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Alt 06.05.16, 20:00   #91
mkwiteaux
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mkwiteaux ist im DAF berühmtmkwiteaux ist im DAF berühmt
Außerdem finde ich "schlicht, kühl, streng" überhaupt nicht zu dieser Stadt passen. Berlin ist vom Wesen her eher "wild, warm und ungezügelt".

Ich finde diese seltsame Leblosigkeit total konservativ.
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Alt 07.05.16, 18:23   #92
Architektenkind
 
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Zitat:
Zitat von mkwiteaux Beitrag anzeigen
Außerdem finde ich "schlicht, kühl, streng" überhaupt nicht zu dieser Stadt passen. Berlin ist vom Wesen her eher "wild, warm und ungezügelt". Ich finde diese seltsame Leblosigkeit total konservativ.
Hier muss man mal wieder auf den Unterschied zwischen Architektur und Städtebau hinweisen: Mein "schlicht, kühl, streng" bezog sich auf ein einzelnes Gebäude, und als Lob will ich das auch nur für einzelne Gebäude verstanden wissen. Würde man den ganzen Campus in diesem Stil bebauen, wäre das Ergebnis in der Tat ziemlich leblos. Das ist allerdings nicht geplant – die Visualisierungen für die Nachbarschaft zeigen ja, dass hier durchaus ein buntes Ensemble entstehen soll.

Dass es in der Europacity einmal "wild, warm und ungezügelt" zugeht, halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Zum einen könnte auch die gelungenste Architektur nicht aus dem Stand herbeizaubern, was in den Gründerzeitvierteln über 100 Jahre gereift ist: Urbanes Leben. Erstmal muss das neue Viertel mit der Stadt zusammenwachsen, Laufwege müssen sich ändern, Anlaufpunkte müssen entstehen. Die Bäume müssen wachsen, die Häuser brauchen Patina. Mit etwas Glück beginnt sich nach ein paar Jahren so etwas wie eine eigene Atmosphäre zu entwickeln. Mit etwas Pech passiert das nicht.

Zum anderen verdankt sich der "wilde, warme und ungezügelte" Ruf Berlins den rechtlichen Grauzonen in der Zeit nach dem Mauerfall, als leerstehende Altbauwohnungen und Lagerhäuser in Galerien und Klubs umfunktioniert wurden, ohne dass sich jemand groß um Baurecht, Gewerbeordnung oder Besitzverhältnisse gekümmert hätte. Diese Umbruchphase ist aber längst vorbei, und was an "wilden Orten" noch übrig ist, schmilzt unter dem Verwertungsdruck der Gentrifizierung dahin wie Alpengletscher im Klimawandel. In der Europacity wird die Grenze tolerierbarer Wildheit vermutlich erreicht sein, wenn ein Restaurantpächter Kerzen auf seine Tische stellt, ohne vorher ein Brandschutzgutachten eingeholt zu haben.
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Alt 07.05.16, 18:43   #93
Architektur-Fan
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^ Wenn man das Planmodell fürs Europaviertel gesehen hat, dann weiß man doch bereits, dass hier nichts Besonderes entstehen wird. Dabei wäre hier der ideale Ort, wo sich moderne Architekten mal richtig austoben könnten. Hier könnten die Modernisten mal richtig Vollgas geben und Brüche erzeugen, Loopings bauen und alles bringen, was die Moderne an Unangepasstem zu bieten hat.

Aber in Berlin gibt's leider immer diese Konsens-Sch..ße. Die Moderne im Europaviertel darf nicht zu spektakulär sein, weil es ja schließlich für Investoren passen muss. Die Moderne ist an die kurze Leine gelegt. Und in der historischen Mitte ums Stadtschloss gibt es nur ein halbherziges traditionelles Bauen. Dort besinnt man sich zwar wieder auf traditionelles Bauen, aber eben immer nur mit Abstrichen. Vollrekos gibt's ohnehin nicht.

Viel besser wäre es, wenn in den verschieden Stadtgebieten architektonisch Vollgas gegeben wird, jeweils in eine bestimmte Richtung. Im Europaviertel spektakuläre Moderne, im Schlossumfeld traditionelles Bauen ohne Abstriche.

Geändert von Architektur-Fan (07.05.16 um 19:09 Uhr)
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Alt 07.05.16, 19:40   #94
ReinhardR
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ReinhardR braucht man einfachReinhardR braucht man einfachReinhardR braucht man einfachReinhardR braucht man einfachReinhardR braucht man einfachReinhardR braucht man einfach
Eine vertane Chance!

^^
Das ist ja das, was ich nicht verstehe:
Wenn irgendein historisches Gebäude rekonstruiert werden soll, wird lautstark dagegen angegangen.
Hier aber, wo nun wirklich alle Kreativität sich austoben könnte, wird weitgehend nur Würfelhusten produziert.
Das 50-Hertz-Gebäude ist eine rühmliche Ausnahme. Aber sonst?
All´ die Großen, die am Pariser Platz oder sonstwo an die Leine genommen wurden, hätten doch hier zeigen können, was sie bei freier Entscheidung leisten könnten.

Ich finde das jammerschade!
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Alt 07.05.16, 20:49   #95
mkwiteaux
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mkwiteaux ist im DAF berühmtmkwiteaux ist im DAF berühmt
Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Dass es in der Europacity einmal "wild, warm und ungezügelt" zugeht, halte ich allerdings für unwahrscheinlich.
Warum?

Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Zum einen könnte auch die gelungenste Architektur nicht aus dem Stand herbeizaubern, was in den Gründerzeitvierteln über 100 Jahre gereift ist: Urbanes Leben.
Das urbane Leben musste in den Gründerzeitvierteln nicht 100 Jahre reifen. Es war um 1900 schon so, wie die Literatur belegt.

Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Zum anderen verdankt sich der "wilde, warme und ungezügelte" Ruf Berlins den rechtlichen Grauzonen in der Zeit nach dem Mauerfall, (...)
Nein.

Der Ruf kommt aus den Zwanzigerjahren. Vielleicht aber auch schon vorher. Wenn wir Hessel lesen, oder an die Expressionisten denken, oder ejegliche Art der Avantgarde. Das zog sich nach dem Krieg fort, bis zur Hippiegeneration, in die siebziger hinein mit Punkrock, später die wilden achtziger und so weiter. Und das geht bis heute weiter

Das gab es in dieser intensität in keiner deutschen Stadt. Wenn ich es recht überlege, nichtmal in London oder Paris. Wenngleich anders.
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Alt 08.05.16, 11:03   #96
paulekraft
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paulekraft befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
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Das ist allerdings nicht geplant – die Visualisierungen für die Nachbarschaft zeigen ja, dass hier durchaus ein buntes Ensemble entstehen soll.
Sorry, aber mit diesem Statement bringst du die zum Himmel schreiende Weltfremdheit des Großteils der Architektenszene auf den Punkt.
Buntes Viertel?
Und dann kommst du mit einem Würfel an, der aussieht wie alle anderen und auch noch dieselbe Farbe haben wird wie dieser KGB-Kasten??

Bis jetzt ist dort nur seelenlose Stangenware angekündigt worden, das wird nie ein buntes Viertel, so viel ist sicher.
Wie denn auch bei eintöniger Lüscher-Architektur und teuren Wohnungen, die Bewohnerschaft wird soziologisch gesehen auch sehr homogen sein, passt ja dann doch zur dortigen "Architektur"...

Zitat:
Zitat von paulekraft Beitrag anzeigen
Und dann kommst du mit einem Würfel an, der aussieht wie alle anderen und auch noch dieselbe Farbe haben wird wie dieser KGB-Kasten??
Ach nee, Asche auf mein Haupt, der hat ja ne minimale Auskragung, mutig mutig Herr Architekt...
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Alt 08.05.16, 11:34   #97
Theseus532
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@Paulekraft
Hast Du auch mehr als destruktives Genöle zu bieten?
Ehrlich gesagt sind deine Äußerungen völlig sinnfrei und sind für Diskussionen nicht besonders geeignet.
Irgendwie habe ich den Eindruck dass deine Bemerkungen eine Mischung aus Verschwörungstheorien (Das Lüscher Komplott) und persönlicher Unzufriedenheit (alles hässlich) darstellen und Du dies der Welt einfach nur mitteilen willst.

Ich denke die Grundstrukturen für das Europaviertel sind sehr gut gelöst. Die soziale Komponente wird berücksichtigt durch die Vielzahl von Mietwohnungen sowie dem verfolgten Ansatz der anteiligen sozial geförderten Wohnungen.

Die Gebäude die rings um den Hauptbahnhof entstehen, zeigen eine ordentliche Qualität von Tour Total über den Kunstcampus, das Hertz Gebäude, Moneo finde ich auch hervorragend und es kommen ja noch einige dazu.
Die Wohngebäude werden sicherlich etwas eintöniger aber insgesamt von guter Qualität.
Ob das Viertel eine urbane Ausstrahlung bekommt, werden wir frühestens in 15 Jahren wissen, Urbanität lässt sich nur schwer auf dem Reissbrett planen.
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Alt 08.05.16, 12:21   #98
Architektur-Fan
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Architektur a la Axel Springer Campus ins Europaviertel

Zitat:
Zitat von Theseus532 Beitrag anzeigen
Irgendwie habe ich den Eindruck dass deine Bemerkungen eine Mischung aus Verschwörungstheorien (Das Lüscher Komplott) und persönlicher Unzufriedenheit (alles hässlich) darstellen und Du dies der Welt einfach nur mitteilen willst.
Na ja, Paulekrafts Unzufriedenheit ist berechtigt, weil die hier entstehende Architektur einfach nicht gut genug ist.

Zitat:
Zitat von Theseus532 Beitrag anzeigen
Die Gebäude die rings um den Hauptbahnhof entstehen, zeigen eine ordentliche Qualität von Tour Total über den Kunstcampus, das Hertz Gebäude, Moneo finde ich auch hervorragend und es kommen ja noch einige dazu.
Ordentliche Qualität ist hier aber zu wenig. Bei x-beliebigen, "normalen" Bauflächen sollte ordentliche Qualität eigentlich Standard sein. Hier, im Europaviertel, sollte schon mehr möglich sein als nur "ordentlich". Hier sollte außergewöhnliche Architektur der Anspruch sein.

Was ich mit außergewöhnlicher Architektur meine, kann man sehen, wenn man sich den geplanten Neubau für den Axel Springer Campus von Rem Koolhaas anschaut. Solche Architektur würde exzellent ins Europaviertel passen. Gebäude, die die normalen Gestaltungsformen aufbrechen und mal was Anderes wagen. Für solche Architektur wäre das Europaviertel doch hervorragend geeignet, denn hier besteht nicht die Gefahr, daß man etwas historisch Gewachsenens stören könnte. Hier könnte man eine Spielwiese für architektonische Verrücktheiten aufziehen. Warum man man das nicht? Haben die Stadtplaner dazu zu wenig Mut?

Von mir aus könnte man hier auch die besten Länderpavillions, die bei der Expo 2000 in Hannover gestanden haben, wieder aufbauen. Warum man man das nicht? Wo soll spektakuläre Architektur denn sonst enstehen, wenn nicht hier?

Geändert von Architektur-Fan (08.05.16 um 13:11 Uhr)
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Alt 08.05.16, 13:07   #99
DickesB
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Ich bin auch nicht der Ansicht, dass "die Grundstrukturen für das Europaviertel sehr gut gelöst sind".

Mir ist es bspw. völlig unverständlich, warum man die stark befahrene Heidestraße nicht direkt an das Gleisbett verlegt hat. Stattdessen zerschneidet die Straße die künftige Europacity in zwei Hälften, und statt einer Lärmquelle hat man nun derer zwei.

Auch der Verzicht auf das ursprünglich geplante Hafenbecken stellt m.E. ein Armutszeugnis für Berlin dar. Die Marina hätte 8 Mio. Euro gekostet. Gescheitert ist sie an der fehlenden anteiligen Finanzierung durch die EU. In einer Stadt, die monatlich rd. 29 Mio. Euro für einen nicht funktionierenden Flughafen zahlt, ist es schon ein starkes Stück, wenn die langfristige positive Entwicklung eines Stadtquartiers an vergleichsweise lumpigen 8 Mio. Euro scheitert.

Über die banale Architektur (s. Zoomarchitekten, "Rieck1" von Kleihues), die im hinteren, vom Hauptbahnhof abgewandten Teil der Europacity entstehen soll, will ich mich hier erst gar nicht erst echauffieren.
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Alt 08.05.16, 13:35   #100
DerBe
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Zitat von paulekraft Beitrag anzeigen
Sorry, aber mit diesem Statement bringst du die zum Himmel schreiende Weltfremdheit des Großteils der Architektenszene auf den Punkt.
Buntes Viertel?
Und dann kommst du mit einem Würfel an, der aussieht wie alle anderen und auch noch dieselbe Farbe haben wird wie dieser KGB-Kasten??

Bis jetzt ist dort nur seelenlose Stangenware angekündigt worden, das wird nie ein buntes Viertel, so viel ist sicher.
Wie denn auch bei eintöniger Lüscher-Architektur und teuren Wohnungen, die Bewohnerschaft wird soziologisch gesehen auch sehr homogen sein, passt ja dann doch zur dortigen "Architektur"...
Ist denn Frau Lüscher auch in Frankfurt am Main zu Gange? Dort sieht das Europa-Viertel ähnlich dem in Berlin geplanten aus. Vielleicht doch mal den Alu-Hut absetzen.
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Alt 08.05.16, 17:20   #101
snitch
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snitch wird schon bald berühmt werdensnitch wird schon bald berühmt werden
ich möchte die Europacity gar nicht vorverurteilen bevor sie denn überhaupt ansatzweise fertig ist. Aber ich fürchte urbanität und aufenthaltsqualität wird es hier perspektivisch eher nicht geben. Ich finde man kann durchaus "erahnen" wie sich das Viertel später mal anfühlen wird.
Ich überlege gerade ob mir ein Neubauquartier in Berlin mit urbaner, lebendiger aufenthaltsqualität einfällt... aber ich glaube fast es gibt tatsächlich keins.
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Alt 08.05.16, 23:25   #102
Bummler
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Zitat:
Zitat von Theseus532 Beitrag anzeigen
Ich denke die Grundstrukturen für das Europaviertel sind sehr gut gelöst. Die soziale Komponente wird berücksichtigt durch die Vielzahl von Mietwohnungen sowie dem verfolgten Ansatz der anteiligen sozial geförderten Wohnungen.

Die Gebäude die rings um den Hauptbahnhof entstehen, zeigen eine ordentliche Qualität von Tour Total über den Kunstcampus, das Hertz Gebäude, Moneo finde ich auch hervorragend und es kommen ja noch einige dazu.
[...]
Sehe ich genauso und zumindestens, trotz Schwachpunkte, ein gewisser mir genehmer Stil bis hin zum Hbf. und seinem Umfeld.
Dazu auch ein dieser Diskussion dienlicher und recht aktueller Artikel von Jan Friedrich aus der Bauwelt, veröffentlicht über der Senatsverwaltung.

Artikel

Sofern man dem Artikel hoffentlich glauben schenken kann, soll es wohl bei den Wohnungen hauptsächlich nicht um „kalte Betten“ Kapitalanlagen Eigentumswohnungen gehen, auch der angesprochene Punkt der Lärmbelastung von DickesB wird thematisiert.
Die Heidestraße soll ja zum Boulevard ausgebaut werden, tolle breite Bürgersteige sind nun vorhanden und es werden sicherlich wunderschöne Fahrradstreifen entstehen.
Zumal es ja ganz grundsätzlich so ist, das Architektur auch immer ein bisschen Platz zum atmen und bewundern braucht. Daher vielleicht der Weg durch die Mitte. Würde man dies nur mit Stadtplätzen gestalten, hätte man kein Platz für die Straße, da das Areal nur 300m breit ist.
__________________
Alle Bilder sind von mir,sofern nichts anderes angegeben ist.(C)Bummler

Geändert von Bummler (09.05.16 um 15:02 Uhr)
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Alt 09.05.16, 10:14   #103
Oranien
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Ich sehe es wie Snitch: Ürbanität wird es eher nicht geben - statt dessen mal wieder Vorstadt in der Innenstadt - vom Lebensgefühl her. Und der Eindruck tügt leider nicht: Die in Mode gekommene Verweigerung von Verdichtung auch bei zentral gelegenen Neubauvierteln ist ein deutschlandweites Problem - und reflektiert den neuen Biedermeier, der leider über dieses Land hereingebrochen ist.

Ich fürchte auch, dass die Heidestrasse als "Boulevard" nicht funktionieren wird. Zu breit für die verhältnismäßig geringe Verdichtung. Was dann passiert, kann man auf der Karl-Marx-Allee besichtigen. Die funktioniert auch nicht, wird es auch nie. In Frankfurt wird in noch größerem Maßstab in Form der Europa-Alle(Europa Boulevard?) ähnliche Öde erzeugt. Beispiele gibt es leider genug.

Und das Ganze 300m vom Hauptnahnhof einer 3,5 Mio Stadt. Man würde es nicht glauben, wenn man es nicht sehen müsste. Man stelle sich vor, zur Gründerzeit wäre um den Potsdamer, Anhalter oder Stettiner Bahnhof genauso gebaut worden.
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Alt 09.05.16, 17:33   #104
TwistedRoad
 
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Biedermeier oder Gründerzeit...wann wird mal über das 21. Jahrhundert nachgedacht???
Auch wenn der derzeitige Bauboom schon als 2 . Gründerzeit deklariert wird, sind unsere Lebensumstände heute ganz anders.
Auch wenn im Forum häufig die Verdichtung der Gründerzeit gelobt wird, stimmt da doch was nicht ueberein:
Verdichtung in dieser Zeit hiess: Die Reichen in der Belletage, das einfache Volk in den Seitenfluegeln und Hinterhoefen. Dort herrschte aber drangvolle Enge!! In den Arbeitervierteln gab es hinter den Gründerzeitfassaden direkt drangvolle Enge mit 8 koepfigen Familien in einer Wohnung bis in den 4. Hinterhof. Die Bevoelkerung in Berlin explodierte.
HEUTE waechst die Stadt zwar, aber vergleichsweise moderat.
Und wir sind nicht mehr die Stadt der 8 Koepfigen Familien sondern die HAUPTSTADT der Singles! In 20 Jahren wird jeder 4. Berliner ueber 60 sein, etc.
Eine Verdichtung wie in dieser Zeit tut also keine Not.
Es kommt doch eher auf die Mischung an: Der lebendige Kiez lebt von Wochenmarkt, kino um die Ecke, Kneipe, Hinterhoftheater, kita, Schreinerei etc. Wenn man dies im Europaviertel findet dann kommt auch die Urbanitaet, wenn nicht wirds oede...
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Alt 09.05.16, 18:49   #105
Oranien
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Ich sehe das exakt umgekehrt: die Gründerzeit hat es geschafft, unterschiedliche soziale Schichten auf engem Raum miteinander zu verbinden. Die Reichen vorn - die Armen hinten. Die Moderne verbannt die "Armen" in die Vorstadt-Hochhus-Siedlung. Sie reduziert die Berührungspunkte zwischen den sozialen Schichten auf ein Minimum. Sperrt die Leute einfach weg.

Und ja richtig: Berlin explodierte während die Gründerzeit. Sozialgeschichtlich ist es extrem beeindruckend wie im Verhältnis gut dieses Wachstum baulich und stadtstrukturell bewältigt wurde. Ich möchte mal sehen, wie heute so ein Wachstum bewältigt werden würde. Mein Tip: Besuch mal eines der Banlieus in Paris. Einige Berliner Heulsusen meinen ja schon unter dem im Verhältnis lächerlichen Wachstum der letzten Jahre zu kollabieren.
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