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Alt 26.09.12, 15:42   #31
ARCADIEN
 
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@richard neutra
eigentlich, und eingedenk der großen tradition der wilhelmstraße als regierungsstraße... wäre hier der adäquate ort um ministerien anzusiedeln. es gibt ja noch mehr als die hälfte davon in bonn.
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Alt 26.09.12, 15:54   #32
nordklinker
 
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Ich kann diesen Argumenten, von Ghettoisierung und Vertreibung, was die kommende bauliche Aufwertung der Wilhelmstrasse betrifft nicht folgen. In meinen Augen ist gerade diese Gegend dort von Anfang an als Ghetto gedacht gewesen, und zwar für die DDR-Nomanklatura, also für privelegierte SED- und Stasi-Chargen. Kein Normalberliner hätte dort, in Mauernähe, eine Wohnung zu Ostzeiten bekommen. Und nun sind eben die Zeiten für diese Herrschaften vorbei und mit ihnen die geliebten Privilegien... Auch der Hinweis auf die Banlieues de Paris greift voll daneben, denn die die dort wohnen, haben niemals neben dem Eifelturm oder am Louvre gewohnt...
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Alt 26.09.12, 16:16   #33
Hobbyist
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Noch dazu kommt ja, WER modernisiert und damit Gentrifizierung begünstigt. In Marzhan wurde und wird ja auch modernisiert und es werden die alten Mieter nicht verdrängt, eben weil die Modernisierungen meist von Wohnungbaugesellschaft/-genossenschaften durchgeführt werden.
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Alt 26.09.12, 16:47   #34
Chandler
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Chandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz seinChandler kann im DAF auf vieles stolz sein
Zitat:
Zitat von nordklinker Beitrag anzeigen
..... Und nun sind eben die Zeiten für diese Herrschaften vorbei und mit ihnen die geliebten Privilegien...
Hast du die letzten 20 Jahre auf einer abgelegenen Insel verbracht und jetzt erst gemerkt, dass die Mauer gefallen ist?
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Alt 26.09.12, 16:52   #35
Gast14Jan
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Diese Platten, die einigen hier so in den Augen brennen, hat die Geschichte nun mal an dieses Ufer gespült und da stehen sie nun an dieser prominenten Ecke und bieten Wohnraum - ob alten Bonzen oder Kadern, ob sozial schwach (kann ich mir nicht vorstellen) oder nicht - egal, es ist Wohnraum mitten im Zentrum, und der ist knapp! Als Stadt hätte ich alles versucht, diesen zu erhalten - nein statt dessen wurde 2004 verkauft um das Profitpotenzial, welches diese Ecke bietet, abzuschöpfen. Nun ist der Zug abgerauscht. Ein privater Besitzer hat natürlich an dieser Stelle ganz andere Interessen, als das Gemeinwesen Stadt. Jedenfalls ist es mir, als Teil dieses Gemeinwesens schnuppe, ob nun irgendwelche Investoren an der Wilhelmstraße die Möglichkeit erhalten, das Maximale aus der Top-Lage im Herzen der Stadt herauszuholen, aber ich hab ein großes Interesse daran, dass der Wohnungsmarkt nicht durch unnötige Vernichtung von intaktem Wohnraum noch weiter angeheizt wird - egal wie die Platte in der Wilhelmstraße aussieht! Darum gehts, nicht um irgendwelche unverschämten Mieter - womöglich alte Kommunisten, die verbiestert ihre alten Privilegien verteidigen ... wie verblendet muss man sein, um so zu denken.
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Alt 26.09.12, 19:04   #36
Richard Neutra
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@ ARCADIEN: Es gibt ja bereits die Landesvertretungen nebenan, da wäre ein bisschen Durchmischung mit Wohnbebauung auch weiterhin nicht schlecht. Weitere Ministeriumsbauten kann man meiner Meinung nach eher weiterhin im Spreebogen und Umgebung ansiedeln.

@ Gast14Jan: Die Ästhetik sollte an so einer besonderen Lage schon eine Rolle spielen, Wohnraummangel hin oder her. Sonst könnten wir auch einfach ein paar Wohnplatten in den Tiergarten oder auf den Platz der Republik stellen, Platz wäre ja genug vorhanden.
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Alt 27.09.12, 09:27   #37
Gast14Jan
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Zitat:
Zitat von Richard Neutra Beitrag anzeigen
@ Gast14Jan: Die Ästhetik sollte an so einer besonderen Lage schon eine Rolle spielen, Wohnraummangel hin oder her. Sonst könnten wir auch einfach ein paar Wohnplatten in den Tiergarten oder auf den Platz der Republik stellen, Platz wäre ja genug vorhanden.
mittlerweile schon fast OT: die Ästhetik sollte natürlich idealerweise überall eine Rolle spielen - ohne Frage, aber das, was schon dasteht, kann maximal aufgehübscht werden. Moden, Geschmäcker und Umstände ändern sich bekanntlich und was heute als schön gilt, kann morgen schon in Ungnade gefallen sein. Aber Abrisse allein aus ästhetischen oder Profitsteigerungs-Gründen, wenn die Gebäude ansonsten funktional in Ordnung sind, sind höchst fragwürdig.
Gast14Jan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.12, 09:55   #38
ARCADIEN
 
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@richard neutra

ja ich weiss dass die landesvertretungen um die ecke sind. aber dies war nie eine wohngegend sondern immer der standort von ministerien, des reichspräsidentenpalais, des reichskanzlerpalais, verschiedener institutionen, hotels, einer kirche etc. erst die ddr hat hier ganz bewusst diese wohnblöcke hochgezogen, das heisst ja nicht dass es für immer so bleiben muss, oder?
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Alt 27.09.12, 10:08   #39
Richard Neutra
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Nein, natürlich nicht. Aber es besteht dadurch ja kein Zwang zum Urzustand zurückzukehren.
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Richard Neutra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.12, 19:42   #40
Echter Berliner
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Echter Berliner braucht man einfachEchter Berliner braucht man einfachEchter Berliner braucht man einfachEchter Berliner braucht man einfachEchter Berliner braucht man einfachEchter Berliner braucht man einfach
Ostberlin - Wahnsinn

Den Vorschlag mit den Ministerien finde ich sehr gut.

Natürlich muß die jetzige Bebauung noch mindestens 10 Jahre so stehen bleiben, aus naheliegenden Gründen. Vor allem aber, weil ich nicht Verschandelung auf West-Niveau haben möchte. Die DDR-Bauten als Müll zu bezeichnen ist völlig absurd. Das sind noch die besten Plattenbauten, die Ostberlin zu bieten hat. Es ist dekadent, sie schnell abzureißen, und es besteht die Gefahr, daß dort Müll auf Westniveau hinkommt.

Man sollte nicht nur hier warten, bis Berlin wieder stärker es selbst geworden ist und später die Qualität allgemein steigt. Die Plattenbauten auch anderswo haben vor allem den Sinn, Schlimmeres auf Westniveau zu verhindern. Ministerien wären eine tolle Sache. Natürlich auch noch anderes. Aber zumindest zum Teil eine Wiederherstellung der alten DNA.
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Alt 27.09.12, 20:44   #41
Konstantin
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Leute, die fraglichen Platten sind größtenteils Eigentumswohnungen. In jedem Fall im Privatbesitz. Deshalb wird da vorest garnix abgerissen.
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(C) für Abbildungen, soweit nicht anders angegeben, bei mir
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Alt 27.09.12, 23:45   #42
Kleist
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Zitat:
Zitat von Echter Berliner Beitrag anzeigen

Es ist dekadent, sie schnell abzureißen, und es besteht die Gefahr, daß dort Müll auf Westniveau hinkommt. ...
... Die Plattenbauten auch anderswo haben vor allem den Sinn, Schlimmeres auf Westniveau zu verhindern.
Interessanter Ansatz,dass die Platte jetzt auf einmal dafür gut sein soll,Schlimmeres aus dem bösem,unästehtischen Westen zu verhindern.Muss die Architekturgeschichte neu geschrieben werden oder habe ich da was verpasst ? Ich weiss auch nicht,wofür hier ein Ost West Gegensatz verwendet wird.Das was heute gebaut wird ist keine Westarchitektur,es ist Architektur,die sich weiterentwickelt.

Ich begrüße den geplanten Abriss nicht.Dieser geschieht rein aus kommerziellen Gründen,keineswegs geben ästhetische Überlegungen den Anlass für den Abriss.Mir fällt spontan auch kein Beispiel dafür ein,dass ein Haus aus ästhetischen Gründen plattgemacht wurde.Das es für den Abriss noch Förderung und Altschuldenerlass gibt,ist IMHO volkswirtschaftlicher Irrsinn.


Hier ein Foto des Abrisskandidaten aus dem Juni 2012


eigenes Bild,gemeinfrei
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Alt 28.09.12, 07:52   #43
necrokatz
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Es gibt in der Tat hässlichere Platten, aber ich würde diesen auch nicht nachtrauern wenn sie gänzlich verschwänden. Das nun auf einmal die Gentrifizierungskarte gespielt wird, war vorhersehbar, ist aber wegen der speziellen Umstände hier mehr als fragwürdig. Immerhin handelt es sich größtenteils um 'Luxusplatten' ehemaliger DDR-Funktionäre. Warum sollte sich die Allgemeinheit dafür interessieren wenn Luxus durch bessereren Luxus ersetzt wird oder warum sollte man sogar noch Mitleid mit den Bewohnern haben? All solche Argumente werden übrigens durch inflationäre Benutzung entwertet und nicht mehr ernst genommen - was eine Diskusion jenseits der politischen Lagerbildung verhindert.



@Echter Berliner: Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen, auch von dir nicht. Soll man sich deiner Meinung nach diese Platten als Bollwerk gegen die Architekten aus dem Westen denken? Wie soll man sich das vorstellen?
necrokatz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.12, 09:52   #44
Batō
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Ein paar Verbesserungen sollte man an deinem Beitrag schon noch vornehmen:
Immerhin handelte es sich größtenteils um 'Luxusplatten' ehemaliger DDR-Funktionäre. Warum sollte sich die Allgemeinheit dafür interessieren wenn ehemaliger Luxus durch bessereren Luxus ersetzt wird oder warum sollte man sogar noch Mitleid mit den Bewohnern haben?

Woher weißt du eigentlich wer derzeit im Gebäude wohnt? Ich halte die Abwehrhaltung der Bewohner eher für einen natürlichen Reflex. Wer hätte schon Lust eine Wohnung in so einer Lage mit einem vermutlich deutlich geringeren Preis im Vergleich zu anderen Wohnungen in der Ecke aufzugeben? Der ein oder andere Mieter hofft vielleicht auch darauf, dass der Vermieter ihn zu guten Konditionen aus der Wohnung rauskauft.
Würde ich dort wohnen würde ich genauso versuchen das Maximale an Profit für mich herauszuholen.

Den Beitrag von Echter Berliner hab ich allerdings auch nicht verstanden. Was soll denn Müll/Schlimmeres auf Westniveau sein? Der Entwurf von HemprichTophof sieht doch solide aus und dürfte die Gegend deutlich aufwerten.
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Alle Bilder, soweit nichts anders angegeben, stammen von mir.

Berlin à la carte - die Projektkarte
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Alt 28.09.12, 12:09   #45
jan85
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Das Dilemma des Stadtplaners (Sorry z.T. etwas OT)

Ich habe die bisherige Diskussion mit großem Interesse verfolgt. Ich finde es nämlich sehr bedenkenswert, dass inzwischen einige hier im Forum nicht mehr mit der rein ästhetischen Funktion von Gebäuden (bzw. deren sichtbaren Fassaden) argumentieren und dass eine "Aufwertung", insbesondere aber nicht nur in Bezug auf Wohngebäude (vgl. Mediaspree), inzwischen von ebenso vielen kritisch hinterfragt wird. Gegner des Projekts würden Aufwertung demnach eher als Euphemismus für Verdrängungsmechanismen, i.e. eine Entmischung der sozialen Gruppen verstehen. Zumindest sind dies zwei Seiten der gleichen Medaillie. Ich will das für hier nur feststellen, nicht bewerten, denn letztlich spüre ich nach wie vor beide Tendenzen in mir und befinde mich sozusagen noch in einem Abwägungs- und Meinungsbildungsprozess. Ich will nicht einfach nur mit dem Strom des vermeintlich politisch Korrekten schwimmen, aber ich will mich auch nicht den sozialen Argumenten der Kritiker verschließen, die sich mE keineswegs völlig von der Hand weisen lassen.

Als Jugendlicher und junger Erwachsener fand ich die besagten Blöcke übrigens immer überaus hässlich und konnte die hier inzwischen herausgestellte bauliche Qualität wie auch das eher junge Baudatum nicht erkennen. Von hochwertig ausgeführtem DDR-Luxus wäre ich da keinesfalls ausgegangen, eher vom Gegenteil und es passte irgendwie gefühlt einfach nicht dorthin. Ich hätte folglich rein gar nichts gegen einen Abriss gehabt. Und wenn ich die hier präsentierten sehr gediegenen und hochwertigen Entwürfe sehe, habe ich auch jetzt ein gewisses inneres Streben dannach, dass die immer als ästhetischer Schandfleck wahrgenommene "Wunde" in der schönen Stadtlandschaft endlich durch etwas Angemesseneres ersetzt wird. Gleichzeitig muss ich offen zugeben, dass ich selbst aus praktischen Erwägungen heraus mit meiner Familie gerade erst eine sehr gemütliche aber etwas schlecht geschnittene und kaum sanierte kleine Wohnung in einem äußerlich sehr hübsch sanierten Altbau als Teil eines stilvollen Ensemble in der Innenstadt (dazu noch mit günstiger Miete) für eine frisch sanierte Whg in einem sonst weitgehend unsanierten und eher hässlichen (West-)Plattenhausbau der Sechziger eingetauscht habe (Kategorie praktisch und preiswert). Von der Fassade her eine krasse Zurückentwicklung, die mich/ uns zuerst schmerzte. Von der Wohnqualität her hat es hingegen keiner von uns auch nur kurz bereut. Ich will das nicht zu weit ausführen (könnte einen ganzen Aufsatz darüber schreiben ), aber es zeigt wie Bato es schon andeutete eine innere Widersprüchlichkeit: Wie würde man sich selbst als Mieter eines solchen Blocks fühlen, der eine tolle Lage und Wohnqualität zum attraktiven Preis hat. Sicher würde man für den Status quo kämpfen und das ist völlig legitim, mE vermutlich sogar legitimer als alleinig die eigenen ästhetischen Bedürfnisse als Flaneur o.Ä. Und wer sagt, dass bezahlbarer Wohnraum auch in solch attraktiver Zentrumsnähe nicht eine mindestens ebenso hohe Priorität haben sollte wie die Interessen der Investoren die sogar noch subventioniert würden und letztlich zahlen wohlhabende Mieter nicht immer auch höhere Steuern etc. (ok, das ist jetzt langsam doch eine gewisse Wertung). Nachdenklich hat mich auch gemacht, dass ausgerechnet der Chef von visitBerlin letzt jemanden zitiert hat, wonach der Tourismus etwas genau kaputt macht, indem er es findet (auch wenn nach seiner Ansicht langsam mögliche Lösungen gefunden würden). Und es stimmt mE: Alles kann kippen, wenn es ins Extrem getrieben wird.

Das mag gerade in Bezug auf Berlin mit seinen vielen Brachen und häßlichen "Bausünden" reaktionär und spießig klingen (ich selbst habe in Bezug auf die Mediaspree-Gegner schon so argumentiert). Aber ehrlich ich war in Paris - da kommt es, dass unhaltbare Extrembeispiel aber es geht mir rein um die Tendenz - und fand es hübsch und ansehnlich aber kein Stück wohnens- oder lebenswert: Nicht grün genug, nicht vielfältig genug, zu monoton und eng, geradezu erdrückend (ich war fasziniert und geschockt zugleich)... Da darf mE lieber mal ein biederer Genossenschaftsbau in Zentrumsnähe errichtet werden oder eben eine Platte etwas länger bleiben, vielleicht sogar noch einmal modernisiert werden, dann darf ruhig einmal für Parks oder einen Uferstreifen demonstriert werden und so in der Summe das ein oder andere ästhetisch anspruchsvollere Bauprojekt auf der Strecke bleiben. Die Aufwertung wird doch kommen - nur Geduld haben - und Berlin wird sich hoffentlich auch weiterhin wirtschaftlich dynamisch entwickeln. Dazu muss man nicht jedem Investor gleich den roten Teppich ausrollen. Es wird doch aktuell sogar eher ein Überangebot an hochwertigem Wohnraum geschaffen während, nicht flächendeckend aber doch an vielen Stellen, stark nachgefragter bezahlbarer Wohnraum im Zentrum und Großzentrum (S-Bahn-Ring) der Stadt verschwindet.

Da ist man als Stadtplaner doch fast in der Pflicht antizyklisch zu handeln. Zumindest aber sollte all dies immer ein Teilaspekt sein, der für jedes konkrete Projekt geprüft werden sollte - so denn überhaupt politischer Handlungsspielraum besteht. Ich will sicher keinen Stillstand und keine Überregulierung (und ich freue mich auch weiterhin über ästhetisch anspruchsvolle und hochwertige Projekte), aber in diesem konkreten Fall hier würde ich die Pläne doch eher noch ein paar Jahrzehnte in die Schublade verbannen und stattdessen den Bestand etwas pflegen/ optisch auffrischen. Sorry, mir ist selber bewusst dass ich in vielen Worten wenig Neues gesagt habe, aber ich wollte nur meine Sichtweise hinzufügen - zumal ich irgendwie eine Polarisierung in solchen Fragen befürchte...

P.S.: Vielleicht sollte man langsam einen projektübergreifenden Thread zum Thema eröffnen (hab bisher keinenwahrgenommen/ gefunden, nur Verstreutes in allgemeinen Threads e.g. Berliner Immobilienwirtschaft, Architektur kontrovers diskutiert etc. und in solchen zu einzelnen Projekten).
jan85 ist offline   Mit Zitat antworten
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