in Nürnberg immer wieder lesen muss, "marode" bzw. sogar schwer oder komplett zerstört. Wiederaufgebaut fügen sich die rekonstruierten Monumente wie selbstverständlich in die Denkmalliste ein. Er, als Vertreter der Behörde sprechend, die genau dies so festlegt, widerspricht sich hier selbst.

Mit der Lobpreisung der Wiederaufbauarchitektur beflecken allerdings sowohl Bencker als auch Vollmar ihre weißen Westen: Denn die Zahlreich in Nürnberg vorhandenen Bauwerke stehen nicht alle unter dem Schutz, den sie verdient haben. Was ist mit der Hauptpost, v.a. innen ein ausgezeichnetes Zeugnis der 50'er Jahre? Was ist mit dem eigentlich denkmalgeschützten Landeskirchlichen Archiv von Schlegdendahl, einem der Nürnberger Architekturikonen? Einfach abgerissen mit Zustimmung des Denkmalschutzes! Auch gegen die massenweise durch Dämmung verschwindenden Fassadensgraffito an Häusern aus den 50'er-Jahren unternehmen die in Amt und Würden waltenden Fans dieser Epoche viel zu wenig.

Was man nicht vergessen sollte ist, die aktuelle Schlagzeile geht auf eine Veranstaltung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) zurück, die jüngst öffentlich die Werbetrommel für den Mayer-Bau als Kind der eigenen Zunft gerührt haben und sich mit Vollmar einen "Offiziellen" an Bord holten. Bencker als lokaler "Denkmal-Executive" musste folglich auch mit ran. Der Vorsitzende der Altstadtfreunde, Karl-Heinz Enderle hatte aus meiner Sicht damals schon recht als er sagte, dass die Nürnberger längst mit den Füßen darüber abgestimmt hätten welche Bedeutung der Nachkriegsbau in der Bevölkerung habe. Daher ist es auch ok, sich an den Argumenten der Lobby der Architektengilde nicht abzuarbeiten.
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